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Full text of "Oesterreichische botanische Zeitschrift"

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M.  SAUTER 

RELIEUR 

JEDES6RANGES. 

G  E  N  f  V  E 


ÜSTERREICHISCHB 


HERAUSGEGEBEN  UND  REDIGIRT 


VON 


Dr.  RICHARD  R.  v.  WETTSTEIN 

l-UOFKSSUK   AN   DEK  K.   K.    DEÜTSCHKN    LXIVERSITÄT   IX   PBAG. 


XLIV.  JAHRGANG. 


MIT  7  HOLZSCHXITT-FIGUREN.  l  KARTE  UND  :\  TAFELN. 


WIEN  1894. 

VERr.AG   VON  CARL  GERULD"«  SOHN. 


C.   felii-rroutersche  Bucl.dmcksrel  (M.  SaUer). 


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ÖSTERREICHISCHE 

BDTilSCHE  ZEITSCHRIFT, 

Herausgegeben  und  redigirt  von  Dr.  Richard  R.  v.  Wettstein, 

Professor  an  der  k.  k.  deutschen  Universität  in  Prag. 


Verlag  von  Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


XLIV.  Jahrgang,  N»-  1.  Wien,  Jänner  1894. 


Eine  neue  Lebermoos-Gattung. 

Von  F,  Stephani  (Leipzig). 
Mit  Tafel  I. 


Schiffne^'ia  Steph.  n.  geuiis. 

Plantae  froitdosae.  radicellis  fasciculatis  repentes. 
Ramificatin  postica,  elatere  costae  orta.  Frondes  planae,  costatae, 
aus  atteuuatis  inciso-lobatis,  lobi  in  piano  falcati  succube  im- 
bricati,  folia  fingentes.  Amphigastria  pro  more  nulla.  Celliüae 
centrales  costae  valde  elongatae,  hyalinae,  reliquae  parenchymaticae, 
magnae. 

Flores  feminei  in  ramulis  posticis  erectis,  e  latere  costae 
ortis,  terminales  interdum  e  latere  innovati.  Pistilla  18 — 20. 
Folia  floralia  quinquejuga.  tristicba,  series  tertia  antica,  valde  con- 
cava,  intima  conduplicata,  libera.  Perianthia  longe  exserta,  cylin- 
drica  basi  crassa,  sub  ore  contracto  plicata,  ore  inciso,  fimbriato. 
Calyptra  libera,  basi  pistillis  sterilibus  cincta.  Capsula  ovalis  in 
pedicello  perbrevi,  usque  ad  basin  quadrivalvis,  valvulae  e  diiobus 
cellularum  stratis  conflatae.  Cellulae  interiores  fibris  semiannulatim 
incrassatae.  Sporae  spbarico-tetraedae,  minutae,  papillatae.  Elateres 
liberi,  longi,  stricti,  bispiri.  Androecia  ignota. 

Schiffneria  hyalina  St.  n.  sp. 

Dioica,   perfecte   liyalina,   gregarie    crescens   muscisque  irre- 

_ j)ens.    Frons   usque    ad    16mm   longa,    ad  3mm    lata  linearis  vel 

^l^blonga,  arcte  repens,  radicellis  fasciculatim  aggregatis,  per  inter- 

o>'alla    dispositis!    antice    subplana,    distincte    lateque  costata,    costa 

postice  prominente  in  alas  attenuata,  medio  8  celhilas  crassa;  alae 

j^^nam  cellulam  crassae,  raargine  regulariter  lobatae,  lobulis  in  piano 

^^Icatim    incurvis    i.  e.    apicibus    costam    versus   directis,    sub  lobulo 

irproximo  juniore  occultis,    dein  optime  succubis;    caulis  verus  tarnen 

"■tSou  adest;  lobuli  vel  pseudofolia  solum  ex  incisura  frondis  evadunt 

et  margines  incisurae  in  ejus  fundo  vel  angulo  concurrunt. 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  1.  Heft.  1894.  1 


Cellulae  corticales  68x102  n,  marginem  versus  pamm  bre- 
viores,  postice  tarnen  in  medio  costae  multo  minores  (34x85  |ii); 
incrassatio  angulosa  nulla.  Costae  cellulae  centrales  corticalibus  multo 
longiores,  rectangulariter  septatae.  Ampliigastria  in  fronde  raa- 
terna  nulla.  Ramificatio  plantae  pro  more  postica.  ramis  e  latere 
costae  ortis,  recte  ab  illa  patentibus,  primum  ad  costam  reductis, 
dein  ala  augusta  integerrima  sensimque  falcato-lobata  instructis. 
Androecia  ignota. 

Flos  femin eus  normaliter  in  ramulis  posticis  (rarius  in 
fronde)  terminalis;  ramulus  erectus  subteres,  clavatus;  Pistilla  18 — 20. 
Folia  floralia  quinquejuga,  valde  concava,  succuba,  iniima  minuta, 
squamaeformia,  rudimentaria,  reliqua  sensim  sensimque  majora,  pri- 
mum subrotunda,  integerrima  dein  biloba  (vel  triloba)  basique  magna 
lacinia  arniata,  intima  ad  7:;  bifida  conduplicata,  laciniis  lanceolatis 
integerrimis,  basin  versus  dente  singulo  instructis  vel  trifida.  ceterum 
tristiche  disposita,  foliorum  series  tertia  antica-,  rami  feminei  interdum 
sub  flore  inno vati,  iunovatione  laterali.  recte  a  caul e  patente, 
frondiformi,  lobulis  succubis  cordatis  erectis  conniventibus,  folia  ita- 
que  maxime  simulantibiis,  vestita,  postice  radicante  ibidemque  amphi- 
gastriis  parvis  patulis  triangulatis  bidentulisque  instructa. 

Yidi  etiam  ramulos  similes  in  fronde  sterili  nascentes;  semper 
tamen  ramulus  non  est  teres,  sed  plano-convexus  vel  frondiformis 
et  pseudo-foliorum  vicini  margines  basi  semper  coneurrunt. 

Perianthia  longe  exserta,  erecta,  cylindrica,  sub  ore  con- 
tracto  solum  plicata,  ipso  ore  breviter  6 — 8  fida,  laciniis  dense  fim- 
briatis,  basi  carnosa  (2  cellulas  crassa);  calyptra  basi  pistillis 
sterilibus  cincta,  libera.  Capsula  ovalis.  breviter  peduncul ata,  usque 
ad  basin  quadrivalvis,  valvulis  bistratis;  cellulae  exteriores  tenerri- 
mae  subquadratae,  inferiores  angustae,  elongatae  et  fibris  semiannu- 
latis  ferrugineisque  incrassatae. 

El  at  er  es  liberi,  ferruginei,  240  jn  longi,  bispiri,  fibris  laxe 
tortis,  validissimis.  Sporae  8,11  in  diam.  rubrae,  papillosae. 

Hab.  Mons  Sibella  insulae  moluccensis  Batjan  leg.  dar. 
Dr.  0.  Warburg. 

Die  Pflanze  gehört  ihrem  Capselbau  zufolge  zu  den  Junger- 
manniaceen  und  ist  unter  diesen  ihrer  ventralen  Verzweigung 
(aus  der  Seite  der  Mittelrippe)  und  der  gleichen  Insertion  der  Frucht- 
äste wegen  dem  australischen  Genus  Uymenophytum  Dum.  zunächst 
verwandt  (siehe  auch  meine  Abhandlung  über  Hepaücae  Australiae 
in  Hedwigia  1889).  Die  eigenthümlichen  unterschlächtigeu  Seiten- 
lappen der  Frons  und  die  blättertragenden  Fruchtäste  sind  jedoch 
bei  Hymenophytum  nicht  vorhanden,  und  wenn  wir  die  Pflanze,  was 
sie  zweifellos  ist,  als  eine  Uebergangsform  aus  dem  thal lo- 
sen in  den  fo Hosen  Typus  betrachten,  so  ergibt  sich,  dass 
solche  Uebergänge  in  den  verschiedensten  Gruppen  der  Hepaücae 
stattgefunden    haben    und  heute  noch  anzutreffen  sind.    Ich  erinnere 


nur  an  Metzgeriopsis,  die  zu  den  Lejeuneen,  an  Pteropsiella  und 
Zoopsis,  die  zu  den  Cephalozieen  gehören,  während  unsere  Pflanze, 
wie  bereits  gesagt,  in  die  Nähe  von  Hymtnophytum  zu  stellen  ist; 
sie  macht  es  uns  schwer,  sie  mit  einem  Genus  näher  zu  vergleichen, 
weil  die  Blüthentheile,  die  bei  einem  solchen  Versuche  von  Aus- 
schlag gebender  Bedeutung  sind,  von  Allem  abweichen,  was  man 
bisher  kennen  gelernt  hat  —  ich  meine  die  dorsale  Stellung 
der  Amphigastrien. 

Für  eine  Pflanze,  die  auf  der  Grenze  zwischen  laubigen,  be- 
blätterten Formen  steht,  liegt  der  Gedanke  nahe,  dass  sie  von 
beiden  etwas  in  sich  vereinigen  wird,  dass  sie  das  eine  noch  nicht 
ganz  abgestreift  hat,  als  sie  das  andere  erwarb;  in  diesem  Sinne 
betrachte  ich  die  dorsalen  Amphigastrien  als  ein  ü  eberbleib  sei 
der  dorsalen  HiiUschuppen,  wie  sie  in  ähnlicher  Weise  bei 
den  frondosen  Formen  vielfach,  speciell  auch  bei  Hymenophytum 
gefunden  werden;  auch  in  anderer  Hinsicht  zeigt  die  Pflanze  eine 
Mischung  der  Charaktere  beider  genannten  Formenreihen;  die 
Frons  selbst  ist  flach  und  breit  mit  ventral  vorstehender  Mittel- 
rippe, wie  bei  allen  laubigen  Gattungen;  die  Lappen  des  Laub- 
randes dagegen  nähern  die  Pflanze  mehr  als  irgend  eine  bekannte 
Form  dem  foliosen  Typus;  zwar  entstehen  diese  Lappen  nur  aus 
einem  Einschnitte  der  Frons,  und  die  Ränder  des  Einschnittes  ent- 
springen wie  bei  Treubia  aus  demselben  Punkte  (d.  h.  bei 
Schifneria  aus  zwei  verschiedenen,  jedoch  vertical  übereinander- 
stehenden  Zellen),  aber  die  Einkrüramung  der  Lappenspitze  nach 
der  Ventralseite  ist  doch  ein  grosser  Schritt  nach  der  Seite  der 
foliosen  Hepaticae  hin,  denn  hier  liegt  thatsächlich  eine  unter- 
schl ächtige  Stellung  vor,  und  die  genannten  Insertionszellen  zwei 
benachbarter  Lappenränder  sind  durch  eine  (1  Zelle  starke)  Schicht, 
die  der  Mittelrippe  angehört,  bereits  getrennt;  denken  wir  uns 
die  Mittelrippe  an  dieser  Stelle  stärker,  also  eine  dickere  Gewebe- 
schicht zwischen  die  beiden  Insertionspunkte  geschoben,  so  haben 
wir  sofort  die  echte  unterschlächtige  Blattstellung  mit  schiefer  Blatt- 
insertion. 

Diesen  Schritt  thut  die  Pflanze  auch  selbst  in  ihren  Blüthen- 
ästen,  die  fast  stielrund  sind,  jedoch  thut  sie  ihn  mit  der  Modi- 
fication  aller  Blüthenhüllen,  welche  den  jungen  Blütheu  eine 
schützende  Decke  sein  sollen  und  aufrecht  hohl  zusammenschliessen, 
dass  sich  die  schiefe  Blattinsertion  in  eine  transversale  oder  halb- 
stengelumfassende  verwandelt.  Den  bilateralen  Charakter  behalten 
diese  Blüthenäste  dennoch  bei,  da  sie  eine  dritte  Blattreihe  auf  dem 
Rücken  tragen,  während  die  entgegengesetzte  Sprossseite  allein 
Wurzeln  producirt. 

So  kommt  eine  dreireihige  Beblätteruug  zu  Stande,  die  wir 
bei  vielen  foliosen  Hepaticis  kennen,  nur  mit  dem  Unterschiede, 
dass  bei  diesen  die  dritte  Reihe  ventral  ist.    So  mischen  sich  bei 

1* 


unserer  Pflanze  die  Charaktere  zweier  Entwickluugsreihen,  und  sie 
gehört  als  ein  vollendetes  Mittelglied  zu  den  interessantesten  Funden, 
welche  auf  diesem  Gebiete  jemals  gemacht  worden  sind. 

Einer  der  Wege  also,  den  die  Natur  eingeschlagen  hat,  um 
aus  den  einfacheren  thallosen  zu  den  höher  organisirten  foliosen 
Lebermoosen  zu  gelangen,  scheint  also  der  gewesen  zu  sein,  dass 
die  Frons  zunächst  durch  stumpfe  Buchten  in  entfernt  stehende 
Lappen  getheilt  wurde  {Blasia,  Symphyogyna  sinuata).  Treuhia  ist 
schon  eine  vorgeschrittenere  Form-,  die  Lappen  sind  sehr  genähert, 
der  sie  trennende  Einschnitt  ist  tief  und  eng,  die  benaclibarten 
Blattränder  entspringen  genau  aus  demselben  Punkte,  decken  sich 
aber  bereits  infolge  der  sehr  starken  Rundung  des  Blattrandes.  Die 
dritte  Stufe  bietet  unsere  Pflanze;  die  benachbarten  Lappenränder 
entpringen  ebenfalls  aus  einem  Punkte,  aber  sie  liegen  genau  verti- 
cal  übereinander  und  sind  bereits  durch  eine  Zellschicht  ge- 
trennt; um  diese  Differenz  weichen  sie  daher  von  der  völlig 
horizontalen  Lage  ab,  die  schiefe  Blattinsertion  ist 
eingeleitet,  die  Lappen  sind  deutlich  unterschlächtig, 
auch  infolge  ihrer  sehr  genäherten  Stellung.  Der  letzte  Schritt 
beruht  auf  der  Zunahme  der  Dicke  der  Frons,  wie  die  Frucht- 
äste unserer  Pflanze  sie  zeigen;  die  Lappen  werden  dadurch 
in  verticaler  Richtung  (am  kriechenden  Stengel  gedacht)  von  ein- 
ander entfernt,  sie  werden  zu  Blättern  und  die  Mittelrippe 
zum  Stengel. 

Ich  habe  hier  nur  die  Metamorphose  der  vegetativen  Orgaue 
am  sterilen  und  fruchtenden  Stengel  berücksichtigt  und  möchte  mit 
Bezug  auf  die  Reihenfolge  der  fortschreitenden  Diflferenzirung 
nicht  unerwähnt  lassen,  dass  die  Ausbildung  der  Blüthentheile  durch- 
aus nicht  in  derselben  Folge  vor  sich  gegangen  ist  und  mit 
jener  nicht  gleichen  Schritt  gehalten  hat. 

So  steht  z.  B.  Fossombronia  mit  wohl  entwickelten  Blättern 
hinsichtlich  der  Blüthenanlage  noch  ganz  auf  der  thallosen  Stufe. 
Andererseits  ist  zu  bemerken,  dass  die  ihr  sehr  nahe  verwandte 
Gattung  Petalophyllum  die  ersten  Anlagen  zukünftiger  Blätter  als 
vertical  stehende  auf  dem  Thallus  quer  verlaufende  Lamellen  zeigt; 
Fossombronia  ist  daher  vermuthlich  auf  ganz  anderem  Wege  zu 
ihren  wohl  ausgebildeten  Blättern  gelangt,  als  der  vorstehend  ge- 
schilderte zum  Theile  hypothetische  Weg  annimmt. 

Wenn  ich  oben  bemerkt  habe,  dass  die  sexuellen  Organe  nicht 
gleichen  Schritt  mit  der  Umbildung  der  Frons  gehalten  haben,  so 
bedarf  es  zur  Erklärung  dieses  Umstände«  nur  des  Hinweises,  dass 
die  vegetativen  Organe  als  die  grösseren  leichter  der  Anpassung 
unterliegen;  sonach  sind,  wie  bekannt,  auch  bei  den  Lebermoosen 
die  sexuellen  Organe  für  die  Systematik  die  wichtigeren;  aber  auch 
für  den  systematischen  Werth  gewisser  vegetativer  Merkmale  gibt 
unsere  Pflanze   einen   Fingerzeig,    ich    meine   die  Verzweigung   der- 


E.  ofßcinalis  ß.  pectinata  Arcliang.  Comp,  della  Flor.  Ital. 
p.  519  (1882). 

E.  stricta  Schleicli.  exs.  pr.  p.  non  Host.')0 

E.  ericetorwn  b)  majalin  Gremli  Excursionsfl.  f.  d.  Schweiz. 
7.  Aufl.  S.  320  (1893). 

E.  Townsendiana  Freyn  in  ßorumüller\s  PI.  exs.  Anatol. 
a.  1889.') 

Exsiccaten:  Schultz  Herb.  norm.  nov.  ser.  Cent.  12,  Nr.  1189 
(als  E.  majalis  Jord.).  Billot  Flor.  (iall.  et  Germ.  exs.  Nr.  289G 
(als  E.  7najal/s  Jord.).  —  Kotschy  It.  Cilic.  Kurd.  1859.  Suppl. 
Nr.  706  (als  E.  Tatanca  var.  (jlcibrescens  Boiss.).  —  Kotschy  It. 
Cilic.  in  Tauri  alpes  Bulgar-Dagh  Nr.  259  b.  —  Bornmüller 
Plant,  exs.  Anatoliae  a.  1889.  Nr.  390,  603,1392,  1393  (als  To^wi- 
sendiana  Freyn). 

Abbildung:  Taf.  IV. 

B 1  ü  t  h  e  z  e  i  t :  Mai  bis  September. 

Verbreitung:  Verbreitet  in  den  au  das  Mittelmeer  an- 
grenzenden Ländern  Europas  und  Asiens,  in  Arragonien,  in  den 
östlichen  Pyrenäen,  in  Südfrankreich  und  den  benachbarten  Theilen 
der  Schweiz  und  Oberitaliens,  in  den  italienischen  Gebirgen,  in  der 
Hercegovina,  in  Montenegro,  Albanien.  Macedonien,  Griechenland, 
Anatolien,  Cilicien,  Cappadocien,  Kurdistan. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Ungarn.  Hercegovina. 
Bei  Zaba  (Brandis;  Hb.  Fr.). 

E.  pectinata  ist  eine  bisher  wenig  beachtete,  zumeist  nicht 
richtig  gedeutete  Pflanze,  deren  Klarstellung  infolge  der  Formen- 
mannigfaltigkeit nicht  geringe  Schwierigkeiten  bereitete. 

Vor  Allem  seien  die  Unterschiede  von  den  zunächst  stehenden 
Euphrasien  hervorgehoben;  es  sind  dies  E.  stricta  Host,  E.  Tatarica 
Fisch,  und  E.  brevipila  Burn.  et  Grmli.  Der  Habitus  aller  dieser 
Pflanzen  zeigt  eine  nicht  unbedeutende  Uebereinstimmung.  Von 
E.  stricta  ist  E.  pectinata  verschieden  durch  die  geringere  Ver- 
zweigung, durch  die  dichter  sich  deckenden  Bracteen.  durch  die  keil- 
förmige Gestalt  derselben,  durch  die  grossen  und  behaarten  Frucht- 
kelche, sowie  die  frühei'e  Blüthezeit.  —  E.  Tatarica  Fisch,  lässt 
sich  von  unserer  Pflanze  trennen  durch  die  borstliche  Behaarung 
aller  Blätter,  die  stärkere  Verzweigung  und  die  am  Grunde  abge- 
rundeten mehrzähnigen  Bracteen.  —  E.  brevipila  endlich  ist  durch 
die  drüsige  Behaarung  der  Blätter  ausgezeichnet.  —  In  Gebieten. 
in  denen  E.  pectinata  mit  den  drei  genannten  Pflanzen  zusammen- 
tritt't,  finden  sich  Uebergangsformeu. 

^^'as  die  Formenmannigfaltigkeit  der  E.  pectinata  anbelangt, 
so    scheint   sie  je    nach    Standortseinflüssen    ziemlich    bedeutend   zu 


')  Oripinalexemplare  gesehen ! 

'j  Vergl.  Favrat  in  Bull.   soc.  Murith.  IV.  1874,  p.  40. 


sein.  Im  Allgemeinen  sind  Exemplare  sonniger  trockener  Standorte 
schlanker,  schmalblättrig  und  durch  dicht  dachig  aneinander- 
schliessende  Bracteen  ausgezeichnet.  Exemplare  von  weniger  extrem 
trockenen  Standorten  haben  breitere,  mehr  abstehende  Blätter.  In 
bedeutenderer  Höhe,  unter  mir  nicht  näher  bekannten  Verhältnissen, 
scheint  die  Behaarung  der  Blätter  zuzunohraen,  es  entsteht  eine 
recht  auffallende  Varietät  (puberula  Jord.  Herb.).  Die  ersterwähnte 
Standortsform  ist  begreiflicherweise  in  niederen  Gegenden,  zumal  in 
dem  eigentlich  mediterranen  Äntheile  des  Verbreitungsgebietes  vor- 
herrschend, die  zweitgenannte  Varietät  findet  sich  dagegen  am  häu- 
figsten in  den  gebirgigen  und  nördlichen  Theilen  des  Areales.  Von 
der  Zusammengehörigkeit  beider  bin  ich  aber  jetzt  nach  dem  Stu- 
dium eines  ungemein  reichen  Materiales  überzeugt. 

Der  zweiterwähnten  Standortsform  entspricht  der  Name  E.  ma- 
jalis  Jord.;  die  Vereinigung  desselben  mit  E.  pectinata  wird  viel- 
leicht am  ehesten  Widerspruch  bei  Jenen  finden,  die  E.  majalis 
aus  den  Thälern  des  Wallis  und  Tessin  kennen  und  den  Namen 
E.  pectinata  Ten.  auf  die  in  den  Herbarien  so  häufigen  Exemplare 
aus  den  Abruzzen,  die  zumeist  der  erstgenannten  Varietät  ange- 
hören, beziehen.  Der  Unterschied  zwischen  den  beiden  Formen,  der 
in  den  angegebenen  Merkmalen  beruht,  wird  dadurch  scheinbar  ver- 
grössert,  dass  E.  majalis  zumeist  im  Frühjahre,  also  in  Blüthe, 
gesammelt  vorliegt,  während  von  „E.  pectinata^  im  obigen  Sinne 
am  häufigsten  Fruchtexemplare  in  den  Tauschverkehr  kommen.  Ich 
habe  nun  die  Schweizer  E.  majalis  in  allen  Stadien  ')  gesehen  und 
mich  davon  überzeugt,  dass  die  Exemplare  um  so  vollkommener  mit 
den  erwähnten,  im  Sommer  gesammelten  italienischen  Exemplaren 
übereinstimmen,  je  später  sie  eingesammelt  wurden.  Ich  habe  aber 
auch  aus  Italien  zahlreiche,  in  der  Entwicklung  noch  weniger  weit 
vorgeschrittene  Exemplare  der  „E.  pectinata''^  gesehen,  die  mit  E.  ma- 
jalis vollkommen  übereinstimmten ;  ja  sogar  eines  der  Origiualexem- 
plare  Tenore's  ist  ein  solches.  —  Auch  die  so  auffallend  frühe 
Blüthezeit  der  E.  majalis  kann  einen  Unterschied  nicht  bedingen, 
nachdem  ich  auch  von  der  „.E.  pectinata''  Aut.  Exemplare  sah, 
welche  im    Mai   blühend    eingesammelt  worden  waren.  (Hb.  U.  W.) 

Einer  kurzen  Rechtfertigung  bedarf  die  Anwendung  des  Namens 
E.  pectinata  immerhin.  Tenore  hat  nämlich  mit  diesem  Namen 
muthmasslich  nicht  blos  die  oben  beschriebene  Pflanze  bezeichnet, 
sondern  auch  E.  Salisburgensis.  Dafür  sprechen  die  Beschreibungen 
des  Autors,  sowie  der  Umstand,  dass  ein  Originalexemplar  Tenore's 
im  Herbare  des  königl.  botan.  Museums  in  Berlin  neben  4  Indi- 
viduen von  E.  pectinata  s.  str.  auch    1  Individuum  von  E.  Salisbur- 


*)  So  sah  ich  Exemplare,  die  von  dem  vorzüglichen  Kenner  der  Euphrä- 
sien  Favrat  am  selben  Orte,  nämlich  bei  Branson  im  Wallis,  am  18.,  21., 
30.  Mai,  am  9.,  10.,  16,  und  24.  Juni,  8.  und  16.  Juli  gesammelt  wurden. 


9 

gensis  umfasst.  Ich  nehme  daher  den  Namen  E.  pectinaia  im  Vor- 
stehenden in  etwas  engerem  Sinne  als  der  Autor;  es  kann  dies 
vielleicht  durch  die  Citation  E.  pedlnata  (Ten.)  Wettstein  em.  aus- 
gedrückt werden.  Den  Namen  ganz  fallen  zu  lassen  und  etwa  durch 
einen  den  genannten  synonymen  zu  ersetzen,  dazu  konnte  ich  mich 
um  so  weniger  entschliessen,  als  eben  diese  Namen  zum  Theile  nur 
eine  einzelne  Form  der  E.  pedlnata  bezeichnen  (z.  B.  E.  majalis, 
E.  Cebennmsis),  zum  Theile  ohne  Diagnosen  oder  nur  in  Exsiccaten 
publicirt  wurden.  Uebrigens  finden  einzelne  dieser  Namen  ohnedies 
eine  vollständig  den  Ansichten  ihrer  Autoren  entsprechende  Ver- 
wendung zur  Bezeichnung  einzelner  Formen,  so  der  Name  E.  ma- 
jalis Jord.  zur  Bezeichnung  der  oben  ausführlicher  behandelten  Form 
mit  breiten  Blättern. 

9.  Euphrasla  Tatarica  Fischer')  in  Sprengel  Systema 
veg.  IL,  p.  777  (1825). 

Caulis  strictus  erectus,  simplex  vel  in  parte  inferiore 
ramosus  ramis  erectis  vel  ascendentibus,  3  (specimina  loc.  alp.)  — 
30  cm  altus,  rubescens  vel  brunneus.  pilis  crispulis  reversis  eglan- 
dulosis  brevibus  obsitus.  Folia  caulina  inferiora  opposita,  cunei- 
formia  vel  obovata,  obtusa,  dentibus  utriuque  1 — 3  obtusiusculis; 
folia  caulina  superiora  alternantia  vel  sub opposita;  ovata  acuta 
utrinque  dentibus  4 — 7  acuminatis;  bracteae  alternantes  vel  sub- 
oppositae,  ovatae,  in  parte  inferiore  latissimae,  basi  rotun- 
datae,  summae  solum  basi  cuneatae,  utrinque  dentibus  4  —  7 
aristato-acuminatis,  inferioribus  patentibus,  superioribus 
arcuato-erectis;  folia  omnia  viridia  vel  in  speciminibus  siccatis 
nigricantia  et  plicato-striata,  plus  minus  dense  setosa,  setis 
eglandulosis,  solum  in  pagina  inferiore  glandulis  sessilibus  ut 
in  Omnibus  speciebus  generis.  Spica  initio  condensata,  mox  elongata 
et  interrupta.  Flores  subsessiles.  Calyx  setulis  eglandulosis  densis, 
basin  versus  pilis  glanduliferis  immixtis  obsitus,  fructifer  nou 
vel  parum  accretus,  dentibus  lanceolatis,  erectis  vel  subpatulis. 
Corolla  mediocris,  fine  anthesis  cca.  10  mm  longa,  pallide  lilacina. 
labio  superiore  bilobo  lobis  reflexis  denticulatis,  labio  inferiore 
3  lobo,  lobis  emargiuatis,  subtus  totis  pilosis,  glandulis  immixtis. 
Capsula  cuneato-elongata,  truncata  non  emarginata,  calyces 
dentes  aequans  vel  eis  brevior,  pilosa,  in  margine  pilis  longi- 
usculis  erectis  ciliata,  cca.  6mm  longa. 

Synonyme:  E. puberula  ioYii.VilgiW.  plant,  nov.  p.  133  (1852). 

?  E.  officinalis  ß.  netjlecta  Heuff'el  Enum.  plant.  Banat,  p.  137 
(1858)  non'Rchb. 

E.  officinalis  y.  Tatarica  Boissier  Flor.  Orient.  IV.  p.  472 
(1879)  pro  min.  parte. 


')  Ich  sah  ein  Originalexeraplar  im  Herb,  des  k.  k.  naturh.  Hofmuseums 
in  Wien. 


10 

E.  pudihmda  Simoiik.  Enum.  flor.  Transs.  p.  432  (1886).') 

E.  officinalis  Velen.  Flor.  Bulg.  p.  433  (1891)  pr.  p. 

Exsiccaten:  Duhmberg.  Plant.  Alt.  lect.  1881.  Nr.  690. — 
Kotschy,  Plant.  Pers.  bor.  Nr.  304.  —  Karo,  Plant.  Dahur.  Nr.  296. 

Abbildung:  Taf.  IV. 

Blüthezeit:  Juni  bis  September. 

Verbreitung:  Verbreitet  im  pontiscben  Florengebiete  von 
Ostungarn,  von  der  Balkanbalbinsel  über  Armenien,  den  Kaukasus, 
Nordpersien,  Sibirien  bis  weit  nach  Central-  und  Ostasien,  überdies 
in  den  Seealpen  und  oberitalieniscben  Gebirgen,  im  oberen  Engadin, 
sowie  vereinzelt  in  Niederösterreich. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Ungarn:  Ungarn:  Oravitza 
(lg.?  H.  Hai.).  —  Karlsdorf  im  Banat  (Degen;  H.  I)eg.)')  —  Bei 
Erlau  (Vrabelyi;  H.  Kern.).  —  Matra-Gebirge  bei  Solymos  (Vra- 
belyi;  H.  Kern.).  —  Bei  Pomasz(A. Kerner;  H.  Kern.)  —  ?Bosnien: 
„Balkan,  entre  Ht.  Albanie  et  Bosnie"  (Boue;  H.  U.  Pr.).  —  Nieder- 
österreich: Rossatz  (J.  Kerner;  H.  J.  Kern.).  —  In  der  Krieau 
bei  Wien  (Rechinger;  H.  Rech.). 

Euphrasia  Tatarica  steht  der  E.  pectinata  und  E.  striata 
sehr  nahe  und  vertritt  beide  Arten  in  den  angegebenen  Gebieten. 
Die  Unterschiede  von  E.  pectinata  wurden  bereits  hervorgehoben, 
von  E.  stricta  ist  E.  Tatarica  leicht  an  der  dicht  borstlichen  Be- 
haarung der  Blätter,  besonders  der  Blattunterseite,  und  der  Kelche  zu 
unterscheiden.  Uebergänge  zwischen  beiden  Pflanzen  sind  vorhanden. 

E.  Tatarica  ist  lange  Zeit  nur  unvollkommen  bekannt  ge- 
wesen. Die  recht  dürftige  Beschreibung  Fisch er's  hätte  nicht  genügt, 
die  Pflanze  aufzuklären,  mir  war  dies  nur  nach  Einsichtnahme  in  ein 
Originalexemplar  möglich.  Wegen  der  unvollkommenen  Beschreibung 
den  Fisch er'schen  Namen  ganz  aufzugeben,  dazu  konnte  ich  mich 
schon  aus  dem  Grunde  nicht  entschliessen,  weil  das  Einnehmen 
eines  so  strengen  Standpunktes  überhaupt  nur  wenige  der  bisher 
existirenden  Euphrasia-'N amen  zu  Recht  bestehen  liesse.  Viel  hat 
zu  der  über  E.  Tatarica  herrschenden  Verwirrung  Ledebour 
beigetragen,  der  eine  dichtdrüsige,  von  E.  Tatarica  weit  verschiedene 
Pflanze  als  diese  ansah,  im  Tauschwege  verbreitete  (ich  sah  Exem- 
plare im  H.  Berl.,  H.  U.  Pr.,  H.  Hofm.)  und  in  seiner  Flora  Ros- 
sica  III,  p.  263  (1846 — 1851)  als  gleichbedeutend  mit  E.  Tatarica 
Fisch,  beschrieb. 

Bei  dieser  Sachlage  ist  es  ganz  begreiflich,  dass  Simonkai, 
dem  die  Pflanze  als  von  E.  stricta  verschieden  auffiel,  1886  die- 
selbe neu  benannte  und  beschrieb. 

Ueberaus  beachtenswerth  ist  die  Verbreitung  der  E.  Tatarica, 
die,  wie  erwähnt,  im  pontischen  Florengebiete  Europas,  in  den  benach- 


')  Originalexemplare  gesehen. 
)  Originalstandort  der  E.  pudibunda  Simk. 


Sfephani,Schiffneria. 


TAF.  i 


Oesterr'.  bctan  Zeitschr.  189V 


D!  Hluffrtf  Mit  Ml.  K.s.k.liiWt)9r.  A-Hw.r,  i-,- 


selben;  auf  diese  habeu  die  alteu  Systematiker  gar  keinen  Werth 
gelegt;  und  doch  ist  sie  innerhalb  gewisser  Gruppen  eine  sehr 
constante,  unverändert  weitervererbte,  so  dass  ich  die  Pflanze  unbe- 
denklich in  die  Nähe  von  Hymenophytum  (und  auch  Metzr/eria)  stelle. 

Lindberg  in  seinen  „Musci  scandinavici  in  systemate  novo 
natural!  dispositi"  hat  allein  bisher  auf  diese  Verhältnisse  geachtet, 
sie  aber  nur  auf  die  europäische  Lebermoosflora  augewendet,  die 
viel  zu  arm  an  Gattungen  ist,  um  an  ihr  den  Gedanken  genügend 
zur  Ausführung  bringen  /u  können;  auch  hat  er  sich  ganz  von  der 
wichtigen  primären  Zweitheihing  Leitgeb's  in  akrogyne  und  an- 
aki'ogyne  Heputlcae  entfernt  und  sein  System  unter  die  Herrschaft 
der  Insertion  der  Fruchtäste  gestellt,  so  dass  er  z.  B.  zu  der  Gruppe 
Fridlania,  Lejeunea  etc.  auch  Metzgeria  gezogen  hat. 

Immerhin  verdanken  wir  ihm  die  Anregung,  die  aber  bisher 
an  den  Hepaticologen  spurlos  vorübergegangen  ist.  ümsomehr  ist  es 
geboten,  bei  dieser  Gelegenheit  sie  wieder  in  Erinnerung  zu  bringen 
und  auf  Grundzüge  hinzuweisen,  die  in  einer  natürlichen  Anord- 
nung der  Lebermoose  nicht  unbeachtet  gelassen  werden  dürfen,  und 
die  wir  bei  jedem  neuen  Genus  mit  in  Eechnung  bringen  müssen. 


Tafel-Erklärnng. 

Schiffneria  hyalina  St.  Vergröss.  12./1. 

a)  von  oben  gesehen. 

b)  von  unten  gesehen. 


Untersuchungen    über   Pflanzen    der    österreichisch- 
ungarischen Monarchie. 

Von  R.  V.  Wettstein  (Prag). 

IL 

Die  Arten  der  Gattung  Etiphrasia. 

Mit  Tafeln  und  Karten. 
(Fortsetzung.') 

B.  Arten  mit  kurzen  Blättern  und  behaarten  Kapseln. 

A  nnierk  u  II  jj.  Die  Länge  der  obersten  Stengelblätter  und  der  untersten 
Bracteen  verhält  sich  zu  deren  Breite  höchstens  wie  2:1.  Reife  Kapseln  ganz 
behaart  oder  wenigstens  am  oberen  Theile  des  Randes  durch  aufrecht  ab- 
stehende Borsten  gewimpert. 

a)  Arten  mit  relativ  kurzer  Blumenkronröhre. 

Anraerkmiir.  Die  Röhre  der  Blumenkrone  ist  unmittelbar  vor  dem 
Abblühen  nicht  auffallend    verlängert.    Griffel  auch  unmittelbar  vor  dem  Ab- 


')  Vergl.  Band  XLIH,  S.  310. 


blühen  noch  im  oberen  Theile  eingekrümmt.')  —  Weitere  zumeist  zutreffende 
Merkmale  sind:  Kapsel  schmal,  nicht  oder  sehr  schwach  ausgerandet,  Lappen 
der  Oberlippe  3-  oder  mehrzähnig. 

8.  Eiiphi'asla  pectlnata  Tenore ')  Flor.  Nap.  I.  Prodr. 
p.  36  (1811),  IV.  Syll.  p.  86  (1830)  et  V.  p.  32  (1835).  Cit.  sec. 
Caruel  et  Bertoloni. 

Caulis  strictus  erectiis.  fere  semper  simplex,  rarius  et 
tuuc  in  parte  inferiore  ramo  uno  alterove  praeditus,  ramis  erectis 
strictis,  10 — 40  cm  altus,  rubesceus  vel  brunneus,  pilis  crispulis, 
reversis  eglandulosis  brevibus  obsitus.  Folia  caiilina  inferiora  op- 
posita,  cuneiformia,  obtusa,  utrinque  dentibus  1 — 3  obtusiusculis; 
folia  cauliua  superiora  alternautia  vel  subopposita  ovata  acuta 
utrinque  dentibus  4 — 6  aristatis;  bracteae  alternantes  vel 
suboppositae  plerumque  imbricatae,  ovatae  vel  rhomboideae 
vel  ovato -lanceol  atae,  circiter  medio  latissimae.  sem- 
per basi  cuneatae,  acutissimae,  utrinque  dentibus  3 — 5  ari- 
stato-elongatis  erectis;  folia  omnia  viridia  vel  griseo  viridia 
vel  in  speciminibus  siccatis  nigricantia,  glandulis  sessilibus  paginae 
inferioris  exceptis  glaberrima  vel  plus  minus  puberula.  Spica  initio 
condensata,  mox  valde  elongata.  Flores  subsessiles.  Calyx  setulis 
patulis  eglandulosis,  binc  inde  glanduligeris  minimis  immixtis. 
obsitus,  fructifer  accretus,  dentibus  lanceolatis  subpatentibus. 
Corolla  mediocris,  fine  authesis  cca.  10  mm  longa,  pallide  lilacina 
striis  violaceis  notata.  labio  superiore  bilobo  lobis  reflexis  subdenti- 
culatis,  labio  inferiore  3  -  lobo  lobis  emarginatis  subtus  totis 
pilosis,  glandulis  immixtis.  Capsula  cuueato-elongata,  truucata 
non  emarginata,  calycis  dentibus  superata,  pilosa,  in  mar- 
gine  pilis  longioribus  erectis  ciliata,  cca.  8  mm  longa. 

Synonyme:  E.  majalis  Jord.  Pugill.  plant,  nov.  praes.  Gallic. 
1852,  p.  134.^) 

E.  Cebennensis  Mali,  in  Billot  Annot.  p.  147. 

E.  Tatarica  vslv.  (flabrescem  Boiss.  in  Kotschy  Exs.^) 

E.  officinalis  ß.  Bertoloni  Flora  Ital.  VI.  p.  288  (1844). 

')  Diese  zur  Gruppirung  verwendeten  Merkmale  beruhen  auf  dem 
wesentlich  verschiedenen  Bestäubungsvorgange  bei  beiden  Artengruppen.  In 
Kürze  sei  diesbezüglich  erwähnt,  dass  bei  Gruppe  a)  am  Schlüsse  der  Anthese 
die  Autogamie  dadurch  erfolgt,  dass  die  Narbe  infolge  einer  Krümmung  des 
Griffels  unter  die  Antheren  zu  liegen  kommt,  bei  Gruppe  b)  dagegen  ist  der 
Griffel  gerade  und  die  Autogamie  erfolgt  dadurch,  dass  der  Tubus  der  Corolle 
stark  in  die  Länge  wächst  und  hiedurch  die  Antheren  über  das  Griffelende, 
respective  die  Narbe  hinweggeschoben  werden.  (Vergl.  Kern  er  in  Verh.  der 
zool.-botan.  Gesellsch.  1888,  Abb.  S.  56:^.)  Der  Unterschied  in  dem  Bestäubungs- 
vorgange liegt  aber  nicht  nur  in  diesen  Abweichungen,  der  Vorgang  variirt 
ferner  in  anderer  Hinsicht  auch  innerhalb  der  beiden  unterschiedenen  Gruppen, 
doch  sei  dies  hier  nur  zur  Vermeidung  von  Missdeutungen  erwähnt,  für  die 
Zwecke  dieser  Abhandlung    brauche    ich    auf    diese   Details  nicht  einzugehen. 

')  Originalexemplare  sah  ich  im  Herbare  des  k.  k.  naturh.  Hofmuseums 
in  Wien,  des  königl.  botan.  Museums  in  Berlin. 

^j  Originalexemplare  gesehen. 


11 

harten  Theilen  von  Asien  ein  ausgedehntes  Areale  bewohnt  und  sich 
dann  wieder  in  den  Seealpen  und  den  benachbarten  Landesstrichen 
findet.  Diese  auffallende  Thatsache  liess  mich  lange  daran  zweifeln, 
dass  die  Pflanzen  der  beiden  Gebiete  wirklich  vollständig  überein- 
stimmen, bis  mich  reiches  und  instructives  Material  aller  Zweifel 
überhob.  Die  Art  der  Verbreitung  bewirkte  die  Schaffung  eines 
weiteren  Synonyms  von  E.  Tatarica.  Jordan,  dem  scharfsinnigen 
Beobachter,  konnte  eine  so  auffallende  Pflanze  in  dem  von  ihm 
botanisch  durchstreiften  Gebiete  nicht  entgehen  und  er  beschrieb  sie 
a.  a.  0.  als  E.  puherula.^) 

Von  den  Standorten  innerhalb  des  pontischen  Florengebietes 
verdienen  die  beiden  niederösterreichischen  i3eachtung,  da  sie  von  den 
übrigen  getrennt  sind.  Der  Standort  bei  Rossatz  gewinnt  an  Inter- 
esse, wenn  man  bedenkt,  dass  er  in  einem  Landstriche  liegt,  der  so 
reich  an  isolirt  vorkommenden  östlichen  und  südlichen  Pflanzen  ist; 
bei  dem  Standorte  in  der  Krieau  bei  Wien  könnte  au  eine  Eiu- 
schleppung  gedacht  werden,  da  unweit  der  Fundstelle  sich  die  grossen 
Lagerhäuser  der  Stadt  Wien  befinden,  da  gerade  das  Inundations- 
gebiet  der  Donau  nächst  der  Krieau  zahlreiche  eingeschleppte 
Pflanzen  aufweist. 

E.  Tatarica  wurde  schon  einmal  für  Oesterreich-Ungarn  an- 
gegeben, nämlich  von  Zapalowicz  in  Röslinna  szata  gör  Pokucko- 
Marmaroskich  (Sprawozdanie  Komisyn  fizyjograficznej  Akademii  Unnie- 
jetnosci  XXIV.  1889).  Ich  vermag  derzeit  nicht  zu  beurtheilen,  ob 
der  Verfasser  dieselbe  Pflanze  als  E.  Tatarica  bezeichnete,  die  hier 
als  solche  behandelt  wurde,  und  habe  daher  auch  keinen  Grund,  dies 
zu  bezweifeln. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Die  Poren  der  Desmidiaceengattung  Closterium 

Nitzsch. 

Von  Dr.  J.  Lütkemüller  (Wien). 

Die  verschwommene  und  mangelhafte' Abgrenzung  vieler  Des- 
midi aceengattungen  macht  prägnantere  Gattungscharaktere,  als  die 
bisher  angegebenen,  dringend  wünschenswert!!.  Bei  den  Phanero- 
gamen  und  auch  bei  vielen  Kryptogaraen  ist  es  zunächst  die  Fructi- 
fication,  beziehungsweise  Sporenbildung,  welche  meist  scharfe  Gat- 
tungscharaktere liefert;  in  der  Familie  der  Desmidiaceen  spielt  aber 
die  Copulation  und  Zygotenbildung  eine  verhältnissmässig  unter- 
geordnete Rolle  und  hier  kommen  daher  in  erster  Linie  anatomische 

')  Die  Beschreibung  der  E.  pvberula  passt  vollständig  auf 
£.  Tatarica,  dagegen  halte  ich  einige  Exemplare,  die  Jordan  selbst  als 
seine  E.  pvbendo  bezeichnete,  für  die  oben  erwähnte  behaarte  Gebirgpform 
der  E.  pectinata  Ten. 


12 

Merkmale  in  Betracht,  welche  an  allen  oder  den  meisten  Individuen 
festgestellt  werden  können.  Man  benutzt  auch  gegenwärtig  einzelne 
anatomische  Charaktere  zur  Gattungsabgrenzung,  nicht  alle  aber 
bestehen  bei  genauer  Prüfung  die  Probe.  Das  gilt  insbesondere  für 
das  Verhalten  der  Chlorophoren,  wie  ich  an  einigen  in  dieser  Zeit- 
schrift')  mitgetheilten  Beispielen  nachweisen  konnte,  seitherhat  sich 
mein  Beweismaterial  nicht  unwesentlich  gemehrt.  In  dem  Masse 
aber,  in  welchem  die  Chlorophoren  als  Kriterium  an  Bedeutung  ver- 
lieren, müssen  andere  anatomische  Merkmale  an  Werth  gewinnen. 
Wo  sind  nun  solche  zu  finden?  Meines  Erachtens  ist  der  Weg 
bereits  angedeutet  durch  P.  Hauptfleisch's  Arbeit:  „lieber  Zell- 
membran und  HüUgalleite  der  Desmidiaceen."  -)  Wenn  es  auch  gegen- 
wärtig noch  sehr  schwer  ist,  bestimmte  Schlüsse  auszusprechen,  so 
möchte  ich  doch  glauben,  dass  eine  Anzahl  von  Desmidiaceengattungen 
durch  Berücksichtigung  des  Verhaltens  von  Zellhaut,  Poren  und 
Hüllgallerte  gut  abgegrenzt  werden  kann,  und  ich  will  es  versuchen, 
durch  die  folgende  kleine  Studie  zunächst  für  die  Gattung  Closterium 
den  Beweis  zu  erbringen. 


Yen  G.  Klebs  wurde  zuerst  darauf  hingewiesen,^)  dass  bei 
gewissen  Arten  von  Closterium  mit  brauner,  eisenhaltiger  Zellhaut 
die  Membran  der  dunkler  gefärbten  Zellenden,  der  „Endkappen",  von 
zarten  Canälen  durchsetzt  sei,  welche  der  übrigen  Zellhaut  fehlen. 
Haupt  fleisch  konnte  in  seiner  oben  citirten  Arbeit  die  Angaben 
von  Klebs  bezüglich  der  Gattung  Closterium  nur  unwesentlich 
ergänzen.  Er  stellte  fest,  dass  bei  Cl.  costatum  Corda  und  Cl.  strio- 
latum  Ehrbg.  nächst  der  Vereinigungsstelle  der  Zellhauthälften  Poren, 
in  einen  Kranz  geordnet,  vorhanden  seien.  Ferner  beschrieb  er  für 
Cl.  didi/motocum  Corda,  Cl.  costatum  Corda  und  Cl.  striolatinn  Ehrbg. 
zwischen  den  Längsriefen  feinste  Vertiefungen  (Dellen),  welche  die 
Oberfläche  der  Zellhaut  fein  punktirt  erscheinen  lassen.  Von  den 
wirklichen  Poren  werden  diese  Dellen  aber  unterschieden. 

Als  ich  im  vergangenen  Jahre  (1893;  die  Poren  der  Desmidiaceen 
zu  untersuchen  begann,  zeigte  es  sich  bald,  dass  die  Angaben  von 
Klebs  und  Haupt  fleisch  bezüglich  der  GdXixmg  Closterium  ganz 
unvollständig  seien  und  dass  durch  Färbung  bei  allen  mittleren  und 
grösseren  Arten,  insoweit  sie  frisch  zur  Untersuchung  kamen,  äusserst 
zahlreiche,  über  die  ganze  Zellhaut  verbreitete  Poren  sichtbar  ge- 
macht werden  können.  Drei  Arten  liessen  diese  Poren  in  grösster 
Deutlichkeit  auch  ohne  Färbung  erkennen. 

Zur  Untersuchung  verwendete   ich  vorwiegend   frisches   Mate- 


')  Jahrg.  1893,  Nr.  1  und  2. 

■)  Greifswald  1888  (Inangural-Dissertation).  Auf  dieselbe  Schrift  be- 
ziehen sich  auch  die  späteren  Citate. 

')  Ueber  Bewegung  und  Schleimbildung  der  Desmidiaceen.  Biolog. 
Centralbl.  V.  Bd. 


1!^ 

rial,')  seltener  aufgeweichte  Exsiccaten,  die  übrigens  auch  in  einigen 
Fällen  positive  Resultate  ergaben.  Bei  der  Tinction  mit  Anilin- 
farben (Methylviolett.  Fuchsin,  Vesuviu)  brachte  eine  kleine  Modi- 
fication.  näiiilicli  Zusatz  von  essigsaurem  Kali  -/u  den  bereits  ge- 
färbten Präparaten,  besonderen  Vortheil  für  die  Differenzirung  der 
Poren.  Im  Allgemeinen  wurde  mit  Rücksicht  auf  den  Formeii- 
reichthum  der  Gattung  Bedacht  darauf  genommen,  soweit  als  mög- 
lich Repräsentanten  aller  der  verschiedenen  Typen  zu  untersuchen 
und  ich  glaube  das  für  die  grösseren  und  mittleren  Arten  ziemlich 
vollständig  erreicht  zu  haben.  Bei  diesen  I)ietet  der  Nachweis  der 
Poren  fast  niemals  nenuenswerthe  Schwierigkeiten,  gewisse  kleine 
Vortheile  bezüglich  der  Färbung  findet  man  nach  längerer  Beschäf- 
tigung mit  dem  Gegenstände  leicht  selbst  heraus,  unbedingt  er- 
forderlich aber  sind  die  besten  optischen  Hilfsmittel. 

In  den  „Algae  aquae  dulcis  exsiccatae"  von  Witt  rock  und 
Nordstedt  wurde  unter  Nr.  382  die  grösste  unter  den  bisher 
bekannten  Closteriumarten  ausgegeben,  das  Cl.  turr/idum  Ehrbg. 
subspec.  giganteum  Nordst.  aus  Brasilien.  Untersucht  man  auf- 
geweichte Exemplare,  am  besten  solche,  welche  durch  einige  Stunden 
mit  Eau  de  Javelle  behandelt  wurden,  bei  homogener  Immersion, 
so  lassen  sich  in  den  schmalen  Furchen  zwischen  den  sehr  dicht 
stehenden  Längsstreifen  der  Zellhaut  feine,  scharf  markirte  dunkle 
Punkte  in  ziemlich  regelmässigen  Abständen  von  etwa  \'2  ^  er- 
kennen. Jede  Furche  enthält  nur  eine  Längsreihe  solcher  Punkte, 
die  letzteren  fehlen  dort,  wo  auch  die  Längsstreifung  der  Zellmem- 
bran unterbrochen  ist,  also  zunächst  den  Querlinien,  welche  die  Ver- 
einigungsstelle der  Zellhälften  bezeichnen.  Stellt  man  nun  die  Rand- 
partien der  Zelle  ein,  so  sieht  man  statt  der  Punkte  in  gleicher 
Anordnung  Reihen  feiner,  dunkler,  sehr  kurzer,  senkrecht  zur  Längs- 
axe  der  Zellen  verlaufender  Linien,  welche  die  Zellhaut  ihrer  ganzen 
Dicke  nach  durchsetzen.  Es  handelt  sich  somit  um  Porencanäle, 
welche  bei  dem  vorliegenden  besonders  günstigen  Objecte  ohne  Bei- 
hilfe einer  Tinction  nachgewiesen  werden  können.  An  den  dunkel- 
braun gefärbten  Zellendeu,  wo  die  Poren  viel  derber  sind,  treten  sie 
so  auffällig  in  ^Erscheinung,  dass  zu  ihrer  Erkennung  die  gewöhn- 
lichen Trockensysteme  (Hartnack  7  und  8)  vollkommen  ausreichen. 
Auffallend  ist  die  ausserordentlich  grosse  Zahl  der  Poren;  bei  einem 
Exemplare  dieses  Closterium  von  mittlerer  Grösse  kann  sie  nach 
oberflächlicher  Schätzung  mit  etwa  20.000  angenommen  werden. 

Bei  dem  typischen  Closferium  tvrguhnn  Ehrbg.  lassen  sich  die 
Poren  ohne  Färbung  nicht    nachweisen,    wenigstens   an    den    Exem- 


')  Für  die  freundliche  Zusendung  von  solchem  bin  ich  den  Herren : 
Dr.  Gerhold,  Dr.  v.  Pernhoffer  und  Prof.  Zukal  in  Wien,  sowie  Herrn 
Kalt  eis  in  Attersee  zu  grossem  Dank  verpflichtet. 


14 

plaren  nicht,  welche  ich  unteisuchte  (Exsiccaten);  dagegen  zeigt  eine 
nahe  verwandte  hrasilianische  Art,  das  Glosterium  suhturgidum 
Nordst.')  in  dieser  Beziehung  das  gleiche  Verhalten,  wie  Gl.  tur- 
ijidmn  subspec.  giganteum. 

Dass  übrigens  nicht  nur  bei  exotischen  durch  ihre  Grösse  aus- 
gezeichneten Arten  die  Poren  ohne  Färbung  sichtbar  sein  können, 
beweist  das  Cl.  lineatum  Ehrbg.,  eine  mittelgrosse  bei  uns  häufig 
vorkommende  Art,  bei  welcher  ich  au  vielen  Exemplaren  die  Poren 
direct  erkannte.')  Hier  sind  die  Längsrippen  der  Zellmembran  kräf- 
tiger und  weiter  von  einander  entfernt,  die  Poren  in  den  Zwischen- 
feldern unregelmässig  vertheilt,  nur  die  unmittelbar  an  die  Rippen 
angrenzenden  zu  regelmässigen  Längsreihen  geordnet. 

Ausser  den  angeführten  mag  es  noch  einzelne  Closteriumarten 
geben,  bei  welchen  die  Poren  direct  gesehen  werden  können,  für 
die  weitaus  überwiegende  Mehrzahl  aber  ist  die  Tinction  als  Hilfs- 
mittel zum  Nachweise  der  Poren  unentbehrlich.  Zweckmässig  werden 
die  ersten  Färbungsversuche  an  Objecten  mit  dünner  farbloser  Zell- 
haut vorgenommen,  z.  B.  an  Cl.  acerosum  (Sehr.)  Ehrbg.,  das  überall 
leicht  zu  erhalten  ist  und  in  Cultureu  auch  unter  ungünstigen  Ver- 
hältnissen gut  fortkommt.  Ich  wähle  daher  diese  Species,  um  das 
Vorgehen  bei  der  Fäibung  zu  erläutern. 

unter  mehreren  Exemplaren  des  Gl.  acerosum,  die  lebend  mit 
der  Pipette  im  Wassertropfen  auf  den  Objectträger  gebracht  und 
vorsichtig  mit  dem  Deckglase  bedeckt  wurden,  wählen  wir  eines 
aus,  dessen  Inhalt  möglichst  transparent  (d.  h.  frei  von  Fetttropfen, 
Schleimkugelu  etc.)  ist.  Die  Betrachtung  bei  homogener  Immersion 
lässt  zunächst  eine  feine,  aber  deutliche  Längsstreifung  der  Zellhaut 
erkennen.^)  Leitet  man  nun  vorsichtig  eine  sehr  verdünnte  wässerige 
Lösung  von  Methylviolett  durch  das  Präparat,  so  erscheinen  nach 
kurzer  Zeit  feine  violette  Pünktchen  von  gleicher  Grösse,  annähernd 
zu  dichten  Längsreihen  geordnet,  in  der  Zellhaut,  welche  im  Uebrigen 
ungefärbt  bleibt  oder  einen  kaum  merklich  violetten  Ton  annimmt. 
Der  Zellinhalt  erleidet  dabei  anfänglich  keine  Veränderung,  die 
Chlorophorenplatten  bewahren  ihre  Form  und  lebhaft  grüne  Farbe, 
die  Protoplasmaströmungen  dauern  ungestört  fort.  Bei  fortgesetzter 
Zuleitung  der  Farbstofflösung  ändert  sich  jedoch  bald  das  gesammte 
Bild:  Die  Zellhaut  selbst  wird  diffus  und  immer  dunkler  violett,  es 
treten  auch  an  der  Innenfläche  derselben  gefärbte   Punkte   von  ver- 

')  Wittrock  und  Nordstedt  alg.  exsicc.  Nr.  46. 

)  An  frischem  Material  vom  Rohrwiensee  bei  Stockwinkel  in  Ob.-Oest., 
selbstverständlich  wieder  bei  homogener  Immersion. 

')  Ebenso  verhalten  sich  auch  Cl.  Lunula,  Leibleinii,  Ehrenbergii,  deren 
Zellmembran  wie  die  von  Cl.  acerosum  gewöhnlich  als  ungestreift  angesehen 
wird.  An  vielen  der  kleinen  oder  sehr  dünnen  Arten  ist  von  Längsstreifung 
auch  bei  Anwendung  der  stärksten  Vergrösserungen  nichts  zu  bemerken.  Ob 
sämmtliche  Arten,  welche  der  Längsstreifung  entbehren,  auch  porenlos  sind 
(wie  ich  vermuthe),  müsste  erst  festgestellt  werden. 


15 

schiedener  Grösse  und  im  regelmässiger  Vertheilung  auf,  endlich  wirkt 
der  Farbstoff  auf  die  Chlorophoren,  die  Zelle  wird  getödtet  und  ihre 
intensive  Tinction  vereitelt  die  weitere  Untersuchung.  Leitet  man 
dagegen,  sobald  die  zuerst  beschriebenen  Reihen  feiner  Pünktchen 
erschienen,  Wasser  durch  das  Präparat,  so  verblassen  dieselben  fast 
augenblicklich.  Diese  rasche  Vergänglichkeit  der  Färbungsbilder  und 
die  Schwierigkeit,  sogleich  den  richtigen  Ton  zu  treffen,  bilden  ein 
sehr  lästiges  Hinderniss  für  genaue  Beobachtungen  und  ich  habe 
daher  die  Lebendfärbung  meist  nur  bei  Controluntersuchungen  in 
Verwendung  gezogen. 

Viel  sicherer  kommt  man  auf  eine  andere  Art  zum  Ziele.  Eine 
Anzahl  von  Exemplaren  des  Cl.  acerosum  wird  im  Wassertropfen 
auf  den  Objectträger  gebracht,  mit  dem  Deckglase  bedeckt  und  zer- 
quetscht. Nach  Wegspülung  des  ausgetretenen  Zellinhaltes,  nöthigen- 
falls  nach  Entfernung  von  Resten  desselben  durch  wiederholtes 
Niederdrücken  des  Deckglases  mit  der  Nadelspitze  bleiben  die  leeren 
Zellhäute  zurück.  p]s  wird  nun  eine  massig  verdünnte  Lösung  von 
Methylviolett  durch  das  Präparat  geleitet,  bis  die  Zellhäute  deut- 
lich, aber  nicht  allzu  intensiv  gefärbt  sind.  Sobald  das  erreicht  ist, 
spült  man  den  Farbstoff"  mit  essigsaurem  Kali  (der  officinellen 
Lösung)  weg.  Sofort  werden  die  Zellhäute  unter  leichter  Quellung 
fast  vollständig  entfärbt,  dagegen  treten  die  früher  erwähnten  Längs- 
reihen von  Pünktchen,  intensiv  violett  gefärbt,  sehr  auffallend  her- 
vor. Da  das  Bild  stundenlang  unverändert  bleibt,  kann  man  das 
Präparat  bequem  auf  das  genaueste  durchmustern.  Man  überzeugt 
sich  leicht  durch  p]instellen  der  Randpartien,  dass  die  Reihen  vio- 
letter Pünktchen  Poren  sind,  indem  sie  an  den  Rändern  als  kurze 
querverlaufende  Linien  erscheinen,  welche  die  zarte  und  farblose  Zell- 
haut durchbohren,  man  sieht  auch,  dass,  während  die  gesammte  Zell- 
haut gleichmässig  mit  solchen  Poren  versehen  ist,  stets  an  der  Ver- 
einigungsstelle der  beiden  Zellhauthälften  eine  Zone  porenfrei  bleibt. 
Da  durch  die  Behandlung  mit  essigsaurem  Kali  die  zarte  Längs- 
streifung  der  Zellmembran  bei  Cl.  acerosum  vollständig  unsichtbar 
wird,  so  lässt  sich  nach  solchen  Präparaten  nicht  beurtheilen,  ob  die 
Poren  wie  bei  den  früher  besprochenen  Arten  nur  in  den  Furchen 
zwischen  den  erhabenen  Längsstreifen  vertheilt  sind.  So  weit  ich  mich 
erinnere,  konnte  ich  das  an  einem  lebend  gefärbten  Individuum 
sehen,  doch  finde  ich  keine  Notiz  darüber. 

Ebenso  leicht,  wie  bei  Gl.  acerosum,  lassen  sich  in  der  ange- 
gebenen Art  die  Poren  bei  Cl.  Ehrenherg'd  Menegh.,  Cl.  Leibleinü 
Kuetz.,  Cl.  Lunula  (Muell.)  Nitzsch,  Cl.  Pritchardianum  Arch.  nach- 
weisen. Dasselbe  Verfahren  führte  auch  bei  den  anderen  von  mir 
untersuchten  Closterium-Arieu  meistens  zum  Ziele,  freilich  mitunter 
erst  nach  mehreren  misslungenen  Versuchen.  Insbesondere  bieten 
einige  der  Arten  mit  dicker,  bräunlicher  Zellhaut,  wie  Cl.  costatum 
Corda  und  Cl.  angustatum  Kuetz.  Schwierigkeiten,  theils  wegen  der 


10 

geringeren  Transparenz  der  Zellhaut,  theils  wegen  der  stärker  vor- 
springenden Lä-ngsrippen,  welche  es  eischweren,  an  den  Randpartien 
den  Verlauf  der  Poren  durch  die  Zellmembran  als  Querlinien  zu 
verfolgen.  Gerade  auf  den  letzteren  Punkt  muss  aber  Grewicht  gelegt 
werden,  weil  mau  sonst  leicht  Täuschungen  unterliegen  kann.  Wenn 
man  indessen  eine  grössere  Anzahl  von  Individuen  der  betreffenden 
Art  an  Quetschpräparaten  tingirt,  so  gelingt  es  wohl  immer,  an  ein- 
zelnen derselben  den  Durchtritt  der  Poren  durch  die  Zellmembran 
zu  beobachten.  Die  geringe  Transparenz  der  letzteren  wird  durch 
lichtstarke  Systeme  und  Koch'sche  Beleuchtung  (Untersuchung  bei 
weit  geöffneter  Blendung  des  Abb^'schen  Condensorsj  überwunden. 
Es  würde  den  Rahmen  dieses  Aufsatzes  überschreiten,  wenn 
ich  bei  jeder  der  untersuchten  Arten  auf  alle  Details  eingehen 
wollte;  es  ist  das  auch  nicht  nöthig,  weil  wesentliche  Unterschiede 
in  der  Vertheilung  der  Poren  nicht  bestehen.  Immer  findet  sich  au 
der  Vereinigungsstelle  der  Zellhauthälften  eine  porenfreie  Querzone, 
bei  den  aus  mehreren  Schalstücken  zusammengesetzten  Arten ')  ent- 
spricht die  Anzahl  solcher  Zonen  und  ihre  Anordnung  jener  der 
Querstreifen.  Im  Uebrigen  ist  die  gesammte  Zellhaut  bis  an  die 
äussersten  Enden  von  Poren  durchsetzt,  welche  gewöhnlich,  aber 
nicht  immer,  auf  die  Furchen  zwischen  den  Längsstreifen  oder  die 
Zwischenfelder  zwischen  den  Längsrippen  beschränkt  und  hier  ent- 
weder zu  Längsreihen  geordnet  oder  regellos  vertheilt  sind.  Zu  er- 
wähnen wäre  noch,  dass,  wie  man  sich  leicht  überzeugen  kann,  die 
von  Haupt  fleisch  für  Cl.  costatum,  didymotocmn  und  striolatmn 
beschriebenen  „Dellen"  der  Zellhaut  nichts  anderes  sind,  als  die 
Draufsicht  der  Poren. 

(Scliluss  folgt.) 


Alkanna  Hausshneclitii  Bomm.  spec.  nov. 

Von  J.  BornmUller  (Weimar). 

Alkanna  HaassknecJitU^oxwm.  Syn.:  A.primulißora  Hsskn. 
in  Bornm.  plantae  exsicc.  Anatoliae  orientalis  a.  1889,  no.  745, 
non  Grisebach  Spicil.  II.  p.  89 — 90. 

Planta  perennans,  glanduloso-pubescens  pilisque  longiorJbus  e 
tubeiculo  ortis  horizontaliter  patentibus  obsita,  caulibus  infra  rosulam 
sterilem  procumbenti-adsceudentibus  in  apice  2 — 3  fidis;  foliis  rosu- 
laribus  numerosis  sublinearibus  basi  attenuatis,  caulinis  inferioribus 
oblongo-lanceolatis,  superioribus  semiamplexicaulibus  calycem  vix 
aequantibus;  racemis  fructiferis  brevibus  coufertis;  calycis 
rufescenti-hispidi  post  anthesiu  haud  inflati  de  flexi  laciniis 
lineari-lanceolatis  obtusis ;    corollae  glabrae  pallido-sulphureae 

')  Ver^l.  darüber  Hauptfleisch  1.  c. 


17 

tubo    oi-oceo    calycem    conspicue    superante.    limbo    auiplo    patulo; 
imciilis  paivis  vix  elevato-carinatis,  aequaliter  tuberculatis,   4- 

Habitat  in  Anatoliae  orientalis  collibus  apricis  regionis 
iiiferioris  iiioutis  Logman  et  in  vinetis  „Kyrasdere"  ad  Amasia; 
copiose  quoque  occiinit  in  herbidis  planitierum  inter  Amasia  et 
Tokat.  alt.  4-- 600  m  s.  m. 

Alkannae  Haussknechtii  affinis  est  A.  Sartoriana  Boiss,  et 
Hebir.  quae  (sec.  specimina  in  loco  classico  ad  Naupliam  a  cl. 
Haussknecht  anno  1885  lecta)  distinguitur  racemis  fructiferis 
valde  elongatis,  itidumento  breviore,  nuculis  dimidio  majoribus,  ca- 
lyce  post  anthesin  aucto. 

A.  prlmulißora  Griseb.  biennis  caulibus  erecto-ascendentibus 
nee  procumbentibus,  multo  minus  hirsutis,  inflorescentia  fruc- 
tifera  elongata,  calyce  fructifero  aucto,  foliis  pilis  e  tuberculo 
ortis  vix  obsitis,  coroUa  lutea  insignis.  Specimina  originalia  Grise- 
bachiana  comparavimus. 

A.  Prnardl  Boiss.  affinis  quae  (sec.  Boi^s.  fl.  Or.  IV.  p.  230—231) 
planta  non  glandiilosa,  indumento  aspero,  tubo  corollae  luteae  calyci 
aequilongo.  calyce  fructifero  aucto,  nuculis  majoribus  differt. 

Diese  neue  Art,  in  der  ich  an  Ort  und  Stelle  Alkanna  Pbiardi 
zu  erkennen  glaubte,  ist  von  den  erwähnten  verwandten  Arten  besonders 
au  dem  gedrängten  auch  zur  Zeit  der  Fruchtreife  sich  nicht  ver- 
längernden Blütlienstande,  sowie  an  den  kleinen  Fruchtkelchen  leicht 
erkenntlich.  Lebend  ist  sie  von  A.  prirmdiflora,  als  welche  ich  sie 
auch  vertheilt  habe,  auf  den  ersten  Blick  durch  die  hellen  Blitthen 
mit  dunkler  Röhre  und  durch  die  vorhandene  Blattrosette  verschieden, 
die  der  macedonisch-thracischen  Pflanze,  welche  ich  im  darauffolgendem 
Jahre  1891  am  classischen  Standorte  bei  Philippopel  an  der 
Dschiendemtepe  (Iter  Turcicum  exsicc.  no.  1)  und  bei  Kavala  an 
der  macedonischen  Küste  (exsicc.  no.  210)  kennen  zu  lernen  Gelegen- 
heit hatte,  stets  fehlen.  Die  von  Stribrnyaus  Bulgarien  (ges.  am 
6.  Mai  1893)  fälschlich  unter  dem  Namen  ,,A.  Orientalis  Boiss." 
vertheilten  Exemplare  gehören  gleichfalls  zu  A.  primuUßora  Griseb. 

A.  Kotschyana  DC.  und  A.  Graeca  Boiss.  kommen  bei  Auf- 
stellung dieser  Art  nicht  in  Betracht,  sie  tragen  anderen  Habitus 
und  völlig  verschiedenes  Indumentum. 

Namensänderung:  Verhascum  Amasianum  Hausskn.  et 
Bornm.  =  F.  leptodadum  Hausskn.  et  Bornm.  spec.  nov.  in  Bornm, 
plantae  exsicc.  Anatoliae  orientalis  anni  1889  (no.  1249  ad  Boghas- 
han et  no.  1279  anni  1890  lecta  in  planitie  Geldinghian  ditionis 
Amasiae)  non  Boiss.  et  Heldr.  Diagn.  Ser.  I.  12.  p.  10.  fl.  Or.  IV. 
p.  311—312. 

Weimar,  23.  November  1893. 


Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  1.  Heft.  189*. 


18 

Ueber  einige  Licania-krteu, 

Von  Dr.  Karl  Fritsch  (Wien). 
II. ')  Llcania  siibcordata  Fritsch. 

In  meinem  „Conspectus  generis  Licaniae"  ")  habe  ich  eine  var. 
subcordata  der  Licania  heteromorpha  Bth.  beschrieben,  ^)  welche  sich 
vom  Typus  dieser  letzteren  Art  durch  die  Blattform  und  auch  durch 
die  grösseren,  etwas  anders  gestalteten  Blüthen  unterscheidet.  Ich 
machte  schon  damals  die  Bemerkung,  dass  diese  Pflanze  „möglicher- 
weise eine  neue  Art"  sei,  wagte  es  aber  nicht,  auf  Grund  eines 
einzigen  Exemplares  und  ohne  Kenntniss  der  Früchte  dieselbe  als 
solche  zu  beschreiben,  namentlich  mit  Rücksicht  auf  die  grosse 
Variabilität  der  Licania  heteromorplia  Bth.  Als  ich  nun  aber 
Gelegenheit  hatte,  anlässlicb  eines  kurzen  Aufenthaltes  in  München  die 
Chrysobalanaceen  des  dortigen  Herbariums  *)  durchzusehen,  da  fand  ich 
zu  meiner  angenehmen  Ueberraschung  Exemplare  einer  unbestimmten, 
von  Martins  gesammelten  Licania,  welche  unzweifelhaft  mit  der 
oben  erwähnten  var.  subcordata  identisch  ist.  Diese  Exemplare  waren 
aber  zur  Zeit  der  Fruchtreife  gesammelt  und  die  Früchte  erwiesen 
sich  von  denen  der  Licania  heteromorpha  Bth.  wesentlich  verschieden. 
Es  ist  somit  an  der  specilischen  Selbstständigkeit  der  Licania  sub- 
cordata nicht  mehr  zu  zweifeln.  Ich  veröffentliche  daher  hier  ihre 
Art-Diagnose. 

Licania  subcordata  Fritsch. 

Licania  heteromorpha  var.  subcordata  Fritsch  in  Annal.  d. 
naturh.  Hofmus.  (Wien)  IV.  p.  45  (1889). 

Rami  robusti,  glabri,  lenticellis  permultis  obsiti.  Folia  brevis- 
sime  petiolata,  elliptica,  utrinque  glabra,  subtus  concolora,  basi 
emarginata,  apice  valde  obtusa,  nervulis  (imprimis  subtus)  graciliter 
reticulata.  Inflorescentia  terminalis,  brevis.  ramosa.  ramulis  sulcatis, 
fulvo-tomentellis,  (fructiferis  valde  crassis).  Bracteolae  minutae. 
Flores  dense  spicati.  sessiles.  Calyx  depresso-globosus,  fulvo-tomen- 
tellus,  lobis  expansis  late  triaiigularibus.  Stamina  ad  10,  brevia. 
Stylus  brevissimus,  inclusus.  Fructus  subglobosus.  tomento  denso 
brevissimo  fulvo  obtectus,  (siccitate)  valde  durus. 

Folia  8— 10  cm  longa,  5— 6  cm  lata.  Petioli  3— 5  mm  longi. 
Paniculae  rami  3 — 5  cm  longi.  Calyx  2  mm  longus.  2 — 3  mm  latus. 
Fructus  diam.  3  cm;  pericarpium  1*5  mm. 


')  Siehe  diese  Zeitschrift,  Jahrgang  XLII  (1892).  S.  6. 

■)  Annalen  des  k.  k.  naturhistorischen  Hofrauseums  (Wien).  Band  IV. 
S.  33-60. 

')  A.  a.  0.  S.  45. 

*)  Herrn  Professor  Radlkofer  gebührt  für  sein  freundliches  Entgegen- 
kommen mein  herzlichster  Dank! 


19 

Brasilien:  Pohl  4402.  flor.  (hb.  Vindob.);  Martius  (Amazonas, 
„in  silvis  Japurensibus,"  „ad  fl.  Amazonum'"),  fnict.  (hb.  Monac.) 

Im  Münchener  Herbar  fand  ich  auch  Orio^nalexemplare  der 
Lirania  glahra  Mart.  und  der  mit  ihr  zusammenfallenden  Licnnia 
costata  Spruce  (Herbarname,  8pruce  2197).  Diese  Exemplare  sind 
von  Licauia  heteromorpha  Bth.  absolut  nicht  zu  unterscheiden, 
wenn  man  keine  Früchte  hat.  Letztere  aber,  welche  Spruce  offenbar 
zu  der  Bezeichnung  ,.costata''  veranlasst  haben,  sind  mit  flügelartig 
vorspringenden  Hippen  versehen,  während  die  wenigen  kleinen 
Früchte  von  Licania  heteromorpha  Bth.  (Sp  ruce  1472).  welche  mir 
vorlagen,  nicht  deutlich  gerippt  sind.  Nachdem  aber  die  Ueberein- 
stimmung  der  beiden  Pflanzen  sonst  (im  Habitus,  den  Blättern  und 
Blüthen)  eine  vollständige  ist,  ')  so  bin  ich  geneigt,  dem  in  der 
Frucht  liegenden  Meikmale  keine  zu  grosse  Bedeutung  beizumessen. 
Auf  alle  Fälle  gehört  Licania  ylabra  Mart.  im  Systeme  nicht 
zwischen  Licania  mollis  Bth.  und  Licania  latifolia  Bth.,  wohin  sie 
Hook  er  fil.  stellte,')  sondern  unmittelbar  neben  Licania  hetero- 
morpha Bth.,  zu  der  .sie  am  besten  als  var.  aJaUra  mit  der  Diagnose 
„fructibus  alato-costatis"'  zu  stellen  ist. 


Bei  dieser  Gelegenheit  sei  auf  zwei  Druckfehler  aufmerksam 
gemacht,  die  im  ersten  Theile  dieser  kleinen  Mittheilungen  über 
Licania-kxiQn  stehen  geblieben  sind.  Die  von  Rusby  gemachte 
Pflanzenausbeute  wurde  nämlich  nicht  von  Britten,  sondern  von 
N.  L.  Britton  in  New-York  bearbeitet;  A\q  Licania  pallida  dieses 
Autors  wollte  ich  daher  nicht  Licania  Britteniana,  sondern  Licania 
Brittoniana  nennen,  was  hiemit  richtig  gestellt  sei.  In  den  von  mir 
versendeten  Separatabdrücken  habe  ich  übrigens  diese  beiden  Druck- 
fehler handschriftlich  verbessert. 


Bemerkungen  über  einige  orientalische  Pflanzenarten. 

Von  Dr.  A.  v.  Degen  (Budapest). 

XI. 

Senecio  (Cineraria)  Wagneri  n.  sp. 

Senecio  e  sectione  Tephroseridis  Rh.  (Boiss.  Fl.  Orient.  III. 
p.  385)  perennis,  araneoso-lanatus  indumento  detersili,  foliis  cras- 
siusculis,  supra  glabrescentibus,  nitidis,  subtus  araneoso-canescentibus, 
margine  calloso  subrevoluto  repandis.  radicalibus  integris,  ob- 
longo-ellipticis,  caulinibus  inferioribus  oblongo-lanceolatis,  basi 
sessili    attenuatis,    superioribus    decrescentibus,    anguste    linearibus, 

')  Vergl.  meinen  .Conspectus",  S.  4.3. 
')  Flora  Biasiliensis  XIV.  2.  p.  10. 


20 

utrinqiie  araneoso  lanatis,  corymbo  simplici,  5 — lOcephalo,  capi- 
tiilis  eradiatis,  pedunculis  araneosis  eis  subaequilongis  vel  longio- 
ribus  siiffultis,  involucri  atro-purpiirascentis,  tandem  glabri  phyllis 
latiusculis,  lineari-lanceolatis,  capitulum  aequantibus,  ovariis  gla- 
bris,  pappo  corollae  tubo  luteo  subbreviore.  Planta  36 — 46  cm 
alta,  folia  ladicalia  13  —  19  cm  longa,  2'/., — 4'/2  cm  lata,  capitula 
l'/i  cm  alta. 

Habitu  Ä.  capitato  (Wablenb.)  ovariis  bispidis  diverso  similis, 
ejusque  species  vicaria  orientalis  videtur. 

Senecio  Aucheri  DC,  cujus  specimina  in  loco  classico  (in  juni- 
peretis  convallium  Olympi  Bitbyni  a  Pichlero  anno  1874)  lecta 
comparo,  ligiilis  magnis,  foliis  tenuibus,  involucri  phyllis  parce 
araneosis  viridibus,  praecipue  autem  habitu  — 

S'.  rupicolus  (Schur)  capitulis,  foliis  dentatis  in  petiolum  con- 
tractis  phyllis  araneosis  — 

S.  angustatus  (Schur)  pappo  brevi  foliis  angustissimis   — 

S.  papposus  (Eb.)  pedunculis  longioribus,  anthodii  phyllis  an- 
gustioribus,  pubescentibus,  capitulis  ligulatis  — 

S.  sidphureus  (Baumg.)  pappo  brevi,  anthodii  phyllis  villosis  — 

S.  procerus  (Gib.)  fioribus  magnis  radiantibus.  pedunculis  laevi- 
bus,  involucro  subvilloso,  pappo  corollae  tubum  aequante  — 

S.  araneosus  (Grb.)  pedunculis  laevibus,  capitulis  ligulatis,  in- 
volucro puberulo  — 

S.  Transsylvanicus  (Schur)  non  Boiss.  (qui  =  S.  glaherrimus 
[Roch.]  1828')  non  DC.  1837)  foliis  basi  abrupte  in  petiolum  tenuem, 
lamina  breviorem  attenuatis,  involucro  albo-araneoso,  capitulis  ligu- 
latis —  differunt. 

Habitat  in  saxosis  graminosis  accessu  difficilibus  alpinis  montis 
Balkan  supra  fontes  Akderes  prope  Kalofer,  ubi  Idibus  Augustis 
detexit  oculatissimus  et  am,  J.  Wagner,  cui  speciem  hanc  pulcher- 
rimam  dicare  liceat. 

Budapest,  25.  November  1893. 


lieber  einige  kritische  Pflanzen  der  Flora  von 
Niederösterreich. 

Von  H.  Braun  (Wien). 

IV.  Hosa  dumetöimm,  Thuill.  var.  BrachtU  H.  Braun. 

Frutex    elatus    dense  ramiticatus.    Eami  aculeati;    aculeis 

plus    minusve    tenuibus.    saepe    flavescentibus    vel    rubescentibus. 

Stipulae   lanceolatae,    in    lamina  pilosulae,   in  marginibus,   saltem 

in    auriculis,    glandulis    parvis    purpurascentibus    obsitae;    auriculis 


')  In  montibus  Ehodopes  elatioribus  haud  larus!    Deest  in  Vel.  Flora 
Bulgarica. 


21 

divergentibiis.  aciitis.  Petioli  dense  pilosi,  plurimum  eglandulosi, 
aculeolis  parvis  armati.  Foliola  5 — 7  inediocria  vel  parva, 
ovata  vel  suboibiculato-elliptica,  basin  versus  rotimdata 
ve]  subattenuata,  utrinque  pilosa,  subtus  praecipue  ad  costam 
dense  pilosa,  simpliciter  hinc  indeve  irre^lariter  eglan- 
duloso-s  errata,  foliola  terminalia  subbreviter  petiolata;  apicem 
V  e  r  s  u  s  b  r  e  v  i  t  e  r  a  c  u  t  a  v  e  1  o  b  t  u  s  i  u  s  c  ii  1  a.  B  r  a  c  t  e  a  e  pilosiu- 
sciüae,  dilatatae  et  saepe  foliaceae,  ceternm  iit  stipulae.  Pedunculi 
solitarii  vel  saepe  2—^  acrijregati,  laeves.  Receptacula  ellipsoidea. 
Sepala  post  anthesiu  retiexa,  in  marginibus  tomentosa,  petalis 
breviora,  tria  copiose  pinnatifida,  pinnulis  subeglandulosis.  Petala 
pulchre  rosacea.  Styli  birstiti,  subelongati,  disciim  super- 
antes.  Discus  valde  conicus.  Receptacula  fructifera  parva, 
ovoideo-subglobosa  vel  subglobosa. 

Dimensiones:  Foliola  10—  (15)  — 25  mm  longa,  6 —  (12) 
—  20  mm  lata;  petioli  foliorum  terminalium  6 — 12  mm  longi. 
Sepala  circiter  16  mm  longa. 

Habitat  in  aggeribus  et  in  pratorum  marginibus  ad  urbem 
Vindobonam  Austriae  inferinris. 

Eine  der  zierlichsten  und  hervorragendsten  Formen  innerhalb 
der  Gruppe  der  Rosa  dumetorum  Thuill.  Besonders  auffällig  durch 
die  kleinen,  eirunden,  öfter  fast  kreisrunden  einfach  gesägten  und 
+  dicht  behaarten  Blättchen,  die  kleinen  eikugeligeu  Scheinfrüchte, 
die  tief  rosenroth  gefärbten  Fetalen,  den  kegeligen  Discus  und  die 
über  den  Discus  emporgehobenen  verlängerten  Griffel.  Zunächst  ist 
diese  Form  der  Gruppe  zuzählen,  welche  ich  unter  R.  dumetormn 
in  Beck's  Flora  von  Niederösterreich  mit  la  bezeichnet  habe.  Von 
allen  Formen  dieser  Gruppe  zeichnet  sie  sich  indess  durch  die 
kleinen  Blättchen  und  kleine  Scheinfrüchte,  von  R.  dumetorum 
var.  Walziana  Borbäs  (in  österr.  botan.  Zeitschr.  1891,  S.  423  -= 
R.  dumetorum  var.  1 .  suh()aUicaiia  J.  B.  Keller  in  H  a  1  ä  c  s  y  u. 
Braun  Nachtrag  zur  Flora  von  Niederösterreich  p.  274  (1882)  non 
Borbäs:  A  magyar  birodal.  vadon  term.  rözs  äi  p.  505  et  p.  510 
pro  subspecie  Rosae  Boissieri  Crep.  [1880J),  der  sie  am  meisten 
ähnelt,  ist  sie  durch  die  über  den  stark  kegelig  geformten  Discus 
säulchenartig  vorragenden  Griffel,  kleine  Blättchen  und  Schein- 
früchte leicht  zu  unterscheiden. 

Interessant  sind  vor  Allem  die  Beziehungen,  welche  diese  Form 
zu  Rosa  ohtusi/oliii  Desv.  hat.  Bekanntlich  zählten  die  ersten  Kenner 
der  Gattung  Rosa,  wie  Deseglise,  Kipart  und  in  früherer  Zeit 
auch  Meister  ('repin  die  R.  ohtusifolki  Desv.  dem  Formenkreise 
des  R.  duntetvriini  Thuill.  oder  den  „Caninae  pubescentes"  zu.  In 
neuester  Zeit  fand  sich  indessen  Cn'])in  durch  eingehende  Studien 
über  diese  Form  veranlasst,  dieselbe  dem  Formenkreiso  der  Rosa 
tomentella  Lern,   anzuschliessen.    Seine  Studien   führten  Crep  in  zur 


22 

Ueberzeugung ,  dass  die  R.  ohtusifolia  zu  den  „Tomentellen"  die 
grösste  natürliche  Verwandtschaft  besitze  und  demgemäss  auch  nicht 
mehr  fernerhin  dem  Formenkreise  der  R.  Jinnetorum  Thuill.  bei- 
zuzählen sei.  Diese  eben  ausgesprochene  Ansicht  hat  insoferne  viel 
Bestechendes  für  sich,  als  ja,  wie  Crepin  ausführlich  erläutert,  die 
grössere  Summe  der  Merkmale  der  R.  ohtusifolia  Desv.  und  der 
R.  tomentella  Lem.  beiden  gemeinsam  sind,  und  nur  der  Mangel  an 
Drüsen  an  dem  Laube  der  R.  ohtusifolia  Desv.  ein  unterscheidendes 
Merkmal  gegenüber  der  R.  toment'lla  Lem.  abgibt,  welches  die 
Rhodologen  veranlasst  hat,  beiden  Arten  in  ziemlich  entfernt  stehen- 
den Gruppen  —  wie  man  zugeben  muss.  in  etwas  gezwungener  Weise  — 
einen  Platz  anzuweisen.  R.  ohtusifolia  Desv.  ist  im  westlichen  Frank- 
reich, so  insbesonders  in  der  Umgebung  der  Stadt  Angers,  häufig,  und 
wie  Crepin,  der  Gelegenheit  hatte,  viele  Exemplare  einer  gründ- 
lichen Prüfung  zu  unterziehen,  bemerkt,  hat  diese  Rose  die  Be- 
stachelung,  die  Form  der  Blättchen,  die  fast  seidige  Behaarung  der 
Blattunterseite,  das  Wachsthum  etc.,  mit  gewissen  Formen  innerhalb 
der  Gruppe  „Tomentellae"  gemeinsam.  Crepin  gab  in  neuester 
Zeit  in  mehreren  Publicationen  dieser  Ansicht  Ausdruck,  so  beispiels- 
weise in  „Nouvelles  Recherches  ä  faire  sur  le  Rosa  ohtusifolia  Desv." 
in  Bulletin  de  la  Societe  royale  botanique  de  Belgique  XXVL  II. 
(1887),  ferner  in  dem  „Tableau  analytique  des  Roses  euro- 
peenes"  ibidem  XXXI.  IL  p.  81  et  p.  91  (1891)  und  zuletzt  in  „Die 
Rosen  von  Tirol  und  Vorarlberg"  in  Berichten  des  naturwissen- 
schaftlichen medicinischen  Vereines  in  Innsbruck  pro  1891/92, 
Seite  87  (1893).  Es  fragt  sich  nun,  welchen  Merkmalen  be- 
hufs Eruirung  der  natürlichen  Verwandtschaft  grösseres  Gewicht 
zugesprochen  werden  muss,  den  vieldrüsig  gesägten  Blättchen  und 
der  theilweise  mit  Drüsen  bedeckten  Blattunterseite,  oder  anderseits 
der  gleichen  Bewehrung,  Form  und  Behaarung  der  Blättchen,  gleichen 
Wachsthumsverhältnissen,  und  man  muss  Crepin  Recht  geben,  wenn 
er  ersteren  gegenüber  den  letzteren  nicht  jene  Bedeutung  und  jenen 
Werth  zuspricht,  welche  andere  Kenner  der  Gattung  Rosa  veranlasst 
haben,  beide  Arten  entfernt  von  einander  in  verschiedene  Sectionen 
einzureihen.  Die  Gruppirung  der  Sectionen  „Caninae"  und  „Rubi- 
ginosae"  ist,  wie  die  vielen  Zwischenformen  zeigen,  zum  Theile  eine 
rein  künstliche  und  verfehlte. 

Die  hier  beschriebene  R.  Brachtii  H.  Braun  hat  nun  die  Form 
der  Blättchen  gleich  denen  der  R.  ohtusifolia  Desv.  und  R.  tomentella 
Lem.,  die  Behaarung  der  Blattunterseite  ist  dicht,  wenn  auch  nicht 
fast  seidig,  dagegen  ist  die  Bestachelung  nicht  robust,  und  sind  die 
Stacheln  am  Grunde  .nicht  auffällig  verbreitert,  sondern  sind  ähnlich 
denen  von  R.  dumetorum  Thuill.  Während  die  Fetalen  bei  R.  ohtusi- 
folia Dbsv.  weiss,  bei  R.  tomentella  Lem.  blassrosa  gefärbt  sind, 
erscheinen  die  Fetalen  bei  R.  Brachtii  H.  Biaun  tief  rosenroth 
gefärbt,  wie  die  der  R.  ruhiginosa  L. 


28 

Ich  zog  es  vor.  der  Art  der  Bestachehmg  halber  und  zufolge 
des  geringeren  Induments  der  durchaus  einfach  gesägten  Blättchen, 
die  Form  einstweilen  der  Gruppe  der  IL  dvmetorum  Thuill.  anzu- 
schliessen,  weitere  Studien  in  der  Natur  und  vergleichende  Cultur- 
versuche  werden  möglicherweise  einen  Aufschluss  über  die  definitive 
Stellung  dieser  Rosf  gegenüber  den  Sectionen  der  „Caninae  pube- 
scentes"  und  ,.Tonieiiteilae"  geben.  Man  sieht  hier  wieder  eine  jener 
intermediären  Formen,  welche  auf  den  ersten  Blick  einer  Form  aus 
der  Gruppe  „Tomentollac"  ähneln,  während  die  nähere  Untersuchung 
ihr  doch  in  vielleicht  natürlicherer  Weise  einen  Platz  an  Seite  der 
Formen  der  R.  dumetormn  Thuill.  anweisen  dürfte.  Zugleich  soll 
hier  noch  erwähnt  werden,  dass  in  Gesellschaft  der  in  Rede  stehen- 
den Eose    Formen  aus  der  Grui)pe  der  R.  tomenteUa  Lem,  wachsen. 

Diese  im  Juni  und  Juli  1893  von  mir  gesammelte  Form  wird 
demnächst  in  Schultz  „Herbarium  normale"  und  in  einer  der  nächsten 
Centurien  der  „Flora  exsiccata  Austro-Hungarica"  ausgegeben  werden. 
Ich  habe  diese  Rose  zur  Erinnerung  au  Adalbert  Bracht,  k.  u.  k. 
Hauptmann  im  52.  Linien-Infauterie-Regiment  benannt,  correspon- 
direnden  Mitgliede  mehrerer  gelehrten  Gesellschaften,  so  der  königl. 
bayerischen  botanischen  Gesellschaft  zu  Regensburg,  der  königl. 
sardinischen  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Turin  etc.  Derselbe 
sammelte  viele  kritische  Formen  um  Verona,  am  Monte  Baldo  und 
Tasso.  Viele  Exsiccaten,  seiner  Hand  entstammend,  finden  sich  im 
Herbare  des  k.  k.  naturh.  Hofmuseums  in  Wien.  Opiz  benannte 
nach  ihm  eine  Mentha,  welche  Deseglise  in  seiner  „Deuxieme 
memoire"  der  Menthae  Opizianae  in  Bulletin  de  la  societe  d'  etudes 
scientifiques  d' Angers  1882  extr.  p.  6  ausführlich  beschrieb,  und 
welche  Bracht  im  Jahre  1826  in  Ober-Italien  sammelte.  Er  fiel 
in  der  Schlacht  bei  Custozza  am  25.  Juli  1848. 


Beitrag  zur  Kenntniss  der  Laubmoosflora  des  Küsten- 
striches vom  Görzer  Becken  bis  Skutari  in  Albanien. 

Von  Prof.  Dr.  Franz  v.  Höhnel  (Wien). 
(Fortsetzung. ") 

MO.  Mnium  cuspidatum  Hedw.    Bis  Pola  verbreitet.    Weiter  südlich 
nicht  gefunden. 

111.  Mniuin  afjiue  Bland.  Hügel  bei  Skutari,  steril. 

112.  Milium  undnlatiim  (Dill.)  Hedw.  Häufig  noch  bei  Cattaro. 
\V6.  Mnium    rostratutn   (Schrad).    Diese   verbreitetste   aller  Mtiiutn- 

Arten  fand  ich  nur  im  nördlichsten  Theile  des  Gebietes. 


')  Vergl.  .Jahrg.   1S93,  Nr.  12. 


24 

114.  Mnium  orthorrhynchum  Br.  Eur.    Im   Tarnovaner   und    Lippiz- 

zaner  Walde  im  Küstenlande. 
Wh.  Bartramia  stricta  Brid.  Südlich  von  Cattaro,    Hügel    bei   Skii- 

tari  c.  fr. 
\\Q.  Bar  trän  da  pomiformis  (L.).  Eosenthal  bei  Görz. 

117.  Bartram'ia  Oedevi  (Gunn.)  An  der  Strasse  von  Cettinje  nach 
Eieka. 

118.  Philonotis  fontana  (L.).  Monte  Santo  bei  Görz. 

119.  Philonotis  calcarea  Br.  Eur.  Ebenda. 

120.  Atrichum  undulatum  (L.).  Scheint  im  südlichen  Gebiete  zu 
fehlen,  da  ich  sie  nur  um  Görz  fand. 

121.  Atrichum  angustatum  (Brid.).  Bei  Görz  im  Kosenthai  und  am 
Calvarienberg  mit  Frucht.  Bei  Budua  im  südlichsten  Dalma- 
tien  steril. 

122.  Pogonatum  aloides  Hedw.  Nur  um  Görz  gefunden. 

123.  Polytrichum  formosum  Hedw.  Nur  um  Görz  gefunden. 

124.  Polytrichum  piliferum  Schreb.  Im  Eosenthal  bei  Görz. 

125.  Diphyscium  foliosum  (L.).  Ebenda. 

126.  LeptodoH  Smithii  (Diks.).  Im  Kaiserwalde  bei  Pola  mit  Frucht» 
an  der  Strasse  von  Cannosa  nach  Gravosa  mehrfach  steril  (z.  B- 
an  der  Platane  von  Oraschatz.  Um  Skutari  mehrfach,  an  der 
grossen  Platane  des  Han  halbwegs  zwischen  Skutari  und  Medua, 
steril. 

127.  Neckera  crispa  (L.).  Bei  Görz  und  am  Karst  gemein.  Noch 
bei  Cattaro. 

128.  Neckera  complanata  (L.).  Nur  im  Küstenlande  und  Istrien 
gefunden.  Dieses  bekanntlich  selten  fruchtende  Moos  mit  reich- 
lichen Kapseln  an  einem  Stamme  im  Panovitzer  Walde. 

129.  Neckera  Bessert  (Lobarz.).  Im  Eosenthal  bei  Görz  steril. 

130.  Homalia  trichomanoides  (Schrbb.).  Ebenda. 

131.  Leucodon  sciuroides  (L.).  Im  Lippizzaner  und  Panovitzer  Walde 
nicht  selten,  reich  fruchtend.  Auch  südlich  von  Skutari  (Alba- 
nien die  Var.  moremis  bei  Eieka  (Montenegro)  und  in  der 
Lupa  bei  Cattaro. 

132.  Antitrichia  curtipendula  (L.).  Tarnovaner  Wald. 

133.  Leskea  polycarpa  Ehrh.  Südlich  von  Skutari  (Albanien). 

134.  Anomadon  attenuatus  (Schreb.).  Um  Görz. 

135.  Anomadon  viticulosus  (L.).  Albanien:  Hügel  bei  Skutari.  bei 
Eenzi.  Im  nördlichen  Gebiete  gemein. 

136.  Pseudoleskea  atrovirens  (Diks.).  Tarnovaner  Wald  steril. 

137.  Thuidium  tamariscinum  (Hedw.).  Panovitzer  Wald  (Görz). 

138.  Thuidium  delicatulum  (L.).  Um  Görz. 

139.  Thuidium  recognitwn  (Hedw.).  Montenegro:  bei  Eieka. 

140.  Thuidium  abietiaum  (L.).  Wie  es  scheint,  im  südlichen  Gebiete 
viel  seltener  als  bei  uns. 


25 

141.  Fahronia  pusilla  Kaddi.  Au  der  Platane  von  Oroschatz  (Dal- 
matien).  Sporen  lö^a  breit.  (Diese  Art  ist  für  das  Gebiet  neu.) 

142.  Hahrodon  Notarmi  Schpr.  Zweimal  an  Baumstämmen  an  der 
Strasse  von  Cannosa  nach  der   Ombla  gesammelt   (Dalmatien). 

143.  Pterygynandeum  filiforme  (Timm.).    Nur  um    Görz    gesammelt. 

144.  Pterogoniinn  gracile  (L.).  Im  Panovitzer  und  Tarnovaner  Walde 
bei  Görz,  südlich  von  Cattaro  (Dalmatien)  und  bei  Rieka  in 
Montenegro.  Ueberall  steril. 

145.  Cylindrothecium  Schleicher ii  Br.  Eur.  In  einer  feuchten  Tlial- 
furche  am  Monte  Santo  bei  Görz,  reich  fruchtend. 

146.  CUmatium  dendroides   (Hedvr.)    fand    ich    nur  bei  Görz  (steril). 

147.  Pylaisia  polyantha  (Schreb.).  Ebenso. 

148.  Isothecium  Myunim  Brid.  fand  ich  nur  im  nördlichen  Theile 
des  Gebietes. 

149.  Orthothecium  rufescens  (Diks.).  Lippizzaner  Wald  bei  Triest, 
steril. 

150.  Homalothecium  sericeum  (L.).  Im  ganzen  Gebiete  gemein. 
\^\.  Homalothecium  Phillipeanum  (Spruce).  Tarnovaner  Wald. 

152.  Ptychodium  pUcatum  (Schleich.).  Tarnovaner  Wald  steril. 

153.  Camptotheciinn  lutescens  (Huds.).  Im  ganzen  Gebiete  häufig.  Die 
Form  mit  geraden  Buchten  (var.  fallcur  Phil.)  mehrfach  au  der 
Strasse  von  Niegus  über  Cettinje  nach  Rieka. 

154.  Brachythecium  salebrosum  (Hoffm.).  Auch  in  Albanien  wie 
sonst  häufig. 

155.  Brachythecium  Mldeanum  Schpr.  Rosenthal  bei  Görz. 

156.  Brachythecium  glareosum  Br.  Eur.  Monte  Santo  bei  Görz. 

157.  Brachythecium  vehäinum  (Dill.)  Hedw.  Im  ganzen  Gebiete, 
aber  nicht  so  häufig  als  in  Mitteleuropa. 

158.  Brachythecium  Mutahulum  (L.).  Ebenso.  Albanien.  Hügel  bei 
Skutari. 

159.  Brachythecium  campestre  Br.  Eur.  Im  Rosenthal  bei  Görz,  c.  fr. 

160.  Brachythecium  plumosum  (Sw.).  Grojua  bei  Görz,  c.  fr. 

161.  Brachythecium  rivulare  Br.  Eur.  Kerkafälle  bei  Sebenico,  steril. 

162.  Brachythecium  populeum  (Hedw.).  Um  Görz  gemein.  Weiter 
südlich  nicht  gefunden. 

163.  Scleronodium  lUecebrum  (Schwgr.).  Bei  Gravosa;  Hügel  um 
Skutari  steril. 

164.  Eurhynchium  circinnatum  (Brid.).  Fast  im  ganzen  Gebiete 
häufig.  Bei  Görz  nicht  gefunden.  In  Montenegro  bei  Rieka  und 
am  Ufer  des  Sees  von  Skutari.  Albanien:  Hügel  von  Skutari-, 
bei  Renzi.  Steril. 

\Qb.  Eurhynchium  striatulum  (Spruce).  Görz:  Monte  Santo,  Tarno- 
vaner Wald;  1  Strien:  Kaiserwald  bei  Pola;  Montenegro:  bei 
Rieka. 

166.  Eurhynchium    strialum    (Schreb.).    Wohl    im    ganzen    Gebiete 


26 

(Budua,    Ziipa   im    südlichen  Dalmatien).   Die  Var.  meridionale 
bei  Rieka  (Montenegro). 

167.  Eurhynchium  crassmerv'ium  (Tayl.).  Bei  Görz  zwischen  Peuma 
und  Mauro;  iii  Dalmatien  bei  Cattaro;  in  Montenegro  bei  Rieka; 
bei  Skutari.  Meist  steril. 

168.  Earhynchknn  Vaucheri  (Lesq.).  Im  Lippizzaner  Wald  bei  Triest. 

169.  Eurhynchmm  praelonginn  (L.).  Im  ganzen  Gebiete.  Auch  bei 
Rieka  (Montenegro),  um  Skutari  und  Renzi  (Albanien).  In  Dal- 
matien bei  Buduu.  Steril. 

170.  Eurhynchium  piimilum  (Wils.).  In  Dalmatien  bei  Budua,  Can- 
nosa  und  Lonzino    (Gravosa);   in  Albanien    bei    Skutari.    Steril. 

171.  Rhynchostegium  tenelluin  (Diks.)  Bei  Görz  im  Grojnathale; 
Istrien:  Kaiserwald  bei  Pola;  Dalmatien:  Gravosa,  Park  von 
Caunosa  (hier  sehr  reichlich);  an  der  Strasse  von  Cannosa  nach 
der   Ombla;    bei  Cattaro.    In  Albanien:    bei  Renzi.   Meist  c.  fr. 

172.  Rhynchostegiuia  ciirvisetum  (Brid.).  Bei  Budua  reichlich  fruchtend. 

173.  Rhynchostegium  confertum  (Diks.).  Bei  Görz  in  der  Grojna  und 
im  Rosenthal;  Dalmatien:  Cannosa  und  Lonzino  bei  Ragusa; 
Istrien:  Kaiserwald  bei  Pola;  Albanien:  Renzi  und  Hügel  bei 
Skutari.  Fast  stets  mit  Frucht. 

114:.  Rhynchostegium  Meyapolitanum   (Bland).    Dalmatien:    bei  Can- 
nosa und  Cattaro.  Albanien:  bei  Skutari.  Fast  stets  c.  fr. 
\lh.  Rhynchostegium.  tnurale  (Hedw.).  Rosenthal  bei  Görz  c.  fr. 

176.  Rhynchostegium  ruseiforme  (Weis).  Görz  zwischen  Peuma  und 
Mauro.  In  der  Ombla  und  Kerka  in  Dalmatien.  Die  Var.  Atlan- 
ticum  am  Tarnovaner  Plateau. 

177.  Th((mnium  Alopecurum  (L.).  Bei  Görz  in  Rosenthal,  bei  Pola 
im  Kaiserwald. 

17 S.  Plag iothecium  denticulatum  (L.).  Rosenthal  bei  Görz  steril. 

179.  Plag  iothecium  silvaticum  (L.).  Ebenda. 

180.  Plagiothecium  silesiacum  (P.  B.)  Grojnathal  bei  Görz. 

181.  Amblystegium  subtile  (Hedw.).  Lippizzaner  Wald  bei  Triest,  steril, 

182.  Amblystegium  confervoides  (Brid.).  Zwischen  Peuma  und  Mauro 
bei  Görz. 

1S3.  Amblystegium  serpens  (L.).  Bei  Renzi  (Albanien)  steril;  in  Dal- 
matien nicht  gesehen. 

184.  Amblystegium  radicale  Br.  Eur.  Grojnathal  bei  Görz. 

1 85.  Amblystegitmi  riparium  (L.).  Quelle  von  Lucic  bei  Gravosa. 

186.  Hymnum  Sommerfeltü  Myr.  Kaiserwald  bei  Pola;  Hügel  bei 
Skutari. 

187.  Ilypnum  chrgsophyllum  Brid.  Bei  Görz  häutig;  Dalmatien; 
Budua,  Zupa. 

188.  Hypnimi  stellatum  Schreb.  Bei  Görz  zwischen  Peuma  und  Mauro. 

189.  ITypnum  commutatmn  Hedw.  Bei  Görz  in  der  Grojna;  Abhang 
des  Tarnovaner  Plateaus. 

190.  Ilypnum  ßlicinum  L.  Ueberall.  Auch  um  Skutari. 


27 

191.  Hi/pmim  rugosum  Ehrh.  Rosentbal  bei  Görz. 

192.  Hypnum  incurvatum  Schrad.  Lippizzaner  Wald  bei  Triest;  bei 
Görz  am  Calvarienberg  und  zwischen  Peuma  und  Mauro. 

193.  Hypnum  Vaucheri  Lesqu.  Mauer  bei  Solcano  bei  Görz. 

194.  Hyprmm  cupressi forme  L.  Bei  Rieka  (Montenegro);  Budua 
(Dalmatien);  Skutari  (Albanien);  die  Var.  suhjulaceum  bei 
Cattaro. 

195.  Hypnum  arcuatum  Ldbg.  Am  Fusse  des  Monte  Santo  bei  Görz. 

196.  Hypnum  Haldanianinn  Grev.  Am  Calvarienberg  bei  Görz. 

197.  Hypnum  molluscum  Hedw.  Gesammelt  bei  Rieka  (Montenegro), 
Budua,  Cattaro  und  Görz. 

198.  Hypnum  Orista  castrensis  L.  Panovitzer  Wald  bei  Görz. 

199.  Hypninn  palustre  L.  Um  Görz  häufig. 

200.  Hypnum  cuspidatum  L.  Bei  Görz  und  in  der  Zupa  (südliches 
Dalmatien). 

201.  Hypnum  Sehr  eher  i  Wild.  Im  Rosen  thal  bei  Görz. 

202.  Hypnum  jmrum  L.  Durch  das  ganze  Gebiet  verbreitet.  In  Mon- 
tenegro bei  Rieka,  in  Albanien  nicht  gesammelt. 

203.  Hylocomium  splendens  (Hedw.).  Mit  den  drei  folgenden  nur 
im  Görzer  Becken  gesammelt. 

204.  Hylocomium  brevirostre  (Ehrh.). 

205.  Hylocomium  triquetrum  (L.). 

206.  Hylocomium  loreum  (L.). 

(Schluss  folgt.) 


Plantae  novae  Orientales» 

III. 

Von  J.  Freyn.  (Prag.) 

(Fortsetzung.') 

Vexillo  30  (nee  25)  mm  longo  et  tbrsan  legumine;  ab 
Ä.  grandifloro  Freyn  differt  stipulis  et  bracteis  maximis  et 
earum  forma,  capitulis  pedunculo  eis  aequante  (nee  3  plo 
longiore)  suffultis,  stylo  glabro.  Insuper  ab  .4.  kirrhidico  Boiss., 
cuius  calycis  dentes  etiam  reflexunt.  differt  indumento  deficiente  (nee 
velutino-griseo),  stipulis  herbaceis  (nee  membranaceis),  foliolorum 
forma,  pedunculis  brevibus,  bracteolarum  defectu  etc. 

Astraffffhis  (LXV,  Ouobrychiinn)  striffUfostiti  Bunge, 
Boiss.  Flor.  Orient.  II.  431.  Nachdem  die  Früchte  dieser  Art  bisher 
unbekannt  waren,  so  folgt  hier  deren  Beschreibung  nach  fast  reifen 
Exemplaren,  die  Sintenis  bei  Tschinonbaba  nächst  Tossia  am 
12.  Juli  1892  gesammelt  hat.  (Exsicc.  no.  4105b). 


')   Vergl.  Jahrg.  1893,  Nr.  12,  S.  413. 


28 

Legumen  cum  rostro  circ.  11  "5  mm  lougiim,  2"5  latum  calyce 
siibduplo  longior  lanceolatum  compiessum  in  rostrum  recurvum  eins 
dimidiam  aequantem  sensim  attenuatum  parce  subadpresseque  hir- 
sutum,  venire  carinatiim,  dorso  sulcatum. 

A.  setuloiiu.s  Boiss.  et  Bai.  legumine  calyce  vix  longiore  oblonge 
(nee  lanceolato)  breviter  mucronato  (nee  rostrato)  parce  setuloso  (nee 
hirsuto)  differt.  A.  strigülosus  a  Sintenisio  anno  1892  lectus  est: 

Papblagoniae  ad  Tossia:  in  collibus  ad  Kawak  Tschescbme 
die  7.  jimio  (Exsicc.  no.  4105);  in  declivibus  ad  Tscbinonbaba,  die 
3.  junio  (Exsicc.  no,  4105  b);  in  collibus  ad  Beschtscham,  die  3.  junio 
(Exsicc.  no.  4105  c)  et  in  collibus  ad  Suluk-Tscheschme  die  21.  majo 
(Exsicc.  no.  3888). 

Astragalus  (LXV.  Onob^'ychiiini)  xylorrhi^ns  Freyn 
et  Sint.  ß.  amftistus  Freyn  et  Sint.  A  typo  (armeno)  differt  flo- 
ribus  minoribus,  vexillo  nempe  17  mm.  tantum  longo,  vix  emarginato, 
legumine  sine  rostro  7*5  mm  longo,  rostro  breviore  et  foliolis  dimidio 
angustioribus. 

Papblagoniae  ad  Tossia:  in  collibus  nudis  ad  Kawak 
Tschescbme  die  7.  junio  flor.  (Exsicc.  4128)  et  in  declivibus  ad 
Tscbinonbaba  die  19.  julio  1892  fructiferum  (Kxsicc.  no.  4128  b) 
leg.  S  i  n  t  e  n  i  s ! 

Astragalas  (LXV.  Onolrt'yeJt  iiun)  Levievi  Freyn.  Vi- 
rens  multiceps,  nempe  caudiculis  e  radice  longa  verticali 
numerosis  crassiuseulis  plus  minusve  elongatis  vel  brevibus, 
reliquiis  crassis  emarcidis  stipularum  et  in  fibras  tenues  solutis  pe- 
tiolorum  obsitis;  caulibus  brevissimis  prostratis  vel  adscendentibus ; 
stipulis  conspicuis  albidis  inter  se  alte  connatis  a  petiolo 
liberis  membranaeeis  parce  et  adpresse  serieeis  parte  libera  ovatis 
acutis;  foliis  parvis  brevissime  petiolatis.  foliolis  7 — 8  jugis  oblongo- 
ellipticis  obtusis  utrinque  parce  et  adpressissime  pilosis;  pedun- 
culis  folio  brevioribus  caulem  aequantibus  vel  longioribus  ad- 
scendentibus; capitulis  paucifloris  sub  anthesi  depresso-globosis 
sublaxis,  bracteis  triangulari-lanceolatis  membranaeeis  nigro-hirsutis 
pedicellum  subaequantibus;  calycis  campanulato-tubulosi 
pilis  praesertim  nigris  adpressis  obsiti  ore  valde  obliqui  den- 
tibus  atratis,  3bus  superioribus  subulatis,  binis  lateralibus  triangu- 
laribus  tubo  circ.  6plo  brevioribus;  corolla  (sicco  saltim) 
caerulea;  vexilli  calyce  subtriplo  alis  sexta  parte  carina 
sesqui  longioris  lamina  obovata  emarginata ;  1  e g u m i n i b u s 
semibiloeularibus  stipitatis  sursum  valde  curvatis 
transverse  reticulatis  parce  hirsutis  subglabris,  cylindricis  compressis 
in  rostrum  rectum  eis  '/4  —  '/spartem  aequantem  abeun- 
tibus,  calyce  2'/,  plo  longioribus,  dorso  ad  tertiam  partem  latitu- 
dine  sulcatis,  ventre  carinatis.   '4 .  Augusto,  Septembri. 


29 

Caucasi  pars  horealis,  in  jugo  Tieberdinski  perival  dicto 
inter  flumina  Tscherda  et  Do-ut  ditionis  Kuban,  in  montibus  supra 
jugum  plus  3000  m  supra  mare  die  2.  sept.  flor.  et  IViictif.:  in 
latere  boreali-occidentali  montis  Elbrus  (vulgo  Mingbi-tau)  in  monte 
supra  fliimen  Kükürtli  in  rupibus  ad  2800-3000  m  s.  mar.  truct. 
die  9.  sept.  1890  legg.  Sommier  et  Levier! 

Dimensiones:  Radix  ad  ortum  caudiculorum  centimetrum 
et  magis  crassa;  caudiculi  1  — 17  cm  longi;  folia  cum  petiolo  eis 
aequüongo  3—8  cm  longa,  foliola  4  —  7  mm  longa,  1 — 2*3  lata; 
calix  fere  7  mm  longus  ad  oras  2*3  ad  basin  1*5  diametro;  vexilluin 
a  medio  subrecurvum  20  mm  longum,  lamina  ad  medium  6  mm 
lata;  legumen  circ.  12—15  mm   longum,  2*5  latum. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Litteratur-Uebersicht. ') 

November  1893. 

Alföldi  Flatt  K.  A  „szerb-tövis"  ösbazaja  (Termeszettudomäuyi 
Közlöny  XXV.)  8".  8  S. 

Beck  G.  R.  v.  Mannagetta.  Die  Königsblume  (Daphne  Bla- 
gayana  Frey.)  Wnr.  ill.  Garten-Zeitg.  1893.  X.  Hft.  Gr.  8".  6  S. 

Behandelt  die  genannte  Pflanze  nicht  nur  vom  gärtnerischen  Stand- 
punkte, sondern  auch  botanisch,  bringt  die  Synouymie.  Verzeichniss  der 
Abbildungen;  genaue  Verbreitungsangaben. 

Horb  äs  Vincze,  A  szerbtövis  bazäja  es  vändorlasa.  (Mathem.  es 
termeszettudomänyi  közlemenyek.  XXV,)  8''.  98  S. 

Handelt  von  der  Heimat  u.  der  Verbreitung  von  Xanthium  spinosum  L« 

Bresadola  I.,  Hennings  P.  und  Magnus  P.  Die  von  Herrn 
P.  Sintenis  auf  der  Insel  Portorico  1884 — 1887  gesammelten 
Pilze.  (Engler's  Botan.  Jabrb.  XVH.  S.  489.)  8". 

öelakovsky  L.  lieber  den  Blütbenstand  von  ilfoWn«  und  den  Hüll- 
kelch der  Dipsacaceen  (Engler's  Botan.  Jahrb.  Bd.  XVII.  5.  Hft.) 
8».  23  S.  1  Taf, 


')  Die  „Litteratur-Uebersicht"  strebt  Vollständigkeit  nur  mit 
Rücksicht  auf  jene  Abhandlungen  an.  die  entweder  in  Oesterreich-Ungarn 
erscheinen  oder  sich  auf  die  Flora  dieses  Gebietes  direct  oder  indirect  be- 
ziehen, ferner  auf  selbstständige  Werke  des  Auslandes.  Zur  Erzielung 
thunlichster  Vollständigkeit  werden  die  Herren  Autoren  und  Verleger  um 
Einsendung  von  neu  erschienenen  Arbeiten  oder  wenigstens  um  eine  Anzeige 
über  solche  höflichst  ersucht. 

Die  Red. 


30 

Resultate:  1.  Die  Blüthenstände  von  Triplostegia  und  Marina  sind 
Botryen  aus  Brachien  (Dichasien,  Doppelwickel),  bei  den  übrigen  Dipsaca- 
ceen  einfache  Botryen, 

2.  Die  beiden  Vorblätter  der  Blüthensprosse  sind  bei  Triplostegia  stets, 
bei  Morina  nur  ausnahmsweise  entwickelt,  bei  den  übrigen  Dipsacaceen 
stets  unterdrückt. 

3.  Der  Aussenkelch  wird  von  4  querraedianen,  über  den  Verblättern 
stehenden  Hochblättern  gebildet  und  besteht  aus  2  in  einen  Kreis  zusammen- 
gezogenen Quirlen,  von  denen  der  mediane  der  erste  ist;  bei  Triplostegia 
folgt  noch  ein  zweiter,  ebenfalls  tetramerer  Hüllkelch. 

4.  Der  ursprunglich  spiralige,  ö zählige  Kelch  folgt  auf  die  transver- 
salen Blätter  des  Hüllkelches  ganz  regelmässig,  mit  dem  zweiten  Blatte 
nach  hinten;  durch  Ablast  dieses  letzteren  ist  er  bei  Marina  4 zählig  und 
diagonal  geworden,  sonst  besteht  der  tetramere,  orthogonale  Kelch  aus 
2  alternirenden  Blattpaaren,  deren  erstes  wiederum  median  steht. 

Celchowski  St.  Pizyczynek  do  znajomosci  krajowych  grzyböw 
gnojowych.  (Odbitka  z  Pamietnika  Fizyograficznego.  Tom.  XIT.) 
Gr.  8^  9  p.  1  Tab. 

Fungi  fimicoli  Polonici.  —  Spec.  nov. :   Coprinus  equinus. 

Crepin  Fr.  Mes  excursions  rhodologiques  daiis  les  Alpes  en  1893, 
(Bull,  de  la  Soc.  roy.  de  Bot.  de  Belgique  XXXII.  p.  44—100.)  8". 

Die  Abhandlung  zerfällt  in  3  Theile.  Der  erste  schildert  die  vom 
Verf.  unternommenen  Ausflüge  in  Tirol  und  der  Schweiz  mit  Rücksicht 
auf  die  rhodologischen  Ergebnisse;  der  zweite  bringt  Abhandlungen  über 
Rosa  inclinata  Kern..  K.  glaucaYUl.,  R.  coriifolia  Fr.,  Ä.  Tiroliensis  Kern., 
R.  Franzonii  Chr.,  R.  australis  Kern.;  der  dritte  Theil  behandelt  einige 
Rosen  des  Departement  de  Tlsere.  In  dem  ersten  Theile  überrascht  einiger- 
massen  die  Sicherheit,  mit  der  Verf.  Urtheile  über  die  Rosenflora  ganzer 
Gegenden  abgibt,  die  er  nur  auf  flüchtigen  Excursionen  kennen  lernte, 
besonders  dann,  wenn  sein  Urtheil  im  Widerspruch  steht  mit  dem  von 
Fachmännern,  welche  die  betreffenden  Gebiete  zum  Gegenstände  jahrelanger 
Studien  machten. 

Preyn  I,  Neue  Pflanzenarten  der  Pyreuäischen  Halbinsel,  (Bull,  de 
,     l'Herb.  Boiss,  Vol.  I.  Nr.  10.)  8".  7  S. 

Arahis  Reverchoni  Freyn,  Genista  Anglica  L.  ß.  pilosa  Freyn,  Tri- 
folium Hervieri  Freyn,  Astra^alus  Arragonensis  Freyn,  Vicia  Lusitanica 
Freyn,  Valerianella  Willkommii  Freyn,  Scahiosa  tomentosa  var.  cinerea 
Freyn,  Leontodon  Reverchoni  Freyn,  Linaria  spuria  Desf.  var,  glaber- 
rima  Freyn,   Thymus  Portae  Freyn. 

H  an  Sgl  Ig  A.  Mein  letztes  Wort  über  Chaetosphaeridium  Prings- 
heimii  Kleb,  und  Aphanochaete  glohosa  (Nordst,)  Wolle,  (Botan. 
Centralbl.  1893,  Nr.  50.)  8".  3  S, 

Hansgirg    A,    Biologische    Fragmente.    (Botan,    Centralbl,    1893. 

Nr,  48,)  8",  8  S, 

Heeg  M,  Hepaticarum  species  uovae.  (Revue  bryologique  20.  Ann. 
Nr.  5.)  8".  3  p. 

Scapania  verrucosa  Heeg.  Steiermark :  Lobnitzgraben  atn  Bachergebirge 
(lg.    Breidler),    Riesachfall    bei    Schladraing    (lg.    HeegJ;    Kärnten:    Ober- 


31 

Vellach   (lg.  Breidler).  —   Cephalozia  elegans  Heeg.   Steiermark:  Unterthal 
bei  Schladming  (lg.  Heeg). 

Novak  I.  Die  Flechten  der  Umgebung  von  Deutschbrod,  nebst 
einem  Verzeichniss  der  überhaupt  in  Böhmen  entdeckten  Arten. 
(Archiv  der  naturw.  Landesdurchforschung  von  Böhmen.  VIT. 
1893.  Nr.  1.)  8^  66  S.  —  2  Mk. 

Schrötter  H.  Ritter  v.  lieber  den  Farbstoff  des  Arillus  von  Af- 
zelia  Cuanzensis  Welw.  und  Ravenala  Madagascarienses  Sonn., 
nebst  Bemerkungen  über  den  anatomischen  Bau  der  Samen. 
(Sitzungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wissensch.  Wien.  Math. -naturw.  Cl. 
1893.)  8^^.  41  S.  2  Taf. 

Stapf  0.  The  genus  Trematocarpus.    (Ann.    of   Bot.  1893.  Nr.  9.) 

Triente  A.  Die  Waldwirthschaft  in  den  Alpenländeru,  insbesondere 
in  Tirol.  Innsbruck  (Wagner).  8".  77  S.     —-60  Mk. 

Wettstein  ß.  v.  Ueber  das  Androeceum  von  Plüladelphus.  (Ber. 
d.  deutsch,  botan.  Gesellsch.  XI.  Hft.  8.)  Gr.  8".  5  S.  1  Taf. 

Ergebnisse:  1.  Gelegentlich  auftrttende  Missbildungen  sprechen, 
ebenso  wie  die  entwicklungsgeschichtlichen  Studien  Payer's  dafür,  dass 
die  zahlreichen  episepalen  Stamina  der  Philadelphus-B\nX\\e  auf  4  Pri- 
mordien  zurückzuführen  sind. 

2.  Die  episepalen  Staubblätter  von  Fh.  gehen  aus  4  Priraordien  durch 
radiales  und  tangentiales  Dedoublement  hervor. 

3.  Gelegentlich  treten  auch  bei  Ph.  die  inneren  epipetaleu  Stamina 
auf,  wodurch  sich  die  vollständige  Uebereinstimmung  der  Androeceums  von 
Ph.  mit  dem  Savifragaceen- kuAr.  und  eine  einfache  Deutung  der  Gestalt 
der  Stamina  von  Deutzia  ergibt. 

Altmann  K.  Die  p]lementarorganismen  und  ihre  Beziehungen  zu 
den  Zellen.    2.  Aufl.   Leipzig   (Veit   u.    Co.).    8".  167.   S.  34  Taf. 

—  32  Mk. 

Briquet  I.  La  florule  du  mont  Soudine  (Alpes  d'Annecy).  (Rev. 
gen.  de  Bot.  V.  Nr.  58.)  8".  7  p. 

Ausführliche  Erörterungen  über  Potentüla  verna  L.,  Sorbus  Hostii 
Gremli,  Athamantka  Cretensis  L.,  Serratula  tinctoria  L.,  Mentha  longifolia 
Huds.,   Sideritis  hyssopifolia  L. 

Dippel  L.  Handbuch  der  Laubholzkunde.  Beschreibung  der  in 
Deutschland  heimischen  und  im  Freien  cultivirten  Bäume  und 
Sträucher.  III.  Theil.  Berlin  (P.  Parev).  Gr.  8".  752  S.  277  Abb. 

—  25  Mk. 

Mit  dem  vorliegenden  Bande  schliesst  das  werthvoUe  Werk  ab;  der- 
selbe umfasst  den  Schluss  der  choripetalen  Dicotylen  {Cistineae-  Serpen - 
tariae).  Schon  bei  Erscheinen  des  ersten  Bandes  wurde  auf  die  grossen 
Vorzüge  dieses  Werkes  hingewiesen,  das  damals  abgegebene  Urtheil  muss 
jetzt,  nachdem  jahrelang  die  beiden  ersten  Bände  benützt  und  erprobt 
wurden,  aufrecht  erhalten  werden.  Die  Vorzüge  bestehen  in  der  Vollstän- 
digkeit des  Werkes,  in  den  sorgfältigen  Beschreibungen,  in  der  Berück- 
sichtigung der  Litteratur,  in    der    selbständigen,   auf  Autopsie    beruhenden 


32 

Bearbeitung  zahlreicher  schwieriger  Gattungen,  endlich  in  den  Abbildungen, 
von  denen  so  manche  noch  nicht  oder  mangelhaft  illustrirte  Objecto  dar- 
stellen. Dass  über  manche  der  behandelten  Pflanzen  andere  Botaniker  eine 
abweichende  Ansicht  haben  werden,  kann  Demjenigen,  der  die  Schwierig- 
keit der  Systematik  so  vieler  „Laubhölzer"  kennt,  nicht  Wunder  nehmen, 
zählen  doch  hieher  Gattungen  wie  Kubus,  Rosa,  Spiraea,  Prunus,  Ber- 
beris.  Philadelphus  etc.  —  Ref.  möchte  nicht  das  abgegebene  günstige 
Urtheil  durch  Anführung  einzelner  kleiner  Mängel,  die  sich  hie  und  da 
bemerken  lassen,  beeinträchtigen. 

Eng  1er  A.  Die  natürlichea  Pflanzenfamilien.  Leipzig  (Engelmann). 
8".  p.  Liefgr.  1-50  Mk. 

Liefrg.  95.  3  Bogen  Text.  194  Einzelb.  in  20  Fig. 

Gilg  E.   Stachyuraceae. 

Engler     A.     Guttiferae     (einschliessend     Hypericum     von 
R.  Keller). 
Liefrg.  96.  3  Bogen  Text.  163  Einzelb.  in  23  Fig.  1  Heliograv. 

Eaimann  R.   Onagraceae,  Hydrocaryaceae. 

Petersen  0.  G.  Halorrhagidaceae. 

Festschrift  zur  Feier  des  75jälirigen  Bestehens  des  botanischen 
Gartens  „s  lauds  plantentuin"  zu  Buitenzorg  auf  Java.  Leipzig 
(W.  Engelmann).   Gr.  8".  426  S.  12  Lichtdr.  4  Pläne.  —  14  Mk 

Diese  vom  Director  M.  Treub  unter  Mitwirkung  der  Herren  Burck, 
Smith,  Janse,  Romburgh  herausgegebene,  vom  Verleger  auf  das  beste 
ausgestattete  Festschrift  wird  allen  zukünftigen  Besuchern  von  Buitenzorg 
(und  deren  Zahl  wird  ja  von  Jahr  zu  Jahr  grösser)  und  auch  anderen 
Botanikern  vom  Werthe  sein.  Für  erstere  insbesondere  dadurch,  dass  sie 
einen  eingehenden  Führer  durch  den  Buitenzorger  Garten  mit  seinen  Insti- 
tuten bildet,  für  letztere  durch  den  reichhaltigen  und  gediegenen  In- 
halt, der  insbesondere  in  gedrängter  Form  einen  Ueberblick  über  die 
Ergebnisse  der  bisher  in  Buitenzorg  ausgeführten  wissenschaftlichen  Ar- 
beiten gibt. 

HaackeW.  Gestaltung  und  Vererbung.  Eine  Entwicklungsmechanik 
der  Organismen.  Leipzig  (Weigel).  8".  345  S.  26  Abb.  —  8  Mk. 

Müller  Luise.  Grundzüge  einer  vergleichenden  Anatomie  der 
Blumenblätter.  Gekrönte  Preisschrift.  (Nova  acta  der  kais.  Leop. 
Carol.  Akademie.  Bd.  LIX.  Nr.  1)  4".  356.  S.  22  Taf.  —  30  Mk. 

Oels  W.  Pflanzenphysiologische  Versuche  für  die  Schule  zusammen- 
gestellt. Braunschweig  (F.  Vieweg).  81  80  S.  77  Abb.  —  4  Mk. 

Oliver  D.  Illustrations  of  the  principal  natural  Orders  ofthevege- 
table  Kingdom.  Plates  by  W.  H.  Fitsch.  London  (Chapman). 
8".  112  S.  —  16  sh. 

Pfeffer  W.  Druck-  und  Arbeitsleistung  durch  wachsende  Pflanzen. 
Leipzig  (Hirzel  in  Comm.).  Gr.  8'\  247  S.  14  Holzschn.  —  8  Mk. 

Schmidt  K.  E.  F.  Beziehungen  zwischen  Blitzspur  und  Saftstrom 
bei  Bäumen.  Halle  (M.  Niemeyer).  8".  4  S.  1  Taf.  2  Fig.  im 
Text.  —  1  Mk. 

Schmidt   A.    Atlas    der    Diatomaceenkunde.    In    Verbindung   mit 


3S 

Grundier.     Grunow.     Janisch     und    Witt    herausgegeben. 
Hft.  47.  Leipzig  (Reisland).  Fol.  4  Taf.  u.  4  Blatt  Erkl.  —  6  Mk. 

Scbweinfurth  G.  Abyssinische  Ptianzennamen.  Eine  alphabetische 
Aufzählung  von  Namen  einheimischer  Gewächse  in  Tigrinja,  sowie 
in  anderen  semitischen  und  hamitischen  Sprachen  von  Abyssinien 
unter  Beifiigiing  der  botanischen  Artbezeichnung.  Berlin  (Reimer 
in  Comm.).  4\  84  S.  —  6  Mk. 


Flora  von  Oesterreich-Ungarn. 


Nieder-Oesterreich. 

Keferent:  Heinrich  Braun   (Wien). 
Quellen: 

1.  Stockmeyer  Dr.  Siegfried.  Zur  Bildung  des  Meteorpapiers, 
in  Sitzungsberichten  der  k.  k.  zoolog.-botan.  Gesellsch.  S.  28  —  30 
(1893). 

2.  Zukal  Hugo.  Mykologische  Mittheilungen  in  Oesterr.  botan. 
Zeitschr.  1893,  S.  löO  und  S.  310. 

3.  Bäum  1er  J.  A.  Zur  Pilzflora  von  Niederösterreich.  VI.  in 
Verhandl.  der  k.  k.  zoolog.-botan.  Gesellsch.  Abhandl,  1893. 
S.  277—293. 

4.  Kern  er  Dr.  A.  v.  Flora  exsiccata  Austro-Hungarica  Nr.  2201 
bis  2400  (189.3). 

5.  Beck  Dr.  G.  v.  Flora  von  Niederösterreich.  2.  Hälfte  IL  Abth. 
S.  895—1396  (1893). 

Selbstverständlich  kann  ein  erschöpfender  Auszug  der  zahl- 
reichen Angaben  dieses  Werkes  an  dieser  Stelle  nicht  geliefert 
werden,  da  ohnedies  Jedermann  dieses  wichtige  Quellenwerk  zur 
Hand  haben  muss,  der  sich  mit  der  Flora  von  Niederösterreich 
überhaupt  beschäftigt.  Die  Bearbeitung  einzelner  Gattungen 
werde  ich  übrigens  an  anderer  Stelle  eingehend  besprechen. 

6.  Buser  R.  Notes  sur  plusieurs  Alchemilles  critiques  au  nou- 
velles  distrib.  en  1893  dans  la  „Flora  selecta'  de  Magnier. 
St.  Quentin.  8.  11  pag. 

7.  Fritsch  Dr.  C.  lieber  Veronica  D'dlenii  Crantz  in  Sitzungs- 
berichten der  k.  k.  zoolog.-botan.  Gesellsch,  1893,  S.  37. 

8.  Waisbecker  Dr.  J.  Beiträge  zur  Flora  des  Eisenburger  Co- 
mitates,  in  Oesterr.  botan.  Zeitschr.  S.  317,  319,  355  etc.  1893. 

9.  Wettstein  Dr.  R.  v.  Die  Arten  der  Gattung  Euphrasia  in 
Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1893.  VII.  Heft.  p.  240. 

10.  Wiesbaur  J.  S.  J.  Wo  wächst  echter  Acker-Ehrenpreis?  in 
Mitth.  d.  Section  f.  Naturkunde  des  Oesterr.  Touristeuclubs. 
1893.  Nr.  6. 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  1.  Heft.   1894.  3 


34 

11.  Wohlfahrt  R.  W.  D.  J.  Koch's  Synopsis  der  deutschen  und 
Schweiz.  Flora.  3.  Aufl.  Herausgeb.  v.  Hai  Her. 

12.  Allst  Carl  (k.  k.  Bezirksrichter' in  St.  Gilgen).  Schriftliche  Mit- 
theilungen über  die  Flora  der  Umgebung  von  Hainburg  in 
Niederösterreich. 

13.  Baumgartner  Julius  caud.  jur.  Schriftliche  Mittheilungen 
aus  der  Umgebung  von  Krems  und  aus  dem  niederösterreichi- 
schen Waldviertel. 

14.  Borbäs  Vincenz  Dr.  v.  Schriftliche  Mittheilungen. 

15.  Haring  Johann,  Volksschullehrer  in  Stockerau.  Schriftliche 
Mittheiluugen  über  die  dortige  Flora. 

16.  Keller  Alois,  Bürgerschullehrer  in  Wien.  Schriftliche  Mit- 
theilungen. 

17.  Wied ermann  Leopold,  Pfarrer  in  Rappoltenkirchen.  Schrift- 
liche Mittheilungen  über  die  dortige  Flora. 

A.  Kryptogamen. 

a)  Algae. 

Aus  Quelle  1 :  Microcoleus  chthonoplastes  Thuret  und  Calothrix 
parietina  Thuret.  Im  Inundationsgebiete  der  Donau  bei  Wien.  Aus 
Quelle  4:  Hermiscia  suhülis  (Kütz.)  Nr.  2387.  In  Sümpfen  bei 
Leesdorf  nächst  Baden.  Spirogyra  Weheri  Kütz.  f.  elongata  Nr.  2390. 
In  stillfliessendem  Wasser  bei  Dornbach  nächst  Wien.  Cosmarium 
Meneghinii  Breb.  Nr.  2391.  Baden  im  Thermalwasser.  Chroococcns 
helveticus  Naeg.  Nr.  2397.  Baden.  G.  targidus  (Kütz.)  Nr.  2398.  Im 
Teiche  des  Doblhoffgartens  in  Baden.  Mehsira  varians  Ag.  Nr.  2400. 
Schwechatfluss  in  Baden. 

b)  Pilze. 

Aus  Quelle  2 :  Halobyssus  tnoiiiUforniis  Zukal.  In  Salz- 
lösungen in  Wien  beobachtet.  —  Rhizophlyctis  Tolypo- 
thrichis  Zuk.  n.  sp.  Chytrideorum  De  Bary  et  Woronin.  Auf 
Tolypothrix  lanata  Wrtm.  Wien.  Aus  Quelle  4:  Panus  semipetio- 
latus  Schaeflf.  Nr.  2862.  Sofienalpe  bei  Neuwaldegg.  Puccinia  Gle- 
matidis  (DC.)  Nr.  2366.  An  Blättern  und  Blattstielen  von  Clematis 
Vitalba  L.  Baden.  Hypoxylon  tuberosum  (Scop.)  Nr.  2370.  Auf 
Stämmen  und  Zweigen  von  Betida  verrucosa  Ehrh.  Bei  Laxenburg. 
Cucurbitaria  Laburni  Pers.  Nr.  2371.  Auf  abgestorbenen  Zweigen 
von  Cytisus  Linneanus  Wettst.  Im  botanischen  Garten  zu  Wien. 
Pezizida  carpinea  (Pers.)  Nr.  2377.  Auf  abgestorbeneu  Stämmen  von 
Carpinus  Betulus  bei  Haiufeld.  Peziza  vesicidosa  Bull.  Nr.  2378. 
Korneuburg. 

Aus  Quelle  3  ') :  Qiiatemaria  PersoouU  Tul.  Auf  Fagus- 


')  Bei  dem  bedeutenden  Umfange  dieser  Arbeit  konnte  ich  nur  die  für 
Nitderösterreich  neuen  Formen  berücksichtigen. 


Arten  im  Domgraben  bei  Weidlingbach.  —  Mndoxyla  austriaea 
Bäumler   n.  sp.    Auf  Carpinv s-Stäimmen  im  Parke  von  Schönbrunn. 

—  Diatrifpe  Indlata  (Hoffm.)  Fr.  Auf  dürren  Weidenästen  im  Dom- 
graben bei  Weidlingbach,  eine  Form  mit  kürzeren  Schläuchen.  — 
liosellinia  aqiilla  (Fr.)  De  Not.  var.  bt/ssiseda  Fuckel.  Auf 
faulenden  Nussbaumästen  im  Krottenbachthale.  —  J?.  sordarla 
Fr.  Rehm.  Auf  faulendem  Holze  am  Sonntagsberg  bei  Rosenau.  — 
Bert  1(1  moriforniis  (Tode)  De  Not.  Auf  einem  morschen  Strünke 
an  der  Thalhofriese  bei  Reichenau,  auf  alten  Hölzern  im  Kreuzberg- 
walde bei  Gross-Russbach.  —  Massaria  macrospo7'a  (Desm.) 
Sacc.  Auf  Buchenästen  im  Domgraben  bei  Weidlingbach.  —  Lepto- 
sphaerla  fKjnita  (Desm.)  Ces.  et  De  Kot.  Auf  dürren  Stengeln 
von  Eupatorium  cannahinum  in  Schluchten  des  Dreimarksteines.  — 
X.  JJolioltini  (Pers.)  Ces.  et  De  Not.  Auf  abgestorbenen  Stengeln 
von    Urtica  dioica   im    botanischen    Garten    der  Wiener  Universität. 

—  Ohleria  ohducens  Winter.  Auf  altem,  hartem  Holze  auf  dem 
Sauberge  bei  Weidlingbach.  —  Trematosphaeria  fissa  (Fuck.) 
Winter.  Auf  entrindeten  Aststückchen  auf  dem  Sonnleitberge  der 
Raxalpe.  —  Kahniisla  Breidlcri  Bäuml.  n.  sp.  Auf  dem  Innen- 
holze eines  hohlen  Rosskastanienstammes  im  Wiener  Prater  beim 
Lusthause.  —  3Ielo(/raitiina  spinifn'iim,  (Wallr.)  De  Not.  Auf 
Wurzelholz  bei  der  Sofienalpe;  Domgraben  bei  Weidlingbach;  im 
oberen  Halterthale;  bei  Rekawinkel;  am  Sattelberge  bei  Pressbaum. 

—  Lasiosphaeria  hirsuta  (Fr.)  Ces.  et  De  Not.  Auf  nassem, 
faulem  Holze  im  Gföhler  Walde.  —  i.  spermoides  (HoflTm.)  Ces. 
et  De  Not.  Auf  alten  Baumstrünken  im  Domgraben  bei  Weidling- 
bach, am  Burgstall  bei  Piesting;  bei  Schwarzenbach,  im  Wiener 
Prater;  bei  Rekawinkel.  —  HerpotrwJiia  nUfra  Hartig.  Auf 
Pinvs  pumilio  auf  der  Heukuppe  der  Raxalpe  und  im  Saugraben 
des  Schneebeiges.  —  Wlnteria  Zahlbriwkneri  Bäumler  n.  sp. 
In  ziemlich  dichten  Heerden  an  eutblössten  Föhreuwurzeln  auf  dem 
Sonntagsberge.  —  Ctieurhitaria  Coluteae  (Rabenh.)  Auersw. 
Auf  der  Rinde  von  Colutea  arhoresceas  im  Parke  bei  Hainburg  an 
der  Donau.  —  Vaeurhltaria  Coronlllae  (Fr.)  Sacc.  Auf  dürren 
Aestcheu    von  Coronilla  emeriis   im  Wiener  Walde  bei  Purkersdorf. 

—  Strickeria  ohtusa  (Fuck.)  Winter.  An  einer  Brunneneinfassung 
auf  der  Schafweide  bei  Neuhof  im  Marchfelde.  —  Colonectria 
FurkelU   (Nitsch.)    Sacc.    Auf  feuchten  Strünken  bei  Neuwaldegg, 

—  Clavleeps  uUfrlettns  Tul.  In  dem  Fruchtknoten  von  Ileleo- 
charis  paludris  im  Wiener  Prater.  Nur  die  Sderotium-Yovm.  — 
Phyllachora  Fodaffrnrlae  (Roth)  Karst.  Auf  lebenden  Blättern 
von  ^1  t'^o/^oJittm  bei  Rekawinkel.  —  Gloiiiiiui pißijnuieamKd.xi^i. 
Auf  alten  Zäunen  in  Schwarzlacken  bei  Rekawinkel.  —  Godroitia 
Ifreeoins  (Alb.  et  Schw.)  Karst.  Auf  dürren  Aesten  von  Rihe.s 
rubruin  in  Gärten  von  Währing.  —  Xyloffrapha  pardUela  (Ach.) 
Fr.  Auf  entblossten  Stämmen  auf  dem  Wechsel.  —  Kaeinactjcltts 


36 

niveus  (Pers.)  Sacc.  Auf  Föhrennadeln  bei  Gutenstein.  —  Phaci- 
diiifn  repanduin  (Alb.  et  Schw.)  Fr.  Auf  Galimn  am  Gösing.  — 
Patellaria  incliisa  Karsten.  Auf  einem  entrindeten  faulenden 
Fichtenstamme  am  Aufstieg  zum  Jauerling  bei  der  Baumgarten- 
mühle. —  Lecauldiou  atratiini  (Hedw.)  Eabenh.  Auf  Planken 
bei  Gloggnitz.  —  Phyllosticta  bujcuia  Sacc.  Auf  lebenden 
Blättern  von  Buxus  sempervirens  im  botanischen  Garten  der  Wiener 
Universität.  —  Phyllosticta  pivlcola  Sacc.  et  Spey,  Auf  Birn- 
baumblättern in  Gärten  von  Währing.  —  Photna  arundiriacea 
(Berk.)  Sacc.  Auf  dürren  Halmen  von  Phragmites  am  Haideteiche 
bei  Vöslau.  —  Hadrotrichiim  Phragniitis  Fuck.  und  Torula 
rhizoplilla  Corda  mit  Vorigem  am  Haideteiche  bei  Vöslau.  — 
Phonia  conorutn  Sacc.  Auf  abgefallenen  Fichtenzapfen  bei  Sieg- 
hartskirchen.  —  Phoina  oleracea  Sacc.  Auf  dürren  Ehmanthvs- 
Stengeln  am  Steinritzl  bei  Schwarzau  im  Gebirge.  —  Cytospora 
flavoviretis  Sacc.  Auf  dürren  Aesten  von  Comus  sanguinea  in 
Gärten  von  Währing,  —  Cytospora  Vitis  Mont.  Auf  dürren 
Weinreben  bei  Piesting.  —  Hendersonia  ciUtnlcola  Sacc.  Auf 
Halmen  und  Blättern  bei  Velm.  —  Septoria  aegopodiua  Sacc. 
Auf  lebenden  Blättern  von  Aegopodium  Podagraria  im  Parke  von 
Neuwaldegg.  —  Septoria  Cletnatidis  rectae  Sacc.  Auf  leben- 
den Blättern  von  Clematis  i^ecta  am  Lusthausberge  bei  Vöslau.  — 
Septoria  cornicola  Desm.  (Sacc.)  Auf  lebenden  Blättern  von 
Cornus  sanguinea  bei  Neuwal degg.  ^  Septoria?  Galio min  Ell. 
et  Mart.  Auf  Blättern  von  Galimn  silvaticum  bei  Kritzendorf.  — 
Septoria  Heraclei  Desm.  (Sacc.)  Auf  Blättern  von  Heradeum 
Sphondi/liion  bei  Neuwaldegg.  —  Septoria  Popali  Desm.  (Sacc.) 
Auf  lebenden  Blättern  von  Popidus  nigra  au  der  alten  Donau  bei 
Floridsdorf  —  Septoria  üahi  West.  (Sacc.)  Auf  lebenden  Blät- 
tern von  Rubus  bei  Neuwaldegg.  —  Septoria,  scablosicola  Desm. 
(Sacc.)  Auf  lebenden  Blättern  von  Knavtia  arvensis  bei  Vöslau. 
Neustift  a.  W.  und  Neuwaldegg.  —  Septoria  Soldanellae  Sprg. 
(Sacc.)  Auf  lebenden  Blättern  von  Soldanella  alpina  auf  dem 
Wechsel.  —  Sphaeioneniella  fimi43ola  Marcb.  Auf  Rehmist  in 
Währing  gezogen.  —  Polystitfitiiiia  rubra  Sacc.  Auf  lebenden 
Blättern  von  Prunus  domestica.  —  Gloeosporium  Becklatiiun 
Bäum.  n.  sp.  Auf  Salix  aurita  zwischen  Edlitzberg  und  Kronhof.  — 
Cr.  paradojcuin  (De  Not.)  Fuck.  Auf  Blättern  von  Hcdera  Helix 
in  Gärten  von  Hadersdorf.  —  Cylindrosporiuni  UletaniiU 
(?  Eabenh.)  Bäuml.  Auf  lebenden  Blättern  von  Didatnnus  albus 
am  eiserneu  Thore  bei  Vöslau.  —  LlberteUa  fayinea  Desm. 
(Sacc.)  Auf  der  Rinde  von  Buchenscheitern  bei  Tullnerbach.  — 
Marsonia  Violae  (Pass.)  Sacc.  Auf  Blättern  von  Viola  Infolia 
auf  dem  Schneeberge.  —  J/.  Jiujlaiidis  (Lib.)  Sacc.  Auf  Blättern 
von  Juglaas  regia  häutig. 


37 


Botanische  Forschungsreise. 


Am  27.  Juli  reiste  ich  mit  Henii  Joseph  8tipanics,  Euto- 
mologe,  über  Varna  iiach  Burgas,  besuchte  hier  die  zunächst  ge- 
legenen Erhebungen  des  Kara-Tepe-Gcbirges,  wo  ich  die  seit  J  anka's 
Zeiten  nicht  gesammelte  Colladonia  triqtietra  Vent.  und  die  in  Vele- 
novsky's  Flora  Bulgarica  vergessene  Centawea  mouacantha  Boiss., 
wohl  eine  der  seltensten  Pflanzen  Europas,  sammelte.  Nach  kurzem 
Aufenthalte  fuhr  ich  nach  Emine  und  sah  unterwegs  zu  wiederholten 
Malen  die  erwähnte  prächtige  Centaurea.  Emine  hat  eine  trostlose  Um- 
gebung, welche  in  botanischer  Hinsicht  gar  nichts  bietet;  es  waren  nur 
kahle  oder  doch  schon  abgeweidete  Bergabhänge  zu  schauen;  auf 
dem  Cap  Emine  selbst  sammelte  ich  den  für  Bulgarien  neuen  Thi/- 
mus  Kostelecki/arms  Opiz;  ich  verliess  deshalb  Emine  so  rasch  als 
möglich  und  hielt  mich  in  Monastirkiöj  3  Tage  auf.  wo  ich  wieder 
einige  l)lühende  wunderschöne  Pkemplare  der  Centaurea  monacantha 
entdeckte.  Auffallend  war  es,  dass  diese  Pflanze  hier  an  grasigen 
freien  Plätzen  mitten  in  den  Wäldern  des  Emine  Balkans  gedieh, 
denn  ich  hatte  sie  immer  nur  zwischen  Pa/mr^/Ä-Sträuchern  der 
Hügelgegend  gesehen.  Erwähneuswerth  sind  noch  Lonicera  Etrusca 
Sav.,  Pyrethrum  millefoliatnni  W.,  Knautia  ovientalis  L.  und  D'i- 
anthus  moesiacus  V.  P.  Von  Monastirkiöj  fuhr  ich  auf  einem  Oclisen- 
wagen  direct  nach  Slivno.  Nächst  der  Brücke,  welche  über  den 
Hadzi-Bach  führt,  entdeckte  ich  Lotus  strktus  F.  M.,  da  ich  aber 
unterwegs  ein  heftiges  Fieber  hatte,  hoff'end,  dass  ich  diese  werth- 
volle  Pflanze  am  Original  Standorte  bei  Karnabad  am  Strandza-Teicho 
wieder  auffinden  werde,  legte  ich  nichts  davon  ein.  Der  4tägige 
Weg  fühlt  grösstentheils  zwischen  schlecht  bestellten  Aeckern  und 
durch  mit  PaUurus,  Quercvs.  hie  und  da  Crataegus,  Pt/rus,  Rosa- 
Gestrüpp  bewachsene  Hügelgegenden.  Der  Strandza- Teich  ist  jetzt 
schon  zum  grössten  Theile  abgelassen,  die  Stelle  wenigstens,  wo 
Janka  seinerzeit  seinen  Lotus  albus  entdeckt  hat,  ist  gegenwärtig 
trocken  gelegt. 

in  Slivno  brachte  ich  2  Wochen  zu,  unternahm  wiederholte 
Ausflüge  auf  den  Sinite-Kamen  und  Catalkaje,  die  zwei  iuteiessan- 
testen  Berge  der  Umgebung.  Die  Flora  des  Catalkaje  ist  besonders 
interessant  und  reich ;  es  ist  dies  ein  von  Westen  gegen  Osten 
ziehender,  südwärts  durch  viele  Thäler  zerklüfteter  Felsenrücken; 
jeder  Kamm,  jede  Schlucht  bietet  etwas  Eigenartiges,  etwas  Neues. 
Auf  der  Spitze  sammelte  ich  Seseli  purpurascens  Jka.,  Thymus 
comptus  Friv.,  auf  den  grasigen  Abhängen  unter  der  Spitze  Lotus 
angustissimus  L.,  Lns  halcana  Jka.,  Pterocejihalus  jfhimosus  (L.), 
CaiH/Minula  species  cauipanulae  rotujutifoliae  affinis  dentibus  caly- 
cinis  brevissimis  diversa,  Lamium  hithi/nlcuni  Benth.,  Gi/tisus 
mediterraneus  Pant.,  C.  lasiosdeinius  Boiss.  neu  für  Phiropa!,  C.  Fri- 
valdszkyaaus  Deg.    n.  sp..    D'uuithus  bncvifolius  Friv.    und    Noeanus 


38 

Boiss.,  Stachys  Cassia  Boiss.,  Lysimachia  atro-purpurea  L.,  Poten- 
tilla BenyitzTcyiYx'w ..Verhascum  huinile  Jka.,  V.  glabratum  Friv.;  auf 
den  Abhängen  des  Sinite  Kamen  entdeckte  ich  den  vierten  der  bisher 
bekannten  Standorte  von  Oleome  aurea  Cel.  (neu  für  Bulgarien!)  und 
Euphrasia  tatarica  Fisch.  Auf  Felsen  bei  dem  Dorfe  Sotir:  Astra- 
galus  Parnassi  Boiss.,  Polygala  Hohenackeriana  F.  M.  subsp.  Bul- 
garica  Vel. 

Von  Slivno  fuhr  ich  über  Nova  und  Stara  Zagora  nach  §ipka, 
von  wo  ich  am  5,  August  einen  3tägigen  Ausflug  über  den  Sipka- 
Berg,  das  Kloster  und  die  Stadt  Gabrova  und  durch  den  Pass  zurück 
in  das  Dorf  Sipka  antrat.  In  der  Nähe  des  Klosters  Gabrova  fand 
ich  viele  prächtige  Exemplare  des  Kirschlorbeers,  Prurms  Lauro- 
cerasvs  L.  in  schönster  Frucht!  Auf  der  §ipkahöhe  sammelte  ich 
die  von  Velenovsky  nicht  augeführte  Campanula  divergens  W. 
(schon  von  Friv.  angegeben).  Menschenknochen  und  Geschoss- 
fragmente zeigen  jetzt  noch  handgreiflich  die  Spuren  der  furchtbaren 
Schlacht,  die  hier  gefochten  wurde.  Sipka  verliess  ich  bald,  um  in 
der  interessantesten  Gegend  des  Balkangebirges,  nämlich  in  der  Um- 
gebung von  Kalofer,  umsomehr  Zeit  zubringen  zu  können.  Mein 
erster  Weg  führte  mich  zum  Wasserfall  des  Akdereflusses,  ein  Aus- 
flug, den  ich  nie  in  meinem  Leben  vergessen  werde.  Die  Akdere 
stürzt  vom  Dache  des  Jumrukcal  über  eine  40 — 50  m  hohe  Felsen- 
wand, welche,  links  und  rechts  vom  Flusse  bogenförmig  weiter- 
ziehend, sich  im  Gebirgsstocke  des  Jumrukcal  allmählich  verliert. 
Diese  Felsenwand,  verhältuissmässig  nicht  gross,  birgt  doch  die 
grössten  Schätze  des  Balkangebirges!  Zwei  ganze  Tage  verbrachte 
ich  an  dieser  Wand  und  konnte  in  zwei  Tagen  nicht  einmal  jeden 
Vorsprung,  eine  jede  Spalte,  welchen  man  eben  beikommen  kann, 
durchforschen.  Ranunculus  inconiparahilis  Jka.,  Nasfurtivm  thraci- 
cum  Grb.,  Centaurea  Kerneriana  Jka.,  Seseli  purpurascens  Jka., 
Primula  frondosa  Jka.,  Lilium  Jankae  Kern.,  Allium  Wehbii  Clem. 
und  A.  sibiricum  L.,  Senecio  Wagneri  Deg.  spec.  nov.,  Delphinmm 
fissum  W.  K.,  das  prächtige  seltene  Verhascum  Hinkei  Friv.,  Cirsmm 
ligulare  Boiss.,  Bapleurimi  polyphyllum  Led.,  Potentüla  Haynal- 
diana  Jka.,  Scrophularia  aestivaUs  Grb.,  Saanfraga  pseudosancta  Jka., 
Alsine  Saxifraga  (Friv.),  Haherlea  rhodopensis  Friv.,  Gentiana  hul- 
garica  Vel.,  Silene  Lerchenfeld iana  Brag.,  Genista  Frivaldszkyana 
Boiss.,  Doronicum  macrophylUini  Fisch.  (=:  D.  Orphanidis  Boiss.), 
Satureia  Wiedemanniana  Lall.,  Rhynchocoris  Elephas  Grb.,  Hierachim 
rhodopeuju  Grb.,  JET.  taygeteum  Boiss.  und  H.  sparsum  Friv.,  Cen- 
taurea Kotschyana  Heutf.,  Achillea  sp.  nov.  A.  Scimrii  Schltz.  affinis, 
Scorzonera  rosea  W.  K.,  Carum  graecum  B.  H.,  Conyza  alala 
Bmg.,  Malgedmui  sonchifolhmi  V.  P.  Silene  Waldsteinii  Gr.  (== 
S.  clavata  Hmpe.),  Rosa  hungariea  Kern,,  R.  Bidgarica  Borb.  n.  sp. 
und  Degeniana  Borb.  n.  sp.  etc.  schmücken  diesen  „rocher  de  fleurs" 
und  die  umliegenden  Erhebungen. 


39 

Bald  hierauf  machte  ich  einen  Ausflug  auf  den  „Mara-Gidik" 
(2330  m),  den  Kozalitipas.s,  Bydoroza.  und  brachte  bei  meiner  zweiten 
Tour  6  Tage  im  hohen  Balkan  zu.  Diesmal  entdeckte  ich  unter  dem 
Felsen  Bydoroza  ober  dem  Monastir-Bache  den  prächtigen  Seneclo 
Othonnoe  M.  B.,  der  seit  Janka  dort  nicht  gefunden  (wahrschein- 
lich auch  nicht  gesucht)  wurde;  bei  Veleu.  Fl.  bulg.  fehlt  diese 
Art  und  Rhlnanthus  Wagneri  Deg.  n.  sp.,  von  Rh.  aljnitus  Bmg. 
durch  die  kurzen  breiten  Bracteen  verschieden. 

Nachdem  ich  noch  Karlovo  besuchte,  wo  ich  im  Thale  Sucu- 
rum  die  Campanula  lanata  Friv.  (leider  nur  in  einem  Exemplare) 
einlegte,  fuhr  ich  nach  Stanimak,  um  das  dort  im  vorigen  Jahre 
entdeckte  Peucedanum  macedonicum  Jka.  in  Frucht  zu  sammeln 
(dies  dürfte  wohl  Velenovsky's  P.  arenarium  sein)  und  kehrte 
am  1.  September  nach  Budapest  zurück. 

Csakathuru,  am  19.  October  1893.  Hans  Wagner. 


Personal-Nachrichten. 

In  Wien  starb  am  2.  December  1893  nach  langem  Leiden 
der  Professor  der  Botanik  an  der  Universität  und  Hochschule  für 
Bodencultur  Dr.  Josef  Boehm  im  Alter  von  62  Jahren. 

Custos  Dr.  Günther  Beck  von  Managetta  wurde  durch  die 
Verleihung  des  österr.  Franz  Josef-Ordens  ausgezeichnet. 

Der  Leiter  des  botanischen  Gartens  in  Schönbrunn  bei  Wien, 
A.  Umlauft,  wurde  zum  k.  u.  k.  Hofgarten-Director  ernannt, 

Geheimrath  Prof.  Dr.  N.  Pringsheim  feierte  am  30.  No- 
vember seineu  70.  Geburtstag.  Aus.  diesem  Anlasse  wurde  ihm  von 
einem  grossen  Kreise  deutscher  Botaniker  ein  Jubiläumsgeschenk  in 
Form  eines  Albums  überreicht. 

Prof.  Dr.  S.  S  c  h  w  e  n  d  e  n  e  r  wurde  zum  Geheimen  Regierungs- 
rath  ernannt. 

Prof.  Dr.  A.  Batalin  wurde  zum  Director  des  botanischen 
Gartens  in  St.  Petersburg  ernannt. 

Dr.  A.  Möller  ist  von  seiner  nach  Brasilien  unternommenen 
Studienreise  zurückgekehrt.  (p.otan.  (vntiaibi.) 

Miss  Anne  Pratt  ist  im  87.  Lebensjahre  gestorben. 

Inhalt  der  Jänner-Nnrnnirr.  Stephani  F.  Eine  neup  Lebermoos-Gattung.  S.  1.  —  Wettstein 
L)r.  H.  V.  Untersuchuugeii  über  l'flanzeii  der  österreichiscli-ungarischeu  Monarchie.  S.  5.  — 
LütkeinQller  Dr.  J.  Di''  Poren  der  Desmidiaeeengattuug  CVo.s^eW«;«  Nit/.sch.  S.  11.  —  Born- 
maller  J.  Alkaiina  Haits.ikn<:chtn  Bornm.  spec.  nov.  S.  16.  —  F  ritsch  Dr.  Karl.  Ueber  einige 
Z/(oa*Ma-Artt n.  S.  18.  —  Degen  Dr.  A.  v.  Bemerkungen  über  einige  orientalische  Pflanzen- 
arten. S.  19.  —  Braun  II.  Ueber  einige  kritische  Pliauzeu  der  Flora  von  Niederösterreich. 
S.  20.  —  Höhnel  Dr.  Franz  v.  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Laubmoosflora  des  Küstenstriches 
vom  Görzer  Becken  bis  Skutari  in  Albanien  S.  23.  —  Freyn  3.-  Plantae  norae  Oiieiitales. 
S. 27.  —  Littoratur-Üebersicht.  S.  29.  —  Flora  von  Oesterreich -Ungarn.  Braun  H.  Niederöster- 
reich.  8.  33.  —  Botanische  Forschungsreise.  S.  :?7.  —  Personal-Nachrichten.  S.  39.  — 
Inserate.  S.  40. 


40 

INSERATE. 

Herder  sehe  Verlagshaudlung,  Freiburg  im  Breisgau  -  It.  Herder,  Wien  l,Wollzeile33. 
Soeben  ist  erschienen  und  dnrch  alle  Buchhandlungen   zu  beziehen: 

Westermaier,  Dr.  M.,  Kompendium  der  allgemeinen  Botanik 

für   Hochschuleii.    Mit    171    Figuren    gr.    8".  (VIII   u.   310    S.) 
M.  3.60;  geb.  in  Halbleder  mit  Goldtitel  M.  4. 


Soeben  erschien: 

Dr.  C.  Baenitz,  Herbarium  Europaeum. 

Lief.    75   (108  Nr.)  und    76   (102   Nr.):  Mitteleuropa.  13, 

resp.  12  Mk. 
Lief.    77    (40   Nr.):    Skandinavien,    Eussland,   Italien   und 

Frankreich.  6  ^Ik. 
Lief.  78  (78  Nr.):  Spanien  und  Portugal.  17  Mk. 
Lief.  79  (50  Nr.):   Bosnien,    Bulgarien,    Griechenland   und 

Macedonien.  12  Mk. 
Lief.  80  (51  Nr.):  Kleinasien  Paphlagonien.  12  Mk. 

Inhaltsverzeichnisse  können  gratis  bezogen  werden  durch  den  Heraus- 
geber: Dr.  C.  Baenitz  in  Breslau  (Gr.  Fürstenstrasse  22.  I). 


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Die  Administration  in  Wien 

I.,  Barbaragasse  2. 


Redacteur:  Prof.  Dr.  R.  v.  Wettstein,  Prag,  Smichow,  Ferdinandsquai  14. 

Verantwortlicher  Redacteur:  Hermann  Manz,  Wien  I.,  Barbaragasse  2. 

Verlag  von   Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


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und  kostet  ganzjährig  16  Marie. 

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Dieser  Nummer  liegt  bei:  7.  Offerten-Liste  des  Thüringischen  Bota- 
nischen Tauschvereins.  Herbst  1893.  —  Titel,  Umschlag  und  index  zu 
Jahrgang  1893.  —   Tafel  I. 

C.   Uaberreutsr'scbe  Uachdruckerel  (M.  Ssizer)  in  Wien. 


OSTERREICHISCHE 


Herausgegeben  und  redigirt  von  Dr.  Richard  R.  v.  Wettstein, 

Professor  an  der  k.  k.  deutschen  Universität  in   Prag. 


Verlag  von  Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


XLIV.  Jahrgang,  N"-  2. 


Wien,  Februar  1894. 


Neue  Beiträge  zur  Pflanzenteratologie  und  Blüthen- 

morphologie.') 

Von  Prof.  E.  Heinricher  (Innsbruck). 

3.  Studien  an  den  Blüthen  einiger  Serophulariaceen. 

Meine  Studien  an  Iris")  hatten  es  zur  Folge,  dass  ich  mit 
einiger  Vorliebe  auch  bei  anderen  Pflanzen  nach  Bilduiigsabweichungen 
ausblickte,  welche  als  Rücksclilagserscheinungeii  aufgefasst  werden 
könnten.  Die  durch  ihre  so  mannigfach  abgestufte  Eeduction  im 
Andröceum  an  sich  überaus  lehrreiche  und  interessante  Familie 
der  Serophulariaceen  versprach  ein  in  dieser  Hinsicht  besonders 
günstiges  Resultat.  Obschon  nicht  zu  viel  Zeit  diesen  Beobachtungen 
g(^widmet  wurde,  so  muss  ich  doch  hervorheben,  dass  die  Ergebnisse 
hinter  der  Erwartung  zurückgeblieben  sind. 

Bildungen,  welche  stricte  als  Rückschlag  aufgefasst  werden 
können,  wurden  wenige  gefunden.  Immerhin  sollen  sie  hier  mit- 
getheilt  und,  an  sie  angereiht,  einige  Fälle  besprochen  werden,  welche 
insoferne  lehrreich  sind,  als  sie  zunächst  ausserordentlich  an  Rück- 
schlagserscheinungen gemahnten,  bei  genauerer  Untersuchung  aber 
als  anders  zu  Stande  gekommen  sich  erwiesen.  Die  Verlässlichkeit 
der  Autoren  rauss  bei  solchen  Fragen  ganz  besonders  beachtet  werden. 
Eichler,  welcher  in  seinen  Blüthendiagrammen  derlei  Rückschlags- 
erscheinungen sorgfältig  zu  verzeichnen  pflegte,  erwähnt  bei  den 
Serophulariaceen  wenig  Diesbezügliches,  und  in  der  übrigen  Literatur, 
so  reich  sie  an  Mittheiluugen  über  andere  teratologische  Erschei- 
nungen bei  dieser  Familie  ist,  vermochte  ich  nur  einige  hieher 
gehörige  Fälle  ausflndig  zu  machen.  Auf  diese  soll  später  zurück- 
gekommen werden. 

•)  Vergl.  diese  Zeitschrift  1890,  Nr.  9  und  1891,  Nr.  2. 

')  Versuche  über  die  Vererbung  von  Rückschlagserscheinungen  bei 
Pflanzen.  Ein  Beitraij  zur  Blüthenmorphologie  der  Gattung  Iris.  Pringsheim's 
Jahrb.  Bd.  XXIV.  Dort  finden  sich  auch  die  früheren  Veröffentlichungen  über 
diesen  Gegenstand  angeführt. 

ÜeBtorr.  botan.  Zeitschrift.  2.  Heft.   18fl4.  4 


42 


Friiclitbarwerdpu  des  Staiiiiiiodiiiiiis  bei  Pentastemoii- S.rten. 


Mein  Augenmerk  richtete  sich  vor  Allem  auf  jene  Gattungen, 
welche  das  hintere  Staubgefäss  in  staminodialer  Ausbildung  noch 
besitzen.  Hier  war  ein  ab  und  zu  eintietendes  Fruchtbarwerden,  ein 
Rückschlag,  am  ehesten  zu  erwarten,  und  gewiss  um  so  eher,  je 
kräftiger  die  Ausbildung  des  Stamiuodiums  normaler  Weise  noch  er- 
folgt.') Dementsprechend  scheinen  in  der  That  die  Rückschlagserschei- 
nungen in  der  Gattung  Pentastemon  recht  häufig  zu  sein.  Hier  ist 
das  Staminodium  ja  eigentlich  kein  rudimentäres  Gebilde.  Nur  die 
Anthere  des  Staubblattes  schlägt  fehl,  das  Filament  (und  eventuell 
der  Antherentheil)  aber  haben  sich  zu  einem  Organ  mit  eigenartiger 
biologischer  Function  umgestaltet,  wie  Delpino,')  Kerner')  und 
Errera*)  erläutern.  Im  Zusammenhange  damit  steht  auch  die  ent- 
wickelungsgeschichtliche  Thatsache,  dass  bei  Pentastemon  das 
Staminodium  nicht  nur  gleichzeitig  mit  den  fruchtbaren  Staub- 
gefässen,  sondern  auch  in  gleicher  Stärke  auftritt.'') 

Beobachtungen  über  Rückschlag,  Auftreten  eines  Staubblattes 
an  Stelle  des  Stamiuodiums,  hat  für  Pentastetuon  Ilarltvefn  P^rrera") 
mitgetheilt.  In  seiner,  an  interessanten  phylogenetischen  Erörterungen 
i'eichen  Mittheilung,  wird  das  Vorkommen  der  verschiedenartigsten 
Uebergänge  zwischen  Staminodium  und  vollkommen  ausgebildetem 
Staubblatt  erwähnt.')  Auch  hat  Wettsteiu")  üebergangsbildungen 
vom  Staminodium  zum  fruchtbaren  Staubgefäss  beobachtet,  wie  dies 
aus  den  Abbildungen  O,  P,  Q,  Fig.  22,  seiner  Bearbeitung  der 
Scropbulariaceen  in  Engler-PrantTs  „Natürlichen  Pflanzen- 
familieu"  hervorgeht.  Im  Texte  wird  darüber  nichts  erwähnt,  doch 
ist  es  wahrscheinlich,  dass  es  sich  hiebei  um  das  hintere  unpaare 
Staubblatt  handelt.  Ich  selbst  habe  an  zwei  Pentastemon- krten 
diesen  Rückschlag  beobachtet. 

1.  Pentastemon  harhatus  Nutt.  (Chelone  harbata  Cav.).  Eine 
Blüthe,  welche  ich  1889  im  botanischen  Garten  zu  Innsbruck  fand, 
zeigte,  bei  im  Uebrigen  vollständig  normalem  Verhalten,  das  Stamino- 
dium durch  ein  Staubblatt  ersetzt.  (Fig.  1  a.)  Dasselbe  hatte  die 
eine   Antherenhälfte    vollständig    entwickelt,    die    andere    war   ver- 


')  Pilorien  blieben  unberücksichtigt. 

^)  Ulteriori  osservazioni  suUa  dicogainia  uel  regno  vegetale,  in  Atti 
della  Societä  italiana  di  seienze  naturali.  Vol.  XI  und  XII.  1869. 

^)  Die  Schutzmittel  der  Blüthen  gegen  unberufene  Gäste.  S.  241. 

■*)  Sur  les  JPentstemon  gentlanoides  et  Pentstemon  Hartwegi.  (Extrait 
du  Bulletin    de  la  Societe  royale  de  botanique  de  Belgique.    t.  XVII.,    18T8.) 

')  Eich  1er,  Blüthendiagramme,  Bd.  I,  S.  212. 

")  A.  a.  0.,  S.  198. 

'j  Andererseits  berichtet  Errera  (S.  195)  auch  über  Fälle  von  weit- 
gehender Eeduction  des  Staniinodiums,  und  sogar  völliger  Unterdrückung 
desselben.  Gleiche  Beobachtungen  liegen  auch  von  W.  Ogle  (Pop,  Science 
Kev.,  Jan.  1870,  S.  51)  vor. 

'j  S.  45. 


43 


kümmert.  Die  starke  Behaarung,  w^elche  das  Stamiuodium  auszeichuet, 
fehlte  gänzlich. 

2.  Peutoslemoii.  difiitaUs  Nutt.  Eine  Blüthe,  welche  1888  im 
l)ot:inis('hen  fJarten  zu  Tiraz  heobachtet  wurde,  hatte  an  Stelle  des 
Staminodiums  ein  vollkommen  entwickeltes  Stamen.  (Fig.  1,  c.) 
Die  d  r  ii  s  i  g  e  Anschwellung,  r  e  s  p.  N  e  c  t  a  r  i  e  n  b  i  1  d  u  n  g, 
zeigten  hier  aber  die  beiden  vorderen  Staubblätter; 
auch  hatte  dieses  Paar  die  kürzeren  Filamente.') 

Fig.  1. 


Das  Diagramm  Fig.  1,  h  erläutert  eine  Blüthe  der  gleichen 
Inflorescenz.  Auch  hier  ist  das  unpaare,  gewöhnlich  als  Staminodium 
entwickelte  Staubblatt  fertil,  hingegen  sind  die  beiden  vorderen 
Stamina  nur  steril,  als  Staminodien,  vorhanden.  Die  beiden  hinteren, 
})aarigpn  Staubgefässe  haben  die  kürzeren  Filamente  und  tragen  an 
der  Basis  die  Nectardrüseu. 

Im  Anschlüsse  an  diese  Blütheu  mit  fertilem  hinteren  Staub- 
blatte gebe  ich  noch  das  Diagramm  (Fig.  1,  d)  einer  hexameren 
Blüthe,  welche  der  gleichen  Inflorescenz  von  Pentastemon  digitalis 
angehörte,  wie  die  in  den  Diagrammen  h  und  c  dargestellten.  Mit 
der  hexameren  Krone  alterniren  sechs  Staubblätter,  von  denen  die 
zwei  hinteren  die  längsten  sind,  das  mittlere  Paar  hat  symmetrisch 
s-förmig  gekrümmte  Filamente  und  am  Grunde  derselben  die  Nectar- 
drüsen;  die  beiden  vorderen  sind  als  Staminodien  ausgebildet,  die 
Filamente  sind  etwa  4  mm  weit  der  Krone  augewachsen  und 
krümmen  sich  dann  in  starkem  Bogen  nach  hinten.  Bemerkenswerth 
ist  bei  allen  diesen  Blüthen  von  Pentastemon  digitalis,  dass,  bei 
allem  Wechsel  der  Verhältnisse,  doch  die  Symmetrie  in  jeder  ein- 
zelnen Blüthe  streng  durchgeführt  erscheint.') 


')  Die  Nectaiieneinrichtung  bei  Pentastemon  und  Chelone  scheint  zu- 
erst von  Delpino  beschrieben  worden  zu  sein.  (Vcrgl.  F.  Hildebrand's 
Aufsatz:  „F.  Delpino's  weitere  Beobachtungen  über  die  Dichogamie  im 
Pflanzenreich  mit  Zusätzen  und  Illustrationen",  Bot,  Ztg.  1870,  S.  667).  Er 
sowohl  als  Kern  er  sagen,  dass  die  Nectaricnbildung  den  oberen,  hinteren 
und  kürzeren  Staubblättern  zukommt.  In  der  Tliat  scheint  dies  das  normale 
Verhalten  zu  sein;  das  Vorkommen  gelegentlicher  Ausnahmen  erweist  die 
oben  besprochene  Blüthe.  In  vollständig  pelorischeu  lUütlien  vun  F.  llart- 
wegi  entbehren  nach  Errera  (S.  189)  sämratliche  Staubblätter  der  Nectaricn- 
bildung. 

■■)  Die  Symmetrieebene  der  letztbesprochenen  Blüthe  dürfte  übrigens  eine 

4* 


44 


Hexamere  Bliithen    von    Digitalis  purinirea  L.,    Z>.   ambigua  Murr, 
lind  i>.  ofieutaHs  Lani. 

Mein  Assistent,  A.  Wagner,  fand  1891  im  Innsbnicker 
botanischen  Garten  eine  Blüthe  von  D.  purpurea  mit  fünf  Staub- 
blättern, die  voierst  als  eine  solche  mit.  infolge  Rückschlages  aus- 
gebildetem, hinterem  Staubblatt  aufgefasst  wurde.  Ebensolche  Blüthen 
fand  ich  1892  in  grösserer  Anzahl  an  einer  Infloresceuz  von 
D.  ambigua  Murr.,  welche  Digüxlis  zu  Collegszwecken  vom  Patscher- 
berge bei  Innsbruck  geholt  worden  war.  In  beiden  Fällen  handelte 
es  sich  in  Wirklichkeit  um  hexamere  Blüthen,  gebaut  in  der  Art, 
wie  sie  das  Diagramm  in  Fig.  2,  b  klarlegt.  Kelch  und  Krone  sechs- 
gliedrig,  Staminalkreis  aber  nur  fünfgliedrig,  wegen  Ausfalles  des 
medianen  hinteren  Staubblattes.  Im  Diagramm  ist  eine  solche  Blüthe 
von  einer  atavistischen,  welche  das  fünfte  Staubgefäss  ausgebildet 
hätte  (veigl.  Fig.  2,  a),  allerdings  sehr  verschieden. 

Fig.  2. 


In  der  Wirklichkeit  ist  aber  eine  Täuschung  leicht  möglich. 
Denn,  1.  verdeckt  die  glockige  Krone  zunächst  den  Kelch;  2,  hat 
man  in  der  That  nur  fünf  Kronenzipfel  vor  sich  und  übersieht 
leicht  die  Thatsache,  dass  die  Unterlippe  hier  einen  Lappen  zu  viel 
hat  und  die  Oberlippe  bei  Digitalis  aus  zwei,  in  einen  anscheinend 
einheitlichen  Theil  verschmolzenen  Kronenlappen  besteht;  endlich 
3.  und  das  ist  das  Täuschendste,  kommt  das  in  Wirklichkeit  vorne 
median  stehende  Staubblatt  durch  Krümmung  des  Filamentes  nach 
hinten  zu  liegen  und  wird  in  der  Corollenglocke  dort  sichtbar,  wo 
in  einer  atavistischen  Blüthe  das  infolge  Rückschlages  entstandene 
Glied  erscheinen  sollte. 

Eine  kleine  Abänderung  zeigten  zwei  Blüthen  aus  der  Inflores- 
cenz  von  D.  ambigua,  indem  das  vordere  Kelchblatt  nicht  aus- 
gebildet und  nur  die  Corolle  vollzählig  (sechsgliedrig)  war,  der 
Staubblattkreis  aber,  ob  Ausfalles  der  beiden  medianen  Glieder  ganz 
in  der  Art  wie  in  normalen  Blüthen  ausgestaltet  erschien  (Fig.  2,  c). 


schräge  Lage  gehabt  haben,  da,  wie  die  folgend  zu  besprechenden  hexameren 
Blüthen  von  Digitalis  zeigen,  bei  Hexamerie  immer  zwei  Kelchblätter  in  die 
Medianebene  fallen,  wie  es  das  Diagramm  Fig.  1,  d  auch  andeutet.  Leider 
wurde  nur  die  Corolle  dieser  Blüthe  aufbewahrt,  und  konnte  zur  Zeit  der 
Untersuchung  Ausbildung  und  Lage  der  Kelchabschnitte  nicht  festgestellt 
werden. 


Die  bexamereii  Blütlien  uutersclieideu  sicli  in  der  Tracht  kaum 
von  den  in  der  Inflorescenz  überwiegend  vorliandencn  normalen. 

Im  Laufe  des  vergangenen  Sommers,  als  diese  Zeilen  schon 
geschrieben  waren,  kam  mir  noch  ein  sehr  reichblüthiger  Spross  von 
D.  Orientalis  Lam.  aus  einem  Innsbrucker  Privatgarten  in  die  Hände. 
An  diesem  fanden  sich  gewiss  an  hundert  hexamere  Blüthen,  in 
den  Ausbildungsstufen  der  Diagramme  Fig.  2,  h  und  c.  Zu  unterst 
kamen  in  reicher  Zahl  jene  der  Form  h,  dann  kamen  vereinzelte 
Blüthen,  welche  durch  den  Ausfall  der  beiden  medianen  Staubblätter 
ausgezeichnet  waren  und  zu  oberst  folgten  die  normalen  pentameren 
Blüthen.  Die  Hexamerie  war  bei  D.  Orientalis  deshalb  rasch  zu  er- 
kennen, weil  die  kurze  Oberlippe  hier  deutlich  zweizähnig  ist,  iu 
den  hexameren  Blüthen  dann  rechts  und  links  je  ein  kurzer  Blumen- 
kronenlappen  folgt,  und  die  Unterlippe  von  zwei  beträchtlich  ver- 
längerten Lappen  gebildet  wird. 

Itliitlien  von  IJtuiria  vnlfjaris  Mill.  mit  Dedoiibleiiieiit  eines  der 
hinteren  paarig'en  Staubblätter. 

Gelegentlich  einer  Medicinerprüfung  kam  mir  eine  reichblüthige 
Inflorescenz  dieser  Pflanze  vor,  welche  dem  äusseren  Anschein  nach 
vollständig  normale  Blüthen  besass.  Dieselben  hatten  aber,  wie  der 
Candidat  ganz  richtig  angab,  fünf  wohlausgebildete  Staubgefässe. 
Wieder  vermuthete  ich  zunächst  Blüthen  mit  ausgebildetem  hinteren 
Staubblatt  vor  mir  zu  haben.  Die  spätere  Untersuchung  hingegen 
ergab,  dass  in  allen  Blüthen  eines  der  hinteren  paarigen  Staub- 
blätter tief  am  Grunde  sich  gespalten  hatte,  so  dass  von  einem 
Punkte  der  Krone  zwei  Filamente  ausgingen,  welche  wohlaus- 
gebildete Antheren  trugen.  In  allen  Blüthen  war  das  kleine,  der 
Gattung  Linaria  zukommende  und  das  mediane  Staubblatt  ver- 
tretende Staminodium  vorhanden.')  Allein  die  Möglichkeit  einer 
Täuschung  in  dem  Sinne,  atavistische  Blüthen  vor  sich  zu  sehen, 
lag  um  so  näher,  als  durch  das  starke  Auseinandergehen  der  beiden 
durch  Verdoppelung  entstandenen  Staubblätter  das  eine  gerade  in 
der  Mediane  hinten  sichtbar  wurde.") 


')  In  dem  vortrefflichen  Handbuche  der  systematischen  Botanik  von 
VVarming  (Deutsche  Ausgabe,  Berlin  1890)  hat  sich  S.  388  die  für  Linaria 
irrige  Angabe  eingeschlichen:  „ohne  Spur  des  hintersten  Staubblattes".  Eine 
entsprechende  Aendernng  raüsstc  das  Diagramm  auf  S.  386  erfahren. 

")  In  einer  Abhandlung  von  L.  Ritter  v.  Heufler:  „Monströse  Blumen 
von  Linaria  vulgaris  (Linnaea,  XVII,  1843,  S.  10—14)  findet  sich  Dedouble- 
inent  eines  vorderen  Staubblattes  erwähnt  und  in  Fig.  12  abgebildet.  Aller- 
dings waren  in  den  dort  besprochenen  Blüthen  alle  Staubgefässe  in  „trom- 
petenförmige  Röhren"  verwandelt.  Da  aber  auch  an  Stelle  des  Stamino- 
diums  ein  ähnliches  röhrenförmiges  Gebilde  stand,  kam  in  jenen  monströsen 
Blüthen  das  normaler  Weise  kleine  Staminodium,  infolge  Rückschlages  in 
relativ  bedeutender  Stärke  zur  Ausbildung.  Dedoublemeiit  der  hinteren  Staub- 
blätter hat  Errera  fa.  a.  0.  S.  203)   auch  in    den  Klüthen    von  Peniastemon 

llixrtweyi   beobachtet.  (Fortsetzung  folgt.) 


46 

Ueber   Uredo  Polifpodli  (Pers.). 

Von  P.  Dietel  (Leipzig). 

In  seiner  Bearbeitung  der  Pilze  in  der  ßahenhorst'schen 
Kryptogamenflora  hat  Dr.  G.  Winter  alle  in  Deutschland,  Oester- 
reich  und  der  Schweiz  auf  Farnkräutern  vorkommenden  Uredoformen 
in  eine  Species  zusammeugefasst,  die  mit  dem  ältesten  für  eine 
derartige  Form  gebrauchten  Namen  als  TJredo  Polypodü  (Pers.) 
bezeichnet  wird.  Persoon  hat  (Synopsis  method.  fungorum  p.  217) 
die  Benennung  Uredo  linearis  ß.  Ur.  Polypodü  für  die  Form  auf 
Cystopteris  fragilis  gebraucht.  Mit  dieser  stimmt  aber  die  Mehrzahl 
der  übrigen  Formen  keineswegs  vollkommen  überein,  und  Winter 
war  diese  Thatsache  wohl  bekannt,  nur  gelang  es  ihm  nicht,  den 
ganzen  Formenkreis  in  mehrere  Arten  aufzulösen.  Er  unterschied 
als  forma  Phegopleris  eine  Uredo  auf  Phegopteris  polypodioldes,  die 
Herr  W.  Krieger  auch  auf  Struthiopteris  germanica  in  der  säch- 
sischen Schweiz  aufgefunden  hat.  Aber  auch  wenn  man  diese  Form, 
die  dann  als  Uredo  filicina  (Niessl)  zu  bezeichnen  ist,  als  eigene 
Art  abtrennt,  so  lassen  doch  die  übrigbleibenden  Formen  mehrere 
Arten  sehr  wohl  unterscheiden.  Schröter  hat  in  der  Kryptogamen- 
flora von  Schlesien  (TU.  Bd.,  S.  374)  die  Formen  auf  Asplenium 
Ruta  nmraria  und  Blechnutn  Spicant  als  Uredo  Scolopendrii  (Fckl.) 
abgetrennt,  und  es  gehören  dazu  auch  die  in  Schlesien  nicht  be- 
obachteten Formen  auf  Scolopendrium  ofßcinarum,  Polypodivni  vul- 
gare und  Aspidium  spinulomm  (Krieger,  Fungi  saxonici  Nr.  856), 
so  dass  dann  also  auf  bei  uns  einheimischen  Nährpflanzen  nur  noch 
die  Formen  auf  Cystopteris  fragilis  und  Phegopteris  Dryopteris  übrig 
bleiben,  auf  welche  Schröter  die  Bezeichnung  Uredo  Polypodü 
anwendet.  Aber  selbst  diese  beiden  Formen  zeigen  noch  auf  ihrem 
weiten  Verbreitungsgebiete  gewisse  constante  Unterschiede,  die  zu 
ihrer  Unterscheidung  als  zwei  getrennte  Arten  nöthigen.  Diese  beiden 
Formen  werden  uns  in  den  folgenden  Zeilen  beschäftigen. 

Zunächst  ist  hervorzuheben,  dass  die  beiden  Uredoformen  auf 
Cystopteris  fragilis  und  Phegopteris  Dryopteris  einander  weit  näher 
stehen,  als  einer  der  beiden  anderen  abgetrennten  Arten,  und  zwar 
durch  folgende  bemerkenswerthe  Eigenthümlichkeit:  es  kommen  bei 
beiden  zweierlei  Sporen  vor,  die  in  Form  und  Grösse  von  einander 
verschieden  sind,  und  von  denen  die  einen  eine  dünne,  die  anderen 
eine  dicke  Membran  besitzen.  Beiderlei  Sporenformen  haben  eine 
farblose  Membran.  Dieselbe  ist  bei  den  dünnwandigen  1 — 1'5  ^  dick 
und  mit  einzeln  stehenden,  schwachen  Warzen  gleichmässig  besetzt,') 
nicht  nur  am  Scheitel  punktirt,   wie    Schröter   angibt.    Die   dick- 

^)i  Hierdurch  unterscheiden  sich  diese  Formen  von  der  grobstaohe- 
ligen   Uredo  Scolopendrii. 


47 

wandigen  Sporen  sind  stets  voluniinöscr,  und  ihre  derbe  Membran 
ist  mit  noch  weit  feineren  flachen  Warzen  Ijesetzt,  also  nicht  völlig 
glatt,  wie  sie  von  Schröter  und  manchen  anderen  Autoren  be- 
zeichnet wird.  Diese  Einzelheiten  sind  natürlicli  nur  an  trockenen 
Sporen  bei  hinreichender  Vergrösserung  sichtbar,  im  Wasser  er- 
scheinen die  Sporen  meist  glatt.  Von  keiner  anderen  auf  Farnen 
vorkommenden  Uredinee  kennt  man  mehr  als  eine  Sporenform,  wäh- 
rend auf  Ci/stopteris  fragilis  und  Plieaopteris  Dryopteris  stets  beide 
Formen  auftreten,  wenn  auch  nicht  immer  gleichzeitig.  Soweit  meine 
Beobachtungen  an  einem  immerhin  ziemlich  umfangreichen  Material 
einen  allgemeinen  Schluss  zulassen,  überwiegt  im  Frühjahr  die  dünn- 
wandige Sporenform  und  ist  anfangs  vielleicht  ausschliesslich  vor- 
handen. Späterhin  ist  ein  immer  stärkeres  Hervortreten  der  dick- 
wandigen Form  zu  beobachten.  Doch  auch  schon  im  Mai  und  Juni 
findet  man  oft  genug  Sporenlager,  in  denen  nur  die  dickwandige 
Form  zu  bemerken  ist,  wenn  nämlich  die  vom  Pilze  bewohnte  Stelle 
des  Blattes  durch  den  Parasiten  stark  erschöpft  ist  oder  das  Blatt 
aus  anderen  Ursachen  nicht  mehr  eine  vollkomiuene  Frische  er- 
halten hat.  Fs  verhält  sich  also  in  dieser  Hinsicht  die  derbwandige 
Sporeiiform  ganz  wie  die  Teleutosporengeueration  vieler  anderer 
Kostpilze,  und  wir  sind  damit  vor  die  Frage  gestellt,  als  was  wir 
diese  Pilzform  zu  betrachten  haben. 

Schröter  stellt  (1.  c.  p.  374)  die  Möglichkeit  hin.  dass  diese 
dickwandigen  Sporen  vielleicht  Teleutosporen  seien.  Diese  Ver- 
muthung  trifft  indessen  nicht  zu,  es  sind  auch  diese  Sporen,  obwohl 
von  den  anderen  erheblich  verschieden,  typische  Uredosporen.  Darauf 
deutet  zunächst  die  Zahl  der  Keimporen  hin.  Die  Membran  ist 
durchsetzt  von  sechs  bis  acht  deutlichen  Keimporen,  welche  über 
die  Sporenfläche  unregelmässig  vertheilt  sind.  Auch  hierin  besteht 
ein  Unterschied  zwischen  den  dickwandigen  und  den  dünnwandigen 
Sporen,  denn  die  letzteren  haben  stets  vier  im  Aequator  der  Spore 
gelegene  Poren.  Dieselben  sind  wegen  der  geringen  Dicke  der  Mem- 
bran weit  weniger  deutlich,  als  diejenigen  der  derbwandigen  Form. 
Es  Hess  sich  aber  auch  durch  Beobachtung  der  Keimungsweise  der 
Uredocharakter  der  dickwandigen  Sporen  nachweisen.  Hei  allen 
Teleutosporenformen  erfolgt  bekanntlich  die  Keimung  durch  die 
Bildung  eines  kurzen  Promyceliums.  das  sich  in  vier  Zellen  theilt 
und  an  jeder  derselben  eine  Sporidie  bildet.  Die  aus  den  Uredo- 
sporen hervorwachseuden  Keimschläuche  dagegen  wachsen  unbegrenzt 
in  die  Länge  und  erzeugen  kleine  Sporidien.  Diese  letztere  Keimungs- 
weise wurde  an  getrocknetem  Material  des  Uvedo  Pobipod'ä  auf 
Gpstopteris  fragilis  (aus  der  sächsischen  Schweiz  stammend)  bei 
vielen  dickwandigen  Sporen  beobachtet.  An  jeder  gekeimten  Spore 
war  nur  ein  Keimschlauch  vorluinden,  meist  von  bedeutender  Länge, 
nur  ein  einziges  Mal  wurde  noch  ein  Best  eines  zweiten  Keim- 
schlauches bemerkt.  Wenn  sonach  diese  dickwandigen    Sporen    mor- 


48 

phologiscli  unzweifelhaft  als  U]edos])oren  auzusprechen  sind,  so  ist 
dadurch  natürlich  nicht  ausgeschlossen,  dass  durch  sie  die  Uel)er- 
winterung  des  Pilzes  geschieht,  wozu  sie  durch  die  Derbheit  ihrer 
Membran  einigermassen  geeignet  erscheinen. 

So  erheblich  im  Allgemeinen  die  beiden  Sporenformen  von 
einander  verschieden  sind,  so  fehlt  es  doch,  wenigstens  auf  Cystopteris, 
nicht  an  Zwischeuformen,  die  mit  Sicherheit  weder  der  einen,  noch 
der  anderen  Sporenform  zuzuweisen  sind.  Besonders  an  Material  von 
Trafoi  am  Ortler  wurden  zahlreiche  Sporen  beobachtet,  die  in  ihrer 
Gestalt  und  der  Dicke  der  Sporenmembran  der  derbwandigen  Form 
glichen,  die  aber  vier  äquatorial  gelegene  Keimporen  besassen.  Auch 
hinsichtlich  der  Membrandicke  lassen  sich  allerlei  Zwischenformen 
nachweisen.  Es  unterliegt  daher  wohl  keinem  Zweifel,  dass  sich  die 
eine  Sporenform  aus  der  anderen  entwickelt  hat.  Welche  von  beiden 
die  primäre  gewesen  ist.  lässt  sich  zunächst  nicht  angeben. 

Was  nun  die  Verschiedenheit  der  Uredo  auf  Phegopteris  Dry- 
opteris  von  derjenigen  auf  Cystopteris  fvagüis  betrifft,  so  besteht 
der  hauptsächlichste  Unterschied  in  einer  ansehnlichen  Grössen- 
differenz  beider  Sporenformen.  Dieselbe  liess  sich  für  sehr  weit  von 
einander  entfernte  Standorte  nachweisen.  Aus  einer  und  derselben 
Gegend  stammend,  wurden  beide  Formen  untersucht  aus  der  säch- 
sischen Schweiz  (vom  grossen  Winterberge)  und  aus  Russland  (Gou- 
vernement St.  Petersburg).  Aus  Nordamerika  konnte  ich  nur  die  Form 
auf  Phegopteris  Dryopteris  untersuchen,  es  liegen  aber  über  die  Form 
auf  Cystopteris  fragilis  genaue  Angaben  der  Dimensionen  vor  (T  r  e- 
lease,  Preliminary  List  of  the  Parasitic  Fungi  of  Wisconsin  p.  30), 
welche  deutlich  zeigen,  dass  auch  dort  die  Pilzformen  auf  den  beiden 
Nährpflanzen  dieselben  Verschiedenheiten  aufweisen,  wie  an  euro- 
päischen Exemplaren.  Auch  durch  das  Material  von  anderen,  weit 
zerstreuten  Standorten,  von  denen  mir  die  Uredo  immer  nur  auf 
einer  von  beiden  Nährpflanzen  vorlag,  wird  die  Verschiedenheit  beider 
Pilze  bestätigt.  Die  Messungen  ergaben  folgende  Dimensionen: 

dünnwandige  Sp.  dickwandige  Sp. 

auf  Oystopteris:    22  —  35  X  13  —  20 ft,         26  —  38        X 18— 29  ^ 
„     Phegopteris:  32  —  48x16—26^,   36  —  56(— 72)X27— 40  jit 

Vergleicht  man  hiermit  die  Angaben  von  Schröter,  nämlich 
24  —  2S  X  13  —  15  ,a  für  die  dünnwandige  und  40  —  48  X  26—35  ,a, 
für  die  dickwandige  Form,  so  ist  ersichtlich,  dass  sich  die  erstere 
nur  auf  den  Cystopteris-V\\z,  letztere  nur  auf  den  Phegopteris-FWz 
beziehen  kann.  Es  ist  also  eine  Unterscheidung  beider  Pilze  aus- 
schliesslich durch  die  Dimensionen  ihrer  Sporen  sehr  gut  möglich. 
Zu  den  obigen  Zahlen  ist  noch  Folgendes  zu  bemerken.  Sowohl  für 
die  Länge  als  für  die  Breite  greifen  die  Dimensionen  der  beiden 
Pilze  ineinander  über;  würde  man  aber  die  nur  vereinzelt  zu  be- 
obachtenden Grenzwerthe  unberücksichtigt  lassen,  so  würde  die  Ver- 


49 

schiedenlieit  auffallender  zu  Tage  treten.  So  z.  B.  werden  die  dünn- 
wandigen Sporen  auf  Ciiatopterü  nur  selten  breiter  als  16  u,  eine 
so  geringe  Breite  wurde  aber  an  den  entsprechenden  Sporen  auf 
Pheijopteris  auch  nicht  einmal  ausnahmsweise  beobachtet.  Bei  diesem 
Pilze  beträgt  die  Breite  der  dünnwandigen  Sporen  meist  über  20  ft. 
Noch  grösser  slellt  sich  im  Allgemeinen  die  Verschiedenheit  der 
dickwandigen  Sporen.  Als  untere  Grenze  für  die  Länge  derselben 
auf  Pheifopterii  sind  oben  86  a  angegeben.  So  niedrige  Messungen 
erhielt  ich  nur  an  einem  amerikanischen  Exemplar  (Mycotheca 
univers.  Nr.  950),  dessen  dickwandige  Sporen  durchschnittlich  kürzer 
und  mehr  gerundet  waren,  als  an  europäischem  Material.')  An 
letzterem  beträgt  die  Sporenlänge  der  in  Rede  stehenden  Form  meist 
über  43 ft.  oft  gegen  50u,  selten  aber  über  56,«.  Auch  die  Breite 
beträgt  auf  Phegopteris  meist  über  30  ,u.  Die  Verschiedenheit  der 
beiden  Sporenformen  ist  auf  Phegopteris  gewöhnlich  auffälliger  als 
auf  Cifstopteris. 

Auch  die  Art  des  Auftretens  lässt  einen  Unterschied  erkennen. 
Die  Uredo  auf  Phegopteris  Dn/opteris  kommt  auf  beiden  Blattseiten 
vor,  bald  auf  der  oberen,  bald  auf  der  unteien  etwas  überwiegend; 
der  Qystopteris-VWz  dagegen  ist  streng  auf  die  Blattunterseite  und 
die  Blattstiele  beschränkt. 

Was  die  Benennung  der  beiden  Pilze  anbetrifft,  so  ist  für  die 
auf  Cystopteris  vorkommende  Art  die  Bezeichnung  Uredo  Polgpodii 
(Pers.)  beizubehalten.  Ich  kenne  diese  Art  sonst  nur  noch  auf 
Woodsia  obtusa,  auf  welcher  Nährpflanze  ich  sie  (gesammelt  von 
E.  Regel  im  pomologischen  Garten  von  Regel  und  Kessel  ring, 
St.  Petersburg)  durch  Herrn  W.  Tranzschel  erhielt.  Die  Art  auf 
Phegopteris  Dryopteris  ist  als  Uredo  Aspidiotus  Peck  (in  24.  Rep. 
New-York  State  Museum  p.  88)  zu  bezeichnen.  Sie  ist  bisher  nur 
auf  dieser  Nährpflanze  bekannt. 


Die  Poren  der  Desmidiaceengattung  Closterlam 

Nitzsch. 

Von  Dr.  J.  LütkemUller  (Wien). 

(Schluss.^) 

Alles  in  Allem  genommen  konnten  an  21  von  30  untersuchten 
Arten  und  Varietäten  Poren  nachgewiesen  werden,  nämlich  an:  Cl. 
acerosum  (Schrank)  Ehrbg..  angustatuin  Kuetz.,  co.ifatum  Corda,  Cyn- 
thia  de  Not.,  didymotocxun  Corda,  directum  Arch.,  Ehrenhergii  Menegh., 

')  Die  dünnwandigen  Sporen  des  amerikanischen  Exeniplares  sind  den- 
jenigen europäischer  Exemplare  vollkommen  gleich. 
')  Vergl.  Nr.  l,  S.  H. 


50 

juiicidion  ß.  Ralfe.  Leible'm'd  Kuetz.,  lineatum  Ebrbg.,  Liaiula  (Muell.) 
Nitzsch.,  praelongum  Breb.,  Pritchardiamnn  x\rcb.,  Ralfsii  Bieb. 
(nach  Wittr.  Nord  st.  Alg.  exsicc.  Nr.  175),  rostratum  Ehrbg., 
striolatum  Ebrbg.,  subturgid  um  ^ordst.  (nach  Wittr.  Nor  (Ist.  A'g. 
exsicc.  Nr.  46),  turgidum  Ehrbg.  (nach  Eabenhorst  Alg.  Nr.  1367), 
turgidum  Ehrbg.  subsp.  giganteum  Nordst.  (nach  Wittr.  Nordst. 
Alg.  exsicc.  Nr.  47  und  nach  Exsiccaten  des  Wiener  Hofmuseiims), 
turgidum  Ehrbg.  f.  brasiliens.  Nordst.  (nach  Wittr.  Nordst.  Alg.  ex- 
sicc. Nr.  47)  und  Gl.  Venus"?  Kuetz.  Obwohl  es  mir,  wie  aus  der  Liste 
ersichtlich,  in  5  Fällen  gelang,  an  aufgeweichten  p]xsiccaten  die  Poren 
nachzuweisen,  so  kann  ich  doch  die  Verwendung  von  Exsiccaten  für 
diesen  Zweck  im  Allgemeinen  nicht  empfehlen,  da  positive  Resaltate 
verhältnissmässig  selten,  die  negativen  aber  nicht  beweisend  sind. 
Wenn  ich  bei  Cl.  attemudum  ß.  sculphtm  Nordst.  (Wittr.  Nordst. 
Alg.  exsicc.  Nr.  46),  CL  Ehreahergii  Menegh.  var.  brasiliens.  Nordst. 
(Wittr.  Nordst.  Alg.  exsicc.  Nr.  47),  Cl.  Isidis  Cohn  (Wittr. 
Nordst.  Alg.  exsicc  Nr.  559),  CL  laterale  Nordst.  (Wittr.  Nordst. 
Alg.  exsicc.  Nr.  46)  und  CL  oncosporum  Nordst.  (Wittr.  Nordst. 
Alg.  exsicc.  Nr.  384)  keine  Poren  fand,  so  beweist  das  keineswegs, 
dass  diese  Arten  porenfrei  sind  —  ich  glaube  das  Gegentheil  — 
sondern  nur,  dass  die  Bearbeitung  von  Exsiccaten  unsichere  Resul- 
tate gibt.') 

Aber  auch  bei  drei  frisch  untersuchten  Arten,  dem  CL  Dianae 
Ehrbg.,  gracile  Breb.  und  parvulum  Naeg.  war  es  mir  trotz  aller 
aufgewendeten  Mühe  nicht  möglich,  Poren  nachzuweisen.  Nach  Zusatz 
von  essigsaurem  Kali  zu  den  gefärbten  Präparaten  wurden  wolil 
violette  Punkte  sichtbai\  die  ihrer  Vertheilung  nach  Poren  sein 
konnten,  genaue  Betrachtung  zeigte  indessen  stets,  dass  es  sich  um 
gefärbte  Tröpfchen  an  der  Innenfläche  der  Zellmem])ran  handelte, 
niemals  um  durchgehende  Canäle.  Die  Bildung  solcher  Tröpfchen 
ist  bei  dem  angegebenen  Färbungsverfahren  eine  ganz  regelmässige 
Erscheinung;  sie  tritt  um  so  intensiver  auf,  je  stärker  die  Färbung 
mit  Methylviolett  ausfiel  imd  kann  unter  Umständen  die  Unter- 
suchung der  Poren  recht  stören  oder  ganz  verhindern.  Man  sei  daher 
bei  dem  Zusätze  des  Farbstoffes  vorsichtig,  um  Ueberfärbung  zu 
vermeiden,  und  sehe  das  Voihandensein  von  Poren  nur  dann  als 
erwiesen  an,  wenn  ihr  Verlauf  durch  die  Zellhaut  an  den  Rand- 
pavtien  des  Objectes  zu  verfolgen  ist. 

Worin  die  Ursache  liegt,  dass  bei  den  drei  angeführten  Species, 
welche  zu  den  kleinsten  der  Gattung  geliöreii,  der  Nachweis  von 
Poren  nicht  erbracht  werden  konnte,  ob  in  der  Mangelhaftigkeit  der 
Unteisuchungsmethode  oder   in  wirklicher  Porenfreiheit  der  Objecte, 


')  Alkoholmaterial  scheint  besser  geeignet  zu  sein,  leider  stand  mir 
dasselbe  nur  von  solclien  Arten  zur  Verfügung,  welche  ich  auch  frisch  unter- 
suchen konnte. 


51 

muss  vorläufig  eine  offene  Frage  bleiben.  Ich  möchte  aber  darauf 
hinweisen,  dass  einzelne  durch  Kleinheit  ausgezeichnete  Arten  von 
Staarastrum  ebenfalls  porenfrei  zu  sein  scheinen,  während  sämmt- 
liche  grössere  und  die  meisten  kleinen  Arten  der  Gattung  sehr 
deutliche  Poren  besitzen. 

In  den  voranstehenden  Ausführungen  wurde  kurzweg  von  Fär- 
bung der  Poren  gesprochen;  eigentlich  färben  sich  nicht  die  Poren- 
canäle  als  solche,  sondern  ihr  Inhalt  ist  es,  der  aus  verdüiinten 
wässerigen  Lösungen  verschiedener  Anilinfarben  den  Farbstoff  auf- 
speichert und  durch  seine  intensive  Tinction  den  Nachweis  der  Poren 
erleichtert.  Die  färbbare  Substanz  —  angeblich  Protoplasma  oder 
demselben  nahe  verwandt  —  bildet  nach  den  Angaben  von  Haupt- 
fleisch nicht  nur  den  Inhalt  der  Porencanäle,  sondern  sie  reicht 
noch  ülter  die  Oberfläche  der  Zellhaut  in  Gestalt  knöpfchenförmiger, 
mitunter  gestielter  Endanschwellungen  („Porenknöpfcheu"'  im  Gegen- 
satz zu  den  „Porenfäden",  dem  Inhalt  der  Canäle  selbst)  hinaus. 
Das  ist  wohl  für  die  anderen  porenfiihrenden  Desmidiaceengattungen 
richtig,  gilt  aber  nicht  für  die  Gattung  Closteriion.  Stets  konnte 
ich  hier  nur  Porenfäden,  niemals  Porenknöpfchen  durch  Färbung 
nachweisen.')  Die  Porenfäden  werden  in  ihrem  Verlaufe  durch  die 
Zellhaut  gegen  aussen  schmächtiger,  an  der  Oberfläche  der  letzteren 
endigen  sie  aber  stets  scharf  abgeschnitten,  ohne  im  mindesten  vor- 
zuragen und  ohne  jemals  Endanschwellungen  zu  bilden.  Man  dürfte 
kaum  fehlgehen,  wenn  man  dieses  eigeuthümliche  Verhalten  in 
Zusammenhang  mit  der  Thatsache  bringt,  dass  in  der  Gattung  Clonle- 
rium  die  Hüllgallerte  vollständig  fehlt.')  Bei  denjenigen  Desmidia- 
ceen,  welche  eine  Gallerthülle  besitzen,  steht  diese  in  unverkenn- 
barer Beziehung  zu  den  Poren.  Jedem  Perus  entspricht  ein  der 
Zellhaut  aufsitzendes  Gallertprisma,  in  welchem  das  Porenknöpfcben 
eingebettet  ist;  stehen  die  Poren  dicht,  so  .^chliessen  die  Gallert- 
prismen mosaikartig  aneinander  und  bilden  eine  zusammenhängende 
Hülle  um  die  Zelle'.) 


')  Nach  beiden  oben  angegelienen  Methoden. 

)  Hauptfleisch  fand  bei  (i  Arten  keine  Spur  von  Gallerte;  ich  kann 
ficine  Angabe  für  sänimtliche  .30  untersuchten  Arten  bestätigen.  Um  Miss- 
verständnissen vorzubeugen,  sei  ausdrücklich  betont,  dass  nur  die  constante 
tJallerthülle  hier  gemeint  ist:  Gallertausschtidung  während  der  Bewegung  der 
lebenden  Individuen  lässt  sich  dagegen  gerade  bei  den  Closleriumaiten  leicht 
verfcdgen,  wie  G.  Klebs  (Uebor  Bewegung  und  Schleimbildung  der  Desmi- 
diacecn.  Biolog.  Centralbl.  5.  B.)  gezeigt  hat. 

")  Es  möge  hier  eine  irrige  Angabe  H  a  ujitflei  sch's  berichtigt  werden. 
Nach  diesem  Autor  sollen  3J icrasterkis  rotata,  dentirulata  und  furcata  der 
Porenknöpfchen  und  Gallertprismen  entbehren,  was  für  J7.  mtatu'  und  denti- 
culata  bestimmt  unrichtig  ist.  Ich  fand  an  diesen  beiden  Arten  stets  Poren- 
knöpfchen und  Gallerte,  die  dritte  Species  zu  prüfen,  fehlte  mir  Gelegenheit. 
Höchst  wahrscheinlich  biruht  auch  die  Angabe  vtm  Hauptfleisch  über  das 
Fehlen  von  Gallerte  (und  Porenknöpfchen?)  bei   Tetmemnrus  Brcbissonli  und 


Wollte  man  das  Gebiet  der  Hypothese  betreten,  so  könnte 
mau  annehmen,  dass  die  Gallerte  in  der  Gattung  Glosterinm  deshalb 
fehle,  weil  hier  keine  Porenknöpfchen  vorhanden  sind  und  dass  somit 
die  Gallertprismen  nur  als  Schutzmittel  für  die  Porenknöpfchen 
dienen.  Ich  will  indessen  auf  diese  schwierige  Frage  hier  nicht  näher 
eingehen,  sondern  auf  dem  Boden  des  Thatsächlichen  bleiben. 

Wenn  ich  nun  die  Ergebnisse  meiner  Untersuchung  zusammen- 
fasse, und  das,  was  ich  bei  etwa  einem  Drittel  der  bisher  be- 
kannten Arten  beobachtet,  auf  die  ganze  Gattung  Closterium  über- 
trage, so  lassen  sich  die  anatomischen  Eigenthümlichkeiten  der 
Gattung  in  folgende  Sätze  zusammenfassen: 

1.  Die  Zellhaut  der  meisten  Closteriumarten  (höchst  wahr- 
scheinlich sämmtlicher  grösserer  und  mittelgrosser,  aber  auch  vieler 
kleiner  Arten)  zeigt  eine  gröbere  oder  feinere  Längsstreifung  (Längs- 
liefung),  welche  ähnlich  nur  noch  bei  wenigen  Arten  von  Penium 
vorkommt,  allen  übrigen  Desmidiaceen  aber  fehlt.  Dagegen  ist  die 
Zellhaut  der  Closterien  frei  von  Warzen,  Stacheln  und  ähnlichen 
Gebilden,  welche  in  anderen  Gattungen  der  Zellmembran  zahlreicher 
Arten  regulär  zukommen. 

2.  Wie  bei  den  meisten  anderen  Gattungen  ist  auch  hier  die 
Zellhaut  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  von  Porencanälen  durchsetzt, 
nirgends  aber  sind  die  Poren  so  ausserordentlich  zahlreich,  als  bei 
Closterium.  Nur  die  kleinsten  Arten  scheinen  der  Mehrzahl  nach 
porenfrei  zu  sein. 

3.  Im  Gegensatz  zu  allen  anderen  porenführenden  Gattungen, 
welche  stets  Porenfäden  und  Porenknöpfchen  besitzen,  kommen  bei 
Closterium  nur  Porenfäden  vor. 

4.  Auch  durch  das  Fehlen  der  Gallertprismen  unterscheidet 
sich  Closterium  von  allen  porenführenden  Gattungen. 

Leider  sind  unsere  Kenntnisse  noch  so  mangelhaft,  dass  von 
einer  definitiven  Eintheilung  der  Desmidiaceengattungen  nach  ana- 
tomischen Merkmalen  derzeit    nicht   die    Rede  sein  kann.')    Immer- 


granulatus  auf  einem  Beobachtungsfehler,    da    das  Material    älteren  Culturen 
entnommen  und  offenbar  schon  im  Absterben  war. 

')  Ueber  die  Gattungen  Cosmocladium,  Genicularia,  Leptozosma,  Phy- 
matodocis,  Triploceras  ist  bezüglich  des  Verhaltens  von  Poren  und  Gallerte 
noch  gar  nichts  bekannt,  von  Onychonema  wurde  erst  eine  Species  unter- 
sucht (0.  filiforme,  von  Hauptfl  ei  scli  als  Sphaerozosma  vertebratum 
angeführt);  auch  Mei^otaenium  und  Cylindrocy.ttis  müssen  erst  genauer 
geprüft  werden.  Die  folgenden  Angaben  über  Gonatozygon  stützen  sich  nur 
auf  flüchtige  Beobachtungen,  die  ich  an  G.  a,^perum  machte.  Ueber  die  Gat- 
tung Penium  habe  ich  Untirsuchungen  begonnen,  die  noch  nicht  abgeschlossen 
sind;  nach  den  bisherigen  Ergebnissen  scheint  es,  dass  hier  2  Gruppen  be- 
stehen, von  denen  die  eine  porenlos  ist,  während  der  anderen  Poren  mit  Poren- 
knöpfchen zukommen.  Erschwert  wird  das  Studium  von  Poren  und  Gallerte 
besonders  durch  die  Nothwcndigkcit,  absolut  frisches  lebendes  Material  zu 
verarbeiten,  wenn  man  zu  verlässlichen  Resultaten  gelangen  will;  Exsiccaten 
sind  für  diesen  Zweck  unbrauchbar. 


53 

hin  scheinen  mir  aber  genügende  Anhaltspunkte  vorzuliegen,  um 
über  die  Beziehungen  der  Gattungen  zu  einander  und  über  die  Stel- 
lung der  Gattung  Closterhim  einen  orientirenden  Ueberblick  zu 
gewinnen.  Zunächst  lassen  sich  2  Hauptgruppen  unt(!rscheiden;  in 
der  ersten  (Mesotaenium,  Oylindrocystis,  Spirotaenia)  besteht  die 
Zellhaut  aus  einem  Stück,  sie  ist  porenfrei  und  besitzt  keine  aus 
Prismen  zusammengesetzte  Hüllgallerte.  In  der  zweiten  Hauptgruppe, 
welche  alle  anderen  Gattungen  umfasst,  wird  die  Zellhaut  aus 
2  Hälften  (bei  einigen  Arten  von  Closteriurn  und  Petüuui  aus 
mehreren  Stücken)  zusammengesetzt.  Untersucht  man  in  dieser  um- 
fangreichen Gruppe  das  Verhalten  von  Poren  und  Gallerte,  so  muss 
Gonatoziigon  und  ein  Theil  der  Gattung  Peniioa  wegen  des  Mangels 
von  Poren  und  Hüllgallerte  den  anderen  Gattungen  gegenübergestellt 
werden,  welche  durchwegs  Poren  besitzen.  In  der  letzteren  Unter- 
gruppe nimmt  Closteriurn  eine  besondere  und  scharf  markirte  Stel- 
lung ein  durch  das  Fehlen  von  Porenknöpfchen  und  Hüllgallerte. 
Es  bildet  somit  diese  Gattung  das  Bindeglied  zwischen  den  ein- 
facher gebauten  porenlosen  Desmidiaceen  und  denjenigen,  welche 
vollkommen  ausgebildete  Porenorgane  (bestehend  aus  Porenfäden, 
Porenknöpfchen  und  Gallertprismen)  besitzen. 


Untersuchungen    über   Pflanzen    der    österreichisch- 
ungarischen Monarchie. 

Von  R.  V.  Wettstein  (Prag). 

n. 

Die  Arten  der  Gattung  Euphrasia. 

Mit  Tafeln  uud  Karten. 
(Fortsetzung.') 

10.  Euphrasia  stricta  Host")  Flora  Austr.  II.  p.  185 
(1831). 

Caulis  erectus,  rarius  simplex,  plerumque  in  parte  inferiore 
ramosus,  5—75  cm  altus,  rubeseens  vel  fuscescens,  pilis  crispis 
reversis  eglandulosis  pubescens  in  parte  inferiore  foliis  mox  deciduis 
tempore  aiithesis  deuudatus,  ramis  non  numerosis,  ascendentibus. 
suboppositis.  Folia  caulina  infima  opposita  cuneata,  obtusiuscula 
utrinque  dentibus  1 — ^2  obtusis,  media  et  superiora  sul)opposita  ovata 
vel  ovatolaiiceolata  in  parte  media  latissima  longitudine  lati- 
tud'inem    duplo    super  ante,    acuta,    utrinque    dentibus 


•)  Vergl.  Nr.  1,  S.  5  ff. 

■')  Ein  Original-Exemplar    sali    ich    im  Herbar    «les  k.  k.    nuturh.  Hof- 
museums in  Wien. 


54  .^ 

ai'istatis  3 — 5.  Bracteae  alternaiites ,  latitudine  folia  caulina 
siiperantes  in  triente  inferiore  latissimae.  ovatae,  basi  bre- 
viter  cnneatae,  acntissimae,  dentibus  longe  aristatis 
vel  ac litis  utrinque  4 — 7.  Folia  ommia  viridia,  in  speciminibus 
siccis  interdum  nigricantia,  subtus  plana  nitida  vel  in  speciminibus 
locorum  aridoriim  plicato-stiiata,  glaberrima,  rarius  in  pagina 
superiore  et  in  margine  pilis  brevissimis  aspera.  Spica  initio  con- 
densata  mox  valde  elongata,  fructifera  saepe  in  parte  inferiore 
calyces  fructiferos  solum  gerens.  Flores  subsessiles.  Calyx  gl  ab  er 
vel  setiilis  minutis  obsitus,  fructifer  non  accretus.  Corolla 
6 — 10  mm  longa,  labio  snperiore  bilobo,  lobis  denticulatis, 
rarius  bilobis,  labio  inferiore  trilobo,  lobis  emarginatis.  Corolla 
plerumque  pallide  violacea  macula  flava  in  labio  inferiore  et 
striis  coeruleis  vel  purpureis  notata,  rarius  caerulea  vel  albida.  Capsula 
cuneato-obovata  angusta  truncata  vel  subemarginata ,  calycis 
dentes  non  superans,  margine  longe  ciliata  caeteriim  pilosa 
vel  glabrata. 

Synonyme:  E.  officinaUs  ß.  cifcuUataWaMenhg.  Flor.  Carp. 
p.  184  (1814),  Salt.  pr.  p.  —  E.  officinaUs  ß.  montana  ß.  cucuUata 
Fries  Novit.  Flor.  Suec.  ed.  2.  p.  198  (1828)  sali  pr.  p. 

E.  rigida  Lascb  in  Linnaea  1829.  p.  405.  resp.  E.  officinaUs 
var.  rigida  a.  a.  0.  —  Harz  in  Bot.  Centralbl.  XLV.  Bd.  S.  13G 
(1891). 

E.  officinaUs  a.  glabrata,  y.  tenuifoUu  Schlecbtend.  Flor.  Berol.  I. 
p.  381  (1823)  Salt.  pr.  p. 

E.  officinaUs  ß.  parvifiora  Wallr.  Scbed.  crit.  d.  pl.  Fl.  Hai. 
p,  320  (1822)  pr.  p. 

E.  officinaUs  B.  intermedia,  a.  vidgaris  Soyer  Willemet  Sur 
VEuphrasia  offic.  et  les  especes  vois.  p.  28.  (Mem.  d.  1.  soc.  roy. 
d.  sc.  de  Nancy  1833/34). 

E.  officinaUs  Hayne  Arzneigew.  IX.  t.  8  (1823) ').  —  Willd. 
Spec.  plant.  HI.  p.  193  (1800)  pr.  p. 

E.  officinaUs  ß.  nemorosa  Koch  Synopsis  ed.  1.  p.  545  (1837) 
pr.  max.  p.  —  Maly  Enum.  plant,  phan.  Austr.  p.  207  (1848). 
—  Maly  Flora  von  Steierm.  S.  147  (1868).  —  Murmanu 
Beitr.  zur  Pflanzengeogr.  von  Steierm.  S.  145  (1874).  —  Sauter 
Flora  von  Salzb.  S.  112  (1868).  —  Duftschmid  Flora  von  Ober- 
Oesterr.  Hl.  S.  179  (1883).  —  Celakovsky  Prodr.  der  Flora  von 
Böhmen  S.  337  (1867)  pr.  p.  —  Hinterhuber  und  Pichlmayer 
Prodr.  einer  Floia  von  Salzb.  2.  Aufl.  S.  155  (1879).  —  Neilreich 
Flora  von  Nieder.-Oesterr.  S.  563  (1859)  pr.  p.  —  Hausmann 
Flora  von  Tirol  IL  S.  665  (1852).  —  Fächer  und  Jabornegg 
Flora  von  Kärnthen  I.  S.  307  (1881)  pr.  p. 


')   Original-Exemplare  gesehen! 


55 

E.  ofßcinalis  d.  nemorosa  Reichenb.  Tcon.  Flor.  rTeim.  et 
Helv.  XX.  p.  58  (1862). 

E.  stricta  A.  Kerner  Veg.-Verbältn.  von  üng.  S.  375  (1875) 
pr.  max.  p.  —  Scliedae  ad  Flor.  t^xs.  Austr.-Himg.  I.  p.  41  (1881). 

—  Oborny  Flora  von  Mäbren  und  Scbles.  \.  8.  432  (1881)  excl. 
ß  et  alii  aiit.  Austr. 

E.  ofßcinalis  2.  stricta  Dolliner  Enuni.  plant,  pban.  Austr. 
p.  97  (1892). 

E.  micrantha  Scbur  Enum.  plant.  Trans,  p.  509  (1866) 
Salt.  pr.  p.') 

E.  ofßcinalis  a.  stricta  Borbas  Budapest  es  Kornyekenek 
növenyzete  (L'^'''-'). 

E.  neinorosa  Schur  Enum.  plant.  Trans,  p.  509  (1866) ').  — 
Reicbb.  Flor.  Germ,  excurs.  p.  358  (1830,32)  excl.  ß.  —  Beck 
Flora  von  Nied.-Oesterr.  II.  S.  1061  (1893).  —  Fiek  Flora  von 
Scbles.  S.  339  (1881)  excl.  ß. 

E.  caerulea  Gremli  Neue  Beiträge  zur  Flora  der  Scbweiz  I. 
S.  18  (1880)  und  ältere  Auflagen  der  Excursionsflora. 

E.  ericetorum  Jord.  in  Boreau  Flora  d.  centr.  d.  1.  Fr. 
cd.  3.  II.  p.  494  (1857)')  et  in  Reuter  Catalog.  d.  pl.  vasc.  d. 
Gen.  2.  edit.  p.  168  (1861)')  —  Gremli  Excursionsflora  f.  d. 
Scbw.   7.  Aufl.  S.  320  (1893)  excl.  ß. 

E.  condeusata  Jord.  Pugill.  pl.  nov.  p.  135  (1852)  ')  non  Lebcl. 

E.  rigidula  Jord.  Pugill.  pl.  nov.  p.  134  (1852)  pr.  p.') 

E.  aristata  Favr.  et  Gremli   in  Sclied.') 

E.  obscura  Opiz  in  Sched.') 

E.  elegans  Porta  in  Scbed.') 

E.  cuspidata  Jord.  in  Scbed.') 

E.  multicusindata  Tausch,  Kosteletzky  in  Sched.') 

Exsiccaten:  A.  Kerner  Flora  exsicc.  Austro-Huug.  Nr.  147. 

—  Magnier  Flora  select.  exs.  Nr.  631  (als  E.  rigidula),  Nr.  633 
bis  (als  E.  ericetorum).  —  Schultz  Herb.  norm.  nov.  ser.  Cent.  1. 
Nr.  113  (als  E.  ericetorum),  Nr.  930  bis  (als  E.  campesfris).  — 
Flora  Sequan.  exs.  Nr.  656.  —  Gan doger  Flor.  Gall.  exs.  Nr.  867 
(als  E.  rigidula),  Nr.  176  (als  E.  uliqimsa  Reut.)  —  Billot  Flor. 
Gall.  et  Öerm.  exs.  Nr.  3672,  3672  bis  (als  E.  rigidula),  Nr.  2724, 
2724  bis. —  Co  UV  et  Plant.  Tolosan.  et  Pyreu.  —  Michalet  PI.  d. 
Jura  Nr.  109  (als  E.  nemorosa).  —  Reliquiae    Mailloanae  Nr.  152!». 

Abbildungen:    Hayne  Arzneigewächse  TX.    tab.  8    (1823). 

—  Reichenb.    Icon.  Flor.  Germ,    et  Helv.  XX,   tab.  MDCCXXXI. 

Blüthezeit:  Juni  bis  October. 

Verbreitung:  Verbreitet  in  Mitteleuropa,  in  Spanien  (be- 
sonders im  nördlichen  Theile).  Frankreich,  Belgien,  in  der  Schweiz, 
im  Deutschen  Reich  (besonders  in  den  südlichen  Theileji),   im  süd- 

')  Original-Exeniplaie  geseheu! 


liehen  Schweden  und  Norwegen  (seltenei-),  in  ganz  Oesterreich- 
Ungarn,  in  Oberitalien,  in  den  nördlichen  Theilen  der  ßalkan- 
lialbinsel,  in  den  westlichen  und  südliclien  Theilen  liusslands. 
Neben  E.  Rostkou<iatia  die  häufigste  und  verbreit etste  Art. 

Vorkommen  inOesterreich-Ungarn:  Vorherrschend  au 
sonnigen,  trockenen  Stellen,  in  Wiesen,  auf  Schutthalden,  an  buschig- 
steinigen Orten  u.dgl.  Tirol  und  Vorarlberg  ').  Verbreitet  und  häufig, 
doch  nirgends  alpin,  sondern  in  den  Thälern  bis  in  die  Bergregion, 
am  häufigsten  südwärts  des  Brenners.  Höchster  mir  bekannt  ge- 
wordener Standort  bei  1300  m  (nächst  Trins  im  Gschnitzthale).") 
—  Salzburg:  Verbreitung  wie  in  Tirol.  (Vergl.  auch  Fritsch  in 
Verh.  d.  zool.-bot.  Ges.,  XXXVIII.  Abb.,  S.  85).  —  Kärnthen: 
Ich  sah  die  Pflanze  bisher  von  folgenden  Standorten :  Um  Klagen- 
furt (Jabornegg;  H.  U.  W.,  H.  Fach.  —  Kren  berger;  H.  Kern., 
H.  Hai.);  Kanalthal  (lg.  ?,  H.  z.  b.  G.);  Pontafel  (Brandmayer; 
H.  z.  b.  G.);  bei  Tiiten  (Fächer;  H,  Fach.);  Kreuzkogi  (Haus er; 
H,  Fach.);  Flatnitz  (Fächer;  H.Fach.);  Longa  (Fächer;  H.Fach.); 
Glanz  ober  Rauachen  (Fächer;  H.  Fach.);  St.  Martin  bei  Villach 
(Fächer;  H.Fach.);  auf  der  Wollizzen  unterm  Gugganig  (Fächer; 
H.  Fach.);  Obervellach  (Fächer;  H.Fach.).  —  Steiermark:  Ver- 
breitet und  häufig  um  Graz,  im  Murthale  von  Stübing  bis  Graz, 
überdies  sah  ich  Exemplare  von  folgenden  Standorten:  Seckau  (Fern- 
hoff er);  Gröbming  (Freissmann;  H.  Fr.);  Leoben  (Wettstein); 
Maria  Zell  (Hölzl;  H.  z.  b.  G.);  Erzberg  (Fittoni;  H.  Hofm.): 
Fröschnitzgraben  am  Semmering  (Richter:  H.  Rieht.);  Kapfen- 
berg  (Wettstein);  Bärnschütz  bei  Mixnitz  (Freissmann;  H. 
Freis.);  Ffannberg  bei  Frohnleiten  (Wettstein),  um  Feggau  an 
mehreren  Stellen  (Wettstein);  Schwanberg  (Richter;  H.  Rieht.); 
Gonobitz  (Freissmann;  H,  Fr.);  Sulzbach  bei  Cilli  (E.  Weiss; 
H.  z. b. G.);  Pinsterthal  bei  Cilli  (Preissmann;  H.  Fr.);  Hudalukna 
bei  Wöllan  (Freissmann;  H.  Fr.).  —  Krain:  Leugenfeld  (K  ras  an; 
H.  Fr.);  Brod  a.  d.  Kulpa  (Fernhoff er;  H.  Fernh.,  H.  Rech.); 
Mojstrana  (Frey er;  H.  Hofm.);  Weissenfeis  (Freissmann;  H. 
Fr.).  —  Görz,  Gradiska,  Istrien:  Bei  Trenta  (Rechinger; 
H.  U.  W.,  H.  Rech.);  Görz  (K  ras  an;  H.  Kern.);  Mte.  Maggiore 
(Bilimek;  -H.  Hofm.).  —  Ober  Österreich:  Verbreitet.  — 
Nieder  Österreich:  Verbreitet  bis  in  die  Voralpenregion;  be- 
sonders häufig  im  Bereiche  der  pontischen  Flora  und  da  zuweilen  in 
Uebergangsformen  zu  E.  Tatar ica.  Nach  Beck  (Flora  von  Hernst. 
S.  240)  bis  1300  m  aufsteigend.  —  Böhmen:  Verbreitet  in  allen 
Theilen  des  Landes,  ebenso  in  Mähren  und  Schlesien.  — 
Galizien:  Krakau,  bei  Bielanv  (Herb ich;  H.  Rehmn.)^);   Tarnow 


')  Vergl.  die  Anm.  auf  S.  82  des  vorigen  Jahrganges. 
")  In    der    südlichen  Schweiz    und    in  Oberitalien   steigt  E.  striata  bis 
zu  2000  ni. 

')  H.  Kehmn.  =  Herbarium  Rehmann  (Lemberg). 


57 

(Herbich;  H.  Eohmn.);  Brody  (Blocki{?);  H.  Hofrn.);  Lemberg, 
Kiidno  (lieh mann;  H.  Knhmn.);  Dobromil  (Reh mann;  H.  Eehmn.); 
Zakopane  (Kelimann;  H.  Kehnin.  —  Fieyn;  H.  Fr.);  Tatra,  Kapienic 
(Reh mann;  H.  Rehmu.);  Zabie  (Relimann;  H.  Rehmn.);  Nisko 
(Reh mann;  H.  Rehmn.);  Cieszanow  (Reh mann;  H.  Rehmn.).  — 
I3ukowina:  Kimpolung  (Dörfler;  H.  Hai.);  Dorna  Kandreni 
(Dörfler;  H.  Hai.,  H.  U.  W.);  Kratzerberg  bei  Dorna  Vatra 
(Dörfler;  H.  Hai,  H.  Rech.,  H.  ü.  W.);  Kirlibaba  (Herbich;  H. 
z.  b.  G.);  Jakobeuy  (Herbich;  H.  z.  b.  G.)  —  Ungarn:  Ver- 
breitet. —  Croatien  und  Slavonien:  Von  mir  nur  gesehen 
von  Slatina  (Rorbäs;  H.  U.  W.);  Agram  (lg.  ?,  H.  Rech.);  Brod 
a.  d.  Save  (Wettstein).  —  Bosnien:  Um  Zwornik  an  mehreren 
Stellen  (Wettstein);  Srebrenica  (Wettstein);  Travnik:  ülaska- 
gromila,  zwischen  Pirota  und  Ovcarevo,  zwischen  Dolac  und  Lasva 
(Brandis;  H.  Fr.);')  —  Hercegovina:  Konjica  (Beck;  H.U.W.).') 

Es  lässt  sich  im  vorhinein  erwarten,  dass  eine  Pflanze  von 
so  grosser  Verbreitung  wie  E.  stricta,  die  in  klimatisch  recht  ver- 
schiedenen Gebieten  wächst,  entsprechend  den  verschiedenen  Stand- 
orten eine  recht  grosse  Formenmannigfaltigkeit  aufweist.  Dies  ist 
nun  bei  E.  stricta  thatsächlich  der  Fall.  Ich  will  hier  nicht  diese 
Formenmannigfaltigkeit  eingehend  erörtern,  da  mir  dieselbe  von 
untergeordnetem  Interesse  erscheint  und  ich  auch  nicht  den  Re- 
sultaten der  noch  im  Zuge  befindlichen  Culturversuche  vorgreifen 
will.  Im  Allgemeinen  lässt  sich  sagen,  dass  E.  stricta  in  feuchteren, 
kühleren  Gegenden,  also  zumal  in  den  Alpen  häufig  relativ  klein 
bleibt,  dabei  breite  flache  Blätter,  reichere  Verzweigung  und  kürzere 
Blattzähne  aufweist,  dass  sie  an  trockeneren  Standorten  bald  mit 
hohem,  wenig  verzweigtem,  bald  mit  reichästigem  Stengel  er- 
scheint, dabei  aber  zumeist  schmälere,  grannig  gesägte,  unterseits 
gerippte  Blätter  trägt.  Trotz  dieser  Mannigfaltigkeit  ist  E.  stricta 
von  den  anderen  Euphrasien  meist  leicht  zu  unterscheiden.  Die 
Unterschiede  von  den  zunächststehenden  Arten  (pectinata,  tatarica, 
Jn-et'ij'ila  etc.)  sind  gelegentlich  der  Besprechung  dieser  hervor- 
gehoben. Nicht  selten  wurde  E.  stricta  mit  breitblätterigen  Formen 
der  E.  Salisimrfjensis  verwechselt,  von  diesen  kann  sie  stets  mühe- 
los durch  die  stark  borstige  Kapsel  unterschieden  werden. 

Eine  Reihe  von  Standortsvarietäten  der  E.  stricta  wurde 
bereits  beschrieben  und  benannt.  So  hat  Beck  in  seiner  Flora  von 
Südbosnien  etc.  (Ann.  d.  naturh.  Hofm.  in  Wien  II.  S.  141)  die 
Form  der  subalpinen  Gegenden  mit  relativ  breiten  Blättern  und 
kürzeren  Stengeln  als  var.  suhalpiaa  bezeichnet;  eine  auffallend  breit- 
blätterige,   robuste  Form  hat  Freyn   in  Sagorski  und  Schneider 


')  Vergl.  auch  Beck  Flora  von  Südbosn.  und  der  Heiceg.  S.  141 
(1887).  —  Murbeck  Beitr.  zur  Flora  von  Südbosn.  und  der  Herceg.  S.  72 
(1891). 

Oesterr.  botau.  Zeitscbrifl.  '2.  Heft.  1894.  5 


58 

Flora  der  Centralkarpathen  S.  421  (1891)  f.  latifoUa  Frn.  heimimt. 
Sagorski  i.  d.  Deutsch,  bot.  Monatschrift  1889.  S.  G— 7  unter- 
scheidet iu  Thüringen  eine  Forru  der  fruchtbaren  Stellen  der  Ebene 
mit  10 — 20  cm  hohem  wenig  verästeltem  Stengel.  7  mm  langen 
Blüthen:  1.  f,  genuina;  eine  dieser  ähnliche,  kleinblüthige  (4  bis 
5  mm)  Form  steriler  Heiden:  2.  f.  parvlflora;  eine  Form  der  Weg- 
ränder mit  niederem,  von  unten  sparrig  verästelten  Stengel,  4  bis 
5  mm  langen  Blüthen:  3.  f.  reducta;  eine  der  vorigen  ähnliche 
Form  mit  grossen  (8—9  mm)  Blüthen:  4.  f,  ver.^us  coendeam 
(Freyn  in  lit.)  und  eine  hochstengelige,  breitblätterige  Form:  5.  f. 
rohusta.  Nur  bezüglich  der  Formen  1,  4  und  5  bin  ich  von  der 
Zugehörigkeit  zu  E.  stricta  ganz  überzeugt,  doch  möchte  ich,  ohne 
Exemplare  gesehen  zu  haben,  auch  den  anderen  Formen  diese  Zu- 
gehörigkeit nicht  absprechen.  ZapaJowicz  beschrieb  jüngst  (Roslinua 
szatagor  Pokucko  Marm.  in  Sprawozdanio  komisyn  fizyjograf.  Akad. 
Umiejetnosci  XXIV  (1889)  eine  E.  slrvia,  foima  humiUor. 

Nicht  bald  hat  eine  häufige  und  leicht  kenntliche  Pflanze  so 
oft  den  Namen  gewechselt  und  eine  so  unsichere  Nomenclatur,  wie 
E.  stricta.  Dass  sie  früher  allgemein  für  E.  officinalis  galt,  dass 
selbst  genaue  Beobachter,  wie  Hayne  und  Keichenbach  in  ihr 
die  E.  ofßcinalis  des  Linne  erblicken  zu  können  glaubten,  sei 
hier  nur  berührt. 

In  den  Arbeiten  neuerer  Autoren,  die  der  Systematik  der 
Gattung  näher  traten,  finden  sich  insbesondere  drei  Namen,  nämlich 
E.  stricta  Host,  E.  nernorosa  Pers.  (var.)  und  E.  ericetorum  Jord. 
Der  erstgenannte  Name  ist  insbesondere  in  Oesterreich,  der  zweit- 
genannte im  deutschen  Eeiche,  der  dritte  in  der  Schweiz  und  in 
Frankreich  gebräuchlich.  Von  diesen  drei  Namen  bezeichnen  nur 
zwei  zweifellos  unsere  Pflanze,  nämlich  E.  stricta  und  E.  ericetorum; 
wie  dies  aus  den  Diagnosen  und  Original-Exemplaren  hervorgeht. 
Diejenigen,  welche  den  Peisoon'schen  Namen  anwenden,  stützen  sich 
dabei  insbesondere  auf  die  von  Persoon  citirte  Abbildung  in 
Bulliard  Herbier  de  la  France,  tab.  233.  An  dieser  Stelle  ist  nun 
allerdings  eine  Pflanze  abgebildet,  die  der  E.  stricta  ähnlich  sieht, 
doch  nur  der  wird  den  Namen  anwenden  wollen,  der  alle  mitteleuro- 
päischen Euphrasien  mit  drüsonlosen,  spitzzähnigen  Blättern  zusammen- 
fasst;  demjenigen,  der  auch  nur  die  auffallendsten  Typen  unterscheidet, 
wird  es  klar  sein,  dass  die  Bulliard'sche  Abbildung  in  ganz  vor- 
trefflicher Weise  eine  in  Deutschland,  Frankreich  und  Belgien 
verbreitete,  von  E.  stricta  verschiedene  Euphrasia  darstellt,  von  der 
noch  weiterhin  die  Eede  sein  soll.  Auch  einige  Angaben  in  Persoon's 
kurzer  Diagnose  passen  sehr  gut  auf  diese  Pflanze,  nicht  aber  auf 
E.  stricta,  so  die  Stellen  „caule  ramosissimo",  „Flores  multo 
minores,  quam  in    officinali  y.   Der  Name  E.  nernorosa  Pers.  ist 


')  Darunter  ist  hiev  E.   Rostkmviana  verstanden! 


59 

mithin  auf  die  hier  hehandelte  Pflanze  gewiss  nicht  anwendbar, 
worauf  übrigens  schon  A.  Kern  er  (Schedae  ad  Flor.  Austro-Hung. 
I,  S.  42)  hingewiesen  hat. 

Von  den  beiden  verbleibenden,  unsere  Pflanze  bezeichnenden 
Namen  ist  nun  E.  ericetorma  zweifellos  der  jüngere;  somit  hätte 
die  Pflanze  E.  stricta  Host  zu  heissen.  Doch  ist  auch  dies  noch 
nicht  ohueweiters  gesichert.  Zunächst  sei  darauf  hingewiesen,  dass 
Humboldt  und  Bonpland  schon  vor  Host  in  Huml).  Bonpl. 
u.  Kunth  Nov.  gen.  et  spec.  H.  p.  333  (1817)  eine  Euphrasia 
stricta  beschrieben  haben.  Nun  hat  sich  allerdings  diese  E.  stricta 
als  eine  Bartschia  herausgestellt  und  führt  jetzt  die  Bezeichnung 
B.  strida  (Huml).  et  Bonpl.)  Benth..  so  dass  der  Name  Euphrasia 
stricta  wieder  frei  ist.  Trotzdem  gibt  es  Botaniker,  die  den  Namen 
als  vergeben  betrachten  und  ihn  nicht  weiter  anwenden  wollen,  wo- 
bei natürlich  die  Möglichkeit  massgebend  ist,  dass  später  einmal 
die  Bartschia  stricta  wieder  zur  Gattung  Euphrasia  gezogen  werden 
könnte  und  ihr  für  diesen  Fall  der  Namen  reservirt  bleiben  soll. 
Ich  möchte  mich  aber  diesem  Vorgange  doch  nicht  anschliessen.  Es 
erscheint  mir  —  immer  daran  festhaltend,  dass  Nomenclatursfragen 
Fragen  der  Convenienz  und  keine  wissenschaftlichen  sind  —  nicht 
logisch,  wenn  man  einem  eventuel  einmal  eintretenden  Uebel 
dadurch  vorbeugen  will,  dass  man  dasselbe  freiwillig  schon  jetzt 
herbeiführt.  Mir  erscheint  mithin  der  Name  E.  stricta  als  frei  und 
anwendbar. 

Eine  andere  Frage  ist  die,  ob  es  für  die  Pflanze  nicht  ältere 
Bezeichnungen  als  ^.  sirirfa  Host  (1831)  gibt.  Da  sind  insbesondere 
die  Namen  E.  ri(ii<Ja  Lasch  pr.  var.  (1 829),  E.  cucullata  Wahlenbg. 
pr.  var,  (1814),  E.  parvifloraWdWx.  pr.  var,  (1822)  uwü  E.  (jlahrata 
Schlechtend,  pr.  var.  (1823)  in  Betracht  zu  ziehen.  Ich  zweifle 
keinen  Augenblick,  dass  mit  diesen  Namen,  wenigstens  zum  grössten 
Theile  ihres  Umfanges,  unsere  E.  stricta  gemeint  ist,  doch  sind 
alle,  diesen  Namen  zu  Grunde  gelegten  Diagnosen  derart  abgefasst, 
dass  sie  keineswegs  unzweideutig  sind,  dass  sie  sich  ebensogut  auf 
andere  Arten,  so  auf  die  obenerwähnte  E.  nemorosa  Pers.,  E.  Kerner i 
Wettst.  etc.  beziehen  könnten.  Es  liegt  mithin  kein  zwingender 
Grund  dafür  vor,  einen  dieser  halbverschollenen  Namen  wieder  auf- 
zunehmen und  dem  unzweideutigen,  zudem  auch  vielfach  angewen- 
deten Namen  E.  stricta  vorzusetzen, 

11,  Euphrasia  putnila  A,  Kern  er')  in  Sched,  ad  Flor, 
exs.  Austro-Hung.  I.  p.  43  (1881), 

Diagnose:  a,  a,  0, 

Exsiccaten:   A.  Kern  er  Flora  exs.  Austro-Hung,  Nr,  148, 

Verbreitung:  Bisher  blos  aus  den  Centralalpen  von  Tirol 
bekannt. 


')  Original-Exemplare  gesehen! 


60 

Vorkommen  in  Oesterreich-Ungarii:  Tirol:  Abhang 
des  Steinacherjoches  gegen  Trins  IbOO  m  (A.  Kerner;  Wett- 
stein. —  Schafferer;  H.  Hai.);  Suldenthal  bei  1900  m  (Eysn; 
H.  Frsch.);  Platzerberg  bei  Gossensass  (Hut er;  H.  T.  Z.);  Valming- 
Thal  bei  Sterzing  (Hut er:  H.  Deg.);  Klobenstein  (Hausmann; 
H.  Ferd.). 

E.  pumila  steht  der  E.  stricta  und  zwar  insbesondere  Exem- 
plare derselben  von  subalpinen  Standorten  (var.  suhalpina  Beck) 
sehr  nahe,  unterscheidet  sich  aber  von  dieser  durch  die  von  Kern  er 
a.  a.  0.  angegebenen  Merkmale.  Dass  diese  Merkmale  nicht  etwa 
direct  durch  den  hohen  Standort  bedingt  sind,  sondern  bereits 
erblich  festgehalten  werden,  geht  aus  einem  sehr  instructiven  Cultur- 
versuche  A.  v,  Kerner's  hervor,  der  E.  pionila  aus  Samen  neben 
E.  stricta  unter  genau  denselben  Verhältnissen  cultivirte  und  dabei 
zwar  hohe  und  üppig  entwickelte  Exemplare  der  ersteren  erhielt, 
die  aber  alle  wesentlichen  Merkmale  unverändert  aufwiesen. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Bemerkungen  über  einige  orientalische  Pflanzenarten. 

Von  Dr.  A.  v.  Degen  (Budapest). 

xn. 

üeber  das  Vorkoniinen  you  yigella  orientnlis  L.  und 
Nigella  sativa  L.  in  Europa. 

Die  wenigen  Vertreter  der  Section  ^Nigellastrum  D.  C."  der 
Gattung  Nigella,  welche  von  unseren  europäischen  durch  die  sehr 
abweichende  Gestalt  der  Carpelle  und  der  Samen  schon  auf  den 
ersten  Blick  verschieden  sind,  wurden  bisher  meines  Wissens  nur 
im  aussereuropäischen  Oriente  gesammelt  („Oriens  omnium  specie- 
rum  sectionis  patria"  Boiss.  Fl.  Or.  I.  p.  70).  umsomehr  war  ich 
überrascht  bei  Bearbeitung  meiner  türkischen  Ausbeute  vom  Jahre 
1890  in  einer  auf  Einöden  der  thracischen  Hochebene,  und  zwar 
auf  den  Hügeln  zwischen  Rodosto  und  dem  Tscherkessendorf  Köpekli 
gesammelten  Art  die  Nigella  orientalis  L.  agnosciren  und  als  neuen 
Bürger  der  Flora  Europas  begrüssen  zu  können. 


Nigella  sativa  L ,  eine  ebenfalls  orientalische  Art,  wird  von 
Nyman  (Comp.  p.  17)  für  Spanien,  Südfrankreich,  Böotien,  Sieben- 
bürgen und  Taurien  angegeben. 

An  den  ersteren  vier  Standorten  wurde  sie  aber  nur  cultivirt 
oder  als  Gartenflüchtling  angetroffen  (Cfr.  Willkomm  et  Lange, 
Prodr.  ni,  p.  974,  Eouy  et  Foucaud.  Flore  de  France,  T.  p.  147, 
B  0  i  s  s  i  e  r ,  Fl.  Orient.  Suppl.  p.  1 6  und  S  i  m  o  n  k  ai,  Enum.  Transsylv. 


61 

p.  57)');  es  verbleiheu  daher  für  diese  Art  nur  die  von  Ledebour 
Fl.  Ross,  I.  p.  55,  angegebenen  südostrussischen  Standorte,  es  ist  dies 
also  auch  eine  eminent  orientalische,  von  Kreta,  Aegypten  über  Syrien 
bis  Afghanistan  verbreitete  Art,  welche  aber  nordwestlich  ebenso  wie  die 
N.  ovientalis  L.  bis  in  die  Türkei  vorzudringen  scheint.  Das  Vor- 
kommen dieser  Pflanze  in  den  Saatfeldern  des  Tekir-Dagh  dürfte 
wohl  kaum  Zweifel  an  ihr  Indigenat  erregen,  da  die  meisten  Nigellen 
„in  cultis"  gedeihen,  als  Argument  aber  für  ihr  wirklich  wildes 
Vorkommen  wäre  der  Umstand  zu  erwähnen,  dass  die  von  mir  zwi- 
schen Neipios  (Naibkeui)  und  Rodosto  in  Unzahl  beobachteten  Exem- 
plare die  var.  hisp'ulula  Boiss.  darstellen,  welche  nach  den  Worten 
des  Autors:  „haec  vere  spontanea  et  typus  speciei  esse  videtur". 

Budapest,  am  10.  Jänner  1894. 


Plantae  novae  Orientales, 

III. 

Von  J.  Freyn  (Prag). 

(Fortsetzung.-) 

Ob  legumina  semibilocularia  et  pilorum  ramos  saepe  inaequales 
noster  ad  A.  incertuin  Ledeb.  ceterum  valde  diversum  vergens.  Habitu 
A.canescenti'^\m^Q{=^  A.  7>oO?'a?/o/f/^s  DC.  Astrag.  tab.  18!)  accedit  et 
caracteribus,  nonnullis  ei  affinis  sed  diversus:  indumento  parco  (nee  ar- 
gyreo),caudiculisnumerosissimisreliquiisfoliorumemarcidorumdensissi- 
me  armatis,  stipulis  conspicuis  (necminimis).  foliolis  parcioribus,  capitulis 
siiblaxis,  calycis  campanulato-tubulosi  dentibus  tubo  sextuplo  (nee 
4p]o)  brevioribus,  ore  valde  obliquo,  vexilli  lamiua  latiuscula  (nee 
oblongo  lineari)  et  forse  legumine  (in  A.  canescente  ignoto).  Aliae 
species  ex  Onobrychiorum  grege  calycibus  adpresse  pilosis  et  caulibus 
humilibus  brevissimis  donati  multo  magis  diff'erunt. 

Astragalus  (LXXV,  ProseUus)  hunilllimus  Freyn 
et  Sint.  E  radice  crassa  pluricipite  dense  caespitosus  scaposus  folio- 
sissimus  obscure  virens  subglaber;  stipulis  patentibus  triangulari- 
lanceolatis  parcepilosis  menibranaceis  apicem  versus  herbaceis  viridi- 
bus,  foliis  breviter  vel  longe  petiolatis,  petiolo  adpresse  et  sparse 
piloso,  foliolis  4— rijugis  crassiusculis  obovato-orbiculatis  vel  bre- 
viter ellipticis  subretusis,  juvenilibus  subtus  plus  minusve  dense 
strigulosis  tan  dem  sparse  ot  adpressissim  e  pilosis  supra 
glabris;  scapis  folia  subaequantibus  brevioribus  vel  sublongioribus 
adscendentibus  parce  adpresseque  pilosis  racemo  subcapitato  laxi- 
usculo  p  a  u  c  i  f  1 0  r  0  t  e  r  m  i  n  a  t  i  s ;  bracteis  pedicellum  subaequantibus 


')   ,in  (Germania"   (L.  Spec.  \A.  ed.  II  p.  7ö.3)  wohl  auch  nicht"  wild, 
••'j  Veigl.  Nr.  1.  S.  27. 


62 

vel  brevioribus  late  membranaceo  maroiiiutis  e  basi  ovata  acuminatis; 
calycis  parce  et  adpresse  albo- et  uigro-setulosi  basi  minu- 
tissime  bibracteolati  deutibus  lanceolato-siibulatis,  tiibo  4plo 
brevioribus,  corolla  (in  sicco)  violacea,  vexilli  calyce  plus  diiplo 
longioris  lamiua  ovato-oblonga  basi  obtusangula  apicem 
versus  non  strangulata  alas  quarta  parte  superante  carina  di- 
midio  longiore;  legumiuibus  bivalvibus  sub  ospermis  traus- 
verse  reticulatis  erecto  patentibus  adpresse  et  sparse  setulosis 
oblique  lineari- oblongis  compressis  subincurvis  lati- 
tudine  sua  circ.  sextuplo  longioribus,  abrupte  tenuiter  et 
unilateraliter  cuspidatis,  sutura  carinatis,  dorso  sulcatis:  semiiii- 
bus  (fere  uiaturis)  reniformibus  uigrescentibus.   2|- .  Junio,  Julio. 

Paphlagonia.  Kastemuni:  in  montosis  ad  Taschly  Chan 
die  6.  Majo  (Exsicc.  no.  3853);  Tossia:  prope  Tossia  Dewrendi  in 
declivibus  jugi  Kutschuk-Ilkas-Dagb  die  4.  junio  (Exsicc.  no.  4124) 
et  in  pinetis  ad  Scbakylar  die  16,  julio  1892  (Exsicc.  no.  4688)  leg. 
Sintenis ! 

Dirne nsiones:  Stipiüae  circ.  4  mm  longae  ad  basin  circ. 
2  latae,  folia  cum  petiolo  eis  aequilougo  (maxima  a  me  visa)  10"5  cm 
longa,  l'B  lata  sed  usque  3plo  breviora;  foliola  maxima  a  me  visa 
5*5  mm  longa,  3'5  lata,  minima  dimidio  breviora  et  angustiora; 
scapus  5 — 8"5  cm  (cum  racemo)  lougus;  calyx  9  mm  longus,  vexillum 
25  millimetrale.  lamina  circ.  15  mm  longa  et  5"5  supra  basin  lata; 
legumen  cum  rostro  bimillimetrali  circ.  18  mm  longum  3  latum; 
semen  2  mm  longum,  IV3  latum. 

A.humillimus  hcLhitii  A.pygmaeum  Fall.  Astrag.  tab.  44  ceterum 
diversi  revocans  sed  etiam  A.  glaucophyllo  Bunge,  .1.  schizoptero  Boiss., 
A.  sanguinolento  MB.  et  A.  virklissimo  Freyn  et  Sint.  affinis.  Ab  hoc  ul- 
timo differt  jam  legumine  angusto  caulibus  scaposis  calyce  adpresse 
(nee  patentim)  piloso;  ab  A.  sanguinolento  florum  colore,  bracteis 
pedicello  subbrevioribus  (uec  longioribus),  legumine  immaculato 
setuloso  (uec  rubre  maculato  glabro),  dorso  sulcato  (nee  carinato); 
ab  A.  schizoptero  coloi'e  obscure  viridi  (uec  glauco).  calycinis  dentibus 
tubo  4plo  (nee  duplo)  brevioribus,  foliolis  et  leguminibus  nee  glabris 
manifeste  minoribus  etc.;  ab  A.  glaucophyllo  colore  obscure  viridi 
(nee  glauco),  calycis  dentibus  brevibus  (uec  tubo  dimidiam  longiori- 
bus), floribus  minoiibus,  legumiuibus  non  glabris  neque  maculatis 
compressis    (nee    teretiusculis)   dorso  sulcatis  (nee  utrinque  carinatis. 

Astragalus  (LXXV,  JProsellus)  Teinpskyaniis  Freyn 
et  Bornm.  in  Oesterr.  Botan.  Zeitschr.  XL.  p.  442—443.  Occurrit 
saepe  scapo  fere  uullo  et  tum  racemo  subacauli. 

Paphlagonia.  Kastemuni:  in  collibus  prope  Seidler  die 
4.  majo  (Exsicc.  no.  3852);  Tossia:  in  collibus  ad  Kawak  Tscheschme 
versus  Dikmen  die  10.  majo  (Exsicc.  no.  3663  c)  cum  sequente  et 
13.  junio  1892  cum  fructibus  leg.  Sintenis! 


Wächst  mit  der  im  Folgenden  l)esc]iriebenen  Abänderung  ge- 
meinsam, ist  mit  derselben  durch  Uebergänge  verbunden,  zeigt  aber 
auch  nahe  Beziehungen  zu  A.  crassicarpns. 

Subsp.  A.  UiKjiiiculatus  Freyn  (=  A.  Tempski/anus  ß.  canus 
FreynetSint.  in  Sint.  exsicc.)  —  E  radice  valde  squamata  crassa  pluri- 
cipite  laxe  caespitosus  foliosus  scaposus  et,  inflorescentia  excepta. 
ad  presse  canus  subvirescens;  stipulis  triangulari-lanceolatis  acutis 
membranaceis  basi  et  dorso  laxe  et  adpresse  strigulosis  apice  her- 
bacea  viridi  hirsutis;  foliis  breviter  petiolatis  lanceolato-linearibus, 
foliolis  5 — 12jugis  petiolulatis  crassiusculis  ellipticis  vel  fere  orbicu- 
latis  obtusis  vel  subretusis  mucronatis;  scapis  foliis  dimidio  breviori- 
bus  adscendentibus  apice  calvescentibus  racemo  6 — 15  floro  initio 
capitato  tandem  laxiusculo  termiuatis;  bracteis  pedicello  sesqui- 
longioribus  membranaceis  nervo  viridi  percursis  e  basi  ovata  acumi- 
natis;  calycis  adpresse  albo-  et  praesertim  nigro-setu- 
losi  basi  minutissime  bibracteolati  dentibus  subulatis  tubo 
2'/^— 3plo  brevioribus,  corolla  (in  sicco)  rubro-violacea  tandem 
livesrente,  v  ex  Uli  calyce  plus  duplo  longioris  lamina  e  basi  ob- 
longo-ovata  super ue  manifeste  et  abrupte  attenuata 
retuso-biloba  alas  carina  parum  longiores  tertia  parte 
super  ante;  leguminibus  bilocularibus  sub  16ovulatis  sed  vix 
8 spermis  crassis  erecto  ])atentibus  conniventibus  densius- 
cule  hirsutis  e  basi  angustiore  incurvatis  clavatis  latitu- 
dine  sua  3plo  longioribus  quasi  unguiculatis  rostro  valido  in- 
curvo  pungeute  abrupte  terminatis,  dorso  rotundatis  ventre 
carinatis;  seminibus  (fere  maturis)  reniformibus  nigricantibus. 
7\ .  Majo. 

Paphlagoniae  ad  Tossia:  in  collibus  nudis  ad  Kawak- 
Tscheschme  die  10.  majo  (flor.)  et  7.  junio  (ruct.)  1892  leg.  S in- 
ten is!  (Exsicc.  no.  36G3). 

Dimensiones:  Stipularum  pars  libera  circ.  6  mm  longa  ad 
basiu  2"5  lata ;  folia  maxima  cum  petiolo  eorum  dimidiam  aequante 
circ.  9  cm  longa  et  1*5  lata,  minima  (paucijuga)  4  longa  et  centi- 
metrum  lata;  foliola  majora  saepe  9  mm  longae  vel  subbreviora 
ad  medium  ö'/.  lata,  minima  3*5  longa  1'5  ad  medium  lata;  scapi 
cum  racemo  eis  aequilongo  4 — 11  cm  longi,  calyx  12  mm  longus 
3  diamatro;  vexillum  23  mm  longum  (cum  ungue  centimetrali), 
lamina  siipra  medium  circ.  4"o  mm  lata;  legumen  cum  rostro  bi- 
millimetrali  To — 2  cm  longum. 

Diese  Unterart  sieht  wegen  des  dichten  grauen  Induments  dem 
A.  Sprujit'i'i  Heldr.  und  A.  rlarcdus  DC.  besonders  ähnlich,  steht 
aber  in  ihren  übrigen  Merkmalen  dem  .4.  Teinpski/aims  Freyn  et 
Bornm.  so  nahe,  dass  ich  sie  zuerst  für  eine  Varietät  desselben 
gehalten  habe.  Indessen  scheint  es  mir  jetzt  besser,  sie  als  Unterart 
des  letztgenannten  hinzustellen.  Nahe  verwandt  ist  sie  auch  mit 
der  folüeiid  beschriebenen  Unterart: 


64 

Subsp.  Astragalus  rrassk-arpus  Freyn  et  Sint.  Valde 
affinis  A.  Tempski/ano  et  prasertim  A.  luiijuiculato  Freyn  et  Sint. 
a  quibus  manifeste  sed  pariim  diversus  leguminibus  crassis  fere 
semicircularibus.  Habitus  et  caracteres  ceteri  omnino  A.  uw^ni- 
culati 

Paplilagonia  ad  Tossia:  in  pinetis  ad  Schakylar  die  16.  julio 
1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  3663b). 

Astragalus  (LXXK  Prosei  ins)  acrocarpus  Freyn  et 
Sint.  El  radice  pluricipite  scaposus  laxe  caespitosus,  a dp r esse 
serieeo-canescens,  foliosus,  stipulis  e  basi  lata  triangulari-lan- 
ceolatis  dense  canis,  foliis  longe  petiolatis  iate  linearibiis,  foliolis 
remotiusculis  4 — 7  jugis  brevissime  petioliilatis  fere  sessilibus,  oblougo 
ellipticis  vel  ellipticis  acutiusculis ;  scapis  folia  adaequautibus  erectis, 
racerao  miiltifloro  elongato  densiusculo  tandem  laxo  termiuatis; 
bracteis  membranaceis  triangulari-lanceolatis  hirsutis  pedicellum  ae- 
quantibus,  c a  1  y c i s  adpresse  albo  strigulosi  albicantis  basi 
minutissime  bibracteolati  dentibus  tubi  dimidiam  fere 
aequantibus,  corolla  atropurpurea  calyce  diiplo  fere  lon- 
giore,  vexilli  siibrecurvi  lamina  e  basi  ovata  abrupte  oblouga  sub- 
retusa,  alas  carinam  longiores  V*  superante;  leguminibus  bilocu- 
laribus  crassis  in  pedunculo  dem  um  arcte  recurvo  pen- 
dulis  adpresse  canis  fuscescentibus  vel  breviter  cylindricis  calyce 
duplo  latidudine  sua  2'/.,  plo  longioribus  rectis,  vel  in  eadem  spe- 
cimine  breviter  obovatis  calyce  paulo  longioribus  —  in  rostrum 
subulatum  validum  rectum  pungentem  abrupte  angustatis,  dorso 
(sutura)  laevissime  sulcatis  vel  obtusis,  V e n t r e  argute  carinatis; 
seminibus  oblique  reniformibus  nigricantibus.   2^.  Juuio. 

Paplilagonia e  Tossia:  in  declivibus  ad  Giaur  tscbai  dere  die 
36.  junio  (flor.)  et  5  julio  1892  (fruct.)  leg.  Sintenis!  (Exsicc. 
no.  4485). 

Dimensiones:  Stipularum  pars  libera  7  mm  longa,  ad 
basin  3*5  lata;  folia  majora  (speciminum  altiorum)  22  cm  longa 
petiolo  lOceutimetrali  incluso  3*5  lata,  minora  (in  speciminibus 
minoribus)  8  cm  tantum  longa  22  lata.  Foliola  22  mm  longa  ad 
medium  11  lata  et  dimidio  minora:  scapus  cum  racemo  10  centi- 
metrali  15 — 40  cm  altus;  calyx  12  mm  longus,  supra  basin  3"5 
latus;  vexillum  20  millimetrale,  carina  15  mm  longa  alae  17  longae; 
legumen  cum  rostro  4millimetrali  usque  20  mm  longum,  7  latum, 
6  crassum  vel  triente  brevius  et  angustius;  semina  fere  matura 
2"5  mm  longa,  2  lata. 

Species  ex  grege  difficillimo  A.  atropurpurci  Boiss.  quo  indu- 
mento  et  florum  colore  congruit  et  florendi  tempore  aegre  discer- 
nenda.  Sed  legumina  optime  alienae  rectae,  duplo  crassiores  et  co- 
riaceae  (nee  papyraceae).  Magis  affinis  nostra  videtur  A.  nudeifero 
Boiss.,  floribus  brevibus,  calycinis  dentibus  brevissimis,  legumine 
brevlore  sed  latiore  utrinque  carinato  diverso. 


C5 

Astrff  ff  f  litis     (LXXFfl.     Cystode.s)     paplddfßonwns 

Freyn  et  Sint.  Adpresse  canus  basi  fructicosus  ereetiis  strictus 
vix  adscendens,  ramis  heibaceis,  stipulis  parvis  heibaceis  triaiigulari 
lauceolatis  adpresse  hirsutis  petiolo  brevi  superatis;  foliolis  4-jutris 
linearibus  saepe  angiistissimis,  virentibus  pube  sparsa  adpressissima 
obsitis  obtusis  mucronulatis,  pediinciilis  longissimis  rigidis  adpresse 
birtis;  floribiis  10 — 12  brevissime  pedicellatis  breviter  racemosis 
subcapitatis,  bracteis  linearibus  pedicello  albo  nigroque  hirti  plus 
duplo  lougioribus,  calycis  tubulosi  t andern  rupti  sed  vix 
inflati  tubi  dense  adpresse  albo  et  sparsin  nigro  hirti  quartam 
partem  attingentibus,  calycis  dentibus  subflexuosis  tubo 
4 — 5plo  brevioribus  subulatis  dense  nigrohirtis;  corolla 
livida  glabra  vexillo  ex  ungue  brevi  obovato-oblougo  obtuso  alas 
carina  manifeste  superante  conspicue  longior;  legumiue  (immaturo, 
sed  ut  videtur  bene  evoluto)  transvei'se  reticulati  parce  adpresse  hirti 
b i  1 0 c u  1  a r i  d o r s o  ob  s u t u r a m  1  e v i t e r  c a r i n a t a m  et  m a r- 
ginibus  elevatis  bisulcato  ventre  carinato  valde  com- 
presso  (au  etiam  maturo?)  linear i  oblongo  sursum  convexo 
in  r  Ost  mm  tenue  breve  abrupte  attenuato.  calyce  plus 
sesqui  longiori.    h .  Junio. 

Paphlagoniaead  Tossia :  in  colli bus prope Kawak-Tscheschme 
die  7.  junio  (Exsicc.  no.  4126,  forma  foliolis  latioribus)  et  ad  Hadschi 
Ahmed  die  17.  junio  1892  (Exsicc.  no.  4126  b,  forma  stenophylla 
cum  fructibus  immaturis)  leg.  Sintenis!  Huc  quoque  spectare 
videtur  Astragalus  perjuvenilis  in  declivibus  prope  Derinös  proveuiens 
et  a  cl.  Sintenisio  sub  no,  3883  distributus. 

Dimension  es:  Caulis  50 — 60  cm  altus;  folia  cum  petiolo 
ceutimetrali  usque  5 — 6  cm,  foliola  20—35  mm  longa  hisce 
3'5 — 1  mm  lata;  pedunculi  cum  racemo  3 ceutimetrali  usque  21cm 
attingentes ;  calyx  cum  dentibus  4 — 5  millimetralibus  15 — 16  mm 
longus,  circ.  4  diametro.  Vexilli  cum  ungue  5 — 6  millimetrali 
20  mm  longi  lamina  su4)ra  medium  (explanata)  8  mm  lata;  alarum 
16  millimetralium  lamina  ungue  subbrevior;  carina  12  mm  longa; 
legumen  cum  rostro  3  millimetrali  20  mm  longum,  5  fere  latum  et 
2  tantum  crassum. 

Ob  calycem  rumpentem  speciem  novam  ad  Cystodes  militare 
niibi  videtur,  ubi  A.  raeJanorepTudo  Boiss.  et  A.  rigklo  Boiss.  Bai. 
tantum  affinis  a  quibus  differt  caudicibus  erectis  (nee  procum])entibu.s) 
calyce  nou  inflato,  calycinis  dentibus  tubo  4 — 5plo  (uec  3  plo)  brevi- 
oribus, corolla  livida  (nee  flava  vel  violacea)  et  leguminil)us  arcuatis 
transverse  reticulatis  sparse  hirtis  (nee  rectis  dense  albo-tomentosis). 
—  Specics  e  Xiphidiarum  grege  jam  calyce  non  luptili  egregie 
differunt. 

Oxytropis  (Euoxytropis)  Slntenisil  Freyn.  Caespitosa 
caulescens  valde  foliata  erecta  vel  subadscendens  dense  patentim 
hirsuta,  stipulis  liberis  ovato-lanceolatis  acuminatis  basi  membranaceis 


66 

u  iiiediü  viridibus  lierbaceis;  foliolis  4  —  9  jugis  foliomm  basa- 
lium  oblongis  obtusis,  caulinomni  linearibus  acutis;  pedunculis 
axillaribus  folio  longioribus  racemis  capitatis  paucifloris 
sublaxis  terminalibus;  bracteis  subiilatis,  infeiis  caly cem  fere 
aequantibus  supeiis  calycino  tiibo  sesqiii  longioribus;  caly  eis 
campanulati  hirsuti  dentibus  flexuosis  subiilatis  tubo  sub- 
longioribus,  corolla  sulfurea  immaculata,  leguminibus  semi- 
bilocularibus  circ.  12sp.ermis  nigricantibus  erectis  hirsutis  oblongo- 
cylindricis,  apiceattenuatis  rostratis  etsubrecurvis,  sutura 
veutrali  sulcatis  dorsali  intus  non  producta  extus  rotundatis ;  semi- 
nibiis  (fere  matuiis)  oblique  obcordatis.  ?|-.  Amedio  jiinio  ad  exeun- 
tem  julium. 

Paphlagoniae  Tossia:  in  glareosis  subalpinis  moutis 
Giaurdagh  die  10.  junii  et  29.  julii  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc. 
no.  4216). 

Dirne nsiones:  Caulis  10 — 20  cm  altiis,  folia  basilaria  cum 
petiolo  eis  subaequilongo  circ.  3*5  cm,  caulina  cum  petiolo  vix  centi- 
metrali  ad  11  cm  longa  vel  subbreviora,  intermedia  basilaribus  sem- 
perlongiora;  foliola  (saepe  alternantia)  in  eodem  folio  ab  basilaribus 
27  mm  longis  et  3'5  latis  ad  apicalia  15  mm  longa  3  lata  sensim  decre- 
scentia;  stipulae  in  caulis  medio  sitae  15  mm  longae  etintrieutem  infe- 
riorem 3  latae,  inferae  latiores  superae  angustiores.  Pedunculi  10  cm 
longi  vel  breviores;  racemus  sub  10  florus  pollicaris,  calyx  siib  14  mm 
longus,  vexillum  15 — 17  longum,  legumen  (fere  maturum)  cum  rostro 
4  millimetrali  22 — 28  mm  longum,  4  crassum;  semina  nigricantia 
fere  2  mm  longa  et  1*5  lata. 

Ab  affini  0.  Pallasii  Pars,  nostra  diflfert  caule  erecto  (nee 
procumbente)  stipulis  longioribus,  pedunculis  folio  longioribus,  racemis 
paucifloris,  bracteis  subiilatis  (nee  lanceolato-linearibus),  calycem  siib- 
aequantibus  (nee  eo  manifeste  brevioribus) ,  calycis  laeiniis  subiilatis 
tubo  sublongioribiis  (nee  lauceolatis  eo  aequilongis),  corolla  sulfurea 
Immaculata  (nee  aurantiaea  maeulata),  ealyoe  parum  (nee  sesqui)  lon- 
giore.  O.  inlosa  DC.  longe  aliena. 

Vicia  narbonueiisis  L.  ß.  lutea  Freyu  et  Sint.  Typo 
differt  corolla  lutea,  carina  ad  apicem  fusca. 

Paphlagoniae  Tossia:  in  campis  ad  Kosen  die  10.  majo 
1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  "3661). 

Goehella  (Sophora)  retieulata  Freyu  et  Sint.  Subpatule 
hirsuta  virens,  caule  gracili  erecto  a  medio  ad  apicem  pyrami- 
datim  ramoso  folioso  infra  medium  jam  florendi  tempore  uudo; 
stipulis  parvis  fuseescentibus  lanceolato-linearibus  hirsutis;  foliis 
teneribus  breviter  petiolatis  erecto  patulis  ambitu  oblongis; 
foliolis  sub  12 jugis  cum  impari,  petiolulatis  pectinatis  saepe 
alternis  a  medio  basin  et  apicem  folii  versus  subdecreseentibus 
tandem  planis  oblongis  obtusissimis  brevissime  mucronulatis  siipra 
demum    glabrescentibns,     subtus    valde    reticulatis;     racemo 


67 

tüiiiiiiiali  foliasiiperaiitebasi  laxiusculo  et  subihteirupto;  floribus  in 
pedicellis  erecto-patulis  bractea  eis  acf|uilonga  fuscata  liiieari  ol)tusa 
suffultis  liori  zontalibus;  calycis  laxo  et  ad  presse  hirsuti 
margiue  tomentosi  deutibus  late  triaiigularibiis  tubo  t'acie  sub- 
qiiadrato  dorso  valde  gibbo  multo  brevioribus;  corolla  alba 
(sicco  sordida)  glabra,  v  e x  i  1 1  o  alis  auriculatis  c  a  r  i  n  a  m  o  b  t u  s i  u  s- 
ciilam  paium  siiperautibus  fere  sesquilongiore.  initio  porrecto  t an- 
dern ab  aliis  petalis  jam  basi  remoto  et  a  uiedio  fere 
semicirculatim  recurvo;  staminibus  liberis  linearibus,  2  superi- 
oribiis  valde  distantibus  et  basi  latiore  albo  villosis,  apice  subulatis 
et  anthcras  capitatas  terentibus;  ovario  lineari  filamento  vix  latiore 
patule  liirsuto;  leguminibus  ignotis.   2t   Exeimte  Aprili.     (Forts,  folgt.) 


Litteratur-Uebersicht. ') 

December  1893. 

Heck  G.  E.V.  Mannagetta.  üeber  die  Formen  des  Türkenl)undes 
(Liliinn  Martarjon).  (Wiener  ilhistr.  Garten-Zeitung,  VIII.  Jahrg. 
11.  Hft.  S.  409—413.)  gr.  8". 

Spieliirten  von  jL.  J\I.  sind :  L.  Lhmeanum  G.  B.,  L.  sanguineo-'purpu- 
reum  G.  B.,  L.  Cattaniae  Vis.,  L.  roseum  G.  B.,  L.  albiflorum  Vok., 
£j.  albuiu  Jenk. 

Cliodat  K.  Monographia  Polygalacearum.  II.  Partie.  (Mem.  de  la 
Sog.  de  pliys.  et  d'bistoire  nat.  de  Geneve.  Tome  XXXI.  II.  Partie.) 
4".  500  pag.,  23  Taf. 

Der  vorliegende  2.  Theil  dieser  Monographie  unifasst  die  Systematik 
der  Gattung.  Im  Folgenden  sei  auszugsweise  die  Systematik  der  öster- 
reichisch-ungarischen  Polygala-Arieu  wiedergegeben. 

Sectio  9.   Chaniaehuxus. 

1.  Polygala  Chamaehuxus  L.  mit  der  Var.  rhodoptera  in  den  Ost- 

alpen. 
Sectio  10.    Orthopolygala. 
Subsectio  14. 

2.  P.    maior   Jacq.    Niederösterreich,    Mähren,    Ungarn,    Galizien, 

Tirol,  Dalmatien  mitiorma  leptopteritChod.  Form:  i.  Bosniaca 
Chod.  Nassich  bei  Oreshaz. 

3.  P.  mdijaris  L. 
I.   Genuina. 

B.    var.    oxyptera.    —    Subvar.    ewwyptera    Rchb.     Mähren-, 
f.  Orientalis  Chod.  Damoclet. 
U.  coniosa. 

ci.  stricta  Chod.  Ungarn,  Schlesien,  Bosnien. 
ß.  Lejeunii  Horb.,    forma  oxysepala  Borb.    Ungarn,  Bosnien, 
Kärnten! 

')  Die  „Litteratur-Uebersicht"  strebt  Vollständigkeit  nur  mit 
Rücksicht  auf  jene  Abhandlungen  an,  die  entweder  in  Oesterreich-Ungarn 
erscheinen  oder  sich  auf  die  Flora  dieses  Gebietes  direct  oder  indirect  be- 
ziehen, ferner  auf  selbstständige  Werke  des  Auslandes.  Zur  Erzielung 
tliunlichster  Vollständigkeit  werden  die  Herren  Autoren  und  Verleger  um 
Einsendung  von  neu  erschienenen  Arbeiten  oder  wenigstens  um  eine  Anzeige 
über  solche  höflichst  ersucht.  Die  Eed. 


68 

S.  Pederiiontana  Pers.  et  Verl.  Südtirol, 
i.  pyramidalis  Chod.  Tirol,  Linz. ') 

4.  P.  Nicaeensis  Risso. 

B.  mediterranea    Chod.    Südtirol.    Croatien,  Dalmatien.   —    var. 
Adriatica  Chod.    Istrien,    Dalmatien,    Friaul.     —     subvar. 
-  Istriensis.    subvar.    speciosa   Kern.    Val  Vestino.   —   forraa 
Tiroliensls  Garda.   forma   Croatica  Chod.  Vellebith. 

5.  jP.  Forojulensis  Kern.  Cimolais. 

6.  P.   Carniolica  Kern.  Julische  Alpen. 

7.  P.   Croatica  Chod.  (=  P.  multicep.-^  Borb.)  Croatien. 

8.  P.  amara,  Jacq.  Niederösterreich,  Salzburg,  Oberösterreich,  Tirol, 

Kärnthen,    Dalmatien    in    den    Subvar.  stenopetala  Borb.    und 
brachyptera  Chod. 

9.  P.  amarella  Cr.  Verbreitet.    —    Var.  vulgatissima.   Niederöster- 

reich, Steiermark. 

10.  P.  microcarpa  Gaud.  Alpen.  Karpathen,  Bosnien. 

11.  P.  «/j)«na  Schreb.  Bosnien,  Ungarn.  —  var.  Ao.?/)z7a  HeufF.  Ungarn. 
Zu  bedauern  ist  die  geringe  Uebersichtlichkeit  der  Gliederung  in  dieser 

von  immenser  Arbeit  zeugenden  Monographie,  die  übrigens  noch  ein  grosses 
Feld  für  floristische  Detailarbeit  zulässt. 

Eichler  B.  und  Kaciborski  M.  Nowe  Gatunki  zielenic  (Kozpraw 
"Wvdziala  matem.-przvrodniczego  Akad.  Umiejetnosci  w  Krakowie, 
Tom.  XXVI.)  gl'.  8"."ll  p.  1  Taf. 

Beschreibungen  neuer  Desmidiaceen.  Diagnosen  lateinisch. 

Formanek  E.  Beitrag  zur  Flora  von  Serbien  und  Bulgarien.  (Verh. 
d.  naturf.  Ver.  in  Brünu.  XXXI.  Bd.)  8'.  29  S. 

Bcarbeilung  der  vom  Vei fasser  1892  auf  einer  Reise  in  den  genannten 
Gebieten  gesammelten  Pflanzen.  Bestimmungen  rühren  zum  Theile  von 
Haläcsy,  Borbäs,  Crepin,  Hackel,  Zimmeter  her. 

Haberlandt  G.  lieber  die  Ernährung  der  Keimlinge  und  die  Be- 
deutung des  Endosperms  bei  viviparen  Mangrovepflanzeu.  (Annal. 
d.  Jard.  bot.  de  Buitenzorg.  XII.  p.  91  —  116.)  gr.  8^  3  Taf. 

Palla  E.  Beitrag  zur  Kenntniss  des  Baues  des  Cvauophyceen-Proto- 
plasts.  (Pringsheim's  Jahrb.  XXV.  Hft.  4.)  8".  52 'S.  2  Taf. 

Der  Protoplast  der  Cyanophyceeu  zeigt  stets  eine  DiiFerenzirung  in 
einen  farblosen  „Centralkörper"  und  in  das  gefärbte  Chromatophor.  Den 
Farbstoff'en  gegenüber  verhält  sich  der  Centralkörper  wie  ein  Zellkern  odt-r 
ein  Aleuronkorn.  er  findet  sich  bei  Gloeotrichia  Pisum  in  der  Mehrzahl, 
sonst  in  der  Einzahl.  Das  Chromatophor  dürfte  Wabenbau  besitzen,  der 
Favbstofi"  ist  an  kbiue  Trägtr  gebunden.  Vacuolen  sind  häufig,  überdies 
finden  sich  ausserhalb  des  Ccntralkörpers  Cyanophycinkörner  und  Schleim- 
kugeln. —  Erörteiungen  über  das  Wesen  des  Centialkörpers  und  dessen 
Beziehungen  zum  Zellkern. 

Pohl  J.  Zur  Pharmakognosie  der  ümbelliferenwurzel.  (Lotos,  N.  F. 
XIV.  Bd.  S.  89—98.)  8".  3  Taf. 

lieinitzer  Fr.  Ueber  Ermüdungsstoife  der  Pflanzen.  (Berichte  der 
deutsch,  botan.  Gesellsch.  XL  Hft.  9.  S.  531—537.)  8". 


')  Ist  wohl  Druckfehler  und  soll  Lienz  heissen! 


69 

Schwalb  K.  J.  Mycologische  Studien  im  Böhmerwalde.  (Lotos. 
N.  F.  XIV.  Bd.  S.  175-192.)  8'\  3  Abb. 

Aufzählung  der  um  Ober-Stankau,  Czachrau,  Depoldowitz,  Drsclienitz, 
Neuern,  Hammern,  Eisenstein,  Gutwas^er.  WinteiLerg,  Aussergefild.  Kuscli- 
warda,  OLer-Moldau,  Höriz  im  Biihnierwalde  gesammelten  IJasidiomyceten 
und  grösseren  Ascomyceten.  Neue  Arten:  Pleurotus  elegavtins  Schlb,  Tela- 
monla  sp.,  Inolnma  lüaceum  Schlb.,  Inocybe  graveolens  Schlb..  Tricholoma 
»uhtomentosum  Schlb.,  liussula  sp.,  Lactarius  cyanescens  Sclilb.,  Collybia 
alutacea  Schlb.,  Boletus  suspectus  Schlb. 

Velenovsky  J.  Dritter  Nachtrag  zur  Flora  vou  Bulgarien.  (Sitzungs- 
ber.  d.  k.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wissensch,  Mathem. -naturw.  Cl. 
1893.)  8^  72  S. 

Ein  reicher  Beitrag  zur  Landesflora  mit  124  für  diese  neuen  Arten 
Neu  beschrieben  werden:  Ranunculus  Freynianus  Vel.,  Papaver  Rhodo- 
peum  Vel..  Hypecoum  Ponticum  Vel.,  Hesperis  desertorum  Vel.,  Alyssum 
Reiseri  Vel.,  A.  Ponticum  Vel.,  Capsella  Thracica  Vel.,  Dianthus  Stri- 
brnyi  Vel.,  D.  Vandasü  Vel.,  Genista  Rhodopea  Vel.,  Medicago  Rhodopea 
Vel.,  Astragalus  Vandasü  Vel.,  Poterium  Rhodopeum  Vel.,  Chaerophyllum 
Balcanicum  Vel.,  Galiv.m  Rhodopeum  Vel.,  Valerianella  Bulgarica  Vel., 
V.  Pontica  Vel.,  Scorzonera  Rumelica  Vel.,  Anchusa  JSloesiaca  Vel.,  Litho- 
spermum  glandulosum  Vel.,  31yosotis  JSl acedonica  Vel.  et  Charr.,  21.  Rho- 
dopea Vel.,  Cynoglossum  rotatum  Vel.,  Veronica  Thracica  Vel.,  V.  surcu- 
losa  Vel.,  V.  Pontica  Vel.,  Quemis  Rhodopea  Vel.,  Polygonatum  Skor- 
pilii  Vel.,  Fritillaria  Stribrnyi  Vel.,  Ornithogalum  Aseni  Vel.,  Tulipa  Bai- 
canica  Vel.,  Merendera  Rhodopea  Vel.,  Carex  Sismani  Vel.,  Brachy- 
podium  Ponticum  Vel. 

Wiesner  J.  Ueber  ombrophile  und  ombrophobe  Pflanzenorgane. 
(Sitzungsber.  d.  Akad.  d.  Wissensch.  Wien.  Mathem.- naturw.  Cl. 
1893.)  8".  19  S.  —  M.  —-40. 

Willkomm  M.  Supplementum  Prodromi  florae  Hispanicae  sive 
enumeratio  et  descriptio  omn.  plantarum  inde  ab  anno  1862  us- 
que  ad  ann.  1893  in  Hispania  detectarum  etc.  Stuttgart  (Schweizer- 
bart). 8".  370  p.  —  20  M. 

Verfasser  hat  sich  ein  grosses  Verdienst  dadurch  erworben,  dass  er 
sein  berühmtes  Werk  „Prodromus  Fl.  Hisp.  etc."  durch  das  vorliegende 
Supplementum  ergänzte.  Dadurch  gehört  Spanien  zu  den  europäischen 
Ländern,  deren  Flora  uns  durch  vortreffliche  Floren  bekannt  ist,  und  über- 
trifft diesbezüglich  so  manches  I-and,  deren  Erforschung  weniger  Schwierig- 
keiten bereiten  würde.  In  der  Sorgfalt  und  Gründlichkeit  der  Ausarbeitung 
reiht  sich  das  Supplementum  würdig  dem  Hauptwerke  an  und  beweist 
damit,  dass  der  Verfasser  trotz  seiner  Bemerkung  in  der  Einleitung  „scri- 
bebam  Pragae  aetatis  meae  anno  septuagesimo  tertio"  in  voller  Kraft  und 
Frische  seiner  Wissenschaft  lebt.  —  Durch  das  Supplementum  erhalten 
die  Kenntnisse  der  spanischen  Flora  einen  Zuwachs  von  18  Gattungen, 
491  Arten  und  493  Varietäten  und  Formen,  so  dass  die  Gesammtzahl  der 
aus  Spanien  bekannten  <;efässpflanzen  sicli  etwa  auf  öo70  Art..n  beläuft. 

Ascherson  P.  Zwei  Xachtsohatten arten  des  nordamerikanischen 
Prairiegebietes  als  Adventivpflanzen  in  Europa.  (Naturwissensch. 
Wochenschr.  IX.  Bd.  Nr.  2.)  4'\  G  S.  1  Abb. 

Atkinson  Geo.  F.  The  extent  of  the  Annulus  and  tbe  function  of 


70 

the  different  Parts   of  tlie  Spoiangium  of  ferns  in  tbe  Dispersion 
of  Spores.  (Bull,  of  the  Torrey  botan.  Club.  XX.  Nr.  11.)  8".  3  p. 

Beckhaus  K.  Flora  von  Westfalen.  Die  in  der  Provinz  Westfalen 
wild  wachsenden  Gefässpflanzen.  Nach  des  Verfassers  Tode  heraus- 
gegeben von  L.  H.  W.  Hasse.  Münster  (Asch endo rft").  16".  1097  S. 
1  Portr.  —  10  M. 

Wenn  der  Verfasser,  dem  es  leider  nicht  vergönnt  war,  das  Erscheinen 
des  vorliegenden  Buches  zu  erleben,  in  der  Einleitung  sagt,  dass  er  mehr 
als  50  Jahre  sich  mit  der  Flora  Westfalens  beschäftigte,  so  glaubt  man 
dies  gerne,  wenn  man  das  Buch  durchgeht;  nicht  bald  ist  eine  Localflora 
mit  solcher  Sorgfalt  und  Vertiefung  ins  Detail  ausgearbeitet  worden,  —  und 
dass  gerade  darin  ein  grosser  Werth  derselben  liegt,  braucht  nicht  erst 
hervorgehoben  zu  werden.  Dass  Verfasser  einen  vollkommen  wissenschaft- 
lichen Standpunkt  bei  seiner  Arbeit  einhielt,  wird  selbst  der  zugeben 
müssen,  der  mit  manchen  Details  nicht  einverstanden  ist.  Das  Buch  enthält 
eine  kurze  i>fianzengeographische  Charakterisirung  des  Gebietes,  eine  Ueber- 
sicht  der  Grenera  nach  dem  Linnö'schen  Systeme  (zum  Zwecke  des  Be- 
stimmens) und  den  sehr  ausführlichen  specielleii  Theil.  Für  jede  Pflanze 
findet  sich  eine  kurze  auf  Autopsie  beruhende  Diagnose,  Erläuterungen  des 
Namens,  eingehende  Behandlung  des  Formenkreises  und  der  Verbreitung. 
Das  Buch  wird  auch  Botanikern  in  anderen  Gebieten  von  grösstem 
Nutzen  sein. 

Cohn  F.  Beiträge  zur  Biologie  der  Pflanzen.  V.  Bd.  3.  (Schluss-) 
Heft.  Breslau  (Kern).   8".  S.  305—432.  10  Taf.  —  0  M. 

Cooke  M.  C.  Handbook  of  British  Hepaticae  containing  descriptions 
and  figures  of  the  indigenous  species  of  Marchanf ia,  Junger- 
mannia,  Riccia,  Anthoceros.  London  (W.  H.  Allen).  8".  302  p. 
7  pl.  —  6  sh. 

Dodel  Arn.  Biologischer  Atlas  der  Botanik.  Series  Iris.  Ausgabe 
für  Hoch-  und  Mittelschulen.  Zürich  (C.  Schmidt).  7  Taf.  — 
40  M. 

Elfstrand  M.  Hieracia  alplna  aus  den  Hochgebirgsgegenden  des 
mittleren  Skandinaviens.  Upsala  (Almquist  &  Wiksell).  8".  69  S. 
3  Tab. 

Eine  sehr  eingehende  gründliche  Studie  über  die  Hieracien  aus  den 
Gruppen  „Alpina  Fr.'  und  „Alpestria  Fr." 

Emmerig  A.  Erklärung  der  gebräuchlichsten  fremden  Pflanzen- 
namen. Donauwörth  (Auer).  8°.  147  S.  —  1  M. 

Eng  1er  A.  Die  natürlichen  Pflanzenfamilien.  Leipzig  (W.  Engel- 
mann). 8".  p.  Liefgr.  Mk.  1-50. 

Liefrg.  97:    Kj  eil  mann  F.  R.    BalJ'siaceae,  Laminariaceae,  Lithnder- 
mataceae,    Cutleriaceae.    Tilofteridaceae,  Fucaceae.    — 
48  S.  109  Einzelbild. 
Liefrg.  98  und  99:  War  bürg  0.:  Flacourtiaceae. 
Gilg  E.:   Turneraceae. 

Harms  H.:   Malefherbiaceae,  Passifloraceae. 
Solms  H.  Graf  zu:   Caricaceae.  —  96  S.  246  Einzel- 
bilder. 


71 

Goebel  K.  Aicliegoniatenstiidien.  5.  Die  Blattbildung  der  Leber- 
moose uml  ihre  biologische  Bedeutung.  (., Flora"  oder  Allg.  botan. 
Zeitg.  1893.  Heft  5.)  8".  36  S.  2  Taf. 

Golenkin  M.  Verzeichniss  der  Arten  der  Gattung  AcanthophyUum 
C.  A.  Mey.  (Acta  horti  Petrop.  XIII.  Nr.  6.  p.  77—87.) 

Kevision    der    ganzen    Gattung,    die    Verfasser    in    6    Tribus    eintheilt, 
welche  19  Arten  umfassen.    Neu  beschrieben  wird  A.  sarawi<chanicum  Gol. 

Harshb erger  John  W.  Malze:  A  Botanical  and  Economic  Study. 
(Contrib.  fr.  the  bot.  Laboratory  of  the  Uuiversity  of  Pennsylvania. 
Vol.  I.  Nr.  2.)  8".  202  S.  4  S. 

Eine  Monographie  des  Maises,    behandelt    denselben    vom    botanischen, 
landwirthschaftlichen  und  geschichtlichen  Standpunkte. 

Jackson  D.  Index  Kewensis  plantarum  phanerogamarimi  nomina 
et  Synonyma  omnium  generum  et  specierum  a  Linnaeo  usque  ad 
annum  1885  complectens  nomine  recepto  auctore  patria  unicuique 
plautae  subjectis.  Fasciculus  II.  Oxford  (1893).  4".  p.  729— 12(38. 
Die  rasche  Aufeinanderfolge  der  Bände  des  Iudex  Kewensis  muss  mit 
grosser  Freude  begrüsst  werden.  Der  vorliegende  2.  Band  reicht  von  Den- 
drobium  bis  Justicia. 

Köhne  E.  Just's  Botanischer  Jahresbericht.  XIX.  Jahrg.  I,  Abth. 
2.  Heft  und  IL  Abth.  1.  Heft.  Berlin  (Borntraeger).  Gr.  8". 
S.  241—448  und  S.  1—304.  —  7  und  10  M. 

Kraus  G.  Geschichte  der  Pflanzeneinführungeu  in  die  botanischen 
Gärten.  Leipzig  (W.  Engelmann).  8".  73  S.  —  3  M. 

Limpricht  K.  G.  Die  Laubmoose.  Kabenhorst's  Kryptogamen- 
flora.  2.  Aufl.  IV.  Bd.  2.  Abth.  23.  Lief.  Leipzig  (E.  Kummer). 
8".  S.  577—640.  Abb.  —  M.  2-40. 

Behandelt    die    Gattungen   Timmia,    Catharinaea,    Oligotrichum,  Pogo- 
natum,  Polytriclmm,  Buxhaumia  (Beginn). 

Lindau  G.  Uebersicht  über  die  bisher  bekannten  Arten  der  Gattung 
Thunhergia.   (Engler's  Botan.  Jahrb.  XVIL  3./4.  Hft.)  8".  12  S. 

—  —  Zur  Systematik  der  Acanthaceen.  (Engler's  Botan.  Jahrb. 
XVIL  1./2.  Hft.)  8".  28  S.  2  Holzschn.  2  Taf. 

Massee  G.  British  fungus  flora:  a  classified  textbook  of  mycology. 
Vol.  IIL  London  (Bell).  8".  508  p.  —  7  sh.  6  d. 

Saporta  G.  de.  Sur  les  rapports  de  l'aucienne  flore  avec  celle  de 
la  region  provenyale  actuelle.  (Bull,  de  la  soc.  bot.  de  France. 
XL.  Sess.  extraord.  p.  X— XXXV.)  8".  3  Tab. 

Sol  ms- La  üb  ach  H.  Ueber  die  in  den  Kalksteinen  des  Kulm  von 
Glätzisch- Falkenberg  in  Schlesien  enthaltenen  Structur  bietenden 
Pflanzenreste.  II.  Abh.  (Botan.  Zeitg.  1893.  Hft.  XIL  S.  197—210.) 

4".  2  Taf 


72 

Tondiiz  A.  Exploracioiies  botanicas  effectuadas  en  la  parte  meridio- 
nal  de  Costa  Kica  por  los  aniios  1891  ä  1892.  San  Jose  de  Costa 
Rica  1893.  kl.  8".  82.  S. 

Tschirch  A.  und  0  est  eile  0.  Anatomischer  Atlas  der  Pharmako- 
gnosie und  Nahrungsmittelkunde.  2.  Lief.  Leipzig  (T.  0.  Weigel's 
Nachf.).  Taf.  6—10  mit  Text.  —  M.  VbO. 

Die    vorliegende    Lieferung    enthält:    Gacao,    Pol.  Sennae,  Ead.  et  Sto- 
lones  liquiritiae,  Gort.  Chinae,  Rad.  Ipecacuanhae. 

Weber  C.  A.  Ueber  die  diluviale  Flora  von  Fahrenkrug  in  Hol- 
stein. (Engler's  Botan.  Jahrb.  XVIII.  Bd.  1./2.  Hft.  Beiblatt.) 
8".  13  S. 

Westermaior  M.  Compendiiim  der  allgemeinen  Botanik  für  Hoch- 
schulen. Freiburg  im  Breisgau  (Herder).  8".  310  S. 


Flora  von  Oesterreich-Ungarn. 


I.  Niederösterreich. 

Referent:  Heinrich  Braun  (Wien). 

(Fortsetzung.') 

Sterlgmatocystis  duhia  (Corda)  Sacc.  Auf  faulendem  Käse 
in  Währing  gezogen.  —  S.  phaeocephala  (Dur.  et  Mant.)  Sacc.  Auf 
faulenden  Stengelgliedern  von  Opuutia  vidiiaris  in  Währing  gezogen. 
—  Ainhlffospormui  Botrytis  Fries.  Auf  fallenden  Pilzen  bei 
Weidlingbach.  —  Ovulavia  Lainli  Fuck.  Auf  lebenden  Blättern 
von  Lamium  purpureum  in  Gärten  von  Währing.  —  Ovularia^ 
AsperifoUi  Sacc.  forma  Symphytl  Bäumler  n.  f.  Auf  etwa 
gebräunten  Flecken  der  Blätter  von  Symphylinn  tuberosum  bei  Erd- 
weiss.  —  Botrytis  cinerea  Pers.  f.  selerotlophlla  (Kl.)  Sacc. 
Syll.  auf  faulenden  Pflanzen.  —  PaeJiyhasiuni  hamatuni  (Bon.) 
Sacc.  Auf  einem  faulenden  Lentinus  bei  Möuichkirchen.  —  Ratmi- 
larla  farliiosa  (Bon.)  Sacc.  Auf  Blättern  von  Sipnphytum 
tuberosum  auf  dem  Gösing.  —  II.  Laitipsaiiae  (Desm.)  Sacc.  Auf 
Blättern  von  Lampsana  communis  in  Gärten  von  Währing.  —  li. 
oreophila  Sacc.  Auf  Blättern  von  Astrantia  major  am  Oehler 
bei  Gutenstein.  —  Tot'ula  JRJiodoflendt'l  Kunze.  Auf  lihododen- 
dron  ferrufjineum  am  Wechsel.  —  Zyf/odesinus  fiiscus  Corda. 
Auf  faulenden  Aestchen  etc.  und  von  demselben  auf  die  umgebende 
Erde  übergreifend;  im  Kobenzlparke  bei  Grinzing  und  in  den 
Wäldern  des  Bisamberges.  —  Campsotrlehinu  bleolor  Ehrenb. 
Auf  dem    alten    Thallus    einer    Usnea    am  Wechsel.    —    Blspora 


•)  Vergl.  Nr.  \,  Sdte  33. 


7S 

Intennedia  Covda.  Auf  feuchtem  JJucbenholze  bei  Neuwalde^g  und 
Dornbacb.  —  S(3oleotrlchiini  ClararkrrtHH  (Desm.)  Sacc.  Häufi<( 
auf  alten  Clavarien  l)ei  Hadersfeld.  —  Heltninthosporiu}n 
inaf'roüffi'pttiii  Gvex.  Auf  morsebeu  Aesten  von  Acer  campester 
in  Scblucbten  des  Dreimarksteines  (bei  Wien).  —  Cercospofa 
JlervAirlaHs  Pass.  (Sacc.)  Auf  Blättern  von  Mercurialis  perennis 
auf  dem  Scbneeberge.  —  Hetrrospoflmn  Beckil  Bäumler  n.  sp. 
In  sebr  dichten  Rasen  auf  faulender  Kürl>isrinde  in  Gärten  von 
Währiug.  —  1f.  OrnitJtof/dll  Klotsch  (Sacc.)  Auf  Blättern  von 
Gagea  stenopetala  auf  dem  Laaerbeige  bei  Wien.  —  Napicladiiuti 
Thalictrl  Bäumler  n,  sp.  In  dichten  Heerden  in  bräunlichen 
Flecken  auf  der  Unterseite  von  ThaUdrum  minus,  auf  dem  eisernen 
Thore  bei-  Baden.  —  Macrosporluin  hetcrotiemiuti  (Desm.) 
Sacc.  Auf  düi-ren  Stengeln  zu  Wäbring.  —  Sarcitiella  hetero- 
spora  Sacc.  Auf  Blättern  von  Prunus  domestka  in  Gärten  von 
Wäbring.  —  Eplcocrum  purpurascenti  P^hrenb.  Auf  dürren 
Maisblättein  in  Gesellschaft  mit  Cladosporium  herbarum  und  Phoma 
oleracea  auf  der  Türkenschanze  in  Wien, 

c)  Flechten  (alle  aus  4). 

Cladonia  rangiferiua  (L.)  Nr.  2342.  Sonnwendstein.  Nephromium 
resupinatum  (L.)  Nr.  2343.  Bodenwiese  am  Schneeberg.  Lecania 
Nyhuideriana  Mass.  Nr.  2345.  Sonntagsberg.  Gyaleda  cupularis 
(Ehrh.)  Nr.  2349.  Schueeberg.  Backiia  muscorum  Sw.  Nr.  2350. 
Lakaboden  am  Schneeberg.  Buellia  parasema  Ach,  var.  saprophlla 
Achar.  Nr.  2353.  Lakaboden  am  Schneeberg,  Opegrapha  scuicola 
Achar.  var.  dolomiüca  Arnold.  Nr.  2354.  Dolomitkalk  bei  Baden. 
Acolium  tv/iUare  Achar.  Nr.  2355.  Alpl  am  Schneeberg.  Micro- 
thelia  analeptoides  Bagl.  et  Carest.  Nr.  2358.  Auf  Daphae  Mezereuin 
am  Schneeberg, 

d)  Moose  (alle  aus  4). 

Brißim  KUiKigraeffil  Schimp.  Nr.  2317.  Auf  feuchtem  Sande 
der  Donau  bei  Wien.  Mniohrywn  carneum  (L.)  Nr,  2321,  In 
Sümpfen  bei  Seitenstetteu,  Bartramia  Oederi  (Grün.)  Nr,  2322, 
Bei  St.  Egyd  am  Neuwald  und  am  Mariahilferberg  bei  Gutenstein. 
Physcomitrium  eurystommn  (Ness.)  Nr.  2324  und  P.  jjyriforine  L. 
Nr.  2325,  feuchter  Sand  der  Donau  bei  Wien.  Ephemerum  cohaerens 
(Hedw.).  Im  feuchten  Sande  der  Donau  bei  Wien.  Riccardia  pini/uis 
(L.)  Nr.  2341.  Purkersdorf  bei  Wien. 

c)  F  a  V  n  e. 

Equisetuui  hiemale  L,  Bei  dem  Dorfe  Baumgarten  und  Mautern 
an  der  Donau,  auf  lehmigen  Boden;  steril  ist  dies  Pflanze  im 
Gebiete  von  Krems  nicht  selten  (13).  E.  limo.svm  L.  Waldsumpf 
(nördl.)    beim    Bahnhofe    lieckawinkel    (17).     E.    nnurimum    Lam.  f. 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  2.  lieft.  18P4.  (J 


74 

serotininn  A.  Br.  Peuzinggrahcii  bei  Kappolteukiicben  (17).  E.  rarie- 
fjatvm  Schleich.  An  einer  qiielligen  kalkhaltigen  Stelle  am  linken 
Donauufer  oberhalb  Markt  Aggsbach :  und  auf  einer  kleinen  Donau- 
insel bei  Mautern  (13).  E.  ramosissimum  Desf.  Zwischen  Dürnstein 
und  Weissenkirchen  in  der  Wachau  (13).  Lycopodiwn  Selago  L.  ß. 
recurvum  Neilr.  Lohnbachfälle  bei  Arbesbach  im  Bez.  Gross-Gerungs, 
Granit  (13). 

B.  Phanerogamen. 

Lemna  polyn^hiza  L.  In  einem  Tümpel  an  der  Weissenkirchner 
Strasse  bei  Himberg,  Bez.  Spitz  (13).  Potamogeton  acuüfolivs  Link. 
Teich  beim  Mandelhof  nächst  Egelsee  im  Bez.  Krems  (13).  Carex 
pulicaris  L.  Feuchte  Wiesen  bei  Rappoltenkirchen  (17).  Carex 
paracloxa  Willd.  Im  Gebiete  der  Flora  von  Krems  nicht  selten, 
auch  auf  Sumpfwiesen  bei  ünterbergern,  Bez.  Mautern,  bei  Hessen- 
dorf nächst  Gansbach  im  Bez.  Melk,  bei  Egelsee.  Bez.  Krems  (13). 
Rhynchospora  alba  Vahl.  Sumpfwiesen  bei  Schönfeld  nächst  Arbes- 
bach  im  Bez.  Gross-Gerungs,  auf  Granit  (13).  Phalaris  cana- 
riensis  L.  Dampfschiflflände  bei  Stein  an  der  Donau  (13). 
Sesleria  caerulea  (L.)  Nr.  2297.  Feuchte  Wiesen  bei  Wr.-Neustadt 
und  Sumpfwiesen  bei  Guttenstein  (4).  Sesleria  varia  (Jacq.)  Nr.  2298. 
Felsen  des  Kaleudeiberges  bei  Mödling  und  Guttenstein  (4).  Stipa 
Grafiana  Stev.,  eine  durch  ihre  robuste  Tracht  auffällige  Form 
massenhaft  auf  Amphibolschiefer-Felsen  oberhalb  Weitenegg  bei 
Melk,  dann  auf  gleichem  Substrat,  aber  selten  bei  Dtirrenstein  an 
der  Donau  (13).  Malaxis  monophyllos  Sw.  Am  Fusse  des  Warten- 
steiner Schlossberges  bei  Gloggnitz  in  moosigen  Wäldern  (16).  Salix 
Wichurae  Pok.  (incanaXpurpurea)  Stockerauer  Au  (15).  Cerastium 
viscosum  L.  Holzschlag  bei  Rappoltenkirchen  (17).  Papaver  duhium  L. 
In  der  Weinbergregion  von  Krems  bis  Spitz  stellenweise  (13).  Arahis 
Thaliana  L.  um  Krems  in  zwei  Modificationen  (13).  Biscutella  laevigata 
var.  asperifolia  Neilr.  Auf  dem  Todtenberg  bei  Rossatz  an  der 
Donau,  Gneiss(13).  jf/i/CTspii^ii^&^'os?^!/!  Waisbeckern.sp.  In  Föhren- 
wäldern bei  Bernstein,  wahrscheinlich  auch  in  Niederösterreich. 
Althaea  officinalis  L.  Herzogbierbaum,  in  allen  Strassengräben 
häufig  (15).  Euphorbia  angulata  Jacq.  rc  typica.  Waldwiesen  bei 
Rappoltenkirchen  (17).  Sedum  Telephium  L.  ß.  purpureum  (L.) 
Zwischen  Rappoltenkirchen  und  Penzing  auf  Feldern.  Sedum  reflexum 
L.  Achleiten  bei  Weissenkirchen  in  der  Wachau,  auf  Gneiss  (13). 
Saxifraga  Aizooii  Jacq.  auf  einem  Urkalkfelsen  im  Kremsthale 
unterhalb  der  Ruine  Hartenstein  circa  500  m  s.  m.  (13).  Oircaea 
alpina  L.  Abfall  des  Ostrong  gegen  Laimbach  bei  Pöggstall  (13). 
Cotoneaster  vulgctris  Südlicher  Abhang  des  Dobler  bei  Spillern  (15); 
ferner  auf  dem  vom  Bache  links  gelegenen  Anhöhen  des  Mosing- 
grabens  bei  Spitz  an  der  Donau,  auf  Amphibolschiefer  bis  700  m 
sonst     im    Donauthal     nur    in    der    Hügelregion    beobachtet    (13). 


75 

Rosa  canina  (sphaerica)  var.  Ärnberf/ensiff  H.  Braun');  Riede 
Arnberg  bei  Rappoltenkircben  (17).  li.  canina  var.  confidms  H. 
Braun.  Pfaffenberg  bei  Deutscb-Altenbiirg  (12).  R.  caaina  ((jlaucina) 
var.  snbf/laHcuui  H.  Braun. "')  An  Zäunen  bei  Stranzendorf  nächst 
Stockerau  (15).  R.  canina  (insif/nis)  var.  Krainerl  H.  Braun.') 
Pfaffenberg  bei  Deutsch-Altenburg  (12).  R.  (Jumetorum  (hlrtifolia) 
var.  Wicharae  H.  Braun. ')  An  Hecken  bei  Stranzendorf  nächst 
Stockerau  (15).  R.  dumetonnn  f.  juacta  (Paget).  Pfaffenberg  bei 
Deutsch- Altenburg  (12).  R.  collina  Jacq.  Eisenberg  zwischen  Ober- 
hautzenthal  und  Stranzendorf  bei  Stockerau  (15).  R.  ruhigbiosa 
typica.  Pfaffenberg  bei  Deutsch- Altenburg  (12).  Fra-iaria  ne/flecta 
Lindem.  {F.  colliwi  X  elatior  a.)  Strasse  nach  Kogel  nächst  Eappolten- 
kiichen.  Ruhus  sa.rafiiU-  L.  Bei  Stixendorf  nächst  Weinzierl  am 
Wald  im  Bez.  Krems,  auf  Schiefer  (13).  —  It,  GlnsieiisisWa.is- 
becker.  Buschige  Orte  bei  Kodlschlag  nächst  Bernstein  (wahrschein- 
lich auch  in  Niederösterreich)  (8).  —  7?.  ^leot^us  Sabr.  et  Borb. 
in  Termeszettudomänyi  Közlöny  1892.  Oest.  bot.  Zeitschrift  1892, 
p.  2()2.  Eine  Form  der  Hystrixgruppe  mit  oberseits  sternhaarigen 
Blättern,  bei  Neuwaldegg  (14).  R.  he:joidaefoUus  Host.  var.  cyclo- 
cavdiKS  Borb.  et  Sab.  Kehgraben  bei  Gloggnitz  (C.  Richter)  (14). 
—  Alf'himltla  suhcrenata  Buser  n.  sp.  Niederösterreich  (6). 
Vicia  silvatica  L.     Bei    dem  Mosinghof  nächst  Spitz  an  der  Donau, 


')  R.  canina  {sphaerica)  var.  Arnbergensis  H.  Braun.  Rami  floriferi 
ineimes  vel  aculeati,  PoHola  elliptica.  acuta,  ad  basin  angustata,  simpliciter 
acute-serrata.  Styli  subglabri  Receptacula  ovoideo-globosa  vel  globosa.  Discus 
conicus. 

*)  R.  canina  {glaucina)  var.  subfflaucina  H.  Braun.  Rami  aculeati, 
aculeis  aduncis  vel  subrectis.  Petioli  glandulis  stipitatis  praediti.  Foliola 
niediocria  vel  subparva,  elliptica  ad  basin  plerumque  rotundata,  apicem  versus 
breviter  acuta  vel  subobtusa,  supra  viridia,  subtus  glauca,  in  margine 
pluriraum  glanduloso-duplicato-serrata.  Rami  florigeri  breves,  aculeati.  Pedun- 
culi  subbreves.  Receptacula  ovoidea  vel  ovoideo-ellipsoidea.  Sepala  glandulis 
sparsis  praedifa  vel  eglandulosa.  Petala  alba.  Discus  valde  conicus.  Styli 
hispidi.  Von  R.  glaucina  Rip.  durcb  die  an  der  Basis  zugerundeten  Blättchen, 
weniger  drüsig- zusammengesetzte  Seriatur.  die  Griffel,  weisse  Blütben,  von 
R.  squarrosula  J.B.Keller  durch  die  rückwärts  seegrünen  Blättchen,  weissen 
Blüthen,  die  Bestachelung,  und  nach  oben  nicht  autfallend  spitze  Blättchen; 
von  R.  ascita  D^s^gl.  durch  nicht  zugespitzte  Blättchen  und  nicht  derb 
hackige  Bestachelung  verschieden. 

')  R.  canina  {insignis)  var.  Kraitieri  H.  Braun.  Rami  floriferi 
plerumque  inermes.  Petioli  glabri  saepe  rube.-centes.  Foliola  ovoideo-elliptica. 
ad  basin  late  rutundata,  rarius  subattenuata,  saepe  subcoerulescentia,  duplicato- 
serrata.  Pedunculi  8  — 12  mm  longi.  Receptacula  ovoidea  vel  breviter-ovoidea. 
Discus  subconicus,  Styli  hispidi,  superne  leviter  pilosuli  vel  glabri.  Von  der 
sehr  ähnlichen  R.  insignis  Gr.  durch  die  verlängerten  Blüthenstiele  und  die 
oft  bläulichgrüne  bis  seegrüne  Färbung  der  Blättchen  leicht  zu  unter- 
scheiden. 

*)  R.  dumetorum  (hirtifolia)  var.  Wichurae  H.  Braun.  Differt  a 
Rosa  hirtifolia  H.  Braun:  Foliolis  subcoerulescenti-viridibus,  subtus  raagis 
pilosis,  basin  versus  in  petiolura  anguste  rotundatis;  pedicellis  abbreviatis, 
stylis  valde  elongatis  diso  conico;  receptaculis  fructifeiis  parvis. 


76 

Schiefer  c.  600  m  (13).  Theshnn  ramosum  Hayne.  Acker  am  Fuss- 
wege  von  Klein-Wilfersdorf  zum  «goldenen  Brünnl  (bei  Spillein)  (15). 
Onosma  austriacmn  (Beck). ')  Förthof  und  Loiben  bei  Stein,  bei 
Dürnstein  (13).  Mi/osotis  verskolor  ScLlecMend.  Bei  Wolfenreith  im 
Bez.  Mauteru  unter  dem  Getreide  mit  M.  stricta  Link.  (13).  Ver- 
hascum  Juratzkae  Dichtl  (Thapso  X  austriacwn).  Eisbach  bei  Rap- 
poltenkirchen  (17).  V.  hreyninum  G.  Beck  (austriacoX.phlomoides)', 
an  der  Strasse  zwischen  Ort  Otterthal  und  Ort  Schlag!,  Bez.  Neun- 
kirchen(16).  Veronica  austriaca  L.  Auf  sonnigen  Abhängen  oberhalb 
Dürnstein  an  der  Donau.  Amphibolschiefer  (13).  Veronica  Dillenii 
Crantz.  Bei  Dürnstein  in  grosser  Menge;  da  keine  V.  vema  L.  üipica 
auf  dem  classischen  Standorte  Crantz's  wächst,  so  ist  die  Iden- 
tität der  V.  campestris  Schmalhausen  mit  V.  Dillenii  Crantz  nach- 
gewiesen (7).  V.  aijrestis  L.  var.  ti/pica  f.  coerulescens  Wiesbauer. 
Auf  einem  sandigen  Getreidefelde  beim  Haselhofe  zwischen  Stephans- 
hardt  und  Amstetten  (10).  —  J^nphrasia  styviaca  Wettstein, 
Mariahilfei'berg  bei  Gutensteiu  (9).  Galeopsis  speciosa  Mill.  var. 
sulphurea  Jord.  Dorfweg,  Zäune  in  Ober-Olberndorf  (bei  Stockerau) 
(15).  Phlomis  tuberosa  L.  Ackerränder  bei  Zögersdorf  nächst 
Stockerau.  Thymus  lanuf/inosiis  Mill.  var.  laiuitus  Presl.  ')  Brauns- 
berg  bei   Hainburg   (12). 


')  Ueber  Onosma  arenar'ium  var.  austriacum  G.  Beck  schreibt  mir 
Herr  Jul.  Ba  um  gartner,  der  die  Pflanze  in  der  Natur  beobachtete  und  mir 
sehr  schöne  und  zahlreiche  Exemplare  derselben  übersendete,  Folgendes:  „Die 
Beck'sche  Btschreibung  in  der  Verh.  der  k.  k.  zool.  bot.  Gesellschaft  1891. 
XLI.  II.  ist,  auf  Grund  einiger  mangelhafter  Blüthenexemplare  verfasst,  nicht 
ganz  vollkommen.  1.  Die  Wurzel  ist  nicht  immer  2  jährig,  sondern  bei 
Exemplaren  von  Dürnstein  (die  wohl  auch  hieher  gehören)  gewiss  älter, 
vielleicht  ist  daran  das  am  erwähnten  Standorte  sehr  steinige  Terrain 
Ursache.  2.  Die  Pflanze  ist  nicht  zu  selten  auch  einstengelig.  3.  Der  Stengel 
ist  nicht  selten  etwas  verästelt,  doch  wohl  nie  so  stark  wie  beim  typischen 
0.  arenarium.  Unfruchtbare  Blätterbüschel,  wie  sie  dem  O.  arenarium  zu- 
geschrieben werden,  sah  ich  bei  dieser  Form  nicht-,  die  Blumen  sind  schon 
vor  und  bei  dem  Aufblühen  gelb,  und  zwar  mitunter  dunkler  als  während 
der  Blüthe;  die  Früchtchen  sind  vor  der  eigentlichen  Reife  schwarz  und 
glänzend,  vollkommen  reif,  sowie  getrocknet,  werden  sie  mehr  grau.  Schliess- 
lich möchte  ich  noch  bemerken,  dass  ich  der  Deutung  der  Pflanze  als 
geographische  Parallelform  zu  O.  arenarium  (vergl.  1.  c.  p.  642  oben)  nicht 
recht  beistimmen  kann ;  denn  sämmtliche  Hügelpflanzen,  die  das  obere 
Donauthal  mit  dem  Wiener  Becken  gemein  hat,  stimmen  untereinander  wohl 
völlig  überein.  Ich  masse  mir  keinerlei  Urtheil  über  diese  Form  an  und  kann 
nur  soviel  sagen:  dass  ich,  als  ich  O.  arenarium  und  0.  calycinum  im 
Wiener  Gebiete  in  freier  Natur  gesehen  hatte,  die  Förthofer  Pflanze  sogleich 
als  von  Beiden  verschieden  erkannte,  nach  einer  unzulänglichen  Diagnose 
kam  ich  damals  auf  0.  stellulatum,  unter  welchem  Namen  ich  es  auch  an 
Dr.  G.  V.  Beck  sandte." 

")  T.  lanuoinosus  var.  lanatus  Presl.  Differt  a  T.  lanuginosa  typico: 
Foliis  late  ovato-ellipticis   dense  albo-villosis,  saepe  suborbiculario-ovatis. 

(SchlnsB  folgt.) 


77 
II.   Kärnten.') 

Referent:    Dr.  Karl  Fritsch    (Wien). 

Quellen: 

a)  Litteratur. 

1.  HausgirgA.  Süsswasseralgen  aus  Kärnteu.  Jahrbuch  des  uatur- 
historischen  Landesmuseums  von  Kärnten.  22.  Heft  (Klagenfurt 
1893).  S.  161—173. 

2.  Harz  C.  Ueber  zwei  für  Deutschland  neue  Nupha r -  Xrien. 
Botan.  Centralblatt,  Bd.  LIII.  (1893).  S.  224—231. 

3.  Kern  er  A.  v.  Schedae  ad  floram  exsiccatam  Austro-Hunga- 
ricam  VI.  (Wien  1893).-) 

4.  Fächer  D.  Systematische  Aufzählung  der  in  Kärnten  wild- 
wachsenden Gefässpflanzen.  II.  Nachtrag.  Jahrb.  des  Landes- 
museums (siehe  Nr.  1).  S.  25 — 100. 

5.  Fächer  D.  üeber  Verbreitung  der  Galinsoga  parviflova  Cav. 
Carinthia  1893.  S.  91. 

6.  Siegfried  H.  Exsiccatae  Fotentillarum  spontanearum  culta- 
rumque. 

7.  Wettstein  R.  v.  Untersuchungen  über  Fflanzen  der  öster- 
reichisch-ungarischen Monarchie.  II.  Die  Arten  der  Gattung 
Euplirasia.  Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1893. 

8.  Wiesbaur  J.  Wo  wächst  echter  Ackerehrenpreis?  Mitth.  d.  Sect. 
f.  Naturk.  des  Oe.  T.  C.  1893,  Nr.  6. 

9.  Zwanziger  G.  Das  Franzosen-  oder  Teufelskraut  {Galimoga 
parviflora  Cav.)  und  dessen  Einschleppung  in  Kärnten.  Carin- 
thia 1892.  S.  198—200. 

10.  Zwanziger  G.    Die  Verbreitung  der  Gattung  Viola  L.,    Veil- 
chen, in  Kärnten.  Carinthia  1893.  S.  81 — 84. 

b)    Original-Mi  tth ei  langen. 

11.  Von  Herrn  Dechant  D.  Fächer  in  Obervellach. 

12.  Von  Herrn  Dr.  G.  v.  Fern  hoff  er  in  Wien. 

13.  Von  Herrn  Dr.  Karl  Rechinge r  in  Wien. 

14.  Vom  Referenten. 

Pilze. 

Aijaricus  iufuudibulifonnis  Schaeft'.  Wälder  bei  Feistritz  nächst 
Bleiburg  (Kristof).  —  .4.  procerus  Scop.  Grasplätze  bei  Bleiburg 
(Kristof)  (3). 

Algen. 

Quelle  1  enthält  einen  Auszug  aus  Hansgi rg's  „Beiträge 
zur  Kenntuiss  der  Süsswasseralgenflora  von  Kärnten,   Krain,   Istrien 


')  Das  Referat  bezieht  sich  auf  den  Zeitraum  vom  i.  November  1892 
bis   l.  Deceniber  1893. 

■)  Da  die  Nummern  2001  —  2200  flor  Flora  exsiceata  Austro-Hungarica 
schon  im  Jahro  1892  zur  Ausgabe  gelangten  und  daher  schon  im  vorjährigen 
Bericlite  benutzt  wurden,  sind  hier  nur  Nr.  2201  —  2400  pxrerpirt. 


7g 

und  Dalmatieii"  (vergl.  diese  Zeitschrift  1891:  S.  61  und  289).  Da 
dieser  Auszug  als  „erstes  Verzeichniss  kärntnerischer  Süsswasser- 
algen"  bezeichnet  wird,  so  hätten  auch  jene  drei  neuen  Arten, 
welche  Hansgirg  in  einer  anderen  Abhandlung  („üeber  neue  Süss- 
wasser-  und  Meeresalgen  und  Bacterien",  vergl.  diese  Zeitschrift 
1890:  S.  235,  1891:  S.  288-289)  aus  Kärnten  beschrieb  {Oocystis 
pusilla  Hansg.,  Gloeotaenium  Loitleshergenanum  Hansg.  und  Micro- 
coleus  hospita  Hansg.),  Aufnahme  finden  sollen. 

Farnpflanzen. 

(Sämmtlich  aus  Quelle  4  und  neu  für  das  Gebiet;  die  zahl- 
reichen neuen  Standorte  aus  Quelle  4  wurden  nicht  excerpirt). ') 

Poli/podium  vulgare  L.  var.  serratum  Willd.  Obervellach 
(Fächer).  —  Blechnum  SpicantJioih  var.  anomal  (im  (alle  Wedel 
fruchttragend).  St.  Leonhard  bei  Villach  (Gusmus).  —  Aspleiüum 
Adiantum  nigrum  L.  var.  Serpentini  Tausch.  Am  Millstättersee 
(Gusmus).  —  A.  adulterinuiii  Milde.  Zwischen  Kaibl  und  Tarvis 
(Gusmus).  —  Aspidium  Lonrhitis  Sw.  var.  nineronataiti.  Bei 
Kanuing  und  in  den  Karawanken  (Gusmus).  —  A.  lohatum  Kze. 
var.  umbraticum  Kze.  Satnitz,  Loibl  (Zwanziger);  var.  sid)tripin- 
nation  Milde.  Oberhalb  Meiernigg;  var.  platylobum  Milde.  Kapponiger 
Alm  bei  Obervellach  (Fächer).  —  Onodea  Struthiopteris  Hoffm. 
f.  grandidens.  Am  Afritzer  See  (Gusmus). 

Equisetum  palnstre  L.  var.  tenue  Doli.?  Obervellach  (Fächer). 
—  J5J.  variegatum  Schi.  var.  laeve  Milde.  Deutsch- Bleiberg,  Heiligen- 
geist (Mar  Uschi  tz). 

Blüthenpflanzen. 
Neu  für  das  G  ebiet. 

Phalaris  canariensis  L.  Unterdrauburg  (Preissmann);  Klagen- 
furt (Schüttelkopf).  —  Calamagrostis  montana  Host  var.  aculi- 
flora  DC.  Am  Waldwege  von  Semslach  nach  dem  Schlosse  Groppen- 
stein  (Fächer).  —  Sesleria  sphaerocephala  Ard.  f.  leucocephala  DC. 
Hochstadl;  Jauken;  Dobratsch;  Hochobir  (Jabornegg).  —  Avena 
lucida  Bertol.  (?)  Obervellach  (Fächer).  —  Poa  alpina  L.  var. /H- 
^«V/a  Gaud.  Alpenwiesen  am  Stern  (Jabornegg).  —  P.  nemoralis  L. 
var.  alpina  Gren.  et  Godr.  Auf  den  höchsten  Felsen  der  kleinen 
Seleniza  (Jabornegg).  —  Festuca  ot'lna  L.  var.  violacea  f.  car- 
nica  Hackel.  Kalkschiitt  in  der  Seisera  (Jabornegg);  var.  stenantha 
Hackel.  Seeufergerölle  in  Raibl  (Jabornegg).  —  F.  anmdinacea 
Schreb.  var.  strictior  Hackel.  Kaiblthal  (Jabornegg).  —  Bromus 
squarrosus  L.  Föderlach  (Unterkreuter).  —  Lolium  italicum  A.  Br, 
Villach  (Rotky).  (Sämmtlich  4). 


')  Ref.  betont  hier  ganz  besonders,  dass  er  an  den  Bestimmungen  und 
an  der  Nomenclatur  der  Autoren  keine  Kritik  geübt  hat. 

(Schluss  folgt.) 


79 

Botanische  Sammlungen,  Museen,  Institute  etc. 

Neumau   L.  M.,  Wahlstedt  L.  J.,  Murbeck  S.  8.  Violae   Sue- 
ciae  exsiccatae.  Fase.  II.  Lund  1893. 

Diese  Forstsetzimg  des  schönen  Exsiccatenwerkes  iimfasst  Nr.  30 
bis  60.  Von  neuen  Formen  sind  darunter  enthalten:  V.  pumila 
Chaix  X  RivinUina  Kchb.,  V.  pumila  Chaix  ><  rupestris  Schm., 
V.  pumila  X  V.  rup.  ß.  fjlaherriina  Murb.,  O.  elatior  Fr.  X  stag- 
uina  Kit. 

Mit  Beziehung  auf  die  in  der  letzten  Nummer  gebrachte  Notiz 
theilt  uns  Herr  F.  A.  Hazslinsky  in  freundlichster  Weise  mit, 
dass  er  nicht  sein  ganzes  Herbarium  dem  botanischen  Institut  der 
Budapester  Universität  schenkte,  sondern  dass  dasselbe  eine  Dou- 
bletten-Collection  von  14.000  Species  erhielt. 


Botanische  G-esellschaften,  Vereine,  Congresse  etc. 

Der  botanische  Verein  in  München  hielt  am  13.  No- 
vember 1893  eine  Generalversammlung  ab;  in  derselben  wurden 
gewählt  zu  Vorsitzenden:  H artig  und  Goebel,  zu  Schriftführern: 
Tubeuf  und  Solereder.  zum  Cassierer:  Allescher. 

Die  Zeitschrift  „Gartenflora"  erscheint  vom  1,  Jänner  1894 
ab  als  Organ  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  in  den 
preussischen  Staaten  im  Verlage  des  Vereines.  Die  Kedaction  führt 
nach  wie  vor  Prof.  Dr.  L.  Wittmark. 

Unter  der  Leitung  von  Prof.  Dr.  P.  Lach  mann  wird  von 
der  Societe  des  Touristes  du  Dauphine  auf  dem  Chamrousse-Gebirge 
bei  Greuoble  in  der  Höhe  von  1875  m  ein  botanischer  Garten  ein- 
gerichtet. 

Personal-Nachrichten.  • 

Prof.  Dr.  A.  Engler  in  Berlin  ist  durch  Ernennung  zum 
Geheimen  Regierungsrath  ausgezeichnet  worden. 

Geheimrath  Professor  Pringsheim  ist  zum  Kitter  des  Maxi- 
milian-Ordens und  zum  Ehrenmitgliede  der  Petersburger  Akademie 
der  Wissenschaften  ernannt  worden. 

Prof.  Fred.  Delpino  wurde  zum  Professor  der  Botanik  und 
Director  des  botanischen  Gartens  in  Neapel  ernannt. 

Dr.  L.  Kristof,  Lyceal-Director  und  Präsident  der  stcirischen 
Gartenbaugesellschaft,  wurde  durch  Verleihung  des  Franz  Joseph- 
Ordens  ausgezeichnet. 


80 

Dr.  W.  Saposchnikoff  ist  zum  Professor  an  der  Universi- 
tät Tomsk  in  Sibirien  ernannt  worden.  (Botan.  centraibi.) 

Der  Botaniker  Holst  wurde  zum  Beamten  der  deutschen 
Kilimandscharo-Station  ernannt. 

Der  Bacteriologe  Privatdocent  Dr.  A.  Heider  in  Wien,  der 
auch  gelegentlich  einer  kleinasiatischen  Reise  botanische  Aufsamm- 
lungen vornahm,  ist  am  26.  December  gestorben. 

Prof.  Warm  in  g  (Kopenhagen)  und  Director  Treub  (Buiten- 
zorg)  sind  zu  correspondirenden  Mitgliedern  der  Akademie  der 
Wissenschaften  in  München  ernannt  worden. 

Dr.  Migula,  Docent  für  Botanik  und  Bacteriologie  in  Karls- 
ruhe, ist  zum  Professor  ernannt  worden. 

Prof.  Zacharias  in  Strassburg  ist  als  Gustos  an  den  bota- 
nischen Garten  in  Hamburg  berufen  worden. 

J.  K.  Hasskarl,  einstmals  Mitdirector  des  botanischen  (Tar- 
tens  in  Buitenzorg  auf  Java,  hochverdient  durch  die  Einführung  der 
Cinchona- Cultmen  daselbst,  starb  am  5.  Jänner  in  Cleve  in  be- 
scheidenen Verhältnissen,  nachdem  er  seinem  Vaterlande  eine  nach 
Millionen  sich  beziffernde  Jahreseinuahme  verschafft  hatte. 

(MQnchn.  allg.  Ztg.) 

Der  geheime  Kriegsrath  a.  D.,  A.  Winkler,  ist  am  29.  No- 
vember V.  J.  in  Berlin  im  83.  Lebensjahre  gestorben. 

(Englers  liotau.  Jalnb.) 

M.  George  Bennett  starb  in  Sydney  im  Alter  von  90  Jahren. 
Am  16.  November  starb  Alex.  Steph.  Wilson,  67  Jahre  alt. 


Berichtigung:  Durch  ein  Versehen  findet  sich  auf  S.  27  am  Emle  der 
Ahhandlung  von  Prof.  Höhnel  der  Vermerk:  „Schluss  folgt".  Derselbe  hat 
zu  entfallen,  da  die  Abhandlung  vollendet  ist. 


Inhalt  <lpr  Februar-Nummer.  Heiniicher  E.  Neue  Beiträge  zur  Pflanzenteratologie  und 
Blütlienmorphologie.  S.  41.  —  Dietel  P.  Ueber  Uredo  Poh/poilii  (?ers.).  S.  46.  —  L tt tkem üll e r 
Dr.  J.  Die  Poren  der  Desniidiaceengattung  Cloaterinm  Kitzsch.  S.  49.  —Wettstein  Dr.  K.  v. 
Untersuchungen  über  Pflanzen  der  österreichisch-ungarischen  Monarchie.  S.  63.  —  Degen 
Dr.  A.  V.  Bemerkungen  über  einige  orientalische  Pflanzenarten.  S.  60.  —  Freyu  J.  Plantae 
novae  Oi-ientales.  S.  öl.  —  Litteratur-Uebersicht.  S.  67.  —  Flora  von  Oesterreich-Ungarn.  Braun 
H.  Niederösterreich.  S.  72.  —  F  ritsch  Dr.  Karl.  Kärnten.  S.  77.  —  Botanische  Sammlungen. 
Museen.  Institute  etc.  S.  70.  —  Botanische  Gesellschaften,  Vereine,  Congresse  etc.  S.  79.  — 
Personal-Nachrichten.  S.  79. 

Redacteur:  Prof.  Dr.  R.  v.  Wettstein,  Prag,  Smichow,  Ferdinandsquai  14. 

Verantwortlicher  Redacteur:  Hermann  Manz,  Wien  I.,  Barbaragasse  2. 

Verlag  von  Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


Die  „Oesterreichische  botanische  Zeitschrift"  erscheint  am  Ersten  eines  jeden  Monats 
und  kostet  ganzjährig  16  Mark. 

Exemplare,  die  Irei  durch  die  Post  expedirt  werden  sollen,  sind  mittelst  Postanweisung 
direct  bei  der  Administration  in  Wien   I..  Barbaragasse  2  (Firma  Carl  Gerold  s  Sohn)  zu  pränumeriren. 

Einzelne  Nummern,  soweit  noch  vorräthig,  k  2  Mark. 

Ankündigungen  werden  mit  30  Pfennige  für  die  durchlaufende  Petitzeile  berechnet. 
Zu    herabgesetzten    Preisen    sind    noch    folgende  Jahrgänge   der  Zeitschrift  zu   haben.  11 
und   111  ä  2  Mark,  X-Xll  und  XIV-XXX   k  4  Mark.   XXXl-XLI  ä  10  Mark. 


ut«r'Bcbe  Uachdruckerel  (M.  Sa 


OSTERREICHISCHE 

BOTANISCHE  ZEITSCIIFT. 

Herausgegeben  und  redigirt  von  Dr.  Richard  R.  v.  Wettstein, 

Professor  an  <ler  k.   k.   deutschen   Universität  in   Prag. 


Verlag  von  Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


XLIV.  Jahrgang,  N"  3. 


Wien,  März  1894. 


Lichenologische  Fragmente. 

Von  Dr.  F.  Arnold  (München). 


33. 


Das  von  v.  Wulfen  liinterlassenc  Plechtenberbarium,  welches, 
wie  sich  herausgestellt  hat,  nicht  verloren  gegangen  ist,  sondern  in  den 
Sammlungen  des  botanischen  Museums  der  k.  k.  Universität  Wien  auf- 
bewahrt wird,  Itesteht  noch  aus  7  Fascikeln.  Auf  dem  oberen  Papp- 
deckel eines  jeden  derselben  ist  das  Verzeichniss  der  im  Fascikel 
enthaltenen  Flechten  angegeben  und  diese  sind  der  Reihenfolge  des 
Verzeichnisses  entsprechend  geordnet.  Am  unteren  Rande  eines  jeden 
Bogens  ist  rechts  der  Name  der  Flechte  angeführt,  während  nach 
links  da  und  dort  der  Standort  oder  sonst  eine  kurze  Bemerkung 
beigesetzt  ist.  Die  überwiegende  Mehrzahl  der  Exemplare  liegt  oifen 
in  den  Bügen  und  verhältnissmässig  wenige  Flechten  sind  in  Papier- 
kapseln eingeschlossen.  —  So  die  äusserliche  Beschaffenheit  des 
Herbars. 

Steinflechten  fehlen.  Wahrscheinlich  hat  v,  Wulfen  derartige 
Flechten  auf  andere  Art  aufbewahrt. 

Die  Mehrzahl  der  Flechten  wurde  von  v.  Wulfen  in  der  Um- 
gebung von  Klagenfurt  gesammelt.  Die  Ausbeute  in  den  Alpen  war 
nicht  l)edeutend.  Von  den  Reisen  nach  Belgien  und  Holland  wurden 
nur  sehr  wenige  Lichenen  mitgebracht.  Auffallend  gering  ist  die 
Zahl  der  von  anderen  Botanikern  (Braun,  Froelich,  Sehr  ade  r, 
S  c  h  r  e  b  e  r)  mitgetheilten  Flechten. 

Aus  dem  Briefwechsel  mit  Sehr  eher  ist  ersichtlich,  dass 
v.  Wulfen  sich  während  vieler  Jahre  mit  dem  Studium  der 
Lichenen  befasste.  Im  Jahre  1783  machte  er  mit  zwei  ehemaligen 
Scliülern  (Siegmund  von  Hohenwartli  und  Josef  Türk)  ein  lange 
botanische  Reise  und  bemerkt  im  Briefe  vom  17.  Januar  1784: 
..Nun  wieder  ein  Granit-,  nun  wieder  ein  Kalkgebirge  erstiegen  — 
welche    Fische,    was   für   Muscheln,    Stein-    und   Erzarten.  Pflanzen, 

Oesterr.  botan.  Zcitgchrift.  ;!.  Uefl.   1894.  7 


82 

Gcwürmer  und  Flechten!"  —  Inhaltlich  des  Briefes  ans  Lüttich 
vom  6.  August  1787  hatte  v.  Wulfen  auf  dem  Eadstädter  Tauern 
seltene  Li  ebenes  gesammelt.  Im  Briefe  vom  23.  Februar  1799  ist 
bemerkt,  dass  an  Sehr  eher  für  lioth  ein  kleines  Päckchen  mit 
etlichen  100  Kryptogamen  mitgegeben  wurde.  Brief  vom  1.  Juni  1799: 
„Die  unglückselige  Kryptogamie  hat  mir  nun  etliche  Jahre  ganz 
geraubt.  Ich  glaube,  wohl  reicher  als  je  ein  anderer  österreichischer 
Botaniker  an  kryptogamischen  Gewächsen  zu  sein."  Wenn  nun 
gleichwohl  das  Herbarium  nicht  so  reichhaltig  erscheint,  als  nach 
solchen  Bemerkungen  zu  vermuthen  ist,  so  kann  der  Giund  darin 
liegen,  dass  Wulfen  die  um  Klagenfurt  vorkommenden  Flechten 
stets  zur  Hand  hatte  und  daher  eine  l)esondere  Aufl^ewahrung  nicht 
für  nöthig  hielt. 

In  den  an  Sehr  eher  gerichteten  Briefen  sind  öfters  kritische 
Erläuterungen  über  Flechten  enthalten.  Da  sie  jedoch  für  die  Gegen- 
wart kein  Interesse  mehr  bieten  und  im  Wesentlichen  in  den 
„Winterbehistigungen",  sowie  in  Jacq.  Collect,  enthalten  sind,  so 
kann  auf  deren  AViedergabe  hier  verzichtet  werden. 

Die  Fortsetzung  der  Collectanea,  von  welchen  der  unvollendete 
fünfte  Band  im  Jahre  1796  erschien,  scheiterte  an  den  ungünstigen 
Zeitverhältnissen.  Brief  vom  25.  Januar  1795:  „Nur  erst  vor  wenig 
Tagen  schrieb  mir  endlich  nach  2—3  Jahren  ganz  kurz  Jacquin, 
indem  er  mir  endlich  meine  wegen  seiner  amerikanischen  Pflanzen 
nicht  gestochenen  Salices,  Fucos  und  Lichenes  zurückschickte  und 
die  ich  vielleicht  Ihnen  einschicken  werde;  er  sagt:  deux  de 
mes  debiteurs  ont  ete  guillotine.  Buchhändler  K.  von  Strassburg 
musste  fliehen;  1'  Archeveque  de  V.  a  ete  pendu."  Brief  vom 
7.  Juni  1795:  „es  ist  entschieden,  dass  die  Collectanea  nicht  mehr 
fortgesetzt  werden".  — Einige  Abbildungen,  welche  v.  Wulfen  von 
Helling  anfertigen  liess  (vergl.  Arn.  Tirol  XXII.  p.  85),  verdienen 
noch  heutzutage  veröffentlicht  zu  werden. 

Die  oben  erwähnten  Aufschriften  auf  den  7  Fascikeln  hissen 
erkennen,  dass  v.  Wulfen  die  Flechten  nicht  willkürlich  eingelegt, 
sondern  sich  ein  für  die  damalige  Zeit  nicht  zu  unterschätzendes 
System  entworfen  hat.  Im  Hinblick  auf  v.  Krempelhub  er,  <ie- 
schichte  II  p.  III,  darf  dasselbe  hier  wohl  Beachtung  finden.  Der 
Inhalt  des  Herbariums  kann  allerdings  nicht  nach  den  Anforderungen 
der  Gegenwart  beurtheilt  werden,  dürfte  jedoch  für  eine  kurze  Be- 
sprechung deshalb  geeignet  sein,  weil  er  über  die  ältere  Lichenologic 
Aufschlüsse  gibt  und  einen  Beitrag  zur  Flora  norica  bildet.  Die 
Originale,  nach  welchen  v.  Wulfen  die  Abbildungen,  besonders  in 
Jacq.  Collect,  anfertigen  liess,  sind  in  den  7  Fascikeln  des  Her- 
bariums nicht  vorhanden  und  dürften  als  verloren  gelten. 


83 


I.  Lwhenes  Filanientosl. 


1.'  Plicahuf, 

2.  b'irbatus, 

3.  jiifxitus, 

4.  hiitatus, 
•).  bicolor, 


6.  reticulatus, 

7.  pubescens, 

8.  chalybeiformis, 

9.  hirlus, 

10.  divaricatus. 


i\.  vulpinus, 

12.  trichodes, 

13.  melanoceroii, 

14.  ßoridris, 

15.  radiciformis. 


Die  vier  Flechten  pUcatm,  harhatus,  hirtus  und  ßoridus  sind 
üsnea  harhata  L. 

1.  plicatKS  ist  die  planta  pendula  f.  dasopor/a  Acli.,  einige 
sterile  und  ein  fructificirendes  Exemplar.  Von  der  „Kühweger,  vulgo 
Kübegger  Alpe"  ist  die  Flechte  steril  und  mit  Alectoria  cana  Ach., 
welche  das  Papier  bräunlich  färbte,  vorhanden. 

2.  harhatus:  auch  diese  Flechte  ist  vorwiegend  sterile  f.  dasopotfa. 
Beigemengt  ist  f.  ÄiV/a.  In  einem  der  vier,  die  Pflanze  enthaltenden 
Papierbögen  liegt  sterile  f.  ßorida  L.  (pl.  vulgaris,  erecta  nee  pendula). 
Standorte  sind  nicht  angegeben. 

9.  hirtus:  die  Mehrzahl  der  Exemplare  gehört  zu  f.  hirta; 
daneben  befinden  sich  aber  auch  ßorida  und  dasopoga.  Standorts- 
angaben fehlen. 

14.  ßoridus:  die  typische  fruchtende  f.  ßorida,  vom  ülrichs- 
berg  in  Abietibus  et  Fagis.  Ein  grösseres  Exemplar  kann  als  f.  daso- 
poga  c.  ap.  bezeichnet  werden. 

3.  juhatus:  ist  Alect.  jubata  L.  =  proiixa  Ach.,  Stizb.  Alect. 
1892  p.  127,  Nr.  16,  mit  sehr  vereinzelten  weissen  Soredien,  thallo 
tusco,  K  — .  vom  Ulrichsberg.  In  einem  zweiten  Bogen  liegt  dunkel- 
l)raune  Alect.  juhata  ohne  Soredien;  ein  Staudort  ist  nicht  an- 
gegeben. 

8.  chalybeiformis:  vom  Glockner  ist  ein  23  cm  langer,  ver- 
zweigter Ast  der  Alect.  juhata  L.,  thallo  fusco,  esoredioso.  In  einem 
zweiten  Bogen  befindet  sich  gleichfalls  dürftige  Alect.  juhata  thallo  fusco 
et  nigrofusco. 

4.  laiiatus:  a)  eine  Flechte  vom  „Heiligenbluter  Tauern"  darf  als 
Alect.  juhata  f.  chalyheiformis  L.,  Stizb.  Alect.  1892,  p.  129  erachtet 
werden:  planta  nigricans,  fusconigra,  nitida,  stricta,  remote  divari- 
cato  ramosa. 

b)  Ein  Lieh,  lanalus  von  der  Iregger  Alpe  ist  Alect.  hicolor 
Ehr.;  c)  eine  ,JIsnea  hicolor.,  von  den  höchsten  Schieferalpen  im 
Zillerthale".  „misit  cl.  Braune",  wozu  Wulfen  noch  bemerkte: 
videtur  mihi  esse  praecise  Lieh,  laaatus  —  ist  ein  Atom  der  Alect. 
hicolor  mit  einem  Thalluslappen  der  ftnhric.  saccatilis  L.  Man  darf 
demnach  annehmen,  dass  Wulfen's  Lieh,  lanatus  eine  Alectoria 
ist.  Ueber  Braune  vergl.  v.  Krempelhub  er  Gesch.  der  Lieh.  L, 
p.  450. 

5.  bicolor:   „auf  dem  Heiligenbluter  Tauern"  ist  sterile  Alect. 


84 

nigricans  Ach.  Das  Papier  der  beiden  Urascblagebögen  ist  dort,  wo 
die  Flechte  liegt,  braun-röthlich  gefärbt. 

12.  triehodes:  ist  Alectoria  sarmentosa  Ach.:  ein  bandlanger  Ast. 
(Vergl.  Arn.  Wulfen  1882,  p.  166). 

13.  melanoceros  in  neun  Bögen  ist  sterile  Alectoria  ochroleuca 
Ehr.;  als  Standorte  sind  bei  einzelnen  Exemplaren  angegeben:  Glockner, 
Pasterzen,  Saualpe,  Landkogel.  Auf  einem  Bogen  lautet  die  Auf- 
schrift: Ehrbarto  et  Hoffmanno  Lieh,  oehroleucus;  Gmelino  partim 
floridus,  partim  subvirescens ;  Hallero  Nr.  l'dQA.ldo.Y  Lieh,  sulphureus 
W.  in  Kömer  Archiv  III.  1805  (vergl.  Arn.  Wulfen  1882,  p.  166), 
ist  im  Herbare  nicht  ausgeschieden. 

6.  retieidatus:  vergl.  Arn.  Wulfen  1882,  p.  150,  Nr.  11;  ein 
kleines  Exemplar:  „Lieh,  retic.,  lanati  varietas?"  lässt  erkennen,  dass 
die  Fleclite  eine  sehr  zarte,  dem  Gesteine  anliegende  Imhriearia  lanata, 
nicht  aber  Ephebe  oder  Sirosiphon  ist;  vielleicht  f.  tenuissima  Ach., 
univ.  p.  616,  Th.  Fries,  Scand.  p.  126.  Die  schwarzen  Flecken  auf 
Jacq.  Collect.  2,  Taf.  13,  f.  6  sind  als  Platysma  fahlunense  zu 
deuten,  welches  beigewachsen  ist. 

7.  pubescens:  die  in  drei  Bögen  vorhandenen  Exemplare  ge- 
hören zu  /.  lanata  L.,  welcher  einzelne  Thalluslappen  von  Plat. 
fahlunense  beigemengt  sind.  Als  Standort  ist  auf  der  Aussenseitc 
eines  Bogens  die  Iregger  Alpe  angegeben.  Ein  „Lieh,  pubeseens,  cum 
scutellis,  nisi  sint  scutellae  Liehenis  fahlwiensis''  ist  eine  alpine, 
compacte  Form  der  Lnbr.  lanata  L.  mit  einzelnen  Apothecien, 
habituell  der  /.  minuseula  Nyl.  etwas  ähnlich ;  ramuli  breves  autem 
laeves  nee  digitato  incisi. 

10.  divarieatus:  ist  Evernia  divaricata  L.  ohne  Angabe  eines 
Standortes. 

11.  vulpinus:  in  neun  Bögen  ist  eine  grössere  Anzahl  steriler 
Evernia  vulpina  L.  enthalten.  Ein  Exemplar  mit  der  Bemerkung 
auf  der  Aussenseite  des  Bogens:  cum  scutellis  in  Larice  et  Cembra, 
Prax,  besitzt  zwei  kleinere  Apothecien  und  ist  die  Arn.  Tirol  XXII, 
p.  85  erwähnte  Flechte. 

15.  radieiformis  ist  ein  Pilz:  Mhizoinorpha  subcortiealis  Pers. 
(Mycelium  des  Agaricus  melleus  Vahl). 


1.  Rangifer, 

2.  undalis, 

3.  subulatu-f, 

4.  furcatus, 

5.  alcicornis, 

6.  ceranoides, 


II.  Z/lchenes  frutlcnlosi, 

7.  digitatus,  |    1.3.  nctdeatus, 

>i.  ijlobifer, 

9.  vermicularis, 

10.  paschalis, 

11.  solstitialis, 

12.  fragilis, 


14.  Botrytes, 

15.  rigidus  seu  tristi.'y, 

16.  Rocella, 

17.  subramosus, 

18.  Madreporaeformis. 


1.    rangifer:    ,,Lich.  rangifer    ubique    in    sylvis    et    retro    m. 
Calvariae"  ist  G.  silvatlca:   a)  pl.  robustior,  sterilis;    b)  nonnihil  ad 


85 

Floerke  D.  L.  157  accedens;  c)  pl.  humilior,  tenuior,  stenlis,  ist 
f.  pumila  ßabb.  Clad.  exs.  t.  37  no.  13,  quae  a  f.  condemata  Fl. 
Comm.  p.  169  sec.  specimina  in  herb.  Floerkei  vix  differt. 

„Lieh,  rangifer  in  sylvis  retro  montem  Calvariae"  ist  C.  silvatica 
myriocarpa  Coein.  Cl.  Belg.  exs.  168,  nämlich  die  der  f.  polycarpia 
Fl.  Comm.  p.  158  analoge  reich  früchtige  Pflanze. 

„Lieh,  rangifer  ex  alpibus  nostris"  ist  0.  süvatiea,  theils  die 
gewöhnliche  sterile  Pflanze  und  theils  die  habituell  an  C.  alpestris  L. 
sich  annähernde  Flechte,  wie  sie  in  Floerke  D.  L.  157,  Coem.  Cl. 
Belg.  155  enthalten  ist. 

„Lieh,  rangifer  sylvestris,  in  sylvis  retro  m.  Calvariae"  ist  C. 
silvatica  und  zwar:  a)  die  gewöhnliche  sterile  Pflanze;  b)  die  schon 
erwähnte  myrioearpa  Coem.  und  c)  eine  plant a  magis  truncata, 
apice  ramorum  spermogoniis  numerosis  obscure  fuscis  con^ita. 

„Lieh,  rangifer  alpestris,  ex  alpibus  nostris"  ist  sterile  C.  silvatica 
und  deren  an  C.  alpestris  sich  annähernde  Form. 

Ein  „Lieh,  rangifer  ex  Grönlandia"  ist  gleichfalls  C  silvatica. 

Die  typische  C.  rangiferina  L.  habe  ich  in  Wulfen's  Herbar  nicht 
gesehen. 

2.  uneialis:  ist  theils  kleine  1—2  cm  hohe,  sterile  C.  uncialis 
\j.  und  theils  die  f.  advnea  Ach. 

3.  .<iid>idatus :  ist  G.  fureata  Huds.;  die  Formen  raeemosa 
Hoff,  mit  f.  squaiuulosa  Schaer.  liegen  neben  steriler  f.  corymbosa  Ach.; 
ein  dabei  befindliches  kleines,  kaum  2  cm  hohes  fJxemplar  erinnert 
einigermassen  an  f.  diehotoma  Fl.  com.  ]).  148,  Arn.  ic.  1283  und 
ist  als  „Liehen  proximus  uncialis,  vix  tarnen  idem,  axillae  videntur 
esse  imperviae"  unter  Nr.  3,  4  auch  in  einem  anderen  Papierbogeu 
enthalten. 

4.  fureatus:  ist  zahlreich  vorhanden  und  umfasst  die  gewöhn- 
lichen Formen  der  C.  fureata  H,  f.  raeemosa  Hoff,  und  squiiinulosii 
Seh.;  hieher  insbesondere  der  „Lieh,  furc,  ex  summo  m.  Calvariae". 
Ein  „Lieh,  furc,  iuter  hypna  in  muro  cingente  sylvam  Ziguln"  ist 
die  f.  .subulafa  L.  Arn.  Jura  Nr.  29;  fere  f.  palamaea  Ach.,  Wainio 
Mon.  Clad.  p.  347.  Zum  lus.  platystelis  Wallr.  S.  p.  97  gehört  der 
„Lieh.  furc.  prope  St.  Mörten". 

5.  alcicornis:  ist  C.  uncialis  L.  f.  adunca  Ach. 

6.  eeranoides:  ein  „Lieh,  eeranoides  Necker''  l)esteht  aus 
Podetien  einer  an  feuchter  oder  sumpfiger  Stelle  gewachsenen  Form 
der  C.  rangiferina  L.  und  hat  ha})ituell  mit  f.  squarrosa  Wallr.  S. 
p.  191,  ic.  Arn.  1356,  einige  Aehnlichkeit. 

7.  digitatus:  der  „Lieh,  digitatiis?"  ist  lediglich  ein  Gemenge 
von  wenigen  Exemplaren  der  C. fureata  f.  raeemosa,  steriler  r*.  rangi- 
formis  Hoff,  und  C  degenerans  Fl.  aplotea. 

8.  globifer:  Exemplare,  von  Wulfen  gesammelt,  sind  nicht  vor- 
handen.   Ein    ,,Lieh.  glohifer  L.    c.    fructif.    auf   dem  Fichtelgebirge 


86 

arboreus!,    quem    in  Suecia   nipestrem   semper    reperi"    scheint   von 
Seh  reber  mitgetheilt  zu  sein  und  ist  Sphaerophoms  coralloides  L. 

9.  vermicularis :  von  dieser  Flechte  liegen  verhältnissmässig 
viele  Exemplare  vor. 

Als  Standorte  sind  bei  einigen  derselben  Glockner,  Basterzeu, 
ex  alpibus  Brax,  Laudberg  et  Leontini  angegeben.  Die  vermeintlich 
fructificirende  Pflanze,  welche  in  Jacq.  Coli.  4,  1790,  p.  251,  vergl. 
Arn.  Wulfen  1882,  p.  147,  beschrieben  wurde,  ist  nicht  erhalten. 
Dagegen  ist  ein  anderes  Exemplar  mit  der  Bemerkung  versehen: 
,^Cladonia  taurica  cum  fructif.;  lecta  die  10.  Septembris  1795  in 
summo  jugo  montis  Schneeberg  (Austriae)  Alpengipfel  dicto".  Es 
ist  augenscheinlich  die  nämliche  Pflanze,  welche  Egger th  im  Juli 
1883  auf  dem  Schneeberg  in  Niederösterreich  gesammelt  und  in 
Arn.  Lieh.  exs.  1028  ausgegeben  hat. 

10.  paschalis:  besteht  aus  zwei  Arten:  1.  Stereocaulon  fomen- 
tosum  Hoff,  „ex  monte  Calvaria.  Klagenfurt"  und  2.  Stereocaulon 
alphium  Laur.  „Basterzen"  (vergl.  Arn.  Wulfen  1882,  p.  161). 

11.  solstitialis :  von  der  „Kübegger  Alpe"  ist  Stereocaulon 
incrustatum  Fl.;  vergl.  Arn.  Wulfen  p.  161,  Arn.  Tirol  XXII.  p.  85. 
Im  Briefe  vom  7.  Christmon.  1792  an  Schreber  schreibt  Wulfen: 
„wenn  Sie  es  für  gut  halten,  denke  ich  jenen  Eichenem,  den  ich 
Ihnen  letztlich  geschickt  habe  mit  der  Anfrage:  an  paschalis  var.? 
malen  zu  lassen  und  unter  einem  neuen  Namen  als  Specie  ab  aliis 
diversum  herauszugeben;  denn  revera  propriam  habet  faciem  et 
nilminus  quam  arbusculam.  uti  verus  Linnaei  paschalis  refert". 

Wulfen  hat  denn  auch  den  L.  solstitialis  abbilden  lassen, 
allein  eine  Veröffentlichung  ist  nicht  erfolgt,  sondern  es  hat  später 
Floerke  in  den  Deutschen  Lieh.  1819,  Nr.  77  die  Pflanze  Stereoc. 
incrustatum  genannt. 

12.  fragilis:  ein  Standort  ist  nicht  angeführt,  doch  lassen  die 
in  3  Bögen  enthaltenen,  im  Habitus  übereinstimmenden  sterilen 
Exemplare  des  Sphaerophorus  fragilis  L.  erkennen,  dass  Wulfen 
sie  von  einer  und  der  nämlichen  alpinen  Localität  mitgenommen  hat. 

13.  aculeatus:  zwei  kleine,  sterile  Exemplare  der  Comic, 
aculeata  bilden  den  „Lieh,  acnleatus  Schreberi,  ex  alpibus". 

14.  hotrytes:  ist  Clad.  hotrytes  Hag. 

15.  rigidus:  als  Standorte  des  in  nur  kleineu  Exemplaren  vor- 
liegenden „Lieh,  rigidus  seu  tristis''  sind  insbesondere  angeführt: 
Malnitzer  und  Heiligenbluter  Tauern.  Pasterzen,  Iwegger  Alpe. 
(Vergl.  Arn.  Wulfen  1882,  p.  146,  160.) 

16.  Roccella:  der  „Licen  Rocella'\  ist  ein  nach  der  Handschrift 
auf  dem  Zettel  keinenfalls  von  Wulfen  gesammeltes  Exemplar 
der  H.  phycopssis  Ach. 

17.  subramosus:  ist  Glad.  furcata  f.  racemosa  Hoff,  und  von 
den  Exemplaren  des  oben  erwähnten  Lieh,  furcatus  nicht  verschieden. 
Ein  kleines  Exemplar   der  Clad.  squamosa  Hoff,  kann    als    blos  zu- 


87 

Fallit?  beigemischt  betrachtet,  werden.  Auf  dem  dabei  befindlichen 
Zettel  ist  bemerkt:  „coralloides  Haller  li>4L  passim  raraosus  tuber- 
cnlis  fuscis,  Dill.  15  f.  20". 

Dagegen  besteht  ein  weiterer  Lieh,  aubramosus  aus  der  näm- 
lichen Varietät  der  G.furcata,  ferner  aus  C  squamosa  f.  phyllocoma 
Eabh.,  Wainio  Monogr.  Clad.  p.  441  :  (podetia  corticata,  squamulosa) 
und  dem  lus.  platystelis  Wallr.  8.  p.  1>7:  (podetiiim  C.  squamosae 
media  parte  dilaceratum,  Stratum  internum  denudatum). 

Ein  der  C.  furcata  aufsitzender  Parasit.  Nesolechla  ?,  ist  nicht 
mehr  bestimmbar. 

18.  madreporaeformis:  vergl.  Arn.  Wulfen  1882,  p.  155,  Im 
Herbarium  sind  nur  wenige  kleine  Stücke  dieser  Art  (Clad.  papillaris 
Ehr.)  vorhanden. 

(rortsi-tzun;;  folgt.) 


Neue  Beiträge   zur  Pflanzenteratologie  und  Blüthen- 

morphologie. 

Von  Prof.  E.  Heinricher  (Innsbruck). 

3.  Stildien  an  den  Blüthen  einiger  Hcroplinlariaceen. 

(Fortsetzung.') 

Gratlola  offidnalis  L.'O 

Für  die  Blüthen  des  Gnadenkrautes  findet  sich  in  den  meisten 
Werken  die  Angabe,  dass  im  Andröceum  das  hinterste  Staubblatt 
spurlos  ausgefallen  sei,  die  paarigen  hinteren  Staubblätter  fertil,  die 
paarigen  vorderen  aber  als  Staminodien  entwickelt  seien.  So  schreibt 
z.  B.  Eichler  S.  211,  Bd.  I.  seiner  Blüthendiagramme  und  gibt 
in  Fig.  119,  c  auch  das  damit  übereinstimmende  Diagramm.  Dem 
entspricht  auch  eine  Abbildung  der  auf  der  Bauchseite  aufgeschnittenen 
und  dann  ausgebreiteten  Blumenkrone  bei  Luerssen^)  und  ebenso 
eine  gleiche  Abbildung  auf  Taf.  XXVIII.  r  in  Berg  undSchmidt's 
„Atlas  der  officinellen  Gewächse". 

Hildebrand')  sagt,  indem  er  auf  die  Abstufung  im  Bau 
des  Andröceums  bei  den  Scrophulariaceen  und  deren  ph^^logenetische 
Bedeutung   hinweist:    „Eine   weitere   Stufe   der   Staubgefässabortion 


')  Vergl.  Nr.  2,  S.  41   flF. 

)  Als  diese  Graiiola  offidnalis  betreffende  Mittheilung  schon  ge- 
schrieben war,  kam  mir  ein  denselben  Gegenstand  behandelnder  Aufsatz  von 
Prof.  P.  Asch  er  so  n  zu.  (Verh.  d.  Botan.  Ver.  der  Provinz  Rrandenburir, 
XXXI.) 

^)  Handbuch  der  systematischen  Botanik,  IL  Bd.,  S.  999. 

\)  F.  Delpino's  weitere  Beobachtungen  über  die  Dichogaraie  im 
Pflanzenreiche,  mit  Zusätzen  und  Illustrationen  von  F.  Hildebrand.  Bot. 
Ztg.  1870,  S.  (JÜO. 


88 

findet  sich  dann  nach  den  rein  didynamischen  Arten  in  denen,  wo, 
wie  bei  Gratiola  officinalis  zwei  Staubgefässe  entwickelt  sind,  neben 
denen  sich  aber  constant  noch  die  Rudimente  der  beiden  anderen 
finden."  Auch  Doli')  gibt  das  Gleiche  an. 

Wettstein  hingegen  sagt  in  seiner  Bearbeitung  der  (ScropAw- 
lariaceae  in  den  natürlichen  Pflanzenfamilien,  S.  75,  von  der  Gattung 
Gratiola:  „Von  den  Staubgeiassen  sind  das  oberste  und  die  beiden 
unteren  staminodial  oder  ganz  fehlend;  im  ersteren  Falle  ist  das 
obere  Staminodium  winzig,  die  unteren  sind  fadenförmig."  Dieser 
Fall  wird  in  Fig.  34,  D  auch  durch  eine  Abbildung  erläutert.  Das 
Diagramm  der  Blüthe  von  Gratiola  auf  S.  44,  Fig.  20,  c  ist  aber 
wie  bei  Eichler  dargestellt. 

Mir  war  das  Auftreten  eines  hinteren  Stamiuodiums  bei 
Gratiola  neu  und  durch  die  Wettstein'sche  Angabe  angeregt, 
Hess  ich  mir,  sobald  Gratiola  o/ßcinalis  im  botanischen  Garten  zur 
Blüthe  kam.  Pflanzen  zur  Untersuchung  kommen. 

Das  Resultat  war,  dass  ich  in  einer  grösseren  Anzahl 
von  Blüthen,  und  zwar  bei  allen  damals  untersuchten, 
das  hintere  Staminodium  entwickelt  fand.  Ja,  es  war  in 
einigen  Fällen  gar  nicht  so  klein,  und  kam  an  Grösse  den  vorderen 
Staminodien  gleich.  Als  ich  aber  Ende  Juli  nochmals  die  Gratiola- 
Pflanzen  aus  dem  botanischen  Garten  untersuchte  (es  war  schon 
nahe  dem  Abschluss  der  Blüthezeit),  fand  sich  in  den 
wieder  in  beträchtlicher  Anzahl  geprüften  Blüthen 
keine  einzige  mit  entwickeltem  hinteren  Staminodium. 

Vor  Allem  interessirt  jetzt  die  Frage,  ob  eine  solche  Dimorphie 
der  Blüthen  bei  Gratiola  vielleicht  Regel  ist;  ob  im  Beginne  des 
Blühens,  zur  Zeit,  da  Baustoffe  in  Fülle  vorhanden  sind,  stets  oder 
doch  häufig,  das  in  Rückbildung  begriifene  hintere  Staubblatt  in 
rudimentärer  Form  noch  erscheint,  während  es  in  den  Blüthen  am 
Ende  der  Blütheperiode,  wo  sich  bereits  eine  Erschöpfung  der  Bau- 
stoffe fühlbar  zu  machen  beginnt,  auch  in  rudimentärer  Form  nicht 
mehr  gebildet  wird?-')')  I^as  müssen  künftige  Beobachtungen  ent- 
scheiden. 


')  Flora  von  Baden,  S.  724. 

'')  Das  wäre  eine  Erscheinung,  der  sich,  in  reichblüthigen  Inflorescenzen 
insbesondere,  manche  andere  an  die  Seite  stellen  lässt.  Hieher  gehört  das 
Auftreten  oligomerer  Blüthen  am  Ende  der  Blüthenperiode.  Bei  Campanula 
pyramidalis  z.  B.  kommen  da  nahezu  regelmässig  tetramere  und  triraere 
Blüthen  zu  Stande.  Hieher  gehören  auch  die  Erscheinungen  bei  dem  Auftreten 
hexaraerer  Blüthen  bei  Digitalis.  Zuerst  kommen  hexamere  Blüthen  zur 
Bildung,  in  denen  nur  das  hintere  mediane  Staubblatt  fehlt.  Dann  folgen 
solche,  wo  beide  medianen  Staubblätter  nicht  zur  Ausbildung  gelangen  und 
eventuell  auch  einer  der  medianen  Kelchabschnitte  abortirt  —  und  endlich 
erscheinen  die  normalen,  pentameren  Blüthen.   Vergl.  S.   44. 

^)  Das  scheint  nach  dem,  was  Ascherson  mittheilt,  nicht  zuzutreflfeu. 
Frülizeilig  (zwischen  '29.  .Tuiii   und  ^.  Juli)   gesammelte  Exemplare  zeigten  au 


89 

Wie  weitere  Uuischau  lehrte,  ist  das  Vorkommen  des  hinteren 
Staminodiiims  bei  Gratlola  allerdings  schon  mehrfach  beobachtet 
worden.  So  enthält  der  erklärende  Text  i\w  Gr(diola-1^h\  in  Berg 
und  Seh midt's  Atlas  bezüglich  des  Andröceums  Folgendes:  Staub- 
gefässe  vier,  sehr  selten  fünf,  die  beiden  oberen,  zu  beiden 
Seiten  der  Oberlippe  stehenden  allein  fruchtbar,  di(^  beiden  unteren 
und  (wenn  fünf)  auch  das  mittelste,  unter  der  Ausrandung  der 
Oberlippe  stehende  steril,  länger  und  dünner  als  jene  etc."'  Haus- 
mann in  seiner  Flora  von  Tirol  (Innsbruck  1852),  Bd.  II,  S.  629 
gibt  in  der  (lattungsdiagnose  an:  „Staubgef  ässe  vier  bis  fünf, 
wovon  nur  2  fruchtbar,  die  übrigen  verkümmert."  ') 

Mir  erscheint  nun  die  Existenz  einer  Gattung  wie  Gratiola, 
in  der  ein  im  Rückgänge  begriffenes  Organ  bald  gebildet  wird,  bald 
fehlt,  ausserordentlich  interessant  und  bisher  vom  phylogenetischen 
Standpunkte  zu  wenig  gewürdigt, 

Oratiola  zeigt  uns  gewissem] assen  noch  den  Werdeprocess, 
wie  eine  abgeleitete  Form  aus  dem  Typus  entsteht,  nicht  nur  als 
Glied  in  der  Beihe  der  übrigen  Scrophulariaceen.  sondern  in  ihrer 
noch  gegenwärtig  häufig  wechselnden  Ausgestaltung  der  Blüthen. 
Und  da,  wie  ich  der  Wettstein'schen  Arbeit  entnehme,  ein  Theil 
der  Gratiola- kriQW.^  wie:  G.  virginiana  L.,  G.  sphaevocarpa  EH., 
G.  Grifßthü  Hock,  und  G.  micrantha  Franch.  et  Sav.  der  Stami- 
uodien  vollständig  entbehrt,  so  ergeben  sich  für  die  Blüthen  der 
Gattung   Gratiola  folgende  drei  verschiedene  Diagramme: 

Fig.  3. 


<?       %         8   ""   "h 


In  Fig.  3.  a  haben  wir  das  vollständig  ausgeführte  Diagramm 
der  Gratiola -Bh'ithe.  wie  solche  bei  G.  ofßcinalis  jedenfalls  am 
häufigsten  gebaut  ist.  Die  beiden  Fig.  l>  und  <•  geben  nur  die  Ver- 
hältnisse im  Andröceum.  In  b  der  bei  G.  ofßcimdis  zweifellos  nicht 
selten  eintiefende  Fall,  wo  infolge  llückschlages  das  hintere  Staub- 
blatt als  Staminodium  ausgebildet  ist.  Ein  Vergleich  der  citirten 
Abbildung  Wettstein 's    sowie  seiner  Angaben  mit  jenen   von  mir 

einer  Localität  das  hintere  Staminodium  ausgebildet,  an  einer  anderen  fehlte 
es  durchaus.    Der    von  mir  beobachtete  Fall,    dass    dieselben   Pflanzen    nach- 
einander Rlüthen  mit  und  dann  solche  ohne  Staminodien  bildeten,  ist  neu. 
')  Weitere  Literaturnachweise  bei  AscherBon  a.  a.  0. 


90 

und  den  voilier  aus  Berg  und  Sclimidt's  Atlas  der  officinellen 
Gewächse  augeführten,  lässt  erkennen,  dass  dieses  Stamiuodium  bald 
in  schwächerer,  bald  in  kräftigerer  Ausgestaltung  er- 
scheint.') Fig.  c  endlich  gibt  gewissermassen  ein  Zukunftsbild, 
jene  Ausgestaltung  des  Audröceiims,  der  Gratiola  ofßcinalis  offen- 
kundig zustrebt,')  welche  aber  andere  Arten,  wie  oben  angeführt, 
thatsächlich  schon  erreicht  haben. 


Es  mögen  nun  noch  kurz  einige  Daten  i\ber  Rückschlags- 
bildungen in  Scrophulariaceen-Blüthen,  welche  in  der  benützten 
Literatur  vorgefunden  wurden,  Erwähnung  finden.  Schon  angeführt 
wurden  mehrere  Beobachtungen  an  Pentastemon-AYten,  wo  Rück- 
schlagsbildungen offenbar  nicht  zu  den  Seltenheiten  gehören.  Weiters 
sind  mii'  zwei  diesbezügliche  Arbeiten  über  Scrophularia  nodosa  L. 
bekannt.  H.  Müller")  berichtet,  dass  bei  S.  nodosa  das  schuppeu- 
förmige  Staminodium  „gar  nicht  selten  einen  mehr  oder  weniger 
vollständigen  Rückfall  in  die  ursprüngliche  Form  darbietet"  und 
stellt  diesen  Rückfall  in  vier  verschiedene  Zwischenstufen  repräsen- 
tirenden  Figuren  dar.  Später  beschrieb  Buchen  au*)  eine  Inflore- 
scenz  der  gleichen  Pflanzenart,  in  der  alle  Blüthen  an  Stelle  des 
Staminodiums  ein  Staubblatt  mit  kurzgestieltem,  grossen,  gelben 
Beutel  aufwiesen.  Auch  l:)ei  den  meisten  Si'rophularki-XYtQn  )  ist 
das  Staminodium  in  der  Regel  noch  ein  ziemlich  ansehnliches 
Gebilde,  und  deshalb  erscheint  das  häufigere  Auftreten  eines  fertilen 
Staubblattes  an  seiner  Stelle  leicht  verständlich.  Hingegen  scheinen 
die  sehr  kleinen  Staminodien,  welche  den  Gattungen  Antirrhinum 
und  Linaria  eigen  sind,  nur  selten  ansehnlichere  Ausbildung  zu  er- 
fahren, oder  gar  durch  ein  fruchtbares  Staubblatt  vertreten  zu 
werden.  Ein  Fall,  wo  bei  Linaria  vulgaris  von  Heufler  ersteres 
beobachtete,  wurde  schon  S.  45  erwähnt;  freilich  hatten  in  jenen 
Blüthen  auch  die  sonst  fertilen  Staubblätter  eine  monströse  Gestaltung 
erfahren.  Ueber  das  Auftreten  eines  fertilen  Staubblattes  an  der 
Stelle  des  Staminodiums  ist  mir  keine  Mittheilung  bekannt.  Sind 
die  Staubblätter  einmal  zu  jener  Reduction  gelangt,    in  der  sie    ein 


')  Dies  bestätigen  ebenfalls  die  Angaben  und  Abbildungen,  welche 
Ascherson  a.  a.  0.  bringt. 

")  Es  ist  kein  Grund  vorhanden,  an  dem  gelegentlichen  Vorkommen 
auch  solcher  Blüthen  bei  Gratiola  officinalis  zu  zweifeln.  Selbst  habe  ich 
allerdings  keine  beobachtet,  und  die  meisten  voranstehend  angeführten  Autoren 
betonen  klar  das  Vorkommen  von  vier  Staubblättern.  Ob  Boissier  (Flora 
Orient.  IV.,  S.  426)  die  Gattungsdiagnose  für  Gratiola  „Stamina  2  antica 
sterilia  filiformia  vel  nulla"  mit  Rücksicht  auf  beobachtete  derartige  Blüthen 
von  Gratiola  officinalis.  welche  Art  allein  er  an  jener  Stelle  aufführt,  schrieb, 
ist  mir  nicht  ganz  klar. 

')  Die  Befruchtung  der  Blumen  durch  Insecten.  Leipzig  187.3,  S.  281,  282. 

')  Abhandl.  d,  Naturwiss.  Ver.  zu  Bremen,  VIII.  Bd.,  1884,  S.  53fi-537-. 

°j  Kleiner  ist  es  bei   S.  canina  L.,  es  fehlt  ganz  bei   S.  vernalis. 


91 

offenbar  ganz  nutzloses,  leicht  übersehbares  Schüppchen  oder  Höcker- 
chen vorstellen,  so  sclieinen  lüickfallsbildungen  nicht  leicht  aufzutreten. 

Es  ist  aber  geradezu  erstaunlich,  mit  welcher  Constanz  dieses 
Eudiment,  bei  den  Linavia-Arten  z.  B.,  nocli  stets  erscheint.  Dass 
es  früher  oder  später  vollständig  ausgemerzt  werden  wird,  dafür 
zeugt  das  Verhalten  der  Gattung  Gratiola,  wo  aber  bei  Gratiohi 
ofßclnalis,  wie  vorher  eingehender  ausgeführt  wurde,  als  Hückschlags- 
bildung  noch  häufig  ein  hinteres  Staminodium,  in  der  Art,  wie  es 
bei  Antirrhhmm  und  Liimrii  normal  vorhanden  ist.  auftritt.') 

Von  Gattungen  mit  typisch  didynamischem  Andröceum.  bei 
normal  vollständigem  Ausfall  des  hinteren  Staubblattes,  ist  ein 
Wiederauftreten  desselben  beobachtet  bei  den  Gattungen  Lcuco- 
phylhnii  und  Stemodia.  Errera")  citirt  diesbezügliche  Angaben  von 
Miers  ')  und  für  Stemodia  suffruticosa  von  Kentham.')  Endlich 
sagt  Wettsteiu")  bei  der  allgemeinen  Charakteristik  des  Andrö- 
ceums  der  Scrophulariaceen,  es  finde  sich  das  fünfte  Staubblatt  in 
Gestalt  kleiner,  unscheinbarer  Staminodien  bei  Linaria,  Gratiohi, 
Uigitaliü.  wonach  man  meinen  könnte,  dass  auch  in  der  letzten 
dieser  Gattungen  hie  und  da  ein  hinteres  Staminodium  auftreten 
würde.  Doch  bin  ich  der  Ansicht,  dass  es  sich  hiebei  um  einen 
Druckfehler  handle,  da  Wettstein  bei  Behandlung  der  Gattung 
DigitaÜs  nichts  Aelinliches  mittheilt-,  wahrscheinlich  sollte  an  Stelle 
von  Digitalis,  Aidirrliiinnn  genannt  sein. 

Ein  von  Buchen  au'')  für  Pedieulavis  mitgetheilter  Fall  be- 
trifft eine  pelorische  l'lüthe. 

Von  Gattungen  mit  auf  zwei  Staubblätter  reducirtem  Andrö- 
ceum haben  Schlechten  dal  für  l-Vo^t/ca- Arten,  Wydler  für 
Widfeaia  cariidhiaca  gezeigt,  dass  gelegentlich  eines  der  vorderen 
Staubblätter  zur  Ausbildung  kommt.')  Schlechten  dal  beschreibt 
auch  tetrandrische  Blüthen  von  Veronica  geidianoidea,  in  denen 
ausser  einem  der  vorderen  auch  das  unpaare  hintere  Stamen  ver- 
treten war.  Auch  Göbel")  sagt:  „Beim  Vergleiche  einer  grösseren 
Anzahl  von  Veronica-VAni\\Q\\  wird  man  selten  solche  mit  mehr  als 
zwei  Staubblättern  vermissen." 


')  Nach  Ascherson  (a.  a.  0.)  gibt  Reichenl>ach  fil.  in  den  Icones  Fl. 
Gerraan.  XX.,  S.  28  einen  Fall  an.  wo  bei  Gratiola  offocinalis  die  vorderen 
Staubblätter  infolge  Ruckschlages  fruchtbar  entwickelt  vorhanden  waren. 

-)  A.  a.  0.  S.  188.  Wettstein  gibt  a.  a.  0.  S.  50  für  Leucophyllv ,n 
an:  „Staubblätter  vier  bis  fünf",  auf  S.  ^i,  wo  die  Gattungsdiagnose  gegeben 
wird,  aber  „Staubblätter  vier,  zwei  mächtig".  Ich  weiss  nicht,  ob  durch  die 
erstere  Angabe  vielleicht  ein  häufigeres  Auftreten  des  füjiften  Staubblattes 
infolge  von  Rückschlag  angedeutet  werden  soll? 

')  Benth.  et  Hook..  Gen.  Plant.  S.  927. 

')  In  DC,  Prodr.  X..  S.  .382. 

'■)  A.  a.  0.  S.  46. 

"j  A.  a.  0.  S.  536. 

')  Eichler,  Blüthendiagrarame,  Bd.  I.  S.  112. 

*J  Pflanzenbiologische  Schilderungen,  I.  Th.,  S.   18. 


92 

Untersuchungen    über   Pflanzen    der    österreichisch- 
ungarischen Monarchie. 

Von  R.  V.  Wettstein  (Prag). 
IL 

Die  Arten  der  Gattung  Ewphvasia. 

Vit  Tafeln  und  Kartea. 

(Fortsetzung. ') 

12,  jEJ.  hfevipUa  Burnat  et  Gremli  in  Townsend  in  Jour- 
nal of  Botany  1884.') 

Caulis  erectus,  rarius  simplex,  plerumque  infra  medium  ra- 
mosus,  5 — 35  cm  altus  rubescens  vel  fuscescens,  pilis  ciispis  reversis 
eglandulosis  piibesceiis.  in  parte  inferiore  foliis  mox  deciduis  tem- 
pore antbesis  denudatiis,  ramis  erectis  vel  erecto  patentibus  sub- 
oppositis  rarius  iterum  ramosis.  Folia  caiilina  infima  opposita. 
cuneata,  obtusiuscula  utrinque  dentibus  1 — 8  obtusis,  media  et 
superiora  supopposita,  ovata  vel  ovato-lanceolata,  circiter  in  parte 
media  latissima  longitudine  latitudinem  duplo  super  ante, 
acuta,  utrinque  dentibus  aristatis  3— 5.  Bracteae  alternantes 
vel  suboppositae,  latitudiue  folia  caulina  superantes,  eis  breviores, 
in  triente  inferiore  latissimae,  ovatae,  basi  breviter  cuneata e. 
dentibus  aristatis  vel  acuminatis  utrinque  4 — 7.  Folia 
omnia  viridia,  in  speciminibus  sicca tis  plenimque  griseo-viridia, 
subtus  plana  nitida  vel  plicato-striata,  non  solum  in  pagina  in- 
feriora  inter  nervös  ut  omnes  species  huius  geueris  glaudulis  sessi- 
libus,  sed  etiam  pilis  glandulif eris  brevibus  rectis,  in- 
primis  in  nervis  et  in  m argine,  saltem  basin  versus,  obsita; 
caeterum  glabra  vel  setis  strictis  plus  minusve  densis  obsita.  Spica 
initio  condensata,  mox  valde  elongata;  flores  subsessiles.  Calyx  in- 
dumento  ei  foliorum  simili.  fructifer  non  vel  modice  accretus. 
Corolla  6 — 10mm  longa,  labio  superiore  bilobo,  lobis  denticulatis. 
rarius  bilobis,  labio  inferiore  trilobo,  lobis  emarginatis.  Corolla 
pallide  violacea  vel  coerulea.  macula  flava  in  labio  inferiore 
et  striis  coeruleis  et  purpureis  notata.  Capsula  cuueato-obovata,  an- 
gusta,^ truncata  vel  subemarginata.  calycem  aequaus  vel  supe- 
rans.  margine  longe  ciliata,  caeterum  pilosa  vel  glabra. 

Synonyme:  E.  officinaUs  B.  moutana  E.  Fries  Novitiae 
florae  Suecicae.  Ed.  K.  p.  198  (1828)  pr.  max.  p. 

E.  officinaUs  var.  montana  Fries  Summa  veg.  Scand.  I.  p.  19 
(1846). 

E.  officinaUs  y.  monUma  Reicbenb.  Icon.  flor.  Germ,  et  Helv. 
XX.  p.  58  (18(i2). 

')  Vergl.  Nr.  t,  S.  53  ff. 

•)  Originalexemplare  sab  ich  im  Herbariuto  Favrat. 


93 

E.  ofßdimlis  Ledeb.  Flora  Ross.  Vol.  III.  p.  2«>3  (1846  51) 
pr.  p. 

E.  nemorosa  Trautv.  Increm.  flor.  Ross.  fasc.  IL  p.  589  (1883). 

Exsiccaten:  Fries  Herb.  norm.  IX.  no.  17.  —  Herb.  flor. 
Ingric.  no.  469.  —  Reliquiae  Mailleanae  Nr.  560. 

Abbildungen:  Reichenbach  Icon.  flor.  Germ,  et  Helv. 
XX.  tab.  MDCCXXXIII.  Fig.  I.  et  Fig.  1   et  2.') 

Blüthezeit:  Juni  bis  September. 

Verbreitung:  E.  hrevipila  findet  sich  in  Europa  in  zwei 
grossen,  vollständig  getrennten  Verbjeitungsgebieten;  das  eine  um- 
fasst  die  Südalpen  von  Frankreich  (Alpes  maritimes)  bis  Kärnten, 
ferner  die  Apenninen,  das  zweite  umfasst  Galizien,  die  Bukowina, 
Xordungarn,  den  östlichsten  Theil  des  deutschen  Reiches  (Ost-  und 
Westpreussen),  den  westlichen  Theil  von  Russland,  Schweden,  Nor- 
wegen, den  nördlichen  Theil  von  Grossbritannien  und  Dänemark. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Üngarn:  Auf  Wiesen. 
Tirol:  Vahrn  bei  Brixen  (Haussknecht;  H.  Haus.  —  Wett- 
stein 1893);  bei  Lienz  (Ppptz.;  H.  Hofm.).  —  Salzburg:  Tams- 
weg  (F ritsch:  H.  Frsch.).  —  Steiermark:  Murau  (Preiss- 
maun;  H.  Pr.).  —  Kärnten:  Unterm  Gugganig  auf  der  Wolliggen 
(Fächer;  H.  Fach.);  Wolliggen,  Dobernigweide,  1000m  (Fächer; 
H.  Fach.);  Gugganigfeld  (Fächer:  H.  Fach.);  Ranacherweide  gegen 
Lassach,  850  m  (Fächer;  H.  Fach.);  Malnitzer  Strasse  (Fächer; 
H.  Fach.).  —  Galizien:  Kolomea  (Z acher  1;  H.  z.  b.  G.);  Ost- 
karpathen:  Hryniöwa  (Woloszczak;  H.  ü.  W.,  H.  Rehmn.);  Zabie 
(Reh mann;  H.  Rehmn.):  „Bieszczady  Stryjskie"  (Reh mann;  H. 
Rehmn.);  Janoverwald  bei  Lemberg  (Woloszczak;  H.  U.  W.); 
Chlebowice  (Reh mann;  H.  Rehmn.);  Kulparköw  (Reh  mann;  H. 
Rehmn.);  —  Bukowina:  Am  Cosnabach  bei  Dorna  Kandreni  mit 
E.  stricta  (Dörfler:  H.  Rech.).  —  Nord -Ungarn:  Eperjes(Ve- 
selsky;  H.  Mus.  F.) 

E.  hreripila  ist  eine  sehr  vielgestaltige,  dabei  aber  stets  leicht 
erkennbare  Pflanze.  Sie  ist  in  ersterer  Hinsicht  der  E.  stricta  ver- 
gloichbar,  welcher  sie  sehr  ähnlich  sieht;  sie  variirt  in  ganz  analoger 
Weise  wie  diese.  Von  E.  stricta,  wie  von  allen  anderen  nahe 
stehenden    Euphrasien    (E.   Tatar ica,  E.  pectinata,  E.  coerulea)    ist 


')  Reichenbach  bezeichnete  auf  der  citirten  Tafel  Fi?.  I  als  K.  mon- 
tana  Fr.!,  dagegen  Fig.  1  und  2  als  zu  Fig.  III,  d.  i.  zu  E.  nemnrosa  Fr. 
gehörig.  Fig.  1  zeigt  nun  deutlich  einen  drüsigen  Kelch.  Ein  solcher  kommt 
bei  E.  »ejrtoro^a  Fries,  die  ich  ebenso  wie  E.  mnntana  Fr.  nach  Fric^'schen 
Originalexemplaren,  noch  dazu  nach  aus  Reichen  bach's  Herbar  stammenden, 
kenne,  nicht  vor,  ist  dagegen  charakteristisch  für  E.  montana  Fr.  Ich  glaube 
daher,  dass  bei  Bezeichnung  d<T  Figuren  irgend  eine  Verwechslung  unterlief 
und  dass  die  in  Fig.  1  und  2  dargestellten  Theile  der  in  Fig.  I  abgebildeten 
Pflanze  angehörten. 

-)  H.  Mus.  P.  bedeutet  hier  und  weiterhin:  Herbarium  des  böhmischen 
Landesraaseums  in  Prag. 


94 

E.  hrevipila  zu  untorscheidcn  durch  die  kurzgestielten  Köpfcben- 
diüseu,  welche  die  Blätter  und  Kelche  bedecken.  Der  Grad  dieser 
drüsigen  Behaarung  ist  ziemlich  wechselnd,  manchmal  ist  die  Be- 
haarung eine  sehr  dichte  und  auffallende,  zuweilen  sind  blos  die 
Basaltheile  der  Kelche  und  Blätter  mit  Stieldrüsen  besetzt.  Die 
sonst  so  wenig  ähnlichen  Arten  E.  Rostkowiaua  Heyne,  E.  hlrtella 
Jord.  und  E.  montana  Jord.,  die  auch  Stieldrüseu  tragen,  sind,  ab- 
gesehen von  anderen  Merkmalen,  sofort  durch  die  langen,  wellig 
gebogenen,  mehrzelligen  Drüsenhaare  zu  unterscheiden;  die  mit 
E.  udnbna  Schi,  verwandten,  aber  drüsigen  Euphrasien  lassen  sich 
schon  an  den  viel  kleineren  Blüthen  leicht  als  von  E.  hrevipila 
verschieden  erkennen. 

Wie  aus  der  vorstehenden  Zusammenstellung  zu  entnehmen  ist, 
besitzt  E.  hrevipila  eine  höchst  bemerkenswerthe  Verbreitung;  ihr 
Areale  theilt  sich  in  zwei  getrennte  Gebiete,  das  eine  davon  findet 
sich  im  Norden  und  Nordosten  Europas,  das  zweite  am  Südabfalle 
der  Alpen.  Es  wird  begreiflich  sein,  dass  ich  lange  Zeit  nicht  an 
die  Identität  der  in  den  beiden  Gebieten  vorkommenden  Arten 
glauben  konnte.  Doch  alle  Bemühungen,  durchgreifende  Unterschiede 
zu  finden,  waren  vergeblich.  Extreme  Formen  aus  den  beiden  Ge- 
bieten sind  allerdings  einander  ziemlich  unähnlich,  es  finden  sich 
aber  solche  extreme  Formen  in  beiden  Arealen,  sie  sind  reichlich 
durch  Zwischenformen  verbunden. 

Die  pflanzengeographische  Bedeutung  der  Verbreitung  der 
E.  hrevipila,  die  an  jene  von  E.  Tatarica  einigermassen  erinnert, 
soll  an  anderer  Stelle  Erörterung  finden. 

Was  den  Namen  der  Pflanze  anbelangt,  so  geht  schon  aus 
dem  Synonymen-Verzeichnisse  hervor,  dass  zum  Theile  auf  sie  der 
Name  E.  montana  Fries  (var.)  zutrifft.  Dass  dies  der  Fall  ist,  geht 
vor  Allem  aus  den  Exemplaren  hervor,  welche  E.  Fries  im  IX.  Fas- 
cikel  des  Herbarium  normale  selbst  vertheilte.  Ein  Exemplar  aus 
dieser  Sammlung  wurde  auch  von  Keichenbach  a.  a.  0.  ab- 
gebildet. Wenn  ich  trotzdem  den  Namen  E.  montana  Fr.  nicht  an- 
wende, so  geschieht  es,  weil  die  Diagnosen  Fries'  so  gehalten  sind, 
dass  sich  daraus  entnehmen  lässt,  dass  er  die  Pflanze  von  E.  stricta 
u.  a.  nicht  unterschied.  Eine  Bestätigung  findet  diese  Annahme 
darin,  dass  Fries  in  dem  angegebenen  Exsiccatenwerke  thatsächlich 
E.  hrevipila  vermischt  mit  E.  stricta  zur  Ausgabe  brachte.  Mit 
Rücksicht  darauf  ziehe  ich  es  vor,  den  ganz  unzweideutigen  Namen 
E.  hrevipila  zu  gebrauchen,  wodurch  auch  alle  durch  Restituirung 
des  Namens  E.  montana  nothwendig  werdenden  weiteren  Namens- 
änderungen vermieden  werden.') 


')  Dieselben  würden  in  erster  Linie  die  E.  montana  Jord.  (1852)  be- 
treffen. —  E.  montana  Philippi  muss  auf  alle  Fälle  umgetauft  werden.  Vergl. 
Wettstein  in  Engler  u.  Prantl  Natürl.  Pflanzenfam.  IV.  3. 


95 

Zweifollos  ist  E.  hreviyihi  eino  der  Kiuplinisjpii,  die  Linne 
bei  Aufstellung  seiner  E.  offic'malis  vor  Augen  hatte;  sie  gehört  in 
Schweden  zu  den  häutigsten  Arten. 

13.  Hj.  coevulea  Tausch  in  schcd.  ad  plant,  select.  Hohem. 
exsicc.  (1837).') 

Caulis  erectus,  simplex,  rarius  parce  ad  vel  infra  medium 
ramosus,  5 — 20  cm  altus,  rubescens  vel  fuscescens  pilis  crispulis 
r(!versis  eglandulosis  pubescens  vel  glabrescens,  florendi  tempore  et 
in  parte  inferiore  foliis  obsitus,  ramis  erecto-patentibus  oppositis. 
Folia  caulina  omuia  opposita,  infima  cuneata  vel  cuneato-obovata 
obtusa  utrinque  dentibus  1 — 3  obtusis,  media  et  superiora  ovata  vel 
ovato-oblonga.  obtusiuscula,  basin  versus  vel  in  medio  latissima, 
dentibus  utrinque  3—5  non  aristatis.  Bracteae  suboppositac, 
foliis  caulinissimiles,  sedlaiiores,  dentibus acutioribiis,  non  aristatis. 
Folia  omnia  viridia  in  sicco  interdura  apicem  caulis  versus  nigres- 
centia,  subtus  plerumque  plicato-striata,  in  regione  marginali 
paginae  superioris  et  in  margin  e,  nonnunquam  etiam 
in  nervis  paginae  inferioris  setulis  minutis  albidis 
obsita,  caeterum  glabra,  interdum  pila  glandulifera  una  alterave 
obsita.  Spica  initio  condensata  mox  interrupta  floribus  non  nume- 
rosis.  Flores  subsessiles.  Calyx  in  margine  et  in  nervis  medianis 
minute  setulosus.  interdum  glandulis  paucis  obsitus,  fructifer  modice 
accretus.  Corolla  circa  5 — 7  mm  longa,  lobio  superiore  bilobo, 
lobis  emarginatis  vel  subbilobis.  labio  inferiore  trilobo,  lobis  emar- 
ginatis,  subtus  glabriusculis.  Corolla  persiciuo-violacea,  in 
sicco  intense  coerulea,  macula  lutea  parva  in  labio  inferiore 
et  striis  coeruleis  notata.  Capsula  ovata  vel  elliptica,  emarginata, 
calycem  non  aequans,  margine  longe  ciliata,  caeterum  pilosa 
vel  glabra. 

Synonyme:  E.  officinaUs  var.  aipestris  Günth.,  G r a b o av s k y 
et  Wimmer  Enum,  flor.  Siles.  p.  106  et  App.  p.  1(34  (1824).  — 
AVimmer  et  Grabowsky  Flora  Siles.  ed  1.  p.  218  (1829)  et 
ed.  2.  p.  278  (1844)  pr.  parte. 

E.  officlaalis  b.  alpestrits,  forma  1  E.  coerufea  Tausch  in 
Koch  Synops.  ed.  1.  p.  546  (1837)  et  Taschenb.  2.  Aufl.  S.  396 
(1848). 

E.  ofßcinalis  y.  coerulea  Tausch  in  Ott  Catal.  der  Flora  Böh- 
mens S.  13  (1859). 

E.  officinaUs  e)  coerulea  (larcke  Flora  von  Deutschi.  1(>.  Aufl. 
S.  336  (1890). 

E.  officinaUs  b)  nemorosa  ß.  coerulea  Celak.  Prodr.  einer  Flora 
von  Böhmen.  S.  337  (1867). 


')  Ich  sali  Origiualexeiupliue  im  Hirbaie  des  botanischen  Institutes 
der  Prager  deutschen  Universität,  des  böhmischen  Landesmuseums  in  Prag, 
des  k.  k    natarh.  Hofmuseums  in  Wien. 


9G 

E.  officinalis  c)  nemorosa  ß.  coerulea  Celak.  a.  a.  0.  S.  831 
(1881). 

E.  Uechtritziana  Jung,  et  Engl,  in  Oesterr.  botan.  Zeitschr. 
XVII.  p.  141  (1867).') 

E.  coerulea  A.  Kenier  in  Sched.  ad  flor.  exsicc.  Austro-Hiing. 
Nr.  149  (1881).  —  Sagorski  et  Schneider,  Flora  der  Centralkarp. 
II.  p.  421  (1891).  —  Fiek,    Flora    von    Schlesien    S.  339    (1881). 

Exsiccaten:  F.  Schultz,  Herb.  norm.  nov.  ser.  Cent.  9, 
no.  875.  —  Magnier,  Flora  select.  exsicc.  no.  2016.  —  A.  Ker- 
ner, Flora  exsiccata  Austro-Hung.  no.  149.  —  Gallier,  Flora 
Siles.  exsicc.  no.  73.  —  Tausch,  Plant,  select.  Bohem.  exsicc. 

Blüthezeit:  Mai  bis  Juli. 

Verbreitung:  Am  häufigsten  in  den  Sudeten  (i.  weit.  S.), 
vereinzelt  überdies  im  Harz  und  im  Thüringerwalde,  in  Posen,  in 
den  Karpathen. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Üngarn:  Auf  Bergwiesen 
an  trockenen  Stellen.  Böhmen:  Im  Mensegebirge  bei  Obersattel 
665m  (Freyn;  H.  Fr.,  H.  Mus.  P.,  H.  Hofm.,  H.  Eicht.—  Wett- 
stein 1893),  bei  Giesshübel,  650m  (Freyn;  H.  Fr.,  H.  Kern.), 
auf  der  hohen  Mense  (Freyn;  H.  Fr.),  bei  Dobran  (Freyn;  H.  Fr., 
H.  Hofm.,  H.  Jaeggi,  H.  Masson),  bei  Polom  (Freyn;  H.  Fr.,  H. 
Mus.  P.,  H.  Kern.,  H.  Hofm.  —  Wett stein  1893).  —  Schnee- 
koppe (Kablik;  H.  Mus.  P.);  Georgswalde  (Opiz;  H.  Mus.  P.); 
Schönwalde  bei  Liebwerda  (Opiz:  H.  Mus.  P.);  Iserwiese')  (Engler: 
H.  Hai.,  H.  Kern.,  H.  U.  W.;  H.  Ascherson,  H.  Berl.,  H.  Pr., 
H.  Mus.  P.  —  Junger;  H.Kern.,  H.  Haus.,  H.  Hofm.  —  Dresl er; 
H.  Tem.,  H.  Wilczek),  „Isergebirge"  (Tausch;  H.  U.  R,  H.  Hofm.); 
Buchberg  im  Isergebirge ')  (Tausch;  H.  U.  Pr..  H.  Mus.  P.).  — 
(lalizien:  Leniberg,  Bialohorszcze  (Rehraann;  H.  Rehmn.);  Ornok, 
Thal  von  Koscielisko  (Haussknecht:  H.  Haus.).  —  Ungarn: 
Zips,  am  rnthen  Lehm  (Ullepitsch;  H.  Ullep.). 

Die  Nomenclatur  der  E.  coerulea,  deren  verschiedene  Auf- 
fassung durch  frühere  Botaniker  wurde  schon  von  Uechtritz  und 
A.  V.  Kern  er  klargelegt  (vergl.  Schedae  ad  flor.  exsicc.  Austro- 
Hung.  I.  p.  44);  ich  habe  diesen  Ausführungen  nichts  hinzuzufügen. 

Nur  bezüglich  der  Unterscheidung  von  anderen  Euphrasien 
und  der  systematischen  Stellung  seien  einige  Bemerkungen  gemacht. 
E.  coerulea  gehört  einer  Gruppe  von  Euphrasien  an  {E.  montana 
Jord.  u.  a.),  die  in  der  Gattung  eine  ähnliche  Rolle  spielt,  wie  die 
Gruppe  der  „Aestivales"  bei  den  Gentianen  aus  der  Section  der 
„  Endofricha'' *).  Es  sind  dies  durchwegs  Arten  von  auffallend  früher 
ISlüthezeit   (Mai  —  Juli),    die    auch    morphologisch    durch    den    ein- 


')  Original-Exemplare  gesehen! 

)  Original-Standort  der  E.   Uechtritziana  Engl.  u.  Jung. 
')  Original-Standort  dor  E.  cnerulea  Tausch. 
*)  Vergl.  Wettstein  in  Oesterr.  botaii.  Zeitschr.   1892.  S.  229  ff. 


97 

fachen  oder  wenigstens  an  der  Hasis  nicht  verästelten  Stengel  mit 
entfernt  stehenden  Bluttpaaren,  durch  relativ  stumpfe  Blätter  recht 
ausgezeichnet  sind.  Jede  einzelne  dieser  frühblühenden  Euphrasien 
zeigt  bestimmte  Beziehungen  zu  je  einer  der  spätblühenden  Arten, 
mit  der  sie  in  den  wichtigsten  Merkmalen  übereinstimmt;  so  sei 
hier  nur  hervorgehoben,  dass  die  genannte  E.  tnontana  Jord.  sich 
gerade  so  zu  der  ihr  ähnlichen  E.  Rostkowiana  verhält,  wie  E.  coe- 
rulea  zu  der  im  Nachfolgenden  noch  zu  besprechenden  E.  curla  ¥r.^) 
Ich  werde  auf  diesen  bemerkenswerthen,  entwicklungsgeschichtlich 
sehr  interessanten  Gegenstand  noch  eingehender  zurückkommen  und 
will  hier  nur  bemerken,  dass  keineswegs  etwa  die  frühblüthigen 
Euphrasien  als  blosse  individuelle  oder  Standortsvariationen  der  spät- 
blühenden aufzufassen  sind. 

Wie  aus  diesen  Andeutungen  hervorgeht,  steht  E.  coerulea 
der  im  Gebiete  der  österieichisch-un garischen  Monarchie  gerade  noch 
die  südlichsten  Standorte  besitzenden  E.  curta  var.  (ßahrescenn  am 
nächsten,  sie  unterscheidet  sich  von  ihr  durch  die  oben  mitgetheilten 
Merkmale,  sowie  durch  die  violetten  Blüthen.  Sonst  könnte  sie  imr 
mit  E.  nemorosa  Pers.,  E.  graciUs  Fr.  und  E.  stricta  Host  ver- 
wechselt werden;  von  allen  diesen  Euphrasien  ist  sie  durch  die 
mangelnde  oder  geringe  Verzweigung,  durch  den  Ursprung  der  Aeste 
an  der  Mitte  der  Stengel  oder  wenig  unterhalb  derselben,  durch  die 
stumpferen  Blattzähne,  die  entfernt  stehenden  Blätter,  von  E.  nemo- 
rosa und  gvacüis  überdies  durch  die  feinborstigen  Blattränder,  von 
E.  stricta  noch  durch  kleinere  Blüthen  verschieden. 

Die  Variabilität  der  Pflanze  ist  gering,  sie  wechselt  je  nach 
dem  Standorte  naturgemäss  in  der  Höhe  und  Verzweigung  des 
Stengels,  in  der  Breite  der  Blätter.  Die  Blüthenfarbe  ist  recht 
charakteristisch  und  zumeist  constaut.  Aus  der  Bergregion  der  Su- 
deten sah  ich  in  Herbarien  unter  Hunderten  von  Exemplaren  nur 
wenige  mit  ausnahmsweise  weisser  Corolle;  ich  selbst  suchte  im 
vergangenen  Jahre  die  Pflanze  zusammen  mit  dem  gründlichen 
Kenner  der  Flora  dieses  Gebietes.  Herrn  J.  Freyn,  im  Mense- 
gebirge  auf  und  konnte  sie  gleichfalls  nur  mit  rothvioletten  CoroUen 
beobachten.  Dagegen  scheinen  weissliche  Corollen  an  Exemplaren  der 
Karpathen,  der  oben  genannten  süddeutschen  Gebirge,  nach  den 
gesehenen  Herbarexemplaren  zu  uitheilen,  häufiger  vorzukommen. 

E.  coeralea  wurde  wiederholt  für  andere  Gebiete,  als  die  in 
der  obenstehenden  Verbreitungsübersicht  genannten,  angegeben,  so 
für  Labrador,  für  die  Schweiz,  für  Frankreich  und  Schweden;  ich 
koimte  die  betreffenden  Exemplare  sehen  und  mich  von  deren  Zu- 
gehörigkeit zu  anderen  Arten  überzeugen. 

(Fortsetzung  folgt.) 

')  und  zwar  zu  Var.  glahrescena  derselben. 


Oesterr.  botaii.  Zeitschrift,  a.  Heft.  1894. 


98 

Blantae  novae  Oideiitales. 

m. 

Von  J.  Freyn  (Prag). 

(Fortsetzung.  '^ 

Paphlagonia.  Ineboli,  in  silvaticis  ad  Monastyr  die  30.  aprili 
1892  detexit  Sintenis!  (Exsicc.  no.  3831). 

Dimensiones:  Caulis  subpedalis  peuna  auserina  teniiior, 
folia  circ.  11  cm  longa  ad  medium  3  lata,  foliola  bene  evoluta 
16  mm  longa,  6  lata;  stipula  maxima  8  mm  longa  paulo  plus  milli- 
metrum  lata;  lacemus  oblongo-cylindricus  circ.  7  cm  longus  et 
3*5  diametro;  calyx  7*5  mm  longus  ad  apicem  subaequilatus.  carina 
13,  ala  14  millimetralis,  vexillum  (explanatum)  21  longum. 

Species  elegans,  insiguis  et  valde  diversa  a  G.  alopecuroiife 
Bunge  et  G.  pachycarpa  C.  A.  Mey.  statura  gracili  humiliore,  co- 
lore  viridi  (nee  cano  tomentoso  vel  subsericeo),  foliolis  tenuibus  (nee 
coriaceis),  valde  reticulatis,  spica  laxiuscula  (nee  densissima),  floribu.s 
horizontalibus  (nee  erecto  patulis),  calyce  gibbo  subquadrato,  dentibus 
acutioribus,  vexillo  tandem  semicirculari  recurvo  (nee  rectangulo, 
erecto)  ab  aliis  petalis  distante  (nee  ea  contingente).  Species  pro 
carina  obtusa  (nee  mucronulata)  et  stamina  2  superiora  a  ceteris 
discretis  in  genere  abnormis. 

I^firnassia  BornmüUevl  Freyn.  Acaulis  debilis  glabra. 
foliis  radicalibus  ovatis  usque  ellipticis  obtusis  connivente 
trinerviis  in  petiolum  eis  breviorem  abrupte  attenuatis,  scapo 
aphyllo  folia  multo  superante  gracili  erecto  vel  adscendente  unifloro; 
flore  parvo,  petalis  albis  erectis  oblongo-spathulatis 
connivente-trinerviis  apice  patula  emarginata  subbilobis 
lacinias  calycinas  virides  tubo  aequilongas  triangulari-lanceo- 
latas  1  -nervias  obtusas  2  '/o  p  1  o  s  u  p  e  r  a  n  t  i  b  u  s;  s  q  u  a  m  i  s  n  e  c  t  a  r  i- 
feris  calycino  tubo  pallido  subaequilongis  oblongo-quadratis 
ad  dimidiam  fere  in  3  lacinias  linear i-subulatas  fissis; 
staminibus  calycem  superantibus,  filamentis  angustissime  subulatis, 
antheris  globosis  exsertis;  Capsula  ignota.   %   Julio. 

Persiae  australis  provincia  Kerman:  in  regione  alpina 
montis  Laiesar  ad  3600 — 3800  m  supra  mare  Julio  1892  leg. 
Bornmüller! 

Dimensiones:  Scapus  5 — 7  cm  altus,  folia  (petiolo  excluso) 
centimetrum  circ.  longa  et  ad  medium  vel  supra  basin  8  mm  lata, 
sed  etiam  paulo  majora  et  minora;  flos  9  mm  circ  longus,  calyce  4, 
petalo  5—6  mm  longo. 

Habitu  formas  parvas  Saocifraf^ae  nivalis  L.  aemulans.  Pamassui 
sibbacauli   Kar.  et  Kir.    et  P.  palmtri  L.    gracilior    et  humilior    sed 


')  Vergl.  Nr.  2,  S.  61. 


99 

illi  iiiagis  affinis  et  ab  ea  insuper  diversa  petalis  erectis  emargiiiatis 
squamis  nectariferis  oblongo  quadratis  (nee  cuueatis)  nee  non  foliis 
brevioril)iis.  Folia  Pamassiae  suhacmdis  in  speciminibus  originali- 
bus  (Kar.  et  Kir.  no.  1271)  a  clar.  Au  trän  ex  herbario  Boissieri 
benevole  eommunicatis  iis  Ophioglossi  non  absimilia,  5uervia,  cae- 
terum  baec  speeies  scapo  apliyllo  vel  supra  basin  unifolio,  petalis 
oblongo-ellipticis  öneiviis,  calycis  laciniis  inaequalibus  (maxima  tubo 
sesqui  fere  lougior),  stamini})us  calyce  multo  brevioribus  inelusis. 
P.  palustris  L.  nostra  multo  robiistior.  caule  monophyllo,  foliorura 
forma  et  squamis  nectariferis  in  cilias  (i — 12  divisis  ceteris  notis 
neglectis  multo  magis  diversa. 

Petroselitunn  mtatolimtm  Freyn  et  Sint.  Glabrum  elatum 
paniculatum  ramosissimum.  eaule  ereeto  tereti  striato  foliato,  ramis 
ereeto  patulis  foliosis  et  iterum  ramulosis;  foliis  basilaribus  ignotis, 
caulinis  infimis  florendi  tempore  saepe  evanidis  longe  petiolatis 
ambitu  ovatis  biternatis.  laeiniis  latis  petiohilatis  cuneato- 
ovatis  trifidis  et  lol)u latis,  lacinulis  ovatis  obtusius- 
culis;  caulinis  mediis  vagina  pallescente  subcoriacea  sessilibus, 
lamina  ea  infimorum  conformi  et  paulo  tantum  minore  sed 
lacinulis  aeutis  lauceolatis;  summis  valde  diminutis  laciniis 
late  lanceolatis:  umbellis  majoribus  aequaliter  9 — 12  radiis 
+  longe  peduneulatis.  involucri  phyllis  1 — 5,  radiis  3 — 4  plo 
brevioribus.  nunc  setaceis.  nunc  lanceolato-linearibus,  nunc  ad  apicem 
ipsamsetaceo-trifidis;  involucelli  phyllis  5 — 9  inaequilongis  lauceolatis 
margine  membranaceis;  floribus  luteis;  fruetu  laevi  rotundato 
ovato  a  latere  subcorapresso-,  mericarpiorum  atroviridium  jugis 
T)  cum  calyce  albidis.  valleculis  univittatis,  albumine  gibbo  convexo 
antice  subplano.  0  (?)  Julio,  Augusto. 

Paphlagoniae  in  vineis  ad  Tossia  cum  Malabaila  spec. 
immixta  die  7.  Aug.  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  uo.  5247.) 

Ab  affini  PetroscUno  satiiv  Hoffm.  nostrum  foliorum  laciniis 
abbreviatis  latis  (nee  lanceolatis  vel  angustissimis),  floribus  luteis 
(nee  luteo-virentibus)  specifice  diversum  videtur.  P.  sativuni  Hoff'm. 
a  cl.  Sintenis  in  eodem  ditione  etiam  repertum  a  planta  europaea 
nullo  modo  differt. 

Bnuiuin  niirrocarpttin  Freyn  et  Sint.  in  Exsicc.  = 
(Jarum  inicrooir/mm  Boiss.  fl.  Orient.  II.  885.  Ich  habe  mich  nach 
reichlichem  von  Sintenis  mitgetheiltem  Materiale  paphlagonischer 
liuiiiuiu-Formen  überzeugt,  dass  hiemit  B.  fdlla.r  Freyn  et  Bornm. 
in  Oesterr.  botan.  Zeitschr.  XLI.  p.  10  identisch  ist.  Andere  Stand- 
orte, als  die  am  a.  0.  verzeichneten,  kenne  ich  von  dieser  Pflanze 
aus  Autopsie  nicht. 

litininin  BoKt'ffaei  (Boiss.)  Freyn  et  Sint.  Hiemit  ist 
/y.  mirrorarpuui  Freyn  et  Bornm.  in  Bornm.  Exsicc.  Anatol.,  et  in 
Oesterr.  botan.  Zeitsclir.  XL.  pag.  10  (non  Boiss.)  identisch.  Hierher 
folgende  Standorte:    Pontus  australis:  Amasia,    in  regione  sub- 

8* 


100 

alpina  montis  Akdagh  1400 — 1600  m  s.  mar.  die  30.  junio  1889 
leg.  Bornmüller!  (Exsicc.  527);  Paplilagonia  ad  Tossia:  in 
campis  versus  Dikmen  die  21.  majo  (Exsicc.  no.  3984)  et  in  valle 
Kaiseri  dere  in  herbidis  die  26.  junio  1892  (Exsicc.  no.  4445)  leg. 
Sintenis! 

B.  microcarpmn  Freyn  et  Sint.  (nicht  Freyn  et  Born.)  und  B. 
Bourgaei  Freyn  et  Sint.  unterscheiden  sich  sofort  durch  die  Länge 
der  Blattzipfel,  welche  bei  dem  Ersteren  schmal  und  lang  (bis 
2*5  cm!),  bei  dem  Anderen  kurz  und  breitlich  sind  (nur  '/(  bis 
'/n  so  lang  wie  bei  B.  Bourgaei).  B.  cataonicum  Stapf  et  Wettst. 
stimmt  in  dieser  Hinsicht  mit  B.  Bourgaei  überein,  dem  es  über- 
haupt ganz  nahe  steht. 

Buniiim  cataonicum  Stapf  et  Wettst.  Beitrag  zur  Fl. 
Lyc.  pag.  26!  (1886)=  Carum  Bourgaei  y.  ea^aomtwm  Boiss.  Fl.  or. 
IL  885.  Hiemit  ist  Bun.  microcarpum  ß.  alpinum  Freyn  et  Bornm. 
in  Bornm.  Exsicc.  Anat.  1889  identisch.  Von  dieser  Pflanze  kann 
ich  folgende  Standorte  sicherstellen:  Pontus  australis:  Amasia, 
in  regione  alpina  montis  Akdagh  1400 — 1600  m  supra  mare  die 
18.  majo  1889  leg.  Borumüller!  (Exsicc.  no.  530);  Paphlagonia: 
Tossia,  in  pratis  subalpinis  montis  Kutschuk  Ilkas  Dagh  die  4.  junio 
(Exsicc.  no.  4340)  et  in  summo  jugi  Böjiik  Ilkas  Dagh  ad  2700  m 
supra  mare    die    23.  julio  1892    (Exsicc.  no.  4761)   leg,  Sintenis! 

ScscH  (Hippoinaratlirolffcs)  rcslnos^an  Freyn  et 
Sint.  Glaucum  glabrum  superne  patule  tomentosum,  caule  e  collo 
squamoso  recto  crasso  tereti  striato  rigido  folioso  jam  infra  medium 
vel  superne  tantum  ramoso-corymboso;  foliis  petiolatis  ambitu 
oblongo-ovatis  bipinnatisectis  laciniis  penninerviis  acutis  lan- 
ceolato-linearibus  sursum  directis,  foliorum  superiorum  in  vagina 
augusta  amplectente  insidentarum  limbi  laciniis  abbreviatis  lanceo- 
latis;  umbellae  hemisphaericae  radiis  20 — 30  subaequilongis 
cano  et  patule  tomentosis,  involucro  nuUo  vel  monophyllo.  involu- 
celli  phyllis  sub-12  tomento  cano  densissimo  pannosis  basi 
concretis  lanceolatis  marginatis  umbellulae  compactae  adpressis 
et  eam  aequantibus  vel  subbrevioribus;  petalis  albis  roseo  suffusis 
glabris;  stylis  ad  stylopodias  depressas  reflexis;  fructu  dense 
cano-tomentoso  oblongo  dentibus  calycis  subulatis  eo  sextuplo 
brevioribus  coronato,  jugis  argutis.   ^   Aug.  Sept. 

Paphlagoniae,  Küre  Nahäs:  in  declivibus  saxosis  ad  Eki- 
tschai  die  25.  Augusto  (flor.)  et  9.  Sept.  (fruct.)  1892  leg.  Sintenis! 
(Exsicc.  no.  5010.) 

Dimensiones:  Caulis  35—50  cm  altus,  pennae  anserinae 
vel  minus  crassus,  ramis  1 — 32  cm  longis  patulis  vel  divaricatis; 
folia  radicalia  (cum  petiolo)  usque  ad  23  cm  longa  et  10  cm 
supra  basin  lata  vel  multo  minora;  umbella  terminalis  fructifera 
6*5 — 7*5  cm  diametro;  radii  3— 2*5  cm  longi;  fructus  (fere  maturus) 
3*5  mm  longus  1 )'..  latus. 


101 

Cdiilis  supenie  saepe  succum  luteum  diaphauum  sepaebet. 
Species  nostra  ab  aftini  S.  gummifero  Smith  dittert  tbliis  glaber- 
rimis  oblongo-ovatis  (nee  oblonofis),  laciniis  lanceolatis  (nee  cuneatis), 
involucellis  dense  pannosis,  acheniis  angustioril)US  tomentosis  (nee 
tenuiter  pubescentibus)  et  calycinis  dentibus  fructo  sextiiplo  (nee 
4plo)  l)revioribus;  a  S.  crithmifoUo  Boiss.,  specie  ])reviter  velutina 
nostia  iiisuper  dittert  umbella  20—30  (nee  3<>— 40)  radiata  et 
Iructu  tomentoso  (nee  pubesceute). 

Peacedamun  (Pallmhioldeuin)  toineiitellutn  Freyn 
et  Sint.  Viride  infenie  vel  usque  ad  apicem  plus  minus 
et  saepe  retrorsum  tomentellum,  caule  elato  erecto  vel 
tlexuoso  tereti  .substriato  laxe  folioso  a  basi  vel  superne  tantum 
patule  lamoso;  foliis  basilaribus  planiusculis  valde  tomen- 
tellis  ambitu  late  oblongis,  bipinnatis  segmentis  petiolu- 
latis  apicem  versus  decrescentibus  7 — 8  jugis  cuneato-o vatis 
[»innatiseetis,  lobulis  approximatis  brevibus  in 
lacinulas  1— B  scabridas  bisulcas  breviter  lineares  apiculo 
caleareo  terminatis  divisis;  eaulinorum  laciniis  paucioribus 
lineari-cuneatis  sessilibus  subdecussatis,  summis  valde 
diminutis  vagina  angusta  eis  pluries  longiore  insiden- 
tibus;  umbellis  longe  peduneulatis  inaequaliter  8  —  17radiatis 
(lepresso-hemisphaericis;  involucro  nullo;  involucelli  phyllis 
sub-9  inaequalibus  lanceolatis  membranaceo-marginatis  persisten- 
tibus;  petalis  ante  antbesin  atrorubentibus  tandem  ehry- 
santhis;  mericarpiis  valde  compressis  parvis  pedicello 
aequilongis  elliptieis  basi  et  apice  obtusis  vel  basi  emarginatis, 
margine  vix  inflato  semiiie  Gplo  angustiore  cinctis;  jugis  tenui- 
bus  evittatis  exterioribus  cum  margine  confluentibus ;  valle- 
culis  binis  centralibus  univittatis,  lateralibus  bivit- 
tatis,  commissura  papulosa  4vittata.   TX.  Julio, 

Paphlagoniae.  Tossia:  versus  Jokarki-Dikmen.  in  declivibus 
ad  Devrek-tscbai  die  16.  julio  (Exsiec.  no.  4646);  in  monte  Giaur- 
dagh  die  29.  julio  (Exsicc.  no.  5240)  et  in  collibus  ad  Kawak- 
Tscbeschme  die  4.  augusto  1892  (Exsicc.  no.  4880)  leg.  Sintenis! 

Dimensiones:  Caulis  30 — 80  cm  altus;  folia  radicalia 
majora  cum  petiolo  4  eentimetrali  sub  lö  longa  et  infra  medium 
6  lata,  segmentis  usque  4  longis;  pinnae  secundariae  eire.  8  mm 
lougae  et  ad  eorum  basin  5  —  6  latae;  folia  cauliua  infera  radicalium 
subbreviora  saepe  valde  diminuta  et  in  lacinulas  elongatas  divisa; 
umbella  perfecta  terminalis  8—9  cm  diametro  et  3  alta.  secundariae 
ea  dimidiam  vel  tertiam  partem  aequantes;  raericarpia  circ.  6  mm 
longa,  ad  mediam  3'5  lata. 

Facie  Peucedani  chrysanthi  Boiss.  Bai.  et  P.  palimbioidis 
Boiss.  sed  huic  ultimo  etiam  valleculis  irregulariter  bivittatis  et 
commissura  4  (  —  6-)  vittata  donato  magis  affine  et  ab  eo  diversum 
indumento  tomentello  (uec  sub  lentc  breviter  puberulo),  foliis    radi- 


102 

calibus  bipinuatisectis  et  itemm  divisis  (nee  pinnatisectis  4 — 5jii^s~), 
segmentis  primariis  petioliilatis  (nee  decussatis),  involucro  millo  (nee 
1 — 2phyllo),  involucello  sub  9-  (nee  3-4-)  pbj^llo  persistente  (nee 
caduco).  A  Peucedano  chrysantho  babitu  et  multis  notis  congruo 
nostnim  differfc  indumento,  tbliis  caulinis  nee  ad  vag-inas  reductis. 
margine  semini  nuilto  augustiore  (nee  eo  diraidio  aequilato),  valle- 
eiilis  irregulariter  bivittatis  (uec  semper  1  vittatis)  et  commissiiia 
4-  (uec  2-)  vittata.  Exstat  subspecies  arcte  ut  videtur  affinis: 

Subsp.  Peucefianinn  fallaj-  Freyu  et  Sint.  Omnino 
P.  tomentellum  sed  diversum  indumento  fere  deficiente  et  ad  asperi- 
tatem  foliorum  et  tomentum  brevissimum  ad  caulis  basin  reducto, 
foliorum  caulinorum  (radicalia  mihi  ignota)  laciniis  oblongo- 
linearilius  valde  callosis,  umbella  majore  corymbiformi  (nee  hemi- 
spbaerica),  mericarpiis  submajoribus  nempe  7  mm  longis.  3"5  latis. 
late  et  fere  spongiose  albo-marginatis  (margo  nempe  semini  latitu- 
diue  quartem  partem  aequans)  et  commissura  bivittata. 

Sjnon.  P.  chri/saathum  Freyn  in  Bornm.  Exsicc.  1889.  nou 
Boiss. 

Paphlagonia,  Tossia:  in  vineis  moutis  Giaurdagb  die  7.  aug. 
1892  leg.  Sinteuis!  (Exsicc.  no.  4945);  Galatia,  Amasia:  in 
collibus  apricis  360—500  m  supra  mare  die  20.  junio  (Exsicc. 
no.  518)  et  4.  julio  (uo.  384)  leg.  Bornmüller! 

Prius  pro  P.  chysanthum  habui  quo  babitu.  mericarpiarum  facie 
et  magnitudine  congruit,  sed  diversum  valleculis  irregulariter  2- 
vittatis  et  commissura  6-  (nee  2-)  vittata.  Specimina  Bornmtille- 
riana    ob   statu  nimis  juveuili   diu  cum  P.  chrysantho    confundavi. 

Stenotaenia  Sintenisii  Freyn  n.  sp.  radice  ignota,  caule 
sparsim  et  patule  pubescente  elato  tereti  striato  praeter 
vaginas  coriaceas  lineares  elongatas  ad  pedunculorum  orto  aphyllo. 
superne  irregulariter  ramoso  subcorymboso,  foliis  ignotis;  umbella 
t e r m i n a  1  i  caeteris  2 — 4 radiatis  majore  inaequaliter  6radiata, 
ramo  proximo  superata;  involucro  et  involucello  nullo: 
radiis  striatis  minutissime  et  patule  aculeolatis  et  papilloso  pu- 
bescentibus;  pedicellis  plus  minusve  dense  patule  pa- 
pillosis;  floribus  purpureis  pallescentibus.  antberis  luteis  albes- 
centibus;  fructu  arcuatim  aculleato  et  papilloso  (immaturo) 
13  mm  longo,  oblongo-elliptico  basi  angiistato  apice  rotundato. 
margine  pellucidi  seminis  tertiam  partem  aequante.  jugis  intermediis 
3 — 4;  vittis  vallecularum  inaequilougis ,  intermediis  semine 
longioribus  et  "/s  mericarpii  aequilongis.  commissura e 
glabrae  vittis  4  per  paria  approximatis  arcuatis  ad  apicem  meri- 
carpii confluentibus.   ?4   (?)  Julio. 

Paphlagonia,  Tossia:  in  silvis  convallis  Aktschausch-dere 
montis  Giaurdagb  raram  die  29.  julio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc. 
no.  4868.) 

Species  infauste  radice  et  foliis  ignota.  sed  umbella  pluriradia. 


103 

fructibus  immaturis  jam  13  mm  longis,  indumento  et  florum  colore 
insio-iiis  et  verosimiliter  S.  tunlicauli  Boiss.  affiiiis,  quae  indumento 
tomentello,  umbellis  3  ladiatis  fructu  puberulo  apice  minute  retuso, 
vittis  commissuralibus  6nis  differt.  Aliae  species  hujus  generis  jam 
meiicarpiarum  dimeusione  egregie  differunt,  nempe  S.  tordylioides 
I3oiss.  et  .S.  Hauasknechtü  Boiss.  (v5  niillimetralibus  et  S.  macrocarpa 
Freyn  et  Sint.  20  mm  longis. 

Malahalla  pastlnacaefolla   Boiss.  Bai.  ß  niacrocarpa 

Freyn  et  Sint.  Omnino  descriptione  typi  in  Flora  Orientali  IT.  1056 
donata  correspondens,  sed  mericarpia  diiplo  fere  majora,  immatura 
jam  centiraetrum  longa,  6'5  mm  lata. 

Paphlagonia,  Tossia:  in  campis  inter  Jokarki  Dikmen  et 
Schakylar  die  16.  julio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4642.) 

I*astlnaca  ( Plnipitielloides)  dentata  Freyn  et  Sint. 
Patule  pubescens,  radice  ignota;  caule  elato  robusto  pentan- 
gulato  et  sulcato  paniculatim  ramoso  flexuoso;  foliis  radicalibus 
ignotis;  caulinis  in  vaginam  sessilibus  pinnatim  decompositis 
versus  apicem  caulis  decrescentibus,  segmentis  circ.  4jugis 
0  vato-ellipticis  vel  lateoblongis  irregulariter  erenato- 
dentatis  terminali  saepe  lobulato;  umbella  terminali  a  ramealibus 
superata  9-radiata-,  involucri  phyllis  4 — 5  trianguläre  et  anguste 
ianceolatis  subsetaceis  floxuosis;  involucelli  phyllis  (in  eadem  um- 
bellula)  1  — 7  pedicellorum  dimidiam  aequantibus  lineari  setaceis 
deflexis:  radiis  valde  inaequalibus  puberulis  et  subscabris;  floribus 
chrysanthis •,  stylo  tandem  depresso;  mericarpiis  pro  ratione 
magnis  '%  pedicelli  longitudine  aequantibus  glabris  ellipticis  basi 
et  apice  emarginatis,  jugis  tenuissimis  basi  incrassatis,  vittis  ad  V< 
mericarpii  productis  attenuatis.  binis  lateralibus  centralium  sublati- 
oribus;  commissurae  glabrae  4 — Övittatae  vittis  valde  irregula- 
ribus.   ?!    (?)  Julio. 

Paphlagonia e,  Tossia:  in  pratis  bumidis  ad  Schersch-Oghhi 
die  16.  julio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4641.) 

Dimensiones:  Caulis  ex  unico  specimine  circ.  metralis  et 
infra  trientem  inferiorem  8  mm  diametro.  Folia  caulina  infera 
20  cm  longa  8  lata,  segmentis  circ.  5  cm  longis  2  latis  vel  mino- 
ribus.  ümbellae  radii  longiores  5*5,  breviores  3  cm  longi;  mericar- 
pia 7  mm  longa  et  ad  eorum  medium  5  lata. 

A  P.  annena  Fisch.  Mey.,  unica  specie  comparanda,  diftert 
caule  robusto  elato  (nee  gracili).  foliorum  segmentis  nee  ovato- 
orbiculatis  neque  argute  iuciso-piimatifidis,  fructibus  sesqui-longiori- 
bus  i\i  ('(imnussura  4--(>-  (nee  2-)  vittata. 

^Fortsetzung  t'olfft. ) 


104 

Bemerkungen  über  einige  orientalische  Pflanzenarten. 

Von  Dr.  A.  v.  Degen  (Budapest). 

XITI. 
Aquilegia  miren  Jaukn. 

Aquilegia  aurea  wurde  von  Herrn  V.  von  Janka,  nachdem 
er  sie  in  einer  Correspondenz  der  Oesterr,  bot.  Zeitschr.  1871. 
p.  280  bereits  erwähnt,  im  Junibefte  derselben  Zeitschrift  1872. 
p.  174,  beschrieben. 

Zimmeter  ')  glaubte  diesen  Namen  mit  der  Begründung, 
dass  schon  eine  A.  aurea  Koezl  im  Pflanzeukataloge  der  Handels- 
gärtnerei Fröbel  et  Comp,  in  Zürich  (Frühjahr  1871,  p.  79)  an- 
geführt sei,  in  A.  sidphurea  umändern  zu  müssen. 

Janka  scheint  Herrn  Zimmeter  weder  auf  seine  Aufforderung, 
den  Namen  dieser  Pflanze  vor  dem  Erscheinen  seiner  Arbeit  zu 
ändern,  noch  nach  der  Publication  der  A.  sulphurea  diesbezüglich 
geantwortet  zu  haben,  und  hat  seinem  Unwillen  über  das  Weg- 
taufen seiner  Art  nur  in  einer  Bemerkung  Ausdruck  gegeben, 
welche  seinem  im  ungarischen  Nationalmuseum  befindlichen  Exemplare 
beiliegt:  „nomen  meum  omnino  sine  jure  in  yl.  .s«//>/i(!/;'t'a?H  mutatum, 
nam  A.  aurea  Koezl  solum  in  hortulano  quodam  sine  descriptione 
edita  atque  insuper  loco  scientiae  cultoribus  valde  ambiguo",  welche 
Worte  zwei  gewichtige  Gründe  zur  Aufrechterhaltung  des  Namens 
A.  aurea  Janka  enthalten. 

Es  ist  hier  ganz  tiberflüssig  zu  erörtern,  dass  man  eine  Priorität 
nicht  auf  ein  „nomen  nudum",  welches  überdies  in  einem  Samen- 
oder Pflanzenkatalog  erschienen  ist,  begründen  kann,  und  darum 
ersuchte  ich  gelegentlich  einer  Discussion  über  Velenovsky's 
Flora  bulgarica  (bot.  Sectionssitzung  der  königl.  ungar.  naturw.  Ges.  vom 
8.  März  1808)  Herrn  Professor  v,  Borbäs,  der  in  seinem  Werke  über 
Aquilegien')  dem  Vorgehen  Zimmeter's  gewissermassen  Sanction 
gegeben  hat,  sich  dieser  Auffassung  anzuschli essen,  wozu  Herr  Prof. 
V.  Borbäs  nicht  abgeneigt  zu  sein  schien.  Es  musste  mich  also 
befremden,  dass  Borbäs  in  einer  neueren  Abhandlung,')  trotzdem 
dem  Namen  A.  sulphurea  Zimm.  vor  A.  aurea  Janka  mit  der  Be- 
gründung Vorzug  gab,  dass  A.  aurea  Roezl  in  RegeTs  „Garten- 
flora" *)  „optime  depicta  in  hortis  magis  dispersa  atque  multo  magis 
nota,  ac  A.  sulphurea  Zimm.". 

Bedauerlicherweise  hat  er  es  aber  unterlassen,  sich  über  das 
Datum  der  Publication  a.  a.  0.  zu  vergewissern,    und    hat    dadurch 


')    Vcrw.  Verlv.  u.  geogr.  Verbr.  der  in  Eur.   einh.  Arten    der  Gattung 
Aquilegia,  Steyr  1875,  p.  38. 

"')   „Az  Aquilegiäk  rendszere."  Akad.  Ert.  XII.  1882.  p.  9  et  p.  14. 
')   „A  bolgär   Flora    vonatk.   hazänk  floräjära"  Termr.  füz.  1893,  p.  44. 
*j  Vol.  XXI.  1872.  p.  258.  t.  734. 


105 

den  Verfasser  der  neuesten  „Nacliträge  zur  Flora  von  Bulgarien"  ') 
der  den  Originalquellen  auch  nicht  nachgegangen  zu  sein  scheint, '') 
zum  getreuen  Copiren  eines  Irrthumes  verleitet;  d(mn  die  Beschreibung 
der  yl.  canadensis  L.  y.  aurea  Koezl  erschien  von  K.  Kegel  im 
September,  die  der  A.  aurea  Janka  dagegen  im  Juni  1872. ') 

Es  ist  daher  zweifellos,  dass  der  Name  A.  tmrea  Koezl  ap. 
Fröbel  als  nomen  nudum  et  loco  obscuro  publicatum  zu  fallen 
hat,  und  dass  A.  aurea  Janka  1.  c.  1872,  Juni,  Priorität  vor  A. 
aurea  Roezl  apud  Kegel  1.  c.  1872,  September  hat. 

Um  ähnlichen  Fällen  in  Zukunft  vorzubeugen,  wäre  es  angezeigt, 
eine  diesbezügliche  Verfügung  den  Nomenclaturregeln  einzuschalten, 
und  zwar  wäre  der  Passus  in  Kuntze  Kev.  Gen.  III.  p.  CCCCXIl. 
Punkt  8  „Gärtnerlisten  sind  ausgeschlossen"  schon  in  den  Ar- 
tikel 4'i  DC.  Lois  de  la  nomenclature  (Kuntze  1.  c.  p.  CCCC.)  in 
geeigneter  Weise  anzubringen. 

Stets  bestrebt,  in  der  Nomeuclatur  bei  Feststellung  einer 
Priorität  innerhalb  der  Grenzen  der  üblichen  Kegeln  der  Pietät  für 
den  ersten  Entdecker  oder  Autor  einer  Art  gerecht  zu  sein,  komme 
ich  gewissermassen  einer  Freundespflicht  nach ,  wenn  ich  dieser 
schönen  und  in  Europa  einzigen  gelbblühenden  A<iuileyia  -  Art 
den  Namen  ihres  ersten  Entdeckers  und  Beschreibers,  dessen  Stolz 
und  Freude  sie  bis  zu  seinem  leider  zu  frühen  Ende  gewesen  war, 
reclamire.  Sie  wurde  ausser  den  bereits  bekannten  Standorten,  im 
Jahre  18i>2  auf  dem  Berge  „Musala"  im  Khodopegebirge  oberhall» 
den  Quellen  der  Maritza  von  Herrn  J.  Wagner  zahlreich  angetroffen 
und  in  seinen  Exsiccaten  unter  Nr.  G  ausgegeben, 

Budapest,  am  19.  Jänner  1894. 


Notiz  Über  die  Giftigkeit  der  Ho  nie  Her -Arten. 

Von  Baron  Ferdinand  v.  Müller  (Melbourne). 

Ich  möchte  in  Kürze  die  Aufmerksamkeit  meiner  Fachgenossen 
auf  die  tödtliche  Giftigkeit  der  südafriknnischen  Homerien  lenken, 
zumal,  da  Arten  dieser  Gattung  auch  in  Europa  wohl  mehrfach  cultivirt 
werden.  Es  wurde  mir  erst  vor  einigen  Jahren  zufällig  aus  Süd- 
afrika bekannt,  dass  Vergiftungsfälle  von  Weidethieren  vorgekommen, 
als  vom  Fressen  der  Homerien  entstanden.  Die  Gefährlichkeit  dieser 


')  Prof.  Dr.  J.  Velenovskv  in  Sitzungsber.  der  königl.  böhm.  Ges. 
d.  Wiss.  1893. 

'')  1.  c.  ist  z.  B.  ein  so  wichtif):cs  Werk,  wie  Prof.  Gheorghieffs 
Arbeit  über  die  Rilo  und  Rhodope-Planina  (Sofia  1891),  wo  einige  seiner 
Novitäten  bereits  erwähnt  sind,  übersehen. 

')  Ich  verdanke  die  genauen  Daten  und  Diagnosen  der  freundlichen 
Mittheilung  des  Herrn  Geh.  Regierungsrathes  Prof  L.  Wittmack. 


106 

Pflanzen  hat  sich  hier  nun  auch  in  letzterer  Zeit  deutlich  erwiesen, 
da  mehrfach  Kühe  starben,  welche  von  H.  aurcmtiaca  gefressen 
hatten  an  Stellen,  wo  diese  Art  als  Gartenflüchtlin^  auftrat.  In 
einem  winterlosen  Klima,  wie  hier  und  wie  selbst  in  den  südlichsten 
Theilen  Oesterreichs,  sowie  in  den  Mittelmeerländern,  könnten  die 
Homerien  sehr  schädlich  werden,  denn  die  Gefahr  ist  um  so  grösser, 
da  —  wie  ich  hier  finde  —  unzählige  ganz  kleine  Bulbillen  sich 
unter  den  Lamellen  der  Zwiebel  entwickeln,  und  sich  so  die 
Pflanze  sehr  schnell  vermehrt  und  ausbreitet,  wenn  sie  einmal 
irgendwo  cultivirt  wird. 

Es     dürfte     sich     daher    Vorsicht    bei    etwaiger    Cultur    von 
Homerien  in  südeuropäischen  Gärten  empfehlen. 


Litteratur-Uebersicht. ') 

Jänner  1894. 

Artzt  A.  Botanische  Keiseerinnerungen  aus  Tirol.  Forts.  (Deutsche 
bot.  Monatschr.  1893.  Nr.  12,  S.  161— 165.)  8". 

Enthält  Fundortsangaben  aus  der  Umgebung  von  S.  Vigil  und  von 
Prax. 

Ascherson  P.  Ueber  die  Einwanderung  von  Guscuta  lupuliformis 
Krock.  (Verh.  d.  bot.  Ver.  d.  Prov.  Brandenb.  1894.  p.  XX  bis 
XXV.)  8". 

—  —  Bemerkungen  und  Zusätze  zu  einem  Aufsatze  von  C.  Warn s- 
torf  über  die  Flora  von  Kuppin.  (Verh.  d.  bot.  Ver.  d.  Prov. 
Brandenb.  1894.  Abb.  S.  135—147.)  8". 

Enthält  u.  a.  eingehende  Erläuterungen  über  Trifolium  hrachystylos 
Knaf,  als  dessen  älterer  Name  T.  pratense  ß.  parviflorum  Bab.  nach- 
gewiesen wird.  Verf.  stellt  die  Verbreitung  dieser  Pflanze  fest  und  erwähnt 
auch  deren  Vorkommen  bei  Tetsehen  in  Ijöhmen  (M.  Winkler  sec. 
Magnus). 

Baumgartner  J.  Pflanzengeographische  Notizen  zur  Flora  des 
oberen  Donauthales  und  des  Waldviertels  in  Niederösterreich 
(Verh.  d.  zool.  bot.  Ges.  Wien.  XLIII.  Abb.  S.  548—551.)  8". 

Celakovsky  Lad.  J.  0  nekterych  zrudnostech  na  habru  a  smrku 
se  objevuiicich.  (Ceska  Akad.  v  Praze  II.  Nr.  37.)  8".  50  p. 
2  Tab. 


')  Die  „Litteratur-Uebersicht"  strebt  Vollständigkeit  nur  mit 
Rücksicht  auf  jene  Abhandlungen  an,  die  entweder  in  Oesterreich-Ungarn 
erscheinen  oder  sich  auf  die  Flora  dieses  Gebietes  direct  oder  indirect  be- 
ziehen, ferner  auf  selbstständige  Werke  des  Auslandes.  Zur  Erzielung 
thunlichster  Vollständigkeit  werden  die  Herren  Autoren  und  Verleger  um 
Einsendung  von  neu  erschienenen  Arbeiten  oder  wenigstens  um  eine  Anzeige 
über  solche  höflichst  ersucht.  TUt  Red. 


107 

Deutsches  R^surae  auf  S.  37  — 4f>  unter  dem  Titel:  „Ueber  einige  Ab- 
normitäten der  Hainbuche  und  der  Fichte."  Die  wichtigsten  der  beob- 
achteten Fälle  waren:  A.  Carpinti.«  Betulus:  1.  Freie  Entwickelung  der 
Vorblätter,  welche  normal  mit  dem  Deckblatte  zu  der  dreilappi^en  Frucht- 
hülle verwachsen.  2.  Entwickelung  der  Terminalblüthe  des  Dichasiums, 
die  normal  unterdrückt  ist.  3.  Vermehrung  der  Blätter  und  ihrer  Axillar- 
blüthen.  4.  Dichotome  Spaltung  der  Deckblätter.  3.  Bildung  von  dorsalen 
Excrescenzen  auf  der  Fruchthülle.  6.  Verwachsung  der  Vorblätter  unter 
einander  auf  der  dem  Deckblatte  entgegengesetzten  Seite.  7.  Verwachsung 
der  Fruchthülle  oder  nur  der  Vorblätter  mit  dem  Fruchtknoten  und  der 
Frucht.  8.  Verwachsung  zweier  Hüllblätter  oder  nur  der  Deckblätter  zu 
einem  Doppelblatt.  —  B.  Picea  excelsa.  Zur  Morphologie  der  Zapfengallen. 

Richenfeld  M.  li.  v.  Ueber  6V>Äiw,/n- Bastarde  aus  dem  Travigniiolo- 
Thale  in  Tirol.  (Verh.  d.  zool.-bot.  Ges.  Wien.  XLIII.  Sitzl). 
S.  51—53.)  8". 

Bemerkungen  über  Cirsium  montanum  Spr.,  über  mehrere  hybride 
Cirsien,  Beschreibung  zweier  neuer  Hybriden,  nämlich  C.  breviscapum 
Eichenf.  (acaule  X  montanum)  und  C.  Sennholzi  Eichenf.  (heterophyllum  X 
montanum). 

Fiala  F.  Ein  botanischer  Ausflug  in  die  Kiek  planina.  (Sep.-Abdr. 
aus  d.  wisseusch.  Mittheilungen  aus  Bosnien  u.  d.  Hercegovina. 
1894.)  8".  2  S.  —  0-40  M. 

—  —  Beiträge  zur  Pflanzengeographie  Bosniens  und  der  Herce- 
govina (a.  a.  0.).  8'.  21  S.  1   Taf.  —  2  M. 

—  —  Zwei  interessante  Nadelhölzer  des  bosnischen  Waldes.  Eine 
floristische  Schilderung  (a.  a.  0.).  8".  12  S.  2  Taf.  —  3  M. 

F ranze  Kezsö.  A  gänöczi  niesztufäban  talält  Confervites  mikro- 
szkopos  vizsgälata.  (Földtaui  közlöny  XXIII.  Kötet.  1 — 3  füzet. 
p.  4—12.  1  Tab.) 

Deutsches  Rdsum^  im  Supplement  a.  a.  0.  S.  71—78:  „Die  mikro- 
skopische Untersuchung  der  Conferviteu    aus    dem    KalktufFe  von  Gänöcz." 

F ritsch  Dr.  C.  Ueber  das  Auftreten  von  Cuscuta  swtveolens  Ser. 
in  Niederösterreich.  (Verh.  d.  zool.-bot.  Ges.  XLUI.  Sitzb. 
S.  48—50.)  8'^ 

Verf.  berichtet  über  das  Auftreten  der  Pflanze  bei  Donaufeld  nächst 
Wien,  gibt  eine  Uebersicht  des  Auftretens  in  Europa  überhaupt  und  eine 
Zusammenstellung  der  Synonymie. 

Glaab  L.  Frostbeschädigungen  im  botanischen  Garten  zu  Salzburg. 
(Zeitschr.  f.  Pflanzenkrankh.  IIT.  S.  431.) 

—  —  Das  „Herbarium  Salisburgense"  des  salzbuigisohen  Landes- 
museums. Ein  Beitra'j:  zur  Flora  des  Herzogthums  Salzburg. 
(Deutsche  bot.  Monatsclir.  1893.  Nr.  12.  S.  105  -KicS.)  8". 

Standortsnotizen. 

Haracic  A.  Allium  Ampeloprasum  var.  Lxissinense  m.  (Verh.  d. 
zuol.-bot.  Ges.  Wien.  XLUI.  Sitzb.  S.  40.)  8". 


108 

Hohen  au  er  Fr.  Vergleichend  anatomische  Untersuchungen  über 
den  Bau  des  Stammes  bei  den  Gramineen.  (Verh.  d.  zool.-bot. 
Ges.  Wien.  XLITI.  Abh.  S.  552— 508.)  8". 

Kronfeld  M.  Bei  Mutter  Grün.  Wien  (Max  Nerlin).  8\  124  S. 

Verf.  behandelt  in  diesem  hübsch  und  anregend  geschriebenen  Buche, 
das  sich  nicht  blos  an  die  Botaniker,  sondern  in  erster  Linie  an  weitere 
Kreise  wendete,  die  Pflanze  in  ihren  Beziehungen  zu  Geschichte  und 
Cultus,  zum  menschlichen  Glauben  und  Fühlen.  Inhaltsübersicht:  Wie  die 
Tanne  Weihnachtsbaum  wurde.  —  Flora  und  Klio.  —  Goethe  als  Bota- 
niker. —  Rosen,  Veilchen  und  Lavendel.  —  Herba  Nicotiana.  —  Die  Hei- 
mat des  Flieders.  —  ßrockenblumen.  —  Zauberpflanzen.  —  Das  Bauern- 
gärtchen.  —  Blumen  auf  Gräbern.  —  Chamisso  als  Botaniker.  —  Die 
kleinsten  Baumeister.  —  Riesenweinstücke.  —  Die  Flora  der  Pflastersteine. 
—  Bacterien  im  Haushalte.  —  Riesenblumen.  —  Die  Ameisen-Leibgarde 
der  Pflanze. 

Wilhelm  C.  Nachruf  an  Prof.  Dr.  Josef  Boehm.  (Verh.  d,  zool.- 
bot.  Ges.  Wien.  XLIII.  Abh.  S.  571) -580.)  8". 

Zahlbruckner    A.    Pannaria    Austriaca    n.    sp.    (Annal.   d.  k.  k. 
natuih.  Hofm.  in  Wien.  Bd.  VIII.  Heft  3  4.)  8".  2  S.  1  Taf. 
Vorkommen:   „Kleine  Klause"  bei  Aspang,  Niederösterreich. 
Die  Tafel  zeigt,  wie  gut  sich  die  Photographie   selbst  ztir  Wiedergabe 
kleiner  Objecte  bei  Neubeschreibungen  eignet. 


Boullu.  Les  Centaurees  du  groupe  Jacea.  (Societe  bot.  de  Lyon. 
Bull,  trimestr.  Nr.  1.  1893.  p.  22—24.)  8". 

Elfving  J.  Zur  Kenntniss  der  pflanzlichen  Irritabilität.  (Öfversigt 
af  Finska  Vet.-Soc.  Forhand.  Heft  XXXVI.)  8".  8  S. 

Emraerig  A.  Erklänmg  der  gebräuchlichsten  fremden  Pflanzen- 
namen. Ein  Nachschlagebuch  für  Studireude,  Botaniker,  Lehrer, 
Gärtner  etc.  Donauwörth  (L.  Auer).  kl.  8".  140  S.  1  M. 

Figert  E.  Botanische  Mittheilungen  aus  Schlesien.  VIII.  Ramm- 
cMi/^s-Hybride.  ( Deutsche  bot.  Monatschr.  1898.  Nr.  12.  S.  109  bis 

172.)  8". 

Beschrieben  werden:  R.  lanuginosus  X  acer,  R.  hulhosus  X  polyanthemus, 
R.  bulbosus  X  repens. 

Flahault  Ch.  lievue  des  travaux  sur  les  algues,  publiees  de  1889 
au  commencement  de  1892.  (Rev.  gen.  de  Botanique.  V.  Nr.  00. 
p.  529-582.)  8".  illustr. 

Haussknecht  C.  Symbolae  ad  floram  Graecam.  Aufzählung  der 
im  Sommer  1885  in  Griechenland  gesammelten  Pflanzen.  Forts. 
(Mitth.  der  Thüring.  bot.  Ver.  N.  Folge  5.  Heft.  S.  41-120.)  8". 

Neu  beschrieben  oder  ausführlicher  behandelt  werden  u.  a. .-  Reseda 
Thymphaea  Hssk.,  Helianthemum  Chamaecistus  y.  condensata  Hssk., 
Famana  Ärahiea  (L.)  ß.  incanescens  Hssk.,  Vinla  Orphanidis  Boiss.  ß. 
cyanea  H&ak.,    V.  LacmonicaHssV.   fOetoUca  ß.  heterosepala  X  (h'phamdisj, 


109 

Polyfjala  vulgaris  L.  ß.  pivdicoln  Hssk.,  Franken)«  hirsuta  y.  brevipes 
Hssk.,  Melandrium  pratense  Röhl.  ß.  Thessalum  Hssk.,  Silene  faburioides 
Hssk  ,  Silene  pindirola  Hssk.,  S.  sedoides  ß.  la^va  et  y.  pachyphylla  Hssk., 
S.  Haussknechtii  Heldr.,  Dianthus  cibrarius  Clem.  var.  leucolepis  Hssk., 
Cerastium  lanhjerum,  Clem.  ß.  alpirolum  Hssk.,  Alsine  verna  y.  Laureotira 
Hssk.,  Sperijularia  hybrida  H.ssk.,  {campestris  >c  diandra).  Hypericum 
barbatmn  Jacq.  var.  pindicolum  Hssk.,  H.  perfoliatum  L.  ß.  amblysepalvm 
Hssk.,  Acer  campestre  X  3Ionspessulanum,  Geranium  deripievs  Hssk. 
{a.«phodeloidesX  Jiohemicum),  Trifolium  pseudo- medium  Hssk..  T.  Held- 
reichianum  Hssk.,  T.  lappaceu:n  L.  ß.  brachyodon  Hssk.,  T.  patens  ß. 
Koronense  Hssk.,  T.  agrarium  y.  thionanthum  Hssk.,  Astragnlus  Argnlicus 
Hssk.,  Onobrychis  Pentelica  Hssk.,  O.  alba  (W.  K.)  ß.  affinis  Hssk.  y. 
varia  Hssk.,  O.  pindicola  Hssk.,  O.  graeca  Hssk.,  cum  var.  ß.  Thessala 
Hssk.,  Vicia  varia  Host.  ß.  eriocarpa  Hssk.,  V.  niicrophylla  Urv.  y. 
fitenophylla  Hssk.,  Prunus  spinosa  L.  var.  eriophora  und  var.  Thessala 
Hssk.,  Jiuhus  Anatolicus  cc.  tomentosus,  lt.  Anatolicus  X  caesius,  Poten- 
tilla  Detomtnafii  Ten.  ß.  holosericea  Grb.  a.  aprica  et  b.  umbrosa  Hssk., 
P.  pindicola  Hssk.,  P.  commijcta  Hssk.  (Detommasii  ß.  holosericea  X 
recta),  P.  intercedens  Hssk.  (Det.  ß.  hol.Xpedata),  P.  niican^  Hssk.  {Det. 
ß.  hol.  X  pindicola) ,  P.  pcdatoides  Hssk.  (pedataX  recta),  P.  dispersa 
Hssk.  [pedataX pindicola),  P.  dolofa  Hssk.  (argentea  y.  incanescensX 
pindicola),  Cauccdis  Torgesiana  Hssk.,  Malabaila  biradiata  Hssk..  Atha- 
inantha  Macedonica  Spr.,  Scandix  Pecten  Veneris  L.  ß.  Graeca  Hssk.,  »S'. 
macrorhyncha  C.  A.  Mey.  ß.  Thymphaea  Hssk..  -Biasolettia  pindicola  Hssk., 
Jiunium  tenerum  Hssk.,  Bupleurum  trichopndum  Boiss.  y.  Methanaeum 
Hssk..  Bifora  testiculata  DC.  ß.  condensata.  Hssk.,  Lonicera  Etrusca  S.  ß. 
adenantha  Hssk,,  Sherardia  arvensi.^  L.  ß.  obliterata  Hssk.,  Scabiosa 
Ucranica  L.  ß.  abbreviata  Hssk.,  S.  Taygetea  B.  et  H.  ß.  pindicola  Hssk., 
Anthemis  Meteorica  Hssk.,  A.  peregrinn  L.  (^.  platyloba  Hssk. 

Karsten  G.  Ueber  Beziehungen  der  Nucleolen  zu  den  Centrosomen 
bei  Psilotum  triquetruni.  (Berichte  d.  deutsch,  bot.  Ges.  XI. 
Heft  10.  S.  555—562.)  1  Taf. 

Kränzlin  F.  JTenia  OrcMdacea.  Beiträge  zur  Kenntniss  der 
Orchideen  von  H.  G.  Reichenba  eh.  fortges.  von  ....  Leipzig 
(Brockhaus).  4".  ä  Heft  4  M. 

HI.  Bd.  0.  Heft.  Tafei  2J)  1  —  259,  2  Bogen  Text:  Dendrobium  comprensum 
Ldl.,  Aerides  Laivrenceae  Rchb.  f.  var.  Amesiana  Sand.,  A.  Ortgiexianum 
Rchb.  f.,  Catasetum  Lierhtensteinii  Krzl.,  Laelia  Reichenbachlana  Wendl. 
et  Krzl.,  Papkinia  grandis  Robb.  f..  Coehniine  Micholicziana  Krzl., 
Octomeria  Seegeriana  Krzl  ,  Pleurothaliis  cryptoceras  Rchb.  f.,  Roeperocharis 
Rchb.  f,.  R.platyanthera  Rchb.  f.,  R.  Bennettiana  Rchb.  f..  R.  Urboviana 
Krzl.,  R.  idcicornis  Krzl.,  Pholidota.  Lancheana,  Krzl.,  Pleurothellis 
pachyglossii  Lindl.,  Saccolabium  gemmatum  Lindl.,  Dendrobium  listero- 
qlossum  Krzl. 

7.  Heft.  Tafel  2öi)-270,  2  Bogen  Te.\t:  Trichnpili«  Kienastiami  Rchb. 
f.,  Maxillaria  longipes  Lindl..  Coelogyne  cuprea  Wendl.  et  Krzl.,  Spatho- 
glottis  Wrayi  Hook,  f.,  Cypripedium  Roebelenii  Rchb.  f.,  Pholidota 
sesquitorta  Krzl.,  Eulophia  Warburgiana  Krzl.,  Rodriguezia  Lehmannii 
Rchb.  f..  Pleurothaliis  gelida  Lindl.,  P.  Kefersteiniana  Rchb.  f..  P. 
polylivia  Rchb.,  Luisia  Grifßfhii  Krzl.,  Saccolabium  Weyidlnvdoiiim  Rchb 
f.,  Dendrobium  sphegidiglossxm  Kclib.  f.,  Listrostachys  Mctteniae  Krzl. 
Bolbophyllum  mandibulare  Rchb.  1. 

Kückenthal  G.  Caricologische  Mittheihmgeu.  (Mitth.  d.  Thtiriug 
bot.  Ver.  N.  Folge  5.  Heft.  S.  12—19.)  8". 


no 

Ludwig  F.  Vorarbeiten  zu  einer  Kryptogameuflora  des  Fürsten- 
thumes  Reuss  ä.  L.  I.  Pilze.  Fortsetzung.  (Mitth.  d.  Thüring.  bot. 
Ver.  N.  Folge  5.  Heft.  S.  21-40.)  8°. 

Miyoshi  M.  Ueber  Chemotropismus  der  Pilze.  (Bot.  Zeitung  1894. 
Heft  1.)  4027  S.  1   Taf. 

P  0  i  r  a  u  1 1  ö.  Les  Uredinees  et  leurs  plantes  nouricieres.  Supplement. 
(Journal  de  Bot.  8.  Ann.  Nr.  1.)  8".  3  S. 

Potonie  H.  Pseudo  -  Viviparie  an  Juncns  bufonitis  (Biolog. 
Centralbl.  XIV.  Nr.  1.)  8^  9  S.  5  Abb. 

Rebm  H.  Die  Pilze.  Rabenhorst's  Kryptogameuflora  von  Deutsch- 
land etc.  2.  Aufl.  I.  Bd.  III.  Abth.  Lief.  40  und  41.  Leipzig  (E. 
Kummer).  8".  S.  785—910.  ä  2-40  M. 

Die     beiden     Lieferungen     behandeln     die     Gattungen:       Sclerotinia, 
Dasyscypha,  Lachnella.  Lnchvellula,  Lacknum,   Erinella. 

Russell  H,  L.  The  bacterial  flora  of  the  Atlantic  oceau  in  the 
vicinitv  of  Woods  Holl.  (The  bot.  Gazette  XVIII.  Nr.  12. 
p.  48()_447.  1  Taf.)  8". 

.Schröter  J.  Pilze  in  Cohn  F.  Kryptogameuflora  von  Schlesien. 
Bd.  III.  2.  Hälfte.  Lief.  2.  Breslau  (Kern).  8".  S.  129—256. 
3-20  M. 

Schweinfurth  G.  und  Aschersou  P.  Primitiae  florae  Marmaricae 
mit  Beiträgen  von  P.  Taubert.  Ende.  (Bullet,  de  l'lierb.  Boiss. 
1894.  Nr.  12.  p.  644— 682.)  8". 

Sommier  S.  e  Levier  E.  Ranunculi  caucasici  dichotomice  dispositi. 
(Nuov.  Gioru.  bot.  Ital.  N.  Ser.  Vol.  L  Nr.  1.  p.  7—11.)  8". 

Strasburg  er  E.  Histologische  Beiträge  1893.  V.  Jena  (G.  Fischer) 
8".  132  S.  2-50  M. 

Inhalt:     Ueber    das    Saftsteigen.    —    Ueber     die    Wirkungsspliäre     der 
Kerne  und  die  Zellgrösse. 

Zimmermann  A.  Beiträge  zur  Morphologie  und  Physiologie  der 
Pflanzenzelle.  II.  Band.  Heft  1.  Tübingen  (Laupp).  8".  35  S. 
1   Taf. 

Enthält:  „Ueber  das  Verhalten  der  Nucleolen  während  der  Caryokinese." 

Zopf  W.  l'eiträge  zur  Physiologie  und  Morphologie  niederer  Orga- 
nismen. Aus  dem  kryptogamischen  Laboratorium  der  Universität 
Halle.  111.  Heft.  Leipzig  (A  Felix).  8".  71  S.  3  Taf.  10  Textabb. 
510  M. 

Der  Inhalt  dieses  neuesten  Heftes  der  schönen  Publication  ist: 
Zopf  W.  Kritische  Bemerkungen  zu  Brefeld's  Pilzsystem. 

—  —  Ueber    die    eigenthüralichen  Structurverhältnisse    und   den  Entwick- 
lungsgang der  Dictiosphaer'um-Golofn^n. 

—  —   Zur  Kenntniss  der  Färbungsursachen  niederer  Organismen    (3.    Pro- 


111 

duction  caiotin-artiger  Farbstoffe    bei  Krebsen  und  hypocreaceen-artigen 

Pilzen). 
_   _    Ueber    eine  Saprolegniacee    mit  einer  Art  von  Erysipheen-äbnlicher 

Fruchtbildung. 
-   —  Zur  Kenntniss  der  Färbungsursachen  niederer  Organismen  (4.  Poly- 

porus  sanguineus.   Cortinarius  cinnabarinvs,   C.  cinnamomeufi). 

Flora  von  Oesterreich-Ungarn. 


I.  Niederösterreich. 
Referent:  Heinrich  Braun  (Wien). 

(Schluss.  •) 

T.  lieirheliamis  Opiz.  ')  T.  ovato  {suhcitrato)  X  Lövt/anus 
Opiz.  Zwischen  den  Stammeltern,  am  Galitzynberge  in  Wien, 
Dornbach  (Herb.  H.  IJraun).  Mentha  Wierzhickiana  Opiz.  Donau- 
auen bei  Deutsch  -  Altenburg  (12)  M.  sllvestris  var.  serrula fa 
(Opiz).  In  Wassergräben  zwischen  Hundsheim  und  Hainburg  und 
zwischen  Himdsheira  und  Prellenkirchen,  in  sumpfigen  (Gräben 
zwischen  Hainburg  und  Wolfsthal,  in  Donauauen  bei  Haiuburg  (12). 
M.  pahidosa  Sole.  In  sumpfigen  Gräben  zwischen  Hainburg  und 
Wolfsthal  (12).  M.  serotina  Host.  Zwischen  Hundsheim  und  Deutscli- 
Altenburg  (12).  M.  plicata  Q'^yl  Auf  Sumpfwiesen  zwischen  Hainburg 
und  Wolfsthal  (12).  J/.  aquatica  var.  stolonifera  Opiz.  In  Wasser- 
gräben zwischen  Hainburg  und  Wolfsthal  (12)  und  Donauufer  am 
Stockerauer  Arm  (15).  M.  atrovirensB.08i.  In  Wassergräben  zwischen 
Hundsheim  und  Deutsch-Altenburg  (12).  J/.  tortuosa  Host.  In  Gräben 
zwischen  Huiidsheim  und  Deutsch-Altenburg  und  zwischen  Hainburg 
und  Wolfsthal  (12).     M.  Motoliensis   Opiz.     Ufer  des  Göllersbaches, 


')  Vergl.  Nr.  2.  Seite  48. 

')  Thf/mvs  ReicheUamis  Opiz  Sezn.  p.  06  (1852)  Herb.  Nr.  118.S 
I  Königgrätz,  Reichel).  Desöglisc  Observatiuns  sur  los  Thymi  Opiziani  in 
T^ullet.  de  la  Soci^tö  d'Etudes  Pcientifiques  d' Angers  (1882)  Extr.  p.  9; 
(Fälschlich  von  Des^glise  als  T.  Chamaedrys  Fries,  gedeutet).  Gaules 
prustrati,  non  repentes.  Gaules  florigeri  recti,  plerumque  in  angulis  bre- 
viter  pilosi,  inter  angulos  tenuiter  puberuli  vel  sparse  pilosnli.  Folia 
ad  basin  ciliata  ceterum  glabra,  spathuliformia  ;  calices  pilis  albidio  longius- 
culis  sparse  obtectae.  dentes  calicinis  pilis  longiusculis  ciliatae.  Flores 
partim  in  capitulis  globosis  partim  in  capitulis  elongatis  aggregati.  Die 
Mitte  zwischen  T.  subeitratus  Schreb.  und  T.  LOvyanus  Opiz  haltend. 
Durch  die  nur  vornehmlich  an  den  Kanten  kurz  behaarten,  an  den  Flächen 
sehr  kurz  beflaumten  vierkantigen  Stengel,  die  Form  der  Blättchen  etc.  sehr 
an  T.  subcitratus  Schreb.  erinnernd,  aber  durch  die  an  den  Flächen  doch 
immer  deutlich  beflaumten  Stengel,  die  langzottig  behaarten  Kelche  und  die 
langzottig  bewimperten  Kelchzähne  von  letzteren  verschieden,  und  durch 
letztere  Merkmale  deutlich  an  die  Verwandtschaft  mit  T.  Löv\janus  Opiz 
mahnend.  Eine  hybride  Form,  die  vielleicht  noch  öfter  unter  den  Stamm- 
eltern sich  vorfinden  wird. 


112 

Bachpromenade  bei  Stockerau  (12):  ferner  in  sumpfigen  Gräben 
zwischen  Hainburo-  und  Wolfsthal  (15).  —  M.  rubro-hirta  Lejeune. 
In  Gräben  bei  Hundsheim  (12).  M.  eupatoriaefolia  H.  Braun  {M. 
longifolia  Host,  nou  alior.),  Bachufer  in  Ünter-Hautzenthal  (bei 
Stockerau)  (15).  M.  ßorida  Tausch.  In  sumpfigen  Gräben  zwischen 
Hainburg  und  Wolfsthal  (12).  M.  austriaca  Jacq.  var.  spheno- 
phylla  Borb.  In  Gräben  bei  Deutsch-Altenburg  (12).  M.nemorum 
Boreau  (forma  intermedia  inter  M.  austriacam  et  M.  nemorum)', 
Sandanfliig  im  Stockerauer  Arm  (15).  M.  pulcheUa  Host.  In 
Wassergräben  zwischen  Hainburg  und  Wolfsthal  (12).  M.  arvensis 
var.  SlicJwvi'Hsis  Opiz.  Waldrand  am  Dobler  bei  Spillera,  unter 
einem  Baume  (15).  —  M.  Beissekli  H.Braun')  n.  sp.  GentiUum. 
In  Wassergräben  zwischen  Hainburg  und  Wolfsthal  und  in  sumpfigen 
Wiesen  hinter  Wolfsthal  (12).  3f.  Pauliaaa  Schultz,  Sandanflug 
im  Stockerauer  Arm  (15).  Orohanche  ruhens  Wallr.  und  O.  alba 
Steph.  In  der  Hügelregion  um  Krems  an  der  Donau,  auch  auf 
Schiefer  nicht  selten  (13).  O.  Alsatica  Kirchschi.  Am  Weinberg  bei 
Kappolteukirchen  ein  Exemplar  (17).  Adenophora  lilifoUa  (L.) 
Nr.  2236.  Moosbruun  (4).  Campamda  Cervicaria  L.  In  oberen  Stein- 
bacbthal  bei  Senftenberg  im  Bez.  Krems  (13).  C.  sibirica  L.  Bei 
Spitz  an  der  Donau  (13).  Jasioae  montana  L.  Nr.  2241.  Gloggnitz 
(4).  Galium  boreale  var.  mesocarpon  H.  Braun  (Nr.  2203).  Rappolten- 
kirchen  (4).  G.  horeale  var.  hyssopifolinm  Hoffm.  Nr.  2204.  Feuchte 
Wiesen  bei  Vöslau  (4).  G.  Molluno  L.  u.  Nr.  2206.  An  Zäunen  bei 
St.  Veit  an  der  Wien  (4).  var.  puhescem  Schrader,  Nr.  2207. 
ebenda  (4).  G.  Tirolense  Willd.  Nr.  2209.  Kaltenleutgeben  und 
Eappoltenkirchen  (4).  G.  erectum  Huds.  (2210).  Donauufer  bei  Wien 
und  Heuberg  bei  Dornbach  (4).  G.  lucidum  All.  (Nr.  2211).  Kalk- 
berge um  Mödling  und  var.  scabrid^im  (DC.)  (Nr.  2212).  Bei 
Mödliug  und  Perchtoldsdorf  (4).  G.  silvaticum  L.  (Nr.  2216).  Dornbach 
l)ei  Wien  (4).  G.  comnmtatum  Jord.  (Nr.  2217).  Heuberg  bei 
Dornbach  nächst  Wien  (4).  G.  verum  L.  ix.  trachyphyllum  Wall- 
roth (Nr.  2221).  Laaerberg  bei  Wien  (4).  G.  Aparine  a.  verum 
Wimmer  ß.  hispidulum  Opiz  (Nr.  2226).  Perchtoldsdorf  und  Laxen- 
burg  (4).  G.  ulmnosum  L.  Sumpfige  Wiesen  bei  Eappoltenkirchen 
(17).  Asperula  Neilreichii  G.  Beck  (Nr.  2231).  Preinerschütt  der 
Raxalpe  (4).  Scabiosa  cciwscens  W.  et  K.  (Nr.  2269).  Perchtolds- 
dorf und  Baumgarten  bei  Mauteru  (4).  Knaidia  arvensis  (L.) 
(2271)  bei  Wien  (4).  Knautia  silvatica  (L.)  Nr.  2276.  Lunz  (4). 
Knautia  j>annouica  (Jacq.)  (Nr.  2277).  Neuwaldegg  und  Semmering 
(4).  Helianthus  annuus  L.  Sandige  Anschüttungen  im  Stockerauer 
Donauaim  (15).  Erechthites  hicracifolia  Eaf.  Neuer  Schlag  am 
goldenen    Bmnnl    im    Rohrwald     nächst    Spillern    (15).     Anthemis 


')    Die    Beschreibung     dieser    interessanten    Form    folgt    in    einer    der 
nächsten  Nummern  der  Oesterr.  botan.  Zeitschrift. 


113 

Cotula  L.  flore  pleno;  Wegrand  in  Ünter-Hautzeuthal  bei  Stockerau 
(15).  Artetnisui  Absinthium  L.  (Nr.  2251)  bei  Wien  (4),  A.  cam- 
pestris  L.  (Nr.  2254)  bei  Wien  (4).  A.  scoparia  W.  et  Kit. 
(Nr.  2258)  bei  Wien  (4).  A.  Pontica  L.  (Nr.  2200).  Am  Steinfeld 
bei  Wr.-Neustadt  (4).  A.  Santonicum  L.  var.  monoyyua  (W.  et  Kit.) 
Baumgarten  im  Marchfelde  (4).  Galinsoga  parviflora  Cav.  Auf 
Aeckern  um  den  Waldhof  bei  Krems  in  grosser  Menge,  auf  Gneiss; 
erster  bekannter  Standort  um  Krems  (18).  Echinops  sphaerocephalas 
L.  Am  Holzweg  bei  Freunddorf  nächst  Kappoltenkirchen  (17). 
(Jirsium  erucagiaeum  DC.  {rividare  X  oleraceum)  Strasseugraben  bei 
Kappoltenkirchen  (17).  Lactuca  viminea  (L.)  Presl.  Am  Seiberer  bei 
Weissenkirchen  in  der  Wachau ,  am  linken  Donauufer  oberhalb 
Markt  Aggsbach  (18).  Scorzonera  purpurea  L.  (Nr.  2245).  Geiss- 
berge bei  Perchtoldsdorf  (4).  8.  austriaca  Willd.  (Nr.  2248).  Zwischen 
Mödling  und  Gumpoldskirchen  (4)  und  auf  sonnigen  Abhängen  bei 
St.  Michael  und  Spitz  an  der  Donau  (18).  Xanthium  strumarium 
L.  Am  Donauufer  bei  Spitz,  im  Gebiete  der  Flora  von  Krems  nur 
selten  und  vorübergehend  (18). 

Namensänderungen. 

Larioc  decidua  Miller  {Ahies  Larix  Lam.)  =  Larix  Larix 
(L.)  Karst.  (4).  liubus  hirtus  var,  calopliyllus  Sabransky.  (non  alior.) 
(Deutsche  botan.  Monatschr.  1892.  S.  75.)  =  M.  latnproletieus 
Borb.  et  Sabr.  (14.)  M.  hirtus  var.  cordifolius  Sabr.  (non  alior.)  = 
li,  begonlaefolius  var.  ct/clorardkis  Borb.  et  Sal)r.  (14). 
Sherardia  arvensis  L.  =  Aspevula  Sherai'dl  Hock  (11).  OaUum 
horeale  var.  Interniedium  Koch  =  G.  horeale  var.  niesocavpon  H. 
Braun  (4).  G.  pmilluni  a.  glabrum  Neilr.  p.  p.  =  C?.  eommu- 
tatuin  Jacq.  (4).  G.  pusillum  ß.  hirtum  Neilr.  p.  p.  =  G.  asperuni 
Schreber  (4).  G.  Wirtgeni  Schultz  =  G,  praecox  (Lang)  (4). 
Scabiosa  suaveolens  Desf.  =  S,  ranesrens  W.  et  Kit.  (4).  Knautia 
(lipsacifolia  Host.  =  K.  sllimtlca  (L.)  (4).  K.  s'dvatica  (Jacq.)  = 
K.  patinonica  Jacq.  (4).  Artemisia  maritima  var.  nionogyna  (W. 
et  Kit.)  =  A,  Santonimun  L.  var.  monogyna  (W.  et  Kit.)  (4). 


II.    Kärnten. 

Referent:    Dr.  Karl  Fritsch   (Wien). 

(Fortsetzung. ') 

Care.r  Davalliana  All.  var.  glnlri'escens  Fächer.  Tresdorfer 
Alm  im  Gailthal  (Fächer).  —  C.  Buxbaumii  Wahlb.  Mehrfach 
um    Villach    (Unterkreuter).  —  C.  panicea    L.    var.  py(ftnaea 

')  Vergl.  Nr.  2,  S.  77  flF. 

Oexterr.  liulau.  Zeitschrift,  .i.  Heft.  1894.  •) 


114 

Fächer.  Bei  Fiatschach  nächst  Himmelberg  (Fächer).  —  C.  hordei- 
foriais  Wahlb.  Arnoldsteiu  (Jabornegg).  (Sämmtlich  4.) 

Butomus  umbellatus  L.    Knimfelden  im  Gurkthal  (Horak,  4). 

Luzula  sudetica  Fresl  var.  nivalis  Wahlb.  Flocken  (Freiss- 
mann,  4). 

Ornithogalum  sulfureum  Bertol.  (?)  Bergwiesen  im  Lieserthale 
(Freissmann);  St.  Martin  bei  Villach  (Unterkreuter)  (4). 

Hydrocharis  morsus  ranae  L.  Einfluss  der  Tiebel  in  den 
Ossiachersee  (Unterkreuter,  4). 

Pimis  Cemhraxsilvestris  (??  Eef.)  Reichenau  (Gusmus). 
—  Picea  e.vcelsa  Lk.  var.  viminalis  Alstr.  Bruggen  bei  Greifenburg 
(Hirsch);  var.  fissUls  Fächer  et  Zwanziger  ( H  a  s  e  1  f  i  c  h  t  e)  West- 
ufer des  Weissensees  (Hartmann);  var.  aurea  Fächer  et  Zwan- 
ziger (Goldfichte).  Hohenpressen  am  Westabhang  der  Saualpe 
(Hirsch);  Berg  bei  Greifenburg  (Kohlmayer).  (Sämmtlich  4.) 

Salix  formosa  Willd.  Fasterze  (Fächer,  4). 

Passerina  an/iua  Wikstr.  Villach  (Eotky,  4). 

Plantago  major  L.  var.  asiatica  Den.  (?)  Warmbad  Villach 
(Freissmann).  —  P.  altissima  L.  Schüttwiesen  bei  Föderaun 
(Rotky)  (4). 

(Schluss  folgt.) 


Botanische  Gesellschaften,  Vereine,  Oongresse  etc. 


I.  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien. 

Sitzung  der  mathem.-naturw.  Classe  vom  18.  Jänner  1894. 

Herr  Frofessor  Dr.  R.  v.  Wettstein  übersendet  eine  im 
botanischen  Institute  der  k.  k.  deutschen  üuiversität  Frag  ausgeführte 
Arbeit  von  Dr.  Friedrich  Czapek,  betitelt:  „Zur  Kenntuiss  des 
Milchsaft  Systems  der  Convolvulaceen". 

Die  wichtigsten  Ergebnisse  dieser  Arbeit  sind: 

Alle  untersuchten  Convolvulaceen  sind  milchsaftführend. 

Die  Gattung  Dichondra  besitzt  querwandlose  Milchsaftbehälter 
mit  dicken,  niemals  verkorkten  Membranen.  Alle  anderen  Convol- 
vulaceen haben  Milchsaftzellreihen,  deren  Querwände  nicht  resorbirt 
werden,  mit  dünnen,  endlich  verkorkenden  Membranen.  Die  Ver- 
theilung  der  Milchsaftzellen  gibt  gute  Anhaltspunkte  zur  Unter- 
scheidung einzelner  Gattungen  ab. 

Die  Milchsaftzellen  entwickeln  sich  im  Embryo  zugleich  mit 
den  Gefässbündelanlagen.  Die  des  Hypocotyls  und  der  Cotyledonen 
bilden  ein  System,  an  das  sich  jene  des  Epicotyls  erst  nachträglich 
anschliessen.  Die  Entwicklung  der  Milchsaftzellen  im  epicotylen 
Theile    der  Fflanze   hält    zeitlich   und   örtlich    gleichen  Schritt    mit 


115 

der  Ausbildung  der  Blattspurstränge.  Sie  verlauten  im  entwickelten 
Spross  längs  der  Phloemstränge.  Nach  beendigtem  Wachsthume 
eines  1jährigen  Sprosstheiles  tritt  Involution  des  secretorischen 
Apparates  ein. 

Perennirende  Stamm-  und  Wurzeltheile  besitzen  auch  im 
Phloem  Milchsaftzellen. 

In  Bezug  auf  die  physiologische  Function  des  Milchsaftsystems 
der  Convolvulaceen,  das  auch  morphologisch  von  den  „Milchröhren" 
verschieden  ist,  lässt  sich  die  Vermuthuug  aussprechen,  dass  das- 
selbe ein  System  von  Leitungsbahnen  darstellt,  dessen  Function  mit 
Vollendung  des  Wachsthumes  des  Pflanzentheil  es  aufhört. 


IT.  K.  k.  zoologisch-botanische  Gesellschaft  in  Wien. 

In  der  Monatsversammlung  am  4.  October  1893  sprach  Herr 
J.  F.  Nowack  über  „Pflanzenphysiologische  Eigenthümlichkeiten  der 
Wetterpflanze  (Ahrns  precatorius)'' .  Am  8.  November  berichtete  Herr 
Dr.  E.  V,  Halacsy  über  die  botanischen  Ergebnisse  der  von  ihm  im 
Sommer  1898  unternommenen  Reise  nach  Griechenland.  Am  6.  De- 
cember  hielt  Herr  Professor  Dr.  C.  Wilhelm  einen  Nachruf  an 
Professor  Josef  Böhm;  Herr  Dr.  C.  F ritsch  sprach  über  das  Auf- 
treten der  Cuscuta  suaveolens  Ser.  in  Niederösterreich. 

Die  botanischen  Discussionsabende  des  letzten  Quartales  1893 
brachten  folgende  Vorträge: 
am    13.  October:    Dr.  C.  Fritsch:    Ueber    die    alpinen   Artemisia- 

Arten  Europas; 

Dr.  G.  S  e  n  n  h  0 1  z :  lieber  eine  Fasciation  von  Delphinünn. 
Professor    A.    Haracic:    üeber    Allium    Ampeloprasvm 

var.  Lussinense', 
am  17.  November:  Dr.  M.  Krön  fei  d:  Jacquiu  des  Jüngeren  gelehrte 

Reise  durch  Europa  (1788  —  1790); 

Dr.    M.    V.    Eichenfeld:     Ueber    Cirsienbastarde    des 

Travignuolo-Thales  in  Tirol; 

Dr.  G.  R.  V.  Beck:    Ueber   einen    auf  Gurken    parasiti- 
schen Pilz. 


TIT.  Botanische  Fachsection  der  königlich  ungarischen  natur- 
wissenschaftlichen Gesellschaft  in  Budapest. 

Sitzung  vom  8.  Februar  1893. 

1.  Julius  Istvänffi  zeigte  den  aus  der  Leydener  Universitäts- 
Bibliothek  ausgeliehenen  „Codex'"  von  Clusius  vor.  Diese  unver- 
gleichlich schöne  Aijuarellsammlung,  welche  zu  Ende  des  XVI. 
Jahrhunderts  (1573—1588)  verfertigt  wurde,  enthält  die  Bilder  der 
im  südöstlichen  Theile  Ungarns  gesammelten  Pilze  und  ist  die  erste 


116 

Quelle  der  wisseiiscbaftlichen  Pilzkunde  üugarus.  Auf  den  87  Folioblät- 
tern finden  sich  222  Pilzbilder.  Das  Werk  Clusius  „Fungorum  in 
Pannonia  observatorum  brevis  Mstoria"  (1601  Antwerpen)  ist  auf 
diese  Bilder  begründet,  doch  viele  Arten  dieser  Arbeit  konnte  man 
bis  heute  nicht  identificiren,  denn  die  der  Arbeit  beigefügten  Holz- 
schnitte sind  sehr  primitiv.  Vortragender  hat  die  Aquarelle  copirt. 
und  will  dieselben  studiren,  um  die  noch  zweifelhaften  Clusius'schen 
Pilzarten  sicherzustellen. 

2.  Ludwig  Fialowski  behandelte  die  Pflanzennamen,  welche 
in  dem  Werke  von  Andreas  Beythe  „Fives  Konuv"  vorkommen; 
dasselbe  erschien  im  Jahre  1595  in  Nemet-Ujvär.  Andreas  Beythe 
war  der  Sohn  des  Stephan  Beythe,  der  der  Begleiter  Clusius' 
war.  Das  Werk  „Fives  Konuv"  ist  von  Wichtigkeit  für  die  Ab- 
leitung der  ungarischen  Pflanzennamen. 

3.  Moriz  Staub  referirte  über  die  zwei  neuesten  Arbeiten 
P  0 1 0  n  i  e's,  über  Paradoxocarpus  carinatus  Nehring  und  über  „Wasser- 
spalten bei  fossilen  Farnen." 

4.  Vincenz  Borbäs  theilte  unter  dem  Titel  „Ein  amerikanischer 
Wirth  einer  europäischen  Cuscuta'*  mit,  dass  die  in  den  Blatinczaer 
Thälern  gesammelten  und  auf  Vicia  Cracca  lebende  Cuscuta  europaea 
2— 4  mm  lange  Blüthenstiele  habe,  während  Linne  fm  C.  europaea 
stiellose  Blüthen  angibt.  Auf  der  Kartoffel  parasitirende  C.  solani 
Hol.  ist  auch  nur  eine  kurzstielige  C  europaea.  welche  in  Ungarn 
auch  anderwärts  häufig  vorkommt.  Die  vaterländische  0.  europaea 
ist  nicht  abweichend  von  der  Linne'schen;  Linne  hat  wahrschein- 
lich die  2—4  mm  langen  Blüthenstiele  übersehen.  Die  0.  solani 
ist  mithin  keine  mit  der  Kartoffel  eingewanderte  Pflanze,  sondern 
eine  europäische  Cuscuta,  die  die  Kartoffel  erst  später  angegriffen  hat. 


Sitzung  vom  8.  März  1893. 

1.  Vincenz  Borbäs  referirt  über  Velenovsky's  „Flora  bul- 
garica"  besonders  mit  Rücksicht  auf  die  Flora  Ungarns.  Nach  den 
Ergebnissen  dieses  Werkes  hat  man  für  mehrere  bis  jetzt  als 
einheimisch  geltende  Pflanzen  eine  weitere  Heimat  kennen  gelernt 
(z.  B.  Senecio  carpathicus,  Linum  eatraaanUare,  Hieracium  Kotschya- 
mim  etc.).  Dann  klärt  Velenovsky's  Arbeit  über  die  systematische 
Verwandtschaft  oder  geographische  Verbreitung  vieler  unserer  süd- 
östlichen Pflanzen  auf. 

Nach  Arpad  v.  Degen's  Meinung  ist  Velenovsky's  Flora  bul- 
garica  ein  Werk,  welches  die  floiistischen  Kenntnisse  über  einen 
grossen  Theil  der  Balkan-Halbinsel  bedeutend  vervollständigt.  Doch 
ist  in  den  Arbeiten  von  Velenovsky  nicht  die  ganze  Flora  Bul- 
gariens zu  suchen,  sondern  die  Zusammenfassung  der  Sammlungen 
einiger  bulgarischer  Botaniker.  Umsonst  suchea  wir  in  derselben 
die  geographische  Begrenzung  des  behandelten  Gebietes.  Ein  grösserer 


117 

Fehler  ist,  dass  Velenovsky  die  bisher  erschienenen  Publicationen 
nicht  sämmtlich  verwerthet  hat.  Es  fehlen  nämlich  in  seinem  Werke 
15  Genera  und  circa  142  Species,  die  sclion  vor  dem  Erscheinen 
seines  Werkes  aus  Bulgarien  publicirt  wurden. 

V.  Borbäs  bemerkt  hierauf,  dass  die  von  Degen  als  fehlend 
betrachteten  Arten  in  Velenovsky's  Werke  zum  Theile  unter 
anderen  Namen  enthalten  sind. 

2.  Julius  Istvänffi  sprach:  „lieber  das  Meteorpapier."  Der 
Vortragende  behandelte  den  Ursprung  desselben  und  die  diesbezüg- 
lichen Angaben  anderer  Autoren.  Er  zeigte  mehrere  Meteorpapiere 
aus  Deutschland  und  Ungarn  vor.  Unter  den  deutschen  ähnelt  das 
bei  Münster  i.  W.  gesammelte  einem  feinen  Hirschleder  und  wird 
von  Microspora  floccosa  (Vaucher)  Thuret  gebildet,  in  dessen  feinem 
Geflechte  nach  andere  30  Algen-Arten  vorkommen.  Von  den  ungari- 
schen Meteorpapieren  befindet  sich  ein  dunkelblaugrünes,  von  der 
Hohen  Tatra  (aus  der  Nähe  des  Csorbaer  Sees)  gebildet  aus 
Lyngbya  <wr/csa  (Carm.j  Coore;  weiterhin  ein  lichtgelbes  bis  schmutzig- 
weisses  aus  der  Nähe  von  Budapest,  welches  durch  Cladoplwra 
fracta  (Vahl.)  Kütz.  e)  viadrina  Kütz.  gebildet  wird;  endlich  ein 
zinnoberrothes,  ebenfalls  aus  der  Umgebung  von  Budapest,  ist 
fructificirende  Sphaeroplea  annulina. 

S  t  a  u  b.  S  c  h  i  1  b  e  r  s  z k  y.  P  a  V 1  i  c z  e  k,  B  0  r  b  ä  s  und  Mag ö csy- 
Dietz  wollen  statt  des  Namens  „Meteorpapier"  die  Bezeichnung 
„Tiszapamuk"  (Theisswolle)  anwenden,  da  sie  den  Gegenstand  richtiger 
benennt  und  in  Ungarn  ihren  Ursprung  hat.  Uebrigens  ist  der 
Name  auch  schon  in  der  Literatur  aufgeführt  worden.  (Renner  in 
Term.  tud.  közlöny). 

Istvänffi  wollte  auch  diesen  Namen  gebrauchen,  doch  meint 
er,  dass  beide  Namen  nicht  dieselbe  Bedeutung  haben. 

3.  Carl  Schilberszky  zeigte  eine  Kornähre  mit  4  Aesten, 
welche  im  Jahre  1892  in  Csitär  (Com.  Hont)  gefunden  wurde. 

4.  Alex.  Mägöcsy-Dietz  machte  Mittheilungen  über  die 
Arbeit  von  Carl  Flatt:  „Das  Gramen  hungaricum",  in  welcher  der 
Verfasser  beweist,  dass  das  in  Bauhiirs  Werk  genannte  „Gramen 
hungaricum"   Festuca  elatior  ist. 

Weiterhin  theilt  er  als  Schriftführer  mit,  dass  zur  Sicherung 
des  weiteren  Gedeihens  der  Nymphaea  tliermalis  in  Budapest  die 
iiöthigen  Schritte  gethan  wurden.  Ueberdies  erwähnt  er.  dass  die  in  dem 
Lukas-Bad  Teiche  lebende  iS^ym/^AotYt  thermaUs  nicht  vonKitaibel 
stammt,  sondern  nach  Angabe  des  Herrn  Job.  Frivaldszky, 
Director-Custos  des  ungarisclien  National-Museuras.  von  diesem  zu- 
sammen mit  Kotschy  aus  Nagyvärad  gebracht  und  auf  den  jetzigen 
Standort  (circa  1846  — 18."»0)  gepflanzt  wurde.  Kitail)ers  Pflanzen 
waren  zu  jeuer  Zeit  schon  ausgestorl)en. 

Dr.  Alex.  Mägöcsy-Dietz. 


118 

üeber  Anregung  der  Professoren  Weiss  und  Wettstein 
wurden  mit  Beginn  des  lautenden  Studienjahres  unter  dem  Namen 
^Botanische  Abende"  Zusammenkünfte  der  Prager  deutschen 
Botaniker  ins  Leben  gerufen.  Die  Zusammenkünfte  finden  all- 
monatlich ein-  bis  zweimal  im  botanischen  Institute  der  deutschen 
Universität  statt  und  sind  insbesondere  Vorträgen,  Demonstrationen, 
Litteraturbesprechungen  und  Discussionen  gewidmet.  Für  später  ist 
die  Veranstaltung  von  Excursioneu,  eventuell  die  Constituirung  als 
Gesellschaft  ins  Auge  gefasst.  Die  bisher  veranstalteten  Abende 
hatten  folgende  Tagesordnung: 

6.  December   1893.    Prof.    Dr.  Wettstein:   üeber   das   Andröceum 

von  Philadelphus. 

Derselbe:  Zur  Morphologie  des  Meliaceenblattes. 

Obergärtner  M.  Tatar:  lieber  das  Pfropfen  von  Suc- 
culenten. 

Derselbe:  Demonstration  interessanter  Pflanzen  aus 
dem  botanischen  Garten. 

10.  Jänner  1894.  Dr.  F.  Czapek:   Das  Milchsaftsystem    der   Con- 
volvulaceen. 

I.  Rompel:  Neuere  Beobachtungen  über  Beziehungen 
zwischen    Blitzschlag  und  Bau  der  Holzpflanzen. 

7.  Februar  1894.  Prof.  Dr.  Reinitzer:  Ermüdungsstoflfe  im  Pflanzen- 

reiche. —  Referate. 

Prof.  Dr.  M.  Willkomm:  üeber  einige  neue  und  seltenere 
Pflanzen  der  spanischen  Flora. 

Prof.  Dr.  R.  v.  Wettstein:  Demonstration  von  Photo- 
graphieen  und  des  in  neuerer  Zeit  den  Kaffeeplantagen  ge- 
fährlichen Pilzes  Hemäeia  vastatrix, 

21.  Februar  1894.  Dr.  A.  Nestler:  üeber  Fasciationen. 

F.  Matouschek:  Die  Bulbillen  von  Cystopteris  bulbi- 
fera. 

Preisausschreibung. 

Die  „Societe  de  physique  et  d'histoire  naturelle  de  Geneve" 
schreibt  pro  1895  den  A.  P.  de  Candolle'schen  Preis  aus.  Der- 
selbe wird  für  die  beste  noch  nicht  publicirte  Monographie  einer 
Gattung  oder  Familie  verliehen.  Die  Manuscripte  können  deutsch, 
lateinisch,  französisch,  englisch  oder  italienisch  abgefasst  sein,  müssen 
jedoch  mit  lateinischen  Buchstaben  geschrieben  sein.  Höhe  des  Preises 
500  Francs.  Termin  bis  15.  Jänner  1895. 


119 

Botanische  Sammlungen,  Museen,  Institute  etc. 

Herr  M.  A.  Carleton  in  Manhattan,  Kansas,  U.  S.  A„  ^bt 
vom  1.  Jänner  1894  ab  ein  Exsiccatenwerk  unter  dem  Titel:  „üre- 
dineae  Americanae  exsiccatae"  heraus.  Dasselbe  wird  in  Fascikelu 
ä  no  Nummern  erscheinen,  von  denen  alle  3  Monate  einer  aus- 
gegeben werden  soll.  Preis  pr.  Fascikel  Doli.  2'75. 


Von  dem  schönen  Exsiccatenwerke  von  A.  Gallier  „Flora 
Silesiaca  exsiccata"  ist  soeben  die  Ausgabe  pro  1893,  umfassend 
Nr.  770 — 1010,  erschienen.  Dieselbe  enthält  zahlreiche  interessante 
und  werthvolle  Pflanzen,  durchwegs  musterhaft  präparirt  und  aul- 
gelegt.   

Die  „Stockholms  botaniska  Bytes-förenings  floras  Vänner"  ver- 
sendete im  Jänner  ihren  ausserordentlich  reichen  Tauschkatalog. 

Die  Herren  Arvid  Haylund  und  Job.  Kallstrom  in  Falun, 
Schweden,  versenden  ein  umfangreiches  Verzeichniss  skandinavischer 
Pflanzen,  die  sie  zum  Preise  von  16,  resp.  21  Francs  pro  Centurie 
abgeben. 

Fungi  saxonici  essiccati.  Die  Pilze  Sachsens,  herausgegeben 
von  K.  W.  Krieger.  Fase.  18.  Nr.  851—900. 


Personal-Nachrichten. 

Mr.  W.  Scott  wurde  zum  Director  des  botanischen  Gartens 
auf  Mauritius  ernannt. 

Priv.-Doc.  Dr.  W.  Laposchnikoff  wurde  zum  Professor  an 
der  Universität  Tomsk  in  Sibirien  ernannt. 

Priv.-Doc.  Dr.  V.  Schiffner  hat  für  kurze  Zeit  an  Stelle  des 
nach  Borneo  verreisten  Dr.  Hallier  die  Stellung  eines  Assistenten 
am  botanischen  Garten  in  Buitenzorg  angenommen. 

Dr.  C.  Avetta  ist  zum  Professor  und  Director  des  botanischen 
Gartens  an  der  Universität  Padua  ernannt  worden. 

Dr.  C.  Casali  wurde  zum  Assistenten  an  der  botanischen 
Lehrkanzel  der  Universität  Rom  ernannt  (N.  Giorn.  b.). 

Karl  Keck  in  Aistersheim  in  Oberösterreich  ist  am  26.  Jänner 
im  70.  Lebensjahre  gestorben. 

Am  30.  December  1893  starb  in  Castle  -  Howard  Malton 
Richard  Spruce  im  Alter  von  66  Jahren. 

Der  emer.  Professor  am  King's  College  R.  Beutle  y  starb  am 
24.  December  1894  im  Alter  von  72  Jahren. 


120 


I  NSERATE. 


^•1 


>!^  Der  überraschend  reichhaltige 

Jahres-Katalog  pro  1894 


m 


des 

1  Wiener  TDOtanischen  Tausch  Vereins 

erscheint  Anfangs    März    und    wird    allen    Interessenten    auf 
Wunsel»  gratis  und  franco  zugesandt. 

I.  Dörfler 

Wien,  I.,  Burgring  7. 

Ein  grosses  werthvoUes 

Pteridophyten-Herbar 

aus  dem  Nachlass  des  Prof.  Dr.  Carl  Prautl,  Director  des  bota- 
nischen Gartens  zu  Breslau,  ist  zu  verkaufen.  Näheres  theilt  mit 
Prof.  Dr.  J.  Partsch,  Breslau,  Sternstrasse  22. 

Inhalt  der  März-Nummer.  Arnold  Dr.  F.  Lichenologische  Fragmente  S.  81.  —  Heinricher 
rrcif.  E.  Neue  Heiträge  zur  Pflanzenteratologie  und  Blütlieiimorphologie.  S.  S7.  —  Wettsteiu 
Dr.  K.  V.  Unter.suchungen  über  Pflanzen  der  österreichisch-ungarischen  Monarchie.  S.  92.  — 
Freyn  J.  Plantae  nuvae  Orientales.  S.  98.—  Degen  Dr.  A.  v.  Bemerkungen  über  einige  orien- 
talische Pflanzeuarten.  S.  104.  —  Müller  Baron  Ferdinand  v.  Xotij  über  die  Giftigkeit  der 
Honieria- Arten.  S.  105.  —  Litteratnr-Uebersicht.  ö.  106.  —  Flora  von  Oesterreich-Ungarn. 
Braun  H.  Niederösterreich.  S.  111.  —  F  ritsch  Dr.  Karl.  Kärnten.  S.  113.  —  Botanische 
Gesellschaften.  Vereine,  Congresse  etc  S.  114.  —  Preisausschreibnng.  S.  118.  —  Botanische 
Sammlungen,  Museen.  Institute  etc.  Ö.  119.  —  Personal-Nachrichten,  ri.  119.  —  Inserate   S.  120. 

Eedacteur:  Prof.  Dr.  R.  v.  "Wettsteiu,  Prag,   Smichow,  F  erdin  an  dsquai  14. 

Verantwortlicher  Redacteur:  Hermann  Manz,  Wien  I.,  Barbaragasse  2. 

Verlag  von  Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


Die  ,,Oesterreichische  botanische  Zeitschrift"  erscheint  am  Ersten  eines  jeden  Monats 
und  kostet  ganzjährig  16  Mark. 

E.xemplare.  die  frei  durch  die  Post  expedirt  werden  sollen,  sind  mittelst  Postanweisung 
direct  bei  der  Administration  in  Wien  I..  Barbaragasse  2  (Firma  Carl  Gerolds  Sohn)  zu  pranumeriren. 

Einzelne  Nummern,  soweit  noch  vorräthig,  k  2  Mark. 

Ankündigungen  werden  mit  30  Pfennige  für  die  durchlaufende  Petitzeile  berechnet. 
Zu    herabgesetzten    Preisen    sind   noch   folgende  Jahrgänge    der  Zeitschrift   zu  haben  :  II 
und   III  ä  2  Mark,  X  — XII  und  XIV  — XXX   ä  4  Mark.  XXXI  — XLI  ä  10  Mark. 

Diesem  Hefte  liegt  bei: 

Ein  Piospect  zu  Beck,  Flora  von  Niederösterreich. 

—  —  Rabenhorst's  Kryptogamenflora,  Band  V:  Die  Characeen. 

a   Uaberreuterlcbe   Bucbdruckerel  (M.  S»Izer)   in   WieD. 


OSTERREICHISCHE 

BOfAilSCHE  ZEITSCHRIFT 

Herausgegeben  und  redigirt  von  Dr.  Richard  R.  v.  Wettstein, 

Professor  an  der  k.  k.  deutschen  Universität  in  Prag. 


Verlag  von  Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


XLIV.  Jahrgang,  N"-  4. 


Wien,  April  1894. 


Arbeiten  des  botanischen  Institutes  der  k.  k.  deutschen  Universität  in  Prag  VI. 

Die  Adventivknospeu  an  den  Wedeln  von  CystopteHs 
hulhifera  (L.)  Bernhardi. 

Von  cand.  phil.  Franz  Matouschek  (Prag). 

Mit  Tafel  II. 

Vermehrung  durch  Ableger.')  und  zwar  durch  Adventivsprosse 
tritt  in  der  Ciasse  der  Farne  häufig  auf,  besonders  bei  tropischen 
FoiTüen.  Bei  diesen  wurde  eine  solche  Vermehrung  schon  mehrfach 
untersucht  und  beschrieben.')  Seltener  zeigt  sie  sich  bei  Farnen 
gemässigter  Gegenden,  sie  wurde  auch  seltener  der  Gegenstand  von 
Untersuchungen,  obwohl  gerade  sie  die  Auffindung  interessanterer  Anpas- 
sungserscheinungen erwarten  lässt.  Belfannt  ist  diese  Art  der  unge- 
schlechtlichen Vermehrung  bei  Pteridium  aquilinum  (L.)  Kuhn.  Onoclea 
Struthiopteris  (L.)  Hoffm.,  Aspidiwn  Filix  mas  (L.)  Sw.,  Aspidium  spinu- 
losum  Sw.  und  bei  Athyrium  FilLv  femina  (L.)  Roth,  wo  eben  in  Anpas- 
sung an  die  Wintervegetationsruhe  Ableger  nicht  an  der  Wedelspreite, 
sondern  an  unterirdischen  Theileu  der  Wedelstiele  oder  an  unter- 


')  Der   Ausdruck    ist    hier    in    dem    von   Kerner:  .Pflanzenleben'  11., 
Seite  8,  eingeführten  Sinne  gebraucht. 

')  Mettenius:    „Die    Seitenknospen    der    Farne."    Leipzig  1861.  (Ab- 
handlungen der  k.  sächs.  Gesellsch.  d.  Wissenschaften  VII.) 

Sachs:   „Lehrbuch  der  Botanik."  4.  Aufl.  1874.  Seite  175. 

Heinlicher:  „lieber  Adventivknospen  an  der  Wedelspreite  einiger 
Farne."  (Sitzungsberichte  d.  k.  Akad.  d.  Wissenschaften.  Math.-nat.  Gl. 
78  Bd.  II.  Heft.  Juli   1878.  S.  249  u.  f.) 

Luerssen:  Handbuch  der  systematischen  Botanik."  1.  Bd.  1879. 
Seite  519  und  520. 

Sadebeck:  „Die  Gefässkryptogamen"  im  .Handbuche  der  Botanik," 
herausgeg.  von  Schenk.  L  Bd.  1879.  Seite  267. 

Goebel:  „Vergleichende  Entwicklung.sgeschichte  der  Pflanzenorgane" 
im  „Handbuch  der  Botanik."  III.  Bd.  1.  Hälfte.  1884.  Seite  204. 

Watson:  „Root  Proliferation  in  Platycerium"  in  „The  Gardener's 
Chronicle."  Vol.  XXV.  New  Series  1886.  Seite  201. 


Ufstprr.  b.itan.  Zwitschrift.  4    Heft.    185^4 


10 


122 

irdischen  Stammtheilen  auftreten.')  Nicht  eingehend  untersucht  sind 
die  merkwürdigen  Ableger,  welche  sich  auf  den  Wedeln  der  in  den 
Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika,  namentlich  in  Nordkarolina. 
Canada,  Kentucky  und  Virginieu,  also  im  nicht  tropischen  Gebiete 
vorkommenden  Cystopterls  bulbifera  bilden.  Da  sich  im  k.  k.  bota- 
nischen Garten  in  Prag  im  Freien  einige  Stöcke  dieses  Farnes  vor- 
finden, so  bot  sich  mir  Gelegenheit  zur  Untersuchung  der  Ableger 
dar,  und  ich  theile  im  Folgenden  die  Resultate  mit. 

Die  Ableger  von  Cystopterls  bulbifera  (L.)  Beruh. ')  sind,  wie 
schon  der  Name  der  Pflanze  sagt,  den  ersten  Beobachtern  auf- 
gefallen. Erwähnt  werden  sie  von  Schkuhr  in  „XXIV.  Classe 
des  Linne'schen  Pflanzensystems  etc."  I.  Bd.  1809,  Seite  55,  und 
von  Hook  er  und  Baker  in  „Synopsis  filicum  or  a  Synopsis  of 
all  known  ferns  1868,  p.  103;  abgebildet  von  Schkuhr  1.  c.  Tafel  57. 
Schkuhr  gibt  die  beste  Abbildung  und  Beschreibung  der  Ableger. 
Eine  gute  Beschreibung  der  ausgewachsenen  Pflanze  findet  man  in 
Mettenius:  „Filices  horti  botanici  Lipsiensis"  1856,  p.  96,  und 
in  Ri viere,  Andre  et  Eoze:  „Les  Fougeres"  1867.  L,  p.  273. 
(Abbildung:  Tafel  74.) 

lieber  den  Bau  und  die  Function  der  Ableger  finden  sich  in 
den  angeführten  Werken  keine  Angaben. 

Ableger  besitzen  die  meisten  Wedel;  sie  erscheinen  in  der  Ein- 
buchtung, welche  die  Wedelhauptrippe  mit  dem  Gefässbündel  der 
Fieder  bildet.  Doch  finden  sie  sich  nicht  an  jeder  Fieder.  sondern 
treten  meist  so  auf,  dass  sich  zwischen  zwei.  Bulbillen  tragenden 
Fiedein  einige  „leere'"  vorfinden.  (Vergl.  Taf.  II.  Fig.  1.)  Es  gibt 
von  dieser  Anordnung  auch  Ausnahmen.  Von  zwei  gegenständigen 
Fiedern  kann  eine  jede  am  Grunde  eine  Knospe  tragen;  anderer- 
seits treten  an  einem  Stücke  des  Wedels  die  Bulbillen  nur  an  der 
Basis  der  Fiedern  einer  Seite  auf.  Kleinere  Bulbillen  zeigen  sich, 
wenn  auch  nicht  immer,  an  den  Stellen,  wo  von  der  Fiederhaupt- 
rippe Nerven  in  die  Segmente  II.  Ordnung  abgehen.  Schkuhr  I.e. 
zeichnet  Ableger  nur  am  Grunde  der  Fiederchen,  während  doch  die 
auffallenderen  und  grösseren  an  den  Fiederbasen  wachsen. 

')    Hofmeister:    „Beiträge    zur    Kenntniss    der    Gefässkryptogamen    II. 
Leipzig  18o7. 

Mettenius:  1.  c.  —   Luerssen:  1.  c. 

Druery  C.  T.:   „Proliferous  Lady  ferns"    in  ,The  Florist    and  Po- 
molog"    1883,  no.  61,  p.  4—5. 

Derselbe:   „Proliferous  Ferns"  in  „The  Gardener's  Chronicle."    1882. 
Vol.  XVm.  no.  468,  p.  '781. 

Derselbe:   „Proliferous  Ferns"  in  „The  Gardener's  Chronicle."     188.'). 
Vol.  XXIV,  p.  244. 
^)    Synonyma  Von   Cystopterls  bulbifera   sind: 

Polypodlum   bulbiferum  Linn^   Syst.  veg.  III,  p.  379,  no.  10,  sec.  14, 
Tafel  ÜI,  Fig.  10. 

Nephrodium  bulbiferum  Michaux   Flor.  Bor.  Americ.  U,  p.  268. 
Aspidium    bulbiferum  Swartz    Synopsis  filicum  etc.  1806,    Seite  59. 


123 

An  jungen  Wedeln,  die  während  der  Winterruhe  abgeschnitten 
wurden,  stark  eingerollt  und  dicht  mit  Spreuschiippeu  und  Drüsenhaaren 
bedeckt  waren,  konnte  keine  Anlage  von  Ablegern  gefunden  werden. 
Aeltere  Wedel  wurden  nicht  untersucht.  Dafür,  dass  dieBrulknospen,  wie 
die  bei  anderen  Farnen,  exogen  entstehen,  spricht  der  Umstand,  dass  die 
jüngsten,  welche  auf  einem  erwachsenen  Wedel  beobachtet  wurden, 
von  abgehobenem  und  zerstörtem  Zellgewebe  nicht  bedeckt  oder 
umgeben  waren.  Die  Anlage  der  Adventivknospen  ist  eine  acropetale; 
sie  hängt  mit  dem  Wachsthume  des  Farnwedels  zusammen. 

Die  grössten  abgeworfenen  Bulbillen  messen  10  mm;  ihr  grösster 
Querschnitt,  der  fast  kreisförmig  ist,  hatte  einen  Durchmesser  von 
9  mm.  Die  kleinsten  auffindbaren  Ableger,  welche  abgeworfen  wurden 
und  Wurzel  trieben,  waren  2  mm  lang  und  1  mm  breit.  Die  mittlere 
Länge  der  Adventivknospen  ist  5  mm,  die  mittlere  Breite  4  mm.  Sie 
bestehen  aus  einer  wechselnden  Zahl  fleischiger  Schuppen;  es  treten 
höchstens  7  solche  auf.  Die  häufigste  Zahl  ist  3 — 4.  Die  einzelnen 
fleischigen  Gebilde  sind  eiförmig  oder  länglich;  das  dritte  oder  vierte 
Blatt  ist  im  Verhältnisse  zu  den  anderen  manchmal  länger.  Die 
Farbe  der  Schuppen  ist  am  Wedel  eine  dunkelgrüne  bis  bräunliche. 
Am  Boden  liegend  nehmen  sie  meist  eine  dunkelbraune  Färbung 
an.  Aeltere  Knospen  sind  schwarz. 

Zwischen  den  Schuppen  entwickelt  sich  der  junge  Spross  mit 
den  ersten  Wedeln,  der  mit  wenigen  Drüsenhaaren  und  Spreu- 
schuppen bedeckt  ist.  Die  an  dem  Spross  zuerst  auftretenden  Wedel 
erhalten  von  ihm  2  Gefässbündeläste.  Die  späteren  Blätter  sind 
mächtiger  entwickelt  und  nähern  sich  der  definitiven  Blattform  in 
ihrem  Aussehen;  im  Stiele  solcher  Blätter  verschmelzen  die  beiden 
Leitbündel.  Die  Stellung  der  Wedel  am  Spross  ist  %,  dieselbe  tritt 
auch  am  lihizom  des  erwachsenen  Farnes  auf.  Knospen,  welche  im 
Herbste  abgeworfen  werden,  bewurzeln  sich  erst  im  nächsten  Jahre; 
die  Wurzeln  entspringen  aus  dem  Spross  und  zwar  aus  dessen 
Gefässbündelstrangscheide  in  acropetaler  Folge.  Sie  besitzen  eine 
braune  Färbung,  die  von  der  äussersten  gefärbten  Zelllage  herrührt. 
Die  Wurzeln  treten  au  Stellen,  wo  der  geringste  Druck  herrscht, 
d.  i.  zwischen  2  Schuppen,  aus.  Bulbillen,  die  im  vorletzten 
Herbste  abgeworfen  wurden,  zeigen  die  ersten  Wedel;  noch  ältere 
sind  bereits  zu  einem  horizontal  am  Boden  liegenden,  mächtigen 
Spross  angewachsen  und  zeigen  bereits  einige  Blattreste.  Die  Wedel- 
basen entwickeln  Wurzeln. 

Wie  erwähnt  bestehen  die  Ableger  aus  fleischigen  Schuppen. 
Was  deren  Natur  anbelangt,  so  kann  es  keinem  Zweifel  unterliegen, 
dass  es  sich  hier  um  Niederblätter  handelt.  Dafür  spricht: 

1 .  D  i  e  Stellung.  Die  unterste  älteste  Schuppe  ist  der 
nächst  jüngeren  opponirt.  doch  ist  letztere  etwas  höher  inserirt. 
Allmählich  geht  diese  Stellung  in  die  Vr.  über,  welch'  letztere,  wie 
schon  bekannt,  an  allen  anderen  Blättern  des  Rhizoms  auftritt. 

10* 


124 

2.  Die  Lappung.  Es  zeigen  die  Schuppen  auch  zuweilen  Lap- 
pungen.  Das  älteste  und  2.  Blatt  weist  manchmal  eine  Einbuchtung  an 
der  Spitze  auf;  am  ersteren  beobachtet  man.  wenn  auch  sehr  selten 
(nur  an  5  Knospen  unter  400)  eine  starke  Einbuchtung,  die  bis  in 
die  Mitte  des  Blattes  reicht.  Die  fleischigen  Niederblätter  haben 
die  Tendenz  sich  zweireihig  zu  stellen  und  zwar  zeigt  das  3.  und 
4.  Blatt  dem  Spross  die  Schmalseite,  das  5.  und  6.  die  Breitseite. 
Niederblätter  sind  bei  Famen  bekanntlich  sonst  nicht  häufig  be- 
obachtet worden.') 

Die  Niederblätter  bestehen  aus  parenchymatischen,  zartwandigen, 
polyedrischen  Zellen.  Die  Zellwände  zeigen  Poren.  Die  2  bis  3 
äussersten  Zellschichten  sind  braun  gefärbt,  besitzen  aber  keine  ver- 
korkten oder  verholzten  Wände.  Maceriert  man  die  Ableger  durch 
Schultz'sches  Gemisch,  so  entfärben  sich  die  Zellschichten  voll- 
ständig durch  die  stattfindende  Oxydation.  Chlorzinkjodlösung  bringt 
jetzt  eine  violette  Färbung  der  Zellwände  hervor;  Jod  färbt  die- 
selben schwach  gelb  und  Schwefelsäure  löst  sie  dann  auf.  Die 
Zellen  sind  vollgepfropft  mit  kleinen  runden  Stärkekörnchen.  Die 
Gefässblmdel  der  Blätter  erscheinen  im  Querschnitte  rund;  weite 
spindelförmige  Treppen-Tracheiden  mit  behöften  Tüpfeln  fallen  ins 
Auge.  Bezüglich  des  Verlaufes  der  «jefässbündel  sei  Folgendes  er- 
wähnt: es  tritt  in  die  Adventivknospe  vom  Gefässbündel  des  Fieder- 
stieles aus  ein  Zweig  ein.  Dieser  theilt  sich,  im  Spross  sind  nun 
2  Leitbündel  zu  erkennen.  Jedes  derselben  sendet  in  das  älteste 
Niederblatt  je  einen  Ast.  Durch  den  (Jebergang  der  opponirten  Blatt- 
stellung in  die  "5  gestaltet  sich  der  Gefässbündelverlauf  complicirter. 
Das  Leitbündelnetz  ist  hohlcylindrisch  und  besitzt  Maschen,  aus 
deren  Seiten  in  die  einzelnen  Niederblätter  je  2  Aeste  abgehen. 

(.Sehluss  folgt). 


Nachtrag  zu  „Florula  insulae  Thasos". 

Von  J.  Bornmüller  (Weimar). 

Hinweisend  auf  die  Publicationen  des  Herrn  Dr.  von  Hälacsyin 
„Oesterr.  botan.  Zeitschrift"  1892,  XII  und  1893,  I  dürfte  es  am 
Platze  sein,  zur  Vervollständigung  dieser  Enume ratio  der  auf 
Thasos  1891  von  Sintenis  und  mir  gesammelten  Pflanzen 
noch  jene  Arten  aufzuführen,  die  Herrn  Dr.  v.  Haläcsy  zur  Be- 
stimmung   nicht    vorgelegen    haben,    die    aber,  wie    aus  Folgendem 


*)  Niederblätter  finden  sich  nach  Luerssen:  „Handbuch  der  syst. 
Bot.  I."  Seite  521  nur  bei:  Polypodium  rigidulum  Sw  ,  Polyp,  quercifolium  L., 
Polyp.  Fortunei  Kze.  und  einigen  nahe  verwandten  Polypodiaccen  vor,  ferner 
bei  Platycerium  alcicorne  Desv.  u.  a.  A.  Bei  der  Gattung  Platycerium  treten 
schliesslich  Niederblätter  auch    an  Ablegern  auf.  (Vergl.  Watson  1.  c.) 


125 

ersichtlich,  doch  manchen  interessanten  Fund  aufweisen.  Gleichzeitig 
enthält  das  Verzeichniss  einige  in  pflanzengeographischer  Hinsicht 
bemerkenswerthe  Gewächse,  welche  auf  thracischem  Festlande, 
auf  dem  Athos  und  dem  Olymp  im  gleichen  Jahre  von  uns  ge- 
sammelt wurden')  und  bilden  einen  Nachtrag  zu  v.  Haläcsy's 
Beiträgen  zur  Flora  der  Balkanhalbinsel  VIIl,  (Oesterr.  botan.  Zeitschr. 
1892,  XI). 

Ranunculus  psilostachy s  Griseb.  steinige  Abhänge  am  Burgberg 
bei  Limenas. 

Delphinium  Pkrygium  Boiss.  (=  D.  Ajacis  Haläcsy,  Oesterr. 
botan.  Zeitschr.  1892,  p.  413  non  L.)  exsicc.  no.  665.  teste  cl.  Huth.; 
bei  Limenas,  neu  für  Europa,  sonst  nur  aus  Kleinasien  und  von 
Cypern  bekannt. 

Glauciurii  corniculatum  (L.)  steinige  Plätze  der  Nordseite 
(Limenas). 

Fumaria  capreolata  L.  sonnige  buschige  Abhänge  des  Burg- 
berges. 

F.  macrocarpa  Pari,  ebenda  bei  Limenas. 

Arabis  muralis  Bert,  felsige  Abhänge  des  Monte  Trapeza. 

Cardamine  hirsuta  L.  in  Waldungen  des  Gebirges. 

Alyssum  campestre  L.  sonnige  Plätze,  z.  B.  bei  Limenas. 

*A.  minutum  Schi,  am  Festland  bei  Cavala,  auch  bei  Phi- 
lippopel. 

^Teesdalia  LepidiumBC.  steinige  Plätze  bei  Cavala  (Festland). 

Lepidium  Draba  L.  Schuttplätze  bei  Limenas. 

L.  latifolium  L.  am  Strand  der  Nordseite  (Limenas). 

"^Neslia  paniculata  Dsv.  subsp.  Thracica  Vel.  (als  Art)  am 
Festland  bei  Dede-aghatsch;  im  Orient  verbreitet:  in  Anatolien  bei 
Amasia  (legi  1889),  bei  Tossia  in  Paphlagonien  (leg.  Sintenis),  in 
Persien  bei  Suitanabad  (leg.  Strauss  in  Herb.  Haussku.),  Syrien 
(leg.  Hausskn.),  aber  auch  in  Italien  und  der  Schweiz  (leg. 
Hausskn.);  kaum  eine  gute  Art:  Pflanze  in  allen  ihren  Theilen 
kräftiger,  besonders  auch  die  Früchte  grösser,  die  Klappen  der 
Schötchen  mit  durchgehendem  Mittelnerv,  jedoch  ist  letzterer  nicht 
immer  deutlich  ausgeprägt.  Die  Fruchtstiele  sind  wie  bei  N.  pani- 
culata Dsv.  horizontal  abstehend  und  nur  sehr  selten  aufrecht  dem 
Stengel  angedrückt,  wie  dies  auch  nicht  den  bei  Philippopel  (5,  V. 
1891)  gesammelten  Exemplaren  eigen  ist. 

Heliantheiman  salicifoUum  L.  trockene  Plätze  bei  Limenas. 

*  Viola  gracilis  Sibth.  Sm.  teste  Hausskn.  in  Wäldern  und 
auf  Triften  am  Athoskegel  =  V.  macedonica  Haläcsy  Oesterr.  botan. 
Zeitschr.  1892,  p.  368;  stimmt  völlig  mit  F.  yraciUs  von  Euboea 
und  den  Parnass  (in  Herb.  Hausskn.)  überein. 


')  Diese   sind    durch    ein  besonderes  Zeichen,   ein  Sternchen  *,  hervor- 
gehoben. 


126 

Silene  ßcivetfcenn  AV.  K.  (=  S.  Thessalonica  exsicc.  und  in 
Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1892,  414),  schattige  Felsen  bei  Theologos; 
die  in  Boissier  flor.  Or.  I.,  p.  647  citirte  S.  Thessalonica  Boiss.  et  Heldr. 
„cymis  ad  ramulos  inflorescentiae  confertim  4 — 5  floris"  haben  wir 
nicht  angetroffen;  cfr.  Hansskn.  Mittheil.  d.  bot.  Ver.  Thüriug.  Heft  V, 
1893,  p.  48;  eine  Schattenform  von  Ä  flavescens  W.  K.  ist  gleich- 
falls die  (Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1892,  p.  368  erwähnte  als  S.  Thessa- 
lonica, unter  no.  816  ausgegebene)  Silene  von  den  Mauern  des 
Klosters  Lawra  auf  Hagion  Oros. 

*»S.  compacta  Hörn,  am  Athos. 

^Tanica  velutina  Guss.  bei  Dede-aghatsch  und  Cavala 
(Festland). 

Arenaria  filicauUs  Fenzl  in  Felsspalten  des  Hypsariogebirges 
bei  950  m  s.  m. 

^Alsine  mucronata  L.  an  der  Tschiendem-tepe  bei  Philippopel. 

Spergula  arvensis  L.  auf  dem  Monte  Elias. 

S.  pentandra  L.  im  Gebirge  (Monte  Elias). 

Hypericum  Ehodopeum  Friv.  auf  dem  Hvpsariogebirge  (Monte 
Elias). 

"^Acer  platanoides  L.  in  den  Wäldern  der  Athos-Halbinsel. 

^A.  Monspesstdamim  L.  f.  t,vpica  bei  Kerasia  am  Athos. 

A.  M.  f.  Liburnicvm    Fax.  forma  denticulata,  auf  Thasos. 

*A.  M.  var.  Illyricum  Jacq.  (als  Art.)  in  einer  kleinblätterigen 
Standortsform  bei  Kerasia  und  S.  Anna  am  Athos. 

*J..  M.  var.  Athoum  Bornm.  et  Sint.  var.  nov.  alis  samarae 
divergentibus  nee  parallelis;  die  in  einem  rechten  Winkel  ausein- 
ander weichenden  Fruchtflügelu  ähneln  alsdann  denen  von  A.  Hyr- 
canum  Fisch,  et  Mey.,  bei  Kerasia  am  Athos  bei  c.  500  m  See- 
höhe. Die  Varietät  A.  Monsp.  v.  cruciation  Fax  (^  v.  Rumelicuui 
Griseb.  Spicileg.  I  154)  sah  ich  1888  bei  Nisch  in  Südserbien 
zusammen  mit  A.  campesfre  var.  psendomonspessulanum  Bornm.  et 
Fax  (Fax,  Monogr.  Nachtrag  1889,  p.  78),  welches  eine  kahlfrüchtige 
Form  mit  dreilappigeu,  ohne  jeglichen  Seitenlappen  versehenen  und 
unterseits  behaarten  Blättern  darstellt  und  so  überaus  einem  gross- 
blätterigen  A.  Monspessulanum  L.  ähnelt;  keinesfalls  Bastart. 

^A.  Hyrcammi  Fisch,  et  Mey.  var.  iatermedium  Panc.  flor. 
Serb.  et  Herb.!  (als  Art.)  bei  Hagios  Dionysios  im  thessalischen 
Olymp.  Blätter  an  der  Basis  nicht  herzförmig  ausgeschnitten,  einzelne 
ein  wenig  keilförmig  und  so  völlig  das  Ebenbild  von  Acer  Amaliae 
Orph.,  das  sich  nur  durch  die  Grössenverhältnisse  aller  Theile  unter- 
scheidet, genau  so,  wie  A.  Monspessulanum  je  nach  Standoi't  in 
kleinblätterigen  Formen  auftritt,  bei  denen  dann  die  Früchte  nur 
halb  so  gross  als  bei  der  typischen  Form  sind.  Bei  sämmtlichen 
serbischen  und  macedonischen  Acer  Hyrcanum-^ ormen  erscheinen 
die  jungen  Blätter,  Zweige  und  Früchte  in  schön  purpurner 
Färbung,  was  Boissier  ebenfalls  für   A.  Amaliae  Orph.  als  charak- 


127 

teristisch  hervorhebt;  Früchte  ebenfalls  aufrecht  („fructus  parvi  alis 
rectiusculis  juuioribus  amoene  roseis").  Dass  A.  Amaliae 
Orph.  bisher  als  eigene  Art  aufrechterhalten  blieb  und  somit  nicht 
dem  grossen  Formenkreis  von  A.  Hi/rcarmm  Fisch,  et  Mey.,  resp. 
A.  Ilalurn  Luth.  (sens.  ampl.  Fax.  Monogr.)  eingereiht  wurde,  erschien 
berechtigt,  solange  A.  Hyrcanum  für  Europa  nicht  nachgewiesen  und 
die  üebergaugsform  A.  intermedmm  Panc.  eine  so  wenig  bekannte 
Pflanze  war.  Nur  Culturversuche  können  hierüber  sicheren  Aufschluss 
geben.  Zu  var.  Intermedium  Panc.  (als  Art),  möchte  ich  noch  be- 
merken, dass  nicht  alle  Exemplare  im  Pancic'schen  Herbar  (es  liegen 
mir  die  Zeichnungen  vor)  mit  der  von  Borbas  in  „Termesz. 
Füzetek.  Vol.  XIV,  pars  I — II  gegebenen  Abbildung  übereinstimmen, 
vielmehr  die  Blätter  der  Exemplare  von  der  Suhaplanina  und  dem 
Vitos  am  Grunde  nicht  keilförmig  sind. 

*A.  Hyreamfm  Fisch,  et  Mey.  var.  cordisectumBoxh.  (loc.  cit. 
pag.  73)  und  in  Uebergangsformen  zu  var.  intermedium  Panc.  (als 
Art.)  am  Athoskegel  in  den  Wäldern  bei  Kerasia. 

A.  Hyrcanum  Fisch,  et  Mey.  var.  paradoxum  Borum.  et  Sint. 
(exsicc.  no.  978),  ebenfalls  bei  Kerasia  am  Athos  und  auf  dem 
Hypsariogebirge  der  Insel  Thasos.  Eine  sehr  paradoxe  Form,  täuschend 
einem  grossblätterigen  Acer  Monspessulanum  L.  ähnlich  und  da  im 
Blattzuschuitt  zunächst  au  var.  lllyricmn  Jacq.  (als  Art)  er- 
innernd. Blätter  ausgesprochen  dreilappig,  ohne  Nebenlappen  oder 
selten  mit  schwacher  Andeutung,  bedeutend  breiter  als  lang 
(9  cm  zu  6  cm),  am  Grunde  weder  herz-  noch  keilförmig,  sondern 
lialbkreisförmig;  Mittellappen  breit-dreieckig  stumpf,  Blätter  kahl, 
Fruchtflügel  aufrecht,  selten  sich  leicht  deckend,  in  der  Jugend 
gleich  den  Blättern  purpurroth  gefärbt.  Herr  Prof.  Dr.  Pax  erwähnt 
zu  dieser  Pflanze  ^Acer  Hyrcanum.  var.  paradoxum  (exsicc.  no.  973), 
ist  sehr  schön,  eine  gute  neue  Varietät,  sicher  noch  unbeschrieben". 

^A.  Orientale  (Tournef.)  C.  Koch  {-—  A.  Creticum  L.)  auf 
Nord-Euboea  „in  monte  Telethrion  c.  400  m  s.  m."  leg.  Heldreich, 
24.  Juni  1890,  ausgegeben  als  A.  Monspessulanum  L.;  die  dortige 
Form  ist  sehr  kleinblätterig  und  entspricht  sonst  der  var.  1  rotundi- 
foliuin  Spach.  {A.  Cret.  a)  semiorbiculatum  ßoiss.  flor.  Ür.  I.,  p.  950). 
Eine  grossblätterige  Form  dieser  Varietät  ist  die  Pflanze  von  Andros. 
(Heldr.  pl.  exsicc.  florae  Hellenic,  a.  1886,  23.  Juli),  die  dann  un- 
gemein an  obiges  A.  Hyrcanum  var.  paradoxum  erinnert;  aber 
an  den  sehr  kurzen  Blattstielen  und  der  eigenthümlich  leder- 
artig derben  Blattconsistenz  leicht  zu  unterscheiden  ist.  Trotz  vielen 
Suchens  gelang.es  nicht  diese  Art  auf  Thasos  oder  dem  Athos  auf- 
zuspürpn 

(icranium  rotundifolium  L.  bei  Limenas.  auch  bei  Cavala 
(Festland). 

G.  dissectum  L.  bei  Potamca  (Thasos). 

Oxalis  cornicxdata   L.    an  Wegen    und    in  Hecken    der  Gärten 


128 

von  Potamca  häutig;  vermuthlicli  var.  villosa  Grsb.  (Belegexemplare 
fehlen). 

Pistacia  Lentiscus  L.  nur  auf  der  Südwestseite  der  Insel  an 
der  Skala  von  Kastro  beobachtet. 

Medicago  falcata  L,  bei  Potamca. 

M.  trihuloides  Desf.  bei  Limenas,  tr,  stein.  Orte. 

M.  rigidula  Dar.  bei  Limenas. 

M.  minima  L.  var.  longiseta  (DC.)  am  Burgberg  (Nordseite). 

Trifolium  agrariiim  L.  Fall.  var.  y.  thionanthum  Hausskii.  in 
Mitth.  d.'Bot.  Ver.  Thür.  188.-),  V.  3,  p.  71.  Nym.  suppl.  93  (pro  sp.) 
(cfr.  Hausskn.  loc.  cit.  1893,  V,,  p.  78),  exsicc.  Sint.  et  Bornm. 
Iter  Türe.  no.  282  pr.  p.  als  T.  campestre  Schreb. ;  im  Norden  der 
Insel;  auch  am  Festland  bei  Dede-aghatsch,  exsicc.  no.  128;  bei 
Cavala  exsicc.  no.  142. 

T.  agrarium  L.  var.  erythraniheium  Griseb.  Spicil.  (=  T.  Lag- 
rangei  Boiss.)  bei  Limenas  auf  Thasos  (exsicc.  no.  129),  ferner  bei 
Dede-aghatsch  an  buschigen  Lehnen  (exsicc.  no.  130). 

Lathyvus  annuus  L.  Felder  bei  Limenas;  dagegen  ist  L.  sil- 
vestris  L.  (Hai.  1.  c.  p.  416)  zu  streichen  (exsicc.  1091);  auch  bei 
Dede-aghatsch  (exsicc.  no.  104). 

L.  sativus  L.  ß.  stenophyUus  flor.  Or.  bei  Limenas;  vermischt 
mit  L.  Cicera  L.  unter  no.  291  c.  ausgegeben;  ein  solches  Exemplar 
im  Herbar  Hausskn. 

(Schluss  folgt.) 


Hepaticae  aus  Tirol. 

Von    Dr.    F.    Sauter    (Innsbruck). 

Fossombronia  pusilla  L.  (Dum.).    Lienz:  Schlossberg  an  Waldvregen. 
Lejeunea  calcarea  Lib.  Lienz :  an  Kalkblöcken,  z.  B.  Rauhkofel,  Kersch- 
baumer  Klamm  c.  fr. 

—  serpyllifolia  Diks.    Lienz:    an  Felsen    aller   Gesteinsarten,    auf 
Waldboden,  an  Moosen  c.  fr.  Steinach:  Gschnitz  an  Felsen. 

Madotheca  laevigata  li.  Lienz:  an  Gneisfelsen  in  Wäldern;  Windisch- 
Matrei  auf  Gneis. 

—  platyphylla  L.    Lienz:    auf   Waldboden   und  Baumrinden    c.  fr. 
Steinach:  auf  Fichten  und  faulem  Holze. 

FruUania  dilatata  L.  Lienz:  an  Gneisfelsen,  Holz,  an  Bäumen, 
besonders  Erlen  c.  fr.  Steinach:  Trins  an  Gneisblöcken,  var.  ß. 
microphylla  Wallr.  Lienz  und  Steinach. 

—  fragilifolia  Tayl.  Lienz:  Weg  zur  Kerschbaumer  Alpe  an  mor- 
schen Aesten  bei  ca.  1400  m. 

—  Tamarisci   L.    Lienz:    an    trockenen    Felsen,    z.  B.    Rauhkofel; 
Steinach  auf  Gneis. 


129 

Radida  cuinplanata  L.  Lieiiz:  auf  Waldbodeu  und  Baumrinden  c.  fr.; 

Steinach:  auf  Fichten  und  faulem  Holze. 
Scapania  compacta   Roth.    Lienz  und  Steinach,    Waldboden,   var.    ß. 

mucronata  Nees.  Lienz:  Waldboden  am  Klamnibrückele,  Steinach 

in  subalpinen  Wäldern. 

—  Bartliiu/ü  Hampe.  Lienz:  im  Glimmersande  der  Seen  am  Neu- 
alpl  mit  Sc.  aequiloha.  Steinach :  Lapones,  an  Schieferfelsen  des 
Wasserfalles  in  1700  m. 

—  aequi/oha  Schwgr.  Lienz:  an  moosigen  Stellen  der  Seeufer  am 
Neualpl,  Schleinitz  bei  2G00  m  mit  einer  forma  huior. 

—  subalpina  Nees.  Sümpfe  der  Stalleralpe  bei  2000  m,  Gräben  der 
Laponesalpe. 

—  undulata  Nees.  Lienz:  Schlossberg  an  nassen  Stellen,  Neualpl 
in  Sümpfen  2300  m,  Felbertauern  2200  m;  var.  a.  purparea 
Nees.  Gräben  der  Laponesalpe;  var.  ß.  rivularis  Hueb.  Lienz: 
Schlaiten  an  Bachsteinen,  Steinach  mit  voriger. 

—  irrigua  Nees.  Lienz:  Sümpfe  am  Zettersfelde  bei  2000  m. 

—  umbrosa  Schrad.  Lienz:  an  Gneisfelsen  in  Pölland,  Kerscli- 
baumer  Alpenthal  an  Kalkfelsen, 

—  nemorosa  L.  Lienz:  an  Felsen  und  Waldboden  in  Pölland, 
Gneisfelsen  überziehend,  c.  fr.;  Steinach:  an  Quellen  der 
Wälder;   f.  minor.  Lienz:  Waldboden. 

—  uliginosa  Sw.  Pusterthal  in  alpinen  Sümpfen:  Villgratner  Jöchl, 
Stalleralpe,  Gsieser  Jöchl  bei  2000 — 2200m;  Steinach:  Lapones- 
alpe an  Gräben,  Waldraster  Jöchl  bei  1 700  m. 

—  curia  Mart.  Lienz:  Schlossberg  auf  Lehmboden,  Thurnerberg  an 
Erdzapfen. 

—  Tirolensis  Nees.  Pusterthal:  Stalleralpe  an  moorigen  Stellen  in 
ca.  2000  m. 

PlagiocMla  asplenioides  L.  (Dum.)  «.  major  Nees.  Lienz:  Quellige 
Orte,  Waldboden,  Ufer  der  Flüsse;  ß.  hunälis  Nees.  Lienz:  auf 
Waldboden,  bei  Hopfgarten  in  Deffereggen;  y.  heterophylla  Nees. 
Lienz:  auf  Neualpl  auf  Glimmerschiefer  in  2000m. 

—  interrupta  Nees.  Lienz:  Schlossberg  an  quelligeu  Orten,  an 
Quellen  der  Kerschbaumer  Alpe. 

Diplophyllum  albicans  L.  sub  Jungerm.  Lienz:  verbreitet  von  der 
Thalsohle  bis  3000  m  an  der  Schleinitz ;  Steinach :  an  Gneis- 
blöcken; var.  c(.  vittata  major  Nees.  Lienz:  auf  Gneis  in  der  Pfister 
und  Pölland;  var.  ß.  fissidentoidea  Hueb.  Lienz:  auf  Erde,  in 
Höhlen  der  Voralpen  bis  2000  m. 

—  taxifoUum  Wahl.  Lienz:  Schlossberg  auf  Waldboden;  an  der 
Rothsteinwand  bis  2200  m. 

—  obtusifolium  Hook.  Lienz:  Schlossberg  an  Hohlwegen  auf  Lehm- 
boden,   an    schattigen  Gneisfelsen   in  Pölland   mit  der  f.  e.vilis. 

—  minutKm  Dicks,  Lienz:  Schlossberg  und  Pölland  auf  Waldboden 
und  Polstern  von  Leucobryum,    Fuss  des  Spitzkofels,    am  Neu- 


130 

alpl  bis  ca.  2.")ü()  m;  Steiuach  und  Brenner  auf  Gneis;  f.  atrata: 
Schleinitz  auf  Glimmerschiefer  bei  3000  m. 
Blepharozia   ciliaris    L.    (Dum.)    =    Ptiliclium  ciliare  Nees.    Lienz: 
Schlossberg    an  Fichtenrinden    c.  fr.;    Steinach  und  Brenner  an 
Fichten. 

—  Hoffmanni  Wallr.  ^=  Ptil.  ciliare  ß.  ericetorum  Nees.  Lienz: 
Nadelwälder  in  Kreit. 

Aplozia  Schröder i    Mart.    sub    Jwu/erm.   Lienz:    in    Gebirgswäldern 
selten. 

—  crenulata  Sm.  Lienz:  Schlossberg  auf  Lehmboden  c.  fr.;  au 
Hohlwegen  mit  den  Formen  gracillima  et  pygmaea  am  Thurner- 
berge  bis  1500  m. 

—  hyalina  Hook.  Lienz:  an  Hohlwegen  in  Wäldern;  Steinach: 
Waldboden. 

—  laaceolata  L.  =  Liochlaena  Icmceolata  Nees.  Lienz:  auf  Wald- 
boden und  morschem  Holze;  Steinach:  Waldbodeu. 

—  pumila  With.  Lienz:  auf  feuchten  Kalkfelsen  bei  Kreit,  am 
Rauhkofel;  Steinach:  Hummerspitze,  Kalk,  2000  m. 

—  cordifolia  Hook.  Lienz:  Neualpl  im  Glimmerschiefersande 2500m; 
Stalleralpe  2000  m. 

—  ample.ricaulis  Dum.  =--  Tersa  Nees.  Lienz:  Neualpl  im  Glimmer- 
schiefersande bei  2600  m  mit  der  f.  explanata  Nees. 

^  sphaerocarpa  Hook.  Lienz:  Waldboden;  PöUand:  Gneisfelsen; 
Steinach:  Waldboden:  f.  gracilescens  Xees.  Lienz:  nasse  Kalk- 
felsen am  Frommbache  bei  Lavant. 
Gymnocolea  inßato  Huds.  (sub /uw/j^rm.)  Lienz:  Neualpl  im  feuchten 
Glimmersande;  Steinach:  moorige  Stellen  am  Steinacherjoche; 
var.  subaggregata  Nees  (/.  hercynica  Hueb.).  Lienz:  Neualpl, 
moorige  Stellen;  Steinach:  in  schwammigen  Sümpfen  bei  Trins, 
am  Gleinsermoore. 

Jungermannia  Mvelleri    Nees.    Lienz:    an    schattigen  Gneisfelsen   in 
der  Pfister. 

—  atteanata  Ldbg.  Lienz:  auf  Waldblössen  am  Schlossberge,  auf 
Sphagni(m-Vo\^iQ\:n  in  der  Pfister. 

—  harbata  Schreb.  var.  ß.  Floerkei  Dum.  Lienz:  Neualpl,  schattige 
Felsgesimse  2000 — 2500  m. ;  var.  y.  quinquedentata  Nees.  Lienz: 
Schlossberg  an  schattigen  Gneisblöcken.  Hopfgärten  in  Deifereggen. 
Steiuach:  Waldrast,  Brenner;  Hühnerspiel  und  Hummerspitze 
auf  Haideboden  bis  2<>00  m;  var.  Schreheri  Nees.  Lienz:  Schloss- 
berg, Weg  zur  Kerschbaumer  Alpe;  Steinach:  auf  feuchtem 
Waldboden. 

—  lycopodioides  Wallr.  Lienz:  Felsen  in  Pölland. 

—  exsecta  Schmiedel.  Lienz :  auf  morschem  Holze  der  Wälder  mit 
der  f.  propagulifera  bis  gegen  2500  m. 

—  acuta  Ldbg.  Lienz:  Kerschbaumer  Alpenthal  auf  faulem  Holze, 


131 

au  nassen  Kalksteinen  am  Fusse  des  Spitz-  und  Rauhkofels; 
Steinach:  auf  Kalkgestein. 
Jungermannia  alpestris  Schleich.  Lienz:  auf  Gneis  in  der  Pfister 
und  Pölland,  Thurnerberg,  Kalkfelsen  am  Fusse  des  Rauh- 
kofels; Steinach:  Waldiast;  var.  minor  Nees.  Lienz:  Waldbodeu 
bei  Kreit;  var.  Goeppertiana  Hueb.   Lienz:    auf   faulem    Holze. 

—  intermedia  Ldbg.  a.  minor  Nees.  Lienz:  Schleinitz  an  Fels- 
gesimsen bis  2500m;  ß.  major  Nees.  Lienz:  Waldboden  bei 
Kreit;  Steinach:  Erdboden  und  Humraerspitze  bei  2000  m. 

—  ventricosa  Nees.  Lienz:  Felsen  am  Schlossberge;  Schleinitz  auf 
Glimmerschiefer  bis  2500m;  Steinach:  auf  faulen  Stöcken  der 
Wälder;  var.  «.  conferta  Ldbg.  Lienz:  feuchte  Gneisblecke  in 
der  Pfister. 

—  porphyroleuca  Nees.  Lienz:  Pölland  auf  Moosen. 

—  excisa  Dicks.  Lienz:  Schlossberg  an  Hohlwegen;  var.  ß.  suspecta 
Nees.  Steinach :  auf  faulem  Holze. 

—  hicrenata  Ldbg.  Lienz:  auf  faulem  Holze;  var.  ß.  yracilescens 
Nees.  Lienz:  am  Schlossberge. 

—  turhinata  Raddi  =  corcyrea  Nees.  Lienz:  Rauhkofel  an  Kalk- 
felsen; Steinach:  an  Tufffelsen  in  Rasen  von  G-ymnostotnam  am 
Steinacherberge. 

—  incisa  L.  (Schrad.)  Lienz:  auf  faulem  Holze,  an  Hohlwegen  von 
der  Thalsohle,  z.  B,  Schlossberg  bis  2000  m. 

—  Reichardtii  Gottschee  --^-  J.  alpestris  var.  ß.  serpentina  Nees. 
Lienz:  Schleinitz  auf  Glimmerschiefer  bei  ca.  2800  m. 

Lophocolea  hidentata  L.  (Dum.)  Lienz:  auf  faulem  Holze  der  Wälder 
mit  der  f.  cuspidata:  Steinach:  auf  Moosen  in  Waldein. 

—  minor  Roth  (Nees).  Lienz:  auf  faulen  Baumstöcken  bei  Schloss 
Brück  mit  der  f.  tenerrima. 

—  heterophylla  Schrad.  Lienz:  Schlossberg  auf  faulem  Holze. 
Cephalozia  alhescens  Hook.  (Dum.)  sub  Jungerm.  Lienz:  Xeualpl  an 

Glimmerschiefergesimsen  in  2600  m,  Felbertaueni  2400  m. 

—  divaricata  Sm.  (Dum.)  Lienz:  auf  morschem  Holze  der  Wälder. 

—  byssacea  Roth.    (Dum.)    Lienz:    an  Gneisfelsen  im  Debantthale. 

—  hicuspidata  L.  (Dum.)  Lienz:  auf  faulem  Holze,  an  Mauern, 
auf  Erde  c.  fr.:  var.  conferta  Hueb.  Lienz:  Iselrain,  Schlossberg, 
Schleinitz  bis  2000  m:  var.  Brauniana  Nees.  Lienz:  Schloss- 
berg an  Hohlwegen;  var.  gracillhna  Nees.  Lienz  und  Steinach: 
auf  faulem  Holze  der  Wälder. 

—  catemdata  Hueb.  Lienz:  Kerschbaumer  Alpenthal  auf  faulem 
Holze  c.  fr. 

—  eurvifolia  Diks.  Lienz:  auf  faulem  Holze  der  Wälder. 

—  Hampeana  Nees.  Lienz:  Kerschbaumer  Brückele  an  Wegrändern 
ca.  1400  m. 

—  scutata  W.  et  M.  Lienz :  an  Felsen  der  Wälder  mit  der  f.  hwa : 
Neualpl:  bei  2500  m,   Brenner:  Dornspitze  bei  2500  ni. 


1B2 

Blepharostoiaa  setacea  Web.  sub  Jungenn.  Lienz:  auf  Ri'de  der 
Alpen,  z.  B.  Fuss  der  Schleinitz  bis  2000  m  selten;  Brenner: 
Hühnerspiel  in  2300  m;  var.  Sckultzii  Spreng.  Gschnitzthal. 

—  trichophylla  L.  (Dum.)  Lienz:  Schlossberg  an  Hohlwegen,  auf 
faulem  Holze  und  Waldboden,  Kerschbaumer  Alpe  bis  2000  m; 
Steinach:  auf  faulen  Baumstöcken  der  Wälder;  Hummer-  und 
Kesselspitze  bis  2000  m;  Brenner  in  Wäldern. 

—  connivens  Diks.  (Dum.)  Lienz :  auf  morschem  Holze  der  Wälder. 
Anthelia  julacea  L.  (Dum.)   var.  gracills  Hook.  .Pusterthal:    Gsieser 

Jöchl  auf  Erde  in  2300  m;  var.  y.  nlancescens  Nees.  Lienz: 
Neualpl,  Glimmerschiefer  in  2600  m. 
Chilosci/phvs  polyanthos  L.  (Corda).  Lienz:  an  Bachsteinen  und  feuchten 
Felsen  in  Kreit;  Steinach:  Hummerspitze  an  nassen  Schiefer- 
felsen in  2000  m ;  var.  ß.  rivularis  W.  et  M.  Lienz,  in  grossen, 
schwarzgrünen  Rasen  an  Bachsteinen  bei  Schlaiten. 

—  pallescens  Schrad.  (Dum.)  Lienz:  an  nassen  Brunnenröhren  am 
Schlossberg  c.  fr.;  in  einem  kalten  Bache  bei  St.  Johann  im 
Walde. 

Pleuroschisma  triloliatinn  L.  (Dum.)  =  Mastigohryum  trilob.  Nees. 
var.  «.  major  Nees.  Lienz:  Kerschbaumer  Brückele  auf  Wald- 
boden; var.  ß.  minor  Nees.  Lienz:  in  Wäldern  am  Schlossberg 

—  tricrenatvm  Whl.  =  Mastig.  deflexum  var.  Nees.  Lienz:  Schloss- 
berg an  Hohlwegen.  Gschnitzthal :  Laponesalpe. 

(Scliluss  folgt.) 


Untersuchungen    über   Pflanzen    der    österreichisch- 
ungarischen Monarchie. 

Von  R.  V.  Wettstein  (Prag). 

n. 

J)ie  Arten  der  Gattung  Eitphrasia. 

Mit  Tafeln  und  Karten. 
tFortsetzung. ') 

14.  Euplirasia  iieniorosa  Persoon  Synopsis  plant,  seu 
enchirid.  IL  p.  149  (1807)  pro  var. 

Caulis  erectus  crassus  rarissime  simplex,  plerumque  in  parte 
inferiore  usque  ad  medium  caulis  vel  solum  in  media  parte  ramo- 
sus,  7 — 40  cm  alti.s,  rubescens  vel  fuscescens,  pilis  crispulis  reversis 
eglandulosis  pubescens.  hiuc  inde  glabrescens  vel  bifariam  pubescens, 
in  parte  inferiore  foliis  deciduis  mox  denudatus,  ramis  erectis,  saepe 
iterum  ramosis.  oppositis.  Folia  infima  obtusa,  utrinque  dentibus 
1 — 3  obtusis,  media  et  superiora   ovata  vel   ovato-lanceolata   oppo- 


')  Vergl.  Nr.  3,  S.  92  ff. 


133 

sita  acuta,  medio  fere  latissima.  utriiique  deiitibus  acutis,  sed  iion 
aristatis  4 — 7.  Bracteae  suboppositae  latitudine  tblia  caulina 
superantes,  sed  breviores,  basin  versus  latissimae,  iitriuque  den- 
tibus  4  —  6  acutissimis  vel  breviter  aristatis,  patentes  vel  sub- 
arcuato  recurvae.  Folia  omnia  viridia,  glaberrima  in  spe- 
ciminibus  siccatis  griseo-viridia.  uon  nitida  subtiis  plicata. 
Spica  iuitio  condensata,  mox  elougata.  Flores  subsessiles.  Calyx 
glaber.  tVuctifer  subinflatus,  deiitibus  brevibus.  Corolla  cca.  5mm 
longa,  labio  superiore  bilobo,  lobis  minute  denticulatis,  labio  in- 
feriore trilobo,  lobis  emarginatis,  extus  hirsuta,  albida  labio  supe- 
riore coeruleo  pieta  et  luacula  lutea  striisque  coeruleis  in  labio 
inferiore  vel  tota  plus  minus  coerulea.  Capsula  cuneato-obovata, 
matura  calycem  aequans  vel  (saepius)  super  ans.  emarginata, 
margine  longe  ciliata,  caeterum  pilosa  vel  glabra. 

Synonyme:  E.  ofßcinalis  var.  parvlflora  ßeichenb.  Flora 
Germ,  excurs.  Nr.  2444  (1830/31). 

E.  ofßcinalis  S.  alpestris  Nr.  3  Koch  Synops  Flor.  Germ,  et 
Helv.  ed.  1.  p.  545  (1837). 

E.  )iemorosa  Gremli  Neue  Beiträge  z.  Fl.  d.  Schw.  I.  S.  18 
(1880).  Excursionsflora  f.  d.  Schw.  4.  bis  7.  Aufl.  (1881—1892). 

E.  nitidula  ßeuter  in  Comp,  reudu  d.  1.  soc.  Haller.  1854/56, 
p.  122. 

Exsiccaten:  Magnier,  Flora  selecta  exs.  no.  633  (als 
E.  ericetorum).  —  Flora  Sequan.  exsicc.  Nr.  990  (als  E.  gracilis). 
—  Billot,  Flor.  exs.  Nr.  2724  ter  (als  E.  ericetorum).  —  Wirt- 
gen, Plant,  sei.  Nr.  833  (als  E.  nemorosa  wax.  rigidula  Mart.  pr.  p., 
da  gemischt  mit  E.  gracilis).  —  Keichenbach,  Exs.  Nr.  243 
(als  E.  ofßcinalis), 

Abbildung:  Bullard,  Herb.  d.  1.  France,  tab.  233. 

Blüthezeit:  August  bis  October. 

Verbreitung:  Im  mittleren,  nördlichen  und  östlichen  Frank- 
reich, in  Belgien,  in  der  Schweiz  blos  im  Bereiche  des  Jura,  im 
südwestlichen  Theile  des  deutschen  Reiches  (Elsass,  Baden,  Württem- 
berg, Nord-Bayern,  Pfalz,  Rheinlande,  Hessen,  Westphalen,  Braun- 
schweig, Hannover,  Thüringen,  Prov.  Sachsen,  Königr.  Sachsen),  im 
nordwestlichen  Theile  von  Böhmen,  ferner  in  Dänemark,  England, 
Irland. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Uiigarn.  Bisher  blos  ge- 
sehen aus  dem  nordwestlichen  Böhmen:  Marienbad,  Wald  unter 
dem  Königswarter  Jägerhaus  (Asche rson;  Herb.  Aschers.).  — 
Haide  bei  Bürgstein  (Freyn;  Herb.  Freyn).  —Mariaschein  (Wies- 
baur;  Herb.  z.  b.  Gr.),  —  Im  nordwestlichen  Böhmen  wohl  ver- 
breiteter, aber  kaum  sonst  irgend  wo  in  der  Monarchie.') 


')  Ich  sah  wohl  Exemplare  von  E.  nemorosa  mit  der  Standortsbezeich- 
nung ,Krziznau  in  ]\Iähren"    (Sammler?),    doch    vermuthe  ich,    dass   bei    der 


134 

E.  nernorosa  ist  scheinbar  aus  Oesterreich-Ungarn  schon 
lange  bekannt,  da  die  verschiedensten  Pflanzen  schon  in  Floren- 
werken, die  sich  auf  dieses  Gebiet  beziehen,  mit  diesem  Namen 
bezeichnet  wurden.  Darum  sei  zur  Orientirung  sofort  hervorgehoben, 
dass  die  hier  so  genannte  Pflanze  mit  allen  jenen  Arten  nichts  gemein 
hat,  dass  sie  zweifellos  allein  den  von  Persoon  als  E.  nernorosa 
beschriebenen  Typus  darstellt.  Die  Sicherstellung  der  Persoon'- 
schen  E.  nernorosa  ist  für  die  Nomenclatur  der  ganzen  Gattung 
von  grösster  Wichtigkeit  und  durchaus  nicht  allzu  schwierig. 

Persoon  beschreibt  die  E.  nernorosa  als  var. /5,  der  E.  offici- 
nalis  in  der  „Synopsis  plantarum"  p.  149  (1807)  mit  den  Worten: 
„caule  elongato  utplurimum  ramosissimo,  foliis  glabris,  subnitidis, 
ovatis.  argute  seiratis"  .  .  .  „caulis  teretiusculus,  fiiscus,  superne 
ramosus,  flore  multo  minores  quam  in  of/icinali'\  ')  Diese  Beschreibung 
passt  vollkommen  auf  unsere  Pflanze,  sie  schliesst  aus.  dass  der 
Namen  auf  die  so  oft  damit  bezeichnete  E.  gracilis  Fr.,  ferner  auf 
die  schon  beschriebenen  Arten,  wie  E.  Tartarica,  E.  pectinata, 
E.  coerulea  und  E.  hrevip'da  angewendet  werde. 

Von  grösster  Wichtigkeit  ist  das  von  Persoon  angeführte 
Citat:  „Bullard,  Herb.  d.  1.  Fr.  tab.  233".  Diese  Abbildung  ist 
nun  eine  ganz  vortreffliche,  sie  stellt  auf  das  Getreueste  die  hier 
von  mir  als  E.  nernorosa  bezeichnete  Pflanze  dar.  Die  Abbildung 
macht  es  auch  ganz  unmöglich,  die  E.  stricta  als  E.  nernorosa  Pers. 
zu  bezeichnen,  was  so  oft  geschah;  sie  zeigt  eine  Pflanze  mit 
doppeltverästeltem  Stengel,  mit  gesägten,  aber  nichtgrannig 
gesägten  Blättern,  mit  abstehenden,  zum  Theile  zurück- 
gekrümmten Bracteen.  mit  sehr  kleinen  Blüthen.  Diese 
Merkmale  sind,  wie  aus  der  von  mir  gegebenen  Diagnose  hervor- 
gehen wird,  typisch  für  die  hier  als  E.  nernorosa  aufgefasste  Art, 
sie  fehlen  der  E.  stricta.  —  Schliesslich  sei  darauf  hingewiesen, 
dass  Persoon  für  seine  E.  nernorosa  keine  speciellen  Fundorte 
angibt,  wie  er  dies  bei  den  am  selben  Orte  behandelten  seltenen 
Arten  that,  sondern  sich  mit  der  allgemeinen  Angabe  „Hab.  in  silvis, 
imprimis  locis  arenosis"  begnügt.  Dies  spricht  für  eine  häufige 
Pflanze,  und  thatsächlich  ist  die  hier  behandelte  Euphrasia  in  den 
von  Persoon  und  Bullard  hauptsächlich  besuchten  Gebieten  in 
Wäldern  und  an  sandigen  Orten  weitaus  die  häufigste. 

Was  die  Unterscheidung  von  ähnlichen  Arten  anbelangt,  so 
kommen  da  in  erster  Linie  E.  stricta  Host,  E.  gracilis  Fr.,  E.  curia 


Staiidortsangabe  ein  Irrthum  unterlief,  denn  1.  wäre  der  Standort  mit  Köck- 
sicht  auf  das  im  Uebrigen  geschlossene  Verbreitungsgebiet  überraschend, 
2.  stammt  das  Exemplar  aus  dem  Herbare  Pittoni,  das  bezüglich  seiner 
Standortsangaben  nichts  weniger  als  verlässlich  war,  3.  sind  die  Exemplare 
vermischt  mit  solchen  von  E.  Rostkowiana,  so  dass  letztere  vielleicht  von 
Krziznau  stammen  und  jene  blos  aus  Versehen  zugelegt  wurden. 
')  Damit  ist  hier  E.   Rostkoiviana  Heyne  gemeint. 


135 

Fr.,  E.  coertdea  Tausch  und  E.  minima  Schi,  in  Betracht.  E.  stricta 
unterscheidet  sich,  wie  sich  übrigens  aus  dem  schon  Gesagten  ergibt, 
insbesondere  durch  die  deutlich  grösseren  Blütheii,  die  weniger  ver- 
zweigten Stengel,  die  deutlich  länger  begrannteii  Blätter,  ferner  durch 
die  anliegenden  und  nicht  zurückgekrümmten  Bracteen.  Von  E.  curla 
Fr.  u.  E.  minima  Seh.  ist  E.  nemorosa  schon  an  der  vollständig 
mangelnden  Behaarung,  von  letzterer  auch  durch  die  Blüthenfarbe  zu 
unterscheiden.  E.  gracilis  ist  schon  habituell  durch  den  schlanken, 
zarten,  wenig  oder  gar  nicht  verzweigten  Stengel  verschieden;  die 
geringe  Verästelung  charakterisirt  auch  die  E.  coerulea,,  die  zudem 
durch  die  Färbung  der  Corollen  und  die  Behaarung  des  Blattrandes 
von   E.  nemorosa  abweicht. 

Der  Analogie  mit  anderen  Florengebieten  nach  zu  schliessen, 
dürften  an  Standorten,  an  denen  E.  nemorosa  mit  E.  stricta  zu- 
sammentrifft, auch  in  Böhmen  Hybride,  daher  scheinbare  Ueber- 
gangsformen  vorkommen.  Wirkliche  Zwischenformen  nicht  hybriden 
ürspiunges  existiren  zwischen  E.  nemorosa  und  E.  curia. 

Von  den  durch  den  Standort  bedingten  Formen  der  E.  nemo- 
rosa ist  insbesondere  eine  an  sterilen  Stellen  oder  bei  zu  dichtem 
Vorkommen  sich  findende,  mit  wenig  verzweigtem,  lebhaft  an 
E.  (iracilis  erinnerndem  Stengel  hervorzuheben,  die  Var.  macilenta 
Gremli.  (Neue  Beiträge  IV.  S.  27.  [1887].) 

15.  E,  ctirta  Fries  Novit.  Flor.  Suec.  Ed.  2.  p.  198  (1828) 
pro  var.')  Caulis  erectus,  crassus,  rarius  tenuis,  plerumque  in  parte 
inferiore  usque  ad  medium  caulis  ramosus,  3^40  cm  altus 
(plerumque  ca.  10  cm),  rubescens  vel  fuscescens,  pilis  crispulis  albis 
reversis  pubescens,  ramis  erectis  vel  erecto  patentibus,  liinc  inde 
iterum  ramosis  oppositis.  Folia  infima  obtusa,  utrinque  dentibus  1  — 3 
obtusis,  media  et  superiora  ovata  opposita  acuta,  basin  versus 
latissima,  utrinque  dentibus  acutis,  sed  non  aristatis  4 — 7. 
Bractcae  suboppositae  latitudine  folia  caulina  superantes  sed  bre- 
viores,  saepe  fere  orbiculares,  utiinque  dentibus  4 — 7  acutis  non 
aristatis  vel  in  a r i s t a m  brevem  a b e u n  t i b u s,  patentes 
vel  arcuato  recurvae.  Folia  omnia  griseo- viridia,  in  speci- 
minibus  siccatis  infra  rugosa,  apicem  caulis  versus  saepe  sma- 
ragdino-nigricantia,  in  pagina  superiore  et  inferiore 
setulis  albis  dense  hirsuta  vel  pubescentia  reducta 
s altem  in  regione  marginali  paginae  superioris.  in 
margine  et  in  nervis  paginae  inferioris  setulis  parvis 
ob  Sita.  Spica  initio  condensata,  mox,  sed  raro  valde,  elongata; 
flores  subsessiles.  Calyx  totus  vel  saltem  in  margine  et  nervis 
albo-setulosus,  fructifer  subinflatus,  dentibus  brevibus.  Corolla 
ca.  4 — 5  mm    longa,    labio  superiore    bilobo,    lobis    emarginatis  vel 


')  Ich  sah  Originalexemplare  im  Herbarium  des  k    k.  naturliistorischen 
Holniuseums  in  Wien. 


136 

deuticulatis,  labio  inferiore  trilobo,  lobis  einarginatis,  alblda  striis 
coeruleis  et  maciila  lutea  iu  labio  inferiore  notata,  rariiis  tota 
coerulea  vel  amethystina.  Capsula  cuneato-obovata,  matura  caly- 
cemaequans  velsuperans,  truncata  vel  subemarginata, 
margine  longe  ciliata,  caeterum  pilosa  rarius  glabra. 

Synonyme:  E.  parvi/lora  Fries  Summa  veg.  Scand.  I. 
p.  195  (1846),  pr.  p.') 

E.  parvißora  var.  citrta  Fries  1.  c.  p.  19  (1846)  pr.  p.  excl.  Syn. 

E.  offidnalis  A.  Platyphylla  ß.  curla  Eeichenb.  Icon.  Flor. 
Germ,  et  Helv.  XX.  p.  58  (1862). 

Exsiccaten:  Schultz  Herb.  norm.  Cent.  12.  Nr.  1112  (als 
E.  gracilis)  pr.  p.,  da  gemischt  mit  E.  gracilis.  —  Nr.  1111  und 
1111  bis  (als  E. parviflora).  —  Callier  Flora  Siles.  exs.  Nr.  882 
(als  E.  nemorosa)  —  Nr.  73  (als  E.  coerulea)  pr.  p.,  da  gemischt 
mit  E.  coerulea.  —  Fries  Herb.  Norm.  Fase.  IV. 

Abbildungen:  Reichen b.  Icon.  Flor.  Germ,  et  Helv.  XX. 
tab.  MDCCXXXII.  Fig.  VI. 

Blüthezeit:  Juli  bis  October. 

Verbreitung:  Verbreitet  in  Schweden,  in  Norwegen,  England, 
Schottland,  Dänemark,  in  dem  westlichen  Theile  von  Russland,  im 
Norden  und  Osten  des  Deutschen  Reiches  (Schlesien,  Posen,  Ost- 
und  Westpreussen,  Pommern,  Brandenburg,  Mecklenburg,  Schleswig- 
Holstein,  Hamburg,  Provinz  Sachsen),  im  nordöstlichen  Böhmen  und 
in  der  Tatra. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Ungarn:  Böhmen:  Bei 
Reichenberg  (Herzig;  H.  ü.  Pr.);  um  Hoheuelbe  (Kablik;  H. 
Mus.  Pr.);  im  Riesengebirge  auf  der  Schneekoppe  (Kablik;  H.  T.  Gr.); 
Iserwiese  (Dressler;  H.  Wilczek);  im  Mensegebirge  bei  Giesshübel 
(Freyn;  H.  Fr.,  H.  Kern.);  bei  Ober-Sattel  (Freyn:  H.  Fr.); 
Ochsengesenke  (Freyn;  H.  Fr.).  —  Tatra:  Drechselhäuschen  (Sa- 
gorski;  H.  Fr.).  —  Vermuthlich  auch  in  Oesterr.-Schlesien  und 
im  westlichen  Theile  von  Galizien! 

Wie  aus  dem  Vorstehenden  hervorgeht  ist  E.  curia  eine  im 
nördlichen  Europa  weit  verbreitete  Art,  die  ihre  südlichsten  Stand- 
orte im  Bereiche  des  Riesengebirges  und  der  Tatra  auf  österreichisch- 
ungarischem Boden  besitzt.  Sie  zählt  damit  zu  jenen  nicht  wenigen 
Pflanzen,  die  der  Flora  dieser  Gebirge  ihr  charakteristisches  Gepräge 
und  ihr  pflanzengeographisches  Interesse  verleihen.  E.  curla  steht 
der  E.  nemorosa  Pers.  am  nächsten,  sie  vertritt  sie  in  Oesterreich- 
Ungarn  ebenso,  wie  in  den  anderen  aufgezählten  Ländern.  Von 
E.  nemorosa  ist  E.  curla  am  leichtesten  durch  die  Behaarung  zu 
unterscheiden;  während  die  erstgenannte  Art  vollständig  kahle 
Blätter  besitzt,   sind  die  der  E.  curla  wenigstens  am  Rande,   in 


')  Orieinalexemplare  gesehen. 


187 

der  Randpartie    der   Oberseite   und   an    den    Nerven   der  Unterseite 
fein  borstig. 

Je  nach  dem  Standorte  variirt  E.  curla  im  Habitus  in  ganz 
analoger  Weise  wie  E.  nemorosa;  am  bemerkenswerthesteu  ist  der 
Wechsel  der  Behaarung.  Während  die  typische  Pflanze  an  allen 
Blättern '  und  Kelchen  allseits  dicht  kurz-  und  weissborstig  ist, 
finden  sich  ab  und  zu  etwas  verkahlende  Formen  mit  Borsten  an  Blatt- 
oberseite, Rand  und  auf  den  Nerven  der  Blattunterseite.  Dass  diese 
letzteren  Formen  nur  Standortsvarietäten  sind,  für  die  ich  den 
Namen  var.  (flahrescens  vorschlagen  will,  geht  schon  daraus  hervor, 
dass  ich  aus  allen  Gebieten,  in  denen  E.  curla  vorkommt,  auch 
solche  verkahlende  Exemplare  sah.  Begreiflicherweise  machen  solche 
Exemplare  vielfach  den  Eindruck  von  üebergangsformen  zu  E.  nemo- 
rosa; in  den  Grenzgebieten  mögen  sie  auch  manchmal  thatsächlich 
solche  sein.  An  den  österreichisch-ungarischen  Standorten  ist  gerade 
diese  Var.  glahrescem  relativ  häufig.  Dass  gerade  dieser  Wechsel 
der  Behaarung  die  Klarstellung  der  Pflanze  sehr  erschwerte, 
dürfte  begreiflich  sein;  ich  gedenke  noch  an  anderem  Orte  ausführ- 
licher auf  die  Gründe  zurückzukommen,  die  mich  zu  der  Abgrenzung 
und  Unterscheidung  der  hier  in  Betracht  kommenden  Arten  im  an- 
gegebenen Sinne  führten;  diese  Gründe  sind  natürlich  hauptsächlich 
aus  dem  Verhalten  der  Pflanze  in  Gebieten  ausserhalb  der  Monarchie 
zu  suchen. 

Das  muthmassliche  genetische  Verhältniss  zwischen  E.  curla 
und  E.  coerulea,  die  in  Oesterreich-Ungarn  genau  dasselbe  Ver- 
breitungsgebiet hat,  habe  ich  schon  bei  Besprechung  dieser  berührt. 
Ich  möchte  hier  ergänzend  und  zur  Bekräftigung  des  Gesagten  nur 
anführen,  dass  durchaus  nicht  selten  einzelne,  verfrühte  Exemplare 
der  E.  curia  zwischen  E.  coerulea  gefunden  wurden.  Von  E.  coerulea 
ist  E.  curla  selbst  in  der  Var.  glahrescens  durch  den  stark  ver- 
zweigten Stengel,  durch  die  spitzeren  Blattzähne,  durch  die  Blüthen- 
farbe  und  durch  die  stärkere  Behaarung  verschieden. 

Ein  älterer  Name  für  die  Pflanze  als  der  hier  angewendete 
dürfte  wohl  E.  officinalis  ß.  ciliala  Schlechtend.  (1823)  sein.  Bei 
der  grossen  Dürftigkeit  der  Schlechtendal'schen  Diagnose,  die 
ein  Erkennen  der  Pflanzen  unmöglich  zulässt,  dürfte  es  wohl 
berechtigt  erscheinen,  von  einer  Restituirung  dieses  Namens  abzu- 
sehen. Zweifellos  bezieht  sich  auf  unsere  Pflanze  der  Name  E.  offici- 
nalis B.  monlana  6.  curla  Fries  (1828),  was  nicht  nur  aus  der 
Beschreibung,  sondern  auch  aus  den  Herbarexemplaren  hervorgeht, 
welche  Fries  selbst  mit  gedruckten  Etiketten  in  Fascikel  IV  seines 
Herb,  normale  unter  dem  Namen  „E.  officinalis  curla''  vertheilte. 
Obgleich  nun  Fries  selbst  später  (1846)  den  Namen  in  E.  parvifiora 
änderte,  so  dürfte  doch  E.  curla  beizubehalten  sein,  nicht  nur  aus 
Gründen   der   Priorität,   sondern   insbesondere   deshalb,    weil  Fries 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  4.  Heft.  1894.  |  [ 


138 

unter  dem  Nameu  E.  imrviflora  nicht  nur  E.  curta,  sondei'u  auch 
andere  kleinblüthige  Arten  (wie  z.  B.:  E.  minima  Schi.,  die  noch 
gelegentlich    ausführlicher   zu   behandelnde  E.  Friesü  m.)  verstand. 

(Fortsetzung  folgt ) 


Bemerkungen  über  einige  orientalische  Pflanzenarten. 

Von  Dr.  A.  v.  Degen  (Budapest). 

XIV. 

Centaurea  Kaiiitziana  Janka. 

Eine  wenig  bekannte  schöne  Art,  von  deren  bisher  bekannten 
Standorten  zwei  nördlich  der  Balkankette  in  der  Dobrudscba  liegen; 
der  Rand  des  übrigen  Verbreitungsbezirkes  entspricht  etwa  einer  längs 
des  südlichen  Abfalles  des  Balkans  von  Burgas  über  Aitos,  Slivno 
bis  Sotia  gezogenen  Linie:  der  Berg  „Kara-Tepe"  bei  Burgas,  wo 
sie  voriges  Jahr  Wagner  entdeckt  hat,  ist  der  südlichste  bisher 
bekannte  Ort  ihres  Vorkommens.  Die  ihrer  ersten  Beschreibung  (in 
Dr.  Braudza's  Veget.  Dobrogei  1884,  p.  447,  tab.  2')  beige- 
gebene Tafel  mit  einem  etwas  schematischen  Habitusbild  und 
einigen  nicht  ganz  richtig  dargestellten  Details,  lässt  die  Pflanze, 
deren  Original  mir  vorliegt,  schwer  erkennen,  und  so  ist  sie  denn 
auch  von  Herrn  Prof.  Velenovsky  in  seiner  Flora  Bulgarica 
p.  321  —  322  unter  dem  Namen  Centaurea  pracilenta  neu,  und  in 
einiger  Hinsicht  richtiger  beschrieben  worden,  als  dies  bei  der  Original- 
Diagnose  der  Fall  war.  Nach  genauem  Vergleiche  der  bulgarischen 
mit  der  Dobrudscha-Pflanze  muss  ich  zunächst  die  Identität  beider 
constatiren,  obwohl  ich  bei  dem  Vergleiche  der  Beschreibungen 
allein  einige  Bedenken  wegen  der  von  Janka  als  „/■oagiuscule  spinu- 
losae"'  beschriebenen  unteren  Anthodienschuppen  entgegen  den  Worten 
Velenovsky's  „phyllis  inferioribus  et  mediis  mucrone  ex  apice 
nuUo  vel  brevi,  ciliis  validiore"  hatte. 

Die  gründliche  Untersuchung  eines  Exemplares  von  einem 
Standorte  der  Flora  Bulgarica  bestärkt  mich  jedoch  in  der  Auf- 
fassung, dass  die  Worte  der  Flora  Bulgarica  wohl  auf  die  mittleren 
Schuppen,  nicht  aber  auf  die  untersten  zu  beziehen  sind,  denn  diese 
haben  einen  evidenten  Mucro,  welcher  an  der  Abbildung  a.  a.  0. 
gar  nicht  recht  ersichtlich  ist,  so  dass  letztere  in  dieser  Hinsicht 
der  Beschreibung  Velenovsky's  besser  entspricht,  als  der  Original- 
beschreibung-, das  Herablaufen  der  Wimper  am  Rande  der  Schuppen 
ist  auch  entschieden  unrichtig  gezeichnet;  der  Pappus  der  Original- 
exemplare ist  mehr  oder  weniger  (bis  doppelt)  kürzer  als  das  Ache- 


')  Apud  Kanitz:   „Plantas  Romaniae  hucusque  cognitas  enuraerantem' 
|i.   217  solum  nomen. 


139 

nium  und  im  reiten  Zustande  gewiss  kürzer,  als  er  auf  der  erwähnten 
Tafel  ersichtlich  ist,  wo  auch  die  Form  der  Köpfchen  unrichtig, 
diese  selbst  zu  klein  und  zu  schmal  dargestellt  sind,  sie  sind  in 
der  Wirklichkeit  mehr  cyliudrisch  und  nicht  spindelförmig,  ausser- 
dem ist  nicht  nur  der  untere  Theil  (Janka),  sondern  die  ganze 
Pflanze  mehr  oder  weniger  rauh  und  inclusive  der  Köpfchen 
flockig  behaart,  an  den  letzteren  verschwindet  allerdings  später 
das  Indument,  unter  welchem  die  schön  rotviolett  angelaufenen 
Schuppen  einen  metalligen  Glanz  bergen,  dessen  f^rscheinen  nach 
dem  Schwinden  des  floccosen  Ueberzuges  nicht  wenig  zur  Eleganz 
der  Pflanze  beiträgt.  Die  Blätter  der  noch  nicht  blühenden  Rosetten 
erinnern  lebhaft  an  die  der  Centaurea  trhüaefolia  Heuif.,  sind  aber 
kleiner  und  in  noch  feinere  Abschnitte  getheilt.  Ausser  diesen  Be- 
richtigungen wäre  der  Originalbeschreibung  noch  „squamae  intimae 
elongatae,  lineari-lanceolatae,  appendici  inermi,  spathulato-ovato, 
iutegro  vel  irregulariter  lacerato,  toto  membranaceo  terminatae" 
(Janka  msc.)  hinzuzufügen. 

Budapest,  am  1.  März  1894. 


Lichenologische  Fragmente. 

Von  Dr.  F.  Arnold  (München). 

(Fortsetzung.*) 

III.  Licheties  scyphiferl. 


1.  cornutus, 

2.  clavatus, 

3.  coccifer, 

4.  cornucopioides, 


5.  pediculariaeforniis, 

6.  fumilus, 

7.  foliaceus, 

8.  radiatus, 


9.  pyxidatus, 

10.  fimbriatus, 

11.  gracilis, 

12.  agariciformis. 


Diese  Gruppe    besteht    ausschliesslich    aus   Cladonien;    Standorte    sind 
nur  selten  angegeben. 


1.  cornutus:  ist  überwiegend  G.  hacillaris  (K  — ,  podetia 
minora,  cornuta  vel  simplicia,  apice  apotheciis  coronata).  Beigemengt 
sind  C  fimhriata  f.  tubaeformis  und  f.  cornuta  Ach.  (podetia  3  cm 
longa,  sat  tenuia). 

2.  clavatus:  „varietas  cornuta  Dillenio"  ist  eine  aus  5  kurzen 
Stielen  bestehende  0.  ochrochlora  Fl.  (podetia  sterilia,  apicem  versus 
incrassata  et  obtusa,  K  — ). 

3.  coccifer:  ist  C.  coccifera  L.;  die  Flechte  „supra  montem 
Calvariae  initio  Octobris"  ist  die  normale  fruchtende  Pflanze,  dabei 
aber    auch    f.    extensa   Ach.    (margine    scyphi    prolifera).     Einzelne 


')  Vergl.  Nr.  2,  S.  77  flf. 


11' 


140 

Podetien  nähern  sich    der  C.  pleurota  FL,    sind  jedoch   nicht   albo- 
pulverulenta. 

Ein  ,^Lich.  coccifer  Prax"  ist  zwar  robuste  C  coccifera  c.  ap., 
allein  der  beiliegende  wohl  nicht  von  Wulfen  geschriebene  Zettel 
„Cladonia  bellidiflora"'  lässt  die  Herkunft  dieser  Flechte  zweifelhaft 
erscheinen. 

4.  cornucopioides:  ist  theils  C.  digitata  L.  und  theils  eine 
sterile  Form  der  C.  coccifera  L. :  scyphi  simplices,  margine  foliosi; 
(comp,  lophura  Ach.,  Arn.  Jura  nr.  36). 

5.  pediculariaefolius:  ist  eine  etwas  schmächtige  C  fimbriata 
f.  tubaeformis  Hofl". 

6.  pumilus,  Dill.  t.  14  f.  11:  besteht  aus  C.  fimbriata  tubaef. 
atque  conista  Ach.  (scyphi  sat  pumili)  und  C.  chlorophaea  L. 
Simplex  Hoff. 

7.  foliaceus,  Dill.  t.  14  f.  12:  ist  sterile  G.  digitata  L. 

8.  radiatus:  mt  C.  gracilis !  Diese  Art  gehört  zu  den  wenigen 
Flechten,  welche  im  Herbare  in  grösserer  Menge  vorhanden  sind. 
Zur  f.  macroceras  Fl.  gehören  die  alpinen  Exemplare  des  „Lieh, 
radiat,  Dill.  15  f.  15,  16"  von  der  „Luggauer  Alpe,  islandico 
immixtus"  von  der  Sarler  Alpe  und  der  Saualpe. 

An  f.  valida  Fl.  schliessen  sich  die  Exemplare  von  der  Kübegger 
Alpe  und  „ex  monte  Calvariae,  ubi  Lieh,  corallinus''  an.  Ein  ,,Lich. 
subulatus,  ex  Grönlandia"  ist  sterile,  an  sumpfiger  Stelle  gewachsene 
C.  gracilis  f.  elongata  Jacq. 

Im  nämlichen,  die  Aufschrift  ,.Lich.  radiatus  Schreberi,  Hagen, 
Dill.  15  f.  16"  tragenden  Bogen  befindet  sich  noch  als  „coralloides 
scyphiforme,  cornuta  Dill.  15  f.  16  a"  diejenige  Flechte,  welche  jetzt 
G.  fimbriata  f.  radiata  Schreb,  genannt  wird. 

9.  pyocidattis  ist  zum  grösseren  Theile  G.  degenerans  Fl. 
f.  aplotea  Ach.;  hieher  die  Flechte  vom  mons  Calvariae.  Wulfen 
hat  aber  auch  schon  die  0.  verticillata  Hoff,  erkannt  und  als  ^Lich. 
pyxid.  ex  centro  prolifer",  „Lieh,  pyxid  tuberculis  sessilibus  et  pedun- 
culatis,  tunc  ex  centro  et  margine  proliferis"  ausgeschiede'i. 

Ausserdem  findet  sich  als  Lieh,  pyxid.  ein  Gemenge  von 
Flechten  vor,  welches  aus  G.  degenerans  aplotea,  G.  pyxid.  L. 
Simplex,  G.  chlorophaea  L.  Hoff.  Simplex  und  einem  gut  erhaltenen 
Exemplare  (podetia  K  4"  rubescentia)  der  G.  subcariosa  Nyl.,  Arn. 
Jura  1890,  Nr.  634  zusammengesetzt  ist.  Wulfen  hat  sonach  diese 
erst  in  neuerer  Zeit  von  Nyl  and  er  aufgestellte  Art  schon  vor 
100  Jahren,  muthmasslicli  bei  Klagenfurt,  gefunden. 

Ein  anderer  „Lieh.  pyxidatusT'  ist  G.  degenerans  aplotea, 
neben  welcher  G.  pyxidata  f.  carneopallida  Del..  Arn.  Jura  1890, 
p.  14,  liegt:  podetia  granulata,  apothecia  subcarneola. 

Als  zufälliger  Umstand  darf  es  erscheinen,  dass  G.  deformis 
L.  f.  crenulata  Ach.,    ausweislich  des  beiliegenden,    wohl  kaum    von 


141 

Wulfen  herrührenden  Zettels  als    ,,Cladonia  deformis''    richtig  be- 
stimmt, in  einem  Bogen  des  Lieh,  pyxidatus  aufliegt. 

10.  fimbriatus:  ist  C.  fimWiata  L.  und  zwar:  a)  tubaeformis, 
podetia  maiora.  ad  f.  denticidatam  Fl.  vergentia;  b)  f.  prolifera  Hoff. 

11.  qracilis:  ist  ein  Exemplar  der  gewöhnlichen  C.  gracilis 
Chordalis  Fl.,  Arn.  Jura  Nr.  32. 

12.  agariciformis:  „coralloides  fungiforme,  fusca  quasi  foliacea, 
Dill.  14  f.  2"  ist  nur  in  sehr  spärlichen  Stückchen  erhalten,  welche 
jedoch  zur  Feststellung  der  Art  genügen,  vergl.  Arn.  Wulfen  1882, 
p.   IGl,  Wainio  Mon.  Clad.  p.  458. 


IV.  I/ichenes  Foliacel,  suberecti,  laciniati. 


1.  nivalis, 

2.  islandicus, 

3.  furfuraceus, 

4.  fraxineus, 


5.  calycaris, 

6.  prunastri, 

7.  fastigiatus, 

8.  caespitosus, 


9.  farinaceus, 

10.  ciliaris, 

11.  hispidus, 

12.  juniperinus. 


1.  nivalis:  ursprünglich  unterschied  Wulfen  einen  Lieh,  nivalis 
albus,  wovon  Exemplare  vom  Glockner  vorhanden  sind,  und  einen 
TAeh.  nivalis  flavus.  Erstere  Flechte  ist  Platysma  nivale  L.,  letztere 
Plat.  juniperinum  L.  (plant,  terrestris).  Auch  diese  Art  wurde  am 
(llockner  gesammelt  und  auf  der  Aussenseite  des  Bogens  bemerkt: 
,,nisi  potius  sit  juniperinus?" 

Ferner  ist  im  Herbare  der  Liehen  cucullatus  ausgeschieden, 
welcher  richtig  erkannt  wurde. 

Ein  Liehen  vom  Glockner  ist  ein  sehr  kleines  Exemplar  der 
Uufourea  madrepoviformis  Schi.,  Schaer.  Enum.  p.  14.  Wulfen 
bat  also  diese  Flechte  geraume  Zeit  vor  Schleicher  gefunden,  da 
seine  letzte  Reise  an  den  Glockner,  wie  aus  den  Briefen  an  Schre- 
ber  zu  entnehmen  ist,  im  Jahre  1800  erfolgte. 

2.  islandieus:  diese  Flechte  ist  im  Herbare  besonders  zahl- 
reich vertreten;  theils  steril,  theils  c.  ap.  ^floreus'"'.  —  Ein  „Lieh, 
isl.  ienuissinius  ex  Glockner",  ist  Cefr.  islandiea,  habitu  nonnihil 
accedens  ad  f.  erispam  Ach. 

3.  fur/uraeeus:  ein  Exemplar  „Lieh.  furf.  cum  scutellis"  ist 
Eveniia  furf.  c.  ap.  Von  der  sterilen  Pflanze  sind  mehrere  Exem- 
plare vorhanden.  In  einem  Bogen  befindet  sich  auch  die  planta 
f.  nuda  Ach.,  polita  Wallr.  germ.  p.  493:  laciniae  breviores,  latiores, 
parte  superiore  laeviores  et  pallidiores,  infra  fuscescentes. 

A.  fraxineus:  „ülrichsberg  in  Fago"  ist  J?ama/mör/ra.r.;  neben 
der  typischen  Pflanze  liegt  auch  f.  ampUata  Ach. 
5.  cahfcaris:  hier  sind  zu  unterscheiden: 

1.  Ramal.    fraxinea:   lobis  numerosis,   elongatis,   tenui- 
oribus, 

2.  f.    ealicariformis    Nyl.   recogn.    Kam.    p.  38,    Stizenb. 


142 

Ram.  1891,  p.  19,  Arn,  Jura  nr.  8:  sporae  curvulae, 
0-015  mm  \g.,  0'006mm  lat. 
3.  eine  ünterform   der  f.    calicariformis,   planta   teniiior, 
minor,  habitu    ad    Ram.    farinaceam   vergens.    apoth. 
sat  parva,  sporae  curvulae,  0*015  mm  lg.,  0*006  mm  lat. 

6.  prunastri:  Evernia  prnnastri  L.  und  deren  unbedeutende 
Form  sorediifera  Ach.,  exsicc.  Arn.  Monac.  220. 

Ein  Exemplar  erinnert  an  f.  retusa  Ach.:  laciniae  latiores, 
apice  obtusae  subdigitatodivisae,  sorediatae. 

7.  fastiqiatus'.  die  Flechte,  welche  in  einer  Papierkapsel  mit 
der  Aufschrift:  „Lieh,  prunastri  seu  fastiqiatus;  NB.  habent  qui- 
dam  pro  calicari,  sed  non  recte"  eingeschlossen  ist,  entspricht  der 
Ramal.  fastigiata  Pers.,  c.  ap. 

Die  übrigen  Exemplare  bilden  ein  Gemenge  von  Ramal.  fasti- 
giata, Ramal.  pollinaria  West.,  Evernia  prunastri  und  deren  Form 
sorediifera  Ach. 

8.  caespitosus:  „nova  species,  cujus  nuUum  hucusque  synonymen 
reperi";  „in  nudis  rupibus  excelsis  Iregger  Alpe  caespites  ampli, 
conferti:  ist  Ihnen  dieser  Liehen  bekannt?  beim  Dillenio  finde  ich 
ihn  nicht;  wie  soll  er  heissen?  Lieh,  caespitosus,  sie  Sehr  eher." 
Diese  in  mehreren  Exemplaren  vorhandene  Flechte  ist  Ramal.  tine- 
toria  Web.  (1778),  polymorpha  Ach.  (1797)  f.  capitata  Ach.  in 
sterilem  Zustande :  laciniae  apicibus  capitato-sorediosae.  lieber  Lieh, 
tinctorius  Web.  vergl.  Floerke  Berl.  Magaz.  1808,  p.  505,  Arn. 
Flora  1880,  p.  567,  Th.  Pries  Flora  1881,  p.  222.| 

9.  farinaeeus :  ist  Ramalina  farinaeea  L.  vermischt  mit  Ramal. 
pollinaria  Westr.  und  Evernia  prunastri  L. 

10.  eiliaris:  ist  Anaptychia  ciliaris  L.  (vergl.  Arn.,  Wulfen 
1882,  p.  162).  Im  Herbare  liegt  blos  die  typische  Flechte,  einzelne 
Apothecien  stellen  die  f.  actinota  Ach.  dar:  apothecia  margine  non- 
uihil  ciliatoradiata. 

11.  hispidus:  ist  Parmelia  tenella  Scop.,  steril  und  c.  ap.: 
laciniae  fornicatae  et  ciliatae. 

12.  juniperinus:  (vergl.  Arn.,  Wulfen,  p.  162,  und  Tirol 
XXII,  p.  86).  Der  „Lieh,  juniperinus  seu  Pinastri  Scopolii''''  ist  auch 
im  Herbare  Plat.  pinastri;  doch  liegen  Stückchen  der  Erdflechte 
Plat.  juniperinum  daneben.  —  Der  „Lieh,  juniperinus  Vobis,  Lieh, 
pinastri^  im  Bogen,  dessen  Aufschrift  Praxer  Alpe  lautet,  ist  sicher 
das  von  Wulfen  bei  Prax  angetroffene  Plat.  pinastri;  das  winzige 
Exemplar  besitzt  2  Apothecien. 

Zu  Plat.  juniperinum  L.  gehört  die  wohl  von  Froelich 
(vergl.  den  Lieh,  ambiguus)  gesammelte  Erdflechte:  „Lieh,  juni- 
perinus L.,  legi  in  summis  et  aridissimis  jugis  alp.  Schneeberg, 
1793";  ferner  ein  mit  einem  Apothecium  versehenes  Atom  des 
Plat.  juniperinum  (terrestr.),  bei  welchem  aber  ein  Standort  nicht 
angegeben  ist. 


143 


V.  Lichenes  foliacei  centrifugi  repentes. 


1.  centri/ugus, 
i.  scuiatilis, 

3.  omphalodes, 

4.  .opeciosus, 

5.  pulverulentiis, 

ü,  pulchell'us,  caesius 
Hoffm., 


7.  olivaceus. 

8.  parietinus, 

9.  ochroleucus,  seu 
Muralis, 

10.  ambiguus, 
12.  physodes. 


14.  terebratus, 
13.  semipinnatus, 

16.  stellaris, 

17.  ciliatus  HoflFm., 

18.  Fahlunensis, 

19.  chrysophthalmus, 


13.  foraniinulosus,  \   20.  orbiculattis. 


1.  centri/ugus:  ist  Imbric.  conspersa  Ehr.  c.  ap. 

2.  saxatilis :  die  uormale  7.  saxatilis  L.  ist  vorhanden :  a)  von 
der  Saualpe  auf  Felsen  gesellig  mit  7.  cojis^^grsa  Ehr. ;  b)  „ex  alpibus 
Schneeberg  cum  hypotrichoide"  (dürftiger  J.Zec'i  jubata);  beigemengt 
sind  f.  sidcata  und  Thalluslappen  der  7.  perlata;  c)  .,saxum  Granitem 
granatino-Basalticum  insternens  in  Saualpe,  cum  scutellis";  d)  „in 
Pino  Klagenfurti"    neben  der  f.  salcata  Tayl. 

Die  f.  sulcata  Tayl,  wurde  von  Wulfen  gesammelt:  a)  cam 
scutellis  in  Betulis  am  Mariazeller  Berg;  b)  in  Pago  ülrichsberg. 
Die  Mehrzahl  der  Exemplare  des  Lieh.  sax.  im  Herbarium  gehört 
zu  f.  sulcata. 

Die  f.  furfuracea  Scharr.,  Arn.  Jura  Nr.  Gl,  ist  ohne  Stand- 
ortsangabe der  f.  sulcata  beigesellt. 

Ein  L.  saxatilis  ex  alpibus  Mariazellensibus  Styriae,  3  Hüthe" 
ist  Pannaria  coeruleohadla  Schi,  (conoplea  Ach.)  c.  ap. 

Ueber  Lieh,  saxatilis  vergl.  Arn.  Wulfen  1882,  p.  1(36. 

3.  omphalodes:  ein  in  einer  Papierkapsel  befindlicher,  mög- 
licherweise von  Hoffmanu  mitgetheilter  ,,Lich.  omphalodes  L." 
ist  7,  omphalodes  L.,  c.  ap,  (vergl.  Arn.  Wulfen  1882,  p.  151). 

4.  speciosus:  eine  Mehrzahl  von  Exemplaren  besteht  aus  Farm, 
speciosa  W.;  Standorte  sind  jedoch  nicht  angeführt  (vergl.  Arn. 
Wulfen  1882,  p.  157). 

5.  pulverulentus :  die  in  einem  Bogen  liegenden  Exemplare  „ex 
saxis  et  arboribus"  bestehen  aus  P.  pulv.:  a)  thallofuscese.  und  b) 
argyphaea  Ach.,  Arn.  Jura  Nr.  82.  Einige  Exemplare  nähern  sich 
der  f.  farrea  Turn.  In  Gesellschaft  der  von  Wulfen  richtig  er- 
kannten P.  pulv.  befinden  sich  Thalluslappen  von  7.  fuliginosa  Fr., 
T.  saxatilis  a  und  f.  sulcata. 

6.  pulchellus,  caesius  Hoff.:  vergl.  Arn.  Wulfen  1882,  p,  151  : 

a)  ein  „L.  puleh.  seu  caesius  Hoff.,  Prax  cum  scutellis"  besteht  theils 
aus  der  normalen  P.  caesia  Hoff,  und  theils  aus  steriler  7.  aleurites 
Ach..  Arn.  Jura  Nr.  53,  auf  Holz  (mit  beigewachsener  7  saxatilis); 

b)  in  einem  zweiten  Bogen  liegen  in  kleinen  Papierkapseln  zwei 
Exemplare  der  P.  caesia,  soiediis  caesiis  hie  inde  adspersa,  als 
,^Lieh.  caesius"^,  ^Lieh.  caesius  cum  scutellis". 

7.  olivaceus:  ein  „Lieh,  olivaceus  L.  in  saxis  sylvae  retro 
montem  Calvariae,  tarn  in  arboribus  fructiferis  et  sylvestribns",  be- 


]  41 

steht  aus:  a)  /.  fuliglnosa  Fr.,  med.  C.  rubesc:  b)  I.  aspidota  Ach.; 
c)  1.  prolioca  Ach.,  Arn.  Jura  Nr.  69  (med.  C  — ,  parte  inferiore 
cum  saxi  vestigiis). 

Der  in  einem  zweiten  Bogen  enthaltene  „Z/.  olivac.  L.  scutellis 
integris,  seu  pullus  Schreberi"  umfasst  ebenfalls  die  beiden  Arten 
I.  fuliginosa  und  7.  prolLva. 

(Schluss  folgt.) 


JPlantae  novae  Orleutales. 

III. 

Von  J.  Freyn  (Prag). 

(Fortsetzung.') 

Cancalis  Sintenisii  Freyn.  Ich  habe  diese  Pflanze  in  Oest. 
botan.  Zeitschr.  XLII,  p.  166  zuerst  als  Torilis  Sintenisii  beschrieben, 
nachdem  sie  schon  1891  von  Sintenis  unter  gleichem  Namen 
vertheilt  worden  war.  Weiteres  Studium  dieser,  sowie  zweier  anderer 
habituell  ganz  ähnlicher  Doldenpflanzen,  welche  Sintenis  1892 
in  Paphlagonien  gefunden  hatte,  veranlasste  mich  jedoch  die  arme- 
nische Pflanze  zu  Cancalis  zu  stellen,  woselbst  sie  mit  C.  tenella  Del. 
verwandt  ist.  Denn  C.  Sintenisii  hat  in  der  Eegel  einreihig  be- 
stachelte Früchte,  doch  sind  die  Griff"el  lang  und  nicht,  wie  bei 
C.  tenella,  fast  fehlend.  Die  Zahl  der  Stachelreihen  finde  ich  übrigens 
bei  den  Caucalis-kxiQn  ziemlich  schwankend  und  zwar  oft  in  der- 
selben Frucht. 

Ganz  ähnlich  der  Cancalis  Sintenisii  ist  Torilis  grandiflora 
Boiss.,  die  ich  als  eigene  Art  ansehe  und  nicht,  wie  es  in  der 
Flora  Orientalis  geschehen  ist,  mit  T.  microcarpa  Bess.  vereinige, 
da  sie  sich  von  dieser  durch  die  grossen  Blüthen  und  langen  Frucht- 
stiele genügend  unterscheidet. 

Cephalavla  ( Phalacrocfirpus)  Sintenisii  Freyn.  Annua 
setis  basi  tuberculatis  (infimis  reversis)  plus  minus  obsita;  ca,ule 
erecto  teretiusculo  elato  virgato  superne  vel  jam  infra  medium 
opposite  ramoso,  ramis  angulatis  rigidis  divaricatis  iterum  ramulosis; 
foliis  basilaribus  cum  caulinis  inferioribus  florendi  tempore  jam 
evanidis  ignotis,  caeteris  in  lacinias  lineares  iutegerrimas  lyrato- 
pinnatipartitis,  segmento  terminali  multo  majore;  pedunculis  elon- 
gatis  angulatis,  capitulo  parvo  subgloboso  terminatis;  in- 
volucri  phyllis  obtusissimis  adpresse  et  laxe  hirsutis,  exte- 
rioribus  ovatis  minoribus,  interioribus  ovato-oblongis  marginatis; 
palaeis  infimis  ovatis.  intirais  ovato-ellipticis  hirsutis  et  ciliatis 
nervo  medio  purpureo-fusco  in    cuspidem    brevem  rigid  um 


')  Vergl.  Nr.  3,  S.  98. 


145 

abiupte  attenuato  percursis;  floribus  vix  radiantibus, 
albis  (siccatione  ochroleucis)  extus  villosis  involucello 
sparsim  hirsuto  tetragono-oblongo  apice  et  basin 
versus  attenuato  calvo;  fructu  ignoto.  O  Julio,  Aug. 

Paphlagonia,  Tossia:  in  fruticetis  ad  Kawak-Tschescbroe 
die  4.  Aug.  1892  leg.  Sinteuis!  (Exsicc.  no.  4888.) 

Dimension  es.  Caulis  submetralis,  5mm  inferne  crassus, 
capitula  florendi  tempore  1  '5  cm  alta  et  lata,  involucrum  centi- 
metrum  altum  1*2  latum,  involucellum  (immaturum)  paulo  plus 
2  mm  longum,  7*  '^^  latum. 

Habitu  et  capitulorum  magnitudine  nostra  omnino  Cephalarkie 
transsylvanicae  Schrad.  congruit  sed  involucello  caractere  C.  aristatae 
C.  Koch  magis  affinis,  a  qua  diflfert  capitulis  dimidio  minoribus, 
involucri  pliyllis  obtusissimis  paleis  latis  ovatis  rigide  cuspidatis 
(nee  longiuscule  aristatis),  floribus  villosis  (nee  tomentellis),  involu- 
cello hirsuto  (nee  glabro). 

Scdbiosa  ( Aster ocephalus)  Irt'evipora  Freyu.  Annua 
plus  minus  hirsuta,  caule  erecto  humili  vel  elatiore,  ramis 
erecto  -  patulis  saepe  iterum  ramulosis;  foliis  breviter  petiolatis 
integerrimis,  infimis  lanceolatis,  caeteris  basi  utrinque  lacinulas 
1  —  3  lanceolato-lineares  breves  gereutibus;  pedunculis  longis  graci- 
]il)us-,  involucri  phyllis  7 — 10  inaequalibus  obovato  -  lanceolatis, 
lanceolatis  vel  lanceolato-linearibus  a  basi  ad  medium  longe  hirsutis 
capitulum  mediocre  subaequantibus,  florendi  tempore  adpressis 
tandem  reflexis;  coro  IIa  rubra  vix  radiante  laciniis  parum 
divisis;  capitulis  fructiferis  ellipsoideis;  involucelli 
urceolati  foveolis  ovatis  profundis  costis  sulcatis  se- 
junctis  tubo  albo-hirsutissimo  duplo  longioribus:  corona 
pallida  membranacea  involucello  subbreviore  n  er  vis  30—34  Stra- 
min e  i  s  in  m u c r 0 n a s  b r e V i s s i m a s  e x c u r r e n t i b u s  p e r c u r s a; 
calycis  limbo  longe  stipitato  aristis  scabris  Corona  sesqui- 
longioribus.  0  Junio. 

Galatiae  ad  Mersiwaa  in  monte  Tawschan-Dagh  die  12.  Juniu 

1891  leg,  Mauissadjian!  (Exsicc.  uo.  360.)  —  Paphlagoniae 
ad  Tossia  in  collibus  ad  Kawak-Tscheschme  die  7.  Junio  (Exsicc. 
no.  4135)    et    in    fruticetis  supra  Tschepni  Getscbirdi   die  17.  Junii 

1892  (Exsicc.  no.  4345)  leg.  Sintenis! 

Dirne nsiones:  Caulis  20— ^70  cm  altus.  pedunculis  10"5  — 
41cm  longis.  foliorum  lacinia  terminalis  (maxima)  ad  5'5  cm  longa 
et  ad  medium  ]5  lata;  capitulum  fructiferum  2*7  cm  altum  et 
(sine  aristis)  l'ö  diametro,  sed  provenit  etiam  brevior;  involucelli 
bene  evoluti  tubus  paulo  plus  3-5  mm  longus,  corona  7  mm 
longa. 

Ob  costas  involucelli  profunde  sulcatas,  corollas  rubras  vix 
radiantes,  corona  30  —  34nervi  brevissime  mucronulata  et  calycis 
limbo  longe  stipitato  nostra  Scabiosam  rotatam  M.  B.  aemulat.    sed 


146 

diversa  capitiilis  fructiferis  ellipsoidis  (nee  globosis) ,  involucelli 
foveolis  brevibus  tiibi  dimidiam  tantum  aequantibus  (nee  ea  lon- 
gioribus),  eorona  tubiim  aequante  (nee  eo  sesqui  longiore).  S. 
vncrantha  Desf..  capitiila  etiam  oblonga  fevens.  differt  primo  ad- 
spectu  Corona  20—24  nervi,  iubo  involucelli  foveolis  .subbreviore 
(nee  eis  duplo  longiore),  calycis  limbo  subsessili  et  aristis  laevibiis. 
S.  vufescens  Freyn  et.  Sint.  etiam  rubriflora  jam  foveolis  anguste 
oblongis  Costa  nou  sulcata  sejunctis,  Corona  ISnervi,  aliis  notis 
neglectis,  longe  differt. 

Tniila  hetcrolepitf  Boiss.  ß.  virescetis  Freyn  et  Sint. 
Caracteribus  essentialibus  typi  sed  diversa  foliis  superne  saepe  modo 
/.  anatoUcae  Boiss.  virescentibus. 

Paphlagouiae  ad  Tossia:  in  saxosis  montis  Giaurdagh  die 
29.  Jiilio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4823.) 

Anthemls  (JEkianthemls?)  extrarosularls  Freyn  et 
Sint.  Perennis  virens  laxe  caespitosa,  rhizomatis  ramis 
extrarosularibus  decnmbentibiis  radicautibiis  apice  ad- 
scendente  cauligeris;  caulibus  adseendentibus  rigidis 
plus  minusve  adpresse  hirsutis  infeme  foliosis  in  peduneulum  nudum 
longum  monocephalum  apice  subincrassatum  abeuntibus;  foliis 
subtus  adpresse  hirsutis  glabreseentibus  supra  glaberrimis,  rosulari- 
bus  ignotis.  caulinis  basilaribus  parvis  florendi  tempore  jam 
evanidis,  sequentibus  sessilibus  ambitu  oblongis  vel 
ovato-oblongis  pinnatisectis,  laciniis  oblongis  secus 
rliachidem  latissimam  hinc  inde  acute  dentatam  subpeetiuatim  seriatis 
in  laeinulas  breviter  oblique  lanceolatas  acutissimas  sub- 
mucronatas  pi  nnatipartitis;  foliis  caeteris  sensim  minoribus, 
summo  lineari  vix  dentato;  capitulis  radiantibus  magnis; 
in  volucri  hemispbaerici  hirsuti  phyllis  late  nigro  margi- 
natis  ab  externis  oblongis  obtusis  ad  intimas  late  lineares 
appendiculo  membranaceo  fimbriato  lacerato  atro- 
fusco  terminatas  sensim  auctis;  receptaculo  (juvenili  saltim) 
c  0  n  V  e  x  0,  p  a  1  e  i  s  a  n  g  u  s  t  e  1  a  n  c  e  o  1  a  t  i  s  e  a  r  i  n  a  t  i  s  i  n  a  c  u  m  e  n 
subulatum  flosculos  disci  conspicue  superantem  senso 
sensim  abeuntibus;  ligulis  albis  oblongis  disco  dimidiam 
aequantibus;  florum  omnium  tubo  glabro,  acheniis  ignotis.  '4. 
Exeunte  Julii. 

Papblagoniae.  Tossia:  in  alpe  Böjük-Ilkas-Dagh,  in  pratis 
alpinis  ad  rivulorum  marginibus  die  23.  Julio  1892  leg.  Sintenis! 
(Kxsicc.  no.  4782.) 

Dirnen siones:  Caulis  ad  pedem  altus;  folia  eaulina  intim a 
4'4  cra  longa,  r4_  ad  medium  lata,  rhachi  ad  basin  4  mm  lata. 
Capitulum  (bene  evolutum)  ad  4'4  cm  diametro  (minimum  a  me 
Visum  3*6  cm),  involucro  2*2  cm  diametro,  centimetriim  alto. 

Acheniis  ignotis  affinitas  Anthemidis  exlrarosularis  sub- 
dubia,  sed  duae  species  tantum  comparandae ;  A.  (Cota)  euxina  Boiss. 


147 

et  A.  (Euanthemiö)  Sibthoiyü  Gris.  Ab  ultima  ditfert  indumento 
(nee  deficiente),  foliis  oblongis  (nee  ovatis)  in  lacinias  breviter 
laneeolatas  aeutissimas  mucronulatas  (nee  anguste  lineares)  divisis; 
capitulis  magnis  radiantibus  (nee  medioeribus  discoideis),  involuero 
hirsiito  (nee  glabro)  ete.  Ab  Anthemide  euxina  Boiss.  nostra  diversa 
eaulibus  monocephalis,  foliis  majuseiilis  in  segmenta  longiuscula 
(non  deeurrentia)  subpeetinatis  (nee  divisis),  eapitulis  magnis  (nee 
medioeribus)  involuero  phyllis  late  atrofuseo  marginatis  (nee  pallidis). 
extimis  haud  acutiuseulis,  paleis  disco  longioribus  (nee  eo  sub- 
brevioribus)  etc. 

Anthetnis  (JEtianthemis)  Sintenisii  Freyn  n.  sp.  ex 
Leiantharum  serie.  Annua.  patule  pubescens  grisea 
subtomentosa,  eaule  ereeto  plus  minus  divarieatim  ramosa, 
foliis  ambitu  orbieulari- ovatis  in  lacinulas  integras 
breviter  lineares  obtusas  subapieulatas  bipinnati- 
sectis,  inferioribus  longe  petiolatis  superioribus  sessilibus;  pedun- 
culis  basi  tantum  foliatis  elongatis,  demum  subinerassatis  mono- 
cephalis; eapitulo  mediocri,  involueri  hirsuti  pallidi  phyllis 
oblongis  obtusis  margine  late  scariosis.  intimis  apiee  laceris; 
receptaeuli  eonico  cylindrici  paleis  floseulos  aequantibus 
subspathulato-oblongis  superne  rotundatis  ti'uncatis 
vel  breviter  tridentatis  nervo  medio  exeurrente  breviter  ari- 
statis;  floribus  radii  fertilibus,  ligulis  albis  ellipticis  emarginatis 
diseum  subaequantibus  flosculorum  aureorura  tubo  pallide  viridi 
basi  sublatiore  eylindrico  glabro,  acheniis  (videtur  quadrangulis) 
latere  internoauricula  ovata  lacerata  h y a  1  i n a  e i s  d i m i d i a m 
aequantem  superatis,  (immaturis)  obpyramidatis  vel 
oblongo-cylindris  curvatis  rostratis  et  tubereulatis.  £) 
Exeunte  Majo. 

Paphlagoniae.  Tossia:  in  collibus  ad  Suluk-Tscliesehme  die 
21.  Majo  1892  leg.  Sintenis!  (Exsiee.  no.  3908.) 

Dirne nsiones:  Caulis  7  — 15  em  altus,  1 — (5  eephahis; 
foliorum  infimorum  minimorum  lamina  semieentimetrum  longa  et 
lata,  petiolus  12  mm  longus;  lamina  foliorum  interraediorum  2  cm 
longa  et  lata:  rami  (cum  pedunculo)  ad  10cm  longi.  Capitula 
2"3  em  diametro,  disco  vix  centimetrali;  achenia  (immatura)  exclusa 
auricula  paulo  plus  2  mm  longa. 

Habitu,  indumento  et  Corona  lacerata  A.  Sismondeanae  Clem. 
aftiuis  a  qua  differt  capitulis  multo  (nee  pisi  vix)  majoribus,  acheniis 
tubereulatis  omnibus  auriculatis.  paleis  plus  minusve  truncatis  (nee 
acuminatis  neque  laceratis)  et  foliis  ambitu  orbieulari -ovatis 
(nee  oblongis);  ab  A.  Hausuknei-htä  Boiss.  etiam  grisea  latifolia  et 
tuberculata  nostra  diversa  foliorum  laeinulis  brevibus  (nee  tenuissirae 
filiformibus),  involueri  phyllis  pallidis  (nee  margine  fuscescentibus) 
extimis  acutis,  paleis  nee  eroso-fimbriatis  neque  hirtis,    florum  tubn 


148 

pallide  viridulo  (nee  violaceo  -  fusco),  acheniis  etiam  luarginalibus 
auriculatis  (nee  ealvis).  Ab  A.  avriculata  Boiss.  jam  foliis  fere  orbi- 
cularibus  (nee  oblonge  spathulatis)  et  ab  A.  chia  L.  indumento. 
capitulis  medioeribus  (nee  magnis),  receptacalo  conico  (nee  henii- 
spbaerieo)  etc.  louge  distat. 

Seiiecio  hypochionaeiis  Boiss.  ß.  llkaslensls  Freyu  et 
Sint.  Statura  humili,  pedali  (nee  2—3  pedali),  foliis  minoribus  supra 
pai'ce  lanato-araneosis  (nee  glabreseentibiis)  siibintegerrimis,  eaiilinis 
intermediis  profunde  cordatis  saepe  siibdeeuiTentibus  involueris 
lanatulis  a  typo  diversus.   An  speeies  propria?   21 .  Exeunte  Julii. 

Paphlagoniae  ad  Tossia:  in  siimmo  montis  Böjük-Ilkas- 
Dagh  2710m.  supra  mare  die  23.  Julio  1892  leg.  Sintenis! 
(Exsice.  4779.) 

(Fortsetzung  folgt.) 


Litteratur-Uebersicht. ') 

Februar  1894. 

Buser  K.  Sur  les  Alehimilles  subnivales.  leur  ressemblance  avec 
r.4.  (flabra  Poir.  et  leur  parallelismes  avec  les  espeees  des  regions 
iiiferieures.  (Bull.  d.  l'Herb.  Boiss.  1894  Nr.  1.)  8".  p.  34—38. 

Der  Beginn  einer,  so  viel  sich  aus  dem  publicirten  Theile  entnehmen 
lässt.  sehr  eingehenden  und  werthvollen  geographisch-systematischen  Studie. 
—  Neu  beschrieben  werden:  A.  decumbens  Buser.  Westalpen,  Jura.  Oest- 
lichster  Standort:  Tiiol,  Platzerberg  bei  Gossensass  (Huter).  —  A.  frigida 
Bus.  Westalpen,  Jura. 

Cobelli  K.'  Altre  eontribuzioni  alla  flora  di  Serrada.  (N.  Giorn.  bot. 
Nuov.  Ser.  I.  p.  53.)  8". 

G  an  der  M.  Selbstbestäubuns:  der  Blütben.  (Natur  und  Offenbarung. 
XL.  1894.  Hft.  1.)  8". 

H.  S.  Gustav  Adolf  Zwanziger.  Biographische  Skizze.  (Carinthia  II. 

Nr.  6.)  8".  8  S. 

Hempel  G.  und  Wilhelm  K.  Die  Bäume  und  Sträueher  des 
Waldes  in  botanischer  und  forstwissenschaftlicher  Beziehung. 
10.  Lief.  Wien  (E.  Hölzel).  4".  S.  17-40.  3  Farbentaf.  19  Text- 
fig.  —  fl.  1-50. 

Istvanffi  G.  v.  Beiträge  zur  Kenutniss  der  Algenflora  Rumäniens. 
(Termeszetrajzi  füzetek.  XVL  p.  198—199.)  8". 


')  Die  „Litteratur-Uebersicht'  strebt  Vollständigkeit  nur  mit 
Rücksicht  auf  jene  -Abhandinngen  an,  die  entweder  in  Oesterreich-Ungarn 
erscheinen  oder  sich  auf  die  Flora  dieses  Gebietes  direct  oder  indirect  be- 
ziehen, ferner  auf  selbstständige  Werke  des  Auslandes.  Zur  Erzielung 
thunlichster  Vollständigkeit  werden  die  Herren  Autoren  und  Verleger  um 
Einsendung  von  neu  erschienenen  Arbeiten  oder  wenigstens  um  eine  Anzeige 
über  solche  höflichst  ersucht.  Die  Red. 


149 

Kesume    einer    im    selben    Bande    auf   S.    144  —  147    in    magyarischer 
Sprache  publicirten  Abhandlung. 

Kontür  Bela.  Mindennapi  bakteriölogia  orvosok,  Gyogyszereszek  es 
orvostanballgatök  reszere.  Gyulaii  (Dobay  Jauos).  8".  63  S.  — 
80  kr. 

Miirtou  J.  Nouveaux  renseignements  sur  la  flore  du  Comitat  Vas 
(Termeszetrajzi  füzetek.  Vol.  XVI.  p.  34  et  195.)  8". 

Murr  J.  Beiträge  zur  Flora  von  Südsteiermark.  IL  (Deutscbe  botau. 
Monatschr.  XII.  Nr.  1.)  8\  4  S. 

Hiebt  er  A.  Dates  rhodologiques  par  rapport  ä  la  flore  de  Hongrie 
et  de  France.  (Termeszetrajzi  füzetek.  XVI.  p.  196 — 197.)  8". 

Resume    einer    im    selben    Bande    auf    Ö.   138  —  143    in    magyarischer 
Sprache  publicirten  Abhandlung. 

Vesque  J.  Joseph  Böhm.  Notice  Necrologique.  8°.  4  S. 


Asche rson  und  Magnus  P.  Die  Verbreitung  der  Farbenvaria- 
tionen saftiger  Ericaceenfrüchte  und  der  Vaccimum  und  Rhododen- 
dron bewohnenden  Sclerotinia- Arten.  (Mitth.  der  Bayer,  botan. 
Gesellsch.  18li3,  N.  4.)  83  S. 

Verfasser  erwähnen  u.  A.  das  Vorkommen  von  Sderothna  Oxycocci 
Wer.  am  Plöckensteiner  See  in  Böhmen  (nach  L.  Celakovskj  jun.)  und 
von  Sder.  Rhododendri  E.  Fisch,  auf  Rhod.  ferruaineum  bei  St.  Anton  in 
Vorarlberg  (nach  Tubeuf). 

Baillon  H.  Histoire  des  plantes.  Monographie  des  Cyperacees, 
Bestiacees  et  Eriocaulacees.  Paris  (Hachette).  gr.  8.  p.  335 — 402. 
36  Abb.  —  Mk.  4. 

Baumann  A.  Die  Moore  und  die  Moorcultur  in  Bayern.  (Forstl.- 
naturw.  Zeitschr.  IIT.  3.  Heft.  S.  89—109.)  8".  1  Karte. 

D  e  1  p  i  n  0  F.  Eterocarpia  ed  eteromericarpia  nelle  Angiosperme. 
(Mem.  del  Accad.  d.  Sc.  d.  Istituto  di  Bologna.  1893.)   4".  44  S. 

Drude  0.  Bericht  über  die  Fortschritte  in  der  Geographie  der 
Pflanzen  (1890—1892).  (Geogr.  Jahrb.  XVI.  S.  249—294.)  8". 

Galle  E.  Anomalies  dans  les  gentianees:  une  race  monstreuse  de 
Gentiana  campestris.  (Mem.  de  l'Acad.  de  Stanislas.  5.  Ser.  Tome  X. 
p.  156—173.)  8". 

Heckel  E.,  Schlagdenhauffen  und  Mourson.  Etüde  mono- 
graphique  de  la  famille  des  Globulariees  au  point  de  vue  botani- 
que  chimique  et  therapeutique.  Paris  (Masson).  gr.  8". 

Der  botanit-che  Theil  wurde  von  Heckel  bearbeitet  und  behandelt  die 
Familie  vom  vergleichend-anatomischen  Standpunkte.  Die  Arbeit  zeigt  von 
gründlichster  Untersuchung  und  liefert  mehrfach  werthvolle  Resultate.  Dies- 
bezüglich sei  vor  Allem  hervorgehoben,  dass  nach  dem  anatomischen  Bau 
sich  zwei  gut  unterscheidbare  Artgruppen  feststellen  lassen,    zunächst    die 


150 

der  „G.  vulgaris''  (umfassend  O.  v..  tenella,  coriacea,  stolonifera,  spinosis- 
sima,  incanescens.  Orientalis,  salicina,  styyia),  dann  die  der  G.  cordifoUa 
{G.  c,  G.  tenuifolia,  G.  nana,  G.  Alypum.  G.  nudicaulis).  —  Andererseits 
möchte  der  Keferent  gegen  Manches  in  der  Arbeit  Stellung  nehmen.  Vor 
Allem  gegen  die  Ignorirung  der  deutschen  anatomisch-systematischen  Litte- 
ratur,  dann  gegen  die  zu  geringe  Beachtung  der  morphologischen  Syste- 
matik. Es  ereignet  sich  hier,  wie  so  oft,  dass  ein  Anatora  ein  schlechter 
Systematiker  ist.  und  dann,  wenn  er  auf  anatomischem  Wege  seine 
systematischen  Kenntnisse  corrigirt,  glaubt,  er  habe  der  Systematik  über- 
haupt auf  die  Beine  geholfen.  Ich  bemerke  dies,  weil  Verfasser  sichtlich 
das  Bestreben  hat,  zu  beweisen,  dass  die  Systematik  der  Globulariaceen 
erst  durch  seine  Untersuchung  klargestellt  werden  konnte.  —  Wenn  Ver- 
fasser sich  die  Mühe  genommen  hätte,  die  Globulariaceen  morphologisch 
eingehend  zu  studiren,  so  hätte  er  gesehen,  dass  die  werthvoUeren  seiner 
Resultate  sich  auf  diesem  Wege  viel  leichter  gewinnen  lassen.  —  In  dem 
Bestreben,  den  Werth  der  anatomischen  Methode  zu  zeigen,  wird  Verfasser 
oft  ganz  ungerecht.  Wenn  er  beispielsweise  auf  p.  F.  F.  sagt,  die  Syste- 
matiker seien  über  die  systematische  Stellung  der  G.  tenella  im  Unklaren 
gewesen,  und  erst  die  anatomische  Untersuchung  habe  diese  Stellung  ge- 
zeigt, so  ist  dies  einfach  unrichtig.  Der  Autor  der  Art,  Lange,  alle  anderen 
Kenner  der  Gattung  (Willkomm,  Rouy  u.  A.)  haben  die  G.  tenella  zu 
G.  vulgaris  gestellt,  nur  Nyman  hat  in  seiner  Sylloge  und  im  CoDspectus 
die  Art  mit  „?"  zu  G.  cordifoUa  gestellt.  Dass  die  zwei  letztgenannten  Werke 
nicht  das  Ergebniss  specieller  Untersuchung  sind,  sondern  in  erster  Linie 
Kataloge,  ist  bekannt.  —  Geradezu  unzulässig  ist  es  aber,  Arten  einzu- 
ziehen, weil  sie  anatomisch  nicht  charakterisirt  sind,  wie  dies  der  Autor 
mit  G.  Valentina,  G.  trichosantha  u.  a.  thut-,  das  heisst  einfach  die  Me- 
thode ad  absurdum  fuhren. 

Dass  mit  vorstehenden  Bemerkungen  nicht  die  , anatomische  Syste- 
matik" selbst  angegriffen  werden  soll,  wird  Jeder  verstehen,  der  insbesondere 
weiss,  dass  Ref.  selbst  wiederholt  diese  Methode  zur  Anwendung  brachte. 
Es  dürfte  aber  angesichts  eines  Werkes,  wie  des  vorliegenden,  angesichts 
der  Stimmen,  die  dasselbe  weit  über  Gebühr  schätzen  '),  nicht  überflüssig 
sein,  daran  zu  erinnern,  dass  die  Beachtung  des  anatomischen  Baues  der 
Pflanzen  eine  selbstverständliche  Folge  der  Vertiefung  der  Syste- 
matik ist,  dass  die  „anatomische  Systematik*  eine  der  vielen  Methoden 
der  Systematik,  keine  dieselbe  ersetzende  Disciplin  ist. 

Jöusson  B.  Jakttagelser  öfver  Ljusets  betydelse  för  fröns  Groning. 
(Kongl.  fysiografiska  Sällskapet  Handlingar.  —  Lunds  Univ.  Arsskr. 
XXIX.)  4^  47  S. 

Klemm  P.  üeber  Caulerpa  prolifera.  Ein  Beitrag  zur  Erforschung 
der  Form-  und  Kichtkräfte  in  Pflanzen.  (Flora  oder  Allg.  botan. 
Zeitung  1893,  Heft  5.)  8".  26  S. 

Klemm  P.  üeber  die  Kegenerationsvorgänge  bei  den  Siphoneen. 
Ein  Beitrag  zur  Erkenntniss  der  Mechanik  der  Protoplasmabewe- 
gun^en.  (Flora  oder  Allg.  botan.  Zeitung  1894.  Heft  1.)  8".  22  S. 
2  Taf. 

Kar  seh  A.  Vademecum  botanicum.  Handbuch  zum  Bestimmen  der 
in  Deutschland  wildwachsenden,    sowie  im  Felde  und  Garten,    im 


')  Vergl.  u.  a.  Kiefer,    Compte  rendu  analytique   sur  la  Monographie 
des  Globulaires.  Marseille  1894. 


151 

Parke,    Zimmer    uud    Gewächsbause    cultivirten  Pflaiizeu.    Leipzig 
(Otto  Lenz).  8".  1200  S.  2437  Illustr.  —  fl.  16-12. 

Der  Verfasser,  bekannt  durch  seine  verbreitete  und  als  Bestimmungs- 
buch geschätzte  Flora  von  Westphalen,  hat  mit  dem  vorliegenden  Buche 
eine  Lücke  in  der  deutschen  Litteratur  ausgefüllt.  Es  fehlte  bisher  ein 
Buch,  nach  welchem  weitere  Kreise  in  leichter  Weise  nicht  blos  die  einheimi- 
schen Pflanzen,  sondern  auch  die  grosse  Zahl  von  Gartenpflanzen  bestimmen 
konnten.  Diesem  Mangel  dürfte  das  vorliegende  Buch  gewiss  —  soweit 
sich  dies  nach  einer  Durchsicht  beurtheilen  lässt  —  abhelfen.  Die  Bestim- 
mungstabellen sind  kurz  und  präcis;  sie  werden  erläutert  durch  zahlreiche, 
zwar  nicht  künstlerisch  vollendete,  aber  instructive  Illustrationen.  Ein 
grosser  Vorzug  des  Buches  liegt  darin,  dass  es  nicht  auf  blosser  Compi- 
lation  beruht,  sondern  dass  man  überall  den  Eindruck  gewinnt,  der  Ver- 
fasser habe  seine  durch  eingehendes  Selbststudium  gewonnene  praktische 
Erfahrung  verwerthet.  An  den  wissenschaftlichen  Werth  des  Buches  dürfen 
natürlich  keine  grossen  Anforderungen  gestellt  werden. 

Karsten  H.  Flora  von  Deutschland,  Deutsch-Oesterreich  und  der 
Schweiz.  Mit  Einschluss  der  fremdländischen,  medicinisch  und 
technisch  wichtigen  Pflanzen,  Droguen  uud  deren  chemisch-physio- 
logischen Eigenschaften.  2,  Aufl.  Lief.  1 — 3.  Gera,  Untermhaus 
(Reuss).  gr.  8".  —  ä  1  Mk. 

Das  vorliegende  Buch  ist  aus  seiner  1.  Auflage  zu  sehr  bekannt,  als 
dass  eine  eingehende  Besprechung  des  Inhaltes  nüthig  wäre.  Es  sei  nur 
erwähnt,  dass  die  Eintheilung  des  Werkes  im  Allgemeinen  gleich  geblieben 
ist,  dass  an  vielen  Orten  die  Berücksichtigung  neuerer  Forschungen  zu 
bemerken  ist.  Als  Bestimmungsbuch,  als  Nachschlagebuch  in  syste- 
matischer und  pharmaceutisch-technologischer  Hinsicht  ist  Karsten's  Flora 
von  grossem  Werthe,  als  Lehrbuch  (als  solches  wird  es  ja  ab  und  zu 
behandelt)  möchten  wir  das  Buch  nicht  empfehlen,  dazu  nimmt  der 
Verfasser  in  vielen  Fragen  einen  viel  zu  subjectiven  Standpunkt  ein,  dazu 
sind  die  Forschungsresultate  Anderer  viel  zu  wenig  beachtet.  Die  schwache 
Seite  des  Buches  liegt  —  nach  Ansicht  des  Keferenten  —  insbesondere  in 
der  Behandlung  der  Kryptogamen  und  der  allgemeinen  Abschnitte,  die 
starke  Seite  bilden  die  Phanerogamen.  Die  vielen  schönen  und  instructiven 
Abbildungen  haben  schon  längst  einen  wohlverdienten  Ruf  erlangt,  die 
Ausstattung  des  Werkes  ist  angesichts  des  niederen  Preises  eine  ausser- 
gewöhnlich  schöne.  Das  Werk  verdient  in  Bezug  auf  die  Nomenclatur 
der  mitteleuropäischen  Pflanzen  mehr  Beachtung,  als  es  bisher  fand. 

Magnus  P.  Verzeichniss  der  bei  Burg  bei  Magdeburg  am  19.  Apiil 
und  27.  —  28.  Mai  1893  beobachteten  Pilze.  (Verhandl.  des  botan. 
Ver.  der  Provinz  Brandenb.  XXXV.)  8".  3  S. 

Enthält  u.  a.  die  Beschreibung  von  Sclerotium  Rhinanthi  nov.  spec. 
auf  Rhin.  minor. 

Schimper  A.  F.  W.  Die  Gebirgswälder  Javas.  (Forstl.-naturwiss. 
Zeitschr.  IL  S.  329—345.)  8". 

Schleiche rt  F.  Das  diastatische  Ferment  der  Pflanzen.  Eine  phy- 
siologische Studie.  Leipzig  (Engelmann  in  Comm.).  4^  88  S.  - 
Mk.  3-50. 

Schulze  M.  Die  Orchidaceen  Deutschlands,  Deutsch-Oesterreichs 
und  der  Schweiz.  8.— 10.  Lief.  Gera,  Untermhaus  (E.  Köhler).  8". 
22  Chromotaf.  mit  Text.  —  a  1    Mk. 


152 

Die  drei  vorliegenden  Lieferungen  reihen  sich  in  der  Vollkommenheit 
der  Ausführung  der  Tafeln,  in  der  Gediegenheit  des  Textes  würdig  an  die 
früheren.  —  Die  Chroraotafeln  enthalten:  Orchis  militaris,  O.  militarisX 
purpurea,  O.  militarisX  Simia,  Ophrys  cornnta,  Serapias  hirsuta,  Listera 
cordata,  Orchis  papilionacea  (das  dargestellte  Exemplar  hält  Referent  für 
O.  rubra  Jacq.),  O.  Morio.  <>.  picta,  0.  mascula,  O.  quadripunctata, 
O.  laxißora,  O.  Traunsteineri  (von  3  Standorten),  Ophrys  fusca,  O.  fusca 
var.  iricolor,  O.  Scolopax,  Epipactis  latifolia,  E.  sessilifolia,  E.  palustris, 
E.  alba,  E.  albaXrubiginosa. 

Sommier  S.  et  Levier  E.  Plante  nuove  del  Caucaso.  (Bull,  della 
soc.  bot.  Ital.  1893.  p.  522—527.)  8". 

Ranunculus  yingkolobus  S.  et  L.,  R.  gymnadenus  S.  et  L.,  R.  Abcha- 
fiicus  Freyn,  R.  Lojkae  S.  et  L.,  Saxijraga  Caucasica  S.  et  L.,  S.  sclero- 
poda  S.  et  L..  Astragalus  Sommieri  P'rejn,  A.  fissilis  Freyn  et  Sint., 
A.  Levieri  Freyn,  laete-virens  S.  et  L.,  Rhamnus  tortuosa  S.  et  L.,  Astra- 
galus  oreades  C.  A.  Mey.  var.  stipularis,  Oxytropis  Samurensis  Bunge  var. 
siibsericea,  Galium  erectum  Huds.  var.  scabrifolium,  G.  Mollugo  L.  var. 
robustum,  G.  anfractum  S.  et  L.,   G.  pseudo-Polycarpon  S.  et  L. 

Sommier  S.  et  Levier  E,  Altre  plante  nuove  del  Caucaso.  (Bull, 
della  soc.  bot.  Ital.   1894,  p.  26—32.)  8". 

Sprengel  Ch.  C.  Das  entdeckte  Gebeimniss  der  Natur  im  Bau 
und  in  der  Befruchtung  der  Blumen.  Facsim.  Druck  der  Aus- 
gabe von  1793.  Berlin  (Mayer  und  Müller).  4M48  Sp.  25  Taf. 
8  Mk. 

Stapf  0.  Eecent  botanical  exploration  in  Southern  Persia  beiug 
the  substance  of  a  Letter  from  M,  I.  Bornmüller  (Journ.  of 
Linn.  Soc.  XXX.  Nr.  206,  p.  140  if.).  8". 

Thaxter  R.   On  the  genus   Naegelia   of  Eeinsch.   (Botan.   Gazette 
XIX.  Nr.  2,  p.  49—55.)  8^  1  Taf. 


Flora  von  Oesterreich-Ungarn. 


II.   Kärnten. 

Ee/erent:    Dr.  Karl  Fritsch   (Wien). 

(Schluss.') 

Dipsacus  pilosus  L.  Schlossberg  Arnoldstein  (Rotky,  4).  — 
Knautia  rigidiuscula  (Koch)  =  ScaJnosa  Fleischmanni  Hladnik.  Kanal- 
thal, zwischen  Pontafel  und  Malborgeth  (Jabornegg,  3,  4). 

Aster  parvißorus  Nees.  Warmbad  Villach  (Unterkreuter); 
Pörtschach  (Jabornegg).  —  Erigeron  negledus  Kern.  Speickkogel 
in  der  Reichenau,  Malnitzer  Tauern,  Astenalm  bei  Sagritz,  Pasterze 

')  Vergl.  Nr.  3,  Seite  131. 


153 

(Paclier).  —  Anthemis  Neilreichü  Ortm.  Glandorf  (Horak).  — 
Ciiierarla  fiatnitzensis  Fächer.  Jauernigwinkel  im  Glödnitz- 
thal  unter  der  Flatiiitz.  —  Carduus  acanthoides  L.  var.  poly- 
acanthos  Rclib.  Kapponiger  Alm  (Paclier).  —  Cirsium  palustre  Scop. 
var.  horrldiim.  Obervellach  (Paclier).  —  C.  palustre Xolera- 
ceum  (?)  Afritz  (Rotky).  —  C.  oleraceumy<iheterophyllum.  Giirk- 
graben  in  der  Eeichenau  (Correns),  —  Leontodon  incanus  Schrk. 
var,  angustifolius  Biscboff.  Seisera  (Jabornegg).  —  Crepis  hiennis 
L.  var.  pinnatißda  (wohl  =  var,  lacera  Wimm.  et  Grab.!  Ref.). 
Moss  bei  Tröpolach  (Fächer).  —  Hiei'oclum  canalense 
Fächer.  Alpen  des  Kanalthales.  —  H.  flexuosxim  W.  K.  (?)  Kalk- 
felsen an  der  Frediistrasse  ober  Raibl  (Freissmann).  —  H. 
saxetanum  Fr.  Zwischen  Thörl  und  Tarvis  (Jabornegg).  —  H, 
G^issenbaueriannni  Fächer.  Fasterze  (Fächer).  —  H.  murorum 
L.  var.  alpestre  Griseb.  (?)  Unterloibl  (Jabornegg),  Trogkofel, 
Astenalm,  Möllthal  (Fächer).  —  H.  fastigiatum  Fr.  Tiflfen  und 
Grilzgraben  bei  Himmelberg;  Gstran  bei  Obervellach  (Fächer). 
(Sämmtlich  4.) 

Galium  saxatile  L.  Zlapp  bei  Heiligenblut  (Fächer);  Blei- 
berg? (Solla).  —  Asperula  cynanchica  L.  var.  montana  Kit.  Fon- 
tafel  (Preissmann,  Jabornegg).  (4.) 

Sambucus  nigra  L.  vai".  foliis  aureo-reticulatis.  Deutsch-Blei- 
berg  (Maruschitz,  4). 

GenUana  rhaetica  Kern.  Kanal thal  (Ressmann);  Kapponiger 
Alm  bei  Obervellach  (Fächer)  (4). 

Mentha  nemorosa  Willd.  var.  pachymalla  Borbäs.  Groppen- 
stein  nächst  Obervellach  (Fächer).  —  M.  moUissima  Borkh.  Tiffen, 
Stallhofen  im  Möllthal  (Fächer);  Villach  (Haus er);  var,  subacuta 
Borbäs.  Liebetegg  nächst  Tilfen  (Fächer).  —  M.  silvestris  L.  var. 
Uossiniana  Desegl.  et  Dur.  Obervellach  (Fächer);  Weidisch 
(Zwanziger);  var.  stenotricha  Borbäs.  Obervellach  (Fächer); 
Unterbergen  (Zwanziger);  var.  candlcans  Cr.  Loibl,  Weidisch, 
Kirschentheuer,  Fetruz  (Zwanziger);  var.  leucostachya  Borbäs, 
Semslach  (Fächer);  var.  albida  Willd.  Irschen  im  Oberdrauthal 
(ünterkreuter);  var.  coerulescens  Opiz.  Wolliggen  im  Möllthal 
(Fächer);  var.  «orim  H.  Braun.  Semslach  (Fächer);  var.  alpigena 
Kern.  (?)Stallhofen  (Fächer);  St.  Leouhard  imLoiblthal(Jaborn egg), 
—  M.  aquatica  L.  var,  ealaminthlfolia  Vis.  Ehrenbichl  bei  Klagen- 
furt (Zwanziger).  —  M.  vertidllata  L.  Moos  bei  Buchscheiden 
(Fächer);  zwischen  Faternion  und  Kreuzen  (ünterkreuter);  var. 
obtusata  Opiz.  Buchscheiden  bei  Feldkirchen  (Fächer);  Villach, 
Heiligengeist  (ünterkreuter);  var.  pleiotricha  Borbäs.  Leonstein 
(Jabornegg);  var.  tortuosa  Host.  St.  Nikolai  in  Fernegg  (Fächer); 
var.  calaminthoides  H.  Braun.  Strasse  von  der  oberen  Fellach  nach 
Bleiberg  (ünterkreuter);  var.  nitida  Host  (?).  St.  Georgen  bei 
Villach  (ünterkreuter);  y2ly.  valdepilusa  H.Braun.  Irschen  (ünter- 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  4.  Heft.  18M4.  12 


154 

kreiiter);  Tröpolacher  Moos  (Fächer):  var.  creaatifolia  Opiz.  Um 
Villach  (Unterkreutei');  var.  rubrohirta  Lej.  et  Court.  Sternberg 
(Unterkreuter);  var.  Piersiana  Borhäs.  Am  Wege  von  der  oberen 
Fellach  nach  Bleiberg  (Unterkreuter).  —  M.  parietariaefoUa 
Becker  var.  tenuifolia  Host.  Am  Bergwege  von  Penk  in  die  Teichel 
(Fächer):  var.  longehradeata  H.  Braun.  Tröpolach  (Fächer); 
Villach  (Maruschitz);  var.  hispidula  Borbäs  (?).  Obervellach 
(Fächer);  var.  Ä^Ym^^t-a  Host.  Obervellach  (Fächer).  —  M.  austriaca 
Jacq.  var.  diffusa  Lej.  Lendcanal  (Jabornegg);  var.  pulchella  Host. 
Obervellach  (Fächer);  var.  fontana  Weihe.  Glödnitz  im  Gurkthal; 
Obervellach  (Fächer);  var.  slichovensis  Opiz.  Krumpendorf  und  Fiik 
(Freissmann);  Obervellach  (Fächer);  var.  Pacheriana  Borbäs. 
Obervellach  (Fächer).  —  M.  palustris  Mnch.  (typica).  Klagen  fürt 
(Ganterer).  —  M.  arvensis  L.  var.  argraria  H.  Braun.  Klagenfurt 
(Jabornegg);  Einöde  bei  Treffen  und  Stuben  bei  Weissenstein 
(Unterkreuter).  —  M,  Isophylla  Borbäs.  Obervellach  (Fächer). 

—  M.  dentata  Mnch.  Klagenfurt  (Haus er);  Tiffen,  Obervellach 
(Fächer).  (Sämmtlich  4.) 

Lycopus  europaeus  L.  var.  siiblaiiatiis  Borbäs.  St.  Leonhard 
bei  Villach;  Stadelbach  und  Zwickenberg  im  Drauthal  (Unter- 
kreuter); Obervellach  (Fächer).  —  L.  mollis  Kern.  Ufer  des 
Vassachersees  bei  Villach  (Freissmann,  Unterkreuter),  Völken- 
dorf,  Bleiberg  (Unterkreuter);  Möllthal  (Fächer).  —  Salvia 
silvestris  L.  Glandorf  (Horak). —  Thymus  ovatus  Mill.  Kapponiger 
Alm,  Malnitzthal  (Fächer);  Kanning  (Kohlmayer);  um  Villach 
(Unterkreuter);  var.  suhcitratus  Schreb.  In  Kärnten  verbreitet 
und  häufig;  subsp.  montanus-  W.  K.  Malnitz,  Sagritz  (Fächer).  — 
Th.  Reineggeri  Opiz.  Annabichl  (Zwanziger);  Kapponiger  Alm: 
Watschiger  Alm  im  Gailthal  (Fächer);  Seisera  (Jabornegg); 
Weissenfeis  bei  Tarvis  (Unterkreuter);  Hollenburger  Kiegel 
(Zwanziger).  —  Th.  Kerner i  Borbäs.  Ferlach  (Sabidussi);  var. 
epUHclvus  Borbäs.  Spitalberg  bei  Klagenfurt  (Zwanziger).  — 
Th.  Chamaedrys  Fr.  Sehr  verbreitet  und  häufig;  var.  alpestris  Tausch. 
Mehrfach  um  Obervellach  (Fächer);  Umgebung  von  Villach  (Unter- 
kreuter); Ursulaberg  (Fleschiutschnigg);  var.  eff'usus  Host. 
Förtschach  (Ziffer er);  var.  Kapelae  Borbäs.  Kreuzbergl,  Spital- 
berg, Hollenburger  Riegel,  Unterbergen  (Zwanziger);  Sobriach. 
Groppenstein,  Obervellach  (Fächer).  —  Th.  Serpyllum  L.  var. 
Castriferrei^oxhk^.  Groppenstein  im  Möllthal  (Fächer).  —  Th.  prae- 
cox Opiz  var.  spathulatus  Opiz.  Fasterze  (Fächer).  —  Th.  lanugi- 
aosvs  Mill.  Zwischen  Foppichl  und  Ehrenbichl  (Zwanziger);  Ober- 
vellach (Fächer).  —  Th.  camiolicus  Borbäs.  Verbreitet  und  häufig. 

—  Th.  polytrichus  Kern.  Umgebungen  von  Klagenfurt  (Zwanziger. 
Sabidussi)  und  Obervellach  (Fächer).  —  Calamintha  nepetoides 
Jord.  Fontafel  (Rotky).  —  Nepeta  nuda  L.  var.  uiolacea  Koch. 
Pontafel  (Freissmann).  (Sämmtlich  4.) 


155 

Ouscuta  Trifolia  Bab.  Feldkirclieii  (Fächer,  4). 

Veronica  spicata  Koch  var.  nüens  Host.  Pontafel  (P  r  e  i  s  s  m  a  n  n, 
Jabnrnegg,  4).  —  V.  pollta  Fr.  var.  grandifolia  Neilr.  Klagen- 
furt (8).  —  Euphrasia  pulehella  Kern.  Koralm  (Frei  ss mann,  4). 

—  E.  cuspidata  Host  {E.  carnioUca  Kern.,  E.  tricuspidata  Fach, 
et  Jab.,  non  Linne).  Mehrfach  im  Gebiete  von  Tarvis-Raibl-Fredil- 
Malborgeth-Fontafel-Mangart;  Loiblthal  (4,  7).  —  Pedkularis  erube- 
d'cens  Kern.  (?)  Lonza  bei  Obervellach  (Fächer,  4). 

Primula  digenea  Kern.  Fontafel  (Rotky),  Kanalthal,  Bad 
Villach  (Gusmus).  —  P.  media  Feterm.  Klagenfurt  (4). 

Banunculus  Kerneri  Freyu,  Tarvis  (Fernhoff er!  12). 
Nuphar  pumilum  Sm.  var.  Tiniitiii  Harz.  Ossiacher  See  (2). 
Potentilla   monticola    Zimm.    Loiblthal    500  m    (J ab orn egg). 

—  P.  .mbnivalis  Brügger  (aurea  L.  X  dubia  Cr.)  Gailthal,  Osternik 
2250  m  (Jabornegg,  6). 

Bemerkens weithe  Standorte: 
Galimoga   parvlflora    Cav.     Bei    Obervellach    in    Maisfeldern 
massenhaft  (Fächer,  5),  Andere  Standorte  in  den  Quellen  4  und  9. 

—  Centaurea  vochinensis  Bernh.  An  Waldi'ändern  l3ei  Tarvis  (Re- 
chinger,  13);  in  den  Auen  der  Gail  bei  Villach  (Brei  dl  er  im 
Herb,  des  V\7'iener  Üniv.-Museums,  14!);  Förtschach  (Fetter  im 
Herb.  Rechiuger,  13);  Hochobir,  am  Wege  von  Eisenkappel  zur 
Schäffleralpe  (Fritschü  14). 

Asperula  aristata  L.  fil.  Fontebba,  1000  m  (Pich  1er,  3). 
Posa  pomifera  Herrm.  var.  recondita  Fuget.  Innerfragant  1032  m 
(Fächer,  11). 

(Die  sehr  zahlreichen  neuen  Standorte  aus  Quelle  4  wurden  nicht  ex- 
cerpirt.   —  Quelle  10  wurde  überhaupt  nicht  excerpirt). 

Nachtrag. 

Heeg   M.,    Hepaticarum    species   novae.  Revue    bryologique.    1893. 

p.  81—83. 
Scapania  verrucosa  Heeg  n.  sp.  Obervellach  (Brei  dl  er). 

Botanische  Sammlungen,  Museen,  Institute  etc. 
Potentillen-Exsiccaten. 

Der  rührige  Botaniker  Herr  Hans  Siegfried  in  Winter- 
tliur  (Schweiz)  hat  wiederum  eine  neue,  die  fünfte  Centurie  seines 
Potentillen-Exsiccatenwerkes  erscheinen  lassen.  Ausstattung,  Frä- 
paration,  Freis  etc.  ist  gleich,  wie  bei  den  bereits  ausgegebeneu 
Ceuturien.  (Siehe  Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1892,  p.  146,  und  1893, 
p.  ot).)  Nach  Abschluss  des  ganzen  Werkes,  der  wohl   im    nächsten 


156 

Jahre  zu  gewärtigen  ist,  soll  eine  systematische  Zusammenstellung 
der  ausgegebenen  Formen  erfolgen,  welche  gleichfalls  die  Publication 
der  Diagnosen  für  sämmtliche  noch  nicht  publicirte  Arten  und 
Formen  in  lateinischer  Sprache  enthalten  soll. 

Die  fünfte    Centurie   theilt   sich,    wie    ihre  Vorgänger,    in    die 
Abtheilungen  ,ßpontanea''  und  „Citlta"'. 

Aus  der  Reihe  der  ersteren  seien  hervorgehoben: 

Potentilla  caulescens  L.  var.  Cehennensis  Siegfr.    —    Süd-Frankreich. 

P.  Mutinensis  Siegfr.  (P.  Schultzii  X  Benacensis  Zimm.)  —  Modena. 

P.  Taurica  Willd.  var.  molUcrinis  Borb.  —  Bulgarien. 

P.  Benacensis  Zimm.  —  Modena. 

P.  Besseana  Siegfr.  {super arg entea  X  Valesiaca)  —    Fully,    Schweiz. 

P.  Bellowensis  Siegfr.    —  Paphlagonien. 

P.  adenophylla  Boiss.  —  Paphlagonien. 

P.  caulescens  L.  f.  Kristofiana  Zimm.  —  Loibl,  Kärnthen. 

P.  Haynaldiana  Janka.  —  Rhodopegebirge. 

P.  Saxifraga  Ard.  —  Süd-Frankreich. 

P.  incana  Lam.  —  Valencia,  Spanien. 

P.  vestita  Jord.  —  Valencia. 

P.  opacata  Jord.  —  Gedre,  Pyrenäen. 

P.  agrivagua  Timb.,  Lagr.  —  Valencia,  Genua. 

P.  j)seudochrysantha  Borb.  —  Mehadia. 

P.  laeta  Rchb.  —  Triest. 

P.  alpicola  De  la  Soie.   —  Bovernier,  Schweiz. 

P.  Italica  Lehm.  —  Modena. 

P.  Johanniniana  Goir.  —  Verona. 

P.  Baldensis  Kerner.  —  Mte.  Baldo. 

P.  strictissima  Zimm.  —  Val  Vestino. 

P.  subnivalis  Brügger  (aurea  X  dubia).  Griesberg  am  Brenner. 

Aus  der  Reihe  der  im  Garten  cultivirten  Potentillen  seien 
mit  Angabe  ihrer  Abstammung  gleichfalls  nur  einige  hervorgehoben: 

P.  Canescens  Besser  f.  Turcica  Siegfr.  —  Türkei. 

P.  canescens  Besser  f.  virescens  Keller    et    Siegfr.    —    Anticaucasus. 

P.  fallacina  Blocki  f.  eglandulosa  Keller  et  Siegfr.  —  Georgien. 

P.  tenuisepala  Keller  et  Siegfr.  —  Georgien. 

P.  Chulensis  Siegfr.  et  Keller  (canescens  f.  virescens  X  argentea).  — 

Anticaucasus. 
P.  Bithynica  Hörn.  —  Paphlagonien. 
P.  Svanetica  Siegfr.  et  Keller.  —  Caucasus  occid. 
P.  Sommieri  Siegfr.  et  Keller.  —  Caucasus  occid. 
P.  Levieri  Siegfr.  et  Keller.  —  Svanetia. 
P.  Persica  Boiss.  et  Hausskn.  —  Persia  austr. 
P.  paradoxa  Nutt.  —  Nebrasia. 
P.  elatior  Schlecht.  —  Svanetia. 


157 


P.  humifusa  Nutt.  —  Arizona. 

P.  ornithopoda  Tausch.  —  Davuria. 

P.  Breimia  Huter.  Kiedberg  bei  Sterzing,  Tirol, 

P.  gelida  C.  A.  Meyer  var.  pilosior  Meyer.   —  Abchasia. 

P.  Montenegrina  Pant.  ^  Bosnia. 

P.  Astrachanica  Jacq.  —  Caucasus,  Georgien. 

P.  pimpinelloides  L,  —  Elbrus. 

Innsbruck,  im  Februar  1894.  A.  Zimmeter. 


Das  umfangreiche  und  werthvolle  Herbarium  des  verstorbenen 
Botanikers  K.  Keck  ist  in  den  Besitz  des  botanischen  Museums 
der  k.  k.  Universität  Wien  übergegangen. 


Das  Herbarium  und  die  Bibliothek  des  verstorbenen  Dr.  C.  C. 
Barry  ist  in  den  Besitz  des  Jowa  Agricultural  College  übergegangen. 


Roumeguere  C.  Fungi  exsiccati  praecipue  Gallici.  Cent.  LXV. 


Botanische  Forschungsreise. 

Dr.  Eduard  Formänek  unternahm  in  den  vorjährigen  Ferien 
eine  achtwöchentliche  Forschungsreise  nach  Serbien  und  Macedouien, 
bestieg  den  Rtauj  in  Serbien,  die  Plasnica-,  Luben-  und  Petrina 
planina,  den  Peristeri  und  Gobes  Balkan  in  Macedonien. 


Botanische  G-esellschaften,  Vereine,  Congresse  etc. 

Für  die  in  der  Zeit  vom  24.  bis  80.  September  d.  J.  in  Wien 
stattlindende  66.  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und 
Aerzte  wurden  die  Sectionen  bereits  gebildet  und  die  Functionäre 
bestimmt. 

Geschäftsführer  für  die  ganze  Versammlung  sind:  Hofrath 
Prof.  Dr.  A.  R.  v.  Kern  er  (Wien  HI..  Rennweg  14)  und  Prof. 
Dr.  S.  Exner. 

Section  für  Pflanzenphysiologie  und  Pflanzenanatomie: 
pjinführender:  Hofrath  Prof.  Dr.  J.  Wiesner  (IX.  Liechtenstein- 
strasse 12).  Schriftführer:  Prof.  Dr.  A.  Bur gerstein  und  Dr. 
F.  Krasser  (VIII.  Feldgasse  12). 

Section  für  systematische  Botiinik  und  Floristik:  Ein- 
führender: Hofrath  Prof.  Dr.  A.  R.  v.  Kern  er.  Schriftführer:  Dr. 
K.  Fritsch  (HI.  Renn  weg  14),  Dr.  C.  Bauer. 

Section  für  mathematischen  und  naturwissenschaft- 
lichen   Unterricht:    Einführender:    Hofrath    Dr.    A.    Beer    CHI. 


158 

Heumarkt  17).  Schriftführer:  Hofrath  Dr.  M.  v.  Wretschko,  Dr. 
E.  Mai  SS  (II.  Vereinsgasse  21). 

Section  für  Pharmakologie  und  Pharmakognosie:  Ein- 
führender: Hofrath  Prof.  Dr.  A.  Vogl  (IX.  Ferstelgasse  1).  Schrift- 
führer: Dr.  A.  Hinter  berger  (IX.  Pelikangasse  18),  Dr.  H.  Arz- 
b erger  (I.  Habsburgergasse  11). 

Obmann  des  Comites  für  die  Redaction  des  Tagblattes: 
Dr.  H.  Adler  (II.  Ferdinandsstrasse  4). 

Ausstellnngscomit^:  Obmann:  Hofrath  Dr.  K.  Brunn  er 
V.  Wattenwyl  (VIII.  Trautsohngasse  6).  Schriftführer:  Dr.M.  Stern- 
berg (I.  Operngasse  6). 

Kais.  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien. 

Sitzung  vom  8.  Februar  1894. 

Das  w.  M.  Hofrath  A.  Kern  er  v.  Marilaun  bespricht  eine 
Abhandlung  von  Dr.  E.  v.  Haläcsy,  welche  den  Titel  führt:  „Bei- 
träge zur  Flora  von  Epirus",  Dieselbe  enthält  einen  Theil  der  Er- 
gebnisse, welche  der  Autor  auf  der  im  Auftrage  der  kaiserlichen 
Akademie  im  Sommer  des  Jahres  1893  nach  Griechenland  aus- 
geführten botanischen  Reise  gewonnen  hat,  und  ist  von  3  Tafeln 
begleitet,  auf  welchen  die  von  Dr.  v.  Haläcsy  entdeckten  neuen 
Pflanzenarten  abgebildet  sind.  Diese  sind:  AcTiillea  Kerneri,  A.  ahsin- 
thoides,  Gardamhie  barbaraeoides,  Campanula  flagellaris,  Ranunculus 
velatus,  Thymus  Boissieri. 

Sitzung  vom  1.  März  1894. 

Das  c.  M.  Herr  Regierungsrath  Prof.  A.  Weiss  in  Prag  über- 
sendet eine  Arbeit  von  Dr.  A.  Nestler,  Assistenten  am  pflanzen- 
physiologischen Institute  der  k.  k.  deutschen  Universität  daselbst, 
unter  dem  Titel :  „Ueber  Ringfasciation". 

Die  äusserst  selten  vorkommende  Monstrosität  der  Ringfascia- 
tion, worunter  eine  mit  ringf()rmiger  Vegetationskante  fortwachsende 
Axe  verstanden  wird,  wurde  in  einigen  Fällen  bei  Veronica  longi- 
folia  constatirt. 

Die  nach  oben  an  Umfang  zunehmende  Axe  zeigt  eine  trichter- 
förmige Höhlung,  deren  untere  Basis  (=  das  spitzige  Ende  des 
Trichters)  der  älteste,  und  deren  oberer  Rand  die  jüngste  Partie  ist. 
Querschnitte  durch  den  Trichter  zeigen  zwei  concentrische  Gefäss- 
bündelkreise,  von  denen  das  centrale  sein  Phloem  dem  Mittelpunkte 
der  Axe  zukehrt. 

In  einem  Falle  ging  die  Ringfasciation  in  die  gewöhnliche 
Verbänderung  (=  Fasciation)  über.  Die  Entstehung  der  Ringfascia- 
tion scheint  nicht  auf  Verwachsung  mehrerer  im  Kreise  stehender 
Sprosse,  sondern  auf  einer  gewissen  Veränderung  des  Vegetations- 
punktes einer  einzigen  normalen  Axe  zu  beruhen. 


150 


Personal-Nachrichten. 


Der  Professor  an  der  deutschen  Universität  und  Director  des 
pflanzenpbysiologischen  Institutes  in  Prag,  Dr.  G.  A.  Weiss,  ist  am 
17.  März  im  57.  Lebensjahre  gestorben. 

Dr.  Rieh.  Otto  ist  zum  Lelirer  der  Chemie  am  königl.  pomo- 
logischen  Institute  in  Proskau  ernannt  worden. 

Prof.  Jul.  Klein  ist  vom  königl.  ungar.  Ministerium  des 
Unterrichts  zu  Studienzwecken  nach  Neapel  entsendet  worden. 

Dr.  Robert  Regel  hat  sich  als  Privatdocent  für  Botanik  an 
dei-  Petersburger  Universität  habilitirt. 

Dr.  Fr.  Krüger  ist  als  Assistent  am  pflanzenphysiologischen 
Institute  der  landwirthschaftlichen  Hochschule  in  Berlin  eingetreten. 

(Bolan.  Centrall)!.) 

Der  Bryologe  0.  L.  Sillen  ist  in  Gefle  (Schweden)  gestorben. 
Der  Obergärtner  am  botanischen  Garten  der  Universität  Czerno- 
witz,  kais.  Rath  Karl  Bauer,  ist  am  20.  März  gestorben. 

Inhalt  iU'.T  .Vpril-Nunim«r.  Matouschek  Franz.  Die  Adventivknospen  an  den  Wedeln  von 
(Ji)sfn/,/ifis  hiilhi/cra  (L.)  Bernhardi  S.  121.  —  Bornmüller  J.  Nachtrag  zu  .Florula  insulae 
Thasus".  S.  124.  —  Sauter  l)r.  F.  Hepaticae  aus  Tirol.  S.  128  —  Wettstein  Dr.  R.  v. 
Untersuchungen  über  Pflanzen  der  österreichisch-ungarischen  Monarchie.  S.  132.  —  Degen 
Dr.  A.  V.  Bemerkungen  Ober  einige  orientalische  Pflanzenarten.  S.  138.  —  Arnold  Dr.  F. 
Lichenologische  Fragmente  S.  139.  —  Freyn  J.  Plantae  novae  Onentale.i.  S.  144.  —  Litteratur- 
Uebersicht.  S.  148.  —  Flora  von  Oesterreich-Ungarn.  F  ritsch  Dr.  Karl.  Kärnten.  S.  152.  — 
Botaniscjie  Sammlungen,  Museen.  Institute  etc.  S.  165.  —  Botanische  Forschungsreise.  S.  167. 
—  Botanische  Gesellschaften,  Vereine,  Congresse  etc.  S.  157.  —  Personal-Nachrichten.  S.  159. 
Inserat.  S.  159. 

Redacteur:  Pi-of.  Dr.  R.  v.  Wettstein,  Prag,  Smiehow,  Ferdinandsquai  14. 

Verantwortlicher  Redacteur:  Hermann  Manz,  Wien  I.,  Barbaragasse  2. 

Verlag  von  Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


Die    ,,Oesterreichische    botanische   Zeitschrift"    erscheint    am  Ersten    eines  jeden  Monats 
und  kostet  ganzjährig  15  .Mark. 

Exemplare,    die  Irei  durch  die  Post  expedirt  werden   sollen,    sind    mittelst  Postanweisung 
direit  bei  der  Administration  in  Wien  1.,  Barbaragasse  2  (Firma  Carl  Gerold  s  Sohn)  zn  pränumeriren. 

Einzelne  Nummern,  soweit  noch  vorräthig,  ä  2  Mark. 

Ankündigungen  werden  mit  30  Pfennige  für  die  durchlaufende  Petitzeile  berechnet. 
Zu    herabgesetzten    Preisen    sind    noch    folgende  Jahrgänge   der  Zeitschrift  zu   haben:  11 
und   111  ä  2  Mark.   X-Xll  und  XIV-XXX   k  4  Mark.   XXXl-XLI  k  10  Mark. 


C  Ucbarreutar'ich«  Uuchdruiikeral  (M.  Snieer)  in  Wien. 


INSERAT. 

Verlag  der  Aschendorff'schen  Buchliaiidluiig,  Münster  i./W. 

K.  Beckhaus,  ""^n'Kt"'"  I'lora  von  Westfalen. 

Die     in    der    Provinz    Westfalen     wild     wachsenden    WefässpHauzen. 

Nach  des  Verf.  Tode  herausgegeljen  von  Hasse.  Leliror  in  Witten.  XXIV, 
iü9C  S.  8».   Preis   10  Mk. 


160  INSERAT. 


Soeben    erschien    und  wurde    an    alle    Inter- 
essenten  versandt : 

Der  Jahres -Katalog 

pi-o  1804 

des 

IfißnertiötaiiiscIienTaüscliyereiis 


enthaltend  ca.  3300  vorwiegend  seltene,  zumTheile 
noch  niemals  in  einer  Tauschliste  enthaltene 
Arten,  Formen  und  Hybriden.  —  Es  dürfte  diese 
Liste  die  vollständigste  und  an  Seltenheiten, 
sowie  neuen  Arten  reichste  sein ,  die  jemals 
publicirt  wurde. 

Den  her  vorrag"endsten  Antheil  an  seltenen  Arten 
hat  die  Flora  der  Balkanhalbinsel,  insbesondere 
Bosniens,  Bulgariens,  Serbiens,  Thraciens  und 
Central-Macedoniens,  nebstdem  sind  aber  auch 
Spanien,  Russland  mitseinerinteressantenSteppen- 
flora,  Ligurien  etc.  etc.,  abgesehen  von  der  mittel- 
europäischen Flora,  in  grosser  Artenzahl  vertreten. 

Allen  jenen  geehrten  Herren,  welchen  der 
Katalog  etwa  nicht  zugegangen  sein  sollte,  steht 
derselbe  auf  Wunsch  sofort  gratis  und  franco  zu 
Diensten. 

I.  Dörfler 

Wien,  L,  Burgring  7. 


Diesem  Hefte  liegt  bei: 

Ein  Piospect  zu  Viimorln's  „Biumengärtnerei". 


OSTERREICHISCHE 


Herausoegeben  und  redigirt  von  Dr.  Richard  R.  v.  Wettstein, 

Professor  an  der  k.  k.  deutschen  Universität  in   Prag. 


Verlag  von   Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


XLIV.  Jahrgang,  N«-  5.  Wien,  Mai  1894. 

Ol *('h idaceae  Papuanae, 

Von  F.  Kränzlin   (Gr.-Lichtorlelde  bei  Berlin). 

1. 

Evin  'itnibouatff  F.  von  Müller  et  Kizl.  {Hymeneria). 
Ciiule  abbreviato  4 — 5-aiticulato  cylindraco.o  subnitido  2 — ;^-phyll(». 
I'^oliis  lanceolatis  aciitis  satis  tlriuis;  racemis  laxis  paucifloris  calvis, 
hiacteis  tenenimis  paleaceis  reflexis  sab  authesi  evaiiescentibus  re- 
liexüs.  Sepalis  (intermedio  breviore)  oblongo-lanceolatis  acuminatis 
lateralibus  meiitum  curviilum  obtusiiin  formantibus:  petalis  lineari- 
biis  acuminatis  aequilongis,  labelli  lono-ioris  lobis  lateralibus  latissi- 
inis  semiobovatis  antice  rotundatis  obtusis,  intermedia  cuneato  ob- 
cordato  margine  lineisque  lougitudinalibus  incrassatis,  umbone  crasso 
nitido  purpureo  (?)  inter  ipsos  lobos  laterales;  gyuosteraio  crasso 
satis  conspicuo  anthera  plana  latissime  marginata,  androclinii  mar- 
gine  utrin(|ue  dilatata  polliuiis  8  satis  magnis.  Ovario  vix  pubeiubi. 

Neu-Guiuea,  leg.  W.  Anderson  189;i. 

Erinnert  im  Habitus  stark  an  Eria  hradescens  Lindl,,  steht 
aber  E.  longiluhris  Lindl.  unbedingt  am  nächsten.  Der  glänzende 
„Umbo"  auf  der  Mitte  der  Lippe  unterscheidet  diese  Art  hinlänglich 
von  allen  bisher  beschriebenen. 

Denffroblttm  brachythcctan  F.  von  Müller  et  Krzl. 
{Dendrocuri/ne).  Caulibus  secundariis  s.  bulbis  subcompressis  subtetra- 
gonsi  sulcatis  oblongis  infra  attenuatis  supra  monophyllis,  folio 
papyraceo  lanceolato  aciito  9-nervio;  racemo  simplice  pauci  v.  pluri- 
floro,  bracteis  ovaiis  acutis  ovaria  densissime  villosa  cum  pedicellis 
subaequantibus.  Sepalis  ovato-tiiangulis  acuminatis  extus  basin  versus 
muricatis  lateralibus  ialcatis,  petalis  tenerioribus  spathulato-oblongis 
acutis  quam  sepala  sublongioribus;  labelli  lobis  lateralibus  maximis 
flabellatis  antice  obtusis,  lobo  intermedio  rhombeo  antice  apiculato, 
callo  inter  ipsos  lobos  laterales  crasso  carnoso  supra  bisulcato  antice 
libero  obtuso;  gynostemio  (sc.  jiaitc  lil)era)  perbrcvi,  tiidentato.  an- 
thera idana.    Flores  ut  videtur  pa,Uide-tlavi  labcllum  Üavum.    Bulbi 

üesterr.  botan.  Zeits.luift.  r,.  Heft.   IS114.  13 


162   • 

ad  10  cm.  Folia  ad  15  cm  longa,  2'5  cm  lata,  racemi  ad  25  cm  longi, 
flores  4-5  cm  diametro.  Capsula  submatura  fiisifoimis  4  cm  longa 
aspera. 

Neu-Guinea.  W.  Anderson  in  1893. 

Die  Pflanze  erinnert  an  D.  macrophyllum  A.  Eich.  (^  D.  Veit- 
schianum  Lindl.),  von  welcher  sie  gewisserraassen  eine  verkleinerte 
Form  ist.  Die  Blüthen  erscheinen  blassgelblich  und  haben  ganz 
sicher  keine  Spur  von  Zeichnung  gehabt. 

Demlrohliini  dellcatulum  F.  v.  Müll,  et  Krzl.  {Stachyo- 
hium).  Caulibus  subancipitibus  ad  30  cm  altis;  foliis  5 — 6  lineari- 
lanceolatis  papyraceis  apice  complicatis;  racemis  2 — 3  in  uno  quoque 
caule  plurifloris  pendulis  vel  deflexis.  floribus  inter  minores  generis, 
bracteis  minutis  triangulis.  Sepalis  oblongis.  intermedio  obtuso.  lateralibus 
acutis  in  perulam  antice  apertam  apice  subglobosam  coalitis,  petalis 
cuneato-spatbulatis  antice  rotundatis,  labello  ex  ungue  sensim  di- 
latato  subpanduiato  obcordato  i.  e.  lobis  lateralibus  vix  evolutis 
margine  erosulis  lobo  intermedio  multo  latiore  antice  emarginato. 
margine  integro,  dente  parvo  solido  in  ungue.  callositate  quadam 
vix  prominula  triloba  in  disco;  gyuostemio  pilosulo,  androclinii  dente 
postico  simplice,  laterali  quoque  supra  bipartito,  rostello  maximo 
antice  tuberculoso,  anthera,  polliniis  sat  magnis  ceterum  generis.  — 
Flores  albi  pellucidi  apicibus  tenerrime  roseo-suffusis  1  cm  longi. 

Nova  Guinea  britannica.  —  In  Australia  a  colonis  ad  Moreton 
Bay  culta. 

Die  Pflanze  ist  äusserst  zierlich.  Durch  ihre  breiten  Fetalen 
und  Labellum  erinnert  sie  sehr  an  das  viel  grössere  D.  barbatulum 
Lindl.  von  Burmah  und  an  Dendroh.  eri(menatwn  0.  Swartz. 

Uendrohluni  pvionochlluni  F.  v.  Müller  et  Krzl.  {Anten- 
nata).  Sepalis  linearibus  obtusis,  lateralibus  basi  paulum  tantum 
dilatatis  in  mentum  modicum  productis  margine  levissime  undulatis, 
valde  revolutis;  petalis  vix  longioribus  lineari-obovatis  apice  obtu- 
satis  semitortis  margine  non  undulatis:  labelli  (toto  circuitu)  ob- 
longi  lobis  lateralibus  dimidium  totius  aequantibus  apice  obtusis 
margine  serrulatis.  intermedio  oblougo  undulato  obtuso.  callis  3 
valde  elevatis  in  disco  antice  undulatis  medio  in  lobo  intermedio 
subito  abruptis,  addita  utrinque  linea  vix  elevata  callosa  ante  lobum 
intermedium  desinente;  gynostemio  generis,  androclinii  dente  postico 
satis  longo  lineari,  androclinio  oblongo.  —  Flores,  ut  videtur,  flaveoli 
5  cm  diametro.  Racemus  divitiflorus. 

Neu-Guinea,  Dinner  Island  leg.  Forbes  1887. 

Diese  Art  steht  dem  Dendrobimn  undulatum  Lindl.  var  fimhri- 
labium  Rchb.  fil.  sehr  nahe.  Da  die  Sepalen  stark  zurückgerollt  sind, 
so  ragen  die  an  und  für  sich  kaum  längeren  Fetalen  wie  ein  Paar 
Hörner  oder  Antennen  in  die  Höhe,  und  es  kommt  auch  die  halii- 
tuelle  Zugehörigkeit  zu  dieser  Gruppe  genügen«!  zum  Ausdruck. 


163 

DemJrohluni  KnernhachU  Kizl.  {Ped'donum).  Planta 
validissima.  Caulibus  secimdariis  aggiegatis  1 50-- 160  cm  longis. 
1  — 1"5  cm  crassis  dependentibus  foliis  ovato  oblongis  acuminatis 
15 — 18  cm  longis.  4 — 5  cm  latis,  caulibus  tertiariis  hie  illic  orien- 
tibus  spicis  apicem  versus  quibusdam  multifloris  densifloris,  bracteis 
triajigularibus  reflexis  acutis.  Sepalo  dorsali  oblongo  acuto  laterali- 
bus  obtusioribus  infra  in  pseudocalcar  (v.  perulam)  oblongum  ob- 
tusum  antice  semiapertum  ampliatis  petalis  o))longis  obtusis  labelli 
ungue  angustissimo  medio  dilatato,  labelli  lamina  carnosa  cocbleata 
antice  profunde  bipartita,  callo  longitudinali  carnoso  in  disco  a  basi 
fere  ad  partitionem  decurrente;  gynostemii  parte  libera  brevi,  anthera 
plana  antice  retusa.  —  Flores  subclausi  1"5  cm  longi,  pedicelli 
2*5— 3  cm  longi,  pallide  flavescentes,  illis  Viburai  Opidi  paullo 
liaviores  apicibus  viridibus,  labellum  apice  ut  videtur  iutensius. 

Kaiser  Wilbelm's  Land,  leg.  L.  Kärnbach. 

Diese  höchst  bemerkenswertbe  Pflanze  gehört  habituell  zweifel- 
los in  die  unmittelbare  Verwandtschaft  von  D.  purpuremn  Roxb. 
und  bat  mit  der  var.  candkluhnn  Rchb.  fil.  die  allergrösste  äussere 
Aehnlichkeit.  An  Unterschieden  wäre  zunächst  die  colossale  Grösse 
des  D.  Kaernhachii  zu  erwähnen  und  die  absolute  Verschiedenheit 
im  Bau  des  Labellum,  welches  bei  den  meisten  der  bisher  bekannten 
Arten  dieser  Gruppe  irgendwie  spitz  ausläuft,  hier  aber  mit  einem 
tief  eingeschnittenen  knorpelig  -  fleischigen  Löffel  endet,  und  mit 
diesem  Merkmale  stellt  sich  unseie  Art  neben  Dendrohium  Holl- 
rungii  Kränzlin,  Fl.  v.  Kaiser  Wilhelm's  Land,  p.  32.  Die  Unter- 
schiede zwischen  D.  Kaernhachii  und  D.  Hollrungii  bestehen  einer- 
seits in  der  geringeren  Grösse  und  der  dunkleren  ßlüthenfarbe  der 
letztgenannten  Art,  zwei  Merkmalen  von  nur  secundärem  Werthe. 
sodann  aber  in  dem  Callus  der  Lippe,  welcher  bei  D.  Hollrinu/il 
dreitheilig,  bei  D.  Kdernbachii  einfach  ist;  schliesslich  m;ig  noch 
die  gestauchte  Blüthenstandsaxe  bei  D.  Hollrungii  im  Gegensatze 
zu  der  langgezogenen  des  D.  Kaernhachii  erwähnt  werden,  ein 
Merkmal,  welches  den  Totaleindruck  der  blühenden  Pflanze  jeden- 
falls sehr  beeinflusst.  —  Material:  Mittelstück  eines  diesjährigen 
Triebes,  Gipfel  eines  vorjährigen  Triebes  mit  Blüthenständen  und 
zahlreiche  Blüthen.  Neben  einem  völlig  verrotteten  Blüthenstande 
fand  sich  ein  anderer,  welcher  augenscheinlich  gerade  geblüht  hatte. 
Sollte  diese  Pflanze  mehrere  Jahre  nach  einander  aus  demselben 
Spross  blühen? 

Deuffrobhun  BaeuerleniF.  v.  Müll,  et  Krz\.  (Pedi/onum): 
Caulibus  secuudaiiis  aggregatis,  gracilibus  strictis  50  cm  altis 
foliosis  disticliophyllis,  foliis  angustissimis  linearibus  acuminatis 
10 — 12  cm  longis,  5 — 7  mm  latis;  racemis  brevibus  paucifloris  sub- 
terminalibus,  bracteis  parvis  mcmbranaceis  petaloideis  (?)  ovatis 
acutis  quam  Ovaria  multo  brevioribus.    Sepalo  dorsali  petalisque  an- 

1  ■>♦ 


164 

tice  seiTulatis  late  ohlongis  ve]  orbicularibus.  sepalorum  lateralium 
parte  libera  brevissima  autice  rotundata  pseiidocalcari  maximo  am- 
plissimo  recto  ovarii  longe  pedicellati  7;,  fere  aequante  labello  toto 
circuitu  cuneato  antice  subtrilobo  maigine  vix  involuto  minutissime 
deuticulato;  gynostemii  parte  libera  brevissinaa  crassa.  —  Floris 
telum  adeo  tenenim  ut  primo  coiitactii  frangatiir,  pallide  roseiim. 
Totus  flos  2-5 — 3  cm  longus,  cujus  quinta  pars  pseudocalcari  ad- 
scribenda. 

Neu-Guinea.  —  Fly  Kiver  (Brancb)  Octob.  1885.  —  William 
Baeuerlen  n.  483.    An  Bäumen  an  den  Bänken  des  Flusses. 

Diese  Art  gehört  in  die  Verwandtschaft  von  Dendrohaon 
Mohlianmu  Rchb.  fil.  mit  starken  Anklängen  an  D.  megaceras  Hook.  f. 
Icon.  plant,  t.  2031.  Der  allgemeine  Aufbau  der  Pflanze  erinnert 
sehr  an  die  schöne  Abbildung  von  D.  Moidianmn  Echb.  f.  in  Bon- 
plandia 18()2,  tab.  16,  nur  sind  die  Verhältnisse  hier  noch  schlanker, 
die  Blätter  viel  schmäler  und  die  Blüthen  grösser.  Eine  genaue  An- 
gabe über  die  Farbe  der  Blüthen  fehlte  leider,  dieselben  scheinen 
hell  nankinggelb  gewesen  zu  sein  mit  blassrothem  Anfluge.  Das 
Gewebe  der  Blüthen  ist  ausserordentlich  zart,  besonders  am  La- 
bellum,  welches  unter  der  leisesten  Berührung  zerriss.  Es  scheint, 
als  ob  alle  Blüthen  eines  Blüthenstandes  sich  gleichzeitig  und  nur 
für  kurze  Zeit  öffnen.  Die  eigenthümliche  Einbiegung  des  vorderen 
Randes  des  Labellum,  welche  bei  D.  Mohlianum  und  D.  Baeuer- 
leni  sehr  stark  entwickelt  ist,  findet  sich  hier  nur  angedeutet. 

Dendrohiuin  pachyceras  F.  v.  Müll,  et  Krzl.  (Pedüonum). 

Caulis  —  folia  —  racemo  subcapitato,  bracteis  minutissimis 
triangulis  acutis;  sepalo  dorsali  latissime-oblongo  obtuso,  lateralium 
parte  anteriore  oblonge  fere  orbiculari  rotundata,  parte  posteriore 
latissima  dimidium  fere  usque  coalitis  pseudocalcar  vel  perulam  fusi- 
forme  obtusum  crassum  formantibus;  petalis  obovatis  antice  minu- 
tissime serrulatis,  labello  e  basi  paulum  latiore  angustata  deinde  in 
laminam  obovatam  obtusam  dilatato  antice  obtuso  margiue  serru- 
lato,  lineis  2  elevatis  crassis  ex  fundo  apicem  fere  usque  decurren- 
tibus  et  lamina  miuutissima  transversa  in  fundo;  gynostemii  parte 
libera  crassissima  supra  utrinque  late  alata,  dente  postico  longo, 
antherae  tenaeissime  affixa  pede  gynostemii  longissimo  infra  ex- 
cavato,  anthera  lata,  polliniis  sat  magnis.  —  Flores  subelausi  1*5  cm 
longi,  sepala  pallide  rosea,  pseudocalcar  intense  roseum,  petala, 
labellum  primulina. 

Neu-Guinea.  Dogiira,  leg.  Rever,  Copeland  King  1893. 

Die  Blüthen  haben  den  allgemeinen  Cori/dalis-EahUus,  wie 
ihn  D.  chrysocephalum  Krzl.,  D.  purpureum  Roxb.  und  ihre  Varie- 
täten haben.  Die  auffällig  dicken  Scheinsporne,  sowie  die  vorn  ge- 
wimperten  Fetalen  und  die  Lippe  unterscheiden  die  Art  hinlänglich 
von   den  Verwandten. 

(Fortsetzung  folgt.) 


165 


Neue  Beiträge   zur  Pflanzenteratologie  und  Blüthen- 

morphologie. ') 


Von  Prof.  E.  Heinricher  (Innsbruck). 


4.  l*latantliera  blfoUa  Rieh,  forma  ecalcarata. 

Zwischen  Kranebitten  und 
dem  Kerschbuchhof  bei  Innsbruck 
wurde  im  Sommer  1893  neben 
normalen  Pflanzen  von  Platanthern 
hifolia  ein  vereinzeltes  Exemplar 
mit  spornlosen  Blütheu  gefunden. 
Die  Fig.  1  gibt  in  natürlicher 
Grösse  den  Habitus  der  Inflore- 
scenz  der  monströsen  Pflanze,  Fig.  2 
jenen  einer  einzelnen  Blüthe  und 
zum  besseren  Vergleiche  ist  in 
Fig.  3  noch  eine  Abbildung  einer 
normalen  Blüthe  hinzugefügt. 

Von  dem  Sporn,  der  an  nor- 
malen Blüthen  eine  Länge  von 
28 — 30  mm  erreicht,  findet  sich  in 
den  monströsen  Blüthen  keine  Spur. 
Aber  auch  in  weniger  auffälligen 
Merkmalen  unterscheiden  sich  diese 
Blüthen  von  normalen.  Das  Label- 
lum  ist  auch,  abgesehen  vom 
Mangel  des  Spornes,  gestaltlich 
verändert.  Dem  normalen,  zungen- 
förmigen  gegenüber  ist  es  beträcht- 
licli  verkürzt,  dafür  aber  nahezu 
doppelt  so  breit.  Ferner  erscheint 
es  rein  weiss,  nicht  grünlich  gefärbt 
wie  das  normale,  bei  welchem  be- 
sonders an  der  Spitze  die  grüne 
Färbung  sich  verstärkt.  Es  ähnelt 
dem  unpaareu  Sepalum,  von  dem 
es  nur  meist  an  Breite  etwas  über- 
troff'en  wird,  während  es  den  paa- 
rigen Sepalen  in  dieser  Beziehung  um  ein  Geringes  vor  ist. 

Nächst   dem  Labellum  zeigen    auch    die  paarigen  Petalcn    der 


')  Vergl.  diese  Zcitschr.   lS'.»i),  Nr.  D;    1«91,  Nr.  %  und  18!l5..  Nr.   1 


166 

monströsen  Bliitlien  hervortretende  Abweichungen  sowohl  riicksicht- 
lich  ihrer  Lage  als  ihrer  Gestalt.  Während  dieselben  in  der  normalen 
Blüthe  ober  dem  Gynostemiiim  so  gegeneinander  geneigt  sind,  dass 
sie  sich  mit  ihren  Spitzen  berühren  (etwa  wie  zwei  erhobene,  tiber 
dem  Kopfe  zusammengeschlagene  Arme),  divergiren  sie  in  den  sporn- 
losen Blüthen  ziemlich  stark  (vergl.  Fig.  2  und  3).  Es  fehlt  den 
Fetalen  hier  jene  starke  Krümmung,  welche  Ursache  ist,  dass  sie 
sich  in  den  noimalen  Blüthen  mit  ihren  Spitzen  berühren.  Ferner 
sind  diese  Fetalen  den  normalen  gegenüber  breiter,  weit  weniger 
zugespitzt,  und  erscheinen  rein  weiss,  während  sie  in  normalen 
Blüthen,  besonders  im  oberen  Theile,  grünlich  gefärbt  sind.  Das 
Gynostemium  ist  normal,  ebenso  konnte  bei  Untersuchung  des  Frucht- 
knotens nichts  Abweichendes  wahrgenommen  werden.  Die  Blüthen 
waren  geruchlos. 

Soweit  der  thatsächliche  Befund.  Aus  der  Literatur  geht  her- 
vor, dass,  obschon  diese  Bildlingsabweichung  nicht  besonders  häufig 
vorkommen  dürfte,  sie  doch  bei  den  Orchideen  öfters  beobachtet 
wurde.  Unter  den  einheimischen  Orchideen  scheint  sie  gerade  an  der 
Gattung  Piatanthera  öfters  aufzutieteu.  Zwei  Arbeiten,  welche  diese 
betreffen,  sind  mir  bekannt  geworden.  Die  eine  von  Fr.  Seydler') 
^Platanthera  chlorantha  Cust.  ohne  Sporen",  die  andere  von  N.  H. 
RidleyO  „Peloria  in  Ilahenaria  fnfalia  K.  Br."  Seydler's  kurze 
Beschreibung  „Lippe  breit,  stumpf,  ohne  Sporn,  nicht  länger  als  die 
seitlichen,  ausseien  etwas  spitzen  Ferigonblätter,  die  inneren  kleiner, 
etwas  stumpf,  Staubbeiitelhälften  oben  genähert,  Blüthen  weiss, 
wenig  wohlriechend",  stimmt  mit  dem  oben  von  mir  Mitgetheilten 
sehr  gut.  In  dem  von  Ridley  bei  P/atanthera  bifolia  beobachteten 
Falle  scheinen  die  Veränderungen  in  einzelnen  Blüthen  noch  etwas 
weiter  sfereicht  zu  haben.  Nach  dem  Referate  im  Just'schen  Jahres- 
berichte  „entsprangen  bei  einigen  Blüthen  der  besprochenen  Hahe- 
naria  bifolia  von  der  Basis  der  Säule  zwei  weisse,  eiförmige  oder 
längliche,  stumpfe  und  gekrümmte  Blattgebilde,  welche  Ridley 
für  Narbeulappen  (?  Aut.)  hält". 

Von  anderen  einheimischen  Orchideen  scheinen  auch  die  Gum- 
nadenia-krien  häufiger  mit  spornlosen  Blüthen  aufzutreten.  So  führt 
Max  Schulze^)  eine  Form  g)  ecalcarata  Rchb.  fil.  der  Gijni- 
nadetiia  conopea  R.  Br.  an.  für  welche  als  Fundorte  „Ueber  dem 
Kemater  Kalkofeu  (Hausmann,  Flora  von  Tirol,  S.  839)  und  am 
Brenner  in  Tirol  (Deutsche  bot.  Monatschr.  1887,  S.  71)  angegeben 


')  Schriften  der  königl.  physik. -Ökonom.  Ges.  zu  Königsberg,  XI.,  1870, 
Abhandlungen  S.  114." 

')  Journal  of  Botany,  XXllL,  1885;  S.  218.  Ref.  in  Just's  Jahresb. 
1883,  Bd.  I.,  S.  714. 

^)  Die  Orchideen  Deutschlands,  Deutsch-Oesterreichs  und  der  Schweiz, 
4.  und  5.  Lief. 


167 

sind.')  Hausmann  bemerkt  nocli  an  der  bezeicbneteu  Stelle,  dass 
er  die  Form  nur  in  einem  einzigen  Exemplar  gefunden  habe. 
Desgleichen  führt  Schulze ')  eine  Form  b)  ecalcarata  Jichb.  fil. 
der  Gi/mni((lenia  odoratissinia  ßich.  an,  für  welche  Südtirol  bei 
Bozen  und  Thüringen  bei  Jena  als^  Fundstellen  bezeichnet  werden. 
Hausmann  fügt  an  a.  0,  noch  hinzu,  dass,  nach  Peter  manu, 
auch  Orchis  majalis  Reichenb.  in  Sachsen  spornlos  beobachtet 
worden  ist.  Es  ist  kein  Zweifel,  dass  diese  forma  ecalcarata  der 
Gymnadema-  und  OrtVu's-Ärten  derselben  Bildungstendenz  folgen, 
wie  die  spornlosen  Platanthereu. 

Wesentlicb  gleich  verhält  sich  auch  der  Fall,  den  ich  ^)  bei 
Ot/pripedihun  Calceolus  L.  beschrieben  habe,  wo  an  Stelle  des  pan- 
toffelartigen Labellums,  ein  den  beiden  paarigen  Fetalen  gleichen- 
des, zungeuförmiges  (lebilde  aufgetreten  war.  Offenbar  stellen  alle 
diese  Fälle  Rückschlagsbildungen  vor,  welche  uns  die  Ausgangs- 
form der  Orchideenblüthe,  wo  eine  Differenzirung  der  veischiedenen 
Blüthen  des  Perianths  noch  nicht  eingetreten  war,  zu  veranschau- 
lichen im  Stande  sind.  Dass  gerade  das  Labellum  so  häufig  durch 
Blattgebilde  einfacherer  Natur,  wie  es  die  übrigen  Perianthblätter 
in  der  Orchideenblüthe  zumeist  sind,  vertreten,  also  am  häufigsten 
<luich  Rückschlagsbildungen  ersetzt  wird,  ist  nicht  zu  verwundern. 
Ist  es  doch  eben  das  Labellum.  welches  die  weitgehendste  Meta- 
morphose in  der  Anpassung  au  bestimmte  biologische  Momente 
erfahren  hat  und  die  zu  jener  ausserordentlichen  Mannigfaltigkeit  der 
?]rscheinung,  welche  die  verschiedenen  Orchideeublüthen  gewähren, 
vor  Allem  beiträgt. 

Asideiiiutn  lepidinn  Presl  in  Nord-Istrien. 

Von  R.  Beyer  (Berlin). 

Im  Juli  1890  machte  ich  auf  Empfehlung  des  Directors  des 
naturhistorischen  Museums  in  Triest,  Herrn  Dr.  C.  de  Marchesetti, 
eine  Excursion  zu  der  Karstgrotte  von  Ospo  unweit  Muggia  im 
nördlichen  Istrien,  an  deren  Felsen  die  seltene  Moehriiu/ia  Tom- 
i/iaginii  Marches.  wächst.  Unter  anderen  sammelte  ich  dort  auch 
einen  Farn,  den  ich  zunächst  nach  dem  Habitus  für  eine  sehr  merk- 


')  Nachschau  im  Originalartikel  „Ueber  Farl)enspielarten  und  Aehn- 
liches  aus  Noidtirol"  von  Dr.  J.  ]\Iurr.  zeigte,  dass  es  sich  auch  in  diesem 
Falle  um  ein  vereinzeltes  spornluses  Exemplar  handelte. 

'')  Die  Orchideen  Deutschlands,  Deutsch-Oesterreichs  und  der  Schweiz, 
6.  und  1.  Lief. 

■')  Vergl.  d.  Zeitschr.,  Jahren.  1891,  Nr.  2.  „Eine  Blüthe  von  Cypripedüum 
Caheolus  L.  mit  Rückschlagscrscheinungen".  Hier  sei  noch  bemerkt,  dass  die 
betreffende  Pflanze  von  Cypripedüum  Calceolus  im  Garte»  ciiltivirt  wurde 
und  dass  selbe  1S91  eine  der  beschriebenen  genau  gleiclie.  *uonstrüse  Hlüihe 
entwickelt  hat.  In  den    Jahren  1892,   1893  kam  die  Pflanze  nicht  zum  Dlülun. 


168 

würdige  Forui  von  Asplenium  Ruta  inuraria  L.  g]aubt(3  lialten  zu 
sollen.  Erst  in  diesem  Winter  gelangte  ich  zu  einer  geuaueien 
Untersuchung  der  damals  gemachten  Ausbeute  und  fand  bei  dem 
Farn  so  auffallende  Unterschiede  von  A.  Ruta  muraria,  dass  ich 
auf  die  Vermuthung  kam,  er  möchte  das  in  meiner  Sammlung  noch 
fehlende  A.  lepidum  Presl  sein.  Die  vorzügliche  Beschreibung  und 
Abbildung  dieser  Art  in  Luerssen's  Farnpflanzen  ')  überzeugte  mich 
von  der  Richtigkeit  dieser  Ansicht. 

Vielleicht  ist  A.  lepidmn  in  den  südlichen  Alpen  vei'breiteter. 
Früher  nur  aus  dem  südlichen  Italien,  aus  Ungarn  und  Siebenbürgen 
bekannt  ),  entdeckte  es  Luerssen  zuerst  für  das  cisleithanische  Gebiet 
in  Hausmann's  Herbarium,  worin  es  unter  A.  Ruta  mnraria  lag. 
Die  Exemplare  waren  1866  von  Loss  an  schattigen  Dolomitfelsen 
des  Val  di  Non  in  Tirol  bei  Tuenno  (3000')  und  Pontalto  (2000') 
nächst  Cles  gesammelt  worden.  Die  Möglichkeit,  dass  der  Farn  auch 
an  anderen  Orten  verkannt  sein  könnte,  rechtfertigt  es  wohl,  hier  im 
Anschluss  an  Luerssen  kurz  die  Merkmale  hervorzuheben,  welche 
A.  lepidum  von  A.  Ruta  inuraria  und  A.  fissuni  trennen. 

Im  Habitus  ist  A.  lepidum,  wie  erwähnt,  dem  A.  Ruta  muraria 
ziemlich  ähnlich.  Insbesondere  gleicht  es  diesem  in  der  dreieckig- 
eiförmigen Blattspreite,  der  Nervatur,  den  Spreuschuppen,  den  nach 
dem  Grunde  zu  breit  keilförmigen  Fiederchen  letzter  Ordnung  und 
in  dem  ausgefressen  gefransten  Schleier.  Doch  unterscheidet  es  sich 
von  den  fast  lederigen,  dicken,  schmutzig-graugrünen  Wedeln  des 
A.  Ruta  muraria  durch  sehr  zarte,  fast  durchscheinende,  gelblich- 
grüne Wedel,  die  in  ihrer  Structur  lebhaft  an  Gi/mnogramme  lepto- 
phylln  erinnern,  von  dem  unser  Farn  natürlich  u.  a.  durch  die  Ner- 
vatur und  die  mit  Schleier  versehenen  Sori  völlig  abweicht.  Die 
Fiederchen  letzter  Ordnung  sind  vorn  abgerundet  (nicht  rhombisch 
oder  verkehrt  -  eiförmig)  und  mehr  oder  weniger  deutlich  drei- 
lappig mit  regelmässig  seicht  gekerbten  Lappen.  Bei  A.  Ruta  muraria 
sind  diese  Fiederchen  ganz,  seltener  unregelmässig  lappig-eingeschnitten 
und  am  Vorderrande  gekerbt,  gezähnt  oder  fast  ganzrandig.  Der 
Blattstiel  des  A.  lepidum  ist  haarfein  (kaum  '  .  mm  dick),  sein  Leit- 


')  Die  Fainpflauzeu  oder  Gefässbündelkryptogamen  (Ptoridophyta)  be- 
arbeitet von  Dr.  Christian  Luerssen.  (3.  Band  von  Rabenhorst's  Krypto- 
gamen-Flora  von  Deutschland,  Oesterreich  und  der  Schweiz,  t.  Auflage.) 
Leipzig  1889,  S.  228  % 

^j  Der  Zweifel  Luerssen's,  ob  der  Siebenbürgische  Standort  „Felsen 
bei  Csoesa"  (wohl  Druckfehler  für  Csucsa,  Kreis  Klausenburg)  mit  dem  Un- 
garischen ,Rev"  (Freyn)  oder  „Sonkolyos"  (Borbäs)  im  Gomitat  Bihar  viel- 
leicht identisch  sei,  da  alle  diese  Orte  am  (schnellen)  Körösflasse  lägen, 
scheint  mir  unbegründet.  —  Nach  Nyman's  Conspectus  (p.  86i)  findet  sich 
der  Farn  auch  in  Croatien.  Er  fehlt  indess  bei  Neilreich  (Vegetationsver- 
hältnisse von  Croatien).  der  ilm  aber  möglicherweise  mit  A.  ftssum  Kit.  zu- 
sammenwarf. In  den  Nachträgen  zu  Maly's  Enuraeratio  (S.  332)  führt  er 
Asplenium  lepidum  unter  den  Synonymen  dieses  Farns  auf. 


169 

• 

bündel  auf  dem  Querschuitt  am  Grunde  tiapezoidiscli  und  ohne  Scler- 
encbymstrang.  Die  (lefässbündel  des  dicken,  grünen  Blattstiels  von 
A.  Rata  muraria  besitzen  obeiseits  eine  Längsfiirclie,  erscheinen  daher 
am  Grunde  quer  durchschnitten  nierenförmig  und  haben  an  der  Furche 
einen  Strang  dunkler  Sclerenchymzellen,  Endlich  sind  die  Wedel 
dieses  Farns  kahl  oder  nur  zerstreut  (in  der  Jugend  reichlicher) 
drüsenhaarig,  die  von  A.  lepidum,  dagegen  an  Stiel  und  Spreite  ziem- 
lich dicht  mit  kurzen,  abstehenden,  klebrigen  Drüsenhärchen  besetzt, 
so  dass  es  an  getrockneten  Exemplaren  sehr  schwer  hält,  die  zu- 
sammenhängenden Theilchen  von  einander  abzulösen. 

Asplenium  fissum  Kit.,  mit  welchem  unsere  schon  1836  richtig 
von  Presl  erkannte  Art  bis  auf  Milde  (1866)  allgemein  vermengt 
wurde,  gleicht  ihm  eigentlich  nur  in  der  dünner  krautigen  Structur, 
den  im  Querschnitt  trapezoidischen,  sclerenchymlosen  Leitbündeln  des 
Blattstielgrundes  und  den  vorn  2  — 3  spaltigen  Abschnitten  letzter 
Ordnung.  Es  ist  aber  grün,  nicht  durchscheinend,  steif  und  zer- 
brechlich, nur  in  der  Jugend  drüsenhaarig,  später  kahl,  hat  einen 
dickeren  Stiel  (c.  1mm)  und  einen  eiförmig-länglichen  bis  lanzett- 
lichen Umfang  der  Spreite.  Der  Schleier  ist  nur  unregelmässig 
schwach  gekerbt  und  in  der  Jugend  gewöhnlich  gauzrandig.  Be- 
sonders unterscheidet  sich  A.  fissum  aber  durch  die  weit  feinere 
Zertheilung  der  Spreite,  die  sehr  zahlreichen,  schmal  keiligen  und 
nach  dem  Grunde  zu  fast  stielartig  verschmälerten,  an  der  Spitze 
in   lineale  Zipfel  auslaufenden  Fiederchen  letzter  Ordnung. 

Nach  Luerssen  hält  das  mir  unbekannte  kleinasiatische  (Beg- 
dagh  bei  Malatia)  Asplenuon  Hanssknechtu  Godet  et  Reuter  die 
Mitte  zwischen  A.  Rata  nmraria  und  .f.  lepiäinn  und  gleicht  dem 
letzteren  insbesondere  auch  in  der  Segmentform.  Zum  Schluss  erübrigt 
noch,  Herrn  Dr.  von  Marchesetti  für  die  vielfache  Anregung  und 
Unterstützung,  welche  er  mir  bei  dem  erwähnten  Besuche  in  Triest 
zu  Theil  werden  Hess,  auch  an  diesei-  Stelle  den  verbindlichsten 
Dank  auszus])rechen. 

Untersuchungen    über   Pflanzen    der    österreichisch- 
ungarischen  Monarchie. 

Von  R.  V.  Wettstein  (Prao;). 
11. 

Die  Arten  der  Gattung  JDtiphrasia, 

Mit  Tafeln  und  Karten. 
^Foif  Setzung. ') 

16.  Enplirasla  ffriwllls  Fries,  Flora  Halland.  p.   104.  i»ro 


')   Veigl.  Nr.  4,  S.  132. 


170 

var.  E.  ofßcinal/s  (1818).  —  Novitiac  florae  Siiecicao  Mant.  TIT., 
p.  62  (1842).') 

Caulis  erectus  strictiis  t  e n  u  i  s ,  s  a  e  p  o  fi  1  i  f o  i'  lu  i  s ,  s  i  m  p  1  e x 
vel  in  parte  media  ramis  stricte  erectis  filiformibus  non- 
niillis  oppositis,  gl  aber  vel  pilis  brevibiis  albidis  crispulis  eglaii- 
dulosis  adspersus,  rubescens  vel  fuscescens,  3— 30  cm  altus,  foliis 
et  basalibiis  usqiie  ad  florendi  tempus  plerumqiie  persistentibus. 
Folia  infima  cuueata,  obtusa,  utrinque  dentibus  1 — 3  obtusiusculis, 
media  et  siiperiora  ovata,  acuta,  basin  veisiis  plerumque  latissima 
dentibus  utrinque  3  —  4,  acutis  sed  non  aristatis.  Bracteae  sub- 
oppositae,  latitudine  folia  caulina  superautes  sed  breviores,  basiu 
versus  latissimae,  utrinque  dentibus  3— 5  acutis  vel  (rariiis)  bre- 
viter  aristatis,  ut  folia  alia  erectae  rarius  erecto-patentes. 
Folia  omnia  parva  internodiis  conspicue  breviora,  viridia  vel  riibes- 
centia,  gl  ab  er  r  im  a,  in  speciminibus  siccatis  nitida,  non  pli- 
cata, saepe  nigricautia.  Spica  initio  condeusata  mox  valde 
elongata-,  ttores  siibsessiles.  Calyx  gl  aber,  fructifer  subinflatus,  den- 
tibus brevibus  acutis.  Corolla  circa  4— 6  mm  longa,  labio  supe- 
riore  bilobo,  lobis  integris  vel  subdenticulatis ,  labio  inferiore 
trilobo  lobis  emarginatis,  angustis,  extus  glabrescens,  albida  et 
striis  coeruleis  maculaque  lutea  in  labio  inferiore  picta  vel  labio 
siiperiore  coerulesceute  vel  tota  coerulea  vel  violacea.  Capsula  lineari- 
obovata,  matura  c  al  y  c  e  m  a  e q  u  a  n s  vel  s  u  p  e  r a n  s,  e  m  a  r  g  i  n  a  t  a, 
margine  ciliata,  caeterum  glabra. 

Synonyme:  E.  micrantha  lieicbenb.  Flor.  Germ,  excurs.  p.  358. 
(1831/82).')  —  Heimerl  in  Verb.  d.  zool.-botan.  Gesellscb.  1885. 
S.  93.  —  Kern  er,  Schedae  ad  flor.  exsicc.  A.-H.  II.  p.  117  (1882). 

E.  tenella  Kützg.  in  scbed.  et  in  Reichenb.  Flor.  Germ,  exsicc. 
Addend.  p.  862  (1830/32).') 

E.  rigidula  Jord.  Pug.  plant,  nov.  p.  134  (1852)  p.  p.') 

E.  officinalis  6.  alpestris  Nr.  4  Kocb  Synops.  flor.  Germ,  et 
Helv.  Ed.  1.  p.  545  (1837). 

E.  officinaUs  B.  steao})hylla  ß.  nücvantha,  y.  (jruciUs  und 
b.  retusa.  Reicbenb.  f.  Icon.  flor.  Germ,  et  Helv.  XX.  p.  58  (1862). 

E.  officinalis  c)  paruißora  Willk.  Fübrer  in  das  Keicb  der 
deutscbeu  "Pflanzen.  Ed.  1.  S.  425  (1863). 

E.  officinaUs  var.  b)  gracilis  Willk.  Führer  in  das  Reicb  der 
deutseben  Pflanzen.  Ed.  2.  S.  542  (1882). 

E.  officinaUs  b)  nemorosa  Celak.  Prodrom.  Flora  von  Böhm. 
S.  337  (1869)  p.  p. 

fE.  stricta  ß.  qraciUs  Oborny  Flora  von  Mähren  und  Oesterr.- 
Schles.  I.  p.  432  (1881). 

')  Ich  sah   Original-Exemplare    im    Herbarium    des    k.  k.  naturh.  Hof- 
museums in  Wien,   im  Herbarium  des  königl.  botan.  Museums  in  Berlin. 
'^)  Original-Exemplare  gesehen. 
■■')  Nach  Exemplaren,  welche  Jordan  bestimmte. 


171 

E.  nemorom  ß.  r/raeilis  Fiek   Flora  vnii  Scliles.  S.  r*,:}'.)  (ISF^l). 

E.  relusa  Tausch  in  srhod.  ) 

E.  ßraviiidua  Opiz  in  sclied.  ) 

Exsiccaten:  Magnier  Flora  sei.  exsicc.  Nr.  ßHl  bis  (als 
E.  rhiidida  Jord.).  —  Nr.  6;V2  (als  E.  majalJs  Jord.)  —  Schultz 
Herb.  norm.  Nr.  1112  (als  E.  aracili.-i)  pr.  p.,  da  vermischt  mit 
E.  curta.  —  Fries  Herb.  Norm.  II.  Nr.  3(J.  —  Kern  er  Flora 
exsicc.  Aiistro-Hung.  636  (a]s  E.  micranthrf).  —  Rei chenb.  Exsicc. 
Nr.  242  (als  E.  micrantha).  —  Wirtgen  Plaut,  sei.  Nr.  833  (als 
E.  neinorosa  var.  rigidula).  —  Baenitz  Herb.  Europ.  Nr.  :57!^8. — 
Tausch  Plant,  exsicc.  Bohem.  (als  E.  retusa).  —Wirtgen  Herb, 
plant,  sei.  flor.  Rhen.  II.  Nr.  79  (als  E.  aemorosa,  var.  ri;iidula).  — 
Gallier    Flora    Siles.    exsicc.  Nr.  72  (als  E.   nemorosa  ß.  (jracills). 

Abbildungen:  Rei  chenb.  Icon.  flor.  Germ,  et  Helv.  XX. 
t.  MDCCXXXII.  Fig.  IV,  V  und  VI.') 

Blüthezeit:  Juni  bis  September. 

Verbreitung:  Sehr  verbreitet  im  Norden  Europas,  in  Schwin- 
den, Norwegen,  Schottland,  ferner  in  Dünemark,  in  Belgien  und 
Holland,  im  nordöstlichen  Fiankreich,  im  'Deutschen  Reiche  (und 
zwar  in  Schleswig-Holstein.  Hamburg,  Hannover.  Braunschweig, 
bayer.  Pfalz,  Nord-Bayern,  Tliüringen.  Prov.  Sachsen,  Köiiigr.  Sacli- 
sen,  Brandenburg.  Sclilesien.  Pommern,  West-Preussen):  in  Russisch- 
Polen,  im  Norden  von  Oesterreich-Ungarn. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Ungarn.  Auf  sandigen,  son- 
nigen Stellen,  in  mageren  Wiesen,  auf  Haiden.  Böhmen:  Hoher 
Schneeberg  im  Erzgebirge  (Wankel;  H.  Hofm.),  Platten  im  Erz- 
gebirge (Knaf;  H.  Mus.  Pr.,  H.  U.  P.);  Karlsbad  (leg.?;  H.  U.  P.); 
Nordböhmen,  ohne  nähere  Standortsangabe  (Karl;  H.  z.  b.  G., 
H.  Rieht.,  H.  Hofm.,  H.  Hai,  H.  Mus.  Pr.);  Veltrus  im  Elbthal  (Vele- 
novsky;  H.  Veten.);  Weisswasser  (Hippelli;  H.  Mus.  Prag);  Leipa 
(relakovsky;  H.  Mus.  Pr.);  Komotau  (Knaf;  H.  Mus.  Pr.);  Nie- 
mes  (Lorinser;  H.  Ferd.);  Raudnitz  a.  E.  (Reuss;  H.  Mus.  Pr.); 
Pardubitz  (Opiz;  H.  Tem.);  Schneekoppe  am  oberen  Rande  der 
Fichtenregion,  1150  m  (Freyn;  H.  Kern.,  H.  Fr.);  Schneekoppe 
(Tausch;  H.  ü.  Pr. ');  höchste  Abhänge  des  Riesengebirges  (Tauscli; 
H.  Hofm.);  im  Mensegebirge  zwischen  Bistrai  und  Nedvezy  (Freyn; 
H.  Fr.),  bei  Dlouhai  (Freyn;  H.  Fr.),  bei  Dobruska  (Freyn; 
H.  Kern.,  H.  Mus.  Pr.,  H.  Fr.);  bei  Zavist  nächst  Prag  (Freyn; 
H.  Techn.  Z.,  H.  Mass.,  H.  Jäggi,  ausgegeben  in  der  Fl.  A.  H.);  Blatna 
(Velenovsky;  H.  Veten.). 

Niederösterreich:    Zwisclien    Gmünd    und    Schrems    (Hei- 


*)  Trotz  der  Verscliiedenheiten  halte  ich  alle  3  Figuren  für  hieher 
gehörig.  Reichenhach  hat  ehen  möglichst  verschiedene  Formen  abgebildet, 
um  die  Aul'stf'liung  seiner  p],  micrantka  damit  zu  begründen. 

^)  Original-Standort  der  E.  retusa  Tausch. 


172 

nierl;  H.  Hofiii..  H.  Hai.')  —  ?  Siebenbürgen:  Auf  Simipfwiesen 
in  der  alpinen  Region,  z.  B.  auf  dem  Bucsecs  (Schur;  H.  Hofm.)-') 

E.  gracilis  Fr.  ist  eine  sehr  auffallende  Pflanze,  die  sich  durch 
ihre  Tracht  sofort  von  fast  allen  anderen  Euphrasien  unterscheidet 
und  aus  diesena  Grunde  auch  den  meisten  früheren  Beobachtern 
schon  aufgefallen  ist.  wie  sich  aus  dem  vorstehenden,  nur  die 
wichtigsten  Synonyme  enthaltenden  Verzeichnisse  ergibt.  Der  steif 
aufrechte,  schlanke,  zarte,  oft  geradezu  fadendünne  Stengel,  die 
kleinen,  kaum  begrannten,  ganz  kahlen  Blätter,  die  kleinen  Blüthen 
bieten  die  bezeichnendsten  Merkmale.  Dabei  ist  die  Variabilität  der 
Pflanze  gering;  bei  Verletzung  der  Hauptaxe  entstehen  oft  kurze, 
reich  verzweigte,  buschige  Missbildungsformen;  ab  und  zu  tritt 
E.  gracilis  mit  ganz  violetten  Corollen  auf  (var.  primaria  Fries 
Nov.  Flor.  Suec.  Mant.  III.  p.  62). 

Infolge  der  kleinen  Blüthen  kann  E.  gracilis  nur  mit  E.  uenio- 
rosa  Pers.,  E.  coemlea  Tausch,  E.  curla  Fr.,  E.  Libuniica  m.  und 
E.  minima  Jacq.  verwechselt  werden.  Die  Unteischiede  von  E.  neino- 
rosa  wurden  bereits  bei  Besprechung  dieser  Art  augegeben.  Von 
allen  anderen  genannten  Arten  ist  E.  gracilis  —  wenn  von  allen 
übrigen  Uuteischieden  alogesehen  wird  —  leicht  an  der  vollständig 
mangelnden  Behaarung    der   Blätter    und   Kelche  zu   unterscheiden. 

17.  E.  Llbuntica  Wettstein. 

Caulis  erectus  gracilis  simplex  vel  in  parte  inferiore  ramosus, 
cca.  15  cm  altus,  fuscescens,  pilis  crispulis  reversis  brevibus  pubes- 
cens,  ramis  erectis.  simplicibus.  Folia  infima  cuneata,  obtusiuscula, 
utrinque  dentibus  1—3,  media  et  superiora  ovato-lauceolata  sub- 
opposita,  acuta,  basin  versus  angustata,  utrinque  dentibus 
a cutis  3 — 5.  Bracteae  suboppositae  foliis  caulinis  latiores  basin 
versus  latissimae,  utrin({ue  dentibus  3 — 5  acuminatis  vel  aristatis. 
Folia  omnia  in  speciminibus  siccatis  rugosa,  in  regione  marginal! 
paginae  superioris,  in  margine  et  in  nerv is  paginae  inferiores  se tu lis 
minimis  obsita  (imprimis  folia  iiiferiora).  Spica  initio  condensata. 
mox,  sed  raro  valde,  elongata,  flores  subsessiles.  Calyx  setulis  mi- 
uutis  obsitus,  fructifer  non  accretus.  Corolla  4 — 6mm  longa,  labio 
superiore  bilobo  lobis  deuticulatis,  labio  inferiore  trilobo,  lobis  emar- 
ginatis,  pallide  violacea  (ex  sicco!)  striis  coeruleis  et  macula  lutea 
in  labio  inferiore  notata.  (Capsula  cuneata  truncata,  calycem  aequans 
vel  eo  brevior,  margine  louge  ciliata,  caeterum  breviter  pilosa. 

Blüthezeit:  Juni  bis  August. 

Verbreitung:  Ich  habe  die  Pflanze  bisher  aus  Ostistrien, 
dem  croatischen  Litorale  und  aus  Nordostitalien  gesehen. 


'^)  In  Mähren  dürfte  die  Pflanze  sicher  vorkommen,  doch  sah  ich  keine 
Exemplare  von  dort.  Oborny  gibt  auch  die  E.  gracilis  a.  a.  0.  am  Radhost 
und  um  Zlabings  an. 

')  Die  Angabe  bedarf  noch  der  Bestätigung. 


173 

Vorkommen  in  Oesterreicli-Uiiuani.  Tstri  enr  Beig- 
wieseu  des  Monte  Maggiore  bei  Vela  Utzka;  1100m  (Fieyn; 
H.  Kern.,  H.  Berl.).  —  C r o a t  i  e n :  Vel lebitli :  Heig  Laginacz  bei  Ostaije 
(Pichler;  H.  Tem.,  H.  Lausanne);  Lubicko  Brdo  bei  Ostarjo  (Pi  ch- 
1er;  H.  Kern.,  H.  U.  W.) 

Die  im  Vorstehenden  beschriebene  l^iiphrasia  ha))e  ich  in 
lebenden  Exemplaren  nicht  gesehen;  ich  konnte  sie  nach  den  mir 
vorliegenden  reichlichen  Herbarexemplaren  mit  keiner  der  anderen 
Kuphrasien  identificiren  und  beschreibe  sie  daher.  Dabei  muss  es 
aber  ferneren  Beobachtern  überlassen  ])leiben,  die  Pflanze  auf  die 
Constanz  dei-  unterscheidenden  Merkmale  an  Ort  und  »Stelle  zu  prüfen. 

Was  die  Beziehungen  zu  anderen  Euphrasieu  anbelangt,  so 
steht  JE.  Lihurnica  nach  der  Gesammtheit  der  Merkmale  zweifellos 
der  E.  siricta  am  nächsten,  welche  sie  auch  —  wenigstens  zum 
Theile  —  in  dem  angegebenen  Gebiete  vertritt.  Sie  unterscheidet 
sich  von  E.  strieta  insbesondere  durch  die  stets  kleineren  Corollen. 
Das  constant  gerinueie  Ausmass  der  Corolle  bestimmte  mich  auch 
insbesondere,  diese  Form  als  von  E.  strieta  verschieden  zu  benennen 
und  zu  beschreiben.  Ich  habe  alle  mir  zur  Verfügung  stehenden 
Corollen  der  E.  Lihurnica  —  und  es  war  deren  eine  ziemliche 
Anzahl  —  gemessen  und  bei  keiner  eine  Länge  beobachtet,  die  der 
für  E.  atricia  charakteristischen  entsprochen  hätte.  —  Ausserdem 
iat  E.  Lihurnica  durch  die  geringere  Verzweigung,  durch  den  schlanken, 
oft  geradezu  an  E.  aracilis  erinnernden  Wuchs  von  E.  strieta 
verschieden. 

Die  gelinge  Grösse  der  Corolle  bringt  die  E.  Lihuridca  den 
eben  beschriebenen  kleinblüthigeii  Arten  E.  uenwrosa,  E.  yraci/is, 
E.  c%(rta  und  E.  coerulea  nahe. 

Die  beiden  erstgenannten  sind  infolge  ihrer  ganz  kahlen  Blätter 
und  Kelche  von  E.  Lihurnica  ohne  Mühe  zu  unterscheiden,  E.  coe- 
rulea ist  von  letzteier  durch  die  stumpferen  Zähne  der  Stengel- 
blätter und  durch  die  Blüthenfarbe,  E.  curta  durch  die  stärkere 
borstige  Beha;i.rung.  durch  den  stärker  verzweigten  Stengel,  durch 
die  breiteren  und  mehrzähnigen  Stengelblätter  verschieden. 

^Fortsetzung  folgt.) 


Nachtrag  zu  „Florula  insiüae  Thasos". 

Voll  J.  Bornmüller  ( WeiTiiar). 
(roitsctziiiig. ') 

Vieia  BiLhyaica  L.  buschige  Orte  bei  Limeuas. 
V.  Barhazitae  Ten.  an  schattigen  Kelshängen,  an  kräuterreichen 
Plätzen    des    Monte    Trapeza     ca.    DOO    m    s.    m.,    zusammen    mit 

')  Vergl.  Nr.  4,  S.'ite  124. 


174 

Qeraaium  macrorJiLtmi  L.,  Rannncidus  Thaslus  sp.  n.  Vesicaria 
atropiirpuraea  Griseb.,  Lamium  Bithymcmn  Beiith.  Der  Standort 
„M.  Trapeza"  für  V.  grandiflora  Scop.  (Hai.  1.  c.  p.  416)  ist  zu 
streichen. 

V.  angustifolia  Ech.  bei  Limenas. 
V.  sativa  L.  ebenda  an  steinigen  Abhängen. 
V.  cuspidata  Boiss.,  neu  für  Europa,  wurde  ausser  bei  Limenas 
auch  auf  d(mi  thracischen  Festland  von  uns  gesammelt,  so  bei  Dede- 
aghatsch  (exsicc.  no.  lOö)  und  bei  Cavala  (Macedonien)  exsicc.  no.  1087 
an  allen  drei  genannten  Plätzen  trat  sie  nur  sehr  vereinzelt 
auf.  Reife  Samen  liegen  vor,  so  dass  nur  noch  V.  lathyroides  in 
Vergleich  zu  ziehen  war,  von  welcher  sie  sich  auf  den  ersten  Blick 
durch  die  zugespitzten  Blätter  unterscheidet. 

Prunus  pseudo-armeaiaca  Heldr.  et  Sart.,  auf  dem  Hypsario- 
gebirge  (Monte  Elias),  häufiger  Baum,  zwischen  Kiefern  und  Juiii- 
perus  O.ryedrus,  800—900  m  Seehöhe.  Die  jungen  Zweige,  Blätter 
und  kurzen  Blüthenstiele  völlig  kahl;  stimmt  mit  Exemplaren 
von  Euböa,  befindlich  im  Herbar  Haussknecht,  aufs  Beste  überein 
(exsicc.  no.  518).  Leider  sind  die  Früchte  noch  in  sehr  jungem  Stadium; 
es  könnte  nur  noch  die,  freilich  nur  aus  Süditalien  (Calabrien)  be- 
kannt gewordene.  Prunus  Cocomilio  Ten.  in  Frage  gezogen  werden, 
da  Prunus  hwnticola  C.  Koch,  nach  Koch'schen  Culturexemplareu 
und  Beschreibung,  leicht  an  den  zarten  langen  ßlüthenstielen 
kenntlich  ist. 

Agrimonia  Eupatoria  L.  Oelwald  bei  Limenas. 
Punica  Granatum  L.  in  halbwildem  Zustande  bei  Potamia. 
Herniaria  cinerea  DC.  trockene  Plätze  bei  Limenas. 
Sedum    littoreum    Guss.    (teste    Haussku.)    am    Burgberg    Ix'i 
Limenas. 

*Umhüiciis  horizontalis  (Guss.)  bei  Kerasia  am  Athos. 
Caucah's  JeptapliyUa  L.  bei  Limenas. 

*Johrema  Graeca  Boiss.  Sprun.  an  den  südlichen  Abhängen  der 
Athoshalbinsel  unweit  des  Meeres  bei  Kapsokalyvia  häufig.  Die 
Pflanze  ist  seit  Grisebach  am  Athos  nicht  wieder  gefunden;  leider^ 
liegen  keine  Belegexemplare  vor,  da  wir  des  reich  eingesammelten 
Materiales  nebst  mancher  anderen  Barität  von  Athos,  wie  z.  B.  Saai- 
fruga  sancta  Ika,  auf  der  Rückreise  verlustig  wuiden. 

Physocaulus  nodosus  Tsh.  bei  Limenas,  auch  in  Wäldern  des 
Athos. 

Scandix  macrorhyncha  C.  A.  M.  (=  S.  australis  Hai.  loc.  cit. 
p.  417"  non  L.)  auf  dem  Monte  Elias;  in  typischer  Form  und  nicht 
die  bereits  aus  Bulgarien  (Velenovsky)  und  dem  Pindus  bekannt 
gewordene  var.   Tymphaea  Hausskn.  Nym.  suppl.  p.  144. 

Carum  nadtifloruni  Boiss.  in  dem  Marmorgebirge  bei  Jheologos, 
selten. 


175 

Ti'inia  fflmica  (L.)  auf  dem  Hypsariogebirge  bei  900 — 1000  m 
s.  m.  (Moute  Elias). 

*Eryngium  tricuspidatinn  L.  cfr.  Boiss.  Flor.  Or.  IT.  p.  827, 
ist  für  das  Gebiet  der  Flora  Oiientalis  verschollen  gewesen,  da  es 
seit  Sibth.  ..in  Peloponiieso"  nicht  wieder  aufgefunden  wurde.  Wir 
entdeckten  diese  Art  von  neuem  am  Kloster  Hagios  Dionysios  im 
Olymp  (Thessal.);  sie  ist  dort  sehr  selten  und  wurde  nur  in 
kümmerlichen  Exemplaren  angetroffen,  die  sicherlicb  zu  E.  tricu- 
spidatinn  L.  (Laroch.  tab.  9)  gehören  und  nicht  etwa  zu  E.  palmatuni 
Panc.  Letzteres  gehört  mit  Bestimmtheit  gleichfalls  dem  Gebiete 
der  Flora  Orientalis  an,  da  es  in  Südserbien  heimisch  und  hart  an 
der  Grenze  in  Massen  anzutreffen  ist  (1887). 

Arceiithohho)i  Oxycedri  M.  B.  auf  Juniperus  O.vycedrus  im 
Hypsariogebirge  bei  900  m  s.  m.  (Monte  Elias). 

*RuJik(  peregrina  L.  am  Athos  bei  Kerasia. 

*GaHu7n  hirtum  Kit.  sec.  Haläcsy,  häufig  auch  auf  dem  P'est- 
lande  bei  Cavala.  identisch  mit  Heldreich'schen  Exsiccaten  aus  Nord- 
Euboea  (in  monte  Telethrion  25.  Juni  1890)  vertheilt  als  G.  aureuin 
Vis.  var.  subtrifoUuin  Briq.;  die  Blüthen  sind  weiss. 

*CrucianeUa  angustifolia  L.,  resp.  C.  oxyloha  Jka.  bei  Kerasia 
am  Athos,  dort  seit  Sibthorp  nicht  wieder  gefunden;  häufig  in  Süd- 
serbien bei  Vranja  direct  an  der  (Trenze.  Cruc.  anguMifolia  Heldr. 
exs.  von  Argolis  „in  collibus  litoris  Argolici  insulae  Calauriae  (nunc 
Porös)  oppositis"    10.  October  1887    ist    typische    Cruc.  laüfolia   L. 

Valeriana  Dioscorldis  Sibth.  bei  Limenas,  sonnige,  steinige 
Abhänge. 

* Pterocephalus  Pamassi  Spr.  Spitze  des  Athos,  ca.  2000  m  s.  ra. 

Scahiosa  ochroleuca  L.  ß.  Webbiana.  (Don.  pro  spec),  felsige 
Abhänge  bei  Theologos. 

Aehillea  grandifolia  Friv.  an  kräuterreichen  Plätzen  des  Monte 
Elias. 

Filago  arvensis  L.  ß.  /apopu.s  DC.  sonnige  Orte  bei  Limenas, 
auch  im  Gebirge. 

Bellis  peremiis  L.  bei  Limenas. 

Cnicus  benedictus  L.  sandige,  trockene  Orte  bei  Potamia. 

Centaurea  cuneifolia  Sibth.  auch  auf  dem  Monte  Elias. 

Laduca  Cretica  Desf.  steinige,  sonnige  Abhänge  am  Burgberg 
bei  Limenas. 

Hleracium  bracteolütum  S.  Sm.  (vid.  Hausskn.)  in  Eichen- 
und  Kastauienwäldern  des  Hypsariogebirges  häufig,  auch  auf  dem 
Athos,  an  felsigen,  schattigen  Plätzen  zwischen  Kerasia  und  Santa 
Anna. 

//.  pannosum  Boiss.  prob.  var.  Taygeteum  Flor.  Or.  I.  869  in 
Ftdsspalten  am  Hypsariogebirge.  in  einigen  leider  sehr  jngendliclieu 
Exemplaren  gesammelt. 


176 

LeoutoJon  asperum  (W.  K.)  var.  setulostDu  Hai.  loc.  cit.  p.  372. 
auf  dem  Monte  Elias. 

Lagoser is  bifida  bei  Limenas. 

Lapsana  intermedia  M.  B.  Platanenwald  und  (lebiiscbe  zwischen 
Theologos  und  Potamia  (exsicc.  no.  599),  zusammen  mit  var.  (jlandidosa 
Freyn  und  Sint.  (in  Sint.  Iter  Orientale  exsicc.  no.  2511.)  =  L. 
glandulosa  Freyn  et  Sint.  Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1892.  p.  260! 
(cfr.  Borbäs  Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1893.  p.  59.).  L.  inter media 
nebst  Varietät  mit  drüsigen  Stengeln  und  Zweigen  besitzt  hell- 
gelbe Blüthen  und  ist  daduich  von  L.  adeaophora,  als  welche 
sie  Halacsy  bestimmte  und  loc.  cit.  anführt,  zu  unterscheiden. 
Mithin  ist  ,,L.  adenophora''  aus  der  Flora  von  Europa  wieder  zu 
streichen.  L.  iHtermedki  M.  B.  var.  (dandidosa  Freyn  et  Sint.,  identisch 
mit  der  Originalpflanze  von  Egin  am  oberen  Euphrat,  kommt 
auch  bei  Kerasia  am  Athos  (exsicc.  no.  93(i)  vor,  ferner  bei 
Limenas  auf  Thasos  (exsicc.  no.  942  b).  Der  Typus  stimmt  mit 
folgenden  Exsiccaten  aus  Kleinasien  (legi  a  1889  et  1890)  überein: 
Pordu<  avstralis:  Weingärten  bei  Amasia  no.  2494  b,  vom  Berge 
Logman  no.  2494.  Galatia:  bei  Tschorum  no.  1722.  Andere  Lap- 
saaa-kxiQM  sind  gleichfalls  sehr  variabel  bezüglich  ihrer  Drüsen- 
bekleidung, so  sammelte  ich  1886  bei  Varna  in  Bulgarien  L.  com- 
munis L.  var.  glandulosa  Freyn  (Flora  von  Südistrien  p.  363). 
welche  jedenfalls  auch  anderwärts  verbreitet  ist  und  vielfach  über- 
sehen sein  mag. 

L.  adenophora  Boiss.  mit  goldgelben  Blüthen  scheint  gleirh- 
falls  mit  kahlen  oder  drüsenlosen  Stengeln  und  Zweigen  zusammen 
mit  dem  Typus  aufzutreten,  da  die  von  Tossia  (Paphlagonien, 
Sintenis  exsicc.  no.  4334)  vertheilten  Exemplare  von  L.  adeaophora 
Boiss.  var.  eglandidosa  Freyn  et  Sint.  zum  Theile  die  dicht  drüsige 
also  typische  Form  repräsentiren. 

L.  grandiflora  M.  B.,  von  mir  in  Kleinasien  gesammelt  im 
südl.  Pontus  bei  Amasia  auf  dem  Logman  (exsicc.  no.  1860)  und 
dem  Sana-dagh  (exsicc.  no.  1150}.  ferner  in  Cappadocien  auf  dem 
Nalbanddagh  (Ak-dagh  exsicc.  no.  1151)  besitzt  goldgelbe  Blüthen 
und  ist  mehrjährig;  zu  dieser  Ait  scheint  L.  alpina  Boiss.  et  Bai. 
im  ähnlichen  Verhältniss  zu  stehen,  wie  die  obigen  Varietäten  zu 
ihren  Typus.  Velenovsky  (Flor.  Bulg.  p.  364)  sammelte  diese 
perenne  Art  an  mehreren  Plätzen  im  Balkan.  In  welchem  Ver- 
hältniss die  goldgelbe  annuelle  L.  cancellata  Borb.  (Oesterr.  botan. 
Zeitschr.  1893,  p.  69)  und  var.  adenodados  Borb.  zu  L.  adenophora 
Boiss.  und  var.  eglandulosa  Freyn  et  Sint.  stehen,  entzieht  sich  meiner 
Beurtheilung,  jedenfalls  haben  dieselben  nichts  mit  L.  intermedia 
M.  1).  und  var.  glandulosa  Freyn  et  Sint.  gemein  und  dürften  eher 
mit  L.  adenophora  Boiss.  und  Varietät  zusammenfallen. 

(Schluss  folgt.) 


177 

Die  Adventivknospen  an  den  Wedeln  von  CtjstopteriH 
hulhifevd  (L.)  Bernhardi. 

Vnn  cand.  pliil.  Franz  Matouschek  (Prag). 

Mit  Tafel  II.   -   (ScIiIuäs.') 

Bei  gelappten  Blättern  steht  der  Sachverhalt  so:  ist  die  Ein- 
I)uchtung  an  der  Spitze  des  Blattes  eine  seichte,  so  besitzt  das 
Blatt  2  Gefässbimdel;  je  eines  läuft  dann  in  einem  Lappen  aus. 
Ist  aber  die  Einbuchtung  eine  tiefere,  so  gehen  vom  untersten  Theile 
des  Sprosses,  der  ein  sich  zur  Theilung  vorbereitendes  Leitbündel 
besitzt,  in  das  älteste  Blatt  o  Aeste  ab  und  zwar  von  der  Mitte 
einer,  von  den  Seiten  je-  einer.  In  jedem  Lappen  liiuft  1  Bündel  bis 
zur  Spitze.  Das  mittlere  theilt  sich  etwa  im  ersten  Dritttheile  des 
Blattes  in  2  Zweige,  die  an  den  Seiten  der  Einbuchtung  eine 
kurze  Strecke  verlaufen  und  bald  verschwinden.  fJin  Querschnitt 
durch  die  Basis  des  Blattes  zeigt  3  Gefässbündel,  ein  höherer  4; 
ein  jeder  Lappen  enthält  nur  1  Bündel.  Das  Auftreten  von  3  Ge- 
fässbündeln  in  einem  solchen  Niederblatte  kann  man  so  erklären:, 
die  2  Lappen  sind  Fiederu:  ihre  Gefässbündel  gehen  dicht  bei  der 
Abzweigungsstelle  des  mittleren  Gefässbündels  ab.  Das  eigentliche 
Blatt  ist  in  diesem  Falle  in  der  Entwicklung  zurückgeblieben,  zeigt 
aber  durch  die  Theilung  seines  Gefässbünclels  an,  dass  ihm  auch, 
wie  einem  einfachen  Niederl)latte,  2  Bündel  zukommen.  Eine  bräun- 
lich gefärbte  Schutzscheide  von  sklerenchymatisch  verdickten  Zellen 
findet  sich  bei  jedem  Gefäs.sbündel  vor.  Spreuschuppen,  Haare  und 
Spaltöffnungen  fehlen  den  erwachsenen  Niederblättern. 

Der  geschilderte  Bau  der  Ableger  zeigt  schon,  dass  Anpassungen 
an  bestimmte  Lebenseinrichtungen  vorhanden  sind.  Durch  solche 
Anpassungen  wird  auch  eine  andere  Eigenthümlichkeit  der  Ableger 
erklärlich.  Während  nämlich  bei  allen  bis  jetzt  untersuchten  Farnen 
die  eventuell  vorhandenen  Adventivknospen  bereits  am  Mutterwedel 
Wurzeln  und  Wedel  erzeugen  und  auf  den  Erdboden  erst  dann  gelangen, 
wenn  der  Wedid  verwelkt  oder  zur  Erde  sinkt,  so  sehen  wir  hier  den  Fall, 
dass  die  Brutknospen  der  Wedel  abgeworfen  werden  und 
am  Wedel  weder  Blätter  noch  Wurzeln  bilden.  Die  Ab- 
lösung der  Knospen  erfolgt  durch  Vertrocknung  ihrer  Basis.  Da 
nun  diese  Ableger  längere  Zeit,  wie  erwähnt,  am  Boden  liegen 
bleiben,  bevor  sie  weiter  wachsen,  müssen  sie  befähigt  sein,  diese 
Zeit  zu  überdauern.  Es  wirft  sich  da  zuerst  die  Frage  auf,  ob  die 
Ableger  Kälte  ertragen.  Obwohl  von  vornherein  zu  vermuthen  ist, 
dass  sie  den  Winter  überdauern,  da  ja  der  Farn  ein  Bewohner  der 
kalten,  gemässigten  Zone  ist,  so  wurde  dennoch  ein  Experiment 
angestellt.  Vierzig  Ableger,  die  im  letzten  Herbste  abgeworfen  wurden 
und  noch  keine  Wurzeln  besassen,  wurden   in  feucht  gehaltenen  Sand 

')  Vcrgl.  Nr.  4,  S.  121. 

Uesterr.  botan.  ZBiUcliril't.  h.  Heft.   I8t'4.  14 


178 

getban,  dieser  hinter  ein  Fenster  gestellt  und  hier  während  der  Monate 
December  und  Jänner  gelassen.  Es  zeigte  sich,  dass  trotz  der  geringen 
Temperatur  (wiederholt  Minimum  15"  C.)  dieselben  entwicklungs- 
fähig blieben.  Ein  anderer  Versuch  lehrte,  dass  die  Ableger  Trocken- 
heit nicht  ertragen  können:  es  wurde  in  eine  Tasse  mit  trocken 
gehaltenem  Sande  dieselbe  Zahl  von  vorjährigen  Ablegern  gethan. 
Die  Knospen  gingen  bereits  nach  etwa  14  Tagen  ein;  die  Nieder- 
blätter schrumpften  ein  und  wurden  schwarz.  Ein  Theil  dieser 
ßulbillen  wurde  in  das  Kalthaus  auf  feuchten  Sand  gelegt;  die 
Ableger  erholten  sich  nicht,  sie  blieben  unvei'ändert.  Dieses  Ver- 
halten wird  durch  den  Bau  der  Blätter  verständlich,  da  weder  eine 
Verholzung,  noch  Verkorkung,  noch  sonstige  Schutz  bietende  Ver- 
änderung der  Zellwände  vorhanden  ist.  Es  ist  daher  unrichtig,  was 
Schkuhr  1.  c.  angibt,  dass  nämlich  nach  dem  Zusammenschrumpfen 
und  Schwarzwerden  der  Niederblätter  dieselben  beim  Anfeuchten 
ihre  frühere  Gestalt  gewinnen  und  die  grünliche  Farbe  erhalten. 

Wie  vermögen  nun  die  Ableger  eine  so  lange  Zeit  (oft  mehr 
als  ein  Jahr)  bis  zu  ihrer  Fortentwicklung  zu  überdauern?  Die  Nieder- 
blätter enthalten  Stärke  in  reichlichem  Masse;  sie  haben  dieselbe 
Function  wie  die  Cotyledonen  der  Phanerogamen.  Sie  führen  dem 
Spross  und  den  zarten  Wedeln  Nahrung  zu.  Niederblätter  von 
Bulbillen,  welche  vor  1  oder  2  Jahren  abgeworfen  wurden  und  jetzt 
einen  etwa  2  cm  langen  Spross  aufweisen,  besitzen  keine  Stärke 
mehr.  Ueberdies  enthalten  die  Zellen  der  Niederblätter  Chlorophyll, 
so  dass  sie  unter  Umständen  zu  assimiliren  vermögen. 

Mithin  erhellt  aus  den  im  Vorstehenden  mitgetheilten  Unter- 
suchungen, dass  die  auf  den  Wedeln  von  Cystopteris  Indhl- 
fera  auftretenden  Ableger  gleich werthig  sind  Sprossen, 
die  mit  Niederblättern  besetzt  sind  und  erst  nach  Ab- 
lösung vom  Mutterwedel  weiter  wachsen.  Sie  sind  von 
den  bisher  untersuchten  Ablegern  der  Farne  verschieden 
gebaut  und  stimmen  vollständig  mit  den  Bulbillen  der 
Phanerogamen  überein.  Die  Ableger  unseres  Farnes 
zeigen  Anpassungen  an  das  Ueberdauern  des  Winters 
und  an  eine  Erhaltung  des  Lebens  durch  lange  Zeit;  sie 
weisen  aber  keine  Anpassungen  an  relativ  grössere 
Trockenheit  der  umgebenden  Luft  auf. 

Die  Ableger  zeigen  demnach  vollkommene  An- 
passung au  die  klimatischen  Verhältnisse  des  Heimats- 
gebietes, und  die  Eigeuthümlichkeiten  im  Baue  werden 
durch  die  letzteren  zur  Gänze  erklärt. 


Tafelerklärung-.  Fig.  1:  Wedel.  —  Fig.  2:  Fiederblatt  mit  Bulbillen.  — 
Fig.  3  —  9:  Bulbillen.  —  Fig.  3  —  4:  häufigste  Form.  —  Fig.  5  —  6:  mit  ein- 
zelnen vergrösserten  Blättern.  —  Fig.  7:  mit  einem  gelappten  Blatte.  — 
Fig.  S:  Wurzel  treibend.—  Fig.  9:  Querschnitt.  —Fig.  10-11:  Austreibende 
Bulbillen.  —  Fig.  1.  2,  M  natürliche  Grösse,  3  —  10  etwas  vergrösscrt. 


F.Matouschek:  Cysfopferis  bulbifera 


TAF 


A  Wimmerdclincivil 

Oesterr  boran  Zeitj.chr  189'+ 


K  u  k  Hotlilh  A  tbase.  Prag 


179 


Hepaticae  aus  Tirol. 


Von    Dr.    F.    Sauter    (Innsbruck). 

(Schluss. ') 

P/rri).s<-h!.-^riii(  iriainiulare  Sc}ileich.  =  il'7a6/<^.  deßeaion'Sees.  Lieuz:  an 
Felsen  und  Steinblöcken;  var.  elongahun  Nees.  Lienz:  auf  Di- 
t-ranKWi- Polstern  in  Neualpl  bei  2500  m;  var.  hnple.vum  Nees. 
Lienz:  Rothsteinwand  in  Felskliiften  bei  2200  m;  \üx.  flaccidam 
Schleich.  Lienz:  an  Gneisfelseu  in  Pölland. 
Coleochila  Tai/lori  Hook.  (Dum.)  sub  Jüngern.  Lienz:  Kerschbaumer 
Alpe  auf  faulem  Holze  an  Quellen  1500  m,  Gsieser  Jöchl  an 
quelligen  Orten,  Steinach:  an  Quellen  der  Bergwälder. 

—  aiiomala  Hook.  (Dum.)  Lienz:  Kerschbaumer  Alpe  an  quelligen 
Orten  bei  2000  m. 

Odontoschisma    Sphagnl    Diks.    (Dum.)    =    Sphagnoecetis    coinmunis. 

Lienz:  zwischen  Rasen  von  Aulacomuium  am  Schlossberge. 
Lepidozia  reptans  L.   (Dum.)    Lienz:    auf  faulem  Holze  der  Wälder 

c.  fr.,  z.  B.  Schlossberg  mit  der  f.  tenera. 
Trichocolea  Tomentella   Ehrh.  (Dum.)  Lienz:    an  Rinden,    morschem 

Holze;  Steinach:  in  Wäldern;  var.  nodulosa  Nees.  Lienz:  Klamm- 

brückele  auf  faulem  Holze. 
Cincinmdus  Trichomanls  L.    (Dum.)  =  Calypogeia  Trichom.  Corda. 

Lienz:  auf  Lehmboden,  faulem  Holze;  Trinser  Thal  unter  Gneis- 

blöcken;   var.  Sprengelii  Mart.  Lienz:    Schlossberg,  Brenner  auf 
'Kalktuff;  f.  propagulifera  Nees.   Gschnitz,  Wälder. 
F.  re/Huida  Nees.  Lienz:  Neualpl,  Glimmerschiefer  bis  2400  m. 
Acolea    coucinnata    Lightf.    (Dum.)    =    Gi/mnumltrium    conc.  Corda. 

Lienz:    Schleinitz  an  Glimmerschieferfelsbänken  c.  fr.  2400  bis 

3000  m;    Felbertauern  2300m;    Brenner:    Hühuerspiel  in  circa 

2400  m. 

—  hrevissima  Dum.  =  Gymnomitr.  adustwn  Nees.  Lienz:  Schlei- 
nitz auf  Glimmerschiefer  von  2400 — 3000  m;  Felbertauern 
2300  m. 

Marsupella  emarginata  Ehrh.  (Dum.)  =  Sarcoscyphus  JErhartl  Cord. 
Lienz:  an  feuchten  Schieferfelsen  in  der  Pölland  c.  fr.,  Felber- 
tauern; var.  ß.  lupadica  Nees.  Pusterthal:  Gsieser  Jöchl  an 
quelligen  Stellen  bei  2200  m;  Gschnitzthal :  Laponesalpe  an 
Gräben  L^OOm. 

—  deusifolia  Nees  (Dum.)  Felbertauern  2400  m. 

—  Funckli  Nees  sub  S(frco<cyphus (Dum.)  Lienz!  Schlossberg,  Lehm- 
boden; YSiY.  ß.  byssacea  M.  efN.  Lienz:  Schlossberg  an  trockenen 
Waldstellen  Fachen  überziehend,  am  Iselraine. 

—  sphacdata  Gieseke  (Dum.)  Lienz:  Kasermandl,  Glimmerschiefer 
in  2500  m;  Brenner:  Schlüsseljoch  bei  2400  m. 

')  Veigl.  Nr.  4.  S.  12S. 


180 

Alicnlaria  Scolaris  Schrad.  (Corda).  Lienz:  Schlossberg  an  Bacli- 
steinen,  zwischen  Hüben  und  Windisch-Matrei  an  nassen  Gneis- 
felsen; Steinach:  Lapouesalpe,  Gräben;  Tharntlial:  auf  Glimmer- 
schiefer bei  2400  m. 

Sotdhhya  obovata  Nees  sub  Jungerm.  Lionz:  an  Kalk-  und  Schiefer- 
felsen. 

Blasia  pusilla  L.  (Dum.)  Lienz:  an  Gräben  bei  Nussdorf  auf  Lehm- 
boden c.  fr.;  f.  (jemmifera:  Gräben  bei  Amlach. 

Melzgeria  furcata  L.  (Nees.)  =  Ecchinomitrhim  Hueb.  Lienz:  auf 
Waldboden  sehr  verbreitet,  Lau!)  bald  ganz  kahl,  bald  schwach 
gewimpert,  üebergänge  zur  folgenden  bildend;  Steinach:  ver- 
breitet. 

—  puhescens  Schrank.  Lienz:  an  Baumstämmen  und  Felsblöcken, 
sowohl  Kalk  als  Gneis;  f.  tenera:  Kasermandl  in  Klüften  der 
Glimmerschieferfelsen  in  2500  m. 

Aneura  multifida  L.  (Dum.)  LieiV/^  und  Steinach:  auf  faulem  Holze 
der  Wälder. 

—  pinnatifida  Sw.  (Dum.)  Lienz:  auf  faulem  Holze. 

—  palmata  Hdw.  (Dum.)  Lienz:  auf  faulem  Holze  der  Wälder  im 
Kalk-  und  Schiefergebiete;  Steinach:  Waldrast  auf  morschem 
Holze;  f.  lara:  Lienz,  Schlossberg  an  nassen  Brunnröhren. 

—  pingiäs  L.  (Dum.)  Lienz:  an  nassen  Kalkfelsen  auf  Moosen, 
unter  Gneisblöckeu. 

—  epipliiflla  L.  (Corda)  ^  PeUla  Nees.  Lienz:  Schlossberg  auf 
Waldboden  c.  fr.;  au  Gräben,  auf  Aeckern;  Steinach  und  Brenner: 
auf  Lehmboden;  var.  cWs/;a  Nees:  feuchte  Felsen  in  der  Pfister; 
var.  furcigera  Hook.  Lienz:  Schlossberg. 

—  cah/cina  Tayl.  =  Pellia  calyc.  Nees.  Lienz:  an  quelligen  Orten 
und  Bachsteinen  der  Wälder  auf  Kalk,  z.  B.  Tristacher  See. 

Marchantia  polymorpha  L.    Lienz:    sehr    verbreitet;    Steinach:    sehr 

verbreitet  im  Gebiete. 
Preissia  hemisphaerica    L.    =^    Pr.  commutata  Nees.    Drauufer,    auf 

Kalkschotter  und  Felsen;  Steinach:  auf  Kalkboden. 

—  qnadrata  Scop.  Lienz:  an  von  kalksinternden  Quellen  über- 
rieselten Steinen  bei  Amlach. 

Sauteria   alpina   Bisch.    Lienz:    Kerschbaumer  Alpe    in  Höhlen   von 

Kalkfelsen,  2000  m;    Neualpl  auf  Glimmerschiefer  in  2500  m. 
Asterella  hemisphaerica  L.  =  Pehoullia  Kaddi.  Lienz:    an  feuchten 

Schieferfelsen. 
Gonocephalus    conicus    L.    =    Fegatella   Cord.    Lienz:    an    triefenden 

Gneisfelsen  am  Schlossberge  c.  fr.;  am  Lselufer. 
Grimaldia  fragrans-  Balb.  =  G.  harbifrons  Bisch.  Lienz :  am  Isel- 

raine    c.  fr.*   an    sonnigen  Wegen  und  Mauern  um  Grafendorf. 
Anthoceros  pimctatus  L.  var.  nndtißdus  L.  Lienz:  an  Waldwegen  Itei 

Oberthurn  in  1300  m. 

—  laevis  L.  Lienz:  Aecker  selten. 


181 

Riccia  ciliata  Hoffin.  Lieiiz :  au  sonnigen,  sandigen  Stellen  aiu  linken 
Iselufer  niit  Grimaldia. 

—  hifurca  Hoffm.  Lienz:  Mauern  am  Scblossberge. 

—  filaitca    L.    Lienz:    am    Iselraine    c.  fr.;    var.    major  Roth.:    auf 
Bracbäckern  um  Lienz. 

Innsbruck,  am  2.  März  1894. 


Lichenologische  Fragmente. 

Von  Dr.  F.  Arnold  (München). 

(Fortsetzung. ') 

8.  parietimis:  der  ,,Lich.  par.  L.  ex  saxis  Scbmalzbergl"  be- 
steht aus  der  gewöhnlichen  JC.  parietina  L.  und  aus  steriler  A" 
ulophylla  Wallr.,  Arn.  Jura  Nr.  110. 

Ein  anderer  Lieh,  parkt,  ist  X.  pariet.  a.  und  die  unbedeu- 
tende Unterform  chlorina  Chev.,  Arn.  Jura  Nr.  108:  nonuihil  pallidior, 
in  colorem  subvirescentem  vergeus. 

0.  ochroleucus  seu  viuralis:  vergl.  Arn.  Wulfen  1882.  p.  151, 
ist  Placodiiim  nmrale  Schreb.  planta  lignicola.  Auf  dem  Umsehlag- 
bogen  steht:  „Lieh,  muralis  an  ochroleucus".  Meines  Erachtens  wird 
durch  Wulfen's  Herbar  die  schon  von  Schaerer  Enum.  p.  66 
ausgesprochene  Ansicht  bestätigt,  dass  der  ältere  Name  der  Flechte 
muralis  Schreb.  (1771)  und  nicht  m.rieohs  Poll.  (1777)  ist. 

10.  ambiguus:  in  einer  Papierkapsel,  auf  welcher  steht:  ,,Lieh. 
pallescens  HoflF."  (der  Handschrift  nach  nicht  von  Schreb  er  ge- 
schrieben) —  „Hunc  lichenem  misit  mihi  Sehr  eher  us  dicens  hunc 
esse  Lkh.  palleseentem  Hoff."  liegen  5  sterile  Stücke  der  7.  aleurites 
Ach.,  Arn.  Jura  Nr.  5:i.  an  der  Rinde  jüngerer  Föhren.  In  der  That 
hat  denn  auch  Hoffmanu.  wie  sich  aus  den  PI.  Lieh.  t.  65,  p.  12 
ergibt,  diese  Flechte  in  seiner  p]num.  1784,  p.  '(S(\  im  Hinblick  auf 
die  dort  genannten  älteren  Autoren  Lieh,  pallescens  genannt  und 
hierauf  in  den  PI.  lieh,  die  Benennung  von  Dickson  (Lieh,  dlffusus) 
angenommen;  (vergl.  Arn.  Flora  1879.  Nr.  21  und  Nyl.  Flora  1880, 
p.  14). 

Parmeliopsis  hi/peropta  Ach.,  Arn.,  Tb.  Fries,  c.  ap.,  mit 
daneben  befindlichem  Platysma  pinastri  ist  eine  Flechte,  zu  welcher 
der  von  Frölich  geschriebene  Zettel  gehört:  „Lieh,  pallescens 
Hoff.  En.  Lieh.,  an  Linnaei.  1.  ad  truncos  abietis  Schneeberg  179:^". 
Mit  Recht  hat  hier  Wulfen,  dem  nicht  zuzumuthen  ist,  dass  er 
beide  Parmeliopsis  so  genau,  als  es  jetzt  möglich  ist,  unterschied, 
beigefügt:  nach  Frölichs  Aeus.serung  soll  dies  der  Lieh,  pallescens 
Hoff,  sein;   ob  er  nicht  pher  dem  amhitjuas  gleichkommt? 

')  Vergl.  Nr.  4.  S.   i:!!». 


1S2 

Exem})laie,  welclie  hinsiclitlich  der  Grösse  der  in  Jacq., 
Coli,  und  Hoffm.  PI.  Lieh,  (vergl.  Arn.  Wulfen  1882,  p.  161) 
abgebildeten  P.  amhigua  gleichkommen,  sind  in  Wulfen's  Herbare 
nicht  enthalten,  allein  die  ausserdem  noch  in  einem  Bogen  als  Lieh. 
rtm?>^^^/^/s  befindlichen  Exemplare  gehören  vorwiegend  zu  P.  a7nhi(^/t(aW. 

12.  physodes:  „Lieh,  physodes  ex  Belgio"  iimf asst  L  pht/sodea  a. 
und  f.  labrosa,  sowie  I.  pertusa  Schk. 

„Lieh.,  an  var.  physodisf  ist  ein  Exemplar,  bei  welchem 
L  physodes  und  /.  pertusa  nebeneinander  wachsen. 

1^.  foraminulosus  seil  perforatus  Sehr  ehe  vi.  „an  etiam  tere- 
bratus"  ist  sterile  /.  pertusa  Schk. 

14.  terehratus  ist  richtig  bestimmt:  I.  pertusa  Schk.,  steril 
und  c.  ap. 

15.  semipinnatus:  diese  Flechte  wurde  von  Wulfen  anfäng- 
lich richtig  als  physodes  erkannt;  später  wurde  der  Name  semipin- 
natus gewählt.  Es  ist  /.  phys.  vittata  Ach. 

16.  stellar is  ist  überwiegend  Parmelia  aipjolia  Ach.  Beigemengt 
sind  P.  tenella  Scop.  und  P.  pulverulerda  Schb.  Nur  zufällig  scheint 
noch  /.  encausta,  zwischen  welcher  /.  lanata  L.  eingewachsen  ist, 
hinzugekommen  zu  sein. 

In  einem  zweiten  Bogen  liegen  als  „Lieh.  steUarisf  zwei 
kleine  Exemplare:  a)  sterile  P.  caesia  Hoff,  auf  Holz  und  b)  P. 
stellaris  L.  an  Rinde. 

17.  ciliatus:  „ex  arboribus  cum  hispido,  Dill.  24  f.  72,  Acharii 
ulothrix,  an  ciliatus  Hoff"."  Hier  handelt  es  sich  um  wenige  dürftige 
Stückchen  der  P.  ohseura  Ehr.  var.  virella  Ach.;  K — . 

20.  orbiculatus  ist  gleichfalls  P.  obseura  Ehr.  var.  virella  Ach. 
und  von  ciliatus  nicht  zu  unterscheiden. 

18.  fahlunensis :  von  der  Iregger  Alpe  ist  zum  grössten  Theile 
Platysma  fahlunense  L.;  in  mehr  oder  wenigen  kleinen  Spuren  sind 
die  oft  gemeinschaftlich  mit  dieser  Flechte  vorkommenden  /.  saxatilis, 
1.  lanata,    I.  stygia^    Gyrophora  cylindrica    und  deusta  beigemengt. 

In  einer  kleinen  Papierkapsel,  welche  die  Aufschrift  trägt: 
Lieh,  fahlunensis,  befinden  sich  zwei  kleine  Stückchen  Platysma 
fahlun.   c.  ap. 

In  einem  zweiten  Bogen  mit  der  Bemerkung  auf  der  Ausseu- 
seite:  „Lieh,  stygius,  in  rupibus  granitosis"  ist  in  einer  Papierkapsel 
ein  kleines  Exemplar  der  I.  stygia  L.  enthalten:  laciniae  convexulae, 
spermogoniis  punctato-impressis. 

19.  chrysophthalmus :  in  einer  kleinen  Papierkapsel  mit  der 
Aufschrift:  „Lieh,  chrysophthalmus  Linnaei  simulque  Platysma 
laceratum  Hoff.,  Michel,  t.  36  f.  4,  Dillen,  t.  93  f.  17-'  liegt  ein 
Atom  der  Tornahenia  chrysophth.  ohne  Angabe  des  Standortes.  Es 
lässt  sich  daher  nicht  ermessen,  ob  Wulfen  diese  Flechte  bei 
Klagenfurt  gefunden  hat.  Professor  Dr.  Steiner  hat  sie  dort  nicht 
gesehen,    dagegen    Exemplare    au    Prunus    domestica-Zweigen    von 


183 

Grazigna  bei  Oörz  in  Zw.  exs.  1120  ausgogoben.  Schon  im  Briefe 
vom  4.  Juli  1804  schrieb  Wulfen  an  8 ch reber:  habe  ich  Ihnen 
doch  gemeldet,  dass  bei  uns  im  littorali  in  Populo  der  Lieh,  chrysoph- 
thalmus  ziemlich  gemein  wächst? 


VI.  Lichenes  follacel  pulmonarei  subrepentes. 


1.  Pvlmonarius, 

2.  scrobicidatus,  verru- 
cosus, 

3.  caperatus, 


4.  Acetabtilum. 

5.  quercifolius, 

6.  perlatus, 

7.  dubiuts. 


8.  glaucvs. 

9.  platyphyUus, 
10.  fallax. 

H.  perforatus. 


1.  pulmonarius :  die  Mehrzahl  der  vorhandenen  Exemplare  ist 
allerdings  Sticta  pulm.  L.,  doch  ist  zu  bemerken: 

ein  ^,Lich.  pulm.  scutellis  difformibus  nigris,  1.  in  alp.  Neuber- 
gensibus"  ist  pahnomirius  mit  vereinzeltem  Cdidium stidarum  De  Not.; 

ein  Lii-h.  p/t/m.  L.,  scrobiculatus,  aliis  verrucosus,  ex  Fraxinis 
inter  Kretschach  et  Luggam"  ist  puhnonf(rius  mit  Celidiuin  stidarum 
De  Not.; 

ein  „Lifh.  pulm.  scrobiculatus  Scop.  seu  Lieh,  verrticosus  Sco- 
polio  scrobicularis,  in  ascensu  Frohnalpe"  ist  sterile  Stida  linita 
Ach.  syn.  p.  234  (5  Stücke); 

ein  .,Lich.  verrucosus  Hudson,  Dill.  29,  114,  scrobiculatus 
Scop.,  Haller  1989,  supra   Spaa    in    Fago"    gehört   zur   Stida  pulm. 

Demgemäss  hat  Wulfen  anfänglich  die  Stida  scrohiculata 
nicht  gekannt  und  sie  erst  später  in  Jacq.  Coli.  IV,  t.  18,  richtig 
beschrieben  und  abgebildet. 

2.  scrohiculatus,  verrucosus:  Stidina  scrohiculata  ist  im  Herbar 
Wulfen  nicht  enthalten. 

3.  caperatus:  ist.   Lahr,  caperata  L. 

4.  acetahulum:  ist  Iinhr.  acetabuhan,  die  wenigen  Exemplare 
sind  jedoch  dürftiger,  als  die  in  Jacq.  Coli.  ITT,  t.  9,  abgebildete 
Flechte. 

5.  quercifolius  aliis  Tiliarius,  ist  die  normale  Imhr.  tiUacea 
Hoff",  iquercina  Willd.).   Thallus  glaher. 

0.  perlatus:  obgleich  die  Flechte  in  5  Bogen  enthalten  ist,  so 
fehlt  doch  wie  bei  den  vorigen  3  Arten  die  Angabe  eines  Stand- 
ortes. Lieh,  perlatus  im  Sinne  Wulfen's  ist  der  Hauptsache  nach 
Imhr.  olivetoruin  Ach.,  da  die  grösseren,  der  Abbildung  in  Jac([. 
Coli.  IV.  t.  10  entsprechenden  Exemplare  des  Herbars  die  Reaction: 
med.  C.  rubesc.  zeigen :  Thallus  albidopunctatus.  Hiezu  gehört  auch 
eine  „var.  ßaveseens''  (med.  C.  t). 

In  einem  Bogen  befindet  sich  neben  Lahr.  oUvetorum  ein 
Exemplar  der  Fmhr.  perforata  (Jacq.)  Nyl .  Arn.:  Thallus  tenuissime 
rimulosu.s,  margine  parum  ciliatus,  med.  K.  demum  rubesc. 

Bei  einem  Exemplare  der  /.  oUvetorum  sind  die  Thalluslappen 
mit  zerstreuton  weissen  Soredien  versehen. 


184 

Im  Fascikel  der  Licheiies  fmticiilosi  befindet  sicli  ein  „Lieh, 
cladophüus  mihi,  X\gov.'\  yvozu.  Wulfen  bemerkte :  „a  li'roelichio,  Lieh, 
cladophilus  Froehlicbii."  Diese  Flechte  ist  nicht  etwa  eine  neue 
Art,  sondern  sterile  kleiulappii^e  Imhr.  perlata  L.  (K.  flavesc,  med. 
C.  — ,  hyph.  non  amyloid.),  zwischen  welcher  spärliche  [iuhr.  physodes 
f.  lahrosa  Ach.  eingewachsen  ist. 

7.  dubius:  fehlt  im  Herbare  (vergl.  Arn.,  Wulfen  1882,  p.  165). 

8.  glaucus:  ist  Platysma  glaucum;  vergl.  Arn.,  Wulfen  p.  165, 
Arn.  Tirol  XXII.  p.  86.  Ein  Exemplar  von  der  Kübeggeralpe  ist 
zum  Theile  die  f.  coralloidea  Wallr.,  beigemengt  sind  Üsnea  bar- 
bafa  und  Jmbr.  physodes.  Bei  den  übrigen  Exemplaren  ist  kein  Stand- 
ort genannt. 

Der  Lieh,  glaucus  von  Brax  (vergl.  Arn.  Tirol  XXII.  p.  85, 
86)  ist  im  Herbare  noch  vorhanden. 

9.  platyphyllits:  ein  „Lieh,  platyph.,  Dill.  t.  20,  f.  43"  ist 
Imbr.  perlata  L.  (med.  C.  — )  und  Imbr.  revoluta  Fl.  (thallus  C. 
rubesc); 

ein  Lieh,  platyphyllus  prope  Spaa"  ist  aus  Imbr.  perlata  L. 
und  Lnbr.  saxatilis  L.  zusammengesetzt. 

10.  fallax:  Platysma  fallax  Web.,  von  Wulfen  gesammelt, 
ist  im  Herbare  nicht  vorhanden. 

a)  zu  einem  „Lieh,  bieolor  Ehrh."  (scripsit  Schrader)  bemerkt 
W.:  „Lieh,  fallae  seu  glauei  var.,  NB.  a  clariss.  Schrader  milii  missus 
sub  nomine  Lieh,  bieoloris  Ehrharti".  Hier  handelt  es  sich  um  eine 
Verwechslung.  Schrader  schickte  einen  Ast  der  Aleet.  bieolor, 
welchen  Wulfen  nicht  beachtete;  die  dabei  befindliche  Laubflechte 
aber  ist  ein  Atom  der  Imbr.  perlata  L.  (med.  C.  — ,  hyph.  non 
amyloid.). 

b)  ein  Exemplar,  muthmasslich  von  Sehr  eher,  „Lieh,  falfa.r 
Web.,  Fichtelgeb.",  wozu  Wulfen  bemerkte:  Lieh,  falla.r  Weberi, 
proximus,  nisi  idem  cum  glauco-,  Scopolii  cylindricus"  ist  steriles  P/ai. 
fallax  Web.,  welchem  vielleicht  nur  zufällig  ein  kleines  steriles 
Exemplar  von  Platysma  ehlorophyllum  Humb.  beigesellt  ist. 

(Scliluss  folgt.) 

Litteratur-Uebersicht. ') 

März  1894. 
Beck  G.  K.  v.  Mannagetta.    Die    Schneeglöckchen.    Eine   mono- 
graphische Skizze  der  Gattung  Galanthus.  (Wiener  illustr.  Garten - 
Zeitung  XIX.  2.  Heft.)  8".  14  S.  2  Abb. 

')  Die  „Litteratur-Uebersicht"  strebt  Vollständigkeit  nur  mit 
Rücksicht  auf  jene  Abhandlungen  an,  die  entweder  in  Oesterreich-Ungarn 
erscheinen  oder  sich  auf  die  Flora  dieses  Gebietes  direct  oder  indirect  be- 
ziehen, ferner  auf  selbstständige  Werke  des  Auslandes.  Zur  Erzielung 
thunlichster  Vollständigkeit  werden  die  Herren  Autoren  und  Verleger  um 
Einsendung  von  neu  erschienenen  Arbeiten  oder  wenigstens  um  eine  Anzeige 
über  solche  höflichst  ersucht.  Die  Red. 


185 

Verf.  iiiitcisclieidc't:  A.  Nivales  :  i.  G.  nivalis  L.  hielicr:  fv.  Eurn- 
paeus  Beck,  ß.  major  Ten.,  7.  C'aucajficit."  Beck.  f).  Redoutei  Rupr.  — 
l.G.  Graeeu!?  Oiph.  {=  G.ijracilis  (Jel.  ^  (^.  Jiidgaricus  Vclcn.)  —  3.  G. 
Elwesü  Hook.,  hieher:  typicus,  ß.  ma.ämus  Velen.,  7.  refleocus  Herb.  — 
4.  G.  latifolius  Rupr.,  liielier  a.  typicus,  ß.  Alleni  Buk..  7.  Fosteri  Bak.  — 
B.  Plicati :  5.  G.  plicatus  M.  B.,  hieher:  «.  gcnuivuf,  ß.  Byzantinufi  Bak. 
—  6.  G.  Valentivei  G.  Beck  {vivaloX  plicatus).  —  T.  ö.  hyhridut^  Allen. 
( Elwesii  X  plicatus). 

Eingehende  Behandlung  erfaliren  die  zahlreichen  in  Gärten  cultivirten 
Formen. 

Hanausek  T.  F.  Thermogene  Bacterieu  als  Erzeuger  der  Selbst- 
erhitziing.  (Zeitschr.  f.  Nahrungsmittel-Untersuchung  1894.  Nr.  2. 
p.   15—16.)  8". 

Höfer  F.  Nachträge  zu  den  Dialectnamen  der  in  Niederösterreich 
vorkommenden  Pflanzen.  Wien  (Matzner).  8".  4  S.  0-20  M. 

Istvanffi  G.  Adatok  Romänia  Alga  flörajahoz.  Beiträge  zur 
Kenntniss  der  Algenflora  Rumäniens.  (Termeszetrajzi  füzetek  XVI. 
p.  144  —  199.)  8°. 

Kcruer  A.  R.  v.  Marilaun.  Deutsche  Naturforscber-Versauimlungeu 
in  Wien.  (N.  Fr.  Presse,  1894,  9.  und  10.  Miirz.) 

Klein  J.  Der  Bau  der  Cruciferenblüthe  auf  anatomischer  Gilrund- 
lage.  (Berichte  der  deutsch,  bot.  Ges.  XII.  Heft  1.)  8".  1   Tai". 

Verf.  untersuchte  die  Cruciferenblüthe  anatomisch,  insbesondere  in 
Bezug  auf  Znhl  und  Verlauf  der  Gefässbündel  und  kommt  zu  folgendem 
morphologischen  Schluss:  Die  Blüthe  besteht  aus  2  äusseren,  2  inneren 
medianen  Kelchblättern,  4  diagonal  gestellten  Blumenblättern,  2  äusseren 
transversal  gestellten,  4  inneren  diagonalen  Staubblättern,  2  trans- 
versalen und  2  medianen  Carpellen.  Es  finden  sich  also  lauter 
4  gliedrige  Kreise  mit  Ausnahme  des  äusseren  Staminalkreisos.  Bezüglich 
des  Gynaeceums  kommt  also  der  Verf.  auf  die  Lindley  -  Kunth'schc 
Deutung  zurück. 

Preissmaun  E.  Uebor  einige  für  Steiermark  neue  oder  seltene 
Pflanzen.  (Mitth.  d.  naturw.  Ver.  f.  Steierm.  Jahrg.  189;}.)  8".  7  S. 

Raciborski  M.  Cycadeoidea  Niedzwiedzkii  nov.  sp.  Krakau 
(Akademie).  8".  10  p.  2  Taf. 

Ivothpletz  A.  üeber  eine  ausgestorbene  Flora  des  Innthales.  (Bot. 
Centralbl.  XV.  S.  ;i76— 378.)  8". 

Wiederholung  des  vnm  Verf.  in  einem  jüngst  erschienenen  geologischen 
Werke  („Ein  geologischer  Querschnitt  d.d.  Ostalpen")  gegen  das  diluviale 
Alter  der  Höttinger  Breccie  Vorgebrachten.  Versuch,  die  durch  Wettstein 
vorgenommene  Bestimmung  der  fossilen  Pflanzen  in  Zweifel  zu  ziehen. 
Eine  Erwiderung  des  letzteren  wird  eine  der  nächsten  Nummern  des  Bot. 
Centralbl.  bringen. 


186 

Schubert  G.  Der  Park  von  Abbazia,  seine  Bäume  und  Gesträudie. 
Mit  einer  Schilderung  der  Vegetation  der  Umgebung  von  Abbazia 
von  G.  E.  V.  Beck.  Wien  (Hartleben).  8".  125  S.  16  Abb.  2  M. 


Aloi  A.  Influenza  dell' uraiditä  del  suolo  sulla  traspirazione  delle 
piante  terrestri.  (Atti  dell'Acad.  Givenia  di  Sc.  Nat.  Catania  VII. 
Serie  4.)  8".  18  S. 

Arnold  F.  Lichenes  exsiccati  1859—1893.  Nr.  1—1600.  München 
(Höfling),  Gr.  8^  56  S. 

Verf.  publicirt  hiemit  ein  Gesammtverzeichniss  über  das  von  ihm  seit 
l.SbO  herausgegebene  schöne  Exsiccatenwerk.  Dasselbe  wird  die  Benützung 
dieses  Werkes  ungemein  erleichtern,  umso  mehr,  als  das  Register  in  viel- 
seitiger und  zweckentsprechender  Weise  angelegt  ist;  es  gliedert  sich  in: 
1.  ein  Verzeichniss  der  Arten  nach  deren  fortlaufenden  Nummern,  2.  ein 
systematisches  Verzeichniss,  3.  in  ein  Verzeichniss  der  Sammler,  4.  in  ein 
solches  der  Fundorte,  5.  in  eines  der  Substrate,  soferne  sie  dem  Pflanzen- 
reiche entstammen. 

Bechhold's  Handlexikon  der  Naturwissenschaften  und  Medizin. 
Bearbeitet  von  Seh  auf,  Pul  vermach  er,  Mehl  er,  Löwen- 
thal, Eckstein,    Bechhold    und  Arends.    Frankfurt    a.  M. 

(H.  Bechhold).  8".  1127  S. 

Das  Buch  ist  für  das  grosse  Publicum  bestimmt  und  briugt  in  lexiko- 
graphischer Anordnung  kurze  Eiläuterungen  der  naturwissenschaftlichen 
und  medicinischen  Fachausdrücke.  Dass  dabei  auf  systematische  Begriffe 
(Pflanzennamen)  weniger  Rücksicht  genommen  wurde,  ist  verständlich,  es 
finden  sich  diesbezüglich  die  wichtigeren  Namen  mit  Worterklärung,  An- 
gabe der  Familienzugi.'liörigkeit,  der  Verbreitung  und  eventuellen  Ver- 
wendung. Sonst  enthält  das  Buch  terminologische  Begrifi'e  mit  Erläute- 
rungen, Namensabkürzungen  hervorragender  Botaniker,  Erklärung  physio- 
logischer und  biologischer  Begriffe,  Angaben  über  Pflanzenproducte  etc. 
Sofern  es  sich  bloss  um  eine  erste  Orientirung  handelt,  wird  das  Buch 
gewiss  von  Nutzen  sein. 

ßehla  R.  Die  Abstammungslehre  und  die  Errichtung  eines  Institutes 
für  Transformismus.  Ein  neuer  experimenteller  phylogenetischer 
Forschungsweg.  Kiel  (Lipsius  und  Fischer),  8".  67,  S.  2  M. 

Briquet  J.  Questions  de  Nomenclature.  (Bullet,  d.  l'herb, 
Boissier  II,  Nr.  2.  p.  49—88.)  8'. 

Inhalt:  Nomina  nuda  et  seminuda.  —  Point  de  d^part  de  la  nomen- 
clature g^n^rique.  —  Les  „genres"  de  Rumphius  sont-ils  valables?  — 
Doit  on  refuser  ou  admettre  les  genres  de  Patrick  Browne?  —  Once  a 
synonym,  always  a  synonym.  —  Des  noms  mort-nes.  —  Du  rOle  des 
documents  prelinnöeus  dans  la  nomenclature  actuelle.  —  De  la  nomen- 
clature des  subdivisions  d'espece. 

Briquet  J.  Fragmenta  monographiae  Labiatarum  (1.  c.  p.  119  bis 
141)  8". 

Busei'  11.     Sur    les  Akhiniilles  subtiivales,    leur  ressemblance  avec 


187 

VA.  (iliilirir  ci  leiirs  itarallolisincs  avec  les  especos  des  rcgioiis 
inferieures.  (Bull.  d.  1' Herb.  Boissier  U.  Nr.  2.  p.  94  —  118.) 

Neu  beschrieben  werden:     Alchimüla   semirecta  Bus.  Savoyen,  Schweiz. 

—  A.  demissa  Bus.  Savoyen,  Schweiz.    —   A.  fi/tsimima  Bus.    St.  Bernard. 

—  A.  longiuscula  Bus.  St.  Bcrnanl.   —   A.  sinuata  Bus.  Savoyen,  Schweiz. 

—  ^4.  acutideiis  Bus.  Pit-mont.  Savciyen,  Schweiz,  Alg'äu,  Tirol  (Ritten, 
Seiscraliie,  Flora  .^iistr.-Hung.  no.  817),  Salzburg  (Fuscli),  Kärnthcn 
(Heiligenblut),  Schweden.  —  A.  connivens  Bus.  Pieniont,  Savoyen.  Schweiz. 
Algäu,  Tirol  (Rofanspitze,  Schleierberg  bei  Gnssensass,  Ritten,  Bozen, 
M.  Baldo),  Venetiun.  —  A.  versipila  Bus.  Pieninnt,  Savoyen,  Tirol  (Nauders, 
Geisbleisenkopf). 

Engl  er  A.  Die  natürlicbcn  Pflaii/eiifamilien.  Leipzig  (W.  Eiigel- 
luami),  8".  pr.  Lief.  1-50  M. 

Lieferung  100:  3  Bogen  Text,  144  Einzelbilder. 

Solms  H.  Graf  zu:    Cnncaceae  (Schluss). 

Gilg  E.:  Loasdceae. 

Warburg  0.:   Jiegoniaceae. 
Lieferung  Uli  und   102:  6  Bogen  Text.  111  Einzelbilder. 

Taubert  P.:   Papilionaceae  (Forts.). 

Eriksou  J.  und  Henning  K  Die  Hauptresultate  einer  neuen 
Untersuchung  über  die  Getreideroste.  (Zeitschr.  f.  Pflanzenkrankli. 
IV.  Bd.  2  Heft.)  8".  8  S. 

Bringt  die  Resultate  von  Untersuchungen  über  Keimfähigkeit  und 
Keimdauer  verschiedener  Sporen,  über  Bau  und  Grösse  der  Sporen,  von 
Infectionsversuchen,  die  von  allgemeinerem  Interesse  sind.  Die  Verf.  unter- 
scheiden folgende  Formen,  die  unter  dem  Namen  „Puccinia  gramhiix"  zu- 
sammengefasst  werden:  l.  f.  Seealis  auf  Seeale,  Hnrdeum  und  Tritirum 
reperiK,  2.  f.  Avenae  auf  Avena  satiua,  3.  f.  Tritici  auf  T.  vulgare,  4.  f. 
Airae  auf  Aira  caespitosa,  5.  f.  Poae  auf  P.  compressa. 

Focke  W.  0.  Eine  Birne  mit  zweierlei  Blättern.  (Schriften  des 
Naturw.  Ver.  Bremen  1894.)  6  S.  1  Abb. 

Frank  B.  und  Tschirch  A.  Wandtafeln  für  den  Unterricht  in 
der  Pflanzenphysiologie  an  landwirthschaftlichen  und  verwandten 
Lehranstalten.  Abth.  VI.  10  Tafeln  und  Text.  Berlin  (P.  Parey). 
80  M. 

(jiillot  X.  Variations  paralleles  a  fleurs  rouges  des  especes  du 
genre  Galiun,.  (Bull.  soc.  bot.  d.  Fr.  IIl  8er.  Tom.  1.  p.  28— 30.)  8". 

Verf.  nimmt  IVdgende  Grupiärung  der  in  Betracht  kommenden  Oalinm- 
Arten  vor. 


A.  Art. 
Galhoii  cinercuni  All. 
G.  Älnri.vi  Spreng. 
G.  tiiyriantlium  Jurd. 
G.  silvcstre  Poll. 
G.  uliginosiim  L. 


B.  Rothblütliige  Parallelfonii. 
G.venustiun  .U>rd..  G.  ro-teoluitil'.  Mab. 
G.  eorsicum  S])reng. 
G.  Prosta  Jord. 
G.  sabaudum  Gill. 
G.  rubrifolium  C.  A.  T. 


K'amienski     F.     Neue    und    unbeschriebene    Arten    der    Gattung 
Utricularid.  (Berichte  der  deutsch,  bot.  Ges.  XII.  Heft  1.)  8".  7  S. 

U.    ."fellaris    L.      var.      dilatata     F.      K.    Madagaskar,     Ostafrika.     — 
U.    (Jliveri  F.    K.   Afrika.  —  (J.    Oliveri  var.  fimbriata  F.   K.   Westafrika.    — 


188 

U.  Oliveri  var.  Srhireinfurthn  Weisser  Nil.  —  U.  MueUen  F.  K.  Au- 
stralien. —  U.  inflexa  Forsk.  var.  tenmfoUa  F.  K.  Madagaskar.  — 
U.  inflexa  var.  remota  F.  K.  Sansibar.  —   Ü.    Warminyi  F.  K.  Brasilien. 

Kränzlin  F.  Beiträge  zu  einer  Orchideeuflora  der  asiatischen  Inseln. 
(Engler's  bot.  Jahrb.  XVIL  Bd.  5.  Heft.)  8'\  7  S. 

Macfarlone  J.  M.  Observations  on  Pitchered  Insectivorous  Plants. 
IL  (Ann.  of  Bot.  VII.  Nr.  28.)  8".  53  p.  3  Taf. 

Magnus  P.  lieber  den  Zusammenhang  der  Entwickelung  einiger 
Kostpilze  mit  klimatischen  Verhältnissen  des  Standortes.  (Naturw. 
Eundschau  IX.  Nr.  11.)  81  5  Sp. 

Moll  J.  W.,  Fi  et  A.  et  Pijp  W.  Kapport  sur  quelques  cultures 
de  Papaveracees,  faites  dans  le  Jardin  botanique  de  V  üniversite 
de  Groningue.  1892  et  1893.  Bois-le-Duc  (Robijns  et  Co.). 
8°.  22  p. 

Murbeck  Sv.  Neue  oder  wenig  bekannte  Hybriden  in  dem  bota- 
nischen Garten  Bergielund.  (Hortus  Bergianus.)  (Acta  horti  Berg. 
Bd.  2.  Nr.  5.)  Gr.  8".  21  S.  1   col.  Taf. 

Eingehende  Beschreibung  und  Untersuchung  folgender  H[3briden:  «S'c^e- 
ranthus  anvuu<  X  perennis  (Sei-  biennis  Fr.).  Vom  Verfasser  u.  a.  auch 
gesehen  von  Franzensbad,  Böhmen.  —  I}ianthus  plumariusX.  SeLJuieri.  — 
Pafaver  alpmum  X  vudicaule.  —  Sacifraga  Aizoon  X  Cotyledon  {S.  Gau- 
dmi  Brügg.).  —  Epilobium  adnatumX  novo-mexicavum  —  E.  coUinumX 
novo-niexicanum.  —  Geum  pallidum  X  lirbarinm.  —  Digitalis  laeviuataX 
lanata.   —    Lina,ria   Peloponnesiaca  X  repens. 

Pax  F.  Prantl's  Lehrbuch  der  Botanik.  9.  Aufl.  Leipzig  (Engel- 
mann). 8".  365  S.  geb.  5-30  M. 

Prantl's  Lehrbuch  erfreut  sich  Dank  seiner  Vorzüge  so  grosser  Ver- 
breitung, dass  es  schade  gewesen  wäre,  wenn  eine  Neuauflage  in  Folge 
des  so  frühen  Todes  des  Verfassers  unterblieben  wäre.  Prof.  Pax  hat  sich 
nicht  nur  durch  Veranstaltung  dieser  neuen  Auflage  ein  Verdienst  erworben, 
sondern  insbesondere,  auch  dadurch,  dass  er  das  Buch  in  mehrfacher  Hin- 
sicht wesentlich  verbesserte.  Diesbezüglich  sei  insbesondere  die  Bereicherung 
mit  schönen  Abbildungen  (grösstentheils  aus  den  „Natürlichen  Pflanzenfarai- 
lien"),  die  Umarbeitung  des  anatomischen  Theiles  mit  grösserer  Rücksicht- 
nahme auf  die  Physiologie,  die  Einschaltung  eines  Capitels  über  Entwicklung 
der  Anthere  und  des  Embryosackes  der  Angiospermen,  die  Anpassung  der 
Systematik  an  Engler's  Syllabus,  die  Beaclitung  der  Bref eld'schen 
Forschungen  hervorgehoben.  —  Vielleicht  könnten  bei  einer  weitereu  Auf- 
lage noch  einige  Abbildungen  durch  bessere  ersetzt  werden,  so  Fig.  204 
(Taxus),  Fig.   139   (Phiitophthora),  Fig.  294  (Capparis). 

Pirotta  K.  Sullo  sviluppo  del  Cladosporiutn  herbarum.  (Ann.  d.  R 
Istituto  Bot.  di  Koma.  Vol.  V.  Fase.  3.)  4".  2  p. 

—  —  Sopra  due  forme  dell'  Isoetes  echinospora  (Bull,  della  Soc. 
Ital.  1893.)  8".  2  p. 

Poirault  G.  Kecherches  anatomi(iues  sur  les  Cryptogames  vas- 
culaires.  (Ann.  sc.  iiat.  Botanique.  VU.  Sei'.  XVIIl.  Tom.  Nr.  3  et  4.) 
8".   143  p.  43  Fig. 


189 

Saint-Liifror  Kem.'irques  sur  (|uelqiies  noms  de  plantes.  (Journ. 
d.  B..t.   1804.  Nr.  4.  p.  m—S4.)  8". 

Verfasser  koiumt  auf  einige  von  ihm  schon  einmal  gerügte  Pleonasmen 
der  botanischen  Komenclatur  zurück  und  schlägt  deren  Beseitigung  vor. 
Für  Psamma  arenaria,  Sagittaria  sagittlfnlia,  Vitex  Aynits  castus,  Nepeta 
nepetella  fiiidet  er  ältere  Namen  in  Psamma  litoralis  B.  P.  Sagittaria 
aquafica  Lam.,  V.  verticiUitaljSm.,  Nepeta  parvißora ;  für  Ntettia  nidus  avis 
schlägt  er  N.  orobanchoidea  S.  L.,  für  Helodes  paluftre  H.  glandulosum  S.  L. 
vor.  Dem  Referenten  erscheinen  dit-se  Fälle  als  solche,  in  denen  berechtigte 
Nomenclatiirbestrebungen  durch  Spielereien  conipromittirt  werden.  Es  ist 
nach  seiner  Ueberzeugung  ganz  gleichgiltig,  ob  Genus-  und  Speciesnanien 
dasselbe  bedeuten  oder  nicht,  wenn  ihre  Verbindung  nur  eine  Pflanze 
unzv?eideutig  bezeichnet.  Ebenso  unzutreffend  findet  Fieferent  die  Bemängelung 
des  Namens  Cypripedi/um  Mariaiuis,  weil  dadurch  angeblicli  mythrTlogische 
und  christliche  Begriffe  verbunden  werden! 

Sertorius  A.  Beiträge  zur  Kenntuiss  der  Aiiatouiie  der  Coniaceae, 
(Bull.  d.  riierb.  Boiss.  Vol.  I.)  8".  78  S. 

Schulz  A.  Grundzüge  einer  Entwicklungsgeschichte  der  Pflanzen- 
welt Mitteleuropas  seit  dem  Ausgange  der  Tertiärzeit.  Jena 
(G.  Fischer).  8^  20G  S. 

Eine  bemerkenswerthe,  von  eingehendem  Studium  der  einschlägigen 
Fragen  zeugende,  gedankenreiche   pfianzengeographische   Studie,  die  sich  in 

3  Theile  theilt.  Der  erste  gibt  einen  Ueberi)lick  über  die  Schicksale  der 
europäischen  Flora  seit  der  Tertiärzeit  mit  Zugrundelegung  der  Ansichten 
jener  Glacialgeologen,  welche  in  diesem  Zeiträume  4  Eiszeiten  und  dem- 
entsprechend 3  Interglacialzeiten  unterscheiden.  Der  Abschnitt  führt  zudem 
Ergebnisse,  dass  die  zerstückten  Verl)reitungsareale  vieler  der  heute  lebenden 
Pflanzen  auf  ungleiches  Aussterben  während  der  grossen  klimatischen  Ver- 
änderungen des  jüngsten  Abschnittes  der  Erdgeschichte  zurückzuführen  sind. 
Diesbezüglich  bringt  der  Verfasser  ein  reiches  specielles  Materiale.  Der 
2.  Abschnitt  behandelt  in  eingehender  Weise  die  Ausbreitung  der  Thermu- 
phyten  in  Mitteleuropa  seit  dem  Ausgange  der  4.  Eiszeit.  Aus  den  beiden 
ersten  Theilen  ergeben  sich  die  Ursachen  der  verschiedenen  Zusammensetzung 
der  mitteleuropaischen  Flora,  die  Verfasser  im  3.  Theile  zur  Unter- 
scheidung von  Florenbezirken  verwendet.  Es  folgen  68  Seiten  Anmerkungen, 
die  Belege  zu  den  Angaben  des  Verfassers,  Litteraturnachweise  und  kritische 
Notizen  enthalten. 

Unter  Betonung  des  Eingangs  gefällten  Gesammturtheiles  kann  Referent 
doch  nicht  umhin,  an  Manchem  in  dem  Buche  Anstoss  zu  nehmen.  Er  will 
diesbezüglich  nur  andeuten,  dass  das  Buch  für  viele  mit  allen  Details  nicht 
Vertraute  in  manchen  Theilen  schwer  verständlich  sein  wird  infolge  der 
ungemein  kurzen  Darlegung  relativ  complicirter  Verhältnisse  und  der  eigen- 
thürnlichen,  durch  zahllose  Zwischensätze  charakterisirten  Schreibweise  des 
Verfassers.  Referent  kann  sich  nicht  befreunden  mit  der  grossen  Sicherheit, 
mit  der  im  1.  Theile  Resultate  der  Glacialgeologie  benützt  werden,  die  heute 
mit  solcher  Sicherheit  noch  unmöglich  ausgesprochen  werden  können.  Wer 
auch  nur  die  wichtigste  diesbezügliche,  geologische  Litteratur  kennt,  der 
muss  doch  zugeben,  dass  man  heute  unmöglich  mit  solcher  Sicherheit  von 

4  posttertiären,  mitteleuropäischen  p]iszeiten,  ihrer  Ausdehnung  undConsequenz 
für  die  Pflanzenwelt,  von  der  Beschaffenheit  der  diversen  Interglacialzeiten 
sprechen  kann.  Verfasser  hat  gewiss  ein  Recht  diese  Dinge  hy  poth  etisch 
mit  Sicherheit  zu  behaupten,  dann  darf  er  aber,  so  lange  die  Behauptungen 
zum  grössten  Theile  Hypothesen  bleiben,  nicht  Auffassungen  anderer  Autoren, 
die  ihm  nicht  passen,  einfach  als  unberechtigt  erklären.  Der  stark  polemische 


100 

Ton  des  Buches  steht  üljeihaupt  in  einem  eigenthüinliclien  Gegensatze  zu 
dem  hypothetischen  Charakter  vieler  Angaben  desselben. 

Etwas  zu  dürftig  erscheint  dem  Referenten  die  Eintheilung  der  Floren- 
bezirke begründet.  Hier  war  Verfasser  auch  in  Bezug  auf  Namengebung  nicht 
glücklich,  Namen  wie:  „Mittel  — Rhein— Unter  — Mosel— Lahn  — Unterbezirk* 
(S.  133),  „Ober  — Rhein— Main  — ünterbezirk"  können  sich  doch  unmöglich 
einbürgern. 

Persönlich  möchte  Referent  hier  kurz  zu  der  Behandlung  Stellung 
nehmen,  die  seine,  die  Höttinger  Breccie  betreffenden,  Untersuchungen  durch 
den  Verfasser  erfahren. 

Er  verlegt  diese  Ablagerung  in  seine  erste  Interglacialzeit  und  sagt 
(S.  160).  die  Behauptung  des  Referenten,  „dass  das  heutige  Vorkommen  der 
Mehrzahl  der  fossilen  Arten  in  der  Nähe  der  Breccie  auf  ein  postglaciales 
Alter  derselben,  oder,  falls  ihre  Ablagerung  wirklich  interglacial  sei, 
wenigstens  darauf  schlicssen  lasse,  dass  die  auf  ihre  Ablagerung  folgende 
Eiszeit  keine  auch  nur  annähernd  so  weitgehende  klimatische  Aenderung 
wie  die  erste  Eiszeit  bewirkte",  sei  durchaus  unbegründet.  Wie  beweist  dies 
Verfasser?  Er  behauptet,  das  heutige  Vorkommen  der  in  der  Breccie  nach- 
gewiesenen Arten  in  der  Nähe  derselben  sei  nichts  Merkwürdiges,  da  die 
Mehrzahl  der  Arten  überhaupt  weit  verbreitet  sei.  Die  gegen  seine  Ansicht 
entschieden  sprechenden  Gründe,  die  sich  aus  dem  Vorkommen  zweier  in  den 
Alpen  nur  an  sehr  beschränkten  Standorten,  und  zwar  gerade  nächst  der 
Breccie  lindenden  Arten,  der  Potentilla  micrantJia  und  der  Adenostyles 
crassifolia  '),  ergeben,  werden  einfach  dadurch  aus  dem  Wege  geräumt,  dass 
die  Existenz  als  selbstständige  Form  bei  der  einen  Art  einfach  geleugnet 
wird,  dass  von  der  anderen  kühn  behauptet  wird,  dass  sie  in  allen  3  Inter- 
glacialzeiten  im  Alpengebiete  weit  verbreitet  war!  Wenn  man  so  mit 
pflanzengeographischen  Daten  umgeht,  dann  kann  man  freilich  Alles  beweisen 
oder  leugnen.  —  Auf  derselben  Seite  wird  vom  Verfasser  behauptet: 
„daran,  dass  die  Höttinger  Breccie  in  jener  Zeit  abgelagert  wurde,  aus 
welcher  die  zahlreichen  Inseln  von  Steppenpflanzen  im  mitteleuropäischen 
Tieflande  stammen  (wie  dies  Referent  doducirte),  ist  nicht  zu  denken".  Man 
sollte  glauben,  eine  so  scharfe  Kritik  werde  begründet.  Von  einer  Begründung 
findet  sich  kein  Wort!  —  Referent  möchte  dem  Herrn  Verfasser  den  Vorschlag 
machen,  er  möge  sich  einmal  die  Lagerungsverhältnisse  der  Breccie  ansehen; 
er  wird  dann  finden,  dass  sich  absolut  kein  sicherer  Grund  für  die  von 
ihm  behauptete  Zugehörigkeit  in  die  l.  Interglacialzeit  finden  lässt.  Er  wird 
finden,  dass  es  sogar  nicht  leicht  ist.  gewichtige  Gründe  für  ein  interglaciales 
Alter  zu  finden,  er  wird  aus  den  stratigraphischen  Verhältnissen  keinen 
sicheren  Beweis  gegen  die  Annahme  eines  pos tglacialen  Alters  erbringen 
können.  Und  dann  wird  er  vielleicht  auch  etwas  weniger  kategorisch  die 
Zusammenstellung  der  Höttinger  Flora  mit  der  süddeutschen  Steppen-Flora 
als  unberechtigt  bezeichnen,  die  er  selbst  auch  als  postglacial  ansieht  (S.  16). 

Wettstein. 

Scliiilze  E.  Floiae  Germanicae  Pteridophyta.  Kiel  (Lipsius  & 
Fisclier).  Kl.  8".  29  p. 

Eine  Zusammenstellung  der  in  Deutschland,  Oesterreich-Ungarn  und 
der  Schweiz  vorkommenden  Pteridophyten  mit  Diagnosen,  Litteratur- 
angaben  und  Verbreitungsbezeichnung  in  Änlehung  an  die  neueren  Werke  von 
Luerssen  und  Prantl.  Zweifellos  ein  recht  brauchbares  Büchlein. 

Sprengel  C.  K.  Das  entdeckte  Geheimuiss  der  Natur  im  Bau  und 
in  der  Befruchtung  der  Blumen.  Herausgegeben  von  P.  Kuuth. 
(Ostwald's    Klassiker  der    exacten   Wissenschaften   Nr.    48,    49, 


'j  respective  der  dieser  sehr  nahestehenden  A.    Schenki 


191 

50,  51.)  Leipzig  (Engelmaiin).  4  Bäridchen  mit  184,  172.  178  Seiten 
und  25  Tafeln.  —   8  M. 

Wir  haben  schon  bei  einem  früheren  Anlasse  Gelegenheit  genommen, 
die  Idee  einer  Ausgabe  von  Classikern  der  exacten  Wissenschaften  als  eine 
sehr  glückliche  zu  bezeichnen.  Der  hohe  Preis  älterer  wcrthvoller  Werke 
bedingt  deren  geringe  Verbreitung  und  die  Folge  davon  ist  die  nur  zu 
häufig  zu  beobachtende  Missachtung  der  Arbeiten  älterer  Forscher  und 
Selbstüberschätzung.  Zu  den  besten  älteren  botanischen  Werken  gehört 
zweifellos  das  nunmehr  zweifach')  neuherausgegebene  Werk  Sprengel's 
(1793).  Werthvoll  sind  die  Zusätze  Knuth's. 

Tschirch  A.  und  Oesterle  0.  Anatomischer  Atlas  der  Pharmako- 
gnosie uud  Nahrungsmittelkunde.  Lieferung  3,  Leipzig  (Weigel). 
4".  Taf.  11  —  15  m.  Text. 

Die  vorliegende  Lieferung  behandelt:  Flores  Tiliae,  Flores  et  Fructus 
Sambuci,  Caryophylli.  Nelkenstiele,  Antophylli,  Fructus  anisi  vulgaris, 
Fructus  Foeniculi,  Herba  cannabis  ind.,  Fructus  Cannabis. 

Vilmorin's  Blumengärtnerei.  Beschreibung,  Cultur  und  Verwendung 
des  gesammten  Pfianzenmateriales  für  deutsche  Gärten.  3.  Autlage 
herausgegeben  unter  Mitwirkung  von  A.  Siebert  und  A.  Voss, 
Berlin  (P.  Parey).  1.  Lieferung.'  8".  48  S. 

Im  zeitlichen  Anschlüsse  an  die  in  jüngster  Zeit  erschienenen  Werke  von 
Beiss  ner  (Coniferen),  Dippe  1  und  Koehne  (Laubhölzer),  Zabel  (Spiraeen) 
erscheint  nunmehr  ein  gross  angelegtes  Werk,  das  insbesondere  Orientirung 
über  die  grosse  Menge  von  krautigen  Pflanzen  bringen  soll,  welche  in  den 
deutschen  Gärten  cultivirt  werden  oder  cnltivirt  werden  können.  Das  Bui'h 
—  das  in  50  Lieferungen  ä  1  Mark  erscheinen  und  complett  1000  Holz- 
schnitte und  100  Farbentafeln  enthalten  wird  —  ist  keine  blosse  Auflage 
des  alten  Vilmorin,  sondern  in  Anlage  und  Inhalt  ein  neues  Werk.  Es 
bringt  kurze  Beschreibungen  und  vielfach  kleine  Habitusbilder  in  syste- 
matischer Reihenfolge,  kurze  Bestimmungstabellen  der  Gattungen,  wichtige 
Synonyme,  Angabe  der  Heimat  der  Pflanzen  und  Culturanweisung.  Vielfach 
ist  die  Verwcrthung  neuester  Litteratur  zu  bemerken.  Unter  den  der 
1.  Lieferung  beigegebenen  Farbentafeln  finden  sich  einige  sehr  schöne  (so 
Taf.  G3.  67,  55),  weniger  gelungen  ist  Taf.  61.  Für  den  Gärtner  dürfte 
das  Buch  ein  unentbehrliches  Nachschlagewerk  werden. 


Flora  von  Oesterreich-Ungarn. 

Salzburg.-) 

Referent:  Dr.  Karl  Fritsch  (Wien). 

Quellen: 
a)  Litteratvir. 
1.    Beck  G.  V.  Flora  von  Niederösterreich  (Schlussband,  Nachträge 
p.  1328). 


')   Vergl.  diese  Zeitschr.  Nr.  4,  S.  15?. 

')  Das    Referat    bezieht    sich    auf   die    Zeit   vom    1.  October   189t    bis 
31.  December  1893. 


192 

2.  Boibäs  V.  V.  Florae  Hungarica'e,  Serbicae  et  Bulgaricae  ad- 
denda.  Termeszetrajzi  Füzetek  XVI.  1,  p.  40 — 53. 

3.  Busev  in  Bulletin  II.  de  la  societe  poiir  l'etude  de  la  flore 
fran^aise.  Bulletin  de  Therbier  Boissier  I.  Xr.  6.  Appendix. 

4.  Fritsch  K.  üeber  das  Auftreten  der  Veroulca  ceralocarpa  C. 
A.  Mey.  in  Oesterreich.  Verhandlungen  der  k.  k.  zoolog.-botan. 
Gesellschaft  in  Wien.  Band  XLIII.  Sitzungsberichte  S.  35—37. 

5.  Fugger  E.  Friedburg  und  Anogl  in  Oberpinzgau.  Mittheilungen 
der  Gesellschaft  für   Salzburger    Landeskunde   XXXIII.  p.  207. 

G.  Glaab  L.  Das  „Herbarium  Sulisburgense"  des  salzburgischen 
Landesmiiseums.  Deutsche  botanische  Monatschrift  1893,  p.  70 
bis  79,  95,  152—155.') 

7.  Harz  C.  Ueber  zwei  für  Deutschland  neue  A^w/^/iar-Arten.  Bota- 
nisches Centralblatt  Band  LIII.  p.  224—231. 

8.  Kern  er  A.  v.  Schedae  ad  floram  exsiccatam  Austro-Huuga- 
ricam  VI.  Cent.  XXIII— XXIV. 

9.  Klinge.  J.  Revision  der  Orchis  cordlqera  Fries  und  Orchis 
awiastifoUa  Rchb.  Inaugural-Dissertation.  Jurjew  1893. 

10.  Ludwig  I\  Pilze;  im  Berichte  der  Comraissinii  für  die  Flora 
von  Deutschland  pro  1891,  p.  (173). 

l:>j  Original-^rittheilimg'erL. 

11.  Von  Fräulein  M.  Eysn  in  Salzburg. 

12.  Von  Herrn  Dr.  G.  v.  Peruhoff  er  in  Wien. 
1:5.    Von  Herrn  L.  Glaab  in  Salzburg. 

Neu  für  das  Gebiet: 

Moose. 

Sj>hit(fmnn    imhrlcatum    Hornsch.    Mandliuger    Moor  (Brei  dl  er,  8). 

Farnpflanzen. 

Botrychium  Lnnaria  (L.),  f.  incisum  Milde.  An  den  Uferböschungen 
der  Taurach  bei  Tweng  (12). 

Blüthenpflanzen. 

Aira  caespitosa  L.  var.  flavcseens  Stuich.  Gruberhorn  in  der  Ban- 
ris,  Eigenalpe  in  Grossari  (Storch):  var.  vlvipara  Saut.  Mattsee 
(Storch).  —  A.  ße.ruosa  L.  var.  montami  (L).  Weinachalpe  in 
Grossari  (Storch).  —  Poa  la.va  Hnke.  var.  pallescens  Koch. 
Radhausberg  (Storch):  var.  viripara   Mielichh.   Goldberg  in 

')   Vergl.  über  diese  Abhandlung  meine   „Beiträge  zur  Flora  von    Salz- 
burg" IV.  in  Yerh.  der  zoolog.-botan.  Gesellscli.  1894. 


193 

Ivaiiiis  (Mi  el  icbliofer).  —  P.  alpina  L.  var.  depressa 
Mielichb.  Jiadliausberg.  Kolm-Saigiirn.  —  Festuca  varia  Hiike. 
var.  crassifolia  Koch.  Ackerkogel  in  der  Tofern  (Storch).  — 
F.  rubra  L.  var.  suhspicata  Mielichh.  Untersberg;  var. 
tenella  Mielichh.  Untersberg.  —  F.  ovina  L.  var.  violacea 
Gaud.  Hochalpenwiescn  der  Tofern  (Storch).  —  Bromus  mol- 
lis  L.  var.  aanus  Weig.  Um  Salzburg.  —  Lolium  temulentwn  L. 
var.  specioäum  Stev.  Aigen  (Stohl).  (Sümmtlich  6). 

Cyperus  longus  L.  Leopoldskronmoos  (Storch,  G). 

Juncus  Jacquini  L.  vw.  ptmilhis  Mielichh.  Gamskogel  (Sto  rch,  G). 

Orehls  angustifolia  Kchb.  var.  Bli/ttil  Klinge  f.  latlsslina  Klinge. 
Moorwiesen  des  Zellersees  (Aust,  9). 

Salix  purpurea  L.  var.  sericea  Koch.  Auen  um  Salzburg  (Hinter- 
hub er,  G). 

Plantago  lanceolata  L.  var.  pumila  Neilr.  Viehberg  (6). 

Petasites  officinalis  Mnch.  var.  intermedia  Hoppe.  Glanegg  (H  inte  r- 
buber,  6.)  —  Inula  salicina  L.  var.  latifolia  DC.  Aigner- 
Fager  (Stohl,  6).  —  Artemisia  Mutellina  Vill.  var.  Iietevo- 
caiilis  Glaab.  Auf  Schiefer-  und  Kalkalpen  im  Lungau  und 
Pinzgau  (G).  —  A.  spicata  Wulf.  var.  hiterinedla  Glaab. 
Ankogel  bei  Gastein  (Storch);  Fuscher  und  Blutertauern 
(Aberle);  var.  dkjltdta  Glaab.  Am  Fusse  des  Ankogels  im 
Anlaufthale  bei  Gastein  (Storch,  G).  —  Centaurea  alpestris 
Hegetschw.  et  Heer.  Kalkwände  hinter  Tweug  gegen  die  David- 
alm (12),  —  C.  Jacea  L.  var.  pyyinaea  Glaab.  Im  Salzbur- 
gischen (Herzig,  G).  —  Serratula  tinctoria  L.  flor.  alb.  Bei 
Grossgmain  (Stohl,  G).  —  Hieraciwn  trichoneurum  Prantl. 
Bei  Tweng  am  Wege  ins  Lantschfeld  (12). 

Gentiana  germanica   Willd.    var.  pij<jm,aea  Glaab.  Uutersberg  (G). 

Thymus  ova^ws  Mill.  Aigeu  (Stohl);  var.  swftc-iira^tt«  Schreb.  Urstein- 
alpe  (Stohl,  6). 

Veronica  ceratorarpa  C.  A.  Me}'.  Auf  Bauplätzen  am  rechten  Ufer 
der  Salzach  in  der  Stadt  Salzburg  massenhaft,  aber  von  Jahr 
zu  Jahr  seltener  (Eysn,  4).  —  Melampifrum  harhatum  W.  K. 
An  der  Bahnstrecke  zwischen  Salzburg  und  Seekircheu.  (13). 

RJwdodendron  ferrugineum  L.  flor.  alb.  Rauriserthal  oberhalb  Gries- 
wies,  circa  1650  m  (11). 

Cicuta  virosa  L.  var.  Intermedia  Glaab.  Bei  Fischhorn  im  Zeller- 
see  (Hinterhuber,  G). 

Primida  glutinosa  Wulf.  fl.  alb.  Alpen  im  Lungau  (G). 

Rhodiola  rosea  L.  f.  ennelforinls  Glaab.  Gastein  (Schwarz); 
Fusch  (Storch);  f.  snbeoi'data  Glaab.  Alpen  von  Gastein, 
Pinzgau  und  Lungau  (Hinterhuber,  G). 

SaA'ifraga  niuscuides  Wulf.    var.  milflord    Mielichh.    Salzburg  (G). 

Atragene  alpina  L.  flor.  alb.  Ferleiten  (Storch,  G).  —  Thalictrum 
anguatifoliuin  L.  var.  (jlnudipilinu   Borbäs  (var.  glandulo-um 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  5.  Heft.  18114.  15 


194 

Lecoyer  iion  Wallr.).  In  pratis  Salisburgi  (Eysn,  2).  —  Ane- 
mone raiiunculoides  L.  var.  suhmtegra  Wiesb.  Bei  der  Kugel- 
mühle am  Fusse  (Jes  Unteisberges  (Storch,  6).  —  Ranun- 
culus  flammula  L.  var.  ulismlfolius  Glaab.  Moorwiesen  bei 
Glanegg  (Hinterhub er,  6);  var.  foWs  serratis.  Sumpfwiesen 
bei  Viehhausen  (Storch,  6).  —  R.  hederaceus  L.  Leopolds- 
kronteich (Storch,  6).  —  R.  montanus  Willd.  flor.  croc.  Gams- 
kogel  in  Gastein  (A.berle,  6).  —  R.  cassubicus  L.  Waldwiesen 
am  Fusse  des  Gaisberges  (Hinterhuber,  6).  — Aconitum Na- 
pellus  L.  var.  callihotryon  Reichb.  Untersberg  (Storch,  Hinter- 
huber, 6). 

Nuphar  pvmilmn  Sm.  var.  Tiinmii  Harz  und  var,  glahratum  Harz» 
Ackerfurth  am  Zellersee  (7). 

Cardamine  resedifoUa  L.  var.  rotiiiidifoUa  Glaab.  Am  Wege  zum 
Prebersee  im  Lungau  (Aberle).  —  Draha  aizoides  L.  var. 
montana  Koch,  üntersberg  (Storch). —  Thlaspi  praecox  y^hxM. 
Bei  Ramingstein  im  Lungau  (Mielichhofer).  (6.) 

Alsine  Villirsii  Mert.  et  Koch  var.  villosula  Koch.  Im  Schwarzleo- 
graben unter  steinigem  Gebüsch  im  Leogangthale  (Mielich- 
hofer). —  Cerastium  latifolium  L.  var.  elongatimi  Glaab. 
Radhausberg  in  Gastein  (Storch).  (6.) 

ELdine  Aisinastrum  L.  Sümpfe  von  Lambach  in  Pinzgau  (Hinter- 
huber, 6). 

Alchiinilla  filicauUs  Buser.  Salzburg  (3).  —  A.  alpina  L.  f. 
Anisiaca  (Wettst.)  =  A.  pallem  Buser.  Untersberg  (1).  — 
Fraijaria  vesca  L.  var.  serratopetala  Glaab.  Holzschlag  bei 
St.  Veit  (Storch,  (3).  —  PotentiUa  intermedia  L.  Auf  dem 
Burgfelsen  in  Mattsee  (Hinterhuber,  (i). 

Wichtigere  neue  Standorte: 
Pilze. 
Puccinia  Asteris  Duby.  Auf  Cirsitim  oleraeeum  L.  in  der  Liechten- 
steinklamm. (Dietel,  10). 

Moose. 

Pottia  latifolia  (Schwägr.).  Schwarzeck  bei  Zederhaus  2G40  ni 
(Breidler,  8). 

Farnpflanzen. 

(Aus  Quelle  12.) 

Equisetum  arvense  L.  f.  nemorosa  A.  Br.  An  der  Taurach  bei  Tweng. 
—  E.  pratense  Ehrh.  Ebendaselbst  am  Wege  in  das  Lantsch- 
feld.  —  E.  hiemale  L.  Ebendaselbst,  sehr  selten. 

Athyrium  alpestre  (Hoppe).  Auf  den  Alpen  um  Tweng  in  Menge.  — 
'  Aspidium    Louchitis   (L.).     Bei  Tweng  gemein.    —    Asplenium 


105 

septe ntrionale  (L.)  An  Scliieferfelsen  zwischen  Tweng  und  Mautern- 
dorf.  —  A.  gernuudcuiu  Weiss.  Nur  bei  Moosham  nächst 
Mauterndorf  auf  Schieferfelseu. 

Blüthenpflanzen. 

Fhleum  Miclielü  All.  An  Kalkfelsen  um  Tweng  häufi?  (12).  — 
La.'iiayrostis  Calamagro.itis  (L.).  Oberhalb  der  Kalkhütten  am 
unteren  Ende  des  Obersulzbachthal  es  an  einzelnen  Stellen  in 
wenigen  Exemplaren  (5).  —  Calamag rostis  teaella  (Schrad.).  Bei 
Tweng  stellenweise  gemein,  so  an  grasigen  Stellen  des  Schwarz- 
eck (12).  —  Aveiia  subspicata  (L.).  Gurpetscheck.  —  A.  pra- 
tensis L.  Häufig  auf  Felsen  zwischen  Tweng  und  Mauterndorf. 
—  Sieglincfia  decumbens  (L).  An  den  Abhängen  neben  der 
Strasse  zwischen  Tweng  und  Mauterndorf.  —  Poa  minor  Gaud. 
Hochfeind,  Schwarzeck.  —  P.  hua  Hnke.  Gurpetscheck.  — 
F.  hi/brida  Gaud.  Bei  Tweng  am  Wege  in  das  Lantschfeld.  — 
Catahrosa  aquatica  (L.).  In  den  Sümpfen  an  der  Taurach  zwi- 
schen Tweng  und  Mauterndorf.  —  Festuca  alpina  Sut.  Auf 
Felsen  bei  Tweng;  auch  bei  der  Thalenge  an  der  Tauernstrasse. 
(Sämmtlicb  12.) 

Eli/na  spicata  Schrad.  Gurpetscheck,  Hochfeind.  —  Care.r  curvula 
All.  Hochfeind  bei  Tweng.  —  C.  mucronata  Gaud.  Massenhaft 
auf  den  Kalkwänden  bei  Tweng,  —  C.  fidiginosa  Schk.  Hoch- 
feind. —  C.  tenuin  Host.  Bei  Tweng  häufig.  (Sämmtlicb  12.)  — 
C.  sempervirens  Vill.  Rauriser  Goldberg,  auf  Gneiss,  circa 
•    2300  m  (11). 

Luzula  gli(brata  Hoppe.  Hochfeind  bei  Tweng.  —  L.  cougesta  (Thuill.). 
Bei  Tweng  gemein.  —  L.  spicata  (L.).  Gurpetscheck,  —  Juncns 
Jacquinih.  Schwarzeck,  Hochfeind,  Fuchsalm  bei  Tvs'eng.  (Sämmt- 
licb 12.) 

Tofieldia  borealis  Wahlb.  Schwarzeck  bei  Tweng  (12). 

Gt/mnadenia  odoratis-^inia  (L.).  Spielberg  im  Pinzgau,  ca.  1500  m 
(11).  —  Ophrys  niyodes  (L.).  Um  Tweng  (12).  —  Coralliorhiza 
innata  R.  Br.  Bei  Tweng  gemein  (12). 

Salij'  glabra  Scop.  Bei  Tweng  gemein  (12).  —  S.  repens  L.  Ma- 
remmen  bei  Tweng  (12).  —  S.  arbuscula  L.  Nockstein  bei  Salz- 
burg, auf  Kalk,  ca.  1000  m  (11).  —  S.herbacea  L.  Schwarzock, 
Seekarspitze  (12). 

liitme.r  nivalis  Hegetschw.  Bei  Tweng  am  Hochfeind  im  Gerolle  bei 
1950  m;  am  Schwarzeck  um  die  Seen  und  massenhaft  am 
Bache  bei  der  Fuchsalm  (bis  30  cm  hoch);  Seekarspitze  2200  m; 
in  grosser  Menge  am  Pleisslingkeil  auf  den  Abhängen  gegen 
die  Oberpleisslingalpe  im  Pongau  (12). 

Valeriana  tripteris  L.,  montana  L.  und  sa.rati/is  L.  Bei  Tweng 
gemein  (12). 

Petasites    (dbus   (L.)   Au    der   Tauernstrasse    bei    Tweng  häufig. 


196 

P.  niveus  (Vill.)  An  der  Tauracli  bei  Tweng  hiiufig.  —  An- 
themis  Cotula  L.  Ein  Exemplar  als  Unkraut  im  Twenger  Post- 
garten. —  Doronicum  austrlacum  Jacq.  Am  Wege  von  der 
Fellneralm  zur  Heissalm  bei  Tweng.  —  Centaurea  montana  L. 
Im  Lantschfeld  bei  Tweng  selten.  —  Cirsium  hybridum  Koch 
(oleraceumXpalustre).  Mittersiller  Schlossberg.  ■ —  Taraxacum 
nigricans  (Kit).  Hochfeind  und  Schwarzeck  bei  Tweng.  —  Son- 
chus  asper  (L.).  Als  Unkraut  in  Gärten  in  Tweng.  —  Orepis 
virens  L.  Auf  Wiesen  bei  Tweng.  —  C.  hlattarioides  (L.).  In 
der  Schaar  bei  Tweng  gegen  das  Weisseneck.  —  Hieraciam 
hupleuroides  Gmel.  Auf  Felsen  bei  der  Post  in  Tweng.  —  H.  pla- 
bratum  Hoppe.  In  der  Schaar  bei  Tweng  selten.  —  H.  nigres- 
cens  Willd.  Schwarzeck  bei  Tweng.  —  H.  Jacginnii  Vill.  In 
der  Schaar  und  auf  Kalkfelsen  bei  Tweng.  —  H.  atnplexicavh  L. 
Auf  Kalkwänden  bei  Tweng.  (Sämmtlich  12.) 

Phyteuma  Michelii  All.  Zwischen  Tweng  und  Mauterndorf  (12). 

Galium  ochroleucum  Wolf  {Mollugo  X  verum).  Ein  Exemplar  bei 
Tweng.  —   G.  anisophyllvm  Vill.  Bei  Tweng  gemein  (12). 

Lonicera  caerulea  L.  Bei  Tweng  häufig  (12). 

Gentiana  punctata  L.  Häufig  am  Schwarzeck  bei  Tweng;  Gur- 
petscheck.  —  G.  prostrata  Huke.  Gamsleitenspitz.  Wengeralpe, 
Speiereck.  —  G.  nana  Wulf.  Weisseneck,  Schwarzeck,  Gams- 
leitenspitze  (12). 

Mentha  arvensis  L.  Im  Getreide  bei  Tweng  selten.  —  Thymvs  humi- 
fusus  Beruh.  Bei  Tweng  gemein.  —  Galeopsis  pubescens  Bess. 
Gemeines  Unkraut  bei  Tweng.  — .  Teucrium.  montanum  L.  Auf 
Felsblöcken  unweit  Tweng  (12). 

Globularia  nudicaulis  L.  An  Felswänden  gegen  die  Davidalm  bei 
Tweng  (12). 

Verhascum  Lychnitis  L.  Kalkwände  bei  Tweng.  — -  Veronica  scutel- 
lata  L.  Maremmen  bei  Tweng.  —  Pedicularis  Jacquinii  Koch. 
Häufig  auf  den  Alpen  um  Tweng;  Schwarzeck,  Davidalm.  — 
P.  incarnata  Jacq.  Weisseneck.  Schwarzeck,  Hochfeind  bei 
Tweng.  —  Rhinantlivs  anqustifoUus  Gmel.  An  der  Taurach  bei 
Tweng  (12).  (Sämmtlich  12). 

Orobanche  Epithymuni  DG.  Bei  Tweng  häufig  (12). 

Pinguicula  alpina  L.  Massenhaft  um  Tweng  (12). 

Soldanella  montana  Willd.  Um  Tweng  häufig  (12). 

Rhododendron  Chamaecisttis  L.  Hochfeind,  Fellneralm  bei  Tweng  (12). 

Peucedanum  Ostruthinni  (L.).  Fellneralm  bei  Tweng.  —  Laserpitium 
latifoliwn  L.  Auf  Kalkwänden  bei  Tweng.  —  Chaerophyllum 
Villarsii  Koch.  Schwarzeck,  Weisseneck  bei  Tweng  (12). 

Sarifraga  Rudolphiana  Hornsch.  Schwaizeck  und  Hochfeind  bei 
Tweng.  —  <S.  stenopetala  Gaud.  Schwarzeck.  Zehnerkar.  Seekar- 
spitz. —  Rihes  Grossxdaria  L.  Breitlahn  an  dei'  Tauernstrasse 
bei  Tweng  (12). 


197 

TJialidrum  silvalunm  Koch.')  Mühlbacli  im  Oberpinzgau  (C).  — 
Th.  niiiiHs  L.  Untersberg  (()). —  Th.  Jacquinlanum  Koch,  ßöck- 
steiu,  Mühlbach  (6).  —  Anemone  alpina  L.  var.  sulfurea  (L.). 
Untersberg  (6).  —  Ranunadus  aquatilis  L.  (var.  peltatus  DC). 
Leopoldskronteich  bei  Salzburg;  Wassergräben  bei  Zell  am 
See (6).  —  R.paucistamlneus  Tausch.  Maremmen  bei  Tweng  (12). 

—  R.  divaricatus  Schrank.  In  Bächen  bei  Mauterndorf;  im 
Seegraben  bei  Zell  am  See;  Wiesengräben  bei  Hollersbach  (G). 

—  Aconitum  Lycoctonum,  L.  var.  Telyphonum  Echb.  Bei  Glaneck 
am  Fusse  des  üntersberges  (6).  —  A.  varlegatum  L.  var.  na- 
suiiim  Fisch.  Untersberg;  var.  macranthum  Rchb.  Sciiellgaden 
•  in  Lungaii;  var.  rostratum  Bernh.  Hubalpe  in  Grossari;  var. 
Judenlmryeme  (Clus.).  Untersberg  (6).  A.  Napeliits  L.  var.  Fuu- 
kiamnn  Rchb.  Gasteiuer  Alpen;  var.  strictum  Rchb.  Radstädter 
Tauern;  var.  Koelleanum  Rchb.  Bergueralpe  in  dei-  Tofern, 
Grossari  (6). 

Fapaver  alpimint  L.  var.  flavißorum  Koch.  Auf  Chloritschiefer  am 
Fallkopf  im  Lungau  "(6).  —  P.  pyrenaimm  L.  Bei  Tweng  auf 
dem  Weisseneck  (flor.  aurant.)  und  Hochfeind  (flor.    alb.)    (12). 

Arahis  pum'da  Jacq.  iladstädter  Tauern.  ca.  1700m  (1 1).  —  Arabis 
ciliata  (Schi.)  Ebendaselbst  mit  voriger  Art  (11).  —  Carda- 
mine  pratensis  L.  var.  dentata  Roch.  Preber  im  Lungau  ((3.)  — 
Dentaria  enneaphißlos  L.  Fellneralm  bei  Tweng  (12).  —  Sisym- 
hriiim  Thalianum  (L.).  Auf  Aeekern  bei  St.  Johann  (G).  — 
Coch/e<tria  Armoracia  L.  Bei  Aigen  verwildert  (G).  —  Draha 
fri(jida  Saut.  Untersberg  (6).  —  JD.  Zahlhruchieri  Host.  Hoch- 
feind bei  Tweng  (12).  —  Cameliua  sativa  (L.).  Im  Lein  bei 
Tweng  (12).  —  Neslia  panicidata  (L.).  Als  Unkraut  bei  Tweng 
(12).  —   Thlaspi  arvense  L.  Bei  Tweng  (12). 

Nuphar  luteum  (L.).  Goldeggersee;  Egelsee  (G). 

Cerastium  unißoruin  Murr.  Häufig  l)ei  Tweng,  z.  B.  am  Hochfeind. 
(12).  —  Melmuh-yum  ruhrum  (Wgl.)  flor.  alb.  Wiesen  bei 
Tamsweg,  ca.  1020  m  (11). 

Hypericum  montanum  L.  In  Holzschlägen  bei  Tweng  (12). 

Euphorbia  Esula  L.  An  der  Bahnstrecke  zwischen  Salzburg  und 
Seekirchen  (13). 

Oeranium  palustre  L.  Bei  Tweng  häufig  (12). 

Epi/obium  collinum  Gmel.  Bei  Tweng  (12).  —  E.  trigonum  Schrk. 
Dürrnberg  bei  Hallein  ca.  750  m,  auf  Kalk  (11).  —  E.  obscurum 
(Schreb.).  Giselaquai  in  der  Stadt  Salzburg,  420  m  (11). 

Cotoneaster  tomento.sa  (Ait.)  Kalkwände  bei  Tweng.  —  Alcheinilla  ßssa. 
Schumm.  Häufig  l)ei  Tweng;  Scekarspitz.  —  Poteidilla  caules- 
cens  L.  Felsen  um  Tweng.  (Sämmtlich  12.) 

')  Die  Ancraben  aus  Quelle  "i  sind  theilwcise  leclit  zweifelhaft. 


198 

Botanische  Gesellschaften,  Vereine,  Oongresse  etc. 

Die  k.  k.  Gartenbau-Gesellschaft  iu  Wien  veranstaltet  seit 
Herbst  v.  J.  über  Anregung  und  unter  Leitung  der  Herren  Dr.  G. 
Beck  von  Manuagetta  und  Director  W.  Lauche  „Sprechabende 
über  das  Gesammtgebiet  der  Horticultur",  welche  sich  bisher  nicht 
nur  eines  regen  Zuspruches  erfreuten,  sondern  auch  eine  ganze  lieihe 
anregender  und  schöne  Ergebnisse  fördernder  Discussionen  brachten. 
Die  Einrichtung  dieser  Abende  ist  mit  ein  Zoichen  des  unleugbar 
legeren  Lebens,  das  in  neuerer  Zeit  in  Oesterreich-Ungarn  auf  gärt- 
nerischem Gebiete  sich  zu  entfalten  beginnt. 


Dank  der  Initiative  des  fürstlich  Liechtenstein'schen  Garten- 
directors  W.  Lauche  ist  das  Zustandekommen  einer  höheren 
G  arten  bau  schul  e  iu  Eisgrub  in  Mähren  gesichert.  Damit  kann 
eines  der  grössten  Hemmnisse,  das  bisher  einem  Aufschwung  der 
Gärtnerei  in  Oesterreich  im  Wege  stand,  hinweggeräumt  werden. 
Director  Lauche,  ebenso  tüchtig  als  Botaniker  wie  als  Gärtner, 
ein  Mann  von  seltener  Thatkraft,  ist  die  Gewähr  dafür,  dass  das 
Unternehmen  seinen  Zweck  erfüllen  wird.  Das  Zustandekommen  ist 
durch  das  Zusammenwirken  des  k.  k.  Ackerbau-Ministeriums,  des 
Fürsten  Johann  von  und  zu  Liechtenstein  und  der  Gartenbau- 
Gesellschaft  in  Wien  eimöglicht  worden. 


An  den  „botanischen  Abenden"  der  deutschen   Botaniker 
Prags  wurden  in    den   letzten  Wochen    folgende  Vorträge   gehalten: 

5.  März  18i>4:  Prof.  Dr.  v.  Wettstein:  Ueber  die  Möglichkeit 
des  Bestimmeus  des  absoluten  Alters  einzelner 
Pflanzenformen. 

Prof.  Dr.  F.  Reinitzer:  Referat  über  die  Unter- 
suchungen T  s  c  h  i  r  ch's,  betreft'end  die  Entstehung 
von  Secreten. 

11.  April  1894:   J.  Freyn:  Ueber  das  Alter  der  Pflanzeuarten. 

Prof.  Dr.  V.  Wet  t  s  t  e i  u :  Nachruf  an  G.  A.  We  i  s  s. 

—  —  Ueber  ein  neues  Präparirmikroskop. 

—  —  Eine  bemerkenswerthe  Blüthenmissbildung 
bei    Frltillaria  hnperialis. 


Botanische  Sammlungen,  Museen,  Institute  etc. 

Hcri'    1.    Dörfler,    der    im   verflossenen    .lahio    den  Wiener 
t a  n  i  s ('  h  c  n  T  a  u  seh  v  c  re  i  n  übernommen  hat,  veröflentlichte  im 


199 

ver!i;an<,^e:ieii  Monate  den  Jahreskatalog  pro  1894,  der  ziigleicli  die 
Grundlage  für  die  Neiiorgani.sat,i(tn  bildet.  Der  Katalog  beweist,  dass 
der  derzeitige  Leiter  des  Tausch  Vereines  mit  viel  Verständuiss,  mit 
frischer  Kraft  und  ausserordentlicher  Aiheitskraft  au  seine  Aufgabe 
herangetreten  ist,  und  erweckt  die  Hoffnung,  dass  der  Wiener  Tauscli- 
verein  sich  zu  einem  Gentium  des  botanischen  Tausch-  und  Kauf- 
verkehres herausbilden  wird.  Der  Katalog  enthält  einen  allgemeinen 
Abschnitt,  der  den  Vorschlag  bringt,  den  Tausch  von  Herbarpflanzen 
nach  dem  Werthe  der  Species  vorzunehmen,  er  bringt  ferner  die 
Statuten  des  Tauschvereines,  einen  Bericht  über  das  laufende  Tausch- 
jahr, Diagnosen  und  kritische  Bemerkungen  {('entaurea  Charrelü 
Haläcsy  et  Dörfler  spec.  nov.  Macedonien,  Viola  Allchariensis  G. 
Beck,  spec.  nov.  Macedonien,  Viola  Arsenica  G.  Beck  spec,  nov. 
Macedonien,  Hesperis  Dinarica  G.  Beck  spec.  nov.  Bosnien  und  Her- 
cegovina.  Salkv  Stoderana  Dürrnberger  hybr.  nov.  (supercaiirea  X 
purimrea)  Hinterstoder  in  Oberösterreich.  Orehis  intermedia  Gadec. 
(lacifloraX  palustris)  Fresney,  Mentha  Mauponii  Gadec.  Loir.  inf. 
Pornic,  M.  Ma.nmilianea  F.  Schulz  var.  inchisa  Gadec.  Loire  inf. 
Pornicliet)  und  enthält  eine  ausserordentlich  reichhaltige  Offertenliste. 


Ein  Herbarium,  grösstcntlieils  in  Böhmen  gesammelte  und  von 
Celakovsky  bestimmte  Pflanzen,  im  Ganzen  über  900  Arten  um- 
fassend, ist  billigst  zu  verkaufen.  Auskünfte  ertheilt;  Josef  Häus- 
ler. Schlosscaplan  in  Adlerkosteletz,  Böhmen. 


Botanische  Forschungsreise. 

Von  Herrn  P.  Sinteuis  erhalten  wir  folgende  Zuschrift: 
,,[ch  nehme  mir  die  Freiheit  Ihnen  mitzutheilen,  dass  ich  im 
Begriffe  stehe,  eine  nochmalige  botanische  Forschungsreise  nach  Ost- 
Armenien  anzutreten.  Sonnabend  werde  ich  mit  dem  Lloydschi tt'e 
von  Triest  aus  nach  Trapezunt  fahren,  alsdann  die  Hochgebirge 
zwischen  Erzingan  und  Erzerum  zu  einem  besonderen  Sammelgebiete 
machen.  In  der  Hoffnung  einer  interessanten  Ausbeute  mache  ich 
die  verehrten  Leser  Ihrei-  geschätzten  Zeitschrift  hiemit  auf  mein 
Unternehmen  aufmerksam,  und  füge  hinzu,  dass  die  Bestimmung 
des  gesammelten  Pflanzenmaterials  Herr  Baurath  Freyn  in  be- 
kannter Liebenswürdigkeit  übernommen  hat  und  dass  derselbe  sich 
auch  bereit  erklärte,  Anmeldungen  zur  Abnahme  meiner  Herbarien 
entgegenzunehmen.  Der  Preis  einer  Centurie  ist  Mk.  25  und  ich 
werde  bestrebt  sein,  den  Herren  Botanikern  reichlich  aufgelegte  und 
schön  präpaiirte  Exemplare  zuzuführen. 

Im  Spätherbst  d.  J.  hoffe  ich  wieder  zurück  zu  sein. 

Wien,  3.  April  1894.  Paul  Sinteuis." 


200 


Personal-Nachrichten. 


Hofrath  Piof.  Dr.  Julius  Wiesuer  ist  Anfang  x\pril  von  seiner 
Forschungsreise  nach  Java  zurückgekehrt. 

Prof.  Dr.  V.  Wettstein  wurde  zum  ord.  Mitgliede  der  k. 
Leopoldinisch-Carolinischen  Akademie  der  Naturforscher  ernannt. 

Bei  der  Preisvertheilung  der  Pariser  Akademie  der  Wissen- 
schaften für  das  Jahr  1893  wurde  der  „Desmazieres-Preis"  (1000  Pres.) 
dem  Botaniker  Sauvage  au,  der  „Montagne-Preis"  (1000  Frcs.) 
zu  gleichen  Theilen  den  Botanikern  Cardot  und  Gaillard  ver- 
liehen. (Natu..) 

Der  Privatdocent  an  der  Universität  Strassbuig  Dr.  L.  Jost 
wurde  zum  a.  o.  Professor  ernannt.  (Saturw.  wochenschr.) 

Dr.  Fr.  Schutt  wurde  zum  a.  o.  Professor  der  Universität 
Kiel  ernannt. 

Der  Botaniker  Henry  0.  Forbes  wurde  zum  Director  des 
Museums  in  Liverpool  ernannt.  (Katurw.  wochenschr.) 

Dr.  0.  Mattirolo  ist  zum  a.  o.  Professor  und  Director  des 
botanischen  Gartens  in  Bologna  ernannt  worden. 

Am  4.  März  starb  in  Stoekliolm  der  Botaniker  Knut  Fredrik 
Thedenius  im  Alter  von  80  Jahren.  (Natur«.  Kundschau.) 

Am  15.  Februar  d.  J.  starb  in  Athen  der  Botaniker  Th.  Ch  a- 
boisseau  im  Alter  von  66  Jahren. 

Inhalt  der  Mai-Nummer.  Kräuzliu  F.  ihr/iiil'iceat  Papuanae.S.  161.  —  Heiiiricher  E.  Neue 
Beiträge  zur  Pflaiizenteratologie  und  Blüthenmorphologie.  S.  165.  —  Beyer  K.  .Upltinum 
Itpi'iicm  Presl  in  Nord-Istrien.  S.  167.  —  Wettstein  Dr.  R.  v.  Untersuchungen  üher  Pflanzen 
der  österreichisch-ungarischen  Monarchie.  S.  169.  —  Bornmüller  J.  Nachtrag  zu  ^Florula 
insulae  Thasos'^.  S.  173.  —  Matouschek  Franz.  Die  Adventivknospen  an  den  Wedeln  von 
Ciixtupttris  biilbifcra  (L.)  Bemhardi.  S.  177.  —  Saut  er  Dr.  F.  Hepatieae  aus  Tirol.  S.  179.  — 
Arnold  Dr.  F.  Lichenologische  Fragmente.  S.  1*1.  —  Litteratur-Uebersicht.  S.  184.  —  Flora 
von  Oesterreich-Ungarn.  Fritsch  Dr.  Karl.  Salzburg.  S.  If'l.  —  Botanische  Gesellschaften. 
Vereine,  Congresse  etc.  S.  198.  —  Botanische  Sammlungen.  Museen.  Institute  etc.  S.  198.  — 
Botanische  Forschungsreise.  S.   199.   —   Personal-Nachrichten,  rf.  200.  Inserat    S.  2<iO. 

Redacteur:  Prof.  Dr.  R.  v.  Wettstein,  Prag,  Smichow,  Ferdinandsquai  14. 

Verantwortlicher  Redacteur:  Hermann  Manz,  Wien  I.,  Barbaragasse  2. 

Verlag  von   Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


Die  ,,Oesterreichische  botanische  Zeitschrift"  erscheint  am  Ersten  eines  jeden  Monats 
und  kostet  ganzjährig  16  Mark. 

Exemplare,  die  Irei  durch  die  Post  expedirt  werden  sollen,  sind  mittelst  Postanweisung 
direct  bei  der  Administration  in  Wien  1..  Barbaragasse  2  (Firma  Carl  Gerold  s  Sohn)  zu  prinumeriren. 

Einzelne  Nummern,  soweit  noch  vorräthig,  ä  2  Mark. 

Ankündigungen  wenien  mit  30  Pfennige  für  die  durchlaufende  Petitzeile  berechnet. 
Zu    herabgesetzten    Preisen    sind    noch    folgende  Jahrgänge    der  Zeitschrift   zu   haben  ;  11 
und   111  ä  2  Mark.  X-Xll  und  XIV-XXX   ä  4  Mark.  XXXl-XLI  ä  10  Mark. 

C  Deberreuter'ache   Buchdruckerei  (M.  Salzer)   in  Wien. 

I  N  S  E  RAT. 
Schiechtendai  i"' lOra.  VOIl  iJeUtSCnla,nCl.    deneralregister. 

ganz  neu.  lür  den  äusserst  billigen  Preis  von  loO  Mark  zu  verkaufen. 
P.  Kruber,  MittelschuUehier.  Greitfenberg  i.  Scbl. 


OSTERREICHISCHE 

BOTMISCHE  ZEITSCHRIFT. 

Herausgegeben  und  redigirt  von  Dr.  Richard  R.  v,  Wettstein, 

Professor  an  der  k.  k.  deutschen   Universität  in   Prag. 


Verlag  von  Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


XLIV.  Jahrgang,  N"-  6. 


Wien,  Jnni  1894. 


Wie  ist  die  Pilzgattung  Laestadia  jetzt  zu 
bezeichnen  ? 

Von  P.  Magnus  (Berlin). 

Die  Gattung  Laestadia  wurde  von  Auerswald  1869  in  der 
Hedwigia  S.  177  mit  folgender  Charakteristik  begründet:  Pyreniis 
undique  clausis  membranaceo-cellulosis,  simplicibus;  ascis  absque 
paraphysibus,  8-sporis,  sporis  oblongis  continuis  aut  septatis. 
Er  zog  dazu  L.  alnea  (Fr.),  L.  punctoidea  (Cooke)  und  L.  Rosae 
Auersw. 

Auerswald  suchte  daher  die  (y^SXMn^  Laestadia  nicht  durch 
die  Einzelligkeit  der  Ascosporen,  sondern  durch  den  Charakter  der 
Pyrenien  (Peiithecien)  zu  unterscheiden.  Dass  letztere  Unterschiede 
hinfällig  sind,  haben  die  späteren  Autoren,  wie  z.  B.  Saccardo 
und  G.  Winter  erkannt.  Er  hatte  eben  das  Ostiolum  der  Peri- 
thecien  nicht  gesehen. 

Saccardo  war  wohl  der  erste,  der  1875  in  seinem  in  den 
Atti  della  Societä  Veueto-Trentina  di  scienze  natural]  residente  in 
Padova  Vol.  IV  veröffentlichten  Conspectus  generum  Pyrenomycetum 
(S.  6  des  Separatabdruckes)  die  Gattung  Laestadia  auf  die  Sphaerella- 
artigen  Pyrenom3Teten  mit  einzelligen  Ascosporen  beschränkte. 
G.  Winter,  Qu  dem  ans  und  alle  neueren  Mykologen  sind  ihm 
darin  gefolgt. 

Mit  Recht  hat  nun  ü.  Kuntze  1891  in  seiner  Eevisio 
generum  plantarum,  Band  II,  S.  846,  darauf  hingewiesen,  dass  der 
Name  Laestadia  schon  1832  von  C.  F.  Lessing  in  seiner  Synopsis 
generum  Compositarum  eariimque  dispositionis  novae  einer  heute 
allgemein  anerkannten  Compositengattung  gegeben  worden  ist,  und 
dass  daher  die  Pilzgattimg  diesen  Namen  nicht  behalten  kann.  Er 
wählte  zu  ihrer  Bezeichnung  den  Namen  Carlia,  den  Kaben- 
horst  1857  (Flora  1857.  S.  382)  einer  Sphaeriacee  auf  Ojalis 
gegeben  hatte,  die  Saccardo  in  seiner  Sylloge  Fungorum  Vol.  I, 
S.  429    in    die   Gattung    Laestadia    gestellt   hatte.    Er   bezeichnete 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  0.  Heft.  18St4.  lÖ 


202 

daher  1.  c.  die  Pilzgattiiiig  Laestadia  als  Garlia  Eabh.  und  änderte 
die  Bezeichnung  aller  bisher  bekannten  Arten  der  Pilzgattung 
Laestadia  in  Arten  von  Carlia  um. 

Im  Bulletin  de  la  Societe  mycologique  de  France.  Tome  VIR, 
1892,  S.  63,  haben  die  Herren  F.  Viala  und  L.  Ravaz  unab- 
hängig von  0.  Kuntze  ebenfalls  dargelegt,  dass  die  Pilzgattung 
Laestadia  aus  demselben  Grunde  einen  anderen  Xamen  erbalten 
muss  und  nannten  sie  Guignardia.  Ich  machte  dem  gegenüber  im 
Bulletin  de  la  Societe  mycologique  de  France  Tome  IX,  1893, 
S.  174  und  in  Hedwigia  1893,  S.  64,  darauf  aufmerksam,  dass 
0.  Kuntze  diese  Gattung  bereits  Carlia  benannt  habe  und  sie 
diesen  Namen  behalten  müsse. 

Aber  Herrn  0.  Kuntze  theilte  ich  mit,  dass  G.  Winter  in 
Hedwigia  1886,  S.  20,  und  in  „Die  Pilze  Deutschlands,  Oesterreichs 
und  der  Schweiz"',  2.  Theil,  S.  367  und  368,  dargestellt  hat,  dass 
Carlia  Oxalidis  Eabh.  gar  nicht  in  die  Gattung  Laestadia  gehört, 
sondern  in  die  Gattung  Sphaerella  und  dass  Rabenhorst's  Be- 
schreibung so  schlecht  ist,  dass  schon  Fuckel  in  seinen  S^^mbolae 
mycologicae  S.  103  ausführte,  dass  die  Raben horsfsche  Be- 
schreibung absolut  nicht  auf  die  ihm  vorgelegene  Pflanze  (die  er 
aus  Rabenhorst  Herb.  m3^col..  Ed.  II,  Nr.  567,  kannte)  weder 
nach  specifischen,  noch  nach  generischen  Charakteren  passt.  Fuckel 
sagt  1.  c. :  „Von  der  merkwürdigen  Beschreibung  Rabenhorst's 
bei  seiner  Carlia  finde  ich  keine  Spur.  Im  üebrigen  stimmen  dessen 
Originalexemplare  genau  mit  den  meinigen  überein.  Gott  weiss,  was 
Rabenhorst  da  unter  dem  Mikroskop  gehabt!'  —  Ich  meinte 
daher,  dass  die  Gattung  nicht  als  Carlia  Rabh.  zu  bezeichnen  ist. 
0.  Kuntze  zog  auch  in  seiner  Rovisio  generum  plantarum  III', 
S.  CCLXXXVI,  die  Benennimg  Carlia  zurück  und  nahm  den  Namen 
Gruignardia  Viala  et  Ravaz  an. 

Als  ich  die  vom  verstorbenen  Prof  Pey ritsch  in  Tirol  ge- 
sammelten Pilze  bearbeitete  und  zusammenstellte,  musste  ich  mich 
entscheiden,  wie  ich  die  von  ihm  dort  gesammelte  Laestadia 
rhytismoides  (Rabh.)  Sacc.  bezeichnen  sollte.  Es  trat  an  mich  die 
Frage  heran,  ob  ich  einen  neuen  Namen  mit  Guignardia  bilden 
sollte,  oder  den  von  0.  Kuntze  in  seiner  Revisio  plantarum,  Pars  II 
mit  Carlia  gebildeten  Namen  annehmen  sollte. 

Ich  kann  dem  oben  angeführten  von  0.  Kuntze  in  seiner 
Revisio  plantarum  III'  gezogenen  Schlüsse  nicht  beistimmen.  Der 
Name  Carlia  war  1892  nicht  mehr  für  eine  Gattung,  oder,  wie  wir 
gleich  sehen  werden,  eigentlich  schon  für  die  Auerswald'sche 
Gattung  Laestadia  vergeben.  Denn  Carlia  Oxalidis  Rabh.  kann 
diesen  Namen  nicht  mehr  führen,  da  sie  in  die  von  Cesati  und 
de  Notaris  begründete  Gattung  Sphaerella  gehört,  deren  Namen 
C.  G.  Johanson  wegen  der  Sommerfelt'schen  Algengattung 
Sphaerella^  die  von  Wittrock  wieder  ans  Tageslicht  gezogen  worden 


203 

ist,  in  Mycosphaerella  uiugeiiiideit  hat.  Carlia  Ojxdidis  Rabh.  muss 
also  heute  heissen  Mycosphaerella  O.ralidis  (Eabh.).  Weder  Johauson 
noch  irgend  Jemand  könnte  gezwungen  werden,  den  Namen  Carlia 
für  SphaereUa  Ces.  et  de  Not.  anzunehmen,  da  Eabenhorst's 
Beschieibung  ganz  andere  Charaktere  ausdrückt,  als  dem  Gattungs- 
begriffe SphaereUa  Ces.  et  de  Not.  zukommen.  Es  wäre  eine 
Fälschung,  Rabenhorst  einen  Gattungsbegriff  zuzuschreiben, 
den  er  nie  gehabt  hat.  Ich  brauche,  um  nicht  missverstanden  zu 
werden,  wohl  kaum  hinzuzufügen,  dass  nicht  dasjenige,  was  von 
einer  absolut  falschen  Beschreibung  gilt  und  recht  ist,  auch  von 
einer  unvollkommenen  Beschreibung  älterer  Autoren  gilt.  Un- 
vollkommene, aber  richtige  Beschreibungen  oder  besser  gesagt,  für 
ihre  Zeit  und  ihre  Hilfsmittel  richtige,  wenn  auch  unvollkommene. 
Beschreibungen  sind  im  Gegensatze  zu  den  auch  für  ihre  Zeit 
falschen  Beschreibungen  für  jedes  streng  wissenschaftliche  Streben 
bindend. 

Nun  hat  aber  H.  F.  Bonorden  1864  in  seinen  Abhand- 
lungen aus  dem  Gebiete  der  Mykologie  (Aus  den  Abhandlungen  der 
Naturforschenden  Gesellschaft  zu  Halle,  Bd.  VIII,  1864)  S.  152 
die  Gattung  Carlia  Rabh.  aufgenommen  und  neu  und  für  seine 
Zeit  richtig  beschrieben.  Er  sagt  1.  c:  Carlia  Rabh.  pyreniis 
globosis,  minimis,  ostiolo  simplici  apertis;  sporis  fusiformibus,  ven- 
tricosis,  ascis  curtis,  crassis.  (Rabenhorst  hatte  Flora  1857,  S.  282, 
gesagt:  Perithecia  minuta  subglobosa  e  macula  prominula,  Sporae 
sphaericae,  initio  toruloidi-concatenatae,  episporio  crasso  biunneo.  Asci 
nulli).  In  diese  Gattung  Carlia  stellte  Bonorden  1.  c.  Carlia 
Oxalidis  Rabh.  und  Carlia  macidiformis,  die  er  fälschlich  für 
Sphaeria  maculiformis  Fr.  hielt.  Letztere  Ali  haben  sowohl  Saccardo 
wie  Winter  in  die  Gattung  Laestadia  gestellt,  und  sie  Laestadia 
laaculifurmis  (Bonord.)  Sacc.  genannt.  Man  kann  daher  sagen,  dass 
Bonord  en's  Gattung  Carlia,  nachdem  Carlia  Oxalidis  Rabh.  zu 
Myt'osphaerella  gestellt  ist,  der  bisherigen  Pilzgattung  Laestadia 
entspricht. 

Jedenfalls  scheint  mir  aber,  dass,  da  der  Gattungsname  Carlia 
keiner  Gattung  gebührte  und  an  keine  andere  Gattung  vergeben 
war,  die  von  0.  Kuntze  in  seiner  Revisio  geuerum  plantarum. 
Pars  II  vorgenommene  Umänderung  beibehalten  werden  muss.  Die 
Gattung  ist  aber  nicht  als  Carlia  Rabh.  zu  bezeichnen,  wie  das 
().  Kuntze  gethan  hatte,  sondern  als  Carlia  (Bonord.  emend.) 
0.  Kuntze.  Wenn  Auerswald  die  Perithecien  nicht  für  „undique 
clausa'"  gehalten  hätte,  so  hätte  er  seine  Laestadia- kvi^iw  bei 
SphaereUa  lassen  oder  für  seine  Gattung  Laestadia  den  Namen 
Carlia  wählen  müssen. 


16^ 


204 

Ueber  einige  kritische  Pflanzen  der  Flora  von 
Niederösterreich. 

Von  H.  Braun  (Wien). 
V.  Mentha  Heissekil  H.  Braun. 

Bei  Gelegenheit  des  Studiums  derniederösterreichisclieu  Mentheu 
fiel  mir  eine  Mentha  aus  der  Gruppe  .,Gentiles"  besonders  auf.  Diese 
schöne  Form,  welche  in  engen  Beziehungen  zu  M.  Carinthiaca  Host 
steht,  sammelte  Hen-  C.  Aust,  derzeit  k.  k.  Bezirksrichter  in 
St.  Gilgen  (Salzburg)  im  Jahre  1890  auf  Sumpfwiesen  hinter  Wolfs- 
thal, ferner  in  Wassergräben  zwischen  Hainburg  und  Wolfsthal, 
dann  in  Gräben  zwischen  Deutsch-Altenburg  und  Hundsheim  in 
Niederösterreich.  Es  scheint  also  diese  Pflanze  in  der  Umgebung 
Hainburgs  nicht  selten  vorzukommen. 

Jedem,  der  sich  mit  den  Formen  der  Gattung  Mentha  nur 
einigermassen  vertraut  gemacht  hat,  fällt  diese  Mentlia  durch  ihre 
abweichende  Tracht  sofort  auf,  die  nähere  Untersuchung  lehit, 
dass  sie  durch  die  Gestalt  des  Kelches,  die  innen  kahle  Corolle  und 
insbesonders  durch  den  charakteristischen  Melisseugeruch  den  Formen 
der  Gruppe  „Gentiles"  anzuschliessen  sei.  Ich  will  nun  hier  vorerst 
die  Beschreibung  der  in  Rede  stehenden  Pflanze  geben  und  an  diese 
meine  weiteren  Ausführungen  anschliessen. 

Mentha  e  Sectio  Gentllium.  Rhizoma  repens.  Gaules  erecti 
solitarii  vel  inferne  in  ramos  plus  minusve  divisi,  in  inferiore  parte 
saepe  rubicundi  et  pilis  albidis  reflexis  obtecti,  superne  dense 
pilosi,  in  fasciculum  sterilem  foliorum  abeuntes.  Petioli  sat  breves 
in  foliis  superioribus  subnulli,  pilis  albidis  obtecti.  Folia 
mediocri  magnitudine,  omnia  subaequalia.  obovato-elliptica  vel 
deltoidea,  infima  supra  viridia,  pilis  obtecta,  subtus,  praecipue  in 
nervis,  pilis  albidis  obtecta;  superiora,  supra  subtusque  pilis  albidis 
vestita  in  nervis  hinc  inde  rubicunda,  basin  versus  rotundata 
vel  lata  rotundata,  vel,  rarius,  subattenuata;  apicem  versus  breviter 
acuta  vel  obtusiuscula,  in  margine  argute  serrata,  dentibus 
serraturae  obtusiusculis  ut  in  Lamio  maculato;  ad  basin  integra. 
Bracteae  breviter  lanceolatae  acutae,  albido  pilosae.  Pedunculi 
pedillique  pilis  sparsis  obtecti  vel  subglabri.  Calices  campa- 
nulati-subtubulosi,  pilis  albidis  dense  obsiti.  dentibus 
a cutis  triangularibus  dense  albido-ciliatis;  rubescentes  vel  virentes. 
Coro  IIa  pallide  violacea,  extus  et  ad  faucem  pilosa,  intus  glabra. 
Nuculi  subfusci,  verrucosa  Tota  planta  gravem  spirat  odorem  ut 
Melissa  officinalis. 

Dimensiones;  Folia  20 — 30mm  longa,  1 0 — 20mm  lata.  Habitat 
in  fossis  viarum  et  in  pratis  udis  ad  oppidum  Hainburg  Austriae  inferioris. 

Ich  will  hier  in  erster  Linie  die  in  Rede  stehende  Form  mit 
den  Arten  und  Formen  aus  der  Gruppe  „Eugentiles"  vergleichen, 
obzwar  diese  nicht  die  grösste  Verwandtschaft   zu   derselben  zeigen. 


205 

Von  M.  gentilis  L,  (Fries)  var.  typica  unterscheidet  sie  sich 
durch  die  wohl  groben,  aber  nicht  scharf  spitzig  gesägten  Blätter 
mit  dreieckig-stumpflichen  und  etwas  dicklichen  Sägezähnen,  die 
dicht  behaarten  Kelche  und  eine,  durch  die  differente  Blattform  be- 
dingte andere  Tracht,  durch  eben  diese  Merkmale  ist  sie  von  M.  gentilis 
var.  latifülia  Wirtg.  die  überdies  grössteutheils  kahle  Kelche  besitzt, 
verschieden.  Mentha  stricta  Beck  und  M.  Schierliana  H.  Braun  unter- 
scheiden sich  theils  durch  andere  Serratur,  theils  durch  die  Be- 
kleidung der  Axentheile,  beide  durch  kahle,  oder  nur  im  oberen 
Theile  behaarte  Kelche;  sie  sind  hier,  als  zu  anderen  Sectionen  ge- 
hörig, gar  nicht  weiter  mit  M.  Reissekil  in  Parallele  zu  ziehen. 
Die  typische  M.  Andersoniana  H.  Braun  unterscheidet  sich  ebenfalls 
von  der  neu  beschriebenen  Form  durch  scharfe  und  tief-spitze  Serratur 
der  Blätter,  dünner  behaarte  kurzglockige  Kelche,  den  anderen  Zu- 
schnitt der  Blätter  etc.  Von  M.  triemarginatu  Strail.  (Essai  de  classif. 
et  descript.  des  Meuthes  du  Beige  in  Bull.  Soc.  roy.  de  Belg.  XXVII, 
p,  81  (1887),  ist  letztere  durch  nicht  oval-oblonge,  oberseits  nicht  mit 
langen  Haaren  bekleidete  Blätter,  die  Gestalt  der  Kelche  etc.  ver- 
schieden. Ebenso  unterscheidet  sich  M.  subtomentosa  Strail.  ibid. 
p.  159  leicht  durch  oberseits  fast  filzige  Blätter,  die  undeutlich, 
fast  gekerbt  —  gesägt  sind,  und  kleine  glockenförmige  Kelche.  Die 
meiste  Verwandtschaft  zu  M.  Beissehii  H.  Braun  zeigt  eine  Form, 
welche  ich  in  meiner  Arbeit  „lieber  einige  Arten  und  Formen  der 
Gattung  Mentha"  in  Verhandlungen  der  k.  k.  zool.-botan.  Gesell- 
schaft S.  485  (1890)  unter  der  Art:  M.  Andersoniana  H.  Braun 
erwähnt  habe.  Diese  Pflanze  sammelte  A.  v.  Kern  er:  „in  agris 
montis  Jauerling",  in  Niederösterreich  und  sie  liegt  in  seinem 
Herbare  unter  der  Nummer  2077  auf.  Handschriftlich  bemerkte 
A.  V.  Kern  er  noch  auf  der  Etiquette:  „\ie\\eicht  31.  gentilii''.  Diese 
Pflanze  zeichnet  sich  durch  beborsteten  aufrechten  Stengel,  eirunde, 
rautenförmige,  sehr  kurz  gestielte  Blätter,  welche  zum  Blattstiel 
kurz  verschmälert  oder  etwas  zugerundet  sind,  kurz  zugespitzt,  ober- 
seits nicht  dicht  behaart,  unterseits  vorwiegend  auf  der  Nervatur  bebaart 
sind,  aus.  Serratur  spitz,  ziemlich  scharf,  Blätter  am  Stengel  alle 
ziemlich  gleich  gross,  von  papierdünner  Consistenz.  Deckblätter 
lanzettlich  mit  langen  Haaren  bewimpert.  Pedicellen  fast  kahl  oder 
zerstreut  behaart.  Kelche  von  langen  weissen  Haaren  zottig,  gegen 
die  Basis  wenig  behaart.  Kelchzähne  stumpflich,  dreieckig,  langzottig 
weisslich  behaart.  Corollen  aussen  behaart.  Die  Mentha  Reissekii  H. 
Braun  und  die  eben  besprochene  Form,  welche  ich  vorläufig  M.  Quadica 
H.  Braun,  benenne,  sind  derart  verwandt,  dass  sie,  obwohl  habituell 
ziemlich  verschieden,  kaum  in  allen  Fällen  scharf  auseinander- 
gehalten werden  können.  Die  unterscheidenden  Merkmale  zwischen 
beiden  sind  hauptsächlich  in  der  Seriatur,  die  bei  M.  Reissekii  viel 
gröber  und  stumpfer  ist,  in  den  stärker  l)ehaarten  Blattstielen  der  dick- 
lichen Consistenz  der  im  Allgemeinen  stärker  behaarten  Blätter,  und  vor 
Allem  in  den  etwas  spitzeren,  kürzer  zottigen  Kelchzähnen  der  letzteren 


206 


Form  gelegen.  Beide  eben  besprochene  Formen  zeigen  nun,  wie 
schon  Eingangs  erwähnt,  die  grösste  Verwandtschaft  zu  den  Original- 
exemplaren der  M.  Carintlüaca  Host,  welche  im  Herbare  des 
k.  k.  naturhistorischen  Hofmuseum  aufbewahrt  werden,  und  die  man 
in  meiner  Arbeit  1.  c.  p.  490  beschrieben  findet. 

Die  Unterschiede  dieser  Art  gegenüber  der  M.  Beissekii  H. 
Braun  bestehen  etwa  kurz  in  folgenden  Merkmalen.  Vor  Allem  unter- 
scheidet sich  M.  Carinthiaca  Host  Herb,  von  Äf.  Beissekii  H.  Braun 
durch  beiderseits  dicht  behaarte,  rückwärts  langhaarige  Blätter, 
welche  gegen  die  Spitze  zu  scharf  spitz  gesägt  sind,  durch  spitzere 
Kelchzähne;  im  üebrigen  stimmt  diese  Pflanze  in  allen  Theilen  mit 
M.  Reissekii  H.  Braun  völlig  überein. 

Host  beschreibt  in  seiner  Flora  austriaca  die  M.  Carinthiaca 
unter  andern  mit:  „M.  floribus  verticillatis.  foliis  hirsutis  rugosis.  in- 
ferioribus  oblongo-ovatis,  caule  ramoso-erecto,  pedicellis  subglabris, 
staminibus  corolla  brevioribus."  „In  Carinthia,  in  humidis  inter  Villach 
et  Bleiberg-,"  ferner:  „Caulis  erectus,  ramosus,  setis  longis  deflexis 
tectus.  Folia  hirsuta,  obtusa,  ....  breviter  petiolata,  superioria  sessilia, 
ovata.  Calix  hirsutus,  call  eis  dentes  acuminati."  Die  Stelle:  .,Folia 
.  .  .  rugosa"  ist  etwas  auffallend,  allein  auch  bei  M.  Reissekii  er- 
scheinen die  Blätter  an  der  Unterseite  durch  die  eingesenkten, 
secundären  Gefässbündelstränge  etwas  runzelig. 

Wenn  man  die  drei  Racen,  welche  innerhalb  der  Gruppe  der 
„Gentiles"  unter  dem  gemeinschaftlichen  Namen  „Jf.  Carinthiaca 
Host"  zusammengefasst  werden  können, kurz  charakteiisirenwill,  ergibt 
sich  folgende  Uebersicht. 

3Ientha  Carinthiaca  Host. 

M.  Carinthiaca  Host  typ.  1    IW.  Reissekii  H.  Braun. 

Stengel  dicht  mit;  Stengel  im  unteren 
steiflich  zurückgekrümm-  |  Theile  wenig  behaart,  im 
ten  Haaren  bekleidet.        !  oberen  Theile  ±  dicht  be- 


Blätter,  die  oberen 
sitzend,  beiderseits 
dicht  behaart,  zum 
Blattstiele  breit  zuge- 
schweift, breit  eiförmig- 
länglich bis  eiförmig  rau- 
tenförmig, mit  spitzen 
Sägezähnen,  gross 
oder  mittelgross,  Kelche 
cylindrisch-glockig,  dicht 
zottig  mit  spitzen  oder 
zugespitzten  Kelchzäh- 
nen. 


haart. 

Blätter,  die  oberen 
fast  sitzend  oberseits  ± 
dicht  behaart,  unter- 
seits  vornehmlich  an 
den  Nerven  behaart, 
zum  Blattstiel  zugerundet 
oder  zugeschweift,  ei- 
rautenförmig  mit  tiefer 
Serratur,  Sägezähne 
dreieckig-  stumpf- 
lich, nicht  scharf 
spitz,  wie  bei  neben- 
stehender Form.  Blätter 
mittelgross,  von  dick- 
licher Consistenz. 
Kelche  cylindrisch- 
glockig,  dicht  zottig, 
Kelch  Zähne  dreieckig- 
spitz. 


IVI.  Quadica  H.  Braun. 

Stengel  wie  bei  31. 
Reissfkii  H.  Braun  be- 
kleidet. 

Blätter  alle  kurz  ge- 
stielt, zum  Blattstiel  zu- 
geschweift, oberseits  be- 
haart, unterseits  vor- 
nehmlich an  den 
Nerven  behaart,  von 
dünner  Consistenz, 
Serratur  spitz,  weni- 
ger tief  wie  bei  beiden 
nebenstehenden  Formen 
mittelgross.  Kelche 
glockig  mit  dreieckig 
kurzen,  etwas  spitzen 
oder  fast  sturapfJichen 
Kelchzähnen,  dicht  weiss- 
zottig  behaart;  Behaa- 
rung dichter  als  bei  M. 
Reissekii  H.  Braun. 


207 

Ueber  die  Verbreitung  der  Formen  der  Gattung  Mentha  inner- 
halb der  österreichisch-ungarischen  Monarchie  weiss  man  überhaupt 
nur  wenig,  was  bei  dem  geringen  Interesse,  welches  man  bislang 
den  interessanten  Formen  dieser  Gattung  entgegenbrachte,  wohl  nicht 
überraschen  darf.  So  kenne  ich  denn  auch  von  den  vorerwähnten 
Formen  innerhalb  der  Gruppe  „Carinthiaca"  nur  wenige  Standorte, 
und  weiss  auch  zufolge  dessen  über  die  Verbreitung  derselben  nur 
Dürftiges  zu  berichten.  3Ientha  Carinthiaca  Host  /.  tt/pica,  liegt  mir 
aus  Kärnten,  Südtirol,  Südsteiermark.  Krain  und  Croatien  vor,  eine 
Form  über  welche  ich  des  kümmerlichen  Materiales  halber  noch 
nicht  ins  Klare  kommen  konnte,  aus  dem  Eisenburger  Comitate. 
M.  Carinthiaca  Host  var.  (^«(«//ca  H.  Braun  kenne  ich  vom  Jauerling  in 
Niederösterreich,  M.  Reissekii  H.  Braun,  aus  der  Umgebung  Hainburgs. 
Letztgenannte  Form  dürfte  jedenfalls  noch  im  Gebiete  der  Press- 
burger Flora  oder  im  angrenzenden  Wieselburger  Comitate  West- 
ungarns gefunden  werden.  Das  Verbindungsglied  der  Formen  der 
M.  Carinthiaca  Host  mit  den  Formen  der  M.  gentilis  L.  (Fries),  die 
M.  Andersoniana  H.  Braun  bewohnt  Schweden  Norwegen  und 
Schottland.  Jedenfalls  ist  es  von  grossem  Interesse,  dass  For- 
men, welche  sich  aufs  Engste  der  M.  Carinthiaca  Host  an- 
schliessen,  auch  in  Niederösterreich  aufgefunden  wurden;  es  zeigt 
dies,  wie  viel  noch  zur  Klarstellung  der  bisher  so  arg  vernachlässigten 
interessanten  Formen  der  Gattung  Mentha,  selbst  in  Niederösterreich 
noch,  zu  geschehen  hat.  Icli  habe  diese  schöne  Mentha  zum  Ge- 
dächtnisse an  Dr.  Siegfried  ßeissek  benannt,  der  sich  vielfache 
Verdienste  um  die  Flora  der  niederösterreichischen  Donaugegeuden 
erwarb.  Geboren  am  11.  April  1819  zu  Teschen,  wurde  er  1838 
Volontär  des  botanischen  Ho fcabi nettes,  1845  Custos-Adjunct,  1867 
erster  Custos  daselbst,  1848  correspondirendes  Mitglied  der  k.  k. 
Akademie  der  Wissenschaften.  Seine  Publicationen  finden  sich  im  Be- 
richte über  die  feierliche  Sitzung  der  k.  k.  Akademie  der  Wissen- 
schaften 1872,  Seite  76—80  (nach  Angaben  des  Dr.  H.  W. 
Reich ardt),  zusammengestellt,  nach  dieser  Quelle  verfasste  auch 
Wurzbach  im  biographischen  Lexikon  XXV,  p.  254—256  (1876), 
die  Biographie.  In  der  Bibliothek  der  botanischen  Abtheilung  des 
k.  k.  naturhistorischen  Hofmuseums  wird  ein  umfangreiches  Manu- 
script  von  Dr.  Reissek  über  die  Vegetationsverhältnisse  der 
Donauinseln  in  Niederösterreich  mit  einem  Verzeichniss  der  Gefäss- 
pflanzen,  welche  auf  der  Strecke  zwischen  Klosterueuburg  und  der 
Lobau  auf  den  Inseln  wachsen,  aufbewahrt.  Daselbst  finden  sich 
interessante  und  werthvolle  Daten  über  Entstehen  und  Vergehen  der 
Pflanzen  auf  dem  Terrain  der  Donauinseln  und  Sandbänke,  und  über 
das  Zusammenleben  derselben.  F]inzelne  Abschnitte  aus  diesem 
Manuscripte  hat  Reissek  schon  früher  publicirt  wie  die  ., Vegetations- 
geschichto  des  Rohres  an  der  Donau"  in  Verb,  der  k.  k.  zool.  bot. 
Gesellschaft  IX.  Abhandl.  Seite  55—74  (1859).  Er  starb  den  9.  No- 


208 

vember  1871.  Sein  gäuzlicli  verwahrlostes  Grab  mit  dem  schönen 
Denkstein,  welchen  ihm  die  Mitglieder  der  k.  k.  zool.-bot.  Gesell- 
schaft seinerzeit  widmeten,  befindet  sich  auf  dem  St.  Marxer  Fried- 
hofe zu  Wien. 


Orcliidacecie  Papiianae. 

Von  F.  Kränzlin   (Gr.-Lichterfelcle  bei  Berlin). 

(Fortsetzung.') 

Dendrobiiun  Lawesil  F.  v.  Müll.  {PecUlonum).  Caulibus 
secundariis  aggregatis  gracilibus  distichophyllis.  Foliis  ovatis  acumi- 
natis  ad  6  cm  longis,  basi  ad  2  cm  latis  papyraceis,  internodiis  brevi- 
bus  sub  anthesi  rugosis,  racemis  paucifloris  congestis  capitatisve 
bracteis  ovatis  acutis  cymbiformibus  petaloideis  (pallide  purpureis?) 
quam  pedicelli  ter  vel  quater  brevioribus.  Sepalo  dorsali  petalisque 
paiilo  minoribus  lanceolatis  acutis,  petalis  lateralibus  supra  late  tri- 
angulis  obtusis,  infra  in  pseudocalcar  maximum  cornutum  apice 
acutum  antice  ad  '%  longitiidinis  clausum  coalitis.  labello  e  basi 
angustissima  sensim  dilatato  limbo  lacero-dentato  inflexo,  dentibus 
laciuiisve  valde  conspicuis  ipsis  serrulatis,  gynostemii  dente  postico 
acute  lateralibus  obtusioribus.  —  Flores  rosei  illis  Dendrobii  Moh~ 
liani  Rchb.  f.  aequimagni  3  cm  lougi  antice  1  cm  diametro.  Labellum 
album. 

Dendrohmm  Lawesii  F.  v.  Müller  in  Melbourne  Chemist, 
June  1884. 

Neu- Guinea.  2  Exemplare  ohne  genauere  Angabe  des  Stand- 
ortes. —  Rever.  F.  Chalmers,  1  Exemplar  Bourauarri-Sayer, 

Dieses  sehr  schöne  Dendrohnim  gehört  zu  der  kleinen  Gruppe 
der  „Pedilonum"  und  zwar  in  den  Formenkreis  des  D.  Mohlianum 
Rchb.  f.,  welches  auf  den  Fidji-Inseln  gesammelt  wurde.  Der  Haupt- 
unterschied liegt  in  dem  Bau  des  Labellum,  welches  bei  D.  Moh- 
lianum am  Rande  kaum  gezähnelt,  hier  aber  in  grosse  Fetzen  zer- 
schlitzt ist,  deren  Ränder  wiederum  gezähnelt  sind.  Dazu  kommen 
schmale  Fetalen,  ein  gedrängter  Blütheustand  und  ganz  andere  viel 
kürzere  und  breitere  Blätter.  Da  beide  Exemplare  diese  Merkmale 
völlig  identisch  zeigten,  können  sie  systematischen  Werth  bean- 
spruchen. Das  eine  Exemplar  hatte  nur  die  Notiz:  Neu-Guinea.  Das 
andere  enthielt  die  Notiz  „Native  Teachers,  Rever.  Jos.  Chalmers, 
1880".  Die  Reisen  des  Missionärs  Chalmers  erstreckten  sich  über 
das  ganze  Küstengebiet  im  Süden  und  Südosten  von  Neu-Guinea: 
wie  weit  er  in  die  Beige  vorgedrungen  ist,  konnte  ich  nicht  erfahren. 
D.  Mohlianum  Rchb.  f.  wächst  auf  den  Fidji-Inseln  „in  summis 
montibus  insularum". 


')  Vergl.  Nr.  5,  S.  161. 


209 

leb  habe  die  Pflanze  nocb  einmal  bescbrieben,  da  die  Zeituug, 
in  welcber  sie  zuerst  publicirt  wurde  —  ,.Tbe  Melbourne  Chemist*' 
—  in  Europa  kaum  sehr  verbreitet  sein  dürfte. 

Coelogyne  M'Donaldi  F.  v.  Müll,  et  Krzl.  Caule  pri- 
mario  vel  rbizoraate  repente,  secundariis  aggregatis  hexapteris  ob- 
longis  curvatulis  (an  semper?)  caulibus  recentioribus  cataphyllis  in 
folia  grandescentibus  ovatis  acutis  vestitis;  foliis  2  illis  Stanhopeae 
cujusdam  valde  similibus,  racemo  iiiter  folia  jam  immatura  Oriente 
breviore,  fractiflexo  paucifloro  (unifloro  cum  bractea  inani  in  speci- 
mine  nostro)  bractea  lanceolata  cymbiformi  decidua.  Sepalis  ovato 
lanceplatis  acumiuatis  plus  minusve  cymbifoimibus,  petalis  linearibus 
acutis  aequilongis,  labelli  aequilongi  lobis  lateralibus  semioblongis 
antice  rotundatis  totius  labelli  vix  dimidium  aequantibus,  lobo  inter- 
medio  obovato  oblougo  antice  obtuse  acuto  margine  undulato,  toto 
disco  ex  ipsa  basi  lineis  5  elevatis  uudulatis  longioribus  (interpositis 
minoribus  (|uibusdam  verrucisque  crebris)  plus  minus  parallelis  ad 
lobi  intermedii  medium  usque  seusim  evanescentibus,  gynostemio 
recto  apice  energice  deflexo  et  ibi  trilobo.  —  Totus  flos  8  cm 
(3-pollic.)  diametro,  sepala  petaiaque  pallide  viridula  parce  fusco 
punctata  labellum  subtus  pallidum,  supra  fulvido-carneum  apicem 
versus  pallescens,  gynostemium  pallide  viridulum. 

Aus  dem  botanischen  Garten  von  Melbourne  durch  Herrn 
Baron  F.  v.  Müller  erhalten,  die  Blüthe  getrocknet,  die  Pflanze 
lebend. 

Es  ist  ganz  zweifellos  der  Blüthe  nach  eine  Art  aus  der  Gruppe, 
welche  bisher  aus  C.  Mayeriana  Rchb.  f.,  C.  pandurata  Lindl., 
C.  asperata  Lindl.  und  C.  Parishii  Rchb.  f.  besteht.  Der  Blüthen- 
schaft  ist  indessen  ohne  die  charakteristischen  Niederblätter  am 
Grunde.  Die  Blüthen  stehen  an  Grösse  nur  denen  von  C.  pandurata 
nach,  übertreffen  aber  alle  anderen  dieser  Gruppe.  Die  grüne  Farbe 
der  Sepalen  und  Fetalen,  im  Gegensatze  zu  dem  dunkel  fleisch- 
farbigen Labellum  ergibt  einen,  wenn  auch  nicht  gerade  schönen. 
doch  jedenfalls  sehr  eigenartigen  Farbencontrast.  Die  Herkunft  der 
Pflanze  ist  nicht  ganz  sicher.  Sie  wurde  von  Rev.  M'Donald  ge- 
sammelt und  stammt  wahrscheinlich  von  den  Neuen  Hebriden,  jeden- 
falls aber  von  einer  der  im  Osten  des  australischen  Festlandes  ge- 
legenen Inseln. 

Aclanthns  cymhalarlaefolliis  F.  v.  Müll,  und  Kizl. 
Bulbis  minutis  pisi  parvi  maguitudine,  caulibus  tenuissimis  filifor- 
mibus  mouophyllis  foliis  illis  Linariae  Cymbalariae  et  maguitudine 
et  circuitu  quam  maxime  similibus,  scapo  supra  nudo  uni  v.  bifloro 
bracteis  ovatis  acutis  quam  pedicelli  et  Ovaria  longioribus.  Sepalis 
linearibus  acuminatis  peialis  oblongis  ter  latioribus  acumiuatis 
trinerviis,  labello  lineari  acuminatissimo,  linea  crassa  e  tuberculis 
numerosi.ssimis  minutis  composita  a  basi    fere    apicem  usque  decur- 


210 

rente;  gynostemio  sigmoideo  v.  cycnochiformi  a  basi  medium  usque 
marginato.  8epala  petala  labellum  r2cm  longa.  Neu-Caledonien 
leg.  Roberts  1886. 

Ein  zartes  Pflänzcben  mit  fadendünnen  Stengeln  und  je  einem 
Blatte,  welcher  an  den  blühenden  Exemplaren  völlig  denen  von 
Linaria  Cymhalaria  gleicht,  an  den  nicht  blühenden  waren  die 
Kerbungen  etwas  weniger  tief.  Die  einzige  Blüthe,  welche  mir  zur 
Verfügung  stand,  war  die  unbefruchtet  gebliebene  obere  Blüthe  eines 
Exemplares,  welches  eine  schon  völlig  reife  Kapsel  trug.  Da  an  einigen 
anderen  Kapseln  üeberreste  von  Blüthen  sassen.  welche  auch  nicht 
viel  besser  aussahen,  so  scheint  es,  dass  die  Perigone  sich  nach  dem 
Abblühen  nicht  sehr  ändern,  und  ich  habe  deshalb  die  Diagnose 
nach  dieser  einzigen  ganz  vollständigen  Blüthe  entworfen.  Möglich 
wäre  es.  dass  ich  die  Breitenverhältnisse  etwas  unterschätzt  hätte. 
Die  kleinen  Wärzchen  auf  der  Mittellinie  der  Lippe  haben  grosse 
Aehulichkeit  mit  denen  von  Acianthus  fornicatns  R.  Br.,  nur  sind  sie 
etwas  länger  (c.  Endlicher  Icon.  gen.  plant,  tab.  16,  C.  13).  Mit  den 
beiden  anderen  Acianthus- Arien  Neu-Caledonien  Acianthus  elegans 
Rchb.  f.  und  Acianthus  atepalus  Rchb.  f.,  welche  unter  einander 
völlig  unähnlich  sind,  hat  unsere  Art  nicht  die  geringste  Aehnlichkeit. 

Clrrhopetaluin  Layardi  F.  v.  Müll,  und  Krzl.  Rhizomate?  — 
bulbo?  —  folio  oblongo  obtuse  bilobo  in  pedicellum  2  cm  longum 
attenuato  ipso  (i.  e.  lamina)  11cm  longo,  3  cm  lato,  scapo  paullum 
breviore  gracili  nutante  cataphyllis  3  brevibus  lanceolatis  acutis 
instructo,  paucifloro  (floribus  3  in  specimine  nostro)  bracteis  mimi- 
tissimis.  Sepalo  dorsali  circuitu  oblongo  obtuso  cucullato.  nervo 
mediano  dorso  in  aristam  sepalo  fex  aequilongam  producto,  sepalis 
lateralibus  pone  basin  rotundato-dilatatis  longe  triangulis  acuminatis 
plus  minusvo  conglutinatis,  petalis  oblongo-liuearibus  obtusis  dense 
pustulatis  (!)  margine  crinitis,  labelli  hypochilio  lineari  valde  cur- 
vato,  epichilio  basi  lata  deinde  angustata  margine  reflexo  antice 
(margine  scilic.)  verrucoso  denticulato,  gynostemii  dente  postico 
brevi,  dentibus  lateralibus  longissimis  cirrhatis.  —  Totus  flos  (sine 
pedicello)  2"5  cm  longus. 

Neu-Caledonien  leg.  Leopold  Layard.  Exam.  specim.  culta. 

p]ine  durch  die  dicken  mit  rothen  Pusteln  besetzten  Petaleu 
höchst  ausgezeichnete  Art.  Habituell  erinnert  sie  am  meisten  an  das 
aus  Hongkong  stammende  C.  delitescens  (W.  Hauce)  A.  Rolfe.  Der 
Fuss  der  Säule  ist  in  der  bekannten  Art  aufwärts  gebogen  aber 
auffallend  schmal,  das  Epichilium  setzt  sich  mit  einer  verhältniss- 
mässig  breiten  dreieckigen  Basis  an,  um  sich  alsdann  allmählich 
nach  vorne  zu  verschmälern,  der  Rand  ist  nach  unten  umgeschlagen 
und  am  Rande  wenigstens  in  der  vorderen  Hälfte  durch  vorspringende 
Wärzchen  leicht  gezähnelt.  Die  Säule  hat  beiderseits  einen  weit  vor- 
gezogenen grannen förmigen  Zahn.  Das  einzige  mir  zur  Verfügimg 
stehende  P]xemplar    war   von    einem  Herrn  Rob.  Layard  auf  Neu- 


211 

Caledonien  gesammelt  und  einem  dort  lebenden  Herrn  Eoberts 
gegeben,  bei  welchem  es  zur  Blüthe  kam. 

Vandopsls  Chalinerskma  F.  v,  Müll,  et  Krzl.  Planta 
robusta.  Caule  digitum  crasso.  vaginis  (interuodiisve)  4  cm  longis, 
foliis  rigidis  late  linearibus  vel  lineari-oblongis  ad  24  cm  longis, 
4  cm  latis  apice  bilobis  utrinque  obtusatis,  racemo  deflexo  foliis  sub- 
aequilongo  paucifloro  squamis  bractoiformibus  2  vel  3  vestito,  bracteis 
late  ovatis  obtusiusculis  quam  Ovaria  longioribus.  Floribus  illis 
V.  lissochiloides  Pfitz.  omnino  similibus  multo  tamen  minoiibus.  Se- 
palis  petalisque  conlormibus  cuneato-obovatis  obtusis  leviter  concavis, 
labelli  medio  saccati  lobis  lateralibus  minoribus  rotuudatis  airectis. 
lobo  intermedio  compresso  solido  sulcato  apice  ipso  paullulum  di- 
latato  emarginatoque,  callo  longitudinali  basi  inter  lobos  laterales, 
dente  brevi  acuto  in  medio,  toto  labello  a  latere  viso  eodem  pecu- 
liari  modo  curvato  ac  in  Vandops.  lisdochiloide,  gynostemio  perbrevi 
generis.  —  Totus  flos  circiter  1  cm  diametro,  de  colore  nihil 
constat. 

Südost-Neu-Guinea,  coli,  ßev,  J.  Chalmers,  1878. 

Die  Pflanze  ist  eine  robuste  stattliche  Vandee  und  ganz  dar- 
nach angethan,  Sammler  irre  zu  führen,  welche  irgend  eine  schätz- 
bare Van  da  oder  Aerides  in  ihr  zu  vermuthen  berechtigt  sind.  Die 
Blüthenstände  sind  in  höchst  merkwürdiger  Weise  abwärts  gebogen, 
woran  indessen  das  Gewicht  der  8  — 10  winzigen  Blumen  nicht 
schuld  ist.  Die  Blüthen  selbst  sind  auf  und  nieder  betrachtet  eine 
auf  1  cm  verkleinerte  Ausgabe  derer  der  sattsam  bekannten  Van- 
dopsis  lissochiloides  Pfitzer,  welche  Jahrzehnte  lang  unter  dem  Namen 
Fieldia  lissochiloides  Gaudich.  der  Stolz  derjenigen  Sammlungen  war. 
welche  sich  eines  gut  besetzten  indischen  Orchideenhauses  rühmen 
durften.  Das  Labellum  zeigt,  von  der  Seite  gesehen,  bei  beiden 
Arten  dieselben  Krümmimgen,  von  oben  gesehen,  denselben  schmalen 
Grundriss  und  einen  ganz  ähnlich  gebauten  zahnähnlichen  Höcker, 
abweichend  ist  die  Form  der  Seitenlappen,  des  Callus  am  Grunde 
der  Lippe  und  die  Spitze  des  Mittellappens,  welche  ganz  vorn  in 
eine  schmale  dünne,  schwach  ausgerandete  Platte  ausgeht.  Die  Textur 
der  Blüthe  ist  im  Leben  jedenfalls  knorpelig  und  im  getrockneten 
Zustande  fast  hornig. 

Earina  Sanioensmni  F.  v.  Müll,  et  Krzl.  (Sceptrum). 
Caule  basi  ipsa  foliis  paucis  vestito,  vaginis  foliorum  satis  longis 
oblique  abscissis,  foliis  ipsis  linearibus  apice  obtusis  vix  bilobulis 
strictis  ad  50  cm  longis  (cum  vagina)  1*5  cm  latis  vel  vix  latioribus, 
scapo  75  cm  alto  uno  tantum  folio  in  basi  ipsa  vestito  ceterum 
nudo  subcompresso,  racemo  disticho  multifloro,  ramulis  distichis, 
bracteis  ramulorum  triaiigulis  acutis  brunneis  basi  ustulatis  quam 
ramuli  ter  vel  quater  brevioribus,  ramuli  bracteis  floriferis  4 — 5  in 
ramulo  quoque  latissimis  apice  semper  bifidis  ibique  ustulatis  vel 
nigro-punctatis.    ovariis    bracteas    multo  excedentibus   tortis  costatis. 


212 

Sepalo  dorsali  oblonge  cucullato  obtuso.  lateralibus  ovario  insertis 
ovato-oblongis  dorso  carinatis  acutis,  petalis  miiioribus  late  oblongis 
obtusis,  labello  omnino  integro  antice  deflexo  cocUeato  sacculo 
amplo  margine  antice  minntissime  undulato,  gynostemio  gracili  cur- 
vato  androclinio  profundo  antliera  plana  perfecte  bilociüari  polliniis 
pulveralentis  fragilibus.  —  Totiis  flos  subclausus  3  mm  longus, 
flaveo-rubellus. 

Samoa- Inseln    —    Upolu,   Apia   auf   Bäumen    leg.    Betcke, 
24.  November  1880,  Nr.  55. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Nachtrag  zu  „Florula  insulae  Thasos". 

Von  J.  Bornmüller  (Weimar). 

(Schlnss.i) 

Pqrola  chlorantha  Swartz  in  Kiefernwäldern  des  Monte 
Trapeza. 

*P.  secunda  L.  Tannenwälder  des  Atbos. 

Erythraea  Centaurium  Pers.  bei  Limenas  in  typischer  Form, 
nicht  etwa  E.  Gent,  subspec.  (an  var.?)  E.  Turcica  Velen.  1887, 
Flor.  Biilg.  p.  385  „bracteis  et  calycis  laciniis,  quae  in  alas  pedun- 
culorum  liyalinas  decurrunt,  dense  glandulosis",  welche  ich  aus  Klein- 
asien von  Amasia  als  E.  Centaurium  unter  no.  1236  b  (pl.  exsicc 
Anal.  Orient,  a.  1889)  vertheilt  habe.  E.  Turcica  Velen.  ist  weiter 
verbreitet  gegen  Osten  bis  nach  Armenia  Minor  (prope  Zara  ad 
Halyn  tiavium,  I.  Bornm..  Iter  Persicoturcicum  1892—93,  no.  3438) 
und  Nord-Syrien  (prope  Aintab  et  Marasch  leg.  cl.  Haussknecht) 
gegen  Westen  bis  nach  Sardinien  (Belegexemplare  im  Herbar  Hauss- 
knecht!) 

Myosotis  Idaea  Boiss.  et  Heldr.  in  einer  sehr  grossblumigen 
Form  (var.  Cadmea  Boiss.  Flor.  Or.)  sehr  häufig  in  den  hochgelegenen 
Kiefernwaldungen  des  Hypsariogebirges  (=  M.  silvatica  exsicc.  et 
Hai.  loc.  cit.  p.  419). 

* Echinospermum  Lappula  L.  am  Athos. 

Veronica  praecox  All.  bei  Limenas  auf  Thasos. 

Ajuga  Chia  (Poir.)  Flor.  Or.  excl.  var.  (=  A.  Chamaepitys 
L.  var.  grandiliora  Vis.)  steinige  Orte  bei  Theologos. 

Saliia  alpestris  Haussk.  (Nym.  consp.  addit.  p.  248)  ex  autore 
(=  S.  argentea  var.  alpina  Heldr.  von  Euböa)  stimmt  mit  der 
Pflanze  von  Pindus  und  Euböa  völlig  überein;  wächst  auf  dem 
höchsten  Plateau  des  Monte  Elias  auf  Thasos  900—1000  m  s.  m., 
durch    anderes    Itidumentum     und   Blattgestalt    gut    charakterisirt. 

'j  Vergl.  Nr.  5.  Seite  173. 


213 

S.  argenlea  L.,  zumindesten  in  typischer  Form,  ist  aus   der  Florula 
insulae  Thasos  wiederum  zu  streichen. 

Salvia  Verbenaca  L.  bei  Limenas. 

Lamium  amplexicaule  L.  bei  Limenas  häufig. 

Stachys  Germanica  L.  var.  calycis  lacinils  elongatis  suhulatis, 
buschige  Orte  auf  Thasos  (bei  Limenas). 

* Phlonüs  Saniia  L.  spec.  plant.  IIL  p.  819.  f.  typica;  auf 
dem  Atbos  besonders  in  der  mittleren  Waldregion  sehr  häufig; 
syn.  Ph.  Samia  L.  var.  Graeca  Bornm.  in  Oesterr.  botan.  Zeitschr. 
1892,  p.  116.  Da  in  der  Wildenow'schen  Ausgabe  der  Species 
plantarum  (1800)  tom.  111,  p.  120  nur  Nordafrika  und  nicht 
Sam  OS  oder  Griechenland  als  Heimat  der  P.  Samia  L.  angeführt  wird, 
verfiel  ich  auf  den  Irrthum,  die  abweichende  Varietät  Algiers, 
P.    Samia  L.  ß.  Algeriana  DC.  als  den  Typus  zu  betrachten. 

Ballota  nigra  L.  Ruderalplätze  der  Nordseite. 

Clinopodium  vulgare  L.  trockene  Wälder  bei  Theologos. 

Lysimachia  punctata  L.  schattige  Abhänge  der  Ostseite 
(Potamia). 

Anagallis  arvensis  L    Aecker  (=  B.  bei  Limenas.) 

Asterolinum  steUatum  L.  bei  Limenas. 

Cyclamen  Coum  Mill.?  in  Platanenwäldern  zwischen  Potamia 
und  Theologos;  nur  Blätter  angetroffen  („folia  orbiculata  integra"), 
ausserdem  0.  Neapolitanwn  Ten.  auf  dem  Mout  Elias. 

Prirnula  suaveolens  Bert,  auf  dem  Hypsariogebirge ,  sowohl 
auf  dem  Monte  Elias  als  auf  dem  Monte  Trapeza. 

Chenopodium  Boirys  L.  bei  Limenas. 

Rnmeoc  ohtusifolius  L.  bei  Limenas. 

*R.  tuherosus  L.  bei  Kerasia  auf  dem  Athos. 

Polygonum  pulchellum  Loisl.  bei  Potamia. 

Aristolochia  Clematitis  L.  in  Hecken  und  Weinbergen  (bei 
Limenas.) 

Kuphorhia  helioscopia  L.  tr.  Orte,   überall. 

E.  Wulfeni  Hpp.,  bei  Theologos;  auch  bei  Cavala  am  Fest- 
land; dies  die  einzigen  Plätze  im  Osten  der  Balkanhalbinsel,  somit 
neu  für  Boissiers  Gebiet  der  Flora  Orientalis. 

Populus  alba  X  tremvla  =  P.  canescens  Sm..  nicht  identisch 
mit  P.  Graeca  Griseb.  Spicil.  II.  p.  345  (non  Alton),  welche  nach 
genauen  Beobachtungen  am  classischen  Standorte  mit  aller  Gewiss- 
heit niclits  anders  sein  kann,  als  eine  Jugendforra,  resp.  forma  putata 
der  in  solchem  Zustande  der  P.  tremuloides  Mchx.  (=  P.  Graeca 
Ait.  aus  Ainerika)  äusserst  ähnlich  sehenden  P.  tremula  L.  Beleg- 
exemplare liegen  in  Grisebach's  Herl)ar  nicht  vor.  Populus  treniida  L. 
bildet  auf  der  Athos-Halbinsel  an  feuchten  Abhängen  der  sub- 
alpinen Südosthänge  ausgedehnte  hainartige  Bestände,  die  häufig 
geschlagen  werden.  Solche  zeigen  besonders  an  den  überhängenden 
Endtrieben  immer  noch  die  eiförmigen,  spitzen,  am  Rande  nur  säge- 


214 

zälinigen  Blätter,  wie  sie  die  jungen  Sprösslinge  besitzen.  Das  gleiche 
Verhältniss  findet  bekaimtlich  bei  Populus  Eaphratica  Oliv,  statt, 
pflegen  doch  auch  die  älteren  Exemplare  von  Populus  alba  beim 
Frühjahrstrieb  nur  ungetheilte,  schwachbefilzte,  häufig  gänzlich  ver- 
kahlende  Blätter  (=  E.  Bachofenii  Wierzb.)  hervorzubringen,  während 
erst  beim  zweiten  Triebe  wieder  die  tiefgelappten  weissfilzigen  Blätter 
erscheinen.  Populus  alba  X  tremula  beobachteten  wir  in  einem  alten 
Exemplar  bei  Limenas  auf  Thasos  (exsicc.  no.  118). 

Abies  Apollinis  Lk.  in  etlichen  Hundert  Individuen  am  Nord- 
hange des  Hypsariogebirges  am  Wege  von  Potamia  nach  Theologos. 
Da  nur  zu  einem  einzigen  sterilen  Baum  zu  gelangen  möglich  war 
und  Zapfen  nicht  eingebracht  wurden,  dürfte  die  Determination  als 
zweifelhaft  erscheinen.  Jedoch  stimmen  die  Zweige  völlig  mit  denen 
von  Athos  und  Olymp  {A.  Apollinis  Lk.!)  überein  (zugespitzte! 
nicht  ausgerandete  Nadeln!)  so  dass  diese  meine  Annahme,  ent- 
gegen der  Herrn  Dr.  von  Halacsy's  (loc.  cit.  p.  22  a.  1893)  völ- 
lige Berechtigung  hat.  Die  ihr  verwandte  A.  Nordmanniana  Stev. 
wurde  von  mir  1886  auf  dem  bithynischen  Olymp  als  westlichste 
Station  ihres  Verbreitungsgebietes  aufgefunden;  sie  stimmt  völlig 
mit  der  Pflanze  aus  Paphlagonieu  (legi  1889  und  1890,  ferner 
Sintenis  1891)  überein.  Die  instructiven  Zapfen  mit  „bracteis  a  basi 
stipitata  spathulatis  fere  orbiculatis  apice  denticulatis  et  retusis" 
lassen  jeden  weiteren  Zweifel  über  die  nord-anatolische  Edeltanne 
fallen,  während  die  Athos -Tanne  durch  „bracteis  apice 
spathulatis"  sofort  als  A.  Apollinis  Lk.  gekennzeichnet  ist.  Ob 
auf  dem  bithynischen  Olymp  A.  Equi  Trojani  Aschers,  et  Sint. 
ebenfalls  vertreten  ist,  bleibt  dahingestellt,  so  lange  von  der  zweiten 
dort  vorkommenden  (schmalnadeligen)  Edeltanne  nicht  Zapfen  zum 
Vergleiche  vorliegen;  die  sterilen  Zweige  gleichen  aber  ungemein 
der  trojanischen  Tanne,  von  welcher  mir  Belegexemplare  im  Herbar 
Haussknecht  zugänglich  waren. 

Iris  Balkana  Jka.  (?)  auf  dem  Marmorplateau  des  Hypsario- 
gebirges auf  der  Spitze  des  Monte  Elias  ca.  1000  m  s.  m.;  leider 
zu  dürftige  Exemplare  „ovario  pedicellato". 

Crocus  puchellus  Herb.,  auf  der  Höhe  des  Hypsariogebirges 
am  23.  Mai  nur  in  Fruchtexemplaren  angetroffen.  Die  im  Herbst 
im  Garten  Herrn  Leichtlin's  in  Baden  zur  Blüthe  gelangten 
Exemplare  Hessen  nach  0.  Maw's  Monographie  Tab,  LXV  bestimmt 
G.  pulchellus  Herb,  erkennen  („filamenta  patenti-hispida"  und  nicht 
kahl  wie  bei  0.  speciosus  M  B.,  ferner  (Jrund  des  Perigons  gelb, 
nicht  gleichfarbig!).  Oft  kleinblumige  und  dadurch  dem  Cr.  pul- 
chelhis  sehr  ähnlich  gestaltete  Formen  von  C.  sp,'ciosus  MB.  sind 
in  den  Bergen  von  Amasia  im  südlichen  Pontus  sehr  häufig.  Leicht 
kenntlich  ist  C.  speciosus  im  nichtblühenden  Zustande  an  den  silber- 
weissen  inneren  Häuten  des  Cormus. 


215 

Galanthus  Graecus  Orpli.  (=  G.  ifracilis  Celak.  sec.  cl.  Reck), 
an  steinigen  Abliängen  der  höchsten  Kuppen  des  Hypsariogebirges. 
besonders  am  Mte.  Elias,  ferner  im  Geröll  und  in  den  Spalten  der 
nach  Norden  senkrecht  abfallenden,  von  Sa.rifram  porophylla  Bert., 
Arahis  hryoides  Boiss.  etc.  bewohnten  Felswände  bei  ca.  900  m  s.  ra.: 
einzige  aus  dem  Archipel  bekannte  6raZa>i/A»s- Art  (Chios.).  Zwiebeln 
von  Thasos  befinden  sich  in  Cultur  bei  Herrn  Leichtlin  in  Baden; 
vor  sämmtlichen  in  Cultur  befindlichen  Schneeglöckchen-Arten  soll 
die  Thasospflanze  durch  völlige  kugelrunde  Früchte  gekennzeichnet  sein. 

Die  von  mir  (plant,  exsicc.  Anatoliae  Orient,  a.  1889,  no.  1)  als 
Galanthus  Fosteri  Bak.  vertheilten  Exemplare  aus  den  Bergen  von 
Amasia  (ex  loco  classico)  gehören  nur  z.  T.  genaimter  Art  an. 
grösstentheils mögen  es  (nach  briefl.  Mittheil.  d.  Herrn  Dr.  G.  v.  Beck) 
G.  Graecus  Orph.  sein,  welche  in  der  niederen  Bergregion,  z.  B. 
am  Logman  über  Amasia,  sehr  häufig  ist,  während  G.  Fosteri  Bak. 
in  den  höheren  Gebirgen,  z.  B.  des  Sana-dagh,  massenhaft  auftritt. 
Die  von  mir  in  grosser  Menge  eingeführten  und  Herrn  Leichtlin 
übergebenen  Zwiebeln  entstammen  fast  ausschliesslich  dem  Sana-dagh, 
die  Exsiccaten  aber  verschiedenen  Plätzen. 

Convallaria  majalis  L.,  in  Wäldern  des  Mte.  Trapeza  im  Ge- 
biete dei-  ..Flora  Orientalis"  selten;  auch  bei  Hagios  Dionysios  im 
th essaiischen  Olymp. 

Fritülaria  Pontica  Wahl.  Felsige  schattige  Nordabhänge  des 
Mte.  Trapeza  bei  ca.  900  m  s.  m.;  neu  für  die  ägäische  Inselflora. 
Eine  andere  Fritülaria  fand  sich  im  Oelwald  bei  Potamia-Skala 
vereinzelt  vor,  jedoch  verblüht  und  unbestimmbar;  auch  bei  Kerasia 
auf  dem  Athos  findet  sich  in  den  Laubwäldern  eine  Fritillaria  in 
zahllosen  Mengen,  die  in  Cultur  gebracht  von  Herrn  Leichtlin 
als  Fritillaria  Guiccardii  Heldr.  et  Sart.   erkannt  wurde. 

Dracunculus  vulgaris  Seh.,  sehr  häufig  im  nördlichen  Theil 
der  Insel  in  Weingärten  und  im  grasigen  Hügelland. 

Alopecurus  af/restis  L.,  auf  Ackerland  bei  Limenas. 

Bromus  tectormn  L.,  an  Wegen. 

*Stipa  Graßana  Stev.  {St.  pennata  exs.  Hai,  loc.  cit.  1893, 
no.  1),  im  Hochgebirge  des  Athoskegels;  diese  Correctur  verdanke 
ich  Herrn  Dr.  Velenovsky,  Da  Boissier  weder  das  von  Sib- 
thorp  noch  von  Frivaldszky  am  Athos  gesammelte  Exemplar  ein- 
gesehen hat.  erscheint  es  fraglich,  ob  Stipa  pennata  überhaupt  auf 
dem  Athos  vorkommt,  zumal  St.  Graßana  Stev.  am  Athos  so  häufig  ist, 
dass  sie  nicht  von  Sibthorp  und  Frivaldszky  übersehen  werden 
konnte. 

* Coleosporium  Cainpanulae  (Pers.y)  auf  Campanula  rupestrisS.S. 
am  Kloster  Lavra  auf  Hagion  Oros;  ferner  auf  Campanula  versi- 
color  S.S.  am  Fusse  des  Olymp  (Thessal.). 

')  Herr  Prüf.   i*.  Magnus  hatte  die  Güte,  die  Pilze  zu  bestimmen. 


216 

*Puccmia  Malvacearwn  Mont.,  auf  Malva  erecta  Prsl.;  bei 
Dede-aghatsch  an  der  thracischen  Küste  und  bei  Limenas  auf  Thasos. 

Pucmiia  Pimpinellae  (Str.)  auf  Smyrnium  Orphanidis  Boiss. 
Burgberg  bei  Limenas. 

*Urotni/ces  Ficariae  (Schum)  auf  Ficaria  verna  Huds.  bei 
Philippopel. 

*Uredo  zu  TJrornyces  Terehinthi  (=  P'deolaria  Terebinthi 
Gast.)  auf  Plstacia  Lentiscus  L.,  am  Fusse  des  Olymp. 

*Uromyces  Anthyllidis  Grev.  auf  Goronilla  emeroides  Boiss., 
am  Fusse  des  Olymp  (bei  Lithochori). 

*Ustilago  Tritici  (Pers.)  auf  Triücum  vulgare  L.  bei  Dede- 
aghatsch  an  der  thracischen  Küste. 

*Gymnosporangium  clavariaeforme  (Jacq.),  das  Aecidhim  auf 
Crataegus  Azarella  Griseb.,  am  Fusse  des  thessalischen  Olymp,  ferner 
auf  Crat.  monogyna  Jacq.  am  Athos  bei  Kerasia. 

"^ Aecidlum  Euphorbiae  Gmel.  auf  Euphorbia  Gyparissias  L, 
bei  Sofia  und  Philippopel. 

*Alhugo  Candida  (Pers.)  bei  Dede-aghatsch  auf  Brassica. 

Weimar,  5.  März  1894. 


Bemerkungen  über  einige  orientalische  Pflanzenarten. 

Von  Dr.  A.  v.  Degen  (Budapest). 

XV. 
Vier  für   die  bulgarische  Flora  neue  Pflanzen. 

Es  drängt  mich,  einige  der  schönsten  Entdeckungen  des  Herrn 
Wagner  schon  jetzt  zu  veröffentlichen,  umsomehr,  da  das  Vorkommen 
der  zwei  zuletzt  angeführten  Arten  von  ganz  besonderem  pflanzen- 
geographischen Interesse  ist,  da  sie  bisher  nur  von  den  griechischen 
Gebirgen  bekannt  waren. 

1.  Cfjtisus  inicro2ihijllus  Boiss. 

An  Abhängen  des  Central-Ehodopegebirges  bei  dem  Dorfe  Cepe- 
lare  nahe  der  türkischen  Grenze  (27.  Juni  1892,  Wagner  exsicc. 
Nr.  38). 

Ich  muss  mich  vollkommen  der  Ansicht  des  Herrn  Prof. 
V.  Wettstein  anschliessen,  der  diese  Pflanze  in  seinen  Beiträgen 
zur  Flora  von  Albanien  p.  37  als  Subspecies  des  Gytisus  Heuffelii 
Wzb.  auffasst,  welchem  sie  gewiss  hauptsächlich  der  auch  oberseits 
behaarten  Blätter  wegen  zunächst  steht.  Durch  besonderen  Reich- 
thum  an  dottergelben  Blüthen  und  durch  silberig  schimmernde 
Blätter  weitaus  der  auffallendste  Geissklee  der  bulgarischen  Berg- 
region. 


217 

2.    Thulictrinn  strictum   Led. 
All  buschigen  Abhäugeu  des  Berges  Catalkaje  bei  Slivno. 

3.  l*euce<ianunt  cuUlloUles  B.  H. 

Diese  bisher  blos  vom  Parnass  und  Olymp  bekannte  Art  ent- 
deckte Herr  Wagner  an  buschigen  Abhängen  des  Rhodopegebirges 
bei  Bellova.  „Von  P.  austriacum  (Jcqu.)  nicht  allein  durch  den 
weniger  ])eileutenden  Unterschied  in  der  Blattform,  sondern  haupt- 
sächlich duicli  die  am  Grunde  tief  ausgerandeten  und  grösseren 
Mericarpien  gut  verschieden"  (Haläcsy  in  litt.). 

4.  Silene  fabarioides  Hausskn. 

exsicc.  et  apud   Nynian  Suppl.   II,  p,  51,    solum  nomeii;    Mitth.  des  Tliüring. 
Lot.  Ver.  N.  Folge,  5.  Hft.  (1894)  descr. 

An  Abhängen  des  Central -Khodope- Gebirgszuges  zwischen 
Hrojna  und  Tepelare  (Juni  1892). 

Eine  von  mir  ursprünglich  für  eine  neue  Art  gehaltene  Silene, 
in  welcher  ich  später  die  in  Nyman's  Suppl.  II.  erwähnte  Silene 
faharioides  Hausskn.  veimuthete,  welche  Vermuthung  durch  Güte  des 
Herrn  Dr.  v.  Haläcsy,  der  unsere  Pflanze  mit  Originalien  ver- 
glichen hat,  zur  Gewissheit  wurde. 

Budapest,  am  1.  März  1804. 


Platttae  novae  Orienfales, 

III. 

Von  J.  Freyn  (Prag). 

(Fortsetzung. ') 

Echlnops  ( nitro)  bipuuiatiis  Freyn  et  Sint.  Gaule 
e  1  a  1 0  crasso  angulato  et  sulcato  albo-tomentosopraetereaque 
sparsim  setoso-glanduloso  folioso  superne  di varicatim  corym- 
boso  oligocephalo,  foliis  horizontaliter  patentibus  superne  viri- 
dibus  laxe  araneosis  setisque  brevibus  glanduliferis  laxe 
adspersis  subtus  dense  albo -  pannosis,  basilaribus  longis- 
simis  oblongis  in  lacinias  oblongo  -  trianguläres  secus  rhachidem 
margine  breviter  spinosam  bipi  nnatisectis,  margine  aculeolatis 
et  apicibus  nervo  excurrente  spinosis:  foliis  caulinis  infimis 
et  mediis  basilaribus  aequilatis  sed  multo  brevioribus,  bipin- 
natis,  laciniis  apicem  versus  decrescentibus.  summis  usque  ad 
capitulorum    basin    sensim    diminutis    pinnatis,    lobis    basi    utrinque 

')  Vergl.  Nr.  4,  S.  144. 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  (>.  Heft.  1894  17 


218 

1 — 2deutatis  spinosis;  rarais  fere  nudis  teretiiisculis  albo-pannosis 
divaricatis  et  siirsum  siibarcuatis:  capitulis  (ante  antbesin)  parvis 
(nucem  vix  aequaiitibiis),  penicillo  brevi  setis  inaequalibus 
paucis  paleaceis  subscabris,  involucri  (caerülei?)  glabri  vel 
laxe  lanatuli  obtiise  augulati  pbyllis  circa  16  adpressis 
obtuse  carinatis  apicem  versus  breviter  pectinatis  ab  extimis  apice 
triangularibus  ad  intima  lanceolato  -  subulata  auctis,  omnibus 
liberis,  acheniis  ignotis.   '4-  Exeunte  junio. 

Paphlagouiae  ad  Tossia:  in  glareosis  rivuli  Devrek-tschai 
prope  Düfler  die  23.  junio  1892  leg.  Siutenis!  (Exsicc.  no.  4392.) 

Dimensiones:  Caulis  (ex  uuico  specimine)  90cm  altus  ad 
basin  centimetrum  fere  crassus;  folia  basilaria  circa  40  cm  longa, 
13  lata,  rbacbi  circa  8  mm  lata,  laciniis  30x8  milliraetralibus; 
folia  caulina  media  circa  25  cm  longa  laciniis  ad  eorum  basin  circa 
4  mm  latis;  capitula  pollicaria;  involucrum  speciale  (ante  antbesin) 
11mm  altum,  sterilia  cornigera  bicentimetralia;  penicillus  3— 4  mm 
longus. 

Indumento  et  babitu  E.  graeco  Mill.  affinis  sed  caractere 
essentiali  involucri  et  capitulis  parvis  E.  microcephalo  S.  S.  com- 
parandus,  a  quo  noster  abunde  dilfert  caule  elato  (nee  bumili) 
superne  tantum  corymboso  (nee  dumoso  a  basi  ramoso),  foliis  bipin- 
natis  (nee  pinnatisectis),  involucri  pbyllis  16  (nee  20 — 22)  parvis. 
Insuper  difPerunt  E.  sphaerocephalus  L.  indumento  viscoso-glanduloso, 
foliorum  divisioue,  capitulis  et  involucris  multo  majoribus;  denique 
E.  Heldreichii  Boiss.  nostro  indumento  et  babitu  simili,  capitulis 
et  involucribus  magnis,  pbyllis  margiue  bisetosis,  penicillo  longo,  etc. 

ConshUa  {^ueousinki  §.  7.  Drepanophorae  Winkl.) 
Stapfjaua  Freyn  et  Sint.  Perennis,  caule  humili  foliosissimo 
dense  niveoaracbnoideo-lanato  a  medio  plus  minus  divari- 
catim  corymboso  ramoso;  foliis  utrinque  araneosis  subtus 
niveis  oblougis  in  segmenta  fere  pectinata  apicem  folii  versus 
accresceiitia  lanceolata  basi  bastata  apice  in  spinulam  brevem 
abrupte  acumiuata  pinnatisectis,  rhacbide  anguste  alata  parce 
breviterque  lobulata;  rosularibus  brevissime  petiolatis  rhacbide 
augusta,  caulinis  sensim  minoribus  infimis  rosulariuni  majo- 
ribus longiuscule  petiolatis,  caeteris  sessilibus  secus  caulem 
longe  decurrentibus  (et  ideo  caulis  ex  toto  alatus),  summis 
capitula  pauca  sessilia  e  basi  umbilicata  ovata  4  — 14  flora 
parva  bracteantibus;  involucri  pbyllis  circa  90  a  basi  ad 
medium  laxe  aracbnoideis  parte  superiore  (iuteriorum  porrecto 
excepto)  glabrata  lutea  longa  subulato-triquetra  squarrose 
patenti  recurva;  receptaculi  setis  longioribus  ad  apicem  serrulatis, 
caeteris  laevibus;  flosculis  glabris  luteis  antberarum 
tubo  (sicco  saltim)  cupreo  glabro;  acheniis  juvenilibus  oblongis 
compressiusculis  costatis  laevibus  apice  rotundatis  subdenticulatis, 
basi  areola  obliqua  affixis,  maturis  ignotis  7\ .  Julio,  Augusto. 


219 

Paplilagonia,  Tossia:  in  collibus  ad  Kawak-Tscheschme  die 
6.  julio  et  4.  aiigusto  1892  leg.  Sintenis!  Rxsicc.  no.  4561.) 

Dirnen siones:  Caulis  17 — 30  cm  altus,  folia  rosularia 
majora  12  cm  longa  pinniilis  lOparis  sine  spinulam  15  mm  longis 
4*5  ad  medium  latis;  involucrum  capitiilonim  bene  evoliitorum 
majorum  17  mm  altum  et  (excepto  parte  recurvo  pliyllorum)  ad 
medium  12,  cum  liisce  partibus  23  mm  latum;  achenia  immatura 
4  mm  longa,  1*5  lata. 

Nur  ungerne  babe  ich  mich  entschlossen,  abermals  eine  neue 
Art  in  dieser  ohnehin  schon  überreichen  Gattung  zu  beschreiben, 
indessen  erübrigte  weder  nach  Boissier's  Flora  Orientalis  noch 
nach  C.  Winkler's  eben  erschienener  Synopsis  specierum  generis 
Cousiniae  (Acta  horti  Petropol.  vol.  XII.  fasc.  7)  eine  andere  Mög- 
lichkeit, da  die  neue  Art  mit  keiner  bisher  beschriebenen  vereinigt 
werden  kann.  Nach  Win  kl  er 's  Synopsis  stimmt  sie  wegen  des 
durchaus  und  mehrzeilig  geflügelten  Stengels  wohl  mit  C.  disseeta 
Kar.  Kir.  und  0.  alata  C.  A.  Mej  überein ;  beide  sind  aber  central- 
asiatische  Arten  ohne  sonstige  nähere  Beziehungen.  Solche  haben 
jedoch  einige  westasiatische  Arten  mit  kurz  herablaufenden  Blättern, 
nämlich  0.  eataonka  Boiss.,  Hausskn.  und  C.  Sintenisü  Freyn, 
welch'  letztere,  eine  armenische  Art,  jedoch  hochwüchsig  ist  und  fast 
gebüschelte  Zweige  hat;  ihre  Blätter  sind  oben  kahl,  glänzend  grün, 
kurz  herablaufend,  lanzettlich  dreieckig-lappig;  die  Köpfe  sind 
etwa  25-blüthig,  die  Hüllblättchen  lein  gesägt,  die  (reifen)  Achänen 
viel  kürzer  und  dabei  breiter.  C.  cataonica  dagegen  ist  vom  Grunde 
an  ästig,  deren  Grundblätter  sind  in  schmallineale  Lappen  getheilt, 
die  Stengelblätter  winzig,  kaum  zolllang,  länglich  lanzettförmig, 
dornig  gezähnt  (also  nicht  gefiedert),  kurz  herablaufend;  das  Invo- 
lucrum ist  kugelig  70 — 75  blättrig. 

Die  geogra])hisch  nächste  Art  ist  C.  caesarea  Boiss.  Bai., 
welche  aber  durch  viel  grössere  20 — 25-blüthige  Köpfe  mit  nur 
00— 05  Hüllblättchen  (deren  innerste  skarios  sind),  schmal  und 
kurz  herablaufende  Blätter,  runzelige  Achänen  etc.  weit  abweicht, 

l^h(ieop<ippus  (Chelrolcpis)  tuacrocephalus  Freyn  et 
Siut.  E  Iteophyllarum  grege.  Perennis  ad  Collum  subcomosus,  laete 
virens,  undique  papill  oso  -  viscidulus;  caulibus  albidis 
erectis  strictis  teretibus  subangulatis  striatis  foliosis  apice  1—2  cephalis; 
foliis  opacis  rigidis  punctatis  margine  scabriusculis,  ambitu 
lanceolatis;  rosularibus  petiolatis,  aliis  integerrimis  parce  denticulatis, 
aliis  lyratis  segmento  terminali  maximo;  caulinis  (exceptis  infimis 
petiolatis)  plus  minus  longe  decurrentibus  ad  superiora 
lanceolata  integerrima  sensim  diminutis;  summis  aggregatis  abrupte 
minoribus  in  spinulam  flavam  attenuatis  capitulomagno  globoso 
brevioribus  et  eo  involucrantibus!  involucri  phyllorum  appendice 
straminea  lutescente  coriacea  oblongo  triangulari  phyllo 
longiore    fimbriata    spina    pungente    tonn  in  ata    obsita, 

17' 


220 

appendicibus  intimis  membranaceis  orbi ciilatis  valde 
laceratis:  fiosculis  luteis  nou  radiantibus.  pappo  nifidulo  plumoso; 
acheniis  iguotis.   ?|.  Julio. 

Paphlaoroniae  ad  Tossia:  in  pratis  subalpinis  int  er  Kylköi 
et  Daltschadagb    die  15.  julio  1892  leg.  Sinteuis!  (Exsicc.  4626.) 

Dimension  es:  Caulis  pedalis  vel  subminor;  folia  rosularia 
excepto  petiolo  5  cm  longo  13  cm  longa,  pollicem  ad  vel  paulo 
supra  medium  lata:  caulina  infera  brevius  petiolata  3 — 4  cm.  lata 
pinnis  apicem  versus  accrescentibus  utrinque  6 — 7  integris  lanceo- 
latis  decurrentibus;  capitulum  florigerum  53cm  altum  et  diametro, 
involucrum  3*5  altum,  4 — 5  crassum. 

Pulcherrima  planta  Phaeopappo  saligno  Boiss.  tantum  affinis, 
a  quo  differt  caule  humili  (nee  2 — 3  pedali)  stricto  (non  virgato), 
foliis  maxima  pro  parte  lyratis  opacis  (nee  lucidis)  neque  elevatim 
reticulatis,  capitulis  majoribus,  phyllorum  appendice  oblongo-trian- 
gulari  (nee  orbiculari)  etc. 

Schliesslich  sei  bemerkt,  dass  der  Name  Ph.  macrocephalus 
zwar  schon  von  Boissier  für  Centaurea  macrocephala  MB.  ver- 
wendet worden  ist,  darum  aber  frei  und  daher  wieder  verwendbar 
wurde,  weil  Boissier  selbst  den  Namen  zurückzog,  als  er  die 
genannte  Pflanze  wieder  zur  Centaurea  zurückbrachte. 

Centaurea  (Acrolophus)  ramosissüua  Freyn  et  Sint. 
E  grege  Karaosissimarum;  elata  ramosissima  polycephala, 
radice  (ignota),  caule  (ignoto),  ramis  iterum  ramosis  foliosis 
ramulis  teretibus  striatis  parce  arachnoideis  laxe  pubescentibus  viri- 
dibus;  foliis  pro  ratione  latis  viridibus  laxe  arachnoideis  margine 
subscabris,  versus  apicem  ramorum  sensim  decrescentibus,  late 
lanceolatis  vel  integerrimis,  vel  parce  sinuato-dentatis  vel  sub- 
lyratis  (basi  sessili  nerape  lobos  binas  breviter  lanceolatas  gerentibus) 
vel  pinnatim  bijugis,  lobo  terminali  maximo;  summis  capitula 
pauciflora  breviter  pedu  neu  lata  solitaria  ovata  constricta 
tandem  globosa  subinvolucrantibus  vel  ab  hisce  parum  distan- 
tibus;  involucri  glabri  phyllis  adpressis  vix  striatis  viridibus, 
infimis  ovatis  caeteris  ad  intima  lanceolato-linearia  sensim  elon- 
gatis,  Omnibus,  exceptis  intima  ad  apicem  in  appendicem  hyalinuni 
rotundatum  laceratum  pioducta,  apice  fuscescente  longiuscule  pecti- 
nato  albo  ciliatis  in  spinulam  terminalem  fuscescentem  erecto  sub- 
patulam  ciliis  subduplo  longiorem  attenuatis;  flosculis  subradiantibus 
intense  purpureis,  disci  (sicco  saltim)  albidis;  pappi  serie  inter- 
media achenio  parvo  compresso  subpuberulo  dimidiam 
subaequante  0?  Exeunte  Junio. 

(Fortsetzung  folgt.) 


221 

Lichenologische  Fragmente. 

Von  Dr.  F.  Arnold  (München). 

(Fortsetzung.') 

11.  perforatus:  im  Herbare  befindet  sich  ein  kleines  mit  zwei 
noch  jugendliehen  Apothecien  versehenes  Exemplar  des  aus  Peiin- 
sylvanien  stammenden  „Liehen  perforatus  Jacq."  Diese  Flechte 
ist  nach  Ny  lau  der,  welcher  das  Exemplar  besichtigte,  P.  per- 
forata  f.  ciliata  Nyl.  syn.  p.  378:  ad  hanc  varietatem  pertinet  figura 
'in  Jacq.  Coli.  1,  p.  116,  t.  3.  Nyl  an  der  in  lit.  25.  Januar  1894, 
bemerkt:,  il  ne  semble  pas  cependant  raisonnable,  de  voir  le  type 
de  l'espece  en  cette  variete  peu  constante,  car  le  thalle  est  en  partie 
reticuleux-rugiieux  et  en  partie  lisse.  Le  P.  reticulata  Tayl.  tend 
ä  y  rapprocher  et  conflue  tout  ä-fait  avec  l'ordinaire  P.  perforata.  — 
Bekanntlich  ist  der  Lieh,  perforatus  Jacq.  auch  in  Hoff.  PI.  lieh, 
t.  XIII,  abgebildet,  lieber  Dillen  vergl.  Nyl.  in  Linn.  Soc.  Journ. 
17,  pag.  507. 

VII.  LlelieiK's  foliacei  coriacei:  Peltigeri. 


1.  scutatus:  sepincola, 

2.  venosus, 

■i.  resupinatus. 


f).  caninus, 

6.  polydactylus, 

7.  rufescens, 


4.  aphtofus,  I      S.  sylvaticus, 


!•.  horiznnto.lis 
1".  saccatus, 
1 1 .  croceus. 


1.  seutatus:  „alijs  sepicola,  Klagenfurti  in  Junipero"  ist  Pla- 
tt/mna  saepineola  Ehr.  c.  ap.;  vergl.  Arn..  Wulfen   1882,  p.  165. 

2.  venosus:  im  Herbarium  liegen  lediglich  zwei  Atome  der 
Peltidea  venosa  L. 

3.  resupinatus:  ..Prax,  Kühweger  Alpe,  Plecken",  besteht  aus 
3  Stücken  des  Nephromium  rempinatum  L.  thallo  fuscesc.  (vergl. 
Arn.,  Wulfen  1882,  p.  163. 

4.  aphtosus:  „Klagenfurti,  ubivis  in  sylvis"  ist  Peltid.  aph- 
tosa  L.,  neben  welcher  ein  Exemplar  der  Peltin.  horizontaiis  liegt 
(vergl.  Arn.,  Wulfen,  p.  164). 

5.  eaninus:  „Klagenfurti  ubivis  in  sylvis"  ist  die  normale  Pelticj. 
eanina  L.  (vergl.  Arn..  Wulfen,  p.   164). 

6.  polyilaelij/i(.s:  „Klagenfurti  in  sylvis"'  besteht  aus  Peltvi. 
eanina  L.  und  Peltvi.  rnfe.-ieens  (Neck);  vergl,  Arn.,  Wulfen,  p.  164. 

7.  rufeseens:  „Klagenfurti  in  sylvis  communis"  gehört  zu  Pelthj. 
rufeseens;  vergl.  Arn.,  Wulfen,  p.  164. 

8.  si/lrali'  us:  „Klagenfurti  in  sylvis  retro  Ziguln"  und  „auf 
der  Plecken"  sind  sterile  Stietina  .^ilmfiea  L.;  comp.  Arn..  Wulfen, 
p.  163. 

•)   Vert;rl.  Nr.  5,  S.   ISI. 


222 

9.  horizontalis :  „Klageiifurti  in  sylvis"  ist  Peltig.  horizontnUs ; 
vergl.  Arn.,  Wulfen,  p.  164. 

10.  saccatus:  ohne  Angabe  des  Standortes,  ist  Solorimi saccatalt. 

11.  croceus:  im  Herbarium  ist  nur  ein  einziges  kleines  Exem- 
plar der  S.  crocea  L.  vorhanden  (vergl.  über  beide  Solor.  Arn., 
Wulfen,  p.  163,  165).  

VIII.  Licheiies  foUaeei  coriacel:  ümbilicati. 


\.  Miniatus, 

2.  pustulatus, 

3.  proboscideus, 

4.  polyrrhizos, 

5.  flocculosus, 


6.   anthrarinus, 
1.  mesenteriformis, 

8.  exasperatus, 

9.  torrefactus, 
10.  velleus. 


\  1 .  erosus, 

12.  deustus, 

13.  (triseus. 


1.  miniatus:  ist  Endocarpon  miniat am  L.  Wulfen  unterschied 
im  Herbare  nach  der  Färbung  unbedeutende  Abweichungen:  a)  albo- 
griseus  und  b)  albidogriseus,  jede  von  beiden  subtus  armeniaciis; 
c)  griseocinerasceus,  punctulatus,  subtus  ex  armeniaco  fuscescens. 
Diese  Exemplare  entsprechen  den  Abbildungen  in  Jacq.  Coli.  2, 
t.  16.  Fig.  a.  b. 

Ein  Lieh.  min.  von  der  Flecken  gleicht  der  Abbildung  Fig.  d,  e,  f. 

Braune  schickte  eine  „Umhilicavia  spodochroa  Hoff.,  an  Thon- 
schieferfelsen  zu  Brugg  bei  Zell  imPinzgau".  Hiezu  bemerkt  Wulfen, 
„pro  lieh,  seu  Umb.  spad.  Hoif.  misit  Braune.  Secundum  Acharium 
non  potest  esse  spodochrous  Liehen.  Meo  judicio  est  Lieh.  )niniatug'\ 
Diese  Flechte  ist  nun  allerdings  nicht  Gyrophora  spodochroa  Ehr., 
Ach.,  Th.  Fries  Scand.  p.  151,  sondern  sterile  Gyrophora  hirsuta  L.: 
thallus  cinerascens  C.  rubesc,  subtus  fere  concolor,  rhizinis  praeditus. 

Ueber  Lieh,  miniat.  vergl.  Arn.,  Wulfen,  1882,  p.  146,  150, 
153,  Arn.  Tirol  XXII.  p.  87. 

2.  pustulatus:  im  Herbare  liegen  lediglich  zwei  sehr  kleine 
Exemplare  der  Umbilic.  pust.  L.,  Flora  1888,  p.  90. 

3.  proboscideus:  ist  die  gewöhnliche  Gyrophora  cylindrica  L.; 
Wulfen  hebt  auf  der  äusseren  Aufschrift  hervor:  aliis  crinitus.  Als 
Standorte  sind  bezeichnet:  Heiligenbluter  Tauern,  Iregger  Alpe, 
Saualpe,  Basterzen. 

Wulfen  unterschied  im  Herbare  noch  einen  Lieh,  prohosc: 
a)  „simpliciusculus"  (specimina  minora,  margiiie  ciliata,  planta 
vulgaris),  b)  „subtus  roseoincarnatus,  Waschgang"  (planta  vul- 
garis, margine  brevius  ciliata,  subtus  leviter  pallide  roseola);  c)  „mesen- 
tericus"  [pl.  vulgaris,  margine  breviter  et  parce  ciliata.  supra  hie 
inde  irregulariter  corrugata]  (vergl.  Arn.,  Wulfen,  1882,  p.  145). 

7.  mesenteriformis:  der  „Lieh,  prohoseid.  mesent.^'  des  Herbares 
vom  Glockner  ist  Gyroph.  cylindrica  L.  (ad  plantam  vulgarem,  thallo 
firmiore,  uionophyllo,  margine  subnudo);  vergl.  Floorke  Berl.  Mag. 
1810,  p.  63,  und  Hampe  exsicc.  8.  Zur   f.  tomata  Ach.  (polyphylla, 


223 

lobis  adscendeiitibiis)  passt  diese  Flechte  nicht;  ebensowenig  können 
darauf  die  Woite  in  der  Beschreibung  Jacq.  Mise.  2,  p.  85,  folium 
in  centro  superne  multipliciter  crispato-lobatum  lobis  extantibus  an- 
gewendet werden. 

8.  exasperatus :  ist  Gi/roph.  cylindrica  L.  f.  ßmbriata  Ach., 
Nyl.  syn.  2,  p,  14,  Th.  Fries  Scand.  p.  158:  planta  vulgaris  mar- 
gine  densius  nigrociliata. 

4.  polyrrhizos :  „hunc  Hoffmannus  pro  Velleo  describit;  Klagen- 
furt uuo  in  loco  ad  rupes  ultra  Montem  Calvariae".  Diese  für  die 
Flora  von  Klagenfurt  nicht  zu  unterschätzende  Flechte  (habitus 
(rjiroph.  erosae,  sed  thallus  subtus  interrupte  fibrillosus,  med.  C. 
rubesc.)  ist  Gyroph.  torrida  Ach.  univ.  p.  224,  Nvl.  syn,  2,  p.  16, 
Lamy  Catal.  1880,  p.  51,  Wainio  Adjum.  1,  p.  138,  ic.  Dill.  XXX, 
Fig.  118,  sec.  Nyl.;  exsicc.  Norrlin  Fenn.  90;  vix  differt  torrefacta 
Schrad.,  Th.  Fries  Scand.  p.  159. 

In  den  Alpen  wurde  diese  Pflanze  bisher  nur  selten  beobachtet; 
ich  fand  sie  im  Juni  1847  in  der  Umgebung  des  Tauernhauses  der 
Krimml  am  Nordgehänge  des  Venedigers. 

11.  erosvs:  ..mihi  quondam  pullus".  Das  im  Herbare  befind- 
liche Exemplar  (thallus  opacus,  tenuiter  rimosus,  margine  parum 
cribrosus,  subtus  granulosus,  med.  C.  — ,  spermogonia  emersa,  non 
raia,  apothecia  speciei)  ist  Gifroph.  erosa  Web.,  ic.  Hoff.  PL  70; 
E.  Bot.  2066;  Ach.  Acta  Ac.  Stockh.  XV,  t.  2,  Fig.  1,  Sturm 
D.Fl.  U.  7;  Svensk.  bot.  6;  Dietrich  154;  Bischoff  2879;  Leight. 
Umb.  7;  Nyl.  syn.  II,  t.  9,  Fig.  12;  -  exsicc.  Ehr.  306,  Schrad.  118, 
Schaer.  153,  Funck  I.  97.  II.  98.  99  (mea  coli.),  Fries  suec.  127, 
M.  N.  250,  K.  S.  129,  Bohler  19,  Hampe  7,  Stenh.  22,  Koerb.  63, 
Hellb.  unio  it.  15,  Roumeg.  59,  Harmand  411;  (non  vidi  Fellm.  92); 
vergl.  Schaer.  spie.  p.  89,  94.  Die  Beschreibung  des  Lieh,  pullus  in 
Jacq.  misc.  2,  pag.  83:  folium  supra  a  centro  peripheriam  versus 
plicato-crispum,  passt  auf  dieses  Exemplar  nicht  (vergl.  Arn.,  Wulfen, 
1882,  p.  145). 

5.  ßocculosus  und  12.  deustus:  der  ,^Luh.  deustus,  mihi  olim 
flocadosus,  von  der  Irregger  Alpe;  in  der  Malniz'' ist  sterile  6if//ryy)/i. 
deusta  L.,  Ach.,  Th.  Fries  Scand.  p.  164.  Ein  kleines  Exemplar  des 
„Lieh,  flocculosus  cum  fructificatione"  l)esitzt  Apothecien. 

„Lieh,  deustus  a.  cl.  Swaitz  ex  Suecia"  (thallus  supra  minuto 
rugoso-juipulosus.  med.  C.  rubesc.  subtus  glaber,  nigricans)  ist  Oyroph. 
hyperhorea  Ach.,  Arn.  Flora  1888,  p.  91. 

9.  torrefaetus :   ist  sterile  Gyroph.  deusta  L.  =  flocculösa  W. 
Der  .JJeh.  eorrnyatvs    vom   (Hockner"    umfasst  2  Gyrophora- 

Arten:  a)  sterile  deusta  L.  =:  floceulosa  W.,  b)  ein  kleines  steriles 
Exemplar  der  G.  prohoseidea  h.,  Nyl.  syn.  II.  p.  12.  Th.  Fries  Scand. 
p.  162,  Arn.  Flora  1888,  p.  91;  Thallus  spcciuiinis  herbarii  centro 
cinerascens.  reticulato  -  costatus,  med.  C.  lubesc.  Demgemäss  hat 
Wulfen  diese  Flechte  aliervlings  gesammelt,    ob    aber    die  in  Jacq. 


224 

niisc.  II.,  t.  9,  Fig.  8,  abgebildete  Flechte  auch  hieb  er  gehört,  bleibt 
vorläufig  dahingestellt. 

6.  anthraeinus:  der  „Ldch.  polyphyllus  anthracinus"^  bei  welchem 
Wulfen  noch  die  Formen  simplex  und  imhrkatus  ausschied,  ist 
sterile  Oyrophont  polyphylla  L.,  ct.  glabra  Ach.,  Schaer.  Enum.  p.  28, 
Nyl.  syn.  IL,  p.  18,  Th.  Fries  Scand.  168.  Im  Herbarium  ist  ö;/ro- 
phora  anthracina  (Wulf.)  Th.  Fries  Scand.  p.  165,  atropminosa 
Schaer.,  Nyl.   syn.    IL,  p.  6,  Hue  Addenda   p.  57,   nicht    vorhanden. 

(Schluss  folgt.) 

Litteratur-Uebersicht. ') 

April  1894. 

B  a  u  e  r  C.  üeber  verkohlte  Samen  aus  den  Pfahlbauten  von  Ripac  in  Bos- 
nien. (Verh.  d.  zool.-bot.  Ges.  in  Wien,  XLIV,  Sitzb.  S.  7.)  8".  1  S. 

Breidler  J.  Die  Lebermoose  Steiermarks.  Eine  systematische  Zu- 
sammenstellung der  bisher  aufgefundenen  Arten  mit  Angabe  ihrer 
Verbreitung.  (Mitth.  d.  naturw.  Ver.  für  Steierm.  1893.)  8".  104  S. 
Vor  wenigen  Jahren  hatten  wir  die  Gelegenheit,  unsere  Freude  über 
die  überaus  gründliche  Bearbeitung  der  steierischen  Laubmoose  durch  den 
Verfasser  auszusprechen  und  nun  liegt  eine  ganz  analoge  Bearbeitung  der 
Hepaticae  dieses  Landes  vor.  Wer  den  Kenntnissreichthum  und  die  Gründ- 
lichkeit des  Verfassers  kennt,  der  weiss,  dass  hier  nicht  blos  eine  Auf- 
zählung von  Standorten,  sondern  das  Kesultat  jahrzehntelanger,  eingehendster 
Studien  und  Untersuchungen  vorliegt.  Besondere  Beachtung  wurde  den 
Höhengrenzen  geschenkt  und  ist  diesbezüglich  die  vorliegende  Arbeit  von 
allgemeinstem  pflanzengeographischen  Interes-e.  Sie  enthält  zahlreiche  An- 
gaben aus  anderen  Theilen  der  Alpen,  aus  Tirol.  Kärnten,   Salzburg,  Krain. 

Burgerstein  A.,  Biologie  und  Culturgeschichte  des  Feigenbaumes. 
(Wr.  illustr.  Gaiten-Zeitung  XIX,  3.  Heft.)  8".  5  S. 

F ritsch  C.  Beiträge  zur  Flora  von  Salzburg  IV.  (Verh.  der  zool.- 
bot.  Ges.  XLIV.  Abb.  S.  49.)  8".  20  S. 

Besprechung  neuerer,  die  Landesflora  betreffender  Litteratur.  —  Zahl- 
reiche für  das  Land    oder    einzelne  Gebiete    neue  Pflanzen,   neue  Standorte. 

—  —  Beiträge  zur  Flora  dei-  Balkanhalbinsel,  mit  besonderer 
Berücksichtigung  von  Serbien  I.  (Verh.  d.  zool.-botan.  Ges.  XLIV. 
Abth.  S.  93.)  8'\  43  S. 

Der  Beginn  einer  sehr  bemerkenswerthen  und  werthvolk-n  Publication. 
Verfasser  bearbeitt-t  eine  grössere  Zahl  von  PflanzencoUectionen.  die  in  den 
letzten  Jahren  dem  Wiener  botan.  Universitätsmuseum  aus  der  Balkan- 
halbinsel zukamen  (II ic.  Pflanzen  aus  Südserbien;  Adaniovic,  Pflanzen  aus 
Bosnien,  Hercegovina,  Südserbien;  Wett stein,  Pflanzen  ans  Ostbosnien 
und  Westserbien;  Nicic,  Pflanzen  aus  Serbien:   Simonovic,  Pflanzen  aus  der 


')  Die  .Litteratur-Uebersicht"  strebt  Vollständigkeit  nur  mit 
Rücksicht  auf  jene  Abhandlungen  an.  die  entweder  in  Oesterreich-Ungarn 
erscheinen  oder  sich  auf  die  Flora  dieses  Gebietes  direcl  oder  indirect  be- 
ziehen, ferner  auf  selbstständige  Werke  des  Auslandes.  Zur  Erzielung 
thunlichster  Vollständigkeit  werden  die  Herren  Autoren  und  Verleger  um 
Einsendung  vun  neu  erschienenen  Arbeiten  oder  wenigstens  um  eine  Anzeige 
über  solche  höflichst  ersucht.  Die  Red. 


225 

Hercepnviiiii:  liörfler.  Pflanzen  ans  Südserbien.)  Der  Hanplwnfli  der  Ar- 
beit liegt  darin,  dass  Verfasser  sich  nicht  mit  einer  „Bebtimmung"  der 
Pflanzen  begnügte,  sondern  jede  der  ihm  vorliegenden  Pflanzen  eingehendst 
studirte.  Dadurch  wird  die  Publication  nicht  nur  wichtig  für  die  Flora  des 
angegebenen  Gebietes,  sondern  für  die  europäische  Flora  überhaupt.  Der 
vorliegende  erste  Theil  bi-liandelt  die  Rannnculaceae .  Besondere  eingehende 
Bihandlung  erfahren:  Clematis  Viticella  L.,  Pulsatilla  montana  Reichenb., 
Thalictrum  aquilei/ifolhim  L..  Th.  lucidum  L..  Th.  strirtumljefi.,  Th.  minus  L., 
Ranuncuhis  plcUanifolivs  L.,  R.  aconitifoliu'^  L.,  Aronitum  ranunculifolium 
Reichenb.  u.  a. 

Fuchs  Th.  Ueber  pflanzenähnliche  „Fossilien"  durch  rinnendes 
Wasser  hervorgebra-cht.  (Naturw,  Wochenschr.  IX.  Nr.  19.)  4". 
5  S.  4  Abb. 

Krasser  Fr.  üeber  ein  fossiles  Abietineenholz  aus  der  Braunkohle 
von  Häring  in  Tirol.  (Mitth.  d.  naturw.  Ver.  a.  d.  Univ.  Wien 
1892  —  1893.)  8".  6.  S. 

Krasan  Fr.  Fragmente  aus  der  Flora  von  Steiernoark.  (Mitth.  d. 
naturw.  Ver.  f.  Steierm.  1893.)  8".  32  S. 

Verfasser  bringt  die  vollständige  Bearbeitung  einiger  Gattungen,  wie 
sie  in  eine  Neubearbuitung  einer  Flora  von  Steiermark  Aufnahme  finden 
könnte.  Ein  Vergleich  dieser  Bearbeitung  mit  jener  in  der  Landesflora  von 
Maly  zeigt,  wie  eifrig  siiher  an  der  floristischen  Durchforschung  ge- 
arbeitet wurde.  —  Die  behandelten  Gattungen  sind:  Scahiosa,  Rubus,  Rnso. 
Phyteum,a,  Campanula  frotundifoliaj,  Chenopodium  Calbum,J  —  Besondere 
Beachtung  ist  der  Formengliederung  innerhalb  des  Beobachtungsgebietes 
geschenkt. 

Kuntze  M.  Arco  in  Südtirol.  Die  Geologie,  Flora,  Fauna  und  das 
Klima  des  Thaies  von  Arco.  3.  Aufl.  Arco  (Emmert).  8".  118  S. 
2  Karten,  1   Plan.  r40  M. 

Lene^ek  0.  Ueber  schildförmige  und  diitenartig  verwachsene 
Lindenblätter  (Mitth.  d.  naturw.  Ver.  a.  d.  Univ.  Wien  1892  bis 
1893.)  8".   11   S.  11  Abb. 

Lippert  Chr.  Ueber  zwei  neue  Myxomyceten.  (Verh.  d.  zool.-bot. 
Ges.  XLIV.  Abh.  S.  70.)  8".  4.  S.  2  Taf. 

Cleistobolus  nov.  gen.  Penchuenacearum\  C.  pusillus  Lipp.  —  Didymium 
orulatnm  Lipp. 

Lorenz  B.  Die  Holzpflanzen  der  Südlausitz  und  des  nördlichsten 
Böhmens  mit  Berücksichtigung  der  Ziergehölze  in  den  Anlagen 
der  Stadt  Zittau.  IT.  Zittau  1894.  4".  30  S. 

Müllner  M.  F.  Ueber  zwei  für  Niederösterreich  neue  Eichen- 
hybriden. (Verh.  d.  zool.-bot.  Ges.  XLIV.  Sitzb.  S.  4.)  8"^.  3.  S. 
Vergl.  diese  Nummer  S.  238. 

Pazschke  0.  Ueber  das  Aecidium  von  Puccinia  australis  Körn. 
(Hedwigia  XXXIIl.  Bd.  Heft  2.)  8".  2  S. 

Verfasser  fand  1892  bei  Bozen  neben  Puccinia  mi.ofralis  auf  Molinia 
serotina  ein  Aecidium  auf  Sedum  reße.rum.  das  Dietel  nach  Exemplaren, 
welche  am  Gardasee  gesammelt    worden  waren,    als  Aec.  «rectum  beschrieb. 


226 

Verfasser  wies  nun  experiniental    die  Zu!5anunengt.'liöri<rkeit    beider    Formen 
nach. 

Pfeiffer  A.    Einige    oberösterreichische  Trivialnamen  der  Pflanzen. 

(Verb.  fl.  zool.-bot.  Ges.  XLTV.  Abb.  S.  35.)  8".  13  S. 
Pobl  J.  Botaniscbe  Mittbeihing   über  Hudrastis  Canadensis.    (Bib- 

liotbeca  botauica  Nr.  29.)  4^  12  S.  4"Taf. 

Eingehende  morphologische  und  anatomische  Untersuchung  der  ge- 
nannten Pflanze,  die  bekanntlich  in  neuerer  Zeit  pharmakologisch  wichtig 
geworden  ist.  —  Heztiglich  der  systematischen  Stellung  kommt  Verfasser 
zu  dem  Resultate,  dass  H.  ThaUctrvm  am  nächsten  stehe.  Die  Tafeln 
bringen  Abbildungen  v.  H.    und    ein  Habitusbild    von   Jeffersonia  diphylla. 

Eaciborski  M.  Ci/cadeoidea  Niedziviedzl-ii.  (Krakauer  Akademie- 
schiiften  XXVI.  Bd.)  Gr.  8".  10  S.  2  Taf. 

Eecbinger  C.  Beitrag  zur  Flora  von  Persien.  (Verb.  d.  zool.-bot- 
Ges.  XLIV.  Abb.  S.  88.)  8".  5  S. 

Bearbeitung  der  Ranunculacene.  Berheriddceae.  Papaveraceae  und 
Fumariaceae  aus  den  von  J.  A.  Knapp  im  Jahre  1884  in  Persien  auf- 
gebrachten Sammlungen. 

Sarntbein  L.  Pietro  Andrea  Mattioli  e  la  flora  del  Tirolo.  (La 
Settimana,  supplem.  ill.  della  ..Patria".)  2  p. 

Schneider  M.  Botanik  für  Lebrer-  und  Leborimieii-Bildungs- 
Austalteii.  2.  Aufl.  Wien  (Holder).  8".  202  8.  850  Fig.  2  M. 

Wagner  A.  Zur  Anatomie  und  Biologie  der  Blätter  von  Strelitzia 
retinae.   (Berichte   der    deutsch,    bot.  Ges.  XII.  S.  53.)  8".  1  Taf. 

Wettstein  E.  v.  Ueber  einige  bemerkenswertbe  botanische  Ent- 
deckungen der  jüngsten  Zeit.  (Vorträge  d.  Ver.  z.  Verbr.  naturw. 
Kenntn.  in  Wien  XXXIV.  Jahrg.    2  Heft.)  Kl.  8".  26  S.  3  Abb. 

Wettstein  R.  v.  Bemerkungen  zu  dem  Vortrage  von  A.  Roth- 
pletz:  „lieber  eine  aussfestorbene  Flora  des  Innthales".  (Botan. 
Centralbl.  1894.  Nr.  18.)  \S'.  4  S. 

Zukal  H.  Zur  Frao-e  über  den  Zellinbalt  der  Cyanopb^'ceen.  (Be- 
richte der  deutsch,  bot.  Ges.  XII.  S.  49.)  8". 


Acloque  A,  Flore    de  Fnnice.    Paris    (Bailiiere   et  fils).  8".  816  p. 
2165  Fig. 

Die  vorli.  gende  Flora  soll  keineswegs  ein  Concurrenzunternehmen  gegen 
das  grosse  im  Erscheinen  begiitfene  französische  Florenwerk  sein,  sondern 
dasselbe  insoferne  ergänzen,  als  es  nach  der  analytischen  Methode  und  als 
Bestinimungsbueh  aneelest  ist.  Diesen  Zweck  muss  man  im  Auge  behalten, 
wenn  man  dem  Inhalte  gerecht  werden  will.  Die  Beslimmungstabellen  sind 
kurz  und  präcise  abg'efasst,  die  Verbreilungsangaben  sind  sehr  allgemein 
gehalten,  auf  Nonienciatur  wurde  niclit  specielle  Mühe  verwendet,  Hybride 
wurden  nicht  aufgenommen,  kleinere  Formenkreis.'  nicht  erwähnt.  Die  zahl- 
reichen Bilder  sind  keine  Kunstwerke,  sie  sind  oft  winzig  und  in  den  Details 
nicht  ausgeführt,  werden  aber  dem   .Anfänger  gewiss  gute  Dienste  leisten. 


227 

Baillon  H.  llistoire  des  plantes  XII.  Monographie  <los  Liliacees. 
Paris  (Hachette).  Gr.  8'\  180  Fig.  p.  403—611.  12  Mk. 

Balilacci  A.  Contributo  alla  conosceuza  della  flora  Dalmata,  Mon- 
tenegrina.   Albanese.   Epirota   et   Greca.   (Nuov.    Giorn.    bot.    Ital. 
Nov.  Ser.  Vol.  I.  Nr.  2.  p.  90—103.)  8". 
Zahlreiche  Standortsangaben. 

—  —  Monografia  della  sezione  „Aizopsis  DC."  del  genere  Draba. 
(1.  c.  p.  103—121.)  8". 

Eine  eingehende  Behandlung  der  systematisch  und  entwicklungsgeschicht- 
lich hochinteressanten  Gruppe  wäre  gewiss  überaus  erwünscht  und  müsste 
schöne  Eesultate  liefern.  Eine  solche  Arbeit  ist  aber  die  vorliegende  nicht. 
Verfasser  führt  12  Arten  mit  Diagnosen  und  allgemein  gehaltenen  Ver- 
breitnngsangaben  auf  und  subsiunirt  zahlreiche  der  von  verschiedenen  Autoren 
unterschiedenen  Formen  unter  dk-  ihm  bekannten  Typen.  Ich  will  gar  nicht 
weiter  davon  sprechen,  dass  nach  meiner  innigsten  Üeberzeugung  eine  Bear- 
beitung solch  polymorpher  Pflanzengruppen  nur  dann  wissenschaftlich  werth- 
voll  ist,  wenn  der  Monograph  der  ])hilogenetischen  Entwicklung  der  Formen 
durch  eingehendes  Studium  derselben,  ihrer  Verbreitung  etc.  nachgeht,  son- 
dern möchte  nur  sagen,  dass  auch  Bearbeitungen  mit  Beibehaltung  eines 
weiten  Speciesbegriflfes  und  geringer  Beachtung  der  Artgliederung  einen 
Werth  haben  können,  wenn  sie  kritisch  abgefasst,  in  Bezug  auf  Litteratur- 
benützung  vollständig  sind.  Das  ist  nun  auch  nicht  der  Fall,  eine  ganze 
Eeihe  von  Namen  wird  man  in  dieser  „Monographie"  umsonst  suchen;  die 
Litteratur  über  die  gerade  in  don  Alpen  so  verbreitete  Artengruppe  scheint 
Verfasser  nur  wenig  gekannt  zu  haben;  eine  Autklärung  über  so  manche 
bisher  noch  nicht  klare  Form  wird  man  umsonst  suchen.  Um  die  Art  der 
Behandlung  kleinerer  Formenkreise  zu  charakterisiren,  sei  nur  angeführt, 
dass  D.  Sauteri  ohne  weitere  Behandlung  zu  D.  Aizoides  gezogen  wird, 
dass  £>.  Zahlbruckneri  als  eine  „Forma  senza  valore  di  varieta"  er- 
klärt wird! 

Bertram  W.  Exciirsioiisflora  des  Herzogthums  Braunscbweig  mit 
Einschluss  des  ganzen  Harzes.  4.  Aufl.  Herausg.  v.  Fr.  Kretzer. 
Braunschweig  (Vieweg).  Kl.  8".  392  S.  4-50  M. 

Buchen  au  Fr.  Die  Verbreitung  von  Oryza  dandestina  A.  Br. 
(Botan.  Zeitung  1894,  Heft  IV.)  4".  S.  83—96. 

Buchen  au  Fr.  Flora  der  nordwestdeutschen  Tiefebene.  Leipzig 
(W.  Engelmanu).  Kl.  8".  564  S.  7  M. 

Florenwerke  durchzusehen  und  zu  benützen  ist  im  Allgemeinen  kein 
Genuss;  das  schablonenhafte  Abfassen  der  meisten  ist  auch  der  (»rund, 
warum  trotz  zahlreicher  einschlägiger  Werke  Pflanzengeograpliie  und  wissen- 
schaftliche Systematik  heute  noch  über  relativ  wenig  werthvolles  Materiale 
verfügen.  Umso  erfreulicher  sind  auf  diesem  Gebiete  wirklich  originelle,  auf 
Autopsie  und  gründlicher  Untersuchung  beruhende  Arbeiten,  wie  solche 
gerade  die  letzte  Zeit  mehrfach  braclite  (Beck.  Beckmann.  Gremli  u.  A.). 
In  diese  letztere  Kategorie  gehört  die  vorliegende  Flora,  die  zwar  nur  ein 
sehr  kleines  Gebiet  behandelt,  aber  von  dauerndem  Werthe  für  die  europäische 
Floristik  bleiben  wird.  Diesen  Werlh  verb  ihen  dem  Buche  die  sorgfältigen 
Beschreibungen,  die  Beachtung  kleinerer  Fonnenkreise  und  der  Hybriden,  die 
sorgfältige  Noraenclatur.  Besonders  rühmenswrrth  ist  die  strenge  Beachtung 
der  Ergebnisse  der  Murphologie  bei  Abfassung  der  Diagnosen;  diesbezüg- 
liche Verstösse  in  Sinn    und  Form,    die    meist    in    Florenwerken    so  häufig 


228 

sind,  finden  sich  hier  nichi.  —  Das  Buch  le{,'t  auch  Zeugnis«  davon  ab,  in 
welch'  zielbewusster  Weise  in  Bremen  die  tioristische  Landesdurchforschung 
organisirt  ij^t. 

Engler  A.  Die  natürlichen  Pflanzenfamilieu.  103.  Lieferung.  Leipzig 
(W.  Ellgelmann).  8". 

Inhalt  der  Lieferung:   Warburg  0.   Begnniaceoe.    Datiscaceae. 
Schumann  K.   Cactaceae. 
3  Bog.  Text,  53  Einzelbilder. 

Engler  A.  Plantae  Gürichianae.  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis»  der 
Flora  von  Deutscb-Südwestafrika.  (Engler's  Botan.  Jahrb.  XIX.  Bd. 

1.  Heft.)  8".  24  S. 

Hehn  V.  Cultiirpflanzen  und  Hausthiere  in  ihrem  üebergange  aus 
Asien  nach  Griechenland  und  Italien,  sowie  in  das  übrige  Europa. 
6.  Aufl.  Herausg.  von  0.  Seh  rader  und  A.  Engler.  Berlin 
(Bornträger).  8'^.  12  M. 

Die  Bedeutung  des  Hehn'schen  Buches  ist  zu  bekannt,  als  dass  es 
nothwendig  wäre,  hier  näher  auf  dieselbe  einzugehen.  Die  neue  Auflage  er- 
hielt einen  besonderen  Werth  dadurch,  dass  Engler  den  botanischen  Theil 
revidirte  und  mit  Zusätzen  versah.  Dadurch  konnten  in  dem  Buche  die 
Forscliungsergebnisse  der  letzten  20  Jahre  Verwerthung  finden,  dadurch 
wurde  insbesondere  ein  Vergleich  der  Hehn'schen  Angaben  mit  den  Er- 
gebnissen der  Pflanzengeographie  ermöglicht,  der  manclie  jener  Angaben  be- 
richtigt, andere  dem  Verständnisse  näher  führt.  Insbesondere  die  grosse 
Bedeutung  der  europäischen  Glacialphänomene  für  die  Verbreitung  der 
Pflanzen  und  mithin  auch  für  die  Verbreitung  der  „Culturpflanzen"  wird 
nunmehr  in  dir  nöthigen  Weise  hervorgehoben. 

Karsten  H.  Flora  von  Deutschland,  Deutsch-Oesterreich  und  der 
Schweiz.  Mit  Einschluss  der  fremdländischen,  medicinischen  und 
technisch  wichtigen  Pflanzen,  Droguen  und  deren  chemisch- 
physikalischen Eigenschaften.  2.  Aufl.  Lieferung  4  und  5.  Gera- 
Untermhaus  (E.  Köhler).  Gr.  8"  ä  8  Bog.,  zahlr.^  Abb.  ä  1  M. 

Klebs  G.  lieber  das  Verhältniss  des  männlichen  und  weiblichen 
Geschlechtes  in  der  Natur.  Jena  (G.  Fischer).  8".  30  S. 

Korshinsky  S.  Untersuchungen  über  die  russischen  Adenophora- 
Arten.  (Mem.  d.  TAcad.  imp.  d.  sciences  de  St.  Petersb.  VIL  Serie. 
Tom.  XLIL  Nr.  2.)  4°. 

Eine  gründliclie,  beraerkenswerthe  Arbeit.  Verfasser  unterscheidet 
A.  Himalayana  Feer.,  A.  mnrsnpiißora  Fisch.,  A.  verticillata  Fiscli., 
A.  denticulata  Fisch..  A.  lUiifolia  Led.  mit  zahlreichen  Formen  niederer 
s)'stematischer  Werthigkeit. 

Luerssen  Chr.  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Flora  West-  und  Ost- 
preussens  L— IIL  (Bibliotheca  botan.  Heft  28.  Lieferung  1.)  4". 
32  S.  5  Taf.  33  M. 

Magnus  P.  üeber  den  Zusammenhang  der  Entwicklung  einiger 
Ilostpilze  mit  klimatischen  Verhältnissen  ihres  Staudortes  (Naturw. 
Rundschau.  IX.  Jahrg.  Nr.  11).  4".  2  S.  1   Abb. 


229 

Mao-ii'is  P.  Beitrag  zur  Kenntniss  einiger  parasitischer  Pilze  des 
Mittelmeergebietes  (Berichte  d.  deutsch,  botau.  Ges.  XU.  Heft  3. 
S.  84—88).  8".  1  Taf. 

Ni essen  J.    G70  Pflauzenetiquetten  mit    praktischen    llathschlägen 

zur   Anlage    eines    Herbariums.  Methmann    (A.    Frickeiihaus).  Fol. 

1   M. 

Leicht  ablü>-ljine  guinmiite  Etiquetten  mit  lateinischer  und  deutsclier 
Bezeichnung,  Angabe  der  Familie,  freiem   Kaum  für  Stimdoitsnotizen. 

Pfitzer  E.  Beiträge  zur  Systematik  der  Orchideen.  (Engler's  Bot. 
Jahrb.  XIX.  1.  Heft.  S.  1—42.)  8". 

Enthält:  1.  Noraenclatur.  Grösstentheils  Polemik  gegen  0.  Kuntze. 
2.  Sacliliches.  Ueber  die  Verwerthung  vegetativer  Merkmale;  über  die 
Bedeutung  bigenärer  Bastarde  für  die  Syslcmatik;  über  die  Cypripedilmae 
mit  Aufiihlung  aller  bisher  bekannten  Arten  der  Gattungen  Selenipedihun, 
Cypripedilum.  JPaphiopedilum. 

Potonie  H.  Elemente  der  Botanik.  3.  Aufl.  Berlin  (Springer). 
:}50  S.  507  Abb.  8".  4  M. 

Schiuz  H.  Beiträge  zur  Kenntniss  der  afrikanischen  Flora.  (Neue 
Folge).  IT.    (Bull    d.    l'herb.  Boissier  II.  Nr.  8.  p.  180—228.)  S\ 

lianunculaceae  (autor  0.  Kuntzei,  Tamnriscineae,  ZygophyUacetie 
(antor  Schinz).  Celastraceae  (autov  Locsener),  Ampelideae,  Leguminosae, 
Combretaceae,  Crassulaceae,  Fieo/deae.  Umbelliferae,  Ardliaceoe  (autor 
Schinz),  Cnmpositae  [a,wi\i\  0.  Huffniann),  Campanulaceae,  Asdepiadaceae, 
Gentianaceae.  Primulaceac  (autor  Schinz),  Scrophidarlm-eae  (ant.  Rolfe). 
Irldareie,  LlUaceae  (autor  Schinz),   Gntminene  (Koer nicke). 

S c h w e i  n  f u  r th  G.  Sammlung  arabisch-äthiopischer  Pflanzen.  Er- 
gebnisse von  lleisen  in  den  Jahren  1881,  1888,  1889,  1891  und 
1892.  (Bull.    d.    l'herb.    Boiss.  II.   Nr.  Appendix  Nr.  2.)  8".  48  p. 

Sommier  S.  Cenlaurea  Cineraria,  C.  cinerea,  C.  Jmsamharensis  e 
Jacea  cinerea  laciniata  flore  puipureo.  (Nuov.  Giom.  bot.  Ttal. 
Nov.  Ser.  Vol.  T.  Nr.  2,  p.  81—90.)  8".  5  Taf. 

Urban  J.  Biographische  Skizzen  II.  (Engler's  Bot.  Jahrb.  XVIII.  Bd. 
3.  Heft.  Beibl.)  8".  21   S. 

Georg  Heinricli  von  Langsdnrff  (1174-1852),  Ludwig  Riedel  (1790 
bis  1861). 

Vernon  Coville  Fredr.  A  Keport  on  the  botany  of  the  expedition 
sent  out  in  1891  by  the  ü.  S.  Departement  of  Agriculture  to 
make  a  biological  survey  of  the  regiori  of  death  Valley.  California. 
(Contrib.  from  the  U.  S.  National  Herbarium  Vol.  IV.  publ.  of  the 
Departement  of  Agriculture.  Division  of  Botanv.)  Washington.  8". 
319  p.  22  Taf.  1   Kart. 

Wörleiu  G.  Die  Phanerogamen-  und  Gefässkryptogamen-Flora  der 
Münchener  Thalebeiie  mit  Berücksichtigung  der  angrenzenden  Ge- 
biete. Herausg.  v.  d.  bayer.  bot.  (ie.s.  München  (Jordan).  8".  232  S. 
1   Karte.  3r,0  M. 


230 


Flora  von  Oesterreich-Üngarn. 


Tirol  und  Vorarlberg.') 

Rtferent:  Ludwig  Graf  Sarnthein  (Trieiit). 
Quellen: 

1.  Arnold  Dr.  F.  Lichenologische  Ausflüge  in  Tirol.  XXV.  Jahrg. 
Der  Arlberg.  Verh.  der  zool.-botan.  Gesellscli.  in  Wien,  XLIII.  Bd. 
S.  360—407. 

Eingehende  lichenologiscbe  Unterbucliung  des  Stanzerthaies  von 
Pians  bis  St.  Christoph;  dazu  Nachträge  für  111  Rosskogel,  VUl  Bozen, 
XIV  Finstertlial,  XV  Gurgl.  XVll  Mittelb.-rg,  XXII  Salden,  XXIII  Pre- 
dazzo  und  XX   (diverse  Standorte  Tirols). 

2.  Derselbe.  Lichenes  exsiccati  Nr.  1538—1568.  München  1892. 
(S.  diese    Zeitschr,  S,  231;  Botan.  Centralbl.  LIV,  108,) 

Standorte  in  voriger  Abhandlung  enthalten. 

3.  Artzt  A,  Botanische  Reise-Erinnerungen  aus  Tirol,  (Fortsetzung.) 
Deutsche    botan.  Mouatsschr.    XI.    Jahrg.   1893,    S,    161—165. 

Südöstliche  Dolomiten;  Campiglio, 

4.  Ascherson  F,  Sparganium  neglectum  Beoby  und  sein  Vor- 
kommen in  Oesterreich-Ungarn.  In  dieser  Zeitschr,  S,  11  — 14; 
44^47, 

5.  Derselbe.  Verouica  campestris  Schmalh.  und  ihre  Verbreitung 
in  Mitteleuropa.  Ibid,  S.  123—125. 

6.  Derselbe.  Bericht  der  Commission  für  die  Flora  von  Deutsch- 
land. I.  Allgemeines.  Ber.  d.  b.  Gesellsch,  1893,  S,  56—66, 

7.  Bargagli  F.  Excursioni  nel  Tirolo.  Bulletino  della  Societa 
Botanica  Italiana  anno  1893,  p,  98—105;  152  —  164. 

Schilderung  botanischer  Streifzüge  in  Primör,  der  Gegend  von 
Paneveggio  und  auf  das  Mendelgebirge  bei  Bozen.  Bestimmungen  gänz- 
lich unverlässlich:  Eranthis  himalis  S.  102,  Aquileyia  alpina  S.  102, 
Sphondylium  Branca  Scop.  S.  160,  Senecio  laeiniatus  Bert,  S.  160, 
Centaurea  unißnra  L,  S.  160,   Campanvla  macrorrhiza  Gay  161. 

8.  Beck  G.  v,  Flora  von  Niederösterreich.  Wien.  Gerold's  Sohn, 
1890—1893.  —  Tirol:  S.  1167,  1328. 

9.  Borbäs  V.  v.  Euphrasia  transiens  Borb.  Botan.  Centralbl. 
LIV.  Bd.  S.  129—131. 

10.  Braun  Heinr.  Die  in  Tirol  beobachteten  Arten  und  Formen 
der  Gattung  Mentha  L.  Zeitschrift  des  Ferdiuandeums  in  Inns- 
bruck. III.  Folge.  37.  Heft.  1893.  S.  273—296. 


')  Das  Referat  bezieht  sich  auf  den  Zeitraum    vom  1.  Jänner  1.S93  bi.^i 
1.  Jänner  1894. 


281 

Angesichts  dei  vollständig  neuen  Bearbeitung  des  gesanirnten 
Materials,  sowie  des  Umfanges  der  Arbeit  kann  ein  Auszug  hier  nicht 
geliefert  und  muss  auf  das  Original  verwiesen  werden. 

11.  JJrefeld  0.  Uiitersucbuugen  aus  <lein  Gesammtgebiete  der 
Mykologie.  Die  Hemiasci  und  die  Ascomyceten.  Münster. 
IX.  Heft.  S.  1  —  156,  157-378. 

12.  Briquet  John.  Monographie  du  genre  Galeopsis.  Mem.  de 
TAcad.  li.  des  scieuces  etc.  de  Belgique.  Tome  LH.  1893.  IV. 
und  323  S.  —  Tirol  S.:  256,  259,  260,  269,  279,  287,  293, 
297,  298,  302. 

13.  Bulletin  II.  de  la  societe  pour  l'etude  de  la  flore  fran^aise 
Bull,  de  l'Herb.  Boissier  I.  Nr.  6  Appendix.  52  p. 

S.  diese  Zeitschr.  S.  290. 

14.  Buruat  Emile.  Flore  des  alpes  maritimes  Vol.  I.  Lyon  1892. 
XH.  302  S. 

(lelegentliche  Beni(?rkuiigen  über  Tiroler  Pflanzen. 

15.  Buser  R.  Note  sur  les  Alcbimilles  distribuees  cette  annee 
(1892)  ainsi  que  sur  celles  anterieurement  distribuees  par  la 
Societe  Dauphinoise.  3  me  Bulletin  1892  de  la  soc.  Daujdi. 
pour  l'echange  des  plautes  (2  Serie)  p.  92^109. 

16.  Derselbe.  Notes  sur  plusieurs  Alcbimilles  critiques  ou  nou- 
velles,  distrib.  en  1893  dans  la  flora  selecta  de  Magnier.  Saint 
Quentin  (Magnier).  8".  11  p. 

17.  Chodat  Robert.  Monographia  Polygalacearuni.  Memoires  de 
la  societe  de  Physique  et  d'Histoire  naturelle  de  Geneve. 
Tome  XXI,  2e  partie.  Geneve  1893,  gr.  4".  XII  et  500  p. 
XXXV.  tab. 

In  Tirol  S.:  113,  iöö,  456,  459,  461,  470-475.  Die  dort  S.  462 
beschriebene  P.  speciosa  Kern.,  forma  tirolensis  gehört  nach  den  bei- 
gesetzten Standorten:  (Jarda,  Maderno,  nicht  dem  Gebiete  an. 

18.  Cobelli  Kuggero.  Osservazione  sulla  fioritura  e  sui  pronubi  di 
alcune  piaute.  Nuovo  uiornale  botanico  Italiano,  vol.  25,  1893, 
p.  5—15. 

19.  Derselbe.  Uu'  escursioue  Horistica  iu  Serrada  dai  4  ai  18 
Luglio   1892,  Ibid.  p.  22-36. 

Autzählung  der  auf  dem  Mittelgebirgsplateau  (Serrada  1253  m) 
nordöstlich  vun  Rovereto  gesammelten  Pflanzen.  Arten,  durchwegs  nach 
Kücirsclier  Begrenzung,  ohne  eingehendere  Kritik  (s.  diese  Zeitschr. 
S.  100);  dabei  kein  speciell  hervorzuhebender  Standort. 

20.  Crepin  F.  Mes  excursions  rhodologifjues  dans  les  Alpes  en 
1893.  Bull.  soc.  rov.  Botau.  Belgiiiue  tome  XXXII  (1893), 
p.  44  -100. 

Bericht  über  dessen  botanische  Reise,  auf  welcher  vom  22.  Juli 
bis  6.  August  in  Tirol  folgende  Gegenden  besucht  wurden  :  Zirl.  Steinach, 
Qschnitzthal,  Brenner,  (iosscnsass.  Meran.  Sciinals.  Oetzthal,  Bozen, 
Rittnerberg.  Enthält  ferner  kriliscli''  Krörterungen  über  die  Fnmienkreise 
von   Rosti  nirlinnta,  qlauca,  cor'dfolia.  tiroiien.tis.   austntlis. 


232 

21.  Derselbe.  Die  Rosen  von  Tirol  und  Vorarlberg.  Berichte  des 
naturw.-mediz.  Vereins  in  Innsbruck,  XX.  Jahrg.  p.  72—89; 
1  Taf. 

Ergebniss  der  Bearbeitung  des  im  Innsbrucker  Museumsherbare 
enthaltenen  Materials.  Ueber  Verbreitung-  wenig  Neues-,  in  Bezug  auf 
Kritik  erscheint  hier  ein  Auszug  unthunlich. 

22.  Derselbe.  Rosenexsiccaten.  (Die  Nummern  in  29  citirt.) 

23.  Dalla  Torre  Dr.  K.  W.  v.  Die  Zoocecidien  und  Cecidozoeu 
Tirols  und  Vorarlbergs.  Ibid.  p.  90 — 172. 

24.  Derselbe  und  Sarnthein  L.  Graf.  XXIV.  Tirol  und  Vorarl- 
berg im  Berichte  der  Commission  für  die  Flora  von  Deutsch- 
land 1891.  Berichte  der  deutschen  botan.  Gesellsch.  Berlin  1893. 
S.  124—128. 

Enthält  einige  wenige  Originalnotizen  von  Ascher  so  n. 

25.  Eichenfeld  Dr.  M.  R.  v.  üeber  im  Travignuolothale  in  Süd- 
tirol gesammelte  Phanerogamen.  Verh.  d.  zool. -botan.  Gesellsch. 
in  Wien.  XLIII.  Bd.  Sitzungsber.  S.  33—34;  Botan.  Centralbl. 
LV.  Bd.  S.  229—230. 

26.  Derselbe.  Ueber  Cirsienbastarde  aus  dem  Travignuolothale. 
Verh.  d.  zool.-botan.  Gesellsch.  in  Wien.  XLllI.  Bd.  Sitzungsber. 
S.  51—53. 

27.  Evers  G.  Hieracium  Solilapuhs  m.  und  Hleracmin  pulchrum 
Arv.-T.  In  dieser  Zeitschrift  S.  86—88. 

28.  Derselbe.  Botanische  Mittheilungen.  Ebendort  S.  390;  424 
bis  427. 

29.  Freyn  J.  Die  in  Tirol  und  Vorarlberg  vorkommenden  Arten  der 
Gattungen  O.rygraphis,  Rammculns  und  Ficaria,  analytisch 
bearbeitet.  Zeitschr.  des  Ferdinandeums  in  Innsbruck.  III.  Folge. 
37.  Heft.  S.  263—272. 

Der  Arbeit  liegt  die  Untersuchung  des  Materials  im  Innsbrucker 
Ferdinandeurasherbare  zu  Grunde. 

Ein  paar,  auf  Missverständniss  beruhende  Verstösse  mögen  hier 
richtig  gestellt  sein.  Es  soll  heissen:  R.  Seguierii  „mit  Ausnahme  des 
oberen  Etsch-  und  Eisackgebietes";  li.  flammula  „Draugebiet"  statt 
Defreggen;  H.  lanuginosus  „Oberinnthal"  statt  Oetzthal;  R.  nemorosus 
und  Ficaria  Noce-  und  Avisiogebiet  statt  Val  di  Sole  und  Fassa. 

30.  F ritsch  Karl:  Bericht  über  Salzburg.  In  dieser  Zeitschr.  1892. 
S.  99  ff.,    137    ff.,    180    ff".    Enthält    Standorte  von    Hochfilzen. 

31.  Gelmi  Enrico.  Prospetto  della  flora  Trentiua.  Trento.  Scoloni 
et  Vitti  1893.  8".  VI?  200  p. 

Aufzählung  der  Phaneioganien  und  Filicineen  des  italienischen 
i.andestheiles,  zumeist  nach  den  bekannten  Floren  von  Hausmann, 
Facchini,  Ambrosi,  mit  vielen  noch  nicht  publicirten  Notizen  der 
einheimischen  Botaniker,  mitunter  auch  auf  Grund  eingeholter  Be- 
stimmungen auswäitiger  Fachmänner  ('/..  B.  Ruhus  nach  Focke).  Im 
Ganzen  jedoch  die  Arten  nach  der  hergebrachti  n  Umgrenzung  ohne 
Rücksichtnahme  neuerer  phjlographischen  Arbeiten  behandelt  (man 
sehe  z.  B.  Aquilegia,  Achillea,  Centaurea  etc.);  auch  die  floristische 
Litteralur  des  Gebietes  nur  unvollkommen  benützt-,  so  fehlt  z.  B. 
Crv.pina   vulgaris  Pers.,    welche    nach    Kern  er    in    der    österr.    botau. 


233 

Zeitschr.  1869,    S.  223,    1870   S.  221    bei  Ala  nicht   selten  ist.    S.  diese 
Zeitschr.  S.  290. 

32.  Glaab  L.  „Das  Herbarium  Salisburgense  des  salzburgischeu 
Landesmuseums."  Deutsche  botan.  Monatsschrift  XI,  Jahrg.  1893, 
S.  76—79,  95,  151  —  155,  165—168. 

Enthält  ein  paar  Angaben  aus  Tirol. 

33.  Goiran  A.  A  proposito  di  una  singolare  stazione  di  Hiera- 
ciimi  staticefoUmii  Vill.  Bull.  Soc.  bot.  It.  anno  1893,  p.  93 — 98. 

34.  Derselbe.  Erborizzazioni  estive  ed  autunnali  attraverso  i  monti 
Lessini  Veronesi.  Ibid.  p.  14  if.,  88  ff.,  184  ff.,  261  ff.,  295  ff., 
344  ff.,  433  ff.,  497  ff.,  539  ff. 

Berührt  das  Gebiet  im  Hintergrunde  des  Val  Eonchi  bei  Ala 
und  enthält  auch  einige  Notizen  über  die  Flora  von  Cles. 

35.  G  rem  blich  I.  Der  Legföhrenwald.  Gymnasialprogramm,  Hall. 
8".  14  S.  (nach  botan.  Centralbl.  LV.  Bd.  S,  398  in  „Xenia 
Austria",  Abth.  VII.  1893). 

Von  allgemeinem  püanzengeographischen  Interesse;  in  systemati- 
scher Beziehung  kommt  nur  die  Erörterung  über  die  Artenumgi-enzung 
(S,  3  If.)  in  Betracht. 

36.  H artig  Dr.  Bob.  Die  Spaltung  der  Oelbäume.  Forstlich-natur- 
wissenschaftliche Zeitschr.  IL  Jahrg.  1893.  S.  57—63. 

Die  Untersuchung  geschah  zwar  an  Materiale  von  Gardone  am 
italienischen  Gardasee,  doch  mag  das  Citat  hier  ausnahmsweise  bei 
dem  Umstände  Platz  finden,  als  die  gleiche  Erscheinung  auch  in  Tirol 
auftritt. 

37.  Haussknecht  K.  lieber  einige  Poli/gala-Avten.  Mitth.  des 
Thür.  botan.  Ver.  N.  F.  I.  S.  35—43. 

38.  Husnot  Musci  Galliae  exsiccati, 

(Nr.  823    Tetraplodon  angustntu.^  vom  Arlberg.) 

39.  Huter  R.  Notiz  über  dessen  Exsiccaten  1893.  In  dieser  Zeit- 
schrift S.  151. 

40.  Huth.  Die  Delphinium- Arten  Deutschlands.  Helios  XI.  Jahrg. 
1893.  S,  70—74, 

(S.  72  D.  alpinum  und  J).    Tiroliense  von  Tirol.) 

41.  Kern  er  A.  v.  Schedae  ad  floram  exsiccatam  Austro-Hunga- 
ricam  VI.  Vindobonae  1893.  135  S. 

Insbesondere  wichtig  für  die  Gattungen  Knautia,  Galium, 
Artemisia,  Gentiana,   Thymus,  Galeopsis. 

42.  Kernstock  E.  Lichenen  von  Brixen  und  Umgebung,  ge- 
sammelt von  Ludwig  Graf  Sarnthein,  untersucht  von.  — 
Zeitschr.  des  Ferdinandeums  in  Innsbruck.  III.  Folge.  37.  Heft. 
1893,  p.  297  —  310. 

Titel  und  Vorwort  bedürfen  insoferne  einer  Richtigstellung,  als 
sich  unter  den  angeführten  Flechten  auch  solche  von  Innsbruck  und  dem 
Gschnitzthale  befinden;  ferner  ein  Theil  des  Material  es  von  Kern  stock 
selbst  gesammelt  ist. 

43.  Kirchner  0.  Braunfleckigkeit  der  Gerstenblätter.  Zeitschr.  f. 
Pflanzenkrankheiten.  I.  S,  24 — 26. 

Oesterr.  botan.  Zeitsclirift.  6.  Heft.  1894.  18 


234 

44.  Klinge  J.  Revision  der  Orchis  cordigera  Fries  und  O.  angusti- 
folia  Rchb.  Dissert.  Jurjew.  gr.  8".  103  S. 

O.  Traunsteineri  von  den  bereits  bekannten  Punkten.  S.  diese 
Zeitschr.  S.  291. 

45.  Limpricht  K.  G.  Die  Laubmoose.  Neubearbeitung  von  Raben- 
horst's    Kryptogamenflora.    IV.   Bd.    II.  Abtb.    20.  —  22.   Lief. 

Als  geographische  Ungenauigkeifen  wären  hervorzuheben:  S.  353, 
416,  Pass  Lueg  ist  in  Salzburg,  nicht  Tirol;  389  statt  „bei  Poganella" 
soll  es  heissen:  „auf  der  Paganella",  397  statt  „Peynaunthal"  „Paznaun- 
thal";  mit  dem  Standorte  S.  50*2  „Alpe  Joclini  in  Trento",  ist  in  einer 
wenig  gangbaren  Uebersetzung  das  Joch  Grimm  bei  Bozen  gemeint 
(s.  Gelmi  Prospetto  p.  111.   -'"Hsm.  Fl.  Tir.  1458). 

46.  Ludwig  F.  XXXIL  Pilze,  in  Bericht  der  Commission  für  die 
Flora  von  Deutschland,  1891.  Berichte  der  Deutsch,  botan. 
Gesellsch.  1893.  S.  165—176. 

Enthält  Originalmittheilungen  von  Dietel. 

47.  Mach  E.  und  Portele  R.  Ueber  die  Gährung  von  Trauben- 
und  Apfelmost  mit  verschiedenen  reingezüchteten  Hefearten. 
Die  landwirthschaftlichen  Versuchsstationen.  Bd.  XLI.  1892. 
S.  233.  Referat  in  Botan.  Centralbl.  LV.  Bd.  S.  57. 

48.  Magnus  P.  Zur  alpinen  Verbreitung  der  Chrysomyxa  ahietis 
üng.  In  dieser  Zeitschr.  S.  371. 

49.  Derselbe.  Das  Auftreten  von  Schinzia  cypericola  etc.  Abhandl. 
d.  naturh.  Gesellsch.  Nürnberg.  X.  Bd.  I.^Hft.  1893.  S.  25—31. 
1  Taf. 

Standort  Meran,  bereits  bekannt. 

50.  Derselbe.  Ueber  die  auf  Compositen  auftretenden  Puccinien 
mit  Teleutosporeu  vom  Typus  der  P.  Hieradi  etc.  Bericht,  d. 
Deutsch,  botan.  Gesellsch.   Jahrg.  1893,   Bd.  XI.  S.  453—464. 

51.  Murbeck  Sv.  Studien  über  Gentianen  aus  der  Gruppe  ,,Endo- 
tricha''  Froel.  Acta  hört.  Berg  II.  gr.  8".  26  S.  1  Tab.  2  Karten. 

S.  diese  Zeitschr.  S.  101. 

52.  Murr  J.  Zur  Flora  von  Nordtirol.  In  dieser  Zeitschr.  S.  175  —  180, 
220—225. 

53.  Derselbe.  Nachträgliche  Bemerkungen  über  Hieracium  pul- 
chrum  Arv.  T.  in  Nordtirol.  Ebendas.  S.  353—354. 

54.  P ach  er  D.  Systematische  Aufzählung  der  in  Kärnthen  wild- 
wachsenden Gefässpflanzen.  II.  Nachtrag.  Jahrb.  d.  naturhist. 
Landesmus.  Kärnthen.  22.  Hft.  1893.  S.  25—160. 

S.   Gentiana,  neue  Arten. 

55.  Paoletti  Dott.  Giulio.  Contribuzione  alla  flora  del  bacino  di 
Primiero  (Trentino).  Atti  della  Societä  Veneto-Trentina  di 
Scienze  naturali.  Ser.  IL  Vol.  I.  Fase.  L  anno  1893,  p.  3—28. 

Schilderung  einer  Reihe  von  Excursionen  in  dem,  den  südöstlichen 
Dolomitalpen  angehörigen  Gebiete,  unter  Anführung  der  bei  jeder 
einzelnen  Standortslage  oder  innerhalb  gewisser  Höhenzonen  beobachteten 
Arten  (316)    nebst    systematischem  Register.    Bestimmungen  im  Koch- 


235 

scheu  Sinne  und  nicht  dun-hwegs  verlässlich  (s.  unten);  doch  bietet  die 
Arbeit  immerhin  sehr  schätzenswerthe  Aufschlüsse  ül)er  die  nuch  wenig 
gekannte  Vegetation  der  dortigen  Gegend,  namentlich  in  Bezug  auf 
verticale  Verbreitung  überhaupt  und  insbesondere  das  sonst  wenig 
berück.-iichtigte  Vordringen  der  Tlialpflanzen.  (S.  auch  das  Referat  von 
Solla  in  Beihefte  zum  Botan.  Centralbl.  S.  239.) 

56.  Derselbe.  A  proposito  della  mia  „contribuzione  etc."  Nota.  Boll. 
Soc.  Veii.  Trent.  Tomo  V.  1893,  p.  132—134. 

Rechtfertigung  gegenüber  den  dem  Verfasser  seitens  einiger  Süd- 
tiroler Botaniker  zugekommenen  Misstrauenskundgebungen  —  s.  Gelmi 
Prosp.  S.  IL  —  Die  angezweifelten  Bestimmungen  (im  Referate  durch 
Beisetzung  dieser  Literaturnummer  bezeichnet),  werden  unter  Hinweis 
auf  die  bezüglichen  klimatischen  Verhältnisse  (Weinbau  700  —  990  m), 
die  vorhandenen  Belegexemplare  und  die  reichen  wissenschaftlichen  Be- 
helfe des  botanischen  Institutes  zu  Padua  aufrechterhalten. 

57.  Pax  Feld.  Delphinhim  oji/aepalvm  Pax  et  Borh.,  eiue  neue  Art 
der  Centralkaipathen.  Verhandl.  des  botan.  Ver.  Brandenburg. 
XXXIII.  Jahrg.  1891,  erschienen  1892.  p.  88-94. 

58.  Kehm.  Pilze.  Neubearbeitung  von  Kabenhorst's  Kryptogamen- 
flora.  I.  Bd.  III.  Abtb.  39.— 41.  Lief. 

Betreffend  die  öfter  vorkommende  Angabe  „Riva  in  Südtirol"  rauss 
darauf  hingewiesen  werden,  dass  eine  Verwechslung  mit  Riva  im  Val 
Sesia  südlich  des  Monte  Rosa  obwaltet. 

59.  Derselbe.  Cladoniae  exsiccatae,  herausgegeben  von  Arnold. 
Nr.  407—424.  (Vergl.  diese  Zeitschr.  S.  191.  Botan.  Centralbl. 
LIV.  Bd.  S.  42  und  die  oben  bei  Nr.   2  gemachte  Bemerkung.) 

60.  Schnitze  Max.  Die  Orchidaceen  Deutschlands,  Deutsch-Oester- 
reichs  und  der  Schweiz.  Mit  circa  100  Chromotafeln.  (jera- 
üntermhaus.  Eugen  Köhler,  1892. 

Nicht  vollständig  eischienen  und  ohne  Paginirung.  Ausser  einer 
Notiz  über  weissblühende  Gymnadenia  nigra  keine  auf  Tirol  bezügliche 
Originalangabe  vorgefunden. 

61.  Stizenb erger  E.  Die  Alectorienarten  und  ihre  geographische 
Verbreitimg.  Ann.  des  k.  und  k.  Hofmuseums.  Wien  1802. 
117  S. 

62.  Sydow.  Uredineen.  Fase.  XV— XVI  Nr.  704—800. 

Tirol:  Nr.  717,  718.  719.  747,  750;  s.  Hedwigia  1893,  p.  178. 

63.  De  ToniG.  B.  Appimti  diatomologici  sul  lago  di  Fedaja.  Atti 
deir  accademia  pontificia  de'  nuovi  Lincei.  anno  XLVI,  tomo 
XLVI;  Sessione  Va  del  16  Aprile  1893.  Roma  1893.  4'\  8  p. 
Ferner:  Boll.  R.  Istituto  Botan.  deir  Universitä  Parmense 
1892-1893,  p.  69. 

Resultat  der  Untersuchung  einer  Schlammprobe  aus  dem,  bei 
2090  m  am  Nordfusse  der  Vedretta  Marmolata  noch  innerhalb  der  Grenze 
gelegenen  Fedajasee;  32  Arten  enthaltend. 

64.  Tubeuf  Carl  Freih.  v.  Mittheilungen  über  einige  Pflanzenkrank- 
heiten. Zeitschr.  für  Pflanzenkrankh.  lll.  Bd.  1893,  S.  140—143; 
201—205. 


236 

65.  Derselbe.  Kranke  Weiss-Erleu.  Forstlich-iiaturwissenschaftl. 
Zeitschr.  IL  Jahrg.  1893,  S.  74—75. 

66.  Derselbe.  Infectionen  mit  Gymnosporangium  -  krten.  Ibid. 
S.  75—76. 

67.  Derselbe,  lieber  das  Auftreten  verschiedener  parasitärer  Pilze 
und  über  mehrere  von  ihm  im  vergangenen  Sommer  beob- 
achtete Pflanzenkrankheiten.  Sitzungsber.  d.  Botan.  Ver.  Mün- 
chen. Botan.  Centralbl.  LIII.  Bd.  S.  233. 

(Nr.  64.  Beobachtungen  aus  dem  Stanzerthale  und  der  Brenner- 
gegend betreflFend.  Nr.  65—67  Auszüge  von  64.) 

68.  Venturi  G.  Correspondenz  (ohne  Titel).  Bull.  soc.  botan.  ital. 
anno  1893,  p.  450—453. 

Anführung  von  70  Laubnioosarten  von  verschiedenen  Standorten 
des  italienisciien  Landestheiles,  als  Nachtrag  zu  den  trüberen  Arbeiten 
des  Verfassers. 

69.  Wettstein  Dr.  E.  v.  Beitrag  zur  Flora  Albaniens.  Bearbeitung 
der  von  J.  Dörfler  im  Jahre  1890  im  Gebiete  des  Sar-Dagh 
gesammelten  Pflanzen.  Bibliotheca  botanica.  Heft.  26.  Cassel  1892. 
gr.  4".  106  S. 

S.  18,  25,  48,  .57,  64  kritische  Erörterungen  über  mehrere  auch 
in  Tirol  vorkommende  Arten. 

70.  Derselbe.  Untersuchungen  über  Pflanzen  der  österr. -ungar. 
Monarchie.  II.  Die  Arten  der  Gattung  Euphrasia.  In  dieser 
Zeitschr.  S.  77—83,  126—133,  193—202,  238—241,  305—310. 

71.  Widmer  E.  Die  europäischen  Arten  der  Gattung  Primula. 
München  und  Leipzig,  Oldenbourg,  1891.  gr.  8".  VI  und  154  S. 

S.  Keferat  in  Botan.  Centralbl.  LV.  Bd.  S.  41. 

72.  Wünsche  Dr.  Otto.  Die  Alpenpflanzen.  Eine  Anleitung  zu 
ihrer  Kenntniss.  Zwickau  i.  S.,  Thost,  1893.  8'\  XVI  und 
244  S. 

Blosse  Compilation  ohne  Originalangaben. 

^3.  Zimmeter  A.  Äquilegia Einseieana  F.  Schultz  und  A.  thalictri- 
folia  Schott.  In  dieser  Zeitschr.  S.  173—175. 

74.  "Zwackh.  Lichenes  exsiccati.  Fase.  XXL  Nr.  1100—1145. 

Tirol  1133.  S.  Bot.  Centralbl.  LEI.  Bd.  S.  313. 

75.  Unveröffentlichte  Mittheilungen  des  Referenten. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Botanische  Sammlungen,  Museen,  Institute  etc. 

Die  botanische  Abtheilung  des  k.  k.  natur  bis  tori- 
schen Hofmuseums  in  Wien  hatte  im  Jahre  1893  folgende 
Zuwächse  des  Herbariums  zu  verzeichnen:  An  Geschenken  gingen 
ein  4967  Nummern  und  zwar:  Flechten  von  Arnold,  Pflanzen  aus 
Centralchina    von    Hennigsen,    Nepenthes-Arten    von   Umlauft, 


237 

Orchideen  Vdii  Lauche.  Pflanzen  aus  dem  Banat  und  der  Türkei 
von  Degen.  Pflanzen  aus  Mähren  von  Oborny.  Pflanzen  aus 
Oesterreich-Üngarn  von  H.Braun,  Hepatkae  exoücae  von  Stephani. 
Ostindische  Pflanzen  vom  hotan.  Garten  in  Calcutta,  Rosen  von 
Crepin.  Pflanzen  aus  Macedonien  von  Dörfler,  Südafrikanische 
Pflanzen  von  Mac  Owan,  Lobelien  von  Zahl br uckner,  Exoten 
von  Pillwax.  Dendrologica  von  Sennholz,  Australische  Pflanzen 
von  F.  V.  Müller  etc.  Im  Tausche  wurden  Moose  und  Algen  aus 
Neu-Guinea,  Nymphaeaceen  von  Caspary,  Plantae  Hawaienses 
leg.  Hillebrand  erworben.  Im  Kaufwege  wurden  acquirirt: 
Rabenhorst  und  Winter  fungi  Europ.  et  extraeur.  XVIIL  und 
XIX.;  Stfibrny,  Plantae  bulgaricae :  Baldacci,  Iter  cretic; 
Sintenis,  Iter  Orientale  1892;  Hagen,  Pflanzen  aus  Sumatra; 
Beck,  Iter  Bosniacum;  Woloszczak  Flora  exs.  Polonica; 
Pringle,  Plantae  Mexicanae;  Spruce,  Hepaticae  Amazonicae; 
Magnier,  Flora  selecta  XIL;  Baenitz.  Herb.  Europ.;  Rusby. 
Plantae  Columbianae;  Schwarz,  Pflanzen  aus  Bosnien. 


Reh  mann  Dr.  Anton  und  Woloszczak  Dr.  Eustach:  Flora  Polo- 
nica exsiccata.  Centuria  II  et  TU  (Lemberg  1894). 

Die  vorliegende  Doppelcenturie  enthält  nachfolgende  neue  und 
interessante  Pflanzen:  PulsaüUa  slaiica  Reuss,  Cnltha  laeta  Schott, 
Nym.  et  Ky.,  Chorispora  teuella  DC,  Arahis  «renosa  Scop.  Lus. 
flor.  rosaceis  var.  rodontha  Borbäs  (1892),  Alyssuin  carnpestre  L. 
var.  micranthum  Fisch,  und  A.  Vindohonense  Beck  (richtiger  deser- 
torum  Stapf),  Meniscus  linifolivs  DC.  Reseda  lutea  L.  var.  stricta 
J.  Muell.  (Argov.),  Dianthus  Burhasii  Vandas,  Tilla  rordata  Mill. 
var.  asipnmetra  Borb..  Geraniuin  Bohemicuin  L..  Trifolium  arvense 
L.  var.  latifolivjii  Rehm.  et  Wol.,  Oxytropis  pilosa  DC,  Galium 
Schultesii  Vest..  Matricaria  discoidea  DC,  Chrysanthemum  Za- 
iradskü  Herbich,  Jurinea  cyanoides  DC,  Centanrea  difusa  Lam., 
Hieracium  Magyaricnm  subsp.  derolor  f.  astolona  et  stolonifera 
Naeg.  et  Pet..  H.  alpicola  Schleich,  var.  Bhodopaeum  (Griseb.), 
H.  ramosum  W.  K.  und  M.  mnroruni  L.  subsp.  setaceo-denlation 
Rehm.  et  Wol.,  Crepis  rnollis  Koch  var.  suhmoUis  Beck,  Leontodon 
hispidus  L.  var.  Danubialis  (Jacq.),  Qentiana  praecoj'  A.  Kern., 
Rochelia  stellulata  Rchb.,  Scopolia  Carniolica  Jacq.,  Teucrinm 
Polium  L,  Scutellaria  altissima  L..  Brunella  vidyaris  Moench  f. 
flor.  alias ,  B.  Pienina  Ullep.,  (Jideuhdolon  Ivteion  Huds.  f.  Tatrae 
Ullep.  (nach  Beck  vom  Typus  absolut  nicht  verschieden),  Thymus 
ovatus  Mill.  var.  sylvester  (Schreb.)  et  typicus  Beck,  Th.  anyusti- 
folivs  Pers.  var.  cuneatus  (Opiz),  Schizotheca  hastata  var.  micro- 
sperma  Celak.  f.  mvrorum  (N.  s.),  Thesium  ebracteaium  Hayne, 
Euphorbia  virnafn  W.  K.  var.  lvlesc«ns  Rehm.  et  Wol.,  Salix 
parcipila    ( super- Silesiaca  y<.  auritaj  Rehm.  =  *S.  aurita-Silesiaca  f. 


238 

u.  latifoUa  ;i.  Wimm.,  Potainoyeion  (lecipiens  Nolte,  Crocu.s  Bana- 
ticus  Heufl".  vai'.  Scepusiensis  Eehm.  et  Wol.,  MiUvm  vernale  M.  B. 
und  Equisetu7n  ramosissimum  Desf. 

Besondere  Anerkennung  verdient  die  polnische  Damenwelt  für 
ihre  so  hingebungsvolle  Betheiligung  an  diesem  Unternehmen. 

Joseph  Armin  Knapp. 

Herr  A.  de  Jaczewski  in  Montreux  (Schweiz)  plant  die 
Herausgabe  eines  Exsiccatenwerkes  unter  dem  Titel  „Fungi  Rossiae 
exsiccati".  Die  Sammlung  wird  in  Fascikelu  ä  50  Nummern  er- 
scheinen, der  Preis  des  Fascikels  soll  8  M.  betragen.  Mitarbeiter 
erhalten  die  Exsiccata  gratis  im  Tausche  gegen  6  Species  in 
nöthiger  Anzahl.  Herr  Jaczewski  ersucht  ihm  Pränumerationen 
auf  die  Sammlung  (ohne  Zahlung)  möglichst  bald  zukommen  zu 
lassen,  damit  er  in  die  Lage  versetzt  werde,  die  Grösse  der  Auflage 
zu  bestimmen. 

Herr  J.  Dörfler  in  Wien  (I.,  Burgring  7)  hat  nach  dem 
Ableben  des  Herrn  K.  Keck  die  Fortführung  des  von  P.Schultz 
gegründeten  ,,Herbarium  normale"  übernommen. 


Der  von  Uechtritz  begründete,  jetzt  von  dem  Herrn  Apo- 
theker S.  Mayer  in  Main  bürg  (Niederbayern)  geleitete  Schle- 
sische  botanische  Tausch  verein  versi^ndet  eben  sein  General- 
Doubletten-Verzeichniss.  Dasselbe  zeichnet  sich  durch  grosse  Keich- 
haltigkeit  an  interessanten  und  weithvollen  Pflanzen  aus  und  enthält 
die  Statuten  des  Vereines  und  eine  den  Modus  des  Pflanzentausches 
und  Kaufes  betreffende  Erörterung  des  Vereinsleiters. 


Botanische  Gesellschaften,  Vereine,  Congresse  etc. 

K.  k.  zoologisch-botanische  Gesellschaft  in  Wien. 

Botanischer  Discussionsabend    am  22.  December  1893. 

Dr.  F.  Krasse  r  sprach  über  Kropfbildungen  an  der  Eoth- 
buche.  —  M.  F.  Müllncr  legte  zwei  für  Niederösteireich  neue 
Kichenhybriden  vor.  nämlich  (c^.  Kanitziana  Borb.  (lanuginosn  X 
Jiohur)  und  Q.  iiäermedia  Woenn.  (MoburXsessiliflora).  Beide  hatte 
der  Voitragende  bei  St.  Veit  nächst  Wien  aufgefunden. 

Botanischer  Discussionsabend  am  19.  Jänner  1894. 

Dr.  C.  Bauer  demonstrirte  verkohlte  Samen  und  Früchte  von 
Kipac    in    Bosnien.     Dieselben     entstammen    etwa    der    Hallstätter 


239 

Periode  zuzuzähl enden  Pfahlbauten  und  gehören  folgenden  Aiteu  an: 
Hoi-deum  he.vastkhum,  Corylus  Avellana,  Pisum  arvense,  Ervum 
inicrospermum,  Pt/nis  Malus,  Quercits  sp,,  Cornus  mas,  Staphi^lea 
jtinnata,  Vitis  sp.,   Prunus  sp. 

Dr.  C.  F ritsch  besprach  und  demonstrirte  die  beiden  oft 
verwechselten  Arten  Ranvnculus  aconitifolius  L.  und  M.  plataul- 
folius  L. 

In  der  Monatsversammlung  am  7.  März  1894  sprach  Herr 
Dr.  G.  R.  V.  Beck  über  die  Gattung  Nepenthes ;  am  1)otanischen 
Discussionsabende  am  16.  Februar  1894  hielt  Herr  Dr.  E.  v,  Ha- 
lacsy    einen  Vortrag  über  die  Flora    von  Epirus. 

An  dem  ,.botani sehen  Abende"  der  deutschen  Botaniker 
Prags  am  9.  d.  J.  hielt  Herr  Prof.  Dr.  Reinitzer  einen  Vortrag 
„über  ruhende  Samen  und  Früchte". 

Herr  F.  Matouschek  referirte  über  die  Untersuchung  Klein's 
betreffend  die  Moiphologie  der  Cruciferenblüthe,  ferner  über  jene 
Petter's  betreffend  das  Vorkommen  ruhender  Samen  in  Wald- 
bödeu. 

Mit  der  ()(>.  Versammlung;  deutscher  Naturforscher  uud 

Aerzte,  welche  Ende  September  1894  in  Wien  stattfindet,  wird 
eine  Ausstellung  von  Gegenständen  aus  allen  Gebieten  der 
Naturwissenschaft  und  Medicin  veibunden  sein,  zu  deren  Beschickung 
hiedurch  eingeladen  wird.  Anmeldaugen  sind  bis  20.  Juni  an  das 
„Ausstellungscomite  der  Naturforsch ervei  Sammlung  (Wien,  I.  Uni- 
versität)" zu  richten,  von  welchem  die  Anmeldungsscheine,  Aus- 
stellungsbestimmungen   und    alle  Auskünfte    zu   erhalten  sind. 

Für  das  Ausstellungscomite:  Dr.  Maximilian  Sternberg, 
Schriftführer;  Hofiath  Dr.  Carl  Brunner  v.  Watten wyl,  Obmann. 


Botanische  Forschungsreisen. 

Im  botanisrheu  Centralblatte  1894,  Nr.  20,  theilte  Herr  Dr. 
M.  Treub  die  Kosten  mit,  die  nach  seinen  Erfahrungen  eine 
'/ .jährige  Forschungs-,  respective  Studienreise  nach  Buitenzorg  einem 
europäischen  Botaniker  verursacht.  Dieselben  belaufen  sich  auf  circa 
20t)4  fl.  holl.  oder  2440  M.  und  vertheilen  sich  auf  folgende 
Posten : 

Reise  Genua^Batavia  und  zurück 904  fl. 

Aufenthalt  in  Buitenzorg,  190  fl.  monatlich     .     .     760   „ 
Reise    vom    Wohnorte    nach    Genua    und    zurück, 

sowie  Ausrüstung 400   „ 

2064  fl. 


240 

Custos  Dr.  G.  R.  Beck  von    Manuagetta  hat  am  12.  Mai 
eine  2  monatliche  Reise  nach  Montenegro  angetreten. 


Personal-Nachrichten. 

Professor  Dr.  E.  Rathay  ist  zum  Director  der  önologiscli- 
pomologischen  Lehranstalt  in  Klosterneiiburg  bei  Wien  ernannt 
worden. 

Die  Professoren  P.  Ascherson  und  A.  Garcke  feierten  im 
April  d.  J.  ihr  2ojähriges  Docentenjubiläum. 

Professof  Dom.  Lovisato  wurde  mit  dem  Unterrichte  der 
Botanik  und  der  Direction  des  botanischen  Gartens  in  Cagliari 
betraut. 

Dr.  C.  Rechinger  ist  als  prov.  Assistent  an  der  botanischen 
Lehrkanzel  der  Universität  Wien  angestellt  worden. 

G.  Sarauw  ist  zum  Assistenten  am  Nationalmuseum  in 
Kopenhagen  ernannt  werden. 

Dr.  Osw.  Kruck  ist  zum  Assistenten  an  der  botanischen 
Lehrkanzel,  Dr.  A.  Baldini  zum  Conservator  am  botanischen 
Garten  der  Universität  in  Rom  ernannt  worden. 

(Nuov.  Giorn.  bot.) 

In  Admont  ist  der  hochbetagte  Botaniker  P.  Mauritius  de 
Angelis  gestorben. 

Dr.  Johannes  Schmalhausen.  Professor  der  Botanik  an  der 
St.  Vladimir-Universität  in  Kiew,  ist  Mitte  April  d.  J.  im  46.  Lebens- 
jahre gestorben. 

Inhalt  der  Juni-Nnmmer.  Magnus  P.  Wie  i^t  die  Pilzgattung  Latsta'iia  jetzt  zu  bezeichnen  y 
S.  201.  —  Braun  H.  Ueber  einige  kritische  Pflanzen  der  Flora  vuu  Kiederösterreich.  S. '2o4.  — 
Eränzlin  F.  Orchidaceae  Papuanae.  S.  208.  —  Bornmüller  J.  Nachtrag  zu  „Florula  insulae 
Thasos".  S.  212.  —  Degen.  Dr.  A.  v.  Bemerkungen  über  einige  orientalische  Pflanzeuarten. 
S.  216.  —  Freyn  J.  Plantae  novae  OrientaUx.  S.  217.  —  Arnold  Dr.  F.  Lichenologische 
Fragmente.  S.  221.  —  Litteratur-Üebersicht.  S.  224.  —  Flora  von  Oesterreich-Ungarn.  Sarn- 
thein  Ludwig  Graf.  Tirol  und  Vorarlberg.  S.  230.  —  Botanische  Sammlungen,  iloseen,  Insti- 
tute etc.  S.  236.  —  Botanische  Gesellschaften,  Vereine,  Congresse  etc.  S.  238.  —  Botanische 
Forschungsreisen.  S.  239.  —  Personal-Nachrichten,  s.  240. 

Redactenr:  Prof.  Dr.  R.  v.  Wettstein,  Prag,  Smichow,  Ferdinandsquai  14. 

Verantwortlicher  Eedacteur:  Hermann  Manz,  Wien  I.,  Barbaragasse  2. 

Verlag  von   Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


Die  ,,Oesterreichische  botanische  Zeitschrift"  erscheint  am  Ersten  eines  jeden  Monats 
und  kostet  ganzjährig  16  Mark. 

Exemplare,  die  frei  durch  die  Post  expedirt  werden  sollen,  sind  mittelst  Postanweisung 
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Einzelne  Nummern,  soweit  noch  vorräthig.  ä  2  Mark. 

Ankündigungen  werden  mit  30  Pfennige  für  die  durchlaufende  Petitzeile  berechnet. 

Zu  herabgesetzten  Preisen  sind  noch  folgende  Jahrgänge  der  Zeitschrift  zu  haben;  II 
und  111  ä  2  Mark,  X-XII  und  XIV-XXX   ä  4  Mark.  XXXI-XLI  ä  10  Mark. 

C.  UcbarreuUr'tcha  Bachdruck«»!  (M.  Salzar)  in  Wien. 


OSTERREICHISCHE 

BDTMISCIE  ZEITSCHRIFT. 

Herausy^egeben  und  redigirt  von  Dr.  Richard  R.  v.  Wettstein, 

Professor  an  der  k.  k.  deutschen  Unirersität  in  Prag. 


Verlag  von  Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


XLIV.  Jahrgang,  N"-  7. 


Wien,  Jnli  1894. 


Ein  Bastard  zwischen  Uieracium  Aiirlcula  L. 
und  Ilieraciiint  alpinam,  L. 

Von  Dr.  A.  Rehmann  (Lemberg). 

Mit  einer  Tafel    (III.). 

Wählend  meines  vorletzten  Aufenthaltes  in  der  Hohen  Tatra 
(1891)  fand  ich  in  der  nächsten  Umgebung  des  Csorbersees  eine 
Pflanze,  welche  sich  nach  einer  sorgfältigen  Prüfung  ihrer  Merk- 
male als  ein  Bastard  zwischen  zwei,  zu  den  verschiedenen  Gruppen 
der  Hieracien  (Piloselloiden  und  Arhieracien)  gehörenden  Species 
erwies.  Ich  gebe  eine,  nach  dem  von  Nägel i  und  Peter  für  die 
Piloselloiden  gelieferten  Schema  zusammengestellte  Beschreibung 
dieser  Pflanze,  um  sie  nachher  mit  einigen  Worten  zu  erläutern. 

Hieraclutn  atuphifjohiiu  n.  hybr.  =  //.  Auricula  L,, 
iSsp.  melaacileina,  var.  epUosmn  NP.  -\-  H.  alpinmn  L.  Ssp.  poly- 
inorphum,  var.  pstnido-personatuia  G.  Schneider.  Stengel  2»)  cm  hoch, 
aufrecht,  sclilank  und  steif.  Blüthenstand  dreiköpfig,  schwach  über- 
gipfelig.  Aklailium  4  mm  lang,  Strahlen  2.  Ordnung  von  einander 
entfernt;  der  obere  0  mm,  der  untere  17  mm  lang.  Blätter  schmal 
lanzettlicli,  stumpf  oder  spitzlich,  in  den  verlängerten  Blattstiel  all- 
inälig  verschmälert,  glaucoseirend,  der  Blattnerv  blass;  8  Stengel- 
blätter, das  ober.ste  klein,  schmal,  lanzettlich,  in  \,,  Stengelhöhe 
befestigt.  Die  Hülle  9  mm  lang,  kugelig,  an  der  Basis  gestutzt, 
Schuppen  breit  und  stunipflich,  schwarz,  kaum  gerandet.  die  Bracteen 
heller  als  die  Schu])peii,  lang.  Haare  am  Grunde  schwarz,  sonst 
weiss,  weich,  seidengläiizend.  an  der  Hülle  und  auf  den  Blüthen- 
.stielen  sehr  reichlich,  ]'  . — 2  mm  lang;  auf  dem  Stengel  zerstreut, 
;^  -;j  mm  lang,  am  Bande  des  Blattes  und  der  Blattstiele  reich- 
lich, 3 — 4  mm  lang,  an  der  unteren  Blattseite  zerstreut,  die  obere 
Seite  fast  kahl.  Drüsen  gross,  dunkelbraun,  an  der  Hülle  +  man- 
gelnd, an  den  Kopfstielen  und  am  oberen  Theile  des  Stengels  sehr 
reichlich,    nach    unten    an    Zahl    stets    abnehmend,  an  üeii  Blättern 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  7.  Heft.  1894.  19 


242 

O-Flocken,  uuf  den  IJliithensticleii  und  an  der  olicreii  Hälfte 
des  Stengels  reichlich,  auf  der  unteren  zerstreut.  Kopfstiele  grau. 
Blüthenkronen  lang.  Stolonen  zahlreich  (5),  sehr  kurz,  aufsteigend, 
dicht  beblättert. 

Ich  fand  diese  Pflanze,  und  zwar  iu  einem  einzigen  Exem- 
plare am  Csorbersee  in  der  Hohen  Tatra,  auf  der  unteren  Baszta, 
nicht  weit  von  jener  Stelle,  wo  der  Weg  zum  Poppersee  die  Gipfel- 
linie dieses  Berges  schneidet,  in  der  Höhe  von  1500  m.  In  der 
nächsten  Umgebung  war  nui-  H.  Aurkula,  Ssp.  melaucUeina,  var. 
epilosum  NP.  vorhanden,  etwas  höher  fand  ich  aber  mehrere  Exem- 
plare von  H.  alpinwn,  Ssp.  polymorphum,  var.  pseudo-personatum 
G.  Schneider.  Bei  der  oberflächlichen  Anschauung  hielt  ich  diese 
Pflanze  für  eine  liochwüchsige  Form  des  //.  alpicola  Schleich.,  ich 
erkannte  aber  bald  den  Irrthum,  als  ich  eine  Stunde  später,  am 
Wasserfalle  im  Mlinicathale,  das  in  der  Tatra  vorkommende  H.  al- 
picola, Ssp.  rhodopeum  Gris.  fand;  das  H.  amphlbolium  ist  von 
diesem  schon  durch  die  stolonenartigen  Wurzeltriebe  und  durch  das 
Indument  hinreichend  verschieden.  Habituell  ist  unsere  Pflanze  auch 
einem  dreiköpfigen  //.  mplioh'mm,  Ssp.  capillalum  NP.  =  II.  Auri- 
cula  L.  4"  ii-  yloAale  Reyn.,  wie  es  in  den  Exsiccaten  von  NP. 
unter  Nr.  183  ausgegeben  wurde,  nicht  unähnlich;  nachdem  aber 
das  H.  glaciale  in  der  Hohen  Tatra  gar  nicht  vorkommt,  darf  an 
eine  Identität  dieser  beiden  Pflanzen  nicht  gedacht  werden;  ausser- 
dem unterscheidet  sich  die  Tatrapflanze  von  dem  genannten  Exsic- 
cate  sofort  durch  die  schwarzen  Schuppen,  langen  Blumenkiouen, 
durch  den  Reichthum  an  Drüsen,  die  Weichheit  der  Haare  und 
durch  die  unbehaaiten  Stolonen.  Dagegen  zeigt  unsere  Pflanze  eine 
solche  Mischung  von  Merkmalen  jener  beiden  Pflanzen,  mit  welchen 
sie  den  Standort  theilt.  dass  sie  nur  ein  Mischling  zwischen  ihnen 
sein  kann.  Der  obere  Theil  des  H.  amphibolum,  vor  allem  die  Gestalt 
der  Hülle,  die  Grösse  und  Farbe  der  Schuppen,  die  Länge  der 
Blumenkronen  und  die  reichlichen,  langen,  weichen  Haare  ent- 
sprechen genau  dem  H.  poh/morphion,  var.  pseudo-personatuui ,  von 
welchem  es  durch  die  etwas  kleineren,  zusammengerückten  Blüthen 
abweicht.  Der  untere  Theil  unserer  Pflanze,  vor  allem  die  Gestalt 
und  Färbung  der  Blätter  und  das  Vorhandensein  von  Stolonen  er- 
innert dagegen  nur  an  H.  Auricula,  von  welchem  es  sich  durch 
die  kurzen,  schwach  aufsteigenden,  dicht  beblätterten  Stolonen  unter- 
scheidet. In  mor})hologischer  Hinsicht  zeigt  also  H.  amphiho/inn 
jenes  Verhältniss,  welches  auch  bei  anderen  Mischlingen  nicht  selten 
auftritt,  dass  es  in  seinen  Fortpflanzungsorganen  überwiegend  die 
Eigenschaften  der  einen  Mutterpflanze,  in  seinen  Vegetationstheilen 
die  Eigenschaften  der  anderen  Mutterpflanze  vererbt  hat.  Die  Ver- 
erbung des  Indunients  zeigt  dagegen  bei  unserer  Pflanze  ein  ganz 
normales  Verhältniss.  Denn  während  H.  polymorphum,  var.  pseudu- 
persoiiatum  nur    die    gewöhnlichen    Haare,   aber   gar    keine  Drüsen, 


243 

(ins  //.  Atiririila,  var.  nielaucihnta  mir  Drüsen,  aber  keine  Spur 
von  gewöhnlichen  Haaren  besitzt,  tieten  beide  Arten  von  Trichomen 
bei  H.  atn}>hiboluin  nebeneinander  auf,  fast  gleichmässig  vermischt. 
und  zwar  ebenso,  wie  Ijei  den  beiden  Mutterptianzen,  sehr  reichlich 
auf  der  oberen  Hälfte  der  Pflanze  und  gegen  ihren  unteren  Theil 
an  Zahl  allmälig  abnehmend. 

Hieracium  ainphiboluin  scheint  der  einzige  bis  jetzt  sicher 
beobachtete  Bastard  zwischen  den  Piloselloiden  und  den  Arhiera- 
cien  zu  sein.  Denn  abgesehen  vom  H.  Schmidtü  Koch,  in  welchem 
Schultz  Bip.  ein  H.  murorum  X  Pilosella,  Fr.  Schultz  da- 
gegen ein  //.  muroruinX  Pele.terianum  vermiithet  haben,  ist  U.  Gar- 
keamon  Ascherson  von  Johannisbad  (angeblich  ein  praealtam  X 
laevigi(tnm)  nach  einem  in  meiner  Sammlung  aufbewahrten  Exem- 
plare nur  ein  tl.  tridentatum,  welches  aus  allen  Blattwinkeln  (sogar 
ans  den  Winkeln  der  Wurzelblätter)  dünne,  zuweilen  schwach  auf- 
steigende Aeste  getrieben  hat,  wie  es  bereits  von  Nägeli  und 
Peter,  wiewohl  ohne  Ansicht  der  Pflanze  (die  Hieracien  Mittel- 
Europas,  s.  523)  richtig  vermuthet  wurde,  und  ff.  Inhariense  A.  Ker- 
ner, welches  als  II.  auraidiaco  X  al/nnuin,  beziehungsweise  als 
//.  aurantiacoXnigrescens  gedeutet  wurde,  scheint  wegen  der  ge- 
zähnten Stengelhaarc.  eine  selbstständige  Species  zu  sein.  Die  Existenz 
eines  Mischlings  zwischen  zwei  in  morphologischer  Hinsicht  so  weit 
von  einander  entfernten  Pflanzen  ist  nicht  ohne  allgemeine  Bedeu- 
tung, denn  sie  beweist  auf  jeden  Fall,  dass  die  Verwandtschaft  zwi- 
schen den  Piloselloiden  und  Arhieracien,  trotz  des  Mangels  directer 
Uebergänge  viel  grösser  ist,  als  es  so  vielfach  angenommen  wurde 
und  dass  die  Erhebung  beider  Hauptgruppen  der  Hieracien  zu  eigenen 
Gattungen  voreilig  war.  Wenn  es  sich  um  die  Ursachen  handelt, 
welchen  die  Seltenheit,  beziehungsweise  der  Mangel  hybrider  Bil- 
dungen zwischen  diesen  Hauptgruppen  zuzuschreiben  wäre,  so  muss 
vor  allem  die  ungleiche  Blüthenzeit  als  die  wichtigste  genannt  werden. 
Am  Fusse  der  Hohen  Tatra,  in  der  Umgebung  von  Zakopane,  wo 
zahlreiche  Sippen  von  //.  murortan  und  vulf/afvm,  ausserdem  H.  car- 
pathicum.,  Tatrae,  villosum,  bifidum,  caesitini  und  suhcaesium  mit 
verschiedenen  Sippen  des  H.  pilosella,  ßagellare,  Aitricula,  coUinuin, 
ßorentiautn,  mai/i/aricion  und  cjt/mosum  nebeneinander  leben,  kommen 
die  ersteren  zur  Entwicklung  erst  in  der  zweiten  Hälfte  des  Monats 
Juli,  also  in  einer  Zeit,  wo  die  anderen  bereits  abgeblüht  sind. 
Was  das  //.  ainpldbolum  anbelangt,  so  fanden  wir  diese  Pflanze  in 
der  Höhe  von  1500  m,  also  in  einer  Lage,  in  welcher  das  H.  Auri- 
ciila  die  obere  Grenze  seines  Vorkommens  erreicht  und  nachdem  es 
hier  um  einige  Wochen  später  als  im  Tieflande,  und  gleich- 
zeitig mit  ff.  (ilpinom  dieses  Standortes  zur  Blüthe  gelnngt.  so  war 
hier  die  Uebertragung  des  Pollens  von  der  einen  Pflanze  auf  die 
andere  möglich.  Nachdem  nun  alpine  Arhieracien.  vor  allem  aus 
der  Gruppe  der  Aurella,  in  der  Cultur  um  einige  Wochen    zeitiger. 

19* 


244 

als  in  der  Natur  und  zwar  <,4eichzeitig  mit  den  meisten  Pilo- 
selloiden  blühen,  so  sind  Aussichten  vorhanden,  dass  durch  künst- 
liche Befruchtung  auch  andere  Bastarde  zwischen  diesen  Gruppen 
erlangt  werden  können. 

Unsere  Abbildung  zeigt  das  Uieracium  amphibolaiu  in  zwei 
Drittel  der  natürlichen  Grösse,  nach  der  Entfernung  von  zwei  Sto- 
lonen  (Fig.  1);  ferner  ein  Stück  des  Blüthenschaftes  (Fig.  2). 


Untersuchungen    über   Pflanzen    der    österreichisch- 
ungarischen Monarchie. 

Von  R.  V.  Wettstein  (Prag). 
II. 

Die  Arten  der  Gattung  Etiphrasia, 

Mit  Tafeln  und  Karten. 
(Fortsetzung. ') 

18.  EiipJmtsfu  inluhna  Jacquin  in  Schleich.  Catal.  plant. 
Helv.  a.  1800.  p.  22  nom.  sol.  —  Lam.  et  De  Cand.  Flore  franc.  III, 
p.  473  (1815).0 

Caulis  erectus  simplex  vel  in  parte  inferiore  ramosus,  ramis 
paucis  simplicibus,  0'5  (in  regionibus  nivalibus)  —  25  cm  (in  locis 
pinguibus  vel  in  regionibus  australioribus)  longus,  viridis  vel  rubes- 
cens  vel  fuscescens,  pilis  crispulis  albidis  eglandulosis  reversis 
pubescens,  foliis  etiam  florendi  tempore  omnibus  persistentibus;  folia 
cauliua  semper  obtusa,  infima  obovato-cuneata,  dente  utrinque 
unico,  superiora  obovata  vel  ovata  utrinque  dentibus  obtusis 
vel  acutis,  sed  non  aristatis,  2  —  4.  Bracteae  ovatae  vel  ovato- 
oblongae,  erecto-patentes,  obtusae  vel  acuminatae,  utrinque 
dentibus  3 — 4,  rarissime  5  acuminatis  sed  raro  aristatis. 
Folia  omnia  in  margine  et  in  regio ne  marginali  paginae 
superioris  solum  setulis  minimis  obsita,  caeterum  glabra, 
vel  in  pagina  superiore  et  inferiore  setis  parvulis  plus 
minus  dense  obsita.  Spica  condensata,  in  speciminibus  graci- 
libus  postea  elongata;  flores  subsessiles.  Calyx  dentibus  brevibus 
acutis,  glaber  et  solum  in  margine  setulosus  vel  totus  setis  obsitus. 
Corolla  cca.  5  —  6  mm  longa,  labio  superiore  brevi  bilobo,  lobis 
emarginatis  vel  denticulatis,  labio  inferiore  trilobo,  lobis  emarginatis, 
plerumque  lutea  labio  superiore  purpiirascente  vel  coeruleo  et  in 
labio  inferiore  striis  purpureis  vel  coeruleis  picta,  hinc  iude  tota 
lutea,  non  raro    etiam  albida   labio    superiore    coeruleo    et  labio 


')  Vergl.  Nr.  5,  S.  169. 

')  loh  sah    Original-Exemplare   im    Herbarium    Schleicher   fUnivers. 
Lausanne). 


Rehmann,  Hieracium  amphibolum 


TAF 


^^ 


Oesterr  boran  Zeifschr  ]89^ 


245 

inferiore  niacula  magna  lutea  et  striis  ooeruleis.  Capsula  obovata 
vel  ovato-cun  eata,  calycera  matura  super  ans,  emarginata, 
margine  eil  lata. 

Synonyme:  J^J.  pratensis  n.  minima  Reichen}),  flor.  Germ, 
excurs.  p.  358  (1830/32)  pr.  p. 

M.  ofßcinalis  ö.  minima  Benth.  in  DC.  Prodrom.  X.  }>.  553 
( 1 846). 

JE.  capitulata  var.  eylandulosa  Townsend  in  sched. ') 

E.  capitulata  var.  glahra  Townsend  in  Journ.  of  Bot.  1800, 
p.  HH:') 

E.  vdrialnlis  Freyu  in  Schedae  ad  flor.  exs.  Austr.-Hung.  IV, 
p.  55  (1886).') 

E.  minima  A.  Kerner  Schedae  ad  flor.  exs.  Austr.-Hung.  I, 
p.  49  (1881).—  Schultes  Oesterr.  Flora  2.  Aufl.  S.  179  (1814).  — 
Sauter  Flora  des  Herzogth.  Salzb.  S.  85  (1879).  —  MalyEnum. 
pl.  imp.  Austr.  p.  207  (1848). —  Koch  Synops.  flor.  Germ,  et  Helv. 
ed.  1.  p.  545  (1837).  —  Murbeck  Beitr.  z.  Kenntn.  d.  Flora  von 
Südbosn.  S.  72  (1891).  —  Maly  Flora  von  Steierm.  S.  147(1868). 
—  Willkomm  Führer  in  d.  Reich  d.  d.  Pfl.  1.  Aufl.  S.  425 
(1863).  —  2.  Aufl.  S.  541  (1882)  pr.  p.  —  Host  Flora  Austr.  ü, 
p.  186  (1831).  —  Fächer  et  J ab orn egg  Flora  von  Kärnthen  I, 
p.  307  (1881). 

E.  ofßcinalis  8.  micrantha  Fächer  et  Jaboiii.  a.  a.  0.  S.  307 
(1881). 

Exsiccaten:  Schultz  Herb.  norm.  Cent.  10.  Nr.  931.  — 
Billot  Flor.  Gall.  et  Germ.  exs.  Nr.  2331.  —  Reichenb.  Exs. 
Nr.  1006  (als  E.  offic.  var.  alpina).  —  Kern  er  A.  Flora  exs. 
Austr.-Hung.  Nr.  153  (als  minima),  Nr.  1402  (als  E.  variahilis 
(Freyn).    —    Michalet    PI.    d.    Jura    Nr.  111. 

Abbildungen:  Reichenb.  Icon.  Flor.  (ierm.  et  Helv. 
20.  Bd.  Tab.  MDCCXXXHI.  Fig.   VIII,  3—8.^) 

Bliithezeit:  Juli  bis  September. 

Verbreitung:  Verbreitet  in  den  Gebirgen  des  mittleren 
und  südlichen  Europa,  und  zwar  in  den  Pyrenäen,  in  Süd-Frank- 
reich, in  den  ganzen  Alpen,  in  Siebenbürgen,  im  Etruscischen  Apennin, 
in  der    Balkanhalbinsel,    überdies    in    Norwegen. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Ungaru:  Auf  Wiesen,  an 
steinigen  Abhängen  und  in  Geröllhalden  in  der  alpinen  und  höheren 
Bergregion,  ab  und  zu  in  den  Thälern  der  Alpen  lierabgeschwemmt 
an  relativ  niederen  Standorten.  Tirol  und  Vorarlberg:  Verbreitet 
im  ganzen  Lande,  untere  Verbreitungsgrenze  etwa  bei  1600  m  in 
Nord-  und  Mitteltirol,  bei   1800m  in  Südtirol;  höchste,  mir  bekannt 


^)  Original-Exemplare  gesehen! 

*)  Ueber    die    fehlerhafte    Zeichnung     der    Oberlippe    vergl.     Kern  er 
Schedae  I,  p.  49. 


246 

gewordene  Standorte  bei  2840  m  (Röthlspitze;  Wettstein  1893) 
und  cca.  2880m  (unter  der  Payerbütte  am  Ortler;  Wettstein 
1893).  —  Salzburg:  Fuscberalpen  (Spitzel:  H.  Mus.  P.,  H.  A. 
Schwarz,  H.  Berl.,  H.  Hofm.):  Bad  Fuscb.  Weg  zur  Tbalmaier- 
bütte  (Fritscb;  H.  Frsch.);  Scbwarzkopf  bei  Fuscb  (Sonklar; 
H.  ü.  W.);  Raurisertbal  (Eysn;  H.  U.  W.);  Nassfeld  bei  Gastein 
(Mielichbofer;  H.  Job.  —  J.  Kern  er;  H.  J.  Kern.):  Gramskar- 
Ifogl  bei  Gastein  (lg.?;  H.  Nordst.,  H.  Berl.),  Krimmler  Tauern 
(Kanitz;  H.  Aschers);  Krimmierthal  (A sehe rso n  u.  Reinhardt; 
H.  Aschers.);  Radstädter  Tauern  (Pernhoffer;  H.  Pernhoff.); 
Schmittenhöhe  (Haussknecht;  H.  Haus.  —  Wettstein);  Gais- 
stein  im  Pinzgau  (Haussknecht;  H.  Haus.);  Weisseneck  (Fug- 
ger; H.  Frsch.);  Trattenbachgraben  bei  Wald  (Fugger;  H.  Frsch.); 
Ofenalpe  im  HoUenbachthal  (Fugger;  H.  Frsch.);  Stubacbthal 
(Fugger;  H.  Frsch.);  Moserkopf  bei  Mauterudorf  (Fritsch; 
H.  Frsch.). 

Kärnthen:  tum  Heiligenblut  (Freyn;  H.  Fr.,  H.  Masson, 
H.  Hai.,  H.  Rieht.  —  Poetsch;  H.  U.  Pr.  —  Ruprecht;  H.  Mus. 
Pr.  —  Wettstein);  *„Heubachhöhe"  (Kohlmayr;  H.  z.  b.  G.); 
*Dobratsch  (Fritsch;  H.  Frsch.);  Kapponiger  Alm  (Fächer: 
H.  Pach.);  Wolligger  Alm  und  Malnitzer  Tauern  (Fächer:  H.  Fach.); 
Sagritz  (Fächer;  H.  Fach.);  Wollaner  Nock  (Fächer;  H.  Pach.); 
Möllthal  (Fächer;  H.  Fach.);  Katschthal  (Jabornegg;  H.  Fach.); 
t,, Rosskofel  bei  Grodrudnig"  (Fächer;  H.  Fach.);  Pfalfenberger 
Alm  (Fächer;  H.  Fach.);  Koralpe  (Preissmann;  H.  Fr.). 

Steiermark:  Leitschachtbai  bei  St.  Johann  (Heimerl; 
H.  Hai.);  M.  Schnee  bei  Seckau  (Pernhoffer;  H.  Pernh.);  Stub- 
alpe bei  Gr.  Lobming  (Pernhoffer;  H.  Pernh);  Bruneben  bei 
Wald  (K.  Malv;  H.  K.  Maly);  Schobersattel  1760m  (K.  Maly; 
H.  K.  Maly);  Eggeralm  1600m  (K.  Maly;  H.  K.  Maly);  Sulzkaar 
bei  Johnsbach  (Sommerauer;  H.  Job.);  Kalbling  bei  Admont 
(lg.?;  H.  Job.  —  Strobl;  H.  Hofm.);  Rissach  (Zahlbruckiier 
und  Loitlesb  erger;  H.  Hofm.).  —  Auf  der  Raxalpe  am  Schlangen- 
wege und  in  der  is'äbe  des  Schutzhauses  unmittelbar  an  der  Grenze 
von  Niedorösterreich  (Pernhoffer  1853;  H.  Pernh. —  Rich- 
ter; H.  Rieht.')  —  L.  Keller;  H.  Schinz,  H.  T.  Z.  —  Rec hin- 
ger; H.  Rechiug.  —  Wiemann;  H.  U.  P.) 

Niederösterrei  ch:  Auf  dem  Schneeberg  (Pittoni;  H.  Hofm.) 
Die  Angabe  bedarf  der  Bestätigung,  da  Niemand  in  neuerer  Zeit 
die  Pflanze  dort  fand.  Das  unzweifelhafte  Vorkommen  auf  der  be- 
nachbarten Raxalpe  macht  aber  die  Auffindung  der  E.  in.  auf  dem 
Schneeberge  nicht  unwahrscheinlich. 

Siebenbürgen:  Rodnaer  Alpen  (Baum  garten;  H.  U.  Pr.V, 


')    Vergl.  Ri  eilt  er    in  Verh.   d.   zool.-botati.    G.s.    XXXVII.  Bl.    Abh. 
S.   19:]  (  1887). 


247 

K"tyezat  (Kanitz;  H.  Berl.);  Alpen  von  Fogar.is  2200  ni  (Au drae; 
H.  Berl.);  Arpaser  Alpen  (Kotscby;  H.  Hofu:.);  „in  monte  Skere- 
schoie'  (Schur;  H.  Hofm.). 

P  Hercegovina:  Auf  dem  Voltijak  bei  2000  m  (Murbeck'). 

Die  Vielgestaltigkeit  der  E.  minima  ist  Schuld  daran,  dass 
diese  Art  vielfach  uniichtig  gedeutet  und  häufig  mit  anderen  Arten 
verwechselt  wurde.  Es  bedurfte  jahrelanger  Studien,  und  insbesondere 
Ciilturversuche,  um  über  dieselbe  vollkommen  ins  Klare  zu  kommen. 
Zunächst  variirt  E.  minima  je  nach  dem  Standorte.  Auf  alpinen 
Wiesen,  an  günstigen  Stellen  der  alpinen  Region  ist  sie  zumeist 
schlank,  wenig  verzweigt,  cca.  5 — 15  cm  hoch;  in  der  glacialen 
Kegion.  besonders  am  Rande  von  Schneefeldern  und  Gletschern 
erscheint  E.  minima  oft  winzig,  sie  erreicht  oft  eine  Höhe  von 
weniger  als  5  cm  und  treibt  nicht  selten  ausser  den  Cotylen  nur 
1—2  Blattpaare:  var.  minor  Jord.;  dagegen  erreichen  an  relativ 
niederen  Standorten  oder  in  den  Südalpen  dje  Stengel  oft  eine  an- 
sehnlichere Höhe  (—  25  cm).  die  Blätter  werden  spitzer,  die  Blüthen 
zahlreicher:  var.  suharistata  Gremli;  an  besonders  üppigen,  feuchten 
Standorten  erscheint  die  Pflanze  oft  gross,  auffallend  breit-  und 
dickblättrig:  var.  aherans  m. 

Eine  zweite  Reihe  von  Formen  lässt  sich  nach  der  Blüthen- 
farbe  unterscheiden.  Dieses  Merkmal  wird  auch  bis  zu  einem  gewissen 
Grade  erblich  festgehalten.  Wir  fin<len  Exemplare  mit  ganz  gellten 
Corollen  (var.  flava  Gremli),  solche,  deren  Corollen  weisslich  sind 
und  bloss  eine  blaue  oder  blauviolette  Oberlippe,  ebensolche  Striche 
und  einen  gelben  Makel  auf  der  Unterlippe  zeigen  (var.  pallida 
Gremli),  wir  finden  gelbe  Corollen  mit  violetter  oder  rother  Ober- 
lippe und  ebensolcher  Zeichnung  der  Unterlippe  (var. /uVo/or  Gremli). 
Seltener  sind  Exemplare  mit  ganz  weisser  Corolle  (var.  alba  Favrat) 
und  solche  mit  vollständig  rothvioletten  Corollen  (var.  purpnras- 
cens  m.).  In  gewissen  Gegenden  herrschen  einzelne  dieser  Farben- 
varietäten vor,  so  auf  den  Urgebirgsbergen  des  centralen  und  süd- 
lichen Tirol  die  Varietäten  flam  und  hicolor,  in  den  östlichen  Alpen 
die  var.  pallida. 

Eine  dritte  Richtung  der  Variation  zeigt  sich  in  der  Behaa- 
rung. Man  findet  Exemplare  mit  nahezu  kahlen  Blättern,  die  nur 
am  Rande  und  an  der  Randpartie  der  Oberseite  kurzborstig  sind, 
ferner  solche,  die  an  beiden  Blattseiten  mehr  minder  dicht  mit 
kurzen  Borsten  bedeckt  sind.  Beide  Formen  gehen  ineinander  über. 
Erstere  möchte  ich  als  var.  Schleicheri  bezeichnen,  letztere  hat  den 
Namen  var.  hispidida  Favrat  zu  führen.  Var.  Schleicheri  ist  weitaus 
am  häufigsten,  var.  hispidida  findet  sich  vorherrschend  im  Gebiete 
der  Südalpen,  oft  mit  var.  Schleicheri  gemeinsam.    Ich    habe  in  der 


')  Vergl.  Murbeck,  Beiträge  S.  72;  von  Murl)i'(k  selbst  als  iVaglicli 
bf/eicliiK't;   ich   sali   keine  Exemphire. 


248 

obigen  Zusammenstellung  der  Fundorte  solche  von  var.hispidula  mit*. 
Staudorte,  au  welchen  beide  Varietäten  oder  Uebergangsfoimen  sich 
finden,  mit  t  bezeichnet;  alle  anderen  Angaben  beziehen  sich  auf 
E.  Schleicheri.  Für  E.  hispidula  kenne  ich  zahlreiche,  hier  der  Kürze 
halber  nicht  aufgeführte  Standorte  aus  Südtirol. 

Den  durch  zahlreiche  Beobachtungen  und  Culturversuche  er- 
brachten Nachweis,  dass  es  sich  bei  den  im  Vorstehenden  genannten 
Formen  thatsächlich  nur  um  Varietäten  im  Linne'schen  Sinne 
handelt,  werde  ich  au  anderem  Orte  eingehend  erbringen. 

Von  anderen  Euphrasia- kiten  ist  E.  minima  meist  recht 
leicht  zu  unterscheiden.  E.  minima  var.  flava  und  var.  hicolor 
sind  schon  an  der  gelben  Corolleufarbe  leicht  zu  erkennen.  Die 
übrigen  Varietäten  könnten,  wenn  man  das  Vorkommen  ausser 
Acht  lässt.  nur  mit  E.  nemorosa  Pers.,  E.  pumila  Kern.,  E.  gra- 
cilis  Fr.,  E.  curta  Fr.  und  E.  Liburnica  m.  verwechselt  werden. 
Von  allen  diesen  ist  E.  minima  durch  die  stumpfen,  geradezu 
abgerundeten  Stengelblätter,  sowie  durch  die  den  Kelch  an  Länge 
bedeutend  übertreffenden  reifen  Kapseln  zu  unterscheiden.  Die  drei 
erstgenannten  weichen  von  E.  minima  überdies  durch  die  Kahlheit 
der  Blätter  ab.  Die  Unterschiede  von  den  hier  noch  nicht  beschrie- 
benen Arten,  E.  Tatrae  m.  und  E.  drosocalyx  Freyn  sollen  bei 
Behandlung  dieser  Erwähnung  finden.  E.  Christa  hat  2 — 3  mal 
grössere  Blüthen. 

In  Herbarien  fand  ich  E.  minima  sehr  oft  mit  kleinen,  infolge 
dessen  habituell  ähnlichen  Exemplaren  von  E.  Salishurftemis  ver- 
wechselt. Letztere  ist  aber  stets  leicht  an  den  vollständig  oder 
wenigstens  relativ  kahlen  Kapseln  zu  erkennen. 

19.  E.  Tatrae  Wettstein. 

Diagnose  in  Sagorski  et  Schneider  Flora  der  Central- 
karpathen  IL  S.  421  (1891)  unter  dem  Namen  „E.  minima  var. 
Carpathica  Freyn  in  litt." 

Synonyme:  J5J.  minima  var.  Garpathica  Freyn  ' )  in  Sagorski 
et  Schneider  a.  a.  0.;  non  E.  Carpathica  Zapal. 

E.  officinalis  var.  alpestris  Freyn  in  Verh.  d.  zool.-botan.  Ges. 
XXIL  Abb." S.  350(1872).  —  Knapp"Die  bisher  bekannten  PHanzen 
Galiziens.  S.  230  (1872)  s.  pr.  p. 

Exsiccaten:  Magnier  Flora  exs.  Nr.  201.5  (als  E.  micrantha 
b)  versicolor  Freyn). 

Blüthezeit:  Juli  bis  September. 

Verbreitung:  Bisher  blos  aus  den  West-  und  Centralkar- 
pathen,  aus  dem  Kiesengebirge  (schlesische  Seite)  und  aus  Sieben- 
bürgen bekannt,    daselbst    grössteutheils    die   E.  minima  vertretend. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Ungarn:  Tatra  von  1300 
bis  über  2000m;  auf  der  Javorina  (Sagorski:    H.  Fr.  —  Vatke; 


')  Original-Exemplare  sah  ich  im  Herbarium  Freyn. 


249 

H.  Haus.);  bei  Podspady  (Sa^orski;  H.  Fr.);  in  den  Kiipfer- 
sc.bächteu  (Sugorski;  H.  Fr.);  bei  Zakoi)ane  (Freyn;  H.  Fr.  — 
Ascberson;  H.  Aschers.);  Koscielisko.  Abbänge  des  Ciemniak 
(Freyn;  H.  Fr.);  Tycbapass  (Freyn;  H.  Fr.);  Drecbslerhäusdien 
(Ascberson;  H.  Ascbers.);  Czarber  See  (Rebman;  H.  Kebiu),  — 
L  i  p  t  a u  -  S  0  li  1  e  r  -  A 1  p  e  n :  auf  dem  Djumbir  (F  r  e  y  n ;  H.  Fr.}.  — 
Zwischen    Szepes    Bela    und    ßalangliget    (Ullepitscb;  H.  U.  Pr.). 

Siebenbürgen:  Bucsecs  bei  Kronstadt  (Köm er;  H.  Zim- 
nieter). 

In  zw(3ifacher  Hinsicht  möchte  ich  die  oben  citirte  Beschreibung 
ergänzen;  zunächst  durch  die  Angal)e,  dass  Blätter.  Bracteen  und 
Kelche  ab  und  zu  kurze  S  t  i  e  1  d  r  ü  s  e  n  tragen ,  dann  durcli 
die  Bemerkung,  dass  auch  vollständig  gelbe  Corollen  sich  bei 
E.  Talrae  finden.  Ich  nehme  diese  Ergänzungen  im  Einverständnisse 
mit  Herrn  I.  Freyn  vor,  der  die  Pflanze  zuerst  beschiieb  und  in 
einer  handschriftlichen,  auch  den  Herren  Sagorski  und  Schneider 
im  Auszuge  mitgetheilten  Beschreibung,  die  er  mir  freundlichst  zur 
Verfügung  stellte,  auch  schon  die  ab  und  zu  vorkommende  drüsige 
Behaarung  erwähnt,  (Koitseiy.nn-  m^i.) 


Lichenologische  Fragmente. 

Von  Dr.  F.  Arnold  (München). 

(Schluss. ') 

10.  vdleus:  Wulfen  gibt  als  Standorte  an:  „a)  zu  Pöckstein 
in  der  Gastein  auf  den  Felsen  um  die  Kirche;  b)  in  der  Malniz 
ad  saxa".  Es  lässt  sich  nicht  mehr  entscheiden,  von  welchem  Stand- 
orte die  beiden  Exemplare,  welche  in  einem  Bogen  beisammen  liegen, 
stammen.  Das  eine  ist  sterile  Gyrophora  vellea  L.  (thallus  C.  rubesc. 
subtus  nigro-hirsutissimus) ;  das  andere  aber  die  in  den  Alpen  nir- 
gends seltene  Gyropliora  depressa  Ach.,  Th.  Fries  Scand.  p.  lö)!. 
Arn.  Tirol  XXI.  p.   120,  no.  140:  (sporas  non  vidi). 

13.  f/riseus:  ist  ein  steriles  Exemplar  der  Gyrophora  murma 
Ach.,  Nyl.'  syn.  Tl.  p.  12,  Th.  Fries  Scand.  p.  155,  Lamy  Catal. 
suppl.  1882,  p.  9,  exsicc.  Arn.  827:  (thallus  speciminis  herbarii 
subtus  fusco-nigricans.  minute  papillosus). 


IX.  Lwltenes  foliacei  gehituntsi. 


1.  fuijax, 

2.  pulrher, 

•!.  piipyraceus, 
i.  niijrescentt, 

tilio, 
5.  granosus, 


6.  lichenoides. 

7  cristatus. 

8.  crispus. 

Vesper-    \     9.  fascicularis, 

lO.  Jacobaeaefolius.  sen 

I  marginalis, 


1 1 .  opuntioides. 
I  2.  coriiforniis. 

II,  12,  mihi  non  aderant 
nee  inveni. 


Vergl.  Nr.  f..  Seite  221. 


250 

1.  fu,(ja.r  ist  keine  Flechte,  sondern  eine  Exidia.  miith masslich 
E.  repanda  Fries  syst.  IT.  p.  225. 

2.  pidcher:  auf  der  Aiissenseite  des  Umschlagbogens  bemerkte 
Wulfen:  „Lieh,  pidcher  Leersii,  Lieh,  rupestris  Swartz  apud  Linn. 
til.,  Collema  prasinum  Hoff."  Es  liegt  hier  ein  kleines  Exemplar  von 
Midlotium  mijoehrouni  Ehr.  =  tomentositm  Hoff,  vor;  thallus  subtus 
brevissime  albido-tomentosus,  apothecia  et  sporae  speciei. 

8.  papyraeeus:  die  wenigen  sterilen  dünnhäutigen  Exemplare 
dürften  einem  Collema  angehören;  Gonidienschnüre  und  Hyphen  sind 
reichlich  vorhanden. 

4.  Ein  ^^Lichen  nigreseens,  auf  der  Iregger  Alpe"  ist  steriler 
Si/neehoblastus  nigreseens  Huds.,  Arn.  Jura  Nr.  569,  was  sich  ins- 
besondere aus  dem  Habitus  und  der  glatten,  knitterigen  Unterseite 
ergibt.  Im  nämlichen  Bogen  liegt  auch  Nostoc. 

5.  granosus:  der  „Lieh,  granulatus,  in  monte  Calvariae  cum 
Mnio  fontano"  ist  steriles  Collema  granosum  Scop.  (vergl.  Arn., 
Wulfen,  1882,  p.  159):  lamina  thalli  jodo  sanguineorubens. 

Ausserdem  liegt  im  Papierbogen  noch  ein  Gemengsei  steriler 
Gallertflechten:  a)  Lethagrium  rupestre  L.;  b)  Leptog.  atroeaeru- 
leum;  c)  Collema  pulposum  Bhd.,  oder  doch  eine  der  verwandten 
Arten. 

6.  liehenoides:  i'^i  ^iQY\\Q&  Leptog ium  atrocaerideum}{dX\.\  vergl. 
Arn..  Wulfen,  1882,  p.  159.  Die  beiden  Bemerkungen  von  Wulfen 
in  herb,  lauten: 

a)  Lieh,  liehenoides  seu  Tremella  liehenoides  L.  in  rupibns 
infra  et  supra  Bvgum  apoearpum  L.  In  sylvis  Mont.  Calvariae  et 
Zigulnensibus; 

b)  Lieh,  liehenoides,  in    der    Sattnitz,   Anfangs    Merzens    1788. 

7.  eristatus:  ein  Standort  ist  nicht  angegeben.  Die  meist  kleinen, 
vorwiegend  sterilen  Exemplare  gehören  in  den  Formenkreis  des 
Collema  midtifidum  Scop.  und  sind  zum  Theile  die  auf  Erde  vor- 
kommende Form  C.  cristatum  L.:  sporae  late  sublusiformes,  3  septat., 
parum  divisae,  0'021 — 24mm  lg.,  Q-OlO— 12mm  lat.  (vergl.  Arn., 
AV Ulfen,  1882,  p.  160). 

Ein  kleines,  reichfruchtendes,  zwischen  den  übrigen  liegendes 
Stückchen  stellte  sich  als  Lethagrium  polyearpon  Schaer.  heraus: 
sporae  subfusiformes,  3-septatae,  0'018  mm  lg.,  0'005mm  lat. 

8.  crispus:  die  beiden  im  Herbarium  befindlichen  Atome  des 
^J^ieli.  erispus"'  geben  keinen  näheren  Aufschluss,  sondern  dürften 
ein  steriles  Collema  pidposion  darstellen  (vergl.  Arn.,  Wulfen,  p.  158). 

9.  fa.seieidaris:  comp.  Arn.,  Wulfen,  p.  160.  Die  Flechte  ist 
in  zwei  guten  Exemplai'en  vorhanden:  sporae  simplices,  incol..  late 
ellipsoideae,  0-008-  9'mm  lg.,  0-008  mm  lat.,  8  regulariter  uni- 
seriatae  in  ascis  subcyliudricis  (Physma  polyauthes  Bhd.). 

10  JacohaeaefoUas:  „marginalis  Hudson,  Hoffmanno  Collema 
laeiniatiim''.  Hier  liegen  zwei  Flechten  vor: 


251 

„Nr.  1,  Lieh.  Jacob.,  marginalis  cum  scutellis."  Diese  Flechte 
ist  LethtKjrhim  ritpestre  L.,  Arn.  Jura  Nr.  570:  sporae  subiusi- 
formes,  3—5  septat.,  0,018— 28  mm  lg.,  0005— Gmm  lat. 

„Nr,  2,  TAch.  jacoh.  raarginalis  cuiii  scutellis."  Diese  Flechte 
ist  Collema  multifidwa  Scop.:  apothecia  fusco-rufa.  margo  integer, 
sporae  latae,  subfusif..  3  septat.,  septis  hie  iiide  divisis,  0-021  — 
24mm  lg.,  0012   -13mm  lat.,  8  in  asco. 

11,  12:  beide  Flechten  sind,  wie  aus  Wulfen's  Hemerkiing 
hervorgeht,  im  Herbare  nicht  vorhanden. 


1.  .stupofius  Scliieberi, 

i.  tilheÜKs  Persoon. 

!{.  spliaeroide.t, 

4.  .trriptus, 

•j.  vernalis  L., 


X. 

(1.  cinerascen ."t     Schro- 

bcri, 
7.  c'mereofuscusVfQhev. 
S.  pallescen.'i     Hoff- 

maiini, 


n.  palle.'icens  Linnaei. 
10.  lentnjer. 
I  I .  subfuscus, 
1  i.  limitatu.'i, 
13.  vanus. 


1.  stuposus:  „an  Lu-h.  /;ermtV.  seu  Taurici  varietas?"  ist  7Vi(/;>/- 
nolia  vermic,  podetia  erecta,  dense  congesta. 

2.  alhellus:  ist  die  gewöhnliche  Lecidea  jtarasemn  Ach.  auf 
Kinde:  thallus  tenuis.  albescens,  C  — ,  epith.  viride,  hyp.  lutesc.,' 
sporae  simplices.  0"012mm  lg.,  O'OO^mm  lat.  Daneben  einige  A|»o- 
thecien  der  Rinodina  e.cigva  Ach,,  Ain.  Jura  no.  170:  margo  albus, 
sporae  speciei,  0"015mm  lg.,  O'OOömm  lat. 

3.  spliaeroides:  ist  ein  Pilz:  Tabercular'ia  vuliiari.-^  Tode: 
conidia  sat  numerosa,  subrecta  vel  leviter  curvula,  incol.,  0007  — 
9  mm  lg.,  0025  mm  lat . 

4.  scriptus'-  Der  .^Lich.  scriptus''^  ist  Qraphis  acriplij  f.  />id- 
nerulenta  Pers ,  apothecia  graciliora.  acuta,  disco  pruinoso. 

„Lieh,  .scriptum  var."  dagegen  ist  die  gewöhnliche  Arthouia 
aatroidea  Ach.,  sperae  speciei,  medio  paullo  constrictae,  8  septat.. 
0-015  mm  lg.,  0  005  mm  lat.  (vergl.  Arn.,  Wulfen  1S82,  p.  170). 

5.  6.  7 :  in  einem  Bogen  mit  der  Aufschrift:  „Lieh,  cinereo- 
fuscKs  Weberi.  et  cinerascens  Schreberi  et  vernalis^\  befinden  sich 
zwei  Papierkapseln. 

Die  eine  derselben  enthält  den  „Lieh,  verualis  juxta  Schre- 
berum"  auf  Kinde:  thallus  leprosus,  albesc,  parum  evolutus,  pauca 
apothecia  aggregata.  couvexula,  iielvola,  epithec.  lutesc,  hym.  jodo 
caerul..  hyp.  iialliduni,  sporae  simplices,  oblongae,  0-(>12  mm  lg.. 
0004  lat.  Diese  Flechte  gehört  zu  Biatora  helvola  Koerb.,  Th.  Fries 
Scand.  p.  429. 

Der  ,^Lieh.  eiueraseens  Schreberi",  wozu  auf  der  Aussenseite 
dei-  Papierkapsel  bemerkt  ist,  ..an  diftert  a  cinereofusco''  ist  ddlopismn 
haetnatite.s  Chaub..  Arn.  Flora  1887,  p.  IGl.  —  Auf  der  Kinde  des 
kleinen  Exemplars  kommen  daneben  noch  vier  Flechten   vor  (Spuren 


252 

\öu  Parmelia  tenella,  A''anth.  parietma,  Roiodina  pyrina  Acb., 
Lecidea  parase)na  Acb.),  welche  aber  Wulfeu  nicht  im  Aucre  hatte. 

Im  Briefe  an  Schreber  vom  3.  Mai  1794  bemerkt  Wulfen: 
.,1'jbenso  finde  ich  keinen  Untei-schied  (dempta  aetate  et  tempestate 
hiimida  aut  sicca)  zwischen  seiner  (Hoffmann's)  Patellaria  cinereo- 
fiisca  und  Patellaria  ferruginea".  —  In  dieser  Beziehung  sind  die 
Beschreibungen  und  Abbildungen  in  Hoffmann's  PI.  lieh,  mass- 
gebend. 

8.  Der  im  Herbare  enthaltene  ^Lich.  pallescens''  ist  Lecanora 
atif/ii/osa  (discus  C  citrimis),  neben  welcher  einige  Apothecien  der 
Tjecanora  sxhfasca  L.  sichtbar  sind  (vergl,  Arn.,  Wulfen,  1882,  p.  156). 

10.  lentiger:  besteht  aus  zwei  winzigen  Exemplaren  von  Pno- 
roma  lentigerum  Web. 

11.  subfuscvs:  ist  Lee.  subfusca  L.  f.  allophana  Ach.  an 
glatter  Rinde. 

12.  limitatvs:  der  „Lieh,  limitat.  et  punctatus  Scopolii"  liegt 
in  einer  kleinen  Papierkapsel,  deren  Aufschrift  lautet:  ,,Lich.  limi- 
tatus,  pro  sanguinario  habitus,  una  cum  Lieh,  suhfusco"'.  Die  Flechte 
ist  die  gewöhnliche  Buellia  parasema  Ach.  (thallus  sat  tenuis, 
albescens,  apoth.  minora.  plana,  ep.  hy]).  fuscesc,  sporae  fuscae, 
1  septat..  0-015— 18  mm  lg.,  0-006  mm  lat.  (vergl.  Arn.,  Wulfen, 
1882,  p.  156). 

13.  varius :  auf  einem  1  Centimeter  breiten,  einer  ßretterplanke 
entstammenden  Stückchen  Holz  sind  drei  Flechten  vereinigt:  1.  CaUo- 
pi.snia  cerinum  Ehr.:  2.  Gyalolechia  aurella  Hoff.,  Arn.  (K  — ,  spoiae 
speciei  octonae):  3.  Lecanora  Hageni  f.  umhrina  Ehr.  (discus  rufo- 
fiiscus,  epruinosus,  margo  albesc,  crenatus,  sporae  speciei  octonae). 
Welche  derselben  den  ,,Lich.  varius  Hoffm.,  Klageufurti"  darstellen 
soll,  mag  dahingestellt  bleiben. 


Jetzt,  nahezu  90  Jahre  nach  v.  Wulfen's  Tode,  lässt  sich 
nicht  mehr  bemessen,  in  welcher  Weise  die  Flora  norica  lichenolo- 
gica  von  ihm  bearbeitet  worden  wäre.  Die  im  Herbare  niedergelegten 
Anschauungen  sind  nicht  für  massgebend  zu  erachten.  Aus  dem  Brief- 
wechsel mit  Seh  reber  ist  zu  entnehmen,  dass  v.  Wulfen  ins- 
besondere nach  dem  Aufhören  der  Collectanea  das  Hauptgewicht  auf 
die  Herstellung  der  Phanerogamenflora  Noricums  legte  und  die 
bereits  begonnene  Beschreibung  der  Flechten  (Arn.  Tirol  XXII, 
p.  85)  nicht  mehr  zu  vollenden  vermochte.  Manchen  Aufschluss 
könnte  das  in  Petersburg  aufbewahrte  und  bereits  von  Wainio 
durchgesehene  Herbarium  Hoffmann's  gewähren: —  PI.  lieh.  p.  91: 
.,Lich.  flavoviresc.  mihi  pro  sua,  qua  abundat  in  me,  liberalitate  cum 
multis  aliis  rarioribiis  Lichenibus  benevole  misit",  soferne  nämlich  die 
in  früherer  Zeit  so  oft  als  ungefügig  erachteten  Steinflechteii  auf- 
bewahrt wurden. 


253 

Oi'ch  iflareae  Pap ufoiar. 

Von  F.  Kränzlin   (Gr.-Licliterfc  Ide  bei  I^irlinj. 
(Fortsetzunij. ') 

SfUicolohimn  Schiein Itzia mim  Krzl.  Sepalo  dorsali  ol»- 
ovato  oblonge  obtuso,  sepalis  lateralibus  spathulatis  cimeatis  ob- 
tusangulis;  petalis  ovatis  basin  versus  cuneatis;  labello  calcarifornii 
apice  inflato  antice  medium  usque  tisso  lobis  lateralibus  parvis  rotun- 
datis,  intennedio  ad  dentem  triangulärem  reflexum  reducto;  gyno- 
stemio  generis. 

Saccol.  Schleudtzuinum  Kränzl.  Botau.  Jahrb.  VII.  p.  440  und 
in  Expedition  S.  Maj.  Schiff  „Gazelle".  IV.  lab.  VI.  Segaar-Bai, 
West-Neu-Guinea.  Huc  Cleisontoina  cryptvchihon  F.  v.  Müll,  in  Wiiig 
South.  Scientif.  Record  N.  S.  I.  (1885). 

Neu -Guinea.  Moni  Gillies,  1400  Fuss,  leg.  W.  A.  Sayer. 
Nr.  8,  1887. 

Der  oben  citirten  Beschreibung  habe  ich  nichts  hinzuzufügen; 
der  Descriptio  nur  die  Notiz,  dass  die  Stämme  nahezu  r5  cm  im 
Durchmesser  haben,  und  dass  die  Blätter  nach  oben  hin  ziemlich 
gedrängt  stehen.  Sodann  wären  zwei  Druckfehler  zu  beiichtigen;  (li(! 
Sepalen  sind  nicht  1— 3  cm  lang,  sondern  r3cm  und  das  Labellum 
1  cm  und  nicht  10  cm.  An  der  Abbildung,  welche  den  Habitus  voi- 
trefflich  wiedergibt,  wäre  zu  wünschen,  dass  die  .stumpfen  Winkel 
der  seitliehen  Sepalen.  welche  freilich  nur  durcli  gewaltsames  Aus- 
breiten deutlich  sichtbar  werden,  etwas  angedeutet  wären.  —  Alles 
Andere  besteht  nach  wie  vor  zu  Hecht. 

Sacfolabiiini  Snycrkntuni  F.  v.  Müll,  et  Krzl.  Caulibus 
elongatis  radicibus  creberrimis  longis  arboribus  affixis,  foliis  lineari- 
ligulatis  ad  15  cm  longis,  ad  3  cm  latis  apice  valde  inae(|ualibus 
latere  longiore  obtuso.  racemis  longis  quam  folia  longioribus  ad  :i5  cm 
longis,  squamis  quibusdam  in  basi  in  dimidio  superiore  tantum  tlori- 
feris  multifloris  densifioris,  bracteis  minutis  linearibus  quam  Ovaria 
multo  brevioribus.  Sepalis  oblongis  obtusis,  petalis  late  oblongis  tere 
orbicularibus  brevioribus  rotundatis,  labelli  lobis  lateralibus  erectis 
quadratis.  intus  utrinque  linea  callosa  pone  marginem,  lobo  inter- 
medio  complicato  carnoso  solido  fere  acinaciformi,  calcari  quam  ova- 
rium  c.  pedicello  longiore  primum  anguste  infuiidibiilari  deindc 
sensim  in  vesicam  oblongam  ampliato.  obtuso  interdum  inciirv(»: 
gynostemio  siii)ra  utrinque  in  alas  fere  quadratas  acutaugulas  auctd. 
dente  postico  clinandrii  subulato,  glandula  parva  oblongo,  caudiiiila 
lineari  supra  curvata,  polliniis  oblongis,  anthera  antice  triangula. 
Flores  purpurei   1  cm  longi  sub  antheri  4  mm  diametro. 

Neu-Guinea.  W.  Bäuerlen,  Fly-Kiver  an  Bäumen.  Nr,  31is. 
September  1885.  —  W.  Sayer  (ohne  genaue  Standortsangabe) 
3000  Fuss  über  dem  Meere,  1887. 

')  Vergl.  Nr.  6,  S.  208. 


254 

Die  PHaiize  liat  bolzige  Stiiinnie  und  zalilrciche  feste  Wurzeln, 
die  Bl.  variiren  in  der  Grösse  ziemlich  l)edeutend.  Das  von  Sayer 
gesammelte  Exemplar  war  in  allen  Theilen  kiäftiger  und  hatte 
reichere  Blüthenstände  als  das  aus  der  Niederung  des  Fly-River 
stammende.  Von  bisher  beschriebenen  Arten  steht  Saccolahium  San- 
dcriamim  Krzl.  Xenia  KI.  tab.  276  am  nächsten. 

Cleisostoma  Ffaitsenianul  Krzl.  Sepalis  obovatis  cuneatis 
antice  retusis,  petalis  paulo  minoribus  similibus  subobliquis  antice 
obtuse  acutatis  omnibus  cochleatis:  labelli  lobis  lateralibus  erectis 
i-hombeis  margine  superiore  denticulatis  antice  acutis,  lobo  inter- 
medio  carnosissimo  sensim  angustato.  antice  in  laminam  minutam 
eraai-ginatam  producto,  disco  excavato  sacco  labelli  amplo  postice 
profnnde  bipartito  ostio  sacci  callositate  a  pariete  postico  prosilientc 
angustissimo;  gynostemio  brevi  anthera  plana  i)aulum  producta  postice 
late  marginata,  glandula  et  rostello  parvis.  caudicula  lineari,  polli- 
niis  postice  profunde  sulcatis,  ovario  minutissimo.  —  Planta  maxima 
vandaeformis,  folia  loiata  linearia  ad  40  cm  longa,  ad  6  cm  lata, 
obtusa,  panicula  polyclada,  S(|uamis  bracteisque  sat  bievibus  obtusis 
iiistructa.  Flores  2  cm  dianietro,  se[»a]a  extus  brunnea  vel  purpurea, 
petala  extus  albo-viridia.  omnia  intus  lactea,  basi  purpureo-asperso, 
labellum  album  antice  guttulis  lilacinis  decorum. 

Auf  der  kleinen  Insel  Mioko  der  Neu-Lauenburg-Gruppe  (früher 
Duke  of  York's  Islands)  von  W.  Micholitz  im  October  1893 
gesammelt. 

Die  nächstverwniidten  Arten  dieser  sehr  interessanten  Neuheit 
sind  Gleisost.  lattfoUida  Lindl.  und  GL  maculosKin  Lindl.,  welche  beide 
dem  westlichen  Theile  des  indo-malayischen  Florengebietes  ange- 
hören. Die  hier  publicirte  Art  ist  eine  entschieden  hübsche  Pflanze. 
Der  Aufbau  ist  sehr  stattlich,  die  Blätter  sind  mächtig  entwickelt 
und  die  weitverzweigten  Blüthenstände  mit  Blüthen  geziert,  welche 
denen  der  Gleisost.  ioiiosnnnn  Lindl.  weder  an  Grösse,  noch  an  Farbe 
irgendwie  nachstehen.  Letztgenannte  Art  galt  lange  Zeit  für  die  einzige 
aus  dieser  Gattung,  welche  für  die  Cultur  in  Betracht  kommen  konnte, 
alle  anderen  sind  mehr  oder  minder  gärtnerisch  werthlos.  p]s  ist 
sehr  zu  hoffen,  da&s  wir  diese  Art  bald  in  unseren  Gärten  haben 
werden.  Zu  den  empfehlenswerthen  Eigenschaften  dürfte  noch  zu 
zählen  sein,  dass  die  Blüthen  über  einen  grossen  Theil  der  mäch- 
tigen, weitverzweigten  Rispe  hin  gleichzeitig  aufblühen.  Die  einzelnen 
Blüthen  sind  aussen  purpurbraun  (Sepalen)  und  hell  weissgrün  (Fe- 
talen), innen  aber  durchwegs  cremeweiss  mit  einzelnen  braunen 
Fleckchen  an  der  Basis,  wie  diese  auch  bei  dem  sonst  ganz  ver- 
scliiedenen  Gleisost.  eallosum  Bl.  vorkommen.  —  Die  Pflanze  soll  den 
Namen  des  Freiherrn  v.  Hansemanu  führen,  des  eifrigen  Förderers 
aller  Forschungen  in  Neu-Guinea. 

DendrobiKiH  spheitocJUluni.  F.  v.  Müll,  et  Kvz\  (Aporum). 
Caulibus  spithameis  ancipitibus  brunneis  foliis  12 — 14  vestitis,  foliis 


a  liiieio  visis  linearibus  acutis  l)asi  dimidium  usquc  vagiiiac  decur- 
rentibus  2 — 5  cm  lon^jis.  2 — 3  mm  altis,  racemis  capitato-congestis 
paucifloris  (imifioris?)  bracteis  latissiiiiis  obtusis,  floiibus  2  cm  Inno-is 
inter  maxiiuos  sectionis  illis  Pediloni  cujusdam  ([uam  maxime  simili- 
bus.  Sepalo  dorsali  petalisqiie  diiplo  augustioribus  laiiceolatis  acutis, 
sepalis  laterali])us  parte  Jibera  late  Iriaiigiilis  acutis  infra  cum 
pede  gynostemii  loiioissimo  coimatis  et  pseudocalcar  leviter  curvatum 
obtusum  antice  omuiiio  ;i,pertum  efTormantibus.  labello  iiitegro  aequi- 
longo  0  basi  augustissima  dilatato  cuneato  (bibis  ]a1eialil)us  obsoletis; 
antice  obtusissimo  emaiginato,  liiiea  1  elevata  a^klitaque  utriiiqiie 
minore  in  ungue,  umbilico  minuto  antice  ante  ipsum  sinum  labelli; 
gynostemium  vix  1  mm  longum  examinare  mihi  iion  contigit.  ova- 
rium  hexapterum  costis  per  paria  approximativ. 

Neu-Guinea.  Cloudy  Mts.  leg.  Capt.  Bridge  et  Kev.  J.  Ciialmers. 

Die  Pflanze  ist  ein  kleines  Apormn  mit  allen  Charakteren 
dieser  so  bizarren  Gruppe;  ohne  Blüthen  würde  man  es  l'iir  ein 
Dendvohivm  aaceps  halten  können.  Sehr  auHallend  ist  es,  dass  ein 
so  nichtssagendes  Gewächs  Blüthen  hervorbringt,  wie  Avir  sie  bei 
den  schöneren  Arten  der  Pedilonunigruppe  zu  finden  gewöhnt  sind. 
Die  Hlüthon  waren  augenscheinlicli  weiss,  vielleicht  mit  etwas  rosa 
auf  den  Mittelnerven  der  Sepalcn;  die  Textur  ist  überaus  zart  und 
zerbrechlich,  an  Grösse  kommen  sie  denen  einei'  D.  A/o/i(iaiwin 
Rchb.  F.  mindestens  gleich.  Ich  stelle  die  Art  zunächst  neben  D.  Na- 
thanielis  llclib.  f.  (Ajiorum  cK-fituhituin  Wallich),  mit  Welcher  sie 
eine  starke  Aehnlichkeit  im  Habitus  und  im  Labellum  gemeinsam 
hat.  Letztere  Art  hat  jedoch  axillare  Blüthen,  während  sie  hier 
pseudoterniinal  stehen,  auch  sind  die  Blüthen  von  D.  NathanieUfi 
])eträchtlich  kleiner.  Der  Speciesname  „ajiheaorhihim''''  ist  gemaclit 
taute  d'un  meilleur,  denn  alle  Arten  dieser  Grup})e  haben  keilförmige 
und  vorn  mehr  oder  minder  ausgerandete,  respective  gebuchtete 
Lippen,  sein  einziges  Verdienst  ist  also,  dass  er  bisher  noch  nicht 
gebraucht  ist.  Wer  bei  einer  so  grossen  Gattung  und  einer  so  wenig 
chara.kteristischen  Arl  sich  sicher  fühlt,  stets  einen  charakteristischen 
Speciesnamen  zu  finden,  der  werfe  den  ersten  Stein  auf  mich. 

Dendrohhan  ohicintiatunt  F.  v.  Müller  (Pedilonuni). 
Taulibus  gracillimis  tenuibus.  pars  quae  adest  40  cm  longa,  foliis 
lineari-lanceis  pergameneis  apice  inae(iualibus  bilobis,  lolnilo  longiore 
obtuso,  racemis  paucifloris  10  cm  longis,  bracteis  minutis  linearibus. 
Sepalis  ovatis  acuminatis.  lateralibus  postice  in  pseudocalcar  com- 
pressunj,  dolabri-forme  ad  '/,  ipsorum  longitudinis  conuatis,  petalis 
paulum  minoribus  linearibus  marginc  serrulatis,  bis  omnibus  sepalis 
petalisque  modo  (|uam  maxime  phantastico  tortis  retlexis  marginc 
undulatis-,  labelli  pandurati  lobis  lateralibus  eiectis  rhombeis  angulo 
anteriore  rotundatis,  lobo  intermedio  ex  isthmo  lineari  subito  dilatato 
transverse  oblonge  marginc  adeo  undulato  ut  explanaii  nequeat, 
lineis    3    elevatis    undulatis    in    disco    postice  in  jirocessum  solidum 


256 

curvatuni  productis  qui  fere  aiiicem  pseudocalcaris  attingat,  at.lditis 
lineis  fjuibusdam  tuberculorum  minoriim  radiantibus  marginem  lobi 
intermedii  nou  attiDgentibus.  gynostemio  antice  sulcato  maigiiiato. 
margine  miiiutissime  senulato:  antheram  et  pollinia  uon  vidi. 

Flores  1—5  cm  diametio  sepala  petalaque  lactea  (cream-cn- 
loured,  ut  dicit  F.  v.  Müll,  vir  ornatiss.)  labellum  pallide  luteum 
purpureo-venosum, 

Dendi'oh.  cincinnatmn  F.  v.  Müll.  Proceed.  Royal  Soc.  Queens- 
land   I.    (1884),  p.  113. 

Neu-Guinea.  Specimeu  mibi  visum  cultum. 

Eines  der  ausserordentlichen  Dendrobien,  welche  bisher  bekannt 
<yeworden  sind.  Wären  die  Blüthen  etwas  grösser,  so  würden  sie 
wegen  ihrer  bizarren  Form  und  dabei  schönen  Farben  sicherlich 
einen  Platz  in  unseren  Sammlungen  erhalten  und  ebenso  der  Cultur 
würdig  befunden  werden,  wie  dies  in  Australien  der  Fall  ist.  Der 
vegetative  Aufbau  ist  der  einer  etwas  schlanken  D.  Mohlianum 
Rchb.  F.,  die  Blüthenstände  erinnern  ebenfalls  an  dieses  schöne 
Gewächs;  von  den  Blüthen  eine  kurze  Beschreibung  zu  machen  ist 
jedoch  sehr  schwei-.  Sepalen  und  Fetalen  sind  mit  möglichster  Ver- 
meidung jeder  Regelmässigkeit  gedreht,  gewellt  und  hin-  und  her- 
gebogen. I)ie  Lii)pe  hat  2  leidlich  gerade  ausgefallene  Seitengipfel, 
aber  einen  Mitteliappen,  der  breit-oblong  (nahezu  niereuförmig)  ist 
und  an  dessen  Rand  sich  das  wilde  Spiel  der  Linien  wie  bei  den 
anderen  Blättern  wiederholt;  dazu  kommen  3  erhabene  Längslinien, 
welche  sich  nach  hinten  in  einen  gekrümmten  zahnähnlichen  Fort- 
satz verlängern,  welcher  in  den  Pseudocalcar  hineinreicht,  einige  aus 
kleinen  Tuberkeln  gebildete  radiale  kurze  Reihen  erstrecken  sich  von 
den  3  Mittelkielen  gegen  den  Rand  hin.  —  Diese  Beschreibung, 
sowie  die  oben  abgedruckte  lateinische  Diagnose  habe  ich  nach  sehr 
gutem  Herbarmaterial  entworfen,  welches  ich  Herrn  Baron  F.  v. 
Müller  verdanke.  Ich  hoffe,  es  wird  nicht  schaden,  wenn  eine  neue 
Beschreibung  dieser  sonderbaren  Pflanze  in  die  botanische  Literatur 
kommt,  zumal  da  die  oben  citirte  Originaldiagnose  nur  wenigen 
europäischen  Botanikern  zugänglich  sein  dürfte.  Ueber  die  Verwandt- 
schaft des  D.  cimiimahim  sind  wir  zur  Zeit  noch  völlig  im  Un- 
klaren; sicher  ist  nur,  dass  wir  sie  nach  ihrem  vegetativen  Bau  zu 
J\'<liluman  stellen  müssen,  wennschon  das  Labellum  Contouren  zeigt, 
wie  sie  etwa  bei  D.  Veitchianuni  vorkommen  und  die  3  Kiele  nebst 
ihrer  Verlängerung  nach  rückwärts  in  dieser  "Weise  überhaupt  noch 
nie  bei  Dendrobium  gefunden  sind. 

Cyptopofllum  Pm'klnsonU  F.  v.  Müll,  et  Krzl.  Foliis? 
.sca])o  altissimo  gracili  132  cm  alt.,  basi  1  cm  crasso,  cataphyllis 
perpaucis  infra  arcte  vaginantibus  supra  l)racteaeformibus  vestito 
racemo  multittoro  laxifloro  fere  25  cm  longo,  bracteis  lineari-lanceis 
pedicellos  necnon  Ovaria  aequantibus.  Sepalis  oblongo-lanceolatis  acutis 
v.   (lateralibus    scilicet)    acumiuatis   pedi   gynostemii  insertis  petalis 


257 

cuncato  .sp;itliii];iiis  obtusis  iiiiiifi^iüe  undulatis  pulcherriiue  venulosis, 
laliolli  loliis  lateraliliiis  parvis  oblon^is  antice  rotundatis,  intermedio 
niaximo  transverse  oblonge  margine  valde  undulato  autice  leviter 
emarginato  callo  crasso  antice  in  lamellas  2  exeunte  in  basi  labelli, 
tuberculis  iiumerosis  minutis  in  lineas  5  radiantes  dispositis  inter 
lobos  ipsos  laterales,  tota  superficie  labelli  ubique  venulis  rauiulosis 
incrassatis  decora,  gynostemio  generis,  capsulis  brevi-oblongi  hexa- 
gonis.  —  Flores  vix  1    cm  diametro  (flavidi  brunneo-venosi?) 

Neu-Biitannien.  leg.  Parkinson  Nr.  56. 

Tin  Grossen  und  Ganzen  der  Cystopera  aqualida  ähnlich,  aber 
unterschieden  durch  den  in  2  Leisten  ausgehenden  dicken  Callus  an 
der  Basis  der  Lippe,  ganz  anders  geformte  Fetalen,  abgesehen  von 
sonstigen  Merkmalen  von  minderem  Belange. 

Sayeria  nov.  gen.  JEpidendrearum  Kränzlin. 

Gaule  primario  ramoso  intertexto,  secundariis  s.  bulbis  internodiis 
5  -  quorum  intermedium  maximum  fusiforme  —  compositis,  foliis  2 
apicem  versus  coli ocatis,  caule  tertiariobrevissimo  exaxilla  folii  summi 
Oriente  l)asi  cataphyllis  quibusdam  vestito,  florifero,  racemis  com- 
pluribus  heterochronicis  ex  axillis  cataphyllorum  orientibus.  Sepalo 
dorsali,  petalis,  labello  basi  gynostemii  (cum  gynostemio  ipso  paralleli 
aftjxis  (moie  Polystachyae)  ante  anthesin  mentulum  modicum  effi- 
cientibus;  labelli  cum  pede  gynostemii  articulati  lobis  lateralibus 
parvis  rotundatis  inflexis,  lobo  intermedio  maximo  cordato  latissimo 
antice  obtuso-rotundato,  callo  tuberculis  3  parallelis  composito  inter 
ipsos  lobos  laterales;  gynostemii  parte  libera  perbrevi,  anthera  plana 
antice  rectangule  retusa  perfecta  biloculari  deute  aiidroclinii  postico 
firme  affixa,  androclinii  margine  dentata,  pollinis  massulis  per  paria 
cohaerentibus  illis  Deudrobii  simillimis,  rostello  transversa  oblongo 
prosiliente,  fovea  stigmatica  maxima. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Plantae  novae  Orientales, 

IIL 
Von  J.  Freyn  (Prag). 

(Fortsetzung. ') 

Paphlagoniae,  Tossia:  in  canipis  inter  Kosen  et  Sabadscha 
die  28.  junio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4393). 

Dimension  es  (ex  ramis  desumpti).  Rami  primarii  ad  50, 
secundarii  ad  25,  tertiaiii  ad  10  cm  longi;  pedunculus  2  cm  circ. 
longus  vel  brevius;  folia  (maxima  a  me  visa)  4*5  cm  longa  ad 
medium  lobi  termiuali  VI  lata;    involucrum  fere  maturum  10  mm 

')  Vergl.  Nr.  6,  S.  217. 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  7.  Heft.   1894.  2ü 


258 

altiim    et    apico    ;iO(juilatum,   floreudi     tempore    ad    inedium    ß   mm 
crassiim  apice  coiistrictum;  acheuia  2"5  mm  longa,  fere  74  la-ta. 

Habitii  varaosissimo  et  phyllorum  appendioibiis  longis  iiostra 
inprimis  cum  G.  Ori>hanidea  Heldr.  Sart.  quoque  purpurea  comparanda 
sed  diversa  foliis  maxime  p.  p.  integeriimis,  majoribus  basi  iinijnga 
quasi  auriculatis,  summis  conspicuis  latis  capitula  fere  iiivolucranti- 
biis,  capitulis  minoribus.  involucro  tandem  subgloboso.  phyllorum 
Spina  terminali  tenui  (nee  valida)  brevioie  et  pappo  dimidiam 
achenii  paulo  longiorem  (nee  acbenium  aequantem).  Valde  affinis 
videtur  etiam  C.  hovinae  Velenovsky  Flor.  Bulgar.  S.  320  a  qua 
tantum  differt  foliis  max.  p,  p.  indivisis,  capitulis  solitariis  majoribus 
(nee  2 — Suis  approximato-fasciculatis  6 — 7  mm.  longis),  involucro 
denique  subgloboso,  flosculis  disci  albidis,  pappo  praeseute  et  acbeniis 
dimidiam  superante. 

Centaiirea  (Acroloplms)  tossiensls  Freyn  et  Sint.  E 
g  r  e  g  e  P  a  n  i  c  u  1  a  t  a  r  ii  m,  c  a  u  1  i  b  u  s  e  r  h  i  z  o  m  a  t  e  1  i  g  n  e  s  c  e  n  t  e 
pluribus  adscendenti-erectis  teretibus  laxe  aracbnoideis  glabrescentibus 
a  niedio  breviter  ramosis  ad  apicem  laxe  paniculatim  corym- 
bosis  polycephalis.  ramis  divaricatis  vel  erecto  -  patulis;  foliis 
punctatis  virentibus  glabrescentibus  laxe  asperulis,  radicali- 
bus  angustis  breviter  petiolatis  in  segmenta  breviter  linearia 
utrinque  subquina  pinnatisectis,  segmento  terminali  lanceolato  late- 
ralium  duplo  majore;  foliis  caulinis  sessilibus  ambitii  sub- 
orbicu latis  in  lacinias  paucas  longiusculas  angustissime  lanceolatas 
vel  lineares  pinnatim  vel  subbipinnatisectis;  rameis  diminutis  lan- 
ceolatis,  infimis  ad  eorum  basin  saltim  subpinnatifidis  —  omnibus 
breviter  miicronatis;  capitulis  ob  longis;  paucifloris 
solitariis  in  pedunciüas  longiusculas  foliola  1  —  4  minima  breviter 
linearia  gerentes  insidentibus,  involucri  ellipsoidei  glabri 
phyllis  adpressis  apice  subrecurva  sphacelatis  ab  extimis  vix 
nervosis  ovato-triangularibus  ad  intima  angusta  sublinearia  valde 
purpureo-nervata  sensim  elongatis  —  omnibus  obtusis  vel 
mnticis  vel  breviter  piiugentibus  et  membrana  alba 
hyalina  decurrente  integer rima  vel  sublaceia  superne 
nonnunquam  in  cilia  brevissima  lanceolata  divisa  cinctis;  flosculis 
roseis  subradiantibus;  acbeniis  parce  et  breviter  pilosis. 
pappo  niillo  vel  brevissimo  eis  4— 5plo  breviore  coro- 
natis.   2|..  Jul.  Aug. 

Paphlagoniae  ad  Tossia,  in  subalpinis  montis  Giaurdagh  die 
29.  julio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4796). 

Dimensiones:  Caulis  8—40  cm  altus;  folia  basilaria  circ. 
5  cm  loiicra  12  mm  ad  medium  lata,  caiilina  4 — i'h  longa.  H  lata 
vel  usque  dimidio  minora;  iuvolucrum  7 — 9  mm  altum  5 — 0  latuui 
vix  constrictum;  acbenium  immaturum  clavato-cylindricum  3"2  mm 
longum,  iufra  apicem  millimetrum  latum. 


259 

In  gri'^o  pro  iiivolucri  fabrica  insignis  et  cum  0.  polychnhi  1)C. 
taiitum  coniparanda,  a  qua  differt  ibizomate  ]if]jnesceiite.  foliis  punc- 
tatis,  iiiduiueiito  feie  deticiente  caule  superne  tantum  (nee  a  basi) 
ramoso-corymboso,  antbela  nee  scoparia,  involucri  vix  (uec  valde) 
constricti  phyllis  apice  subrecurvis. 

Centaurcd  (Cfdritrapa )  ihcritui  Trrr.  rar.  hrorlsphui 

Freyn  et  8int.  A  typo  diflf'ert  rapitulis  iiiinoribus  et  spinis  pbylloruni 
dimidio  brevioribus  usque  nullis.  Achenia  et  pappus  typi.  0 
Augusto. 

Paphlagoniae  ad  Tossia,  in  campis  ad  Sabadscha  typo  i>ro- 
miscue  invenit  die  4.  aug.  1892  Sintenis!  (Exsicc.  4913). 

CichoriatH  Lityhits  L.  var.  cißandulosa  Freyn  et 
Sint.  Planta  elata  ramosissima  pro  ratione  parviflora  et  exceptis 
foliis  plus  minus  papilloso-hispidulis  laevis.  Involucri  phyllis  extimis 
margine  scabridulis,  intimis  apice  puberulis,  omnibus  eglandulosis; 
flosculis  involucro  duplo  circ.  longioribus;  pappo  achenium  8 — lOplo 
brevioie.   21 .  Augusto. 

Paplilagoniae  ad  Tossia,  ad  versuras  prope  Sabadscha  die 
4.  aug.  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4919). 

Lapsana  adenophora  Boiss.  rar.  eglandulosd  Freyn 
et  Sint.  —  Inflorescentia  peniculato-corymbosa,  foliorum  laciniae 
i'epandae.  capitula  pro  ratione  parva  omnino  typi.  a  quo  indumento 
a  basi  ad  medium  caulis  pubescente  superne  deficiente  differt. 
Pedunculorum  longitiido  iiti  in  typo  variat.  O  Junio. 

Paphlagoniae  ad  Tossia:  in  fruticetis  planitie  Deiin-ös  die 
17.  junio  1892  leg.  Sintenis  (Exsicc.  no.  4334). 

Scor^onera  niollls  MB.  var,  minor  Freyn  et  Sint.  Om- 
nium  partium  typo  dimidio  minor,  involucrum  pauciflorum  pollicare 
angustum  tandem  suboylindricum,  folia  angusta  (2-5  mm  tantum 
lata)  acurainata  saepe  uiidulata  et  ad  apicem  flexuosa  sat;pe  hamata, 
scapum  aequantia  breviora  vel  longiora.  Achenia  (nimis  juvenilia 
tantum  vidi)  typi  videtur.   2i.Exeunte  Majo. 

Pa})hl  agoniae  prope  Tossia:  in  pascuis  montosis  ad  Pert- 
scliim  die  28.  majo  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4111). 

Aftinis  videtur  etiam  S.  stenocephalae  Boiss.  alpes  altissinias 
Peisiae  austro-occidentali  incolanti  sed  valde  diversa  capitulis  non 
aiiguste  cylindricis,  floribus  luteis  (non  extus  purpureis)  indumento 
arachnoideo-hmato  (nee  .puberulo).  foliis  obscure  viridibus  (nee  glau- 
eis).  8.  mollis  ().  euhaea  Boiss.  Fl.  Orient.  VI.  320  nostrae  habitu  et 
omnibus  fere  caracteribus  similis  ab  ea  tantum  differt  indumento 
adpresse  cano  et  scapo  foliis  breviore. 

Rodlffla,  ffrarlHs  Freyn  et  Sint.  Anuua  multi caulis 
g  r  a c i  1  i  s  a  basi  ad  apicem  plus  minus  s e  t o s o -  g  1  a  n  d u  1  o s  a. 
caulibus    adsceudentibus   vel    procumbeutibus    a    basi    vel    a    medio 

20* 


260 

dichotome  2-  3ceplialis;  foliis  basilaribus  in  pet.iohini  alatiim  atte- 
nuatis  oblongo-spathiilatj.s  remote  dpTiiicuiatis  vel  lyratis,  caulinis 
saepissime  abru])tt'  diminutis  .sessilil)us  lauceolatis  acuminatis  vel 
linearibus  rarius  infimo  basi  auriculata  dentata  semiamplexicauli. 
Omnibus  (summis  exceptis)  plus  minus  papilloso-asperis;  capitulis 
parvis  ante  an  thesin  nutantibus  (ex  sicco  saltim  dijugeudum)  pe- 
dunculis  longis  sensim  et  parum  incrassatis  suffultis; 
involucri  plij'llis  praeter  pubem  brevem  sparsim  papillosis 
et  +  glanduloso-setosis,  extimis  subadpressis  lanceolatis  acutis 
dimidio  involucri  aequantibus  vel  brevioribus,  intimis  ad  apiceni 
coloratis  acuminatis  taudem  dorso  indurato  obtuse  carinato  in- 
curvatis;  floribus  aurantiacis  extus  rubro  striatis  involucro  sub  dupb> 
longioribus;  pal  eis  albis,  aliis  angustissime  linearibus  acuminatis  in- 
aequilongis  acheniorum  disei  vix  longioribus,  aliis  immixtis  subseti- 
formibus;  acheuiis  minute  asperis  angustissime  fusiforraibus,  interi- 
oribus  in  rostrum  tenuissimum  eis  sesquilongiorem 
senso  sensim  attenuatis,  extimis  brevius  rostratis; 
pappo  achenio  (cum  rostro)   )^  aequante.  O  Junio,  Julio. 

Paplilagoniae  ad  Tossia:  Tn  graminosis  lapidosis  inter  Kosen 
et  Sahadscha  die  23.  junio  1892   leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4391 ). 

Dimensiones:  Caiilis  15 — 20  cm  altus,  folia  basilaria  (ma- 
xima  a  me  visa)  7  cm  longa  et  infra  medium  1*5  lata:  involucrum 
centimetrum  altum,  fructiferum  infra  apicem  constrictum  ad  basiii 
6—8  mm  diametro;  acheuia  (immatura)  cum  rostro  8 — 9  mm  longa. 

Ab  affini  M.  cominutata  Spr.  nostia  diversa  omnibus  partibus 
dimidio  minoribus.  indumento  glanduloso.  caulibus  pluribus  diffusis. 
paleis  difformibus  et  acheniis  8—9  (nee  15  mm)  longis.  Habitu  et 
paleorum  caractere  peraffinis  videtur  R.  bulgaricae  Velenov.  Flor. 
Bulg.  p.  362—863,  quae  diifert  caulibus  diffusis  pluribus  (nee  soli- 
rarii  erectis),  indumento  glanduloso  totius  plantae,  acheniorum  interio- 
tum  rostro  breviore  (nee  achenio  ipso  duplo  longiore)  et  exterio- 
rum    conspicuo   (nee  deficiente),  acheniis  subbrevioribus  non  striatis. 

Hieriwliini  (Andryaloideuni)  paphlagonieuni  Frey« 
et  Sint.  (divergens  >  prenanthoides).  Totum  indumento 
albo  pilis  plumosis  constante  villosolanatum,  aphyllo- 
podum,  caule  erecto  stricto  robusto  farcto  folioso  a  medio 
dichotome  oligocephalo.  foliis  plus  minus  repando- dentatis  valde 
reticulatis  et  partim  calvescentibus  viridibus,  iufimis 
florendi  tempore  emarcidis  (ignotis),  caeteris  ab  infimapan- 
durate-elliptica  ad  superiora  ovata  sensim  diminutis, 
omnibus  basi  plus  minus  cor  data  vel  obtusissima  ses- 
silibus.  sLimmis  linearibus  bracteaeformibus  valde  diminutis  jubatis; 
p  e  d  u  n  c  u  1  i  s  longis  adscendentibus  piibe  bi-evi  stellata  canescentibus 
et  insuper  plus  minus  longe  pilosis  eglandulosis;  capitulis  ma- 
jusculis,    involucri    praeter    pubem    stellatam    sparsam     undique 


261 

accumb eilte  hirsiiti  phyllis  nifjricantibus  iiiarjjiiiatis  acuminatis 
acutiusculis,  ligulis  subciliatLs.  st3lis  luteis,  acheniis  (immaturis) 
riifo-castaiieis.   '^.  Exeunte  Julii. 

Papblagoiiiae  Tossia:  in  monte  Giaurdagh  die  29.  julio 
1892  deflorantera  leg.  Sintenis!  (Bxsicc.  no.  4821). 

Dimension  es:  Caulis  (ex  unico  speciraine)  50  cm  altus, 
inferne  8  mm  crassius,  pedunciili  10 — 15  cm  bnigi;  tblia  cauiiiia 
infera  i>  cm  longa  ad  basiu  et  supra  medium  4.  infra  medium 
8  cm  lata;  summum  ad  ramiticationera  primam  situm  5  cm  lougum, 
ad  basin  2*5  cm  latum;  capitula  (post  aiithesin)  circ.  15  mm  aJta, 
20  lata;  achenium  4'3  mm  longum. 

Nacb  J^lattgestalt  und  Nervatur  ein  echtes  Prenanthoideum, 
nach  Tracht,  Tiidument  und  Gestalt  der  obersten  Blätter  ein  Andrya- 
loideum.  in  welcher  Gruppe  es  dem  H.  Gaiuliyl  Boiss.  nabe  steht, 
welches  jedoch  durch  schmale  Blätter,  die  nicht  geigenförmig  ein- 
gezogen und  auch  nicht  netzadrig  sind,  sowie  durch  bleiche  Achäneu 
unterschieden  ist.  Im  Sinne  der  Monographie  von  Nägeli  et  Petei- 
eine  Zwischenfoim  zwischen  H.  divorgens  Näg.  Pet.  und  H.  pre- 
uaiUhoides  L.,  welch  letzteres  mir  aus  Kleinasien  jedoch  noch  nidit 
bekannt  geworden  ist. 

Hieriicluiti  (Andryaloideiini)  tuherciUatain  Freyn  et 
Sint.  (bo reale  <i  Bornmülleri).  Aphyllopodum  erectum, 
strictum  pilis  plumosis  e  tuberculis  pur  pur  eis  ortis 
hirsutum  sublanatum.  caule  a  medio  parce  ramoso  oligocephalo, 
foliis  intimis  florendi  tempore  jam  evanidis  (ignotis),  cauliuis 
crebris  ab  infima  lanceolato-oblonga  ad  superiora  ob- 
longo-ovata  sensim  diminutis  sessilibus  argute  repando- 
dentatis,  summis  subfissis  viridibus  tandem  purpurescentibus;  pe- 
dunculis  erectis  strictis  monocephalis,  vel  iterum  ramulosis  2 — 3 
cephalis  parce  stellipilis  et  iusuper  pilis  longis  paucis  subsetosis  et 
tuberculis  elougatis  (in  pilos  non  desinentibus)  a  s  p  e  r  i  s ;  c  a  p  i  t  u  1  i  s 
m  a.j  u s c u  1  i s ;  i n  v o  1  u c r i  1  a x  i  \' i r i d i  p  a i- c e  p i  1  o s i  et  p a r- 
cissime  stellipili  phyllis  subsquarrosis,  acuminatis  acutiusculis; 
ligulis  extus  pilosiusculis  apicibus  glabris.  acheniis  ignotis.  %.  Ex- 
eunte Julii.  Augusto. 

Paphlagoniae,  Tossia:  in  monte  Giaurdagh  die  29.  julio  1892 
unicum  specimen  florentem  leg.  Sintenis!  (sine  num.) 

Eine  offenbare  Zwischenform  zwischen  H.  Bornmülleri  Freyn, 
dem  es  näher  steht  und  H.  horeale  Fries,  welche  beide  in  der 
Gegend  vorkommen  u.  zw.  insbesondere  das  letztgenannte  in  einer 
Form  mit  ebenso  stai-k  gezähnten  Blättern,  wie  sie  H.  tuherculatum 
hat.  Das  Merkmal  der  auf  derben  Knötchen  sitzenden  Haare  wieder- 
holt sich  im  Süden  übrigens  auch  l)ei  anderen  Arten,  z.  B.  H.  ho- 
rc<ile  Fries.  //.  /xirbatutti  Tausch  etc.  und  beabsichtige  ich  also 
keineswegs  darauf  bei  H.  tuherculalum  besonderes  Gewicht  zu  ley;en. 


262 

Letzteies  ist  vielmehr  ganz  von  der  Tracht  des  H.  Bommülleri. 
aber  so  wenig  wollhaarig,  dass  man  die  Verwandtschaft  mit  den 
Audryaloiden  nicht  gleich  wahrnimmt.  Doch  ist  der  Kopfstand  ganz 
jeuer  der  ästigen  hochwüchsigen  Arten  dieser  Gruppe,  die  Behaarung 
deutlich  federig  aber  verhiiltnissmässig  sparsam,  die  Pflanze  daher 
grün  (nicht  filzig).  Alles  in  Allem  eine  sehr  merkwürdige  Pflanze, 
welche  die  Andryaloiden  mit  den  Sabauden  verbindet  und  die  auch 
als  Bastard  gedeutet  werden  kann. 

Hleraciuni  ( Andrydloideiini)  lonf/ipes  Preyn  et  Sint. 
(iiornmülleri  <C  um  bellatum).  Aphyllopodum,  pilis  plu- 
mosis  inferne  breviter  hirsutum  a  medio  calvescens 
et  tuberculis  depilatis  asperum;  caule  compressibili  tei-eti  infra 
medium  crebre  foliato,  a  medio  in  ramos  Ion  gas  paucas  bre- 
vissime  ramulosas  1 — Scephalas  diviso  oligocephalo;  foliis 
basilaribus  ignotis,  caulinis  seusim  diminutis  acute  repando 
dentatis  siipra  demum  depilatis.  infimis  lanceolatis:  foliis  an- 
thelae  ovato-oblongis,  summis  valde  diminutis  lineai-ibus;  capitulis 
mediocribus,  involucro  laxo  viridi  parcissiiue  piloso! 
fere  nudo,  phyllis  acuminatis  acutis,  infimis  .squarrosis! 
ligulis  aureis  extus  subpilosis  apice  glabris,  stylo  luteo,  acheniis 
parvis  (3"5  mm.  longis)  rufo-castaneis.   ?t.Julio. 

Paphlagoniae,  Tossia:  In  piueto  inter  Schakylar  et  Jokarki 
Dikmen  die  16.  julio  1892  unicum  specimen  leg.  Sintenis! 
(sine  no.). 

Gehört  wie  H.  cappadocicum  Preyn  et  Boinm.  (harhatum 
— •  Bommülleri),  H.  odontophyllum  Preyn  et  Sint.  (Bum- 
niüllerie  —  lazicum)  und  H.  tuberculatam  Preyn  et  Sint.  (bo- 
reale  <C  Bornmüllerl),  zu  einer  Gruppe  von  Formen .  die  in 
Anatolien  zu  Hause  ist  und  das  dort  offenbar  verbreitete  //.  Boyn- 
mülleri  und  damit  die  Andryaloiden  mit  den  Accipitrinen  verbindet. 
Alle  diese  Pflanzen  sind  durch  das  so  sehr  reducirte  Indumeut 
unter  den  Andryaloiden  sehr  ausgezeichnet,  besitzen  jedoch  deren 
Pederhaare  und  Kopfstand.  Ob  sie  hybrid  sind,  muss  erst  die  Zukunft 
lehren;  unter  den  europäischen  Andryaloiden  des  Orients  ist  mir 
nichts  Aehiiliches  vorgekommen,  trotzdem  ich  so  sehr  viel  Material 
davon  gesehen  habe.  Die  von  Nägeli  et  Peter  versuchte  Deutung 
des  H.  Waldsteimi  Tausch  als  eine  Zwischenform  IL  horeale-thapsi- 
fornie  halte  ich,  nebenbei  bemerkt,  für  gesuclit  und  unnatürlich. 
In  Wirklichkeit  ist  H.  Waldstemii  Tsch.  eine  weit  verbreitete 
Hauptart,  //.  thapsiforme  Uechtr.  (erweitert  im  Sinne  Näg.  Pet.) 
enthält  eben  die  unterschiedlichen  Zwischenformen  des  H.  Waldsteluü 
zu  anderen  xVrten. 

Hleraeiuni  (Alpestriuni)  translens  Preyn  =  H.  sid>- 
villosum  Preyn  in  Velenovsky  Flora  Bulgarica  (1891)  p.  391,  nicht 
Nägeli    et    Peter   (1886).    Ich    muKs    den   Namen    der    bulgarischen 


263 

Pflanze  wegen  des  älteren  Homonyms,  das  ich  übersehen  hatte, 
ändern  und  wähle  als  Speciesnameii  jenen  der  var.  /i,  welche  die 
Mittelform  unter  den  von  mir  unterschiedenen  ist. 

Hlet'driuiH  {AüclpltruHdn,  Hftltanduin )  anatoilcittn 

Freyu  et  Sint.  p]latuui  asperum  racemoso-corymbosuni,  aphyllopodum. 
liabitu  oranino  cum  //.  hn'uifolio  Tausch  correspondeiis  nempe  foliis 
parvis  brevibus  sessilibus  parce  et  grosse  deiit aus.  ab  infimis 
ellipticis  vel  lanceolato-ellipticis  ad  summa  ovato- acu  m  in  ata 
sensim  decrescentibus,  plurimis  1 — 2  pollicaribus,  acheniis 
(immaturis)  rufo-castaneis  —  sed  stylo  nigricante  (non  aureo),  recep- 
taculo  fibrilloso  et  phyllis  involucralibus  atroviridibus  //.  horenU  Fr. 
conforme,  a  quo  foliis  brevissimis  et  habitu  H.  hreuifoln  laeviter 
diflert.   ?4  •  Exeunte  Augusto,  Septembri. 

Paphlagoniae  ad  Küre-Nahäs:  in  silvaticis  ad  Erdschewit 
die  17.  aug.  (Exsicc.  no.  5004).  ad  Ekitscbai  die  25.  aug.  (Exsicc. 
no.  5035)  et  ad  Türbe  die  28.  aug.  1892  (Exsicc.  no.  5004  c)  leg. 
8  i  n  t  e  n  i  s ! 

Verbasciim  (Lychiiitls)  tossletise  Freyn  et  Sint.  E  grege 
Thapsoldearum  Boiss.,  filamentorum  lana  albida.  Perenne 
totum  tomento  griseo  pannosum  basi  hirsuto-lanato,  caule  tereti 
erecto  copiosissime  tomentoso  sublanato  dense  folioso  in 
racemum  densum  basi  breviter  ramosum  abeunte,  foliis 
rcticulato  nervosis  crenatis,  radicalibus  supra  taiidem  virescentibus 
elliptico-oblongis  obtusis  sinuatis  et  plicatis  in  petiolum  eis  bre- 
viorem  attenuatis.  caulinis  plus  minusve  abrupte  decrescentibus 
cordato-semiamplexicaulibus,  infimis  mucronatis,  summis  ovatis  acu- 
minatis;  glomerulis  majoribus  5floris  approxi  matis.  floril»us 
sessilibus.  calyce  majusculo  (circ.  9^10  mm  longo)  et 
dentarum  apices  subulatas  glabresceutes  exceptas 
d e n s e  1 0 m  e n 1 0 s 0  - s u b  1  a n  a 1 0  et  parce  g  1  a n  d u  1  o s o  ad  "; . 
in  lacinias  erectas  (tandem  coimiventes)  elongato-triangulares  acutas 
partito;  corolla  mediocri  lutea;  filamentis  (ex  sicco)  albido-lanatis; 
Capsula  (juvenili)  dense  birsuto-lauata.  depresso-ovata  inucronata. 
calyce  iuclusa.   %  (?)  Jnnio. 

Paphlagoniae:  Tossia.  in  montibus  prope  urbem  die  13.  junio 
1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4213.) 

Dimension  es  (ex  unico  specimine):  Caulis  4()  cm  altus 
7  mm  crassus;  folia  radicalia  maxima  sine  petiolo  5  Cfntimeti'ali 
15  cm  longa  ad  medium  7  lata;  calyx  9 — 10  mm  longus.  corolla 
(ex  sicco!)  poUicaris. 

DiflFert  ab  affini  Vi'rhasco  anatoUco  Boiss.  statura  huinili.  caule 
dciisissime  tomentoso  (nee  rubello).  racemo  basi  composito  (nee 
simplirissimo),  foliis  valde  reticulatis,  glomerulis  approximatis  (nee 
dissitis).  calycis  dentibus  apice  glabris  etc.  A  V.  sulviaefolio  Boiss. 
etiam    simili  difVert  indumento    griseo  (non  niveo),    foliis  radicalibiL'^ 


264 

plicatis  breve  pedunculatis,  caulinis  latis  cordatis  (non  decurrentibus) 
fasciculis  plurifloris,  calycinis  apicibus  glabrescentibus,  etc. 

Verhasüimi  (Lychtiitis)  fallax  Freyn  et  Sint.  E  grege  Glo- 
merulosarum  Boiss.  macrocalycinarum,  filamentorum  laiia 
albida,  Bienne  (?)  caule  dense  folioso  obseuro  tomento  laxo  obtecto 
crasso  obtusaugulo  recto  elato  superne  in  paniculam  amplaiii 
erecto  patulam  strictam  ramosissimam  abeiinte;  foliis  iute- 
gerrimis  utrinque  (sed  supra  sparsius)  laxe  tomentosis 
supra  viridibus,  subtus  canis,  infimis  maximis  spathulato- 
lauceolatis  obtusiusculis  subplicatis  in  petiolum  brevem  abeuntibus; 
foliis  caulinis  dense  imbricatis  sensim  diminutis  basi 
cordata  subadnatis;  floribus  dense  glomeratis,  bracteis  brevibus 
ovatis  dense  pannosis  siiffultis,  in  spicas  inferne  laxas  ad  apicem 
confertas  dispositis;  pedicellis  subinaequalibus,  aliis  calyce 
aequantibus,  aliis  brevissimis;  calyce  flavescenti- 
pannoso  5 — 6  mm  longo  ad  basin  usque  in  lacinias  anguste 
lanceolatas  aciitas  diviso;  corolla  extus  stellatim  tomentosa  mediocri, 
filamentis  albido-barbatis,  antheris  omnibus  leniformibus, 
Capsula  ignota.  0  ?  Exeunte  Junio. 

Paphlagoniae,  Tossia:  in  valleKaiseji-dere die 26. junio  1892 
leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4510.) 

Dimensiones:  Caulis  (ex  ejus  partitionibus  dijugendo) 
l'b — 2  metralis,  ad  apicem  r2  cm  crassus;  folia  radicalia  siib 
60  cm  longa,  infra  apicem  13  cm  lata.  Calyx  5 — 6  mm  longus, 
corolla  (ex  sicco!)  poUicaris. 

Affine  Verbasco  lasiantho  Boiss.  a  quo  iraprimis  calyce  profunde 
(nee  ad  tertiam  partem)  partito  et  tomento  viridi.  laxe  canescente 
(nee  denso  flavicante)  differt. 

Verbascum  (Lychnltls)  aphyllopodum  Freyn  et  Sint. 
E  grege  Glomendosorum  Boiss.  macrocalycinarum,  filamen- 
torum lana  albida.  Bienne  ex  toto  tomento  brevi  griseo-flavicante 
vestitum,  caule  subtereti  crasso  e  basi  incrassata  erecto  stricto 
plus  minus  dense  folioso  in  paniculam  pyramidatam  abeunte; 
foliis  demum  virentibus  subnitentibus  crenulatis,  radicali- 
bus  (ignotis)  et  caulinis  infimis  petiolatis  floreudi  tempore  etiam 
evanidis  (et  ideo  caulis  basis  nuda),  caeteris  ab  inferiora  lanceolata 
acuta  sessilia  ad  summa  ovato  acuminata  basi  +  amplexicauli 
sessilia  senso  sensim  diminutis;  glomerulis  bractea  breviter  ovata 
suffultis  circ.  8  floris,  summis  circ.  2  floris  +  dissitis;  floribus 
valde  inae quäle  pedicellatis.  pedicellis  nempe  calyce  aequi- 
longis,  eo  brevioribus  vel  subduplo  longioribus  in  eodem  glomurolo; 
calyce  parvo  circ.  4  mm.  longo  dense  tomentoso  ad  ter- 
tiam partem  in  lacinias  erectas  late  trianguläres  acutas 
partito;  corolla  mediocri  lutea,  filamentis  (e  sicco)  omnibus  ad 
apicem    usque    dense    lanato    barbatis;     ca])sula     (bene    evoluta  sed 


265 

immatura)    ellipsoidf^a   dense    tnmentosa   calyce    aequilon^a.    ^    Va- 
eunte  Junio  deflorans. 

Paphlagoniae.  Tossia:  in  glareosis  fliivii  Deviek-tschai  prope 
Diifler  die  23.  junio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4861.) 

Dimensiones  (ex  unico  specimine  relatae).  Caiilis  circ.  80  cm 
altus  basi  1'5  crassus;  folia  infima  niaxima  a  me  visa  17  cm 
longa  ad  medium  .")  ]at;i,  summa  S'h  longa  et  mediorum  aequilata; 
calyx  4  mm  longiis,  coiolla  3  cm  fere  diametro. 

Affiiiis  videtur  V.  lasiantho  Boiss.,  a  quo  differt  statura  humiliore 
(nou  oigyali),  indumento  virescente  (non  deiise  pannoso),  caule 
apbyllo[>odn.  floribus  longius  pedicellatis.  pedicellis  inaeqnalibus  et 
foisan  etiam  Capsula.  V.  falla.v  Freyu  et  Sint.  jam  statura  orgyali, 
foliis  maximis,  calyce  sesquilongiore  et  corolla  minore,  caeteris  notis 
neglectis  egregie  differt. 

Verbascuni  (I/f/cluiltlsJ  dlvaricatttm  Freyn  et  Sint. 
E  grege  Glomerolusoruni  Boiss.  macrocalycinarum,  filamen- 
torum  laua  albida.  Perenne  (?)  caule  purpureo  tomento  niveo 
detersili  obtecto  crassiusculo  recto  elato  obtusangulo  superne  i  ii 
paniculam  amplam  strictam  divaricatam  ramosissimam 
abeunte;  foliis  utrinque  dense  adpresseque  albo-tom  en- 
tosis,  radicalibus  virescentibus  petiolatis  late  lanceolatis 
obtusis  1  ob u lato- er enati s,  lobis  rot undatis;  foliis  caulinis 
sparsis  sensim  diminutis  crenato-dentatis,  basi  cordata  sub- 
decurrente  adnatis;  floribus  dense  glomerulatis.  bractea  brevi 
lanceolata  nivea  suffultis,  in  spicas  laxissimas  dispositis;  pedicellis 
niveis  calyce  aequilougis  vel  subbrevioribus;  calyce  niveo  5  mm 
longo  iisque  ad  basin  in  lacinias  anguste  lauceolatas  (vel  latius- 
culas)  virescentes  diviso;  corolla  extus  tomeutosa  parva,  filamentis 
albo-barbatis,  antheris  omnibus  reniformibus,  Capsula  ignofa. 
^    (?)  Exeunte  Junio. 

Paphlagoniae  ail  Tossia:  in  montosis  inter  Dikmen  ei  Düfler 
die  23.  junio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4362). 

Dimensiones:  Caulis  circ.  metrum  altus  ad  basin  ceiiti- 
metruni  diametro;  folia  radicalia  majora.  cum  petiolo  7  centimetrali 
pedem  longa  ad  medium  6-5  cm  lata;  glomeruli  T')  cm  diametro; 
calyx  5  mm  longus.  corolla  vix  2  cm  lata. 

Proximum  V.  lencophyllo  Oris.  a  quo  differt  indumento  niveo, 
caule  superne  (nee  a  basi)  paniculato,  ramis  divaricatis.  foliis  nee 
sinuato  lobatis.  caulinis  sensim  diminutis.  floribus  omnibus  glomeratis 
(nee  superioribus  solitariis),  calyce  .'>  mm  (nee  3  mm)  longo,  niveo 
toMientoso  (nee  tomentello). 

tl-'orlHet/.iini'  foltft  ) 


266 

Beiträge  zur  Kenntniss  der  Gyanophyceen. 

Von   H.  Zukal   (Wien). 

A.  Die  anatomisch-physiologischen   Probleme. 

Bekaniitlicb  gehen  die  Ansichten  der  Forscher  über  die  Ana- 
tomie, Morphologie  und  Systematik  der  Gyanophyceen  weit  ausein- 
ander. Insbesondere  ist  die  Zusammensetzung  des  Zelliuhaltes  dieser 
Algengruppe  in  den  letzten  Jahren  wiederholt  Gegenstand  lebhafter 
Controversen  gewesen.  Ich  setze  die  Kenntniss  der  letzteren  hier 
voraus,  und  werde  daher  das  historische  Tiebiet  nur  dann  streifen, 
wenn    dies    zum  Verständniss  des  Textes    unbedingt  erforderlich  ist. 

Das  Chromatophor. 

Gegenwärtig  wird  von  allen  Beobachtern  die  zuerst  von  Zacha- 
rias')  festgestellte  Thatsache  unbestritten  angenommen,  dass  sich 
in  den  weitaus  meisten  Cyanophyceen-Protoplasten  zwei  Haupttheile 
unterscheiden  lassen,  nämlich  ein  gefärbter  äusserer  und  ein 
ungefärbter  innerer  Theil.  Der  gefärbte  Theil  wurde  von  Daneiga ') 
als  Chromatophor  angesprochen,  und  Hieronymus, '')  sowie  ich  und 
Palla  haben  sich  dieser  Anschauung  angeschlossen.  Hieronymus 
insbesondere  stellte  noch  die  Behauptung  auf,  dass  sich  unter  einer 
3300maligen  Vergrösserung  die  Chromatophoren  der  Gyanophyceen 
in  Fibrillen  auflösen,  in  welchen  wieder  Grana  rosenkranzförmig  ein- 
gelagert erscheinen. 

Gegen  diese  Auffassung  des  gefärbten  peripherischen  Theiles 
der  Gyanophyceenzelle,  als  Ghromatophor,  erhob  jedoch  Zacharias') 
ernste  Bedenken.  Er  sagt  über  diesen  Punkt  wörtlich:  „Bei  den 
Gyanophyceen  habe  ich  mich  nun  bisher  nicht  davon  überzeugen 
können,  dass  hier  von  Protoplasma  umgebene  Chromatophoren  (in 
der  bisher  üblichen  Bedeutung  des  Wortes)  vorhanden  sind.  Das 
grün  punktirte  Plasma  scheint  nicht  von  einer  besonders  abge- 
grenzten, der  Zellwand  anliegenden  Schiebt  farblosen  Zellplasmas 
umgeben  zu  sein." 

Auch  die  Meinung,  welche  sich  Hieronymus  über  den  fei- 
neren Bau  der  Chromatophoren  gebildet  hat.  liält  Zacharias  für 
nicht  erwiesen,  weil  die  Fibrillen  selbst  nicht  gesehen  worden  seien, 
und  sich  die  Behauptung  von  Hieronymus  auf  den  Umstand 
stütze,  dass  die  Grana  reihenförmig  angeordnet  erscheinen. 

Was    nun    diesen    letzteren    Punkt    anbelangt,    so    ist   mir  im 


'j  E.  Zacharias,  Beiträge  zur  Kenntniss  des  Zellkernes  und  der 
Sexualzellen.  Botan.  Zeitg.   1887,  p.  301. 

^)  V.  Daneiga.  Der  gegenwärtige  Zustand  unserer  Kenntnisse  über 
den  Zellinhalt  der  Phycochroinaceen.  Moskau  1891. 

■')  G.  Hieronymus,  IJeitiäge  zur  Morphologie  und  Biologie  der  Algen. 
Cohn's  Beiträge  zur  Biologie.  Bd.  V.  1892. 

*}  Siehe  Botan.  Zeitg.  Nr.  40,  1891,  sowie  ebendaselbst  Nr.  38.  1892 
und  Nr.  15,  1893. 


267 

vorigen  Sommer  eine  dicke  Oscillaria  zu  Gesicht  gekommen, ')  die 
sich  durch  ein  sehr  grobmaschiges  Chromatophor  vor  allen  übrigen 
auszeichnet.  Die  dicken  Stränge,  beziehungsweise  die  Wabenwände 
dieses  Chromatophors  zeigten  nun  schon  unter  einer  1500—2000- 
fachen  Vergrösserung  sehr  deutlich  einen  hbriliäreii  Bau.  Die  bhau- 
giün  gefärbten  Fibrillen  lagen  parallel  neben  einander  und  schienen 
durch  Furchen  von  einander  getrennt  zu  werden.  Das  Gerüste  dieses 
Chromatophors  erwies  sich  so  fest,  dass  es  sich,  ohne  seine  Structur  ein- 
zubüssen,  in  grossen  Stücken  aus  den  Zellen  herauspressen  Hess.  Ob- 
wohl nun  an  den  ausgepressten  Chromatophortheilen  die  Fibrillen 
noch  besser  hervortraten,  so  konnte  ich  in  denselben  doch  nicht  ein- 
zelne Grana  unterscheiden.  Doch  eischienen  mir  einzelne  Fibrillen 
undeutlich  knotig.  In  den  Ecken  imd  Knotenpunkten  des  Chromato- 
phors lagen  4 — 5  w  messende,  linsenförmige  Körner,  die  ähnlich 
gefärbt  waren,  wie  das  Chromatophor,  nur  schwächer.  Bei  dieser 
Oscillaria  liegen  auch  nicht  alle  Theile  des  Chromatophors  in  ein 
und  derselben  Ebene,  sondern  os  besitzt  im  Gegentheile  zahlreiche, 
nach  innen  gerichtete  Eindrücke  oder  Einbuchtungen.  An  solchen 
Stellen,  also  dort,  wo  sich  das  Chromatophor  von  der  Zell  wand  zu- 
rückzieht, kann  man  aber  ohne  Schwierigkeit  das  Vorhandensein 
eines  Wandplasmas  constatiren.  Ja  ich  bemerkte  in  demselben  ein- 
mal sogar  ganz  deutlich  eine  Strömung. 

Meines  Wissens  ist  es  das  erste  Mal,  dass  die  Fibrillen  eines 
Cyanophyceen-Chromatophors  und  das  farblose  Wandplasma  direct 
gesehen  und  beobachtet  worden  sind;  doch  kommt  ein  derartig  hocli 
organisirtes  Chromatophor  nur  selten  zur  Entwicklung.  In  den  weit- 
aus meisten  Fällen  sieht  man  entweder  eine  scheinbar  homogene, 
oder  höchstens  eine  fein  punktirte  Schicht,  in  wenigen  Ausnahms- 
fällen, bei  stärkster  Vergrösserung,  ein  undeutliches,  feinmaschiges 
Gerüste.  In  all  diesen  Fällen  konnte  ich  mich  auch  nie  von  der 
Existenz  eines  faiblosen  Waudplasmas  zwischen  Membran  und  dem 
gefärbten  Zelltheile  überzeugen.  Dagegen  ist  in  allen  Fällen,  wo  es 
zur  Entwicklung  einer  besonderen  Plasmahaut  kommt,  wie  z.  B.  bei 
den  Hormogonien  und  gewissen  Oscillarien,  die  letztere  sicher  farb- 
los und  auch  anders  organisirt,  wie  das  übrige  Wandplasma.  Davon 
kann  man  sich  direct  überzeugen,  weil  es  nicht  selten,  nach  An- 
wendung schrumpfender  Reagentien.  gelingt,  die  Plasmaliuut  zu  iso- 
lireu,    indem    man    die  übrigen  Protoplasten  zur  Contraction  bringt. 

Nach  allem  dem.  was  ich  gesehen  habe,  kann  ich  nnr  die  An- 
sicht aussprechen,  dass  es  bei  den  Cyanophyceen  in  einzelnen  Fällen 
zur  Ausbildung  eines  höher  organisirten  Chromatophors  kommen 
kann,  dass  dies  aber  in  der  Regel  nicht  geschieht.  Ja,  es  mögen 
Fälle  vorkommen,  wo  das  Wort  Chromatophor  nur  in  einem  er- 
weiterten Sinne  auf  die  homogene  und  gefärbte  Wandschicht  des 
Protoplasmas  angewendet  werden  kann. 

')  Eigentlich  wurde  ich  auf  dieselbe  durdi  den  Herrn  Primarius 
Dr.  Lüttk emulier  gütigst  auimerksam  gemacht.  (K„rts.  fulgt.) 


268 

Litteratur-Uebersicht.  '^ 

Mai  1894. 

Beck  V.  Maunagetta  (1.  Ziele  und  Erfolge  der  Acclimatisatioii 
der  Pflanzen.  (Wiener  illustr.  rrarten-Zeitimg  1894,  4.  Heft. 
S.   144—154.)  8". 

Husar  K.  Zur  Kenntniss  der  schweizerischen  Alchimilleii.  (Bericlite 
der  Schweiz,  botan.  Gesellsch.  IV.  1894.)  8".  40  S.  3  Taf. 

Eine  sehr  beaclitenswerthe.  zunächst  die  Gliederung  der  „A.  alplna" 
betreffende  Studie:  Verf.  unterscheidet  3  Formen:  die  centralalpin  nordische 
Pflanze :  A.  alpina  (L.)  Rchb..  die  Pflanze  der  Kalkalpen:  .4.  Hoppeana 
Rchb.  und  eine  Pflanze  der  Ostalpen:  A.  podophylla  Tauscli.  Letztere  ist 
identisch  mit  A.  Anisiaca  Wettst.,  die  mithin  ersteren  Namen  zu  führen 
hat.  Ueberdies  weiden  beschrieben:  A.  falla^v  Bus..  A.  sericnneura  Bus.. 
A.  acutangula  Bus.,  A.  heteropoda  Bus.,   A.  tenuis  Bus. 

Celakovsky  L.  J.  üeher  Doppelblätter  bei  Lonicera  perlcb/meman 
L.  und  deren  Bedeutung.  (Pringsheim's  Jahrb.  XXVI.  Hel't  1. 
S.  1—48.)  8".  3  Taf. 

Die  wichtigsten  allgemeinen  Resultate  der  Al)haiidlung  sind: 

1.  Die  Quirle,  in  denen  Dedoublement,  d.  i.  der  Vorgang  der  Bildung 
von  Doppelblättern,  stattfindet,  nehmen  eine  Mittelstellung  zwischen  niehr- 
und  minderzähligen  Quirlen  ein. 

2.  Diese  Mittelstellung  ist  nur  verständlich  als  das  Ergebniss  des  Zu- 
sammenwirkens zweier  ungleich  alten  Tendenzen  oder  Bildungskräl'te, 
welche  an  derselben  Stelle  einen  mehr-  oder  minderzähligen  Quirl  zu 
bilden  streben. 

3.  Das  öfter  bestrittene  „congenitale  Dedoublement"  besteht  wirklich, 
d.  h.  die  paarweise  oder  gruppenweise  Annäherung  der  Glieder  eines  Kreises 
an  Stelle  einzelner  Glieder  bedeutet  ebenfalls  eine  Uebergangsstufe  zwischen 
einem  mehrzähligen  und  einem  minderzähligen  Quirl. 

4.  Es  gibt  ein  positives  und  negatives  Dedoublement.  je  nachdem  der 
Uebergang  aus  ursprünglicher  Minderzähligkeit  in  Mehrzähligkeit  oder 
umgekehrt  stattfindet. 

5.  In  den  Abnormitäten  ist  das  Dedoublement  meist  positiv,  seltener 
negativ. 

6.  Wegen  dieser  doppelten  Möglichkeit  darf  nicht  ohne  weiters  ange- 
nommen werden,  dass  das  normale  Dedoublement  in  den  Blüthen  positiv 
sein  müsse.  Es  bedarf  einer  weiteren  Prüfung,  ob  es  positiv  oder  negativ 
ist,  welche  zu  Gunsten  der  zweiten  Alteinative  ausfallen  wird. 

Couratb  P.  Sur  une  nouvelle  espece  du  genre  Ci/tisopsls.  (Bullet, 
d.  l'herb.  Boissier  1894,  Nr.  4,  p.  327-328.) 

Fiek  E.  und  Schübe  Th.  Ergebnisse  der  Durch forscbung  der 
schlesischen  Phanerogamenflora  im  Jahre  1893.  (71.  Jahresber. 
der  schles.  Ge.sellsch.' f.  vaterl.  Cultur.  S.  42—62.)  8^ 

')  Die  „Litteratur-Uebersichf  strebt  Vollständigkeit  nur  mit 
Rücksicht  auf  jene  Abhandlungen  an,  die  entweder  in  Oesterreich-Ungarii 
erscheinen  oder  sich  auf  die  Flora  dieses  Gebietes  direct  oder  indirect  be- 
ziehen, ferner  auf  selbstständige  Werke  des  Auslandes.  Zur  Krzielung 
thunlichster  Vollständigkeit  werden  die  Herren  Autoren  und  Verleger  um 
Einsendung  \<>n  neu  erschienenen  .Arbeiten  (ider  wenigstens  um  eine  Anzeige 
über   solche  hötlichsl  ersucht.  Die   Red. 


269 

Kern  er  A.  Thr  Natural  History  of  Plants,  iransluieil  by  Prof.  F.  W. 
Uli  vor.    1    pt.  Blackie  et  S.  (London).  (Jr.  8". 

B' pinn  der  englischen  Ausgab^  des  „PHiUizenlehen ".  Juliii  I,ul)biiik 
hat  dieselbe  mit  einigen  einlfitenden  Worten  begleitet,  deren  Wiedergabe 
nicht  ohne  Interesse  sein  dürfte  : 

„Es  ist  eine  verbreitete,  aber  irrthümliche  Ansicht,  dass  Botanik  eine 
trockene  Wisst  nschaft,  trocki-n  infolge  der  vielen  Namen  und  Termini  sei. 
Zum  Theile  dürfte  diese  Ansicht  begründet  erscheinen  mit  Hinblick  auf 
viele  ältere  Werke,  welche  der  Grundlegung  der  Wissenschaft  dientun  und 
daher  sich  insbesondere  der  Beschreibung  der  Formen  zuwendeten.  Solche 
Werke  waren  zum  Aufbaue  der  Wissenschaft  unentbehrlich.  Dagegen  kann 
nur  ein  geistig  Beschränkter  Ktrne  r's  Pflanzcnleben  ohne  hohes  Interesse 
lesen.  Die  Anpassung  der  Pflanzen  an  ihre  Umgebung  und  deren  Lebens- 
bedingungen sind  in  bewundernswerther  Weise  beschrieben  und  durch 
instructive  und  schöne  Illustrationen  verständlich  gemacht.  Es  könnte 
Manchem  als  Ueberhebung  und  Kühnheit  erscheinen,  wenn  ich  ein  Werk 
empfehle,  das  «in  Kerner  geschrieben  und  ein  Oliver  der  Uebersetzung 
werth  gefunden  hat,  doch  dürfte  es,  eben  im  Hinblicke  auf  das  F^ingangs 
erwähnte  Vorurtheil  angezeigt  sein,  zu  betoniMi,  dass  die  Botanik,  wir  sie 
uns  in  diesem  Werke  entgegentritt,  von  höchstem  Interesse  ist,  geeignet, 
vergnügte  und  anregende  Stunden  zu  bereiten,  so  dass  schon  ans  diesrm 
Grunde  das  Erscheinen  einer  englischen  Ausgabe  auf  das  Freudigste  zu 
begrüssen  ist." 

Römer  J.  Ueber  das  Vorkommen  der  „Königsblume"  in  Siebon- 
bürgen. (Wiener  illustr.  Garten-Zeitung  1894,  4.  Heft,  S.  137  bis 
139.)  8". 

Geschichte  der  Entdeckung  der  Uapline  Blogayana  in  Siehenbürgi-n 
und  Mittlieilung  über  die  bisher  constatirtcn  Standorte. 

Wettstein  R.  v.  Die  geographische  und  systematische  Anordnung 
der  Pflanzenarten.  (Verband],  der  (Tesellscli.  deutscher  NatiirJ'. 
und  Aerzte,  Nürnberg,  1893.)  Gr.  8".  4  S. 

Ahlborn.  Die  Aufgaben  und  die  Organisation  des  botanischen 
Gartens  in  Hamburg.  8".  18  S. 

Ander  lind  L.  üeber  die  Einwirkung  des  Salzgehaltes  der  Lutt 
auf  den  Baumwuchs.  (Mündener  forstl.  Hefte,  1894.)  8".  5  S. 

Ascherson  P.  Die  Herkunft  des  Namens  .,Liliuin  conoif/lunn''. 
(Naturw.  Wochenschr.  IX.  Nr.  20.  S.  241—242.)  4". 

Baldacci  A.  Rivista  critica  della  collezione  botanica  fatta  nel 
1892  in  Albania.  (Malpighia  VIII.  Fase.  12,  p.  69—87.)  8". 

Bemerkungen  systematischen  Inhaltes  über  einige  der  vom  Verf.  lSi)2 
in  Albanien  gesammelten  Pflanzen.  Eine  zu  grosse  Vertiefung  in  die  dabei 
berührten  Fragen  verrathen  diese  Bemerkungen  gerade  nicht.  Dass  der 
Verf.  es  vorzieht,  auf  die  vom  Ref.  an  albanesischen  Pflanzen  beob- 
achteten mniphologischen  Gliederungen  nicht  einzugehen  und  ,\rtbegriflfe 
im  weiteren  Umfange  zu  nehmen,  kann  nicht  Wunder  nehmen.  Nur  sollte 
er  sich  bei  dieser  Sachlage  polemischer  Bemerkungen  enthalten  und  ins- 
besondere mit  einer  spöttischen  Bezeichnung  über  eine  Forschungsrichtung 
(„microraorfomani")  vorsichtiger  sein,  deren  Wesen  und  Ziele  ihm  nicht  ganz 
klar  zu  sein  scheinen. 


270 

ßelila  llobert.  Die  Abstammungslehre  und  die  Ern'chtuug  eines 
Institutes  für  Transformismus.  Ein  neuer  experimenteller  phylo- 
genetischer Forschungsweg.  Kiel  und  Leipzig  (Lipsius  und  Tischer). 
8".  60  S.  —  2  M. 

Verf.  räumt  der  zweiartigen  Kreuzung  (Bastardirung)  die  grösste 
Rolle  bei  der  Neubildung  von  Arten  ein  und  schlägt  diesbezügliche  Expe- 
rimente, zunächst  auf  zoologischem  Gebiete,  vor.  Verf.  geht  dabei  unter 
allen  Forschern,  die  in  der  Bastardbildung  einen  Hauptfactor  der  Arten- 
bildung sehen  (Kerner,  Weisinann,  Rosen  etc.),  am  weitesten,  wohl 
manchmal  zu  weit.  Dabei  enthält  das  Buch  aber  manchen  zweifellos 
richtigen  Gedankengang  und  verdient  keineswegs  blos  mit  Spott  und  Hohn 
abgethan  zu  werden,  wie  es  hie  und  da  geschieht. 

Behrens  W.  J.  Lehrbuch  der  allgemeinen  Botanik.  5.  Aufl.  Braun - 
schweig  (H.  Bruhn).  258  S.  4  Tab.  und  411  Fig.  —  3-60  M. 

Üammer  U.  Anleitung  für  Pflanzensammler.  Stuttgart  (F.  Enke). 
S\  83  S.  21   Holzschn.  —  2  M. 

Kurze  Anleitung  zum  Einsammeln,  Präpariren  der  verschiedensten 
Pflanzen  und  Pflanzentheile,  zum  Anlegen  von  Sammlungen  u.  dgl.  Verf. 
an  einem  der  grössten  botanischen  Institute  thätig,  bat  reichlichst  Ge- 
legenheit gehabt,  diesbL-zügliche  Erfahrungen  zu  machen,  so  dass  das 
Büchlein  bestens  empfohlen  worden  kann. 

Engler  A.  Die  natürlichen  Pflanzenfamilien.  104.  und  105.  Lief. 
Leipzig  (W.  Engel  mann).  8". 

Inhalt  der   Doppellieferung: 
Taubert  P.  Leguminosae  (Schluss). 

Hoff  mann  0.  Compositae  (Schluss)  mit  Bearbeitung  der  Gattung 
Hiercbcium  durch  A.  Peter. 

Titel  und  Inhalt  für  III.  Theil,  1.  Hälfte. 

Engler  A.  lieber  die  Gliederung  der  Vegetation  von  Usambara  und 
der  angrenzenden  Gebiete.  (Abhandl.  der  königl.  preuss.  Akademie 
1894.)  4".  86  S. 

Unter  der  Leitung  des  Verf.  und  durch  das  Zusammenwirken  zahl- 
reicher Kräfte  ist  in  Berlin  ein  Centrum  für  die  botanische  Erforschung 
Afrikas  geschaifen  worden,  das  in  relativ  kurzer  Zeit  hochbedeutsame 
Resultate  ergeben  hat.  Die  Fülle  dieser  Resultate  trat  schon  vor  3  Jahren 
durch  des  Verf.  Werk  über  die  Hochgebirgsflora  des  tropischen  Afrika 
hervor,  an  das  sich  nun  das  vorliegende  als  ein  pflanzengeographisch  und 
]iflanzengeschiehtlich  überaus  wichtiges  anschliesst.  Die  Kenntnisse  über  die 
Pflanzenformationen  des  tropischen  Ost-Afrika  erhalten  hiemit  eine  Grund- 
lage, die  umso  wichtiger  ist,  als  man  über  die  meisten  Formationen  dieses 
Gebietes,  z.  B.  die  Waldflora  bisher  so  gut  wie  gar  nichts  wusste.  Es  liegt 
auf  der  Hand,  wie  werthvoU  infolgedessen  das  Werk  sowohl  für  die  Pflanzen- 
geographie als  auch  in  praktischer  Hinsicht  ist.  Die  Angaben  des  Verf. 
stützen  sich  auf  die  grossen  und  zahlreichen  in  den  letzten  Jahren  im 
Berliner  botanischen  Museum  bearbeiteten  Sammlungen,  insbesondere  auf 
jene,  die  Dr.  C.  Holst  in  den  Jahren  1891  —  93  anlegte. 

Fischer  Benzon  R.  v.  Altdeutsche  Gartenflora.  Untersuchungen 
über  die  Nutzpflanzen  des  deutschen  Mittelalters,  ihre  Wanderung 
und  ihre  Vorgeschichte  im  classischen  Alterthum.  Kiel  und  Leipzig 
(Lipsius  und  Tischer).  8".  254  S.  —  5  M. 


271 

Eingehende  auf  Quellenstudien  bcruliende  Angaben  über  das  Voi- 
koiMUien  der  Nainen  mitteleuroj)äii-(hcr  Cultur])fianzen  in  älteren  Werken 
und  Kritik  dieser  Namen.  Besondere  Beachtung  erfährt  dabei  das  „Capifulan.- 
Karl  des  Grossen,  dessen  Namen  durch  den  Verf.  mehrfach  eine  von  der 
üblichen  abweichende  Deutung  erfahren.  Es  wird  dabei  ebenso  das  etymu- 
logisch-linguistische,  wie  das  botanische  Moment  in  Betracht  gezogen. 

Hiitli  F.  Brandenburger  Buchenbegleiter.  (Abhandl.  des  botan.  Vor. 
Brandenburg  XXXVI.)  8".  44  S.' 

Jaeggi,  Fischer,  Schröter,  Tavel  u.  A.  Referate  über  die  im 
Jahre  1893  erschienenen  Publicatioueii,  welche  auf  die  schweize- 
rische Flora  Bezug  haben.  (Berichte  der  Schweiz,  botan.  Gesellscli. 
IV.)  8".  34  S. 

Enthält  nicht  blos  Referate,  sondern  auch  Originalmittlicilungen,  so 
S.  7—12  Zusätze  zu  Gremli's  Flora.  S.  14— 17  Correcturen  zu  Kneuker's 
„Botan.  Wanderungen".  Die  Publication  ist  nicht  nur  für  die  Schweizer 
Flora,   sondern   auch   für   die    der    benachbarten    Gebiete   von  Wichtigkeit. 

Karsten  H.  Flora  von  Deutschland,  Deutsch-Oesterreich  und  der 
Schweiz.  2.  Aufl.  Lief.  6  und  7,  Gera-Untermhaus  (E.  Köhler). 
Gr.  8".  S.  65—192. 

Schon  bei  Besprechung  der  ersten  Lieferungen  wurde  auf  die  Eigen - 
thünilichkeiten  dieses  Werkes  hingewiesen,  die  grosse  Vorsicht  beim  Ge- 
brauche nöthig  machen.  Diese  Eigenthümlichkeiten  treten  in  den  beiden 
vorliegenden.  Kryptogamen  behandelnden  Theilen  wieder  stark  hervor.  Verf. 
zeigt  hier,  dass  er  einen  grossen  Theil  der  Forschungsresultate  der  letzten 
Decennien  absichtlich  oder  unabsichtlich  ignorirt  und  an  Anschauungen  fest- 
hält, die  heute  doch  als  längst  überholt  bezeichnet  werden  müssen.  Dieses 
eigenthümliche  Festhalten  zeigt  sich  auch  in  Bezug  auf  Terminologie,  die 
vielfach  den  Text  geradezu  unverständlich  macht.  Das  Buch  kennzeichnet 
daher  nicht  so  sehr  den  derzeitigen  Stand  unserer  Kenntnisse  —  was  man 
dem  Titel  nach  erwarten  sollte  —  sondern  den  Standpunkt  des  Verf.,  der 
für  den  Fachmann  allerdings  manches  Interesse  bietet.  Mit  der  nöthigen 
Vorsicht  gebraucht,  kann  das  Buch  aber  auch  Nutzen  schaifen,  es 
enthält  eine  Fülle  von  p]inzelheiten  und  viele  schöne  Abbildungen.  Die 
Ausstattung  des  Buches  ist  eine  vollendete. 

Kohl  F.  G.  Die  officinellen  Pflanzen  der  Pharmacopoea  Germanica 
für  Pharmaceuten  und  Mediziner.  Leipzig  (Ambr.  Abel).  -1". 
Lief  13—17,  Taf.  61—85. 

Das  Werk  erhält  .^ich  bezüglich  seines  wissenschaftlichen  Werthes  und 
seiner  Ausstattung  auf  gleicher  Höhe.  Von  den  Abbildungen  der  vorliegenden 
Lieferungen  seien  insbesondere  jene  vt^n  Croton  Tiollum  (73),  C.  Eluteriu 
(74),  MaÜotus  Philippensis  (75),  Picraena  e^ceha  (6ij.  Ihdsamea  Mijrrha 
(ß5),  Erythroxylon    Cnca  (66)   als  seltenere  erwähnt. 

Lignier  0.  Vegctaux  fossiles  de  Normandie.  Structure  et  affinites 
du  Bennettites  Morierei  Sap.  et  Mar.  Caen  (E.  Lanier).  4".  7(i  p. 
6  Taf. 

Peter  A.  Wandtafeln  zur  Systematik,  Morphologie  und  l)iologic 
der  Pflanzen  für  Universitäten  und  Schulen.  Blatt  G — 1 1  nebst 
Text.  Cassel  (Fischer).  8".  13  S.  —  ä  2  M. 


272 

Potonie  H.  Ueber  die  Stellung  der  Sphenophyllaceen  im  System. 
(Berichte  df-r  deutsch,  hotan.  (Tcsellsch.  XI L  Heft  4,  S.  07  bis 
100.)  8". 

Verf.  erörtert  die  Gründe,  welche  für  die  Verwandtschaft  der  Sph. 
mit  Salviniaceen  sprechen  und  kuniint  auf  morphologischer  und  paläonto- 
logischer Grundlage  zu  der  Formenr<ihe:  Sphenoi'hylhtm.  Trizygia, 
Salvinia,  Azolla. 

Rothpletz  A.  Zur  Richtigstellung  der  Bemerkungen  R.  v. 
Wettstein's  zu  meinem  Vortrag:  Ueber  eine  ausgestorbene 
Flora  des  Tnnthales.    (Botan.  Centralbl.  1804.    Nr.  22.)    8".    4  S. 

Wehrli  L.  Ueber  den  Kalktuff  von  Flurlingen  bei  Schaffhausen. 
8".  18  S.  1   Taf. 

Verf.  untersuchte  die  fossile  Flora  und  Fauna  des  TuflFes  und  kam  zu 
dein  Resultate,  dass  dieselbe  der  I ntersjlaci alzeit  angehört  und  dass  diese 
Interglacialperiode  zur  Zeit  der  Ablagerung  des  Tuffes  ein  Klima  hatte, 
das  von  dem  heutigen  Klima  der  Gegend  wenig  verschieden  war.  Die 
fds.-^ilc  Flora  zeigt  bemerkenswerthe  Beziehungen  zur  Flora  der  gleichfalls 
muthma>slich  interglacialen  Höttinger  Breccie  durch  das  Vorkommen  von 
Acer  Pseudoplatanuf.     Taxus  baccata,  Buxus  senipervirens  u.  a. 

Die  Herren  Th.  und  Em.  Durand  stehen  im  Begriffe  in  Ver- 
bindung mit  Alf.  Cogniaux  und  L.  Lubbers  einen  Census 
0  r  c  h  i  d  e  a  r  u  m  herauszugeben,  der  einem  dringenden  Bedürfnisse 
abhelfen  wird.  Das  Erscheinen  des  Buches  wird  aber  vorläufig  noch 
von  dem  Erfolge  einer  Subscription  abhängen,  da  nach  den)selben 
die  Stärke  der  Auflage  fixirt  werden  wird.  Das  Werk  wird  in 
ö  Heften  ä  6  Francs  erscheinen;  Subscriptionen  sind  au  Herrn  Th. 
Durand  in  Bruxelles,  Jardin  botanique  de  V  Etat  zu  richten. 


Flora  von  Oesterreich-Ungarn. 


Tirol  und  Vorarlberg, 

Referent:  Ludwig  Graf  Sarnthein  (Trientj. 

(Fortsetzung.') 

Neu  für  das  Gebiet. 
Phanerogamen. 

Ane))ion('  nemoroäu  >Ct)'ifolia.    Tirol;    Hut  er  (14).    —    ßanunculus 

(iolichopodits  Kern.  (ß.  Petiveri  auct.  tirol.?)  Reschener  See  (29). 

—  R.  Rionii  Lagg.  var.  olipocarpus  Yrejn  (B.  pcmthofhrir  Hsm. 

■p.  p.).  Salurn,  Trient  (29).  —  Aquilefjla  atrata  Koch  var.  cya- 

iiescens  Borb.  Haller  Salzberg  (ö2).  —   Delphinium  oa^sepalum 


•)  Vergl.  Nr.  6.  S.  23U. 


273 

Fax  et  Borb.  ß.  produdum  Hth.  Feltrethal  in  Südtirol  —  wohl 
extr.  fines?  (40),  —  D.  elatum  var.  alpinum  W.  K.  =  D.  triste 
Gremblich  in  sched.  Tirol  (40,  57). 

Papaver  coaclnnum  Murr.  (Neubenennung  der  für  das  Gebiet  bereits 
in  dieser  Zeitscbr.  1888,  203  angegebenen  Hybride  P.  Rhoeas 
Xdubiurn)  (52).   —  P.  Lecoquii  Ler.  Lardaro  (75). 

Cardaniine  pratensis  L,  var.  Matthioli  Moretti.  Afling  (52),  Neu- 
markt, Spinale,  Pine,  Palü,  Valsugana  (31).  —  C.  fossicola 
Godr.  =  0.  dentata  Murr.  Oesterr.  botan.  Zeitsclir,  1888,  203. 
Gallwiese  bei  Innsbruck  (52).  —  Sinapis  ai-vensis  L.  var.  ra- 
phanifolia  Murr.  Tbaur  (52).  —  Eriophila  Krockeri  Andrz., 
E.  glahrescens  Jord.  Italienisches  Tirol  (37).  —  Biscutella  laevi- 
gata  L,  var.  dentata  Gren.  Godr.  San  Martino  gegen  Rolle, 
Sasso  Padella  (55). 

Viola  eolliniformis  Murr  =  collina  >  hirta.  Spitzbühel  bei  Inns- 
bruck (52).  —  V.  alba  y<  hirta ;  V.  odorata  X  Austriaca;  V.  alba 
X  odorata ;  V.  alba  X  Austriaca ;  V. hirta  X  Austriaca;  V.  hirta  X 
Austriaca  var.  pubescens;  V.  collina  X  Austriaca;  V.  arenaria  X 
liiviniana;  V.  arenaria  X  silvatica;  V.  Riviniana  X  mirahilis; 
V.  arenaria  X  mirabilis.  Sämmtlich  von  Trient  (31). 

Pdlygala  comosa  Schkuhr  6.  var.  pedemontana  Perr.  et  Verlot  Kev. 
hört.  1863,  433  pr.  sp.  =  P.  corsica  Gremli.  Südtirol;  var. 
pyramidalis  Chodat  Mou.  456.  Tirol  (17).  —  P.  amara  auct. 
var.  dissita  Hausskn.  ßrixen  (6). 

Silene  quadrißda  L.  var.  villosa  Gelmi.  Primör;  Manasso  bei  Sella 
(31).  —  S.  bryoides  Jord.  Tirol  (14).  —  Lychnis  ßos  Jovis  X 
Goronaria.  San  GiacomO  bei  Brentonico  (31,  nach  Bull.  soc. 
botan.  ital.  1892,  p.  100).  —  Moehringia  Bavarica  (L.)  var. 
tetramera  Gelmi.  Salurn.  —  Malachium  aquaticum  Fr.  var. 
glabrum  Gelmi.  Trient  (31). 

Malva  verticillata  L.  Innsbruck,  neu  eingeschleppt  (52). 

Oenista  tinctoria  L.  var.  lasiogyna  Gremli.  Vallunga  (31).  —  Hedy- 
sarum  exaltatum  A.  Kern.  Tre  croci  in  Ampezzo  15 — 2000  m 
(41;  der  Standort  ist  nicht  in  Venetien,  wie  dort  angegeben, 
sondern  ganz  in  Tirol).  —  Orobns  stiriacu^  Gremli.  Travignolo- 
thal  (25), 

Ruinis  macrostenion  X  hirtus.  Val  Ronchi.  —  R.  brachybotrys  Pocke. 
San  Rocco  bei  Trient.  —  R.  tomentosus  var.  glabratus  Judi- 
carien.  Terlago,  Trient,  Pine.  —  R.  saltuum  Pocke  Pine.  — 
R.  Bayeri  Pocke.  Monte  Faeda  di  Terlago,  Monte  Vasoue  bei 
Trient.  —  R.  caesius  X  ulmifolius.  Mezzolombardo,  Trient, 
Cognola.  —  R.  caesius  X  macrostemon  Fleims,  Pinzolo,  Monte 
Gazza.  —  R.  caesius  X  brachybotrys.  San  Rocco  bei  Trient  (31). 

Potentilla  pilosa  Willd.  Rovereto.  —  P.  Bulsanensis  X  qlandxdifera. 
Trient  (31). 

Rosa  spi)iosissima  X  alpina.  Trient.  —  R.  pomifera  X  glauca.  San 
Giacomo  am  Baldo.  —  R.  pomifera  X  alpina.  Fassa,  Bondone, 

Oesterr.  botaa.  Zeitschrift.  7.  Heft.   1894.  21 


274 

Baldo.  —  R.  alpinaXto77ientosa.  Pagaaella  (31).  —  M.  ruhigi- 
nosa  L.  var.  Jenensis  Schultze.  Eitten  (20,  21).  —  R.  micran- 
iha  X  ruhiginosa.  Molveno.  —  R.  polyacantha  Borb.  Fondo, 
Fleims,  Molveno,  Kanzo,  Vezzano,  Trient,  Pine,  Palü,  Folgaria, 
Kovereto.  —  R.  agrestis  Savi  f.  pubescens.  Vezzano,  Trient, 
Cembra.  —  R.  graveolens  Greu.  f.  latifolia.  Fleims.  —  R.  pseudo- 
graveolens  Moulin.  Cis,  San  Lugano,  Molina.  —  R.  tomentella 
Lern.  f.  affinis  Chr.  Ital.  Tirol  (31).  —  R.f  f.  ad  tiroliemis; 
von  Porta  als  R.  montana  X  dumetorum  bestimmt.  Val  di 
Ledro  (20).  —  R.  Deseglisei  Bor.  Ital.  Tirol.  —  R.  coriifolia 
Fr.  f.  glahrescens.  Fassa,  Fleims.  —  R.  caniaa  L.  f.  Andega- 
vensis  Bast.  Ital.  Tirol.  —  f.  adenotricha  Burn.  Cis.  Terlago.  — 
R.  glauca  Vill.  f.  mi/riodonta  Gelmi,  f.  pilosula  Chr.  und  f.  sul>- 
canina  Chr.  Ital,  Tirol.  —  Rosa  f  Mittelform  zwischen  R.  glauca 
und  R.  ferruginea.  Truden  (31).  —  R.  Burseri  Braun.  Gschnitz- 
thal:  Kern.  (20;  s.  auch  ibid.  S.  75  f.).  —  R.  pseudomoatana 
Keller.  Fassa,  Alpen  um  Trient,  Folgaria,  Val  di  Ledro,  Baldo. 
—  R.  Gallica  var.  lejostgla  Gelmi.  Trient.  —  R.  reperis  Scop. 
f.  gallicoides  Burn.  et  Gr.  Trient  (31). 
Alchimilla  pallms  Buser.  Tirol  (15),  Frauhitt  und  Patscherkofel  bei 
Innsbruck  (8  —  letzterer  Standort  liegt  nicht  in  den  Kalk- 
alpen!). —  A.  truncata  Tausch  ist  zu  streichen;  das  aus  Tirol 
stammende  Exsiccat  in  Rchb.  Fl.  Germ,  exsicc.  Nr.  1476  — 
s.  Nyman  Consp.  238  —  ist  A.  coloratu  Buser.  —  A.  fla- 
hellata  Buser  =  A.  pubescens  Koch  non  Lam.,  Willd.,  MB. 
Tirol.  —  A.  splendens  Christ.  Tirol  (15).  —  A.  filicauUs  Buser. 
Nordtirol.  —  A.  pusilla  Buser.  Tirol  (13).  —  A.  subcrenata 
Buser.  Tirol  (16). 
EpUobium  coUinum  X  parvißorum.  Palü  (31). 
Sascifraga  androsacea  L.  var.  tridens  Jan.  Travignolothal  (25). 
Astrantia  Rlssensis  Grembl.  =  A.  major  X  Bavarica.  Hiuterau- 
thal  —  neu,    weil  der  bisher  bekannte  Standort  ausserhalb  der 

Grenze  (52). 
Asperula  leiantha  Kern.    Val  di  Ledro.   —    Galium  rubrujn  L.  var. 
sciaphilum    Kern.    Lienz,    Bozen.    —    G.  Leyboldii   Braun    = 

O.    Tyrolense   Leyb.    in    sched.    non    Willd.    Brenner   (41).    — 

G.  er ectumX.  verum.  Zams  (52). 
Knautia    magnifica   Boiss.    et   Orphan.    =    K.    Baldensis    Kern,    in 

sched.  Val  di  Ledro  (41;  unter  dem  zweiten  Namen  für  diesen 

Standort   übrigens   schon    von    Giacomelli   in    IX.  Ann.  soc. 

alp.  Trident.  1883,  S.  187  erwähnt).  —  Scabiosa  Gramunüa  L. 

var.  Simplex    Gelmi.    Maranza    bei  Trient.    —    S.  vestina  Fcch. 

var.  aleutrensis"2oTid..  Val  di  Ledro  (31). 
Aster  alpinus  L.  var.  dolomiticus  Beck.  Häufig  in  den  Dolomitalpen 

Tirols  (8).  —  Artemisia  alp  Ina  DC.  var.  :=  A.  nana  ß.  parvi- 

fiora   Gaud.    ümhausen    an    subalpiner   Lage    (41).    —    Senecio 

Eversi  Huter  =  S.  cordatus  y<  Jacobaea.  Tirol  (39;  als  Name 


275 

fiii-  diese  Corabination  existirt  jedoch  bereits  S.  Reisachii  Grembl. 
ßer.  Laiidsh.  1877,  145).  —  Cirsium  Benzä  Murr.  =  olerac.  ~^ 
pal.  Igls  (52).  —  C.  hreviscapum  Eichenf.  =  acaule  X  mon- 
tamim.  Paneveggio  (26).  —  C.  Sennholzi  Eichenf.  =  heteroph. 
X  mont.  Travignolothal  (25,  26).  —  C.  Khekii  Murr.  =  Erisi- 
thales  >  heteroph.  recedens  ad  Eris.  Schoberwald  am  Solstein.  — 
0.  erisithaloides  Murr.  =  Eris.  >  spinös,  vel  Eris.  >  ßave- 
scens.  Hafelekar  bei  Innsbruck  (52).  —  Carduus  pycnocephalus 
(L.)  Primör  (55,  56)  ').  —  Leontodon  tenuißorus  DC.  Sarn- 
tbal.  —  Picris  crepoides  Saut.  var.  hispida  Gelmi.  Cei  (31).  — 
Crepis  oenipontana  Murr  =  alpestris  ^  blattarioides.  Weiten- 
thal bei  Innsbruck  (52). 
Hieracium  uherans  Murr  ==  Hoppeanum  X  Auricula.  Alpen  Nord- 
tirols auf  Kalk  und  Schiefer  verbreitet:  Solsteinkette,  Kufstein, 
Luttach  (52:  übrigens  nur  Neubenennung  nach  Oasterr.  botan. 
Zeitschr.  1888,  S.  205).    —    H.  Hoppeanum  X  f/ladale  Jaufen. 

—  H.  fallacinum  Schult.  =  Pilosella  X  ßorentinum.  Spitz- 
bühel bei  Mühlau,  mit  dem  von  Hepperger  —  nicht  Heufler, 
wie  Murr  schreibt;  s.  Hsm.  Fl.  Tir.  S.  1452  —  dort  gefun- 
denen H.  ^hifurcum"'  zu  vergleichen  (52).  —  H.  acutifolium  X 
praealtum.  Marzola  bei  Trient  (31).  —  H.  speciosum  var. 
angustifolium.  Haller  Salzberg  (52).  —  H.  Solilapidis  Evers. 
Kranebitter-  und  Mühlauer  Klamm  bei  Innsbruck  (27,  28; 
nach  Murr  mit  dem  bereits  bekannten  if.  pttZcArwm  Arv.  Touv. 
identisch.  52,  53,  was  Evers  bestreitet).  —  H.  glahratoides 
Murr  =  H.  speciosum  X  glahratum  =  H.  speciosum  f .  .  .  . 
D.  B.  M.  1890,  S.  111.  Hailer  Salzberg.  —  H.  speciosum  X 
villosum  und  S.  speciosum  X  hupleuroides.  Ebendort.  —  H.  hu- 
pleuroides  Gmel.  var,  Tellianwn  Arv.  T.  =  H.  calycinum  Murr 
fide  Arv.  T.  in  D.  B.  M.  1890,  S.  110.  Oetz,  Zirl,  Gries  am 
Brenner.  —  H.  dentatum  Hoppe  var.  coarctatum.  Murr.  Höttinger- 
alpe,  Lavatschjoch  (52).  —  H.  Alfenziaum  Evers.  Stuben  (28). 

—  H.  villosiceps  N.  P.  mit  var.  nudum  Murr.  Haller  Salzberg. 

—  If.  vulgatum  Fr.  var.  sididiaphanum  Arv.  T.  Kalkgebirge 
bei  Innsbruck;  var.  nemorosum  Fr.  Volderthal  und  anscheinend 
charakteristisch  für  die  Region  der  Holzgrenze  in  den  Central- 
alpen;  var.  irriguum  Fr.  Kematen;  var.  suhramosum  Arv.  T. 
Landeck;  var.  coarctatum  Lindeb.  Waldraster  Jöchl  (52);  var. 
hirtum.  Stuben  (28).  —  H.  fastigiatum  Fr.  Seefeld,  Afling, 
Gleins.  —  H.  umhrosum  Jord.  Kematen  (52).  —  H.  brevi- 
folivm  Tausch.  Zirl  (52,  s.  diese  Zeitschr.  1888,  S.  206).  — 
H.  Gelmi anum  mh.  :=  H.  nivale  Gelmi  Prosp.  106,  non  Fröl. 
in  DC.  Prodr.  VIL  (1838)  221.  Paneveggio,  Brentagruppe.  — 
H.   porrifolium,  X  sahaudum.    Trient.    —    H.    a?nplea'icaule  X 


')   Nach   N'ymau  Cuiisp.  p.  41i     sonst  in  Spanien,  FrankitMch,    Italien. 
Istrien,  Croatien  und  der  Balkanhalbinsel. 

* 


276 

saocatile.  Cadine  (31). 

Phyteuma  orhiculare  L.  ß.  lanceolatum  Vill.  Primör  (55).  — 
PK.  Khekii  Murr  =  orhiculare  X  HaUerL  Afling  (52).  — 
Campanula  Carnica  Schiede  var.  Pseudocarnica  Gelmi.  Im 
italienischen  Tirol  die  vorherrschende  Form;  var.  hirta  Gelmi. 
Trient  (31).  —  C.  glomerata  L.  var.  aggref/ata  W.  pr.  sp. 
Innsbruck  nicht  selten;  var,  salviaefolia  Wallr.  Höttinger- 
berg  (52). 

Q-entiana  biloba  DC.  =^  lutea  X  punctata.  Monte  Roen  (41).  — 
O.  symphyandra  Murb.  Alpe  Lusia  in  Fleims  (54).  —  O.  Sue- 
cica  Fröl.  Lafatscherjoch  (51).  —  G.  Pseudogermanica  Gelmi,') 
Mte.  Celva  und  Maranza  bei  Trient,  Cengialto  bei  Rovereto  (31). 

G.  Germanica  Fröl.  pr.  var.  Murb.  Feldkirch,  Steinjoch  bei  Imst, 
Lafatscherjoch,  Burgstall,  Serles,  Gschnitzthal,  Obernberg,  Tarn- 
thalerköpfe,  Kolsassthal  (51). 

Verbascum  Thapsus  X  Lychnitis.  Mazzin  in  Fassa,  Aichholz,  Deutsch- 
metz (31).  —  Veronica  campestris  Schmalh.  Zell  im  Ziller- 
thale  nach  Hinterhub  er  (5;  in  24,  S,  128  als  V.  praecox; 
indessen  dürfte  der  Standort  bei  der  bekannten  Unverlässlich- 
keit  des  erwähnten  Gewährsmannes  trotz  vorliegenden  Herbar- 
exemplares  noch  nicht  für  sicher  anzusehen  sein,  s.  z.  B,  Sene- 
cio  Doria  in  Nr.  29,  S.  152).  —  Euphrasia  ynontana  Jord. 
Travignolothal  (25).  —  E.  Illyrica  Wettst.  =  E.  transiens  Borb, 
Kerschbaumeralpe  (9;  s.  70  S.  193).  —  E.  Portae  Wettst.  = 
E.  alpina^)  Freyn  in  dieser  Zeitschrift  1887,  S.  319:  Franzens- 
höhe, Val  di  Ledro  (70). 

Mentha  serrulata  Opiz.  Atzwang  (41).  —  M.  sativa  X  aquatica. 
Trient.  —  Lycopus  exaltatus  L,  Martignano  bei  Trient  (31), 
auch  am  ital,  Baldo  (34),  —  Thymus  Ortmannianus  Opiz  und 
T.  Trachselianus  Opiz.  Trins  (41).  Galeopsis  calcarea.  Schön- 
heit Bozen,  —  G.  praecox  Jord.  Gossensass,  Ritten,  Primör. 
—  G.  Verloti  Jord.  Ritten  (12).  —  Stachys  recta  L.  var.  labiosa 
Bertol,  Yal  Tresenga,  Yal  Daone,  Campobruno,  Monte  Trap- 
pola  (31,  34). 

Primula  latifolia  Lap,  =  P.  viscosa.  All.  Paznaun.  —  P.  oeneusis 
Thom.  var.  Judicariae^)  Widm.  Alpe  Magiassone  von  Porta 
als  P.  Portae  erhalten  (daselbst  S.  51 — 88).  —  (?)  P.  ealycina 
Duby,  vom  Comersee  bis  in  das  angrenzende  Judicarien  (71); 
Monte  Bondol  (31;  ob  Tirol?)  —  P.  auricula  L.  var.  pusilla 
Goir.    Monte    Posta    2235  m  (34),  —    P.  Paanonica    Kern.  = 


')  Stengel  aufrecht,  bis  30  cm  hoch,  bloss  oberhalb  ästig;  von  G.  Ger- 
manica Willd.  durch  sehr  ungleiche,  gewimperte  und  am  Rande  uragerollte 
Kelchzipfel  verschieden. 

Ist  wohl  G.  ealycina  (Koch).  —  Red. 

0  nE.  alpina"  wird  für  das  Gebiet  noch  angegeben  von  Grisebach 
in  Linnaea  1852,  603:  Paznaun  und  Gelmi  prosp.  1'24:  ital.  Tirol. 

')  Name  falsch  gebildet;  sollte  Judicariarum  lauten. 


277 

P.  inflata  Kern.,  Pax  iion  Lehm.  ital.  Tirol  mit  P.  officinalis 
(31)  (?;  s.  71,  8.  130,  Kern,  sched.  IV,  47). 

JJdphrw  Mezereum  L.  var.  serotina  Goir.  Costabella  und  Goal  santo 
am  Baldo,  2060  m  und  Cima  Posta  2235  m. 

Thesiurn  divaricatwn  Jan,  bei  Cles  mit  Bonjeania;  ganz  gleiches 
Vorkommen,  wie  in  den  Beständen  von  Plmis  halepensis  bei 
Nizza  (34). 

Salix  grandifolia  Sei",  f.  androgytia  Gelmi.  Povo  (31).  —  S.  nigri- 
cans yc^hastata.  Solstein  (52). 

Älnus  viridis  (Chaix)  var.  pilosa  Gelmi.  Monte  Vasone  bei  Trient  (31). 

Sparganiurn  neglectum  Beeby.  Riva  (4). 

Nigritella  nigra  (L.)  f.  long  ihr  acteata  Beck.  Patscherkofel  (69). 

Muscari  neglectum  Guss.  Trient. 

Garex  vulgaris  Fr.  f.  rhizogynu  Gelmi.  Bondone.  —  C.  subnivalis 
Arv.  Touv.  Fassa  unterer  Nonsberg,  Paganella.  —  C.  firma 
f.  rhizoqyua  Bondone.  —  G.  hirta  var.  hirtaeformis  Pers.  Ital. 
Tirol  (31). 

MiliiDii  effusuiti  L.  eine  sich  an  var.  violaceuin  Holl.  annähernde 
Form  bei  Gschnitz,  Mühlwald  und  Lappach;  eine  solche  mit 
grünen,  violettberandeten  Spelzen  bei  Kitzbiihel  (6). 

Pteridophyta. 
Botrychium  Lunaria  var,  nana  Gelmi.  Trient,  an  heissen  Stellen  (81). 

Laubmoose. 

Sphagnmn  (juinquefarium  (Braithw).  Gschnitzthal  (41),  ital.  Tirol 
in  Wäldern,  häufiger  als  S.  acutifolium.  —  S.  sidmitens  (Car- 
dot).  Fersinathal.  —  5».  Warastorfi.i  Russ.  Rabbi,  Joch  Grimm. 
—  S.  Russowii  Warnst.  Joch  Grimm.  —  S.  Duseni  Warnst. 
Ritten.  —  S.  platyphyllum  (Süll.)  Pine.  —  Campylopus  txr- 
faceus  Br.  Eur.  Pine.  —  Seligeria  calcarea  Dicks.  Campiglio: 
Geheeb.  —  Trichostomum  uitidum  (Lindb.)  Riva. 

Botanische  G-esellschaften,  Vereine,  Congresse  etc. 

Nach  dem  soeben  erschienenen  Geschäftsbericb  t  der 
Gesellschalt  deutscher  Naturforscher  und  Aerzte  pro  1893  zählte 
die  Gesellschaft  Ende  1893  1 186  Mitglieder.  Dem  Vorstaude  gehören 
u.  A.  au:  Prof.  G.  Kraus  (Halle)  als  Vorstandsmitglied,  Prof. 
A.  V.  Kerner  (Wien)  als  Geschäftsführer  pro  1894,  Prof.  Pfeffer 
(Leipzig),  Prof.  N.  Frings  heim  (Berlin),  Prof.  R.  v.  Wettstein 
(Prag)  als  Mitglieder  des  wissenschaftlichen  Ausschusses. 


Die  botanische  Sectiou  der  schlesischen  Gesellschaft  für 
vaterländische  ('ultur  wurde  vom  1.  Jänner  1894  ab  in  eine  zoo- 
logisch-botanische Section  erweitert. 


278 

Botanische  Sammlungen,  Museen,  Institute  etc. 

Die  Herren  Boulay  (Lille)  und  Bouly  de  Lesdain  (Diiii- 
kerque)  planen  die  Herausgabe  eines  Exsiccatenwerkes  unter  dem 
Titel  ,,Rubi  praesertim  Gallici  exsiccati".  Das  Werk  wird  in  Serien 
ä  50  Nummern  erscheinen;  Preis  pro  Serie  25  Francs.  —  Auskünfte 
ertheilt  Herr  Professor  Boulay  in  Lille  (Frankreich),  nie  de  Toul. 


Die  botanischen  Sammlungen  des  verstorbenen  Dr.  G.  Casa- 
retto,  umfassend  eine  reiche  Bibliothek  und  Herbarium,  wurden 
dem  botanischen  Institute  in  Genua  (Prof.  Pen  zig)  geschenkweise 
übergeben.  

Wir  erhalten  folgende  Zuschrift: 

Dahurische  Pflanzen! 

Nach  6  jährigem  Aufenthalte  in  Dahurien  (Nerczynsk)  bin  ich 
mit  einer  reichen,  schön  präparirten  Sammlung  dortiger  Pflanzen 
in  meine  Heimat  zurückgekehrt.  —  Ich  beabsichtige  an  Botaniker 
diese  Pflanzen  käuflich  abzugeben,  2—3',  Centurien  zum  Preise 
von  24  Mark  pro  Centurie  bei  Francozusendung  bis  an  die  deutsche 
Grenze.  Reflectirende  Herren  ersuche  ich  baldigst  mich  zu  l)enach- 
tigen  unter  meiner  Adresse:         Apotheker  Ferdinand  Karo 

in  Magnuszew,  Gouvernement  ßadom,  Polen. 


Botanische  Forschungsreisen. 

Dr.  V.  Scbiffner  hat  im  Verlaufe  des  vei-gangenen  Winters 
und  Frühjahres  eine  grö.'^sere  Anzahl  von  botanischen  Excursionen 
in  Westjava  durchgeführt  und  sich  sodann  nach  Ostjava  begeben. 
Er  gedenkt  seine  Reise  nach  Sumatra  auszudehnen.  Im  Monate  Mai 
langte  der  erste Theil  seiner  Ausbeute  im  botanischen  Institute 
der  deutschen  Universität  Pra,g  ein  Dieselbe  füllte  27  Kisten, 
von  denen  insbesondere  13  grosse  Kisten  mit  Spirituspräparaten  ganz 
ausserordentlich  schönes  und  werthvolles  Materiale  enthielten. 


Die  dänische  Regierung  wird  in  den  beiden  nächsten  Jahren 
Tiefsee-Expeditionen  nach  den  grönländischen  und  isländischen 
Gewässern  entsenden,  an  denen  u.  A.  auch  ein  Botaniker  theil- 
nehmen  wird. 

Die  kais.  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien  veranstaltet 
auch  heuer  in  Fortsetzung  der  Forschungen  der  vergangenen  Jahre 
eine  Tiefsee-Expedition,  an  der  auch  diesmal  kein  Botaniker  theil- 
nehmen  wird.  

Nach  einer  Meldung  der  Leipziger  illustrirten  Zeitung  unter- 
nimmt der  Leipziger  Lehrer  Fr.  Woenig  im  Auftrage   des  ungari- 


279 

sehen  Ministeriums  für  Cultus  und  Unterricht  eine  botanische 
Studienieise  in  verschiedene  Steppengebiete  des  unofarischen  Tief- 
landes. 

Preisausschreibung. 

Der  Deutscht'  F ischerei -Ver ei  n  in  Berlin  schreibt  u.  A. 
folgenden  Preis  aus: 

Es  sollen  die  Entwicklungsgeschichte  und  die  Lebensbedin- 
gungen des  Wasserpilzes  LeptonUtus  lactrus  mit  besonderer 
Berücksichtigung  seines  Auftretens  und  Wiederverschwindens  in 
verunreinigten  Wässern  —  untersucht  werden. 

Einlieferuiigstiig  1.  November  1895.  Preis  600  Mk. 
Preisrichter:  Dr.  F.  Hulwa   (Breslau);    Prof.    Dr.  0.  Kirch- 
ner (Hohenheim);  Prof.  Dr.  P.  Magnus  (Berlin);  Prof  Dr.  C.  Wei- 
gelt  (Berlin). 

Die  Arbeiten  dürfen  in  deutscher,  französischer  oder  englischer 
Sprache  abgefasst  sein.  Die  Maauscripte  bleiben  Eigeiithum  der 
Einsender,  doch  behält  sich  der  Deutsche  Fischerei-Verein  das  Kecht 
des  Abdruckes  der  })reisgekrönten  Arbeiten  in  seiner  „Zeitschrift  für 
Fischerei"  vor.  Die  Vei-öffentlichung  der  nicht  pieiswürdigen  Manu- 
scripte  in  derselben  Zeitschrift  steht  dem  Deutschen  Fischerei- 
Verein  ebenfalls  gegen  das  übliche  Mitarbeiterhonorar  von  50  Mk, 
pro  Bogen  zu.  Die  preisgekrönten  Autoren  übernehmen  die  Pflicht, 
falls  sie  vor  der  Veröftentlichung  eine  nochmalige  Ueberarbeitung 
unter  Einfügung  etwaiger  neuer  eigener  F'  o  r  s  c  h  u  ii  g  e  u  wünschen, 
diese  revidirteu  Manuscripte  innerhalb  3  Monaten  nach  der  Rück- 
gabe druckfertig  wieder  vorzulegen.  Die  deutlich  geschriebenen 
Manuscripte  sind  mit  einem  Kennwort  zu  bezeichnen  und  in  ver- 
schlossenen Briefumschlägen  unter  gleichem  Kennwort  mit  dem  Namen 
und  Wohnort  des  Verfassers  zu  versehen.  Andeutungen,  welche  die 
Person  des  Einsenders  errathen  lassen,  schliessen  von  der  Preis- 
bewerbung aus,  ebenso  ein  verspätetes  Eintretfen  der  Bearbeitungen. 
Die  Sendungen  sind  eingeschrieben  zu  richten  an  den  General- 
secretär  des  Deutschen  Fischerei- Vereins,  Prof.  Dr.  We igelt,  Ber- 
lin S.  W..  Zimmerstrasse  90/91. 


Personal-Naclirichteii. 

Professor  Dr.  H.  Molisch  (Graz)  wurde  von  der  kais.  Akademie  der 
Wissenschaften  in  Wien  zum  corresp.  Mitgliede  gewählt. 

Hofrath  Prof.  Dr.  J.  W  iesn  er  feierte  am  24.  Juni  das  25jährige  Juhiläum 
als  Professor.  Aus  diesem  Anlasse  wuiden    ihm  vielseitig  Ovationen   bereitet. 

Prof.  Dr.  R.  v.  Wettstein  wurde  zum  Ehrenraitgliede  des  natur- 
wissenschaftlichen Vereines  an  der  Universität  Wien  g.^wälilt. 

Prof.  Dr.  P fitzer  (Heiilelbers)   wurde  zum  treheimen  Hofrathe  i'inaiint. 

Der  Phykologe  A.  Derbys  in  ]\Iar>eillc  ist   <:est(irbin. 

In  Bristul  starb  der  Professor  der  Botanik  Dr.  A.  Leipner. 

Dr.  Tli.  Morony,  Curator  am  Columbia  Collegf,  ist  gestorben. 


280 

Inhalt  der  Jull-Nnmmer.  Eehmann  Dr.  A.  Hieracium  Auricula  L.  und  Hieracmm  alpimim  L. 
S.  241.  —  Wettstein  Lir.  K.  v,  Untel•^uclmngen  über  Pflanzen  der  ö-terreii-hisch-unga- 
rischen  Monarchie.  S.  244.  —  Arnold  Dr.  F.  Lichenologische  Fragmente.  S.  249.  —  Kränz- 
lin  F.  Orchiiiaceae  Papuanae.  S.  253.  —  Freyn  J.  Plantae  novae  Orientalen.  S.  257.  — 
Zukal  H.  Beitrüge  zur-  Kenntniss  der  Cyanophyceen.  S.  266.  —  Litteratnr-Uebersicht.  S.  268. 

—  Flora    von   Oesterreich-Üngarn.    Sarntliein   Ludwig    Graf.    Tirol   und  Vorarlberg.    S.  272. 

—  Botanisclie  Gesellschaften,  Vereine,  Congresse  etc.  S.  277.  —  Botanische  Sammlungen. 
Museen.  Institute  etc.  S.  278.  —  Botanische  Forschungsreisen.  S.  278.  —  Preisaussflireibiing. 
S.  279.  —   Personal-Nachrichten.  S.  279.  —  Inserate.  S.  280. 

Redacteur:  Prof.  Dr.  R.  v.  Wettstein,  Prag,  Smichow,  Ferdinand.squai  14. 

Verantwortliclier  Redacteur:  Hermann  Manz,  Wien  I.,  Barbaragasse  2. 

Verlag  von   Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


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nuiig  abgesehen  werden. ^  —  Der  Verfasser  ist  seit  20  Jahren  Professor  der  Botanik  an  der 
Universität  zu  Quito. 


Diesem  Hefte  liegt  bei:  Tafel  III.  —    l'reisverzeicliiils.s  von  (iehrii«|pr 
van  Velsen. 


OSTERREICHISCHE 

BOTANISCHE  ZEIfSCHBIFT, 

Herausgegeben  und  redigirt  von  Dr.  Richard  R.  v.  Wettstein, 

Professor  an  der  k.  k.  deutschen  Universität  in  Prag. 


Verlag  von  Carl  Gerold's  Sohn  in  Wien. 


XLIV.  Jahrgang,  N"'  8. 


Wien,  Anglist  1894. 


Beiträge  zur  Kenntniss  der  Cyanophyceen. 

Von   H.  Zukal   (Wien). 

(Fortsctzuntf. ') 

Die  Cyanophycinkörner. 

Dieselben  werden  am  besten  durch  ihre  leichte  Löslichkeit  (?) 
in  sehr  verdünnter  Salzsäure  und  durch  den  Umstand  gekennzeichnet, 
dass  sie  sich  mit  Hämatoxylin  intensiv  blau  färben.  Auch  sonstig 
erweisen  sich  diese  Kömer  als  cyanopbil.  Davon  kann  man  sich 
leicht  überzeugen,  wenn  man  das  mit  Alkohol  fixiite  und  entfärbte 
Material  mit  einem  Gemisch  von  Methylenblau  und  Fuchsin  oder 
von  Eosin  und  Hämatoxylin  behandelt. 

Ein  grosser  Theil  der  Forscher  betrachtet  diese  Körner  als  ein 
erstes  Assimilationsproduct,  also  für  ein  der  Stärke  ähnliches  Kohlen- 
hydrat. Es  lässt  sich  auch  in  der  That  nicht  leugnen,  dass  die 
Cyanophycinkörner,  besonders  in  den  Sporen  und  Manubrien,  ganz 
den  Eindruck  eines  ReservestoflFes  machen.  Doch  ist  der  Beweis  für 
diese  Ansicht  noch  in  keiner  Weise  erbracht.  Hieronymus  hält 
dieselben  Körner  für  einen  integrirenden  Bestandtheil  seines  oifenen 
Zellkernes  und  für  homolog  den  körnigen  Bestandtheilen  der  Zell- 
kerne höherer  Gewächse.  Ich  selbst")  habe  die  Cyanophycinkörner. 
allerdings  nur  im  hypothetischen  Sinne,   als  Zellkerne  angesprochen. 

Mich  leiteten  hiebei  folgende  Gesichtspunkte : 

1.  Sind  die  Körner  in  den  weitaus  meisten  Fällen  diejenigen 
BevStandtheile  der  Cyanophyceenzelle,  welche  sich  am  besten  färben 
lassen. 

2.  Widerstehen  die  Cyanophyrinkörner,  von  den  vereinzelt  auf- 
tretenden Nucleinkörpem  abgesehen,  am  längsten  dem  Einflüsse  der 
Verdauungsflüssigkeiten. 

3.  Stehen   diese  Körner   in    einem  mehr  oder  jninder  directen 


')  Verpl.  Nr.  7,  S.  266. 

"')    H.  Zukal.    üeber  den  Zellinhalt  der  Schizophyten.    Sitzungsber.  d. 
k.  Akad.  d.  Wiss.  in  Wien.  Matbem.-naturw.  Cl.  Bd.  CT,  Abth.   1.  1892. 

Oesterr.  botan.  Zeitschrift.  8.  Heft.  1894.  <>2 


2Ö2 

Zusammenhange  mit  einer  im  Innern  der  Zellen  zuweilen  nachweis- 
baren, centralen  Substanz. 

Dazu  kommt  noch  ihre  ausgesprochene  Cyanophilie,  sowie  der 
Umstand,  dass  sie  auch  zur  Zelltheiluni'  in  einer  gewissen  Beziehung 
zu  stehen  scheinen.  ')  Gegen  meine  Hypothese  hat  man  allerdings 
eingewendet,  dass  alle  Zellkerne  Nuclein  besitzen  und  zwar  ein 
Nuclein,  welches  nach  Anwendung  sehr  verdünnter  Salzsäure  nicht 
verschwinde,  sondern  im  Gegentheile  nur  noch  glänzender  hervor- 
trete. Da  nun  die  Chlorophycinkörner  in  sehr  verdünnter  Salzsäure 
verschwinden,  so  könnten  sie  auch  kein  Nuclein  enthalten,  folglich 
auch  keine  Zellkerne  sein. 

Auf  diesen  Einwand  kann  ich  nur  mit  der  Frage  antworten, 
ob  es  nicht  eine  Modification  des  Nuclein  geben  könne,  welche  in 
sehr  verdünnter  Salzsäure  löslich  ist?  Ich  verweise  in  Bezug  auf 
diesen  Punkt  auf  A.  Kossel's  Arbeit:  Ueber  die  Nucleinsäuren. 
(Arch.  f.  Anat.  und  Physiol.  1893  Phys.  Abth.  p.  157—164).  Doch 
habe  ich  keineswegs  die  Absicht,  hier  für  meine  Hypothese  eine 
Lanze  zu  brechen,  im  Gegentheile,  ich  sehe  ein,  dass  die  ganze 
Frage  nach  dem  Zellkern  der  Cyanophyceen  so  lange  vertagt  werden 
muss,  bis  Genaueres  über  die  chemische  Constitution  und  die  physio- 
logische Bedeutung  der  Inhaltskörper  festgestellt  sein  wird.  Desto 
eingehender  will  ich  mich  mit  diesen  Inhaltskörpern  selbst  beschäf- 
tigen und  vor  Allem  mit  den  Cyanophycinkörnern.  Da  muss' ich 
vor  allem  Anderen  betonen,  dass  ich  das  Cyanophycinkorn  nicht  für 
einen  einfachen  cliemischen  Körper,  sondern  für  einen  distinct  diffe- 
renzirten  Theil  des  Plasmas,  oder  mit  anderen  Worten,  für  ein  be- 
stimmtes Organ  des  Protoplasten  halte,  dessen  Hauptfunetion  aller- 
dings darin  besteht,  Cyanophycin  auszuscheiden.  Zu  dieser  Auffassung 
bin  ich  hauptsächlich  durch  den  Umstand  gelangt,  weil  ich  glaube 
beobachtet  zu  haben,  dass  sich  die  Cyaiiophycinkörner  in  einer  ähn- 
lichen Weise  theilen  können,  wie  etwa  die  Chlorophyllkörner.  Mit 
dieser  Auffassung  scheinen  die  Beobachtungen,  welche  ich  über  die 
Quellbarkeit  der  Cyanophycinkörner,  sowie  über  ihr  Verhältniss  zu 
den  rothen  Körnern  (Schleimkugeln)  und  zur  centralen  Substanz 
gemacht  zu  haben  glaube,  gut  zu  harmoniren.  Was  nun  die  Theil- 
barkeit  der  Körner  anbelangt,  so  verweise  ich  hier  einfach  auf  die 
Figuien  Nr.  11  und  12  meiner  oben  citirteu  Abhandlung.  Die- 
selben sind  nach  der  Natur  gezeichnet  und.  wie  ich  glaube,  gar  nicht 
misszudeuten. 

Bezüglich  der  Quellbarkeit  der  Cyanophycinkörner  wird  ge- 
wöhnlich angfenommen,  dass  sie  sich  in  verdünnter  Salzsäure  einfach 


')  Siehe  meine  diesbezüglichen  Angaben  in  der  auf  S.  281  citirteu  Abhand- 
lung, sowie  auch  die  Beobaclitungen  von  Chodat  über  die  Zelltheilung  von 
OsciUaria.  Chodat  et  Malinesco,  Structure  cellulaire  des  Cyanophycöes. 
(Extr.  des  Aichives  des  Sciences  physique-i  et  naturelles.  Gen^ve.  3.  pöriode, 
t.  XXVIII  et  XXIX,  1892,93,) 


283 

auflösen.  Diese  Annahme  ist  nicht  ganz  richtig,  denn  die  gelöste 
Substanz  bleibt  in  einem  ringsum  lückenlos  geschlossenen  Häutchen 
eingeschlossen,  ohne  durchzubrechen  oder  hinduroh  zu  diffundiren. 

Man  kann  sich  von  dieser  Thatsache  am  besten  überzeugen, 
wenn  man  einzelne,  mit  dem  Zellinhalte  herausgepresste  Cyano- 
phycinkörner  mit  sehr  verdünnter  Salzsäure  behandelt.  Befinden  sich 
die  Cyanophycinkörner  innerhalb  des  Zelllumens,  so  bilden  sich  nach 
Anwendung  von  verdünnter  Cl  H  durch  gegenseitige  Abplattung  der 
Körnerhüllen  und  des  übrigen  Zellinhaltes  genau  so  viele  Waben, 
als  Cyanophycinkörner  vor  der  Anwendung  der  Salzsäure  vorhanden 
waren.  Dieses  Wabengerüst  lässt  sich  sogar  fixiren  und  färben,  man 
erhält  dann  Dauerpräp;<rate,  welche  eine  erstaunliche  Aehnlichkeit 
mit  Bütschli's')  Figuren,  insbesondere  mit  Nr.  11  zeigen.  Sogar 
die  rothen  Punkte  an  den  Knotenpunkten  der  Waben  fehlen  nicht, 
vorausgesetzt,  dass  man  mit  Hämatoxylin  gefärbt  und  in  Glycerin 
eingelegt  hat. 

Eine  nähere  Untersuchung  ergibt  aber,  dass  diese  rothen  Punkte 
keine  geformten  Körnchen,  sondern  nur  ein  optischer  Effect  sind, 
welcher  entsteht,  wenn  man  die  Wabenecken  von  einer  gewissen 
Höhe  aus  betrachtet.  •';  Das  Merkwürdigste  an  der  ganzen  Quellungs- 
erscheinung ist  aber  die  von  mir  aufgefundene  Thatsache.  dass  die 
durch  Behandlung  mit  Salzsäure  in  die  Wabenform  übergeführten 
Cyanophycinkörner  wieder  die  ursprüngliche  Körnerform  erhalten, 
wenn  man  zu  dem  Beobachtungstropfen  eine  nicht  zu  schwache 
Lauge  von  Aetzkali  oder  Aetznatron  zufli essen  lässt. 

An  dieser  Stelle  will  ich  auch  eines  räthselhaften  Vorganges 
gedenken,  den  ich  bei  mehreren  Cyanophyceen  beobachtet  habe.  Bei 
Oomphosphaeria  aponina  Ktz.  z.  B.  reisst  unter  gewissen  Umständen 
die  Membran  über  der  Längsachse  der  keilförmigen  Zelle  auf  und 
der  ganze  Zellinhalt  quillt  durch  den  Längsspalt  der  Zelle  nach 
aussen.  Um  diese  Zeit  scheint  das  Chromatophor  aufgelöst  und  der 
Farbstoff  im  Zellinhalt  diffus  vertheilt  zu  sein.  Auch  hat  der  ganze 
Inhalt  ein  wässeriges,  substanzarmes  Ausseheji  gewonnen  und  nur 
ein  sehr  geringes  Aufspeicherungsvermögen  gegen  Farbstoff  bewahrt. 
Die  Cyanophycinkörner  dagegen  zeichnen  sich  sowohl  durch  ihre 
Grösse,  als  auch  durch  ein  glänzendes  Aussehen  aus.  Der  durch  den 
Längsriss  ausgetretene  Zellinhalt    löst  sich  leicht  im  Beobachtungs- 


'j  0.  Bütschli,  Ueber  den  Bau  der  Bacterien  und  verwandten  Orga- 
nismen. Leipzig  1890. 

*)  Bei  der  Anfertigung  von  Dauerpräparaten  über,  durch  gequollene 
Cyanophycinkörner  verursachte  Wabenbildung  schlage  ich  folgendes  Vei fahren 
ein:  Ich  fixire  mit  absolutem  Alkohol,  entfärbe  durch  wiederholte  Anwendung 
siedenden  Alkohols.  Dann  werden  die  Fäden  ausgewaschen  und  ii  Stunden 
in  sehr  verdünnte  Salzsäure  gelegt.  Dann  wird  wieder  gewaschen  und  schliess- 
lich mit  Eosin  oder  Hämatoxylin  gefärbt  und  in  Glycerin  eingelegt.  Die 
Präparate  fallen  um  so  instructiver  aus,  je  weniger  Körner  a  priori  vor- 
handen  sind. 


284 

tropfen  auf,  während  sich  die  Körner  unter  taumelnden  Bewegungen 
(Brown'sche  Bewegung?)  zerstreuen.  Das  Austreten  des  Zellinhaltes 
scheint  bei  dieser  Alge,  wenigstens  im  Herbst  und  Spätherbst,  häufig 
vorzukommen,  denn  ich  fand  in  dieser  Jahreszeit  zahlreiche  Exem- 
plare, deren  Zellen  sämmtlich  entleert  waren. 

Bei  Gloeotrichia  pisuni  (Ag.)  Ph.  beobachtete  ich  mehrmals, 
aber  nur  in  Zimmerculturen,  dass  sich  einzelne  Fäden  im  Thallus, 
anstatt  sich  nach  oben  zu  haarförmig  zu  verdünnen,  im  Gegentheile 
keulenförmig  verdickten. ')  Gleichzeitig  zeigt  der  Inhalt  der  3—6 
letzten  Zellen,  welche  die  Keule  bilden,  ein  ähnliches  Aussehen,  wie 
die  Zellen  von   Gomphosphaeria  vor  ihrer  Entleerung. 

Indem  nun  der  Turgor  dieser  Zellen  sichtbar  zunimmt,  reisst 
endlich  die  Terminalzelle  auf  ihrem  Scheitel  uuregelmässig  auf. 
Dabei  wird  aber  nicht  nur  der  Inhalt  der  Scheitelzelle,  sondern  auch 
gleichzeitig  der  der  übrigen  Zellen  der  Keule,  deren  Querwände  eben- 
falls aufreissen,  entleert.  Die  Kömer  zerstreuen  sich  wieder  unter 
taumelnden  Bewegungen  im  Wasser. 

Bei  einer  dicken  Oscülaria  sah  ich  einmal,  dass  sich  eine 
ganze  Eeihe  scheibenförmiger  Zellchen  aus  dem  Fadenverbande  los- 
löste. Bald  darauf  trat  auch  ihr  Inhalt  durch  einen  in  der  Mitte 
der  Scheibe  gelegenen  Porus  in  das  Wasser.  Dabei  zeigten  die  auf- 
fallend grossen  Körner  wieder  ein  glänzendes  Aussehen  und  die 
bereits  wiederholt  erwähnte  taumelnde  Bewegung.  Etwas  Aehnliches 
glaube  ich  auch  bei   Tolypothrix  lau  ata  beobachtet  zu  haben. 

Die  Deutung  des  Vorganges  der  Körnerausstreuung  ist  nicht 
eben  leicht.  Möglicherweise  handelt  es  sich  hierbei  um  gewisse 
Quellungserscheinungeu,  welche  die  Degeneration  und  Nekrosis  der 
bezüglichen  Organismen  begleiten.  Es  wäre  aber  auch  möglich,  dass 
die  ausgestreuten  Körner  als  Gameten  functioniren.  Selbstverständ- 
lich dürften  dieselben  dann  nicht  mehr,  trotz  ihres  Cyanophycin- 
gehaltes,  als  gewöhnliche  Cyanophycinkörner  angesprochen  werden. 
Weitere  Aufklärungen  über  das  interessante  Phänomen  der  Körner- 
ausstreuung müssen  wir  von  zukünftigen  Beobachtungen  erwarten. 

Bezüglich  der  Lage  der  Cyanophycinkörner  innerhalb  der  Zelle 
herrscht  in  der  Literatur  eine  gewisse  Unsicherheit.  In  neuester  Zeit 
scheinen  einige  Autoren ")  der  Ansicht  zu  huldigen,  dass  den  Cyano- 
phyceenkörnern  in  den  einzelnen  Gattungen  und  Arten  eine  bestimmte 
Stellung  zukomme.  Dies  wäre  ein  arger  Irrthum,  wie  schon  aus  der 
einfachen  Thatsache  erhellt,  dass  in  den  Hormogonien  von  Scyto- 
neina,    Tolypothrior,  Stigonema    etc.    die  Cyanophycinkörner  oft  nach 

')  Diese  Keulenbildung  ist  nicht  zu  verwechseln  mit  keulenförmigen 
Bildungen,  welche  zuweilen  durch  die  Verknäuelung  des  peitschenförmigen 
Fadentlieiles  entstehen. 

^)  Siehe  Palla,  Beitrag  zur  Kenntniss  des  Cyanophyceenprotoplasts. 
Frings heim's  Jahreshücher,  XXV.  Bd.  Heft  4.  Die  Angaben  über  Tolypo- 
thriic  lanata,  p.  540. 


285 

dem  Typus  von  Oscillaria,  also  in  der  bipolaren  Lage  liegen.  Auch 
in  den  Dauerzellen,  Sporen,  Manubrien  etc.  ist  die  Lage  dieser  Körner 
nicht  dieselbe,  wie  in  den  vegetativen  Zellen, 

Ueberhaupt  zeigt  der  Zellinhalt  ein  und  derselben  Species 
besonders  im  Frühling  und  Heibst  sehr  wechselreiche  Bilder.  Auch 
die  Cyanophycinköruer  behalten  nicht  immer  ihre  charakteristischen 
Merkmale  bei.  So  glaube  ich  beobachtet  zu  haben,  dass  sie  sich  im 
Spätherbst  häufig  in  Gebilde  verwandeln,  welche  alle  Eigenthüm- 
lichkeiten  der  rothen  Körner  (Schleimkugeln  Palla's)  zur  Schau 
tragen.  Zu  anderen  Zeiten  sondern  sie  ein  fettes  Oel  ab.')  Ja  bei 
Hapalosiphon  tenuissimus  Grün,  beobachtete  ich  sogar  im  ver- 
wichenen  Sommer,  dass  sie  eine  ziegelrothe  Färbung  annehmen 
können.  Diese  Färbung  zeigten  alle  Körner  einzelner  Exemplare, 
welche  aus  dem  Egelsee  bei  Millstadt  stammten,  während  die  gleich- 
liegenden Körner  anderer  Individuen  desselben  Standortes  das  nor- 
male Aussehen  hatten. 

Mit  starker  Schwefelsäure  behandelt,  verfärbte  sich  der  ziegel- 
rothe Farbstoff  in  ein  schmutziges  Violett,  wobei  jedoch  die  Körner 
nur  massig  aufquollen.  Absoluter  Alkohol  verwandelte  das  ziegel- 
rothe Pigment  augenblicklich  in  ein  Braungrün  und  löste  dasselbe 
sofort,  so  dass  die  Körner  vollkommen  farblos  zurückblieben.  Wenn 
ich  dann  letztere  mit  sehr  verdünnter  Salzsäure  behandelte,  so  ver- 
wandelten sie  sich  unter  massiger  Volumsvergrösserung  in  Hohl- 
kugeln, ohne  sich  zu  lösen. 

Wenn  man  mir  mit  Bezug  auf  die  eben  erwähnte  Eeaction 
die  Frage  vorlegen  würde,  was  mich  zu  der  Behauptung  berechtige, 
dass  die  Cyanophycinkörner  den  rothen  Farbstoff  ausgeschieden 
hatten,  so  müsste  ich  antworten:  der  Vergleich  mit  anderen  Indi- 
viduen derselben  Species,  welche  normale  Cyanophycinkörner  besassen. 
Dieser  Vergleich  liess  gar  keinen  Zweifel  darüber  aufkommen,  dass 
die  ziegelrothen  Körner  sich  aus  den  gewöhnlichen  Körnern  ent- 
wickelt haben  mussten.  Was  nun  den  ziegelrothen  Farbstoff  selbst 
anbelangt,  so  halte  ich  denselben,  infolge  der  angegebenen  Reactionen, 
für  einen  Fettfarbstoff  oder  Lipochrom. 

üeber  die  Bedeutung  der  Cyanophycinkönier  für  den  Haushalt 
der  Zelle  wissen  wir  nichts  Sicheres.  Viele  halten  sie  für  ein  erstes 
Assimilationsproduct,  Hieronymus  dagegen  hält  sie  für  Stickstoff- 
speicher. Nach  Marx  0  stehen  sie  zu  der  Ernährung  in  einer  directen 
Beziehung,  denn  es  gelang  ihm  bei  seinen  Oscillarien  durch  geeignete 
Nährlösungen  stets  die  Cyanophycinkörner  in  klumpige  Massen  über- 

')  Ich  war  früher  der  Ansicht,  dass  das  fette  Oel  im  Cjtoplasma  ent- 
stehe und  nur  auf  den  Körnern  niedergeschlagen  werde.  Meine  Beobachtungen 
an  lebendem  Material  zwingen  mich  aber  zu  der  Annahme,  dass  die  Cyano- 
phycinkörner selbst  dieses  Fett  ausscheiden. 

')  A,  Marx,  Untersuchungen  über  die  Zellen  der  Oscillarien.  Inaugural- 
Dissertation.  Schwelm   1892. 


286 

zuführen.')  Wie  dem  auch  sei,  das  Mitgetheilte  wird  genügen,  um 
zu  zeigen,  wie  viele  und  mannigfaltige  Probleme  sich  allein  an  die 
Cyanophycinkörner  knüpfen. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Nomenclatorische  Bemerkungen. 

Von  Dr.  Karl  Fritsch   (Wien). 

VIT.  Welcher  Pflanzengattiing  gebührt  der  Name 
Urceolaria? 

Bis  in  die  neueste  Zeit  wurde  allgemein  eine  Flechtengattung 
mit  dem  Namen  Urceolaria  bezeichnet.  Dieselbe  wurde  von  Acha- 
rius  im  Jahre  1798  beschrieben.")  Allerdings  waren  schon  früher 
zwei  Blüthenpflanzen  als  Urceolaria  bezeichnet  worden:  eine  Gesne- 
riacee  {Sarmieata  R.  P.)  und  eine  Rubiacee  (Schradera  Vahl).  Erstere 
beschrieb  ein  vorlinne'scher  Autor,  Feuillee,'')  letztere  wurde  von 
Willdenow^)  aufgestellt.  Diese  beiden  Gattungen  wurden  aber 
allgemein  mit  den  Namen  Sartaieata  R.  P.  und  Schradera  Vahl 
bezeichnet  und  collidirten  daher  nicht  mit  der  Flechte  Urceo- 
leria  Ach. 

Selbstverständlich  wurde  0.  Kuntze  bei  Bearbeitung  seiner 
„Revisio  generum  plantarum"  auf  diese  alten  Namen  aufmerksam 
und  verwarf  den  Namen  Urceolaria  Achar.,  indem  er  diesen  Gattungs- 
namen für  die  Gesneriaceengattung  Sarmienta  R.  P.  in  Anspruch 
nahm.  Die  Flechtengattung  Urceolaria  Achar.  nennt  Kuntze  Lager- 
heimina;') Indessen  hat  Z  a  h  1  b  r  u  c  k  u  e  r ')  darauf  aufmerksam  gemacht, 


')  Sollten  sich  die  Angaben  von  M  arx  bewähren,  so  würde  dies  nicht 
gegen  meine  Hypothese  von  der  Zellkernnatur  der  Körner  sprechen,  denn  in 
neuester  Zeit  macht  sich  wenigstens  hei  den  Zoologen  eine  Reaction  gegen 
jene  Anschauung  geltend,  welche  in  dem  Zellkern  den  Träger  der  erblichen 
Eigenschaften  erkennen  will.  Schon  behaupten  Einige,  dass  nicht  der  Kern, 
sondern  das  Centrosoraa  die  erste  Rolle  im  Aufbau  der  Zelle  spielt.  Verworn 
u.  A.  halten  dagegen  den  Zellkern  für  ein  Stoffwecliselorgan  der  Zelle  und 
betonen,  dass  bei  den  bekannten  Bovesi 'sehen  Experimenten  stets  auch  das 
Centrosoma  mit  dem  Kern  entfernt  worden  sei.  Die  Botaniker  haben  zu  diesen 
Fragen  allerdings  noch  nicht  Stellung  genommen,  doch  möchte  ich  andeuten, 
dass  der  Auffassung  des  Zellkernes  als  Stoffwechselorgan  geringere  Schwierig- 
keiten gegenüberstehen,  als  der  eines  Trägers  der  vererblichen  Eigenschaften. 

Siehe  Weis  mann,  Keimplasma,  Jena  1892. 

Verworn,  Die  physiologische  Bedeutung  des  Zellkernes,  Pflüger's 
Archiv  1891.  Die  Bewegung  der  lebendigen  Substanz,  Jena  1892.  Haake. 
Gestaltung  und  Vererbung.  Leipzig  1893. 

'■')  Acharius,  Lichenographiae  Suecicae  prodromus  p.  30  (1798). 

')  Feuillee,  Journal  des  obaervations III.,  p.  69,  tab,  43  (1825) 

sec.  Pfeiffer. 

*)  Cothenius,  Dispositio  vegetabilium  methodica  a  staminum  numero 
desumta  (Berolini  ITDO),  p.  10. 

')  Kuntze.  Revisio  generum  S.  478. 

^)  Zahlbruckner,  in   „Hedwigia"    1802.  S.  34. 


287 

dass  statt  des  Namens  Lafjerheimina  «ler  von  Norman  im  Jahre 
1853  publicirte  Name  Diploschistes  anzuwenden  sei.  Diesem  Vor- 
gange haben  sich  auch  bereits  andere  Lichenologen,  wie  J.  Müller') 
und  J.  Steiner,  )  angeschlossen. 

Anlässlich  meiner  Bearbeitung  der  Gesneriaceen  für  Engler's 
„Natürliche  Pflanzenfamilien"  musste  ich  zu  der  Umtaufung  der  als 
Sarmienta  R.  P.  allgemein  bekannten  Gattung  Stellung  nehmen. 
Ich  kam  zu  dem  Resultate,  dass  die  Voranstellung  des  Namens 
^ürceolaria  Molina.''  ungerechtfertigt  sei;  dieses  Resultat  möchte 
ich  in  diesen  Zeilen  begründen. 

Dass  Feuillee  schon  im  Jahre  172ö,  wie  oben  citirt  wurde, 
die  in  Rede  stehende  Gesneriacee  als  .,Urceolaria  foliis  carnosis  scan- 
dens"  beschrieb  und  abbildete,  kommt  für  die  Nomenclatur  natürlich 
nicht  in  Betracht.  Allerdings  erschien  im  Jahre  1756.  also  nach 
Beginn  unserer  Nomenclatur,  eine  deutsche  üebersetzuug  des  Fe uil- 
lee'schen  Werkes,^)  in  welcher  auch  die  gar  nicht  schlechte  Ab- 
bildung der  Pflanze  wiedergegeben  ist.  Das  Werk  bleibt  aber  trotz- 
dem vorlinneisch  —  eine  wörtliche  üebersetzuug  kann  nicht  als 
neue  Publication  gelten.  Kuntze  beruft  sich  aber  auf  Molina. 
dessen  „Saggio  sulla  storia  naturale  de  Chile"  im  Jahre  1782  er- 
schienen ist.  Mir  liegt  die  deutsche  üebersetzung  *)  dieses  Werkes 
vor,  in  welcher  es  S.  133  heisst:  „Die  Urceolaria  scandens  (i.  e. 
Urceolaria  follis  carnosis  scandens.  Feuill.)  ....  hat  eine,  1  Zoll 
lange,  in  5  gleiche  Lappen  getheilte  Blume,  von  der  lebhaftesten 
rothen  Farbe."  Dies  ist  absolut  keine  Gattungsdiagnose  und  Molina 
hat  kein  Verdienst  an  der  Aufklärung  dieser  Pflanze.  Meiner  An- 
sicht nach  können  Gattungsnamen  ohne  Diagnose  nicht  anerkannt 
werden.  Ich  bleibe  daher  bei  dem  Namen  Sarmienta  R.  P. ') 

Wesentlich  anders  liegt  die  Sache  mit  Urceolaria  Willd.  Diese 
Gattung  ist  a.  a.  0.  in  folgender  Weise  diagnosticirt:  „Cal.  cam- 
panul.  integerrim.  Cor.  hypocrat.  5  fid.  Stigm.  2  clavat.  Bacca?" 
Sie  steht  in  der  Classe  der  Pentantherae  und  ist  durch  die  Auf- 
schriften: „Flores  simplices;  monopetali;  monoblasti;  bacciferi; 
hypocarpii"  noch  weiter  charakterisirt.  Gerade  die  oben  angeführten 
Merkmale  des  ganzrandigen.  glockigen  Kelches  und  der  2  keuligen 
Narben  sind  für  Schradera  Vahl  sehr  charakteristisch.  Da  die  letztere 
Gattung  erst  im  Jahre  1 796  aufgestellt  wurde, '')  so  hat  sie  der 
Priorität  wegen  den  Namen    Urceolaria  Willd.   zu    führen,    obschon 


')  J.  Müller,  in  Bull,  de  l'herb.  Boissier  I.  p.  41. 

•)  J.  Steiner,  Beiträge  zur  Lichenenflora  Griechenlands  und  Egyptens. 
Sitzungsber.  d.  kais.  Akad.  d.  Wissensch.  in  Wien,  raath.-naturw.  Gl.  Bd.  GII. 
Abth.  I.  S.  165. 

')  üebersetzung  von  G.  L.   Huth.  Nürnberg  1756. 

*)  Versuch  einer  Naturgeschichte  vun  Chili.  Uebe; setzt  von  J.  D.  Bran- 
dis.  Leipzig  178<i. 

*)  Ruiz  et  Pavon,  Prodromus  p.  4  (1794). 

*)  Vahl,  Eclogae  Americanae,  Fase.  I.  p.  35. 


288 

W  i  1 1  d  e  11 0  w  selbst  später ')  diesen  Namen   zu  Gunsten  der  Schra- 
dera  Vahl  zurückgezogen  hat. 

Gmelin  führt  in  der  dreizehnten  Ausgabe  von  Linne's 
„Systema  naturae"  (U.  p.  390)  eine  Urceolarla  exotica  an.  Da  aber 
diese  Art  nicht  diagnosticirt  wird  und  nur  „Willden.  ap.  Cothen." 
dazu  citirt  erscheint,  Willden ow  aber  a.  a.  0.  nur  die  Gattung 
präcisirt,  ohne  eine  Art  zu  beschreiben,  so  kann  der  Artname 
U.  exotica  Gmel.  nicht  acceptirt  werden,  obwohl  ihn  DeCandolle^) 
als  Synonym  zu  Schradera  capitata  Vahl  citirt.  Diese  Art  hat  dem- 
nach Urceolaria  capitata  (Vahl,  Ecl.  L,  p.  35,  tab.  5  [1796]  sub 
Schradera)  zu  heissen.  —  Die  anderen  Arten  hier  aufzuführen  — 
wie  es  Kuntze  in  solchen  Fällen  gethan  hat  —  halte  ich  für 
ganz  unnöthig,  da  es  für  die  Wissenschaft  ohne  Belang  ist,  ob 
mein  Name  oder  ein  anderer  hinter  der  Klammer  steht. 


Untersuchungen    über   Pflanzen    der    österreichisch- 
ungarischen Monarchie. 

Von  R.  V.  Wettstein  (Prag). 
IL 

Die  Arten  der  Gattung  Euphrasia. 

Mit  Tafeln  und  Eartun. 
(Fortsetzung.') 

Ich  bedauere,  die  Pflanze  hier  nicht  unter  dem  Namen  E.  Car- 
pathica,  den  ihr  Freyn  zuerst  gab.  aufführen  zu  können.  Freyn 
unter.schied  und  benannte  die  Pflanze  zwar  schon  lange  vor  1891 
in  handschriftlichen  Aufzeichnungen  und  Briefen,  doch  erfolgte  die 
Publication  der  Benennung  und  Beschreibung  erst  1891.  Indessen 
hatte  Zapalowicz  in  Eoslinua  szata  goi  pokucko-Marm.  (1889) 
eine  andere,  mir  allerdings  zur  Zeit  nur  ganz  unvollständig  bekannte 
Euphrasia  als  E.  Carpathica  benannt  und  beschrieben. 

E.  Tatrae  ist  in  kräftigen  Exemplaren  von  E.  minima,  die 
sie  zu  vertreten  scheint,  recht  auffallend  verschieden  und  zwar  durch 
die  grossen,  breiten,  mehrzähnigen  Stengelblätter  und  Bracteen,  durch 
die  deutlich,  wenn  auch  kurz  gestielten  oberen  Stengelblätter.  Die 
Pflanze  ist  im  Allgemeinen  kräftiger  und  derber  als  E.  minima, 
was  übrigens  schon  mehrfach  früheren  Beobachtern,  wie  z.B.  U  ech- 
tritz (Vergl.  Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1891,  S.  263)  auffiel.  Schwäch- 
liche Exemplare  der  E.  Tatrae  sehen  allerdings  der  E.  minima  sehr 
iihnlich. 


')  Willdenow,  Species  plantarum  II.  p.  "23S. 
*)  De  Candolle.  Prodroinus  TV.  p.  4 '»3. 
')  Vergl.  Nr.  7,  S.  244. 


289 

Auf  einen  Umstand  möchte  ich  die  Herren  Botaniker,  welche 
Gelegenheit  haben.  E.  Tairae  an  Ort  und  Stelle  zu  beobachten, 
aufmerksam  machen,  und  dies  ist  die  ab  und  zu  vorkommende 
drüsige  Behaarung.  Ich  muss  es  vorläufig  dahingestellt  sein  lassen, 
ob  die  Behaarung  gerade  bei  E.  Tatrae  so  wechselnd  ist.  oder  ob 
nicht  vielleicht  das  Auftreten  von  Stieldrüsen  an  einzelnen  Exem- 
plaren auf  hybriden  Ursprung  derselben  zurückzuführen  ist.  Mit 
Rücksicht  auf  die  bei  anderen  Euphrasien  gemachten  Erfahrungen 
möchte  ich  die  letztere  Möglichkeit  nicht  für  ausgeschlossen  erklären. 

20.  E.  drosocalyx  Freyn  in  Catal.  de  la  soc.  Helv.  pour 
l'echange  des  plantes  1885.') 

Diagnose  a.  a.  0.  —  E.  drosocaly.v  differt  a  formis  diversis 
E.  minimae  solum  bracteis  calycibusque  pilis  articulatis 
glanduliferis  plus  minus  dense  obsitis;  hinc  inde  etiam 
folia  caulina,  imprimis  superiora  glandulifera  occurrunt,  Caeterum 
caules  E.  drosocalycia  plemmque  breviores,  racemi  densiores,  flores 
pallidiores  quam  in  E.  minima  sunt. 

Synonyme:  E.  officinalis,  C.  parviflovu  a.  minima  Soyer 
Willemet  Sur  VEuphrasia  officinalis  etc.  p.  (27). 

E.  capitulata  Townsend  in  Journ.  of  Bot.  1890,  p.  164.') 

E.  hirtella  b.  cap'itulata  Gremli  Excursionsflora,  7.  Aufl.,  S.  317 
(1893). 

Exsiccaten:  Schultz  Herb.  norm.  nov.  Ser.  Nr.  2769  (als 
E.  capitulata). 

Blüthezeit:  August— September. 

Verbreitung:  Bisher  blos  in  der  alpinen  Region  der  höheren 
Berge  in  der  Schweiz,  in  Tirol.  Kärnthen,  Salzburg,  im  Rhodope- 
Gebirge. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Ungarn:  Tirol:  Marmo- 
lata  (Poeppitz,  H.  Hofm.);  Schiern  (Fenzl,  H.  Hofm.);  Keller- 
Joch  (Schmuck,  H.  Ferdin.);  Kals-Matreier  Thörl  (Freyn,  H.  Fr.); 
Zimmerross  bei  Kais  (Freyn,  H.  Fr.). 

Kärnthen:  Auf  der  Albizzenhöhe  bei  Heiligenblut  (Freyn. 
H.  Fr.);  Pasterze  bei  Heiligenblut  (Freyn,  H.  Fr..  H.  Hai.,  H.  Mass.): 
Kapponiger  Alm  (Fächer,  H.  Pach.). 

Salzburg:  Gamskarkogl  bei  Gastein  (Roessler,  H.  Tempsky). 

Unter  dem  Namen  E.  drosocaly.r,  als  dem  ältesten,  seien  hier 
alle  der  E.  minima  habituell  vollkommen  ähnelnden  Euphrasien 
mit  drüsiger  Behaarung  zusammengefasst.  Mir  haben  diese,  sorg- 
fältigen Beobachtern,  wie  Freyn  und  Townsend,  schon  längst 
aufgefallenen  Formen  lange  grosse  Schwierigkeiten  bezüglich  ihrer 
Deutung   gemacht.   Ich   werde  die  einschlägigen  Beobachtungen  und 


')  Originalexemplare  sah  ich    im  Herbarium  Fre^n. 
')  Oripinalexemplare    sah    ich    im    Herbare    des    k.  k.    uaturhist.  Hof- 
museums in  Wien,  im  Herbarium  F.  Tempsky.  Frey-n,  Schinz. 


290 

Versuche  an  anderem  Orte  mittheilen,  und  möchte  hier  nur  be- 
merken, dass  zunächst  zwei  Deutungen  möglich  erschienen.  Einer- 
seits war  es  denkbar,  dass  E.  minima  gelegentlich  mit  Drüsen 
variire,  andererseits  erschien  die  Möglichkeit  einer  Bastardbildung 
zwischen  E.  minima  und  einer  typisch  drüsigen  Art  nicht  aus- 
geschlossen. Die  erstere  Deutung  erwies  sich  als  unmöglich,  dagegen 
sprachen  Culturversuche  und  die  Beobachtung,  dass  E.  minima  in 
vielen  Gebieten,  in  denen  sie  ungemein  häufig  ist,  niemals  Stiel- 
drüsen zeigt.  Für  die  zweite  Deutung  sprach  zunächst  der  Umstand, 
dass  E.  drosocalyx  von  vereinzelten  Standorten  bekannt  ist  und 
kein  zusammenhängendes  Gebiet  bewohnt,  dann  die  Thatsache,  dass 
sich  E.  drosocalyx  nur  innerhalb  des  Verbreitungsareales 
von  E.  minima  findet.  Um  der  Entscheidung  der  Frage  näher  zu 
treten,  studirte  ich  die  drüsige  „J^J./mmma"  1893  im  Gebiete  des  Ortler 
und  Stilfserjoches,  wo  sie  I.  Freyn,  wie  ich  aus  seinem  Herbar  ent- 
nahm, auch  beobachtet  hatte.  Im  genannten  Gebiete  wurde  mir  nun 
vollkommen  klar,  dass  die  dort  vorkommende  „drüsige  Euphrasia 
minima"  eine  Hybride  zwischen  E.  hirtella  Jord.  und  E.  minima 
ist.  Ich  möchte  auf  Grund  dieser  Beobachtungen  nicht  daran  zwei- 
feln, dass  auch  drüsige  Exemplare  der  E.  minima  von  anderen 
Standorten  eine  Hybride  dieser  Combination ')  darstellen,  doch  wäre 
es  gewiss  heute  zum  Mindesten  verfrüht,  diese  Deutung  auf  alle 
Exemplare  der  E.  drosocaly.r  auszudehnen.  Mir  erscheint  dies  der- 
zeit wenigstens  als  unthunlich,  nachdem  an  vielen  Standorten  der 
Pflanzen  die  E.  hirtella  noch  nicht  nachgewiesen  wurde "),  nachdem 
Townsend,  der  die  Pflanze  im  Berner  Oberlande  eingehendst  stu- 
dirte, die  hybride  Natur  ausdrücklich  in  Abrede  stellt.  Es  dürfte 
daher  am  richtigsten  sein,  unter  dem  Namen  E.  drosocalyx  vorläufig 
die  mit  E.  minima  übereinstimmenden,  aber  drüsigen  Formen  zu- 
sammenzufassen und  von  ihnen  die  zwar  morphologisch  nahezu 
gleichen,  aber  nachweisbar  aus  einer  Bastardirung  der  Combination 
E.  hirtella  X  minima  hervorgegangenen  Exemplare  abzutrennen, 
was  ich  im  Folgenden  durch  Beschreibung  der  letzteren  als  E.  Freynii 
zu  thun  gedenke, 

21.    JB.  piilchella   A.  Kerner   in   Schedae   ad  floram  exsicc. 
Austro-Hung.  I.  p.  48  (1881).') 
Diagnose:  a.  a.  0. 

Exsiccaten:    A.  Kerner  Flora  exs.  Austro-Hung.  Nr.  152. 
Blüthezeit:  August,  September. 
Verbreitung:    Mit   Sicherheit   bisher   blos  aus  Tirol,    Salz- 


')  Ich  vermuthe  dies  von  der  Mehrzahl  der  Südschweizer  Standorte. 

*)  Hieher  gehören  die  Alpen  von  Osttirol,  Salzburg  und  Kärnthen, 
speciell  die  Standorte  im  Gebiete  des  Grossglockner,  die  Originalstandorte  der 
E.  drosocalyx  Freyn. 

°)  Originalexemplare  u.  a.  im  Herbar  A,  Kerner  gesehen. 


291 

bürg,  Kärnthen  und  Oberösterreich  bekannt;  ich  sah  wohl  Exem- 
plare einer  der  E.  pulchella  ähnelnden  Euphrasia  aus  dem  Tessin 
und  aus  Wallis,  die  aber  auch  hnchalpine  Formen  der  E.  alpina 
darstellen  könnten. 

Vorkommen  in  Oesterreich-Ungarn:  Tirol:  Steinacher-, 
Leiten-,  Truna-Joch  bei  Trins  im  Gschnitzthale  1750  —  2300  m 
(A.  Kern  er  in  herb,  compl.  —  Schaff  er  er;  H.  Hut.  —  Wett- 
stein); Jaufen  bei  Sterzing.  1900m  (Huter.  H.  Hut.);  Campiller- 
alpe.  2100ra  (Huter.  H.  Hut.);  Corno  di  Bagolina  (Huter,  H.  Hut.); 
Sexten,  im  Fischleinthale,  2300m  (Hut er,  H.  Kern.);  Monte  Piano 
bei  Schluderbach,  2370m  (Freyn,  H.  Freyn). 

Kärnthen:  Kapponiger  Alm,  2100m  (Paclier,  H.  Fach.). 

Salzburg:  Seekaarspitze  in  den  Radstädtertauern,  1900  bis 
2348  m  (J.  Kern  er,  H.  J.  Kern.). 

Oberösterreich:   Warschenegg   (J.  Kern  er,    H.  J.  Kern.). 

E.  pulchella  nimmt  morphologisch  eine  sehr  bemerkenswerthe 
Zwischenstellung  zwischen  zwei  anderen  Euphrasien  ein,  nämlich 
zwischen  E.  minima  und  einer  noch  weiterhin  zu  besprechenden 
Pflanze,  die  vorläufig  mit  dem  bisher  für  sie  geläufigsten  Namen 
E.  versicolor  Kern,  bezeichnet  werden  soll.  Von  E.  minima  ist 
E.  pulchella  nur  an  den  stets  deutlich  grösseren,  niemals  gelb  ge- 
färbten (trollen,  an  den  breiteren  Zipfeln  der  Oberlippe  zu  unter- 
scheiden; von  E.  versicolor  unterscheidet  sie  sich  dagegen  insbe- 
sondere durch  die  kleineren  Corollen,  deren  Tubus  auch  am  Schlüsse 
der  Anthere  nicht  wesentlich  verlängert  ist. 

Diese  morphologische  Mittelstellung  muss  insbesondere  deshalb 
von  Interesse  erscheinen,  weil  E.  pulchella  überall  innerhalb  der 
Verbreitungsgebiete  beider  Arten  vorkommt.  Von  den  meisten  der 
genannten  Standorte  ist  es  mir  überdies  bekannt,  dass  E.  pulchella 
zusammen  mit  beiden  Arten  sich  findet.  Diese  Umstände  könnten 
zu  der  Anschauung  verleiten,  dass  es  sich  hier  um  eine  Hybride 
handelt.  Ich  habe,  um  diesbezüglich  zu  einem  Urtheile  zu  gelangen, 
E.  pulchella  in  (Jentraltirol  eingehend  studirt,  und  habe,  wie  ich  an 
einem  anderen  Orte  noch  eingehender  auseinandersetzen  werde,  den 
Eindruck  erhalten,  dass  E.  pulchella  zwar  nicht  direct  aus  einer 
Kreuzung  der  angedeuteten  Combination  hervorgeht,  dass  sie  aber 
eine  durch  Samen  sich  durch  längere  Zeit  fortpflanzende  Hybride, 
also  eine  durch  Kreuzung  entstandene  Art  darstellt.  E.  pulchella  ist 
gut  fruchtbar  und  bleibt  aus  Samen  gezogen,  wie  mich  dies  im 
Prager  botanischen  Garten  mit  bestem  Erfolge  ausgeführte  (vultur- 
versuche  lehrten,  constant. 

Auf  die  angedeutete  Abstammung  dürfte  auch  das  Vorkommen 
der  Pflanze  auf  zerstreuten,  weit  auseinander  liegenden  Fundorten 
zurückzuführen  sein. 

Gegen  die  hybride  Abstammung  der  E.  puchella  scheint  der 
Umstand  zu  sprechen,  dass  sie  niemals  mit  gelben  oder  wenigstens 


292 

ins  Gelbe  neigenden  Corollen  vorkommt.  Ich  glaube,  dass  dieser 
Umstand  nicht  gegen  die  von  mir  gegebene  Deutung  der  Pflanze 
geltend  gemacht  werden  kann,  da  es  sehr  wahrscheinlich  ist,  dass 
Insecten,  welche  die  im  Allgemeinen  weissen,  nur  blau  und  gelb 
gezeichneten  Blüthen  der  E.  verskolor  besuchen,  die  ganz  gelben 
Corollen  der  E.  minbua  var.  ßava  oder  bicolor  meiden,  dagegen 
auch  die  lichten  Corollen  der  E.  minima  var.  pallida  besuchen,  so 
dass  ein  Bastard  der  Combination  E.  versicolor  X  E.  minima  var. 
-pallida  leicht,  ein  der  Verbindung  der  ersteren  Pflanze  mit  E.  minima  var. 
flava  oder  bicolor  entsprechender  dagegen  nur  schwer  entstehen  kann. ') 

Bei  Festhalten  an  vorstehender  Deutung  der  E.  pulchella  kann 
es  nicht  Wunder  nehmen,  dass  häutig  Kreuzungen  (respective  Kück- 
kreuzungen)  zwischen  ihr  und  E.  minima  stattfinden,  woraus  sich 
die  an  den  Standorten  thatsächlich  zu  beobachtenden  üebergangs- 
formen  erklären  dürften. 

22.  E.  liM'tella  Jordan  in  Reuter  Compt.  rendu  de  la  soc. 
Haller.  IV.  1854/56,  p.  120.  Cit.  sec.  Jackson. 

Caulis  erectus,  strictus,  robustus  simplex  vel  in  parte 
inferiore  ramis  nonnullis,  3 — 25cm  altus,  rubescens  vel  fuscescens, 
pilis  crispis  albidis  eglandulosis  vel  glandulosis  articulatis  im- 
mixtis  pubescens.  Folia  infima  caulina  cuneato-ovata,  obtusa  denti- 
bus  obtusis  paucis,  ut  caetera  opposita,  superiora  ovata  vel  fere 
orbicularia,  acuta  utrinque  dentibus  acutiusculis  3—6.  Bracteae  sub- 
oppositae  fere  orbiculares  vel  orbiculari-triangulares  acutae 
dentibus  utrinque  5 — 8  acutis  vel  acuminatis,  plerumque 
imbricatae  calyces  tegentes  in  speciminibus  siccis  nervis  subtus 
prominentibus.  Folia  et  bracteae  setis  albidis  et  pilis  glanduliferis 
longis  articulatis  micantibus  dense  obsita,  raro  solum 
glabrescentia.  Spica  initio  condensata,  et  post  anthesin  non  valde 
elongata,  in  parte  superiore  semper  densissima.  Calyx  in- 
dumento  ei  foliorum  conformi,  fructifer  vix  accretus.  Corolla 
parva,  5  — 7mm  longa  labio  superiore  bilobo  lobis  denticulatis, 
labio  inferiore  trilobo,  lobis  emarginatis,  angustis.  Corolla  albida, 
striis  violaceis  et  macula  lutea  in  fauce  picta.  Capsula  ovata  vel 
lineari -ovata  calycem  aequans,  margine  longe  ciliata, 
caeterum  in  parte  superiore  setulis  sparsis  obsita. 

Synonyme:  E.  nemorosa  ß.  pectinata  Reichb.  Flor.  Germ, 
excurs.  p.  3ö8  (1830/32).') 

E.  offipnalis  B.  intermedia  Soyer  Willemet  Sur  VEuphrasia 
ofßr.  et  les  especes  ovis.  p.  (26). 

E.  officinalis  C.parviflora  ß.  imbricata  Soyer  Willemet  1,  c.  ex  loco. 

E.  parviflora  Willkomm  et  Lange  Prodr.  Flor.  Hisp.  saltem 
pr.  p. ");  non  Fr. 

')  Es  kommen  übrigens  Bastarde  der  letzteren  Combination,  wenn  auch 
sehr  selten,  vor,  worauf  ich  noch  zurückzukommen  cjedenke. 
')  Origiualexemplare  gesehen! 


293 

E.  Brandisii  Freyii  in  Verh.  zool.-botan.  Gesellsch.  XXXVIII. 
Abb.  S.  628  (1888). ') 

E.  stricta  Schleicher  in  sched. ')  non  Host. 

E.  hirtella  Gremli  Excursionsflora.  7.  Aufl.  S.  317  (1893)  ex- 
clus.  b.  —  Freyn  in  Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1887  S.  319. 

Exsiccaten:  Schultz  Herb,  norna.  nov.  ser.  Cent.  12 
Nr.  1188  (als  E.  hirtella)  pr.  p.;  Cent.  26  Nr.  2570  (als  E.  Bran- 
disii). —  Kos  tan  Exsicc.  pl.  Alp.  Cottiar.  —  Billot  Flora  Gall. 
et  Germ,  exsicc.  Nr.  2332,  2332  bis,  2333  ter.  —  Bordere  Plant. 
Pyren.  alt.  Nr.  191  (als  E.  erketorum).  —  Endress  Unio  itiner. 
Pyren.  1830.  —  Rost  an  Exsicc.  Pedem.  Nr.  46. 

Bltithezeit:  Juni  —  September. 

Verbreitung:  Im  mittleren  und  nördlichen  Spanien,  in  den 
spanischen  und  französischen  Pyrenäen,  in  den  französischen,  italieni- 
schen, süd-  und  Westschweizer  Alpen,  in  Südwesttirol,  dann  wieder 
in  Siebenbürgen  (?).  in  Bosnien  und  der  Hercegovina,  Macedonien. 
Ostrumelien.  endlich  in  Lazistan. 

Vorkommen  in  Oesterr  eich -Ungarn:  Tirol:  An  der 
Stilfserjochstrasse  zwischen  „Weisser  Knot"  und  Franzenshöhe  bei 
ca.  19Ö0-2200m  (Freyn,  H.  Fr.  —  Wettstein.  H.  U.  P.):  im 
Martelltbale  (Funk  1825,  H.  Hofm.). 

Siebenbürgen:  „In  pascuis  subalpinis"  (Schur.  H.Hai.).') 

Bosnien:  Ovcarevo  (Brandis  H.  Fr.);  auf  der  Vilenica 
(Brandis  H.  Fr.);  auf  d.  Vlasic  bei  Travnic  (Brandis,  H.  Fr., 
H.  Tempsky.  H.  M.  P.,  H.  Hofm.):  Vlaska  gromila  (Brandis,  H.  Fr.); 
Zahum  (Brandis.  H.  Fr.). 

Hercegovina:  Monte  Porim  bei  Mostar,  1600  m  (Vau das, 
H.   Fr.);  Preslica  bei  Ivankaraula  (Van das,  H.   Fr.). 

E.  hirtella  Jord.  ist  zumeist  sehr  leicht  zu  erkennen ;  sie  unter- 
scheidet sich  von  allen  ihr  zunächst  stehenden,  im  Vorstehenden 
behandelten,  Arten  durch  die  lange,  glänzende,  drüsige  Behaarung 
der  Bracteen.  Kelche  und  oberen  Stengeltheile.  Sie  nähert  sich  in 
dieser  Hinsicht  der  noch  zu  besprechenden  E.  Rostkuviana,  von  der 
sie  aber  durch  die  viel  kleineren  Blüthen,  durch  die  sich  dachig 
deckenden  grösseren  Bracteen,  durch  die  geringe  Verzweigung  und 
den  steif  aufrechten  Wuchs  abweicht. 

Ab  und  zu  kommen  p]xemplare  mit  schwächerer  Behaarung 
vor,  die  Towusend  (in  Gremli  Excursionsflora,  7.  Aufl.  S.  317 
[1893])  als  var.  m}>glahra  bezeichnet  hat. 

Einer  kurzen  Begründung  bedarf  die  Vereinigung  der  E.  Bran- 
disii Freyn  und  E.  hirtella.  Freyn  hat  seine  Art  auf  Grund  von 
Exemplaren  aufgestellt,    die  ihm  Brandis  aus  Bosnien  sandte.    Ich 

')  Originalexeraplaie  gesehen! 

)  Unsicher,  da  das  Material  schlecht  ist,  und  zudem  die  Exemplare 
solchen  von   E.  utricta  beigemengt  sind. 


294 

habe  diese  Exemplare  gesehen  und  muss  zugeben,  dass  auch  ich  sie 
einer  neuen,  von  E.  hirtella  verschiedenen  Art  zugeschrieben  hätte, 
wenn  ich  sie  zu  der  Zeit,  in  der  sie  Freyn  untersuchte,  zugesendet 
erhalten  hätte.  Diese  Exemplare  wichen  nämlich  durch  stumpfere 
Blätter,  durch  mehr  entfernt  stehende  Bracteen  von  der  typischen 
E.  hirtella  ab.  Erst  durch  Exemplare,  welche  seither  im  Occupa- 
tionsgebiete  gesammelt  wurden,  durch  Studien  der  E.  hirtella  an 
einem  reichen  Standorte  (Stilfserjoch),  insbesondere  durch  Cultur  der 
E.  hirtella  im  Prager  botanischen  Garten  wurde  mir  die  Zugehörig- 
keit der  E.  Brandisii  zu  E.  hirtella  klar. 

Die  Namen  E.  intermedia  und  E.  imbricata  Soyer  Willemet 
wären  wohl  älter  als  E.  hirtella  Jord.,  doch  muss  von  einer  Ver- 
wendung dieser  Namen  abgesehen  werden,  da  sie  ohne  Diagnose 
publicirt  wurden  und  (iberdies  mehrfach,  auf  verschiedene  Pflanzen 
sich  beziehend,  in  der  citirten  Arbeit  Soyer  -  W  i  1 1  e  m  e  t's  vorkommen, 

(Fortsetzung  folgt.) 


Plantae  novae  Orientales, 

III. 

Von  J.  Freyn  (Prag). 

(Fortsetzung.') 

Verbascmn  (Lychnltis)  bracteosuni  Freyn  et  Sint. 
E  Lychnitidearum  Boiss.  grege  macrocalycinarum,  filamen- 
torum  barba  albida.  Bienne?  pluricaule,  caulibus  angulatis 
strictis  erectis  foliosis  floccosis  et  decalvescentibus  in  racemum 
simplicem  abeuntibus;  foliis  radicalibus  dense  rosulatis  rugosis 
supra  viridibus  sparse  stellipilis,  subtus  plus  minus  dense 
griseo  pannosis  et  floccosis,  crenulatis  lanceolatis  in  petiolum 
breviter  attenuatis;  caulinis  diminutis  angustatis  lineari  lanceolatis 
acumiuatis  basi  obtusa  sessilibus;  fasciculis  4  floris,  bracteis 
longissimis  anguste-linearibus  acutissimis  suffultis; 
pedicellis  tenuibus  inaequalibus  (uempe  majora  calyce  sesqui  lon- 
giora)  cum  basi  calycina  dense  lanato-tomentosis;  calyce  7  mm 
longo  ad  V^  in  lacinias  lineares  acutas  margine  lanato  subglan- 
duloso  excepto  glabratas  partito;  corolla  lutea  extus  laxe  lanatula, 
filamentis  sordide  albo-lanatis,  longioribus  infra  antheras 
reniformas  glabris;  Capsula  ignota.  0  (?)  Medio  Junii. 

Paphlagoniae,  in  monte  Giaurdagh  ad  Tossia  die  10.  junio 
1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4209.) 

Dimeusiones  (ex  unico  specimine):  Caulis  cum  racemo 
22  cm  longo  semimetrum  altus,  ad  basin  6—7  mm  crassus;  folia 
basilaria   cum    petiolo  5  centimetrali    12  cm   longa,    2  ad   medium 


')  Vergl.  Nr.  7,  S.  257. 


295 

lata;  bracteae  infimae  3"5  cm  longae,    0'4 — 0*5  ad  basin  latae;  corolla 
30—32  mm  diametro;   calyx  7  mm  longus. 

Species  habitu  omnino  F.  BoerhauU  L.  revocans.  a  quo  tiori- 
biis  lon^e  pedicellatis  et  tilamentoriim  lana  alba  (nee  purpurea)  prirao 
aspectu  discernendum.  Insuper  differt  ab  affini  V.  sphenaadroidi 
C.  Koch  indiimento,  pedicellis  brevioribus.  floribus  dense  (nee  laxe) 
racemosis.  bracteis  longissimis  glomerulas  duplo  siiperantibus.  calyce 
7  (nee  5)  mm  longo  lanato  (nee  tomentello),  dentibus  glabratis  sub- 
glandulosia.  Etiam  V.  myrluithum  Boiss.,  V.  cestrokles  Boiss.  Hausskn. 
et  V.  phyllostachyum  Boiss.  Hausskn.  a  nostro  longe  differunt. 

Verbasciun  (Lychultls)  cyllndracettni  Freyn  et  Sint. 
E  Li/ch)iitidearinn  Boiss.  Serie  m  i  c  r  o  c  a  1  y  c  i  n  a r u  m,  1  a  n  a  a  1  b  i  d  a. 
carpellis  cylindricis.  Bienne  undique  plus  minus  stellipilum 
flavicans  vel  virescens,  caule  eiecto  stricto  tereti  jam  infra 
medium  in  paniculam  pyramidatam  ramosissiraam 
multifloram  abeunte,  foliis  crenulatis  lanceolatis,  basi- 
laribus  et  caulinis  infimis  in  petiolum  eis  breviorem  angustatis,  caeteris 
sessilibus  seusim  decrescentibus,  omnibus  plauis;  flomm  tasciculis 
breviter  bracteatis  2 — 8  floris  remotis,  racemos  longos  laxiusculos 
strictos  tbrmantibus;  pedicellis  initio  inaequalibus  taudem  calyce 
3plo  longioribus;  bracteis  lanceolatis  glabrescentibus 
tasciculi  dimidium  haud  aequantibus;  calyce  paulo  plus  2mn] 
longo  ad  medium  inlaciuiaslongetriaiigulares  partito; 
corolla  parva  lutea  extus  plus  minus  stellipila  et  tomentosula;  fila- 
mentis  albido-lanatis;  Capsula  cylindrica  truncata 
mucronata,  laxe  stellatim  tomentosa,  calyceplus  duplo  longiore. 
0  (?)  Medio  Junio  ad  exeuntem  Julii. 

Paphlagoniae  Tossia:  in  montosis  ad  urbem  die  13.  junio 
et  28.  julio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4212). 

Dimensiones:  Caulis  50 — 80  cm  altus  et  elatior,  panicula 
saepe  60  cm  alta  et  25 — 30  cm  diametro ;  folia  basilaria  petiolo 
sub-5centimetrali  excepto  circ.  10  cm  longa  et  ad  medium  25— 3'5 
lata;  calyx  2  mm  longus;  corolla  1*6 — 2  cm  diametro,  Capsula 
(fere  matura)  4 — 5  mm  longa,  2  crassa. 

Ob  capsulam  angustam  species  insignis  fere  Staurophragraam 
revocans.  Differt  ab  affini  V.  stemcarpo  Boiss.  tomento  non  aeru- 
gineo,  foliis  crenulatis  (nee  sinuato-lobatis),  planis  (nee  undulatis), 
bracteis  lanceolatis  (nee  lineari-setaceis),  calyce  2  (nee  3)  mm 
longo  ad  medium  tantum  (nee  ad  basin)  partito;  a  V.  myriocarpo 
Boiss.  ditfert  iudumento  nee  argyreo-tomentoso,  foliis  basilaribus  non 
amplis  neque  grosse  undulato-repandis,  panicula  tomentosa  (non 
glabra),  Capsula  tomentosa  (non  glabra)  etc. 

Vei'bascuni  (Lychnltls)  Inaeqiiale  freyn  et  Sint- 
E  grege  Lychnitidearum  Boiss.  filamentorum  lana  albida 
(Capsula  ignota).  Bienne  (?)  undique  plus  minus  stellipilum    flavicans 


296 

vel  virescens,  caiile  solitario  ereeto  stricto  angulato  apice  in 
paniculam  amplam  pyramidatam  abeunte;  foliis  subplicatis 
vel  planis  crenulatis  late  lanceolatis  basilaribus  amplis  et  caulinis 
infimis  obtusiiisculis  in  petiolum  eis  breviorem  angustatis,  caeteris 
sensim  diminutis  acuminatis  basi  cordata  subauriculata  semiamplexi- 
caulibus,  summis  breviter  ovatis,  paniculae  ramis  strictis  elou- 
gatis,  florum  fasciculis  laxis,  bractea  brevi  lanceolata-subulata  suf- 
fultis,  pedicellis  valde  inaequalibus,  aliis  calyce  duplo- 
subtriplove  longioribus,  aliis  eo  +  aequantibus,  aliis  eo  brevioribus ; 
calyce  5  mm  longo  in  lacinias  anguste  lanceolatas  ad  basin  fere 
partito;  corolla  mediocri  extus  +  stellatim  tomentosa,  filamentis 
albo-lanatis ;  Capsula  (juvenili)  dense  tomentosa  siibglobosa  calyce 
manifeste  brevi ore.  0  (?)  Julio. 

Papblagoniae  Tossia:  Güwekhaschi  ad  montem  Beiiowa  die 
9.  Julio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc.  no.  4701). 

Dimensiones:  Caulis  (ex  fragmentis  a  me  visis  dijudicandum) 
1 — 1*5  metralis;  folia  basilaria  et  caulina  infera  50 — 60  cm  longa 
et  infra  apicem  7 — 8  lata,  sed  etiam  eximie  miuora;  corolla  circ. 
3*2  cm  diametro,  calyx  5  mm  longus,  pedicelli  longiores  usque  ad 
13  mm  longi. 

Habitu,  indumento  et  multis  uotis  V.  tspecioso  Schrad.  arcte 
affine  sed  diversum  inprimis  pedicellis  valde  inaequalibus,  calyce 
manifeste  longiore,  corolla  duplo  majore  et  forse  etiam  Capsula.  Aji 
nostra  V.  speciosum  y.  microcarpum  Boiss.  Fl.  or.  IV.  325? 

Verhasciini  (Lychnitifi)  adspei'suin  Freyn  et  Sint. 
E  grege  Leiantharum  Boiss.  Capsula  ovato  -  globosa. 
Perenne  (?),  1 — pluricaule  virens,  caulibus  rubellis  a  basi  vel 
saltem  jam  infra  medium  in  paniculam  laxe  tomeutosam 
foliatam  ramosam  abeuntibus;  foliis  inferioribus  pro  ratione  parvis 
oblongo-  vel  spathulato  -  lanceolatis  obtusis  crenatis  in  petiolum 
attenuatis  laxe  tomentosis  sublaiiatis,  caulinis  saepe  glabrescentibus, 
inferioribus  radicalibus  conformibus  sed  majoribus  ad  summa 
sessilia  subserrata  parum  diminutis;  bracteis  magnis  foliiformibus, 
infimis  pedicella  laxe  nivea  plus  duplo  superantibus,  summis 
pedicellis  dense  tomentosis  paulo  longioribus;  floribus  geminatis, 
pedicello  tandem  rigido  subiucrassato  calyce  2—3  plo  lon- 
giore insidentibus  longe  et  laxe  racemosis;  calyce  gla- 
brescente  viridi  5-millimetrali  tandem  valde  aucto  in 
lacinias  lanceolato-lineares  obtusas  nonnunquam  subspatulatas  ad  basin 
partito ;  corolla  mediocri  flavaglanduliscopiosispellucidis 
fuscescentibus  adspersa  et  extus  insiiper  laxe  tomentosa!  filamentis 
albido-lauatis,  autheribus  omnibus  reniformibus,  Capsula  ovata 
mucronata  pedicello  subtriplo  brevior.   2|.  (?)  Junio,  Julio. 

Papblagoniae  Tossia:  in  campis  ad  Sabadscha  die  23.  junio 
(floriferum;  exsicc,  no.  4360)  et  4.  aug.  1892  (fructif.  Exsicc.  no.  4360  b) 
leg.  Sintenis! 


2P7 

Dimensiones:  Caulis  raetralis  vel  multo  minor;  tblia  radi- 
calia  iis  Starhys  redae  non  dissimilia  cum  petiolo  8*5  cm  longa, 
1*2  lata,  folia  caulina  iufera  (maxima  a  me  visa)  cum  petiolo  4  centi- 
iiietrali  11  cm  longa  et  ad  vel  infVa  medium  2*6  lata;  pedicellus 
fiorendi  tempore  7 — 8  mm  tandem  usque  ad  18  mm  longus;  calyx  a 
5  millimetris  ad  11  auctus,  corolla  2"5  cm  lata;  Capsula  matura 
circ.  5  mm  longa. 

Species  clegans  in  grege  calyce  magno  et  corollis  tomen- 
iosis  abnormis  et  nulla  cum  alia  comparanda.  Similis  est  V.  calycino 
Hausskn.  in  Sintenis  exsicc.  Armen,  no.  2762  anni  1890,  a  quo 
differt  Jam  fbliis  duplo  latioribus,  calyce  fructifero  duplo  majore  (nee 
5  millimetrali),  laciniis  auctis,  pedicellis  rectis  subincrassatis,  nee 
sursum  arcuatis  aequalibus  etc. 

Verbascuin  (Lychnttls)  j<inthopltoeiiiceuni  Gris.  Hujus 
Capsula  hucusque  ignota  sec.  specimine  a  Sintenisio  in  Paphla- 
gonia  lecto  (Exsicc.  no,  4699  anni  1892)  fere  matura  vix  5  mm 
alta,  tandem  laxissime  tomentosa,  subnitens. 

Verbaseinn  ocaiithophoenlceuni  Gris.  subspecies  V,  erio- 
enrpum  Freyn  et  Sint.  —  Habitu  omnino  V.  .rauthophoenicei,  sed 
caulis  8 — 4  phyllus  (non  scaposus),  folia  discoloria  subtus  dense 
niveo-tomentosa,  panicula  amplius  magis  tomentosa  et  parce  glan- 
dulosa,  pedicelli  breviores  (nempe  calyce  sesqui  tautum  longiores) 
Capsula  paulo  major  etiam  matura  tomentosa  2|..  (?).  Julio,  Aug. 

Paphlagoniae.  Tossia:  in  silvaticis  regionis  subalpinae 
montis  Giaurdagh  die  10.  junio  et  29.  julio  1892  leg.  Sintenis! 
(p]xsicc.  no.  4211.) 

Dimensiones:  Caulis  circ.  80  cm  a Itus,  folia  basilaria  cor- 
dato-oblonga  duplicatim-crenata  maxima  a  me  visa  circ.  18  cm 
longa  et  ad  medium  10'5  lata;  rami  paniculae  florendi  tempore 
graciles,  tandem  rigidiusculae;  pedicelli  florigeri  3"-8'5  mm,  fructi- 
feri  infimi  usque  15  mm  longi;  calyx  florendi  tempore  3,  fructifer 
4  mm  longus;  "corolla  parva  circ.  iMi  cm  diametro,  Capsula  (fere 
matura)  ovata  mucronata,  ()  mm  alta. 

Könnte  V.  Inthyniciim  X  ocanthophoeniceum  sein,  trotzdem  die 
Kapseln  alle  gut  entwickelt  sind. 

Celsid  (Kefflea)  Fj'eynil  Sint.  in  litt.  —  Biennis,  virens, 
Iota  a  basi  ad  apicem  viscida  et  insu  per  pilis  stellatis 
laxe  tomentosa  et  pilis  papillosis  glanduliferis  prae- 
sertim  apicem  versus  glandulosissima;  caule  obtusangiilo  dense 
foliato  e  basi  breviter  adsceudento  recto  stricto,  in  spicam  sim- 
plicem  vel  in  paniculam  amplam  abeunle,  fol iis  altern is  integris 
ea  Verbasci  pblomoidis  aemulantibus;  basilaribus  late  lanceoiatis 
cienatis  vel  repando-crenatis  acutiusculis  in  petiolum  brevem 
angustatis;  foliis  caulinis  sensim  diminutis,  iufimis  elliptico-lanceo- 
latis  brevissime  petiolatis,  caeteris  ovato-lanceolatis  basi  cordata  bre- 
viter adnatis,  summis  ovatis  acuminatis  in    bracteas   fol  lifo  r- 

üestwrr.  botan.  Zeitsctiritt.  8.  Heft.   18f<4.  23 


298 

mas  ad  spicae  apicem  subcomosas  insensibile  abeun tibiis; 
iloruin  fasciculis  densis,  infimis  dissitis,  sumrais  approximatis, 
pedicellis  inaequalibus,  alteris  calyce  aequilongis,  alteris  brevibus 
subsessilibus ;  calyce  viridi  glandulosissimo  magno  (initio 
0  mm  longo  tandem  ad  85  mm  aiicto)  ad  basiu  usque  in 
la einlas  late  lineares  obtusas  iisso;  corolla  magna  lutea 
intus  ad  basin  purpurea,  extus  stellatim  subtomentosa;  filamentis 
2  longioribus  unilateraliter,  2  brevioribus  undique  dense  violaceo 
barbatis;  antheris  omnibus  reniformibus;  Capsula  juvenilis 
ovata  mucronata,  plus  minus  dense  hispida.  decalvans.  Q  Jmiio. 

Paphlagoniae  ad  Tossia:  in  silvaticis  subalpinis  montis 
Gl-iaurdagh  die  10.  junio  et  4.  julio  1892  leg.  Sintenis!  (Exsicc. 
no.  4210.) 

Dimensiones:  Caulis  circ.  metrum  altus,  panicula  saepe 
bipedali,  ramis  ad  25  cm  longis;  folia  basilaria  cum  petiolo  bicenti- 
metrali  20  cm  longa,  ad  medium  fere  6  lata;  calyx  a  (3  mm  ad 
8  mm  auctus;  corolla  3'2  mm.  lata;  Capsula  (juvenilis)  6"5  mm 
diametro,  mucronata. 

Species  notabilis,  habitu  Verbasci  phlomoidis  L.,  floribus  glome- 
ratis  sed  affinis  specierum  longepedicellatarum  quae  omnes  caeteris 
neglectis  pedicellis  calyce  duplo  saltim  longioribus  differunt.  Insuper 
differt  0.  Suivaroiciana  C.  Koch  foliis  infimis  uonuuUis  lyrato- 
pinnatisectis,  caulinis  anguste  lanceolatis,  pedicellis  solitariis.  calyce 
4  mm  tantum  longo:  C.  pinetorwn  Boiss.  diflfeit  cauie  gracili.  foliis 
infimis  pinnatisectis,  paniculae  ramis  tenuibus,  pedicellis  solitariis 
capillaribus,  calyce  3  mm  tantum  longo,  etc.;  C.  cilicüi  Boiss.  Held, 
caule  paucifolio,  divaricatim  ramosissimo.  foliis  latioribus,  caulinis 
suborbiculatis,  racemis  laxissimis,  pedicellis  solitariis  filiformibus. 
calyce  2  mm  longo,  corolla  glabra  etc. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Orchldaceae  Pap aanae. 

Von  F.  Kränzlin  (Gr.-Lichterfelde  bei  Berlin). 

(Fortsetzung.  M 

Sayeria  paradoxa  Kränzlin. 

Radicibus  numerosis  satis  crassis  longissimis  caulibus  secun- 
dariis  s.  bulbis  curvatis,  gracilibus  utrinque  attenuatis  5  cm  longis 
vix  1  cm  diametro  (siccis),  valde  costatis  brunneis  lucidis.  Foliis 
2  pone  apicem  bulborum,  petiolatis  oblongis  acutis  pergameneis 
ad  8'5  cm  longis  (c.  petiolo)  ad  2"8  cm  latis.  racemis  pseudotermi- 
nalibus,  heterochronicis  primo  alabastrum  ovatum  catapbyllis  minutis 
vestitum  etformantibus  (reliquias  3  racemorum  ad  apicem  bulbi 
vetustioris  observavi,  1  in  bulbo  juniore  florente),  rhachi  tenui  squa- 


')  Vergl.  Nr.  7,  S.  253. 


29P 

Ulis  4  V.  5  brevibus  vestita,  racemo  paucifloro  (5 — 7).  bracteis  ovatis 
aciitis  quam  Ovaria  pedicellata  plus  duplo  brevioribus.  Sepala  dorsali 
petalisque  oblongis  acutis,  sepalis  lateralibus  latissimis  ovato-oblongis 
obtuse-aciitatis,  labelli  lobis  lateralibus  conniventibus  minutis.  callis 
'A  tuberculosis  quorum  intermedius  minor  inter  lobos.  lobo  inter- 
medio  ter  latiore  expanso  cordato  limbo  iutegro  leviter  inflexo  antice 
paullulum  emarginato,  gynostemii  characteribus  jam  supra  expositis. 
—  Totus  flos  sub  antbesi  riiigens  2*5 — 28  cm  dianietro.  Sepala 
petalaque  pallida  fortasse  alba,  labellum  fuscum. 

Neu-Guinea.  Mount  Obree,  6000—8000'  leg.  Sayer  N.  6. 

Dies  ist  eine  der  sonderbarsten  Orchideen,  die  uns  je  vor- 
gekommen sind.  Der  allgemeine  Aufbau  erinnert  von  fern  an  Coelo- 
fiyne,  wennschon  die  Bulben  mit  ihrem  schlanken  unteren  stielähn- 
lichen Internodien  nicht  recht  dazu  stimmen  wollen.  Die  Blätter, 
deren  Aestivation  aus  meinem  Material  nicht  erkennbar  ist,  sind 
ziemlich  klein  und  fest.  In  der  Achsel  der  obersten  Blätter  entspiingt 
ein  Kurztrieb,  welcher  mehrere  Niederblätter  trägt,  welche  sehr  bald 
bis  auf  ihre  wenigen  Leitbündel  zerfallen  und  ein  Hewirr  von  Fasern 
darstellen.  An  einer  dieser  Bulben  fand  ich  4  augenscheinlich  aus 
sehr  verschiedenen  Epochen  stammende  Beste  von  Blüthenständen, 
an  der  jetzt  gerade  blühenden  Bulbe  dagegen  einen  kegelförmigen 
von  Niederblättern  bedeckten  Körper,  aus  deren  unterer  Hälfte  der 
Hlüthenstand  entsprang.  Wir  haben  also  hier  Sprosse,  bei  welchen 
unmittelbar  auf  die  Niederblätter  die  Hochblätter  folgen.  Die  Blüthen 
selbst  erinnern,  soweit  überhaupt  von  einem  Vergleich  die  Rede 
sein  kann,  noch  am  meisten  an  Polystachia.  Dafür  sprechen  die 
Aehnlichkeit  des  dorsalen  Sepalum  und  der  Fetalen,  die  breiten 
seitlichen  Sepalen,  welche  an  den  verlängerten  Säulenfuss  angewachsen 
sind,  nur  dass  dieser  Säulenfuss  in  einer  Weise  nach  aufwärts  ge- 
bogen ist.  wie  sie  bei  Polystachya  nie  vorkommt  und  wodurch  natür- 
lich der  Totaleindruck  der  Blüthe  wesentlich  umgestaltet  wird.  Ganz 
abgesehen  hievon  sind  nun  die  Anklänge  an  irgend  eine  bekannte 
Form  überhaupt  zu  Ende.  Das  Labellum  zeigt  keine  Aehnlichkeit 
mit  irgend  einem  sonst  beschriebenen.  Es  hat  2  sehr  kleine  Seiten- 
lappen, an  welche  sich  ein  dreimal  breiterer  dreieckig-herzförmiger 
mittlerer  Theil  ansetzt,  welcher  alle  anderen  Perigontheile  an  Grösse 
bei  Weitem  übertrifft.  Die  Anheftung  des  Labellum  erinnert  in  etwas 
an  die  von  Bulbophyllum,  aber  die  Callusbildung  ist  wiederum  vöBig 
eigenartig.  Die  Säule  ist  sehr  kurz,  die  zweifächerige  Anthere  macht 
den  Kindruck,  als  wäre  sie  verkehrt  aufgesetzt,  sie  ist  vorn  recht- 
winkelig abgeschnitten,  hinten  etwas  verlängert  und  sitzt  hinten 
sehr  fest  an  einem  Zahn  des  Audrocliniums.  Die  Pollenmassen 
ähneln  am  meisten  denen  von  Dendrobium,  sie  sind  birnförmig  (die 
Spitze  nach  unten)  und  je  2  zusammen  gelagert.  Das  Rostellum  ist 
eine  feste  vorspringende  Platte,  die  Narbenhöhle  nimmt  den  ganzen 
Raum    bis    zum    Beginne    der  Krümmung  des  scharf  nach  vorn  ge- 


ROO 

bogenen  Säiilenfusses  ein.  Die  Blüthen  sind  nicht  unansehnlich,  sie 
haben  über  2'5  cm  im  Durchmesser  und  präsentiren  sich  zur  Blüthe- 
zeit  in  ihrer  ganzen  vollen  Breite,  lieber  die  Farbe  war  wenig  zu 
ermitteln,  aber  jedenfalls  contrastirt  das  Labellum  in  sehr  wirkungs- 
voller Art  gegen  die  sehr  viel  helleren  Sepalen  und  Fetalen.  —  Es 
ist  zunächst  wohl  am  wichtigsten,  diese  Gattung  mit  Latourea  in 
die  Nähe  von  Dendrohium  zu  stellen,  wohin  sie  durch  den  Bau 
ihrer  Pollenmassen  unbedingt  gehört.  Es  ist  bekanntlich  eine  dis- 
cutirbare  Frage,  ob  man  Latourea  als  eigene  Gattung  oder  als  Unter- 
gattung von  Dendrohium  gelten  lassen  will;  will  man  sie  zu  Den- 
drohium einziehen,  so  wäre  Sayeria  augenblicklich  die  einzige  en- 
demische Orchideengattung  Neu-Guineas  und  dazu  eine,  deren  Be- 
rechtigung kaum  angefochten  werden  dürfte.  —  Ich  habe  diese  neue 
Gattung  Herrn  Sayer  gewidmet  in  dankbarer  Anerkennung  vieler 
und  meist  sehr  interessanter  Funde,  welche  unsere  Kenntnisse  über 
die  Flora  Neu-Guineas  ihm  verdanken. 

Dendrobhiiii  rhodostictuni  F.  v.  Müll,  et  Krzl.  (EU' 
dendrohiuni)  Caulibus  secundariis  gracillimis  nitidis  supra  vix 
incrassatis,  sulcatis  30 — 40  cm  altis,  internodiis  ad  8,  foliis  coriaceis 
satis  firmis  oblongis  acutis  6  cm  longis  2  cm  latis  v.  latioribus, 
racemis  paucifloris  (trifloris  in  specimine  meo),  bracteis  minutissimis 
pedicellis  ovariisque  tenuibus.  Sepalo  dorsali  oblonge -lanceolato 
acuto,  lateralibus  e  basi  latiore  oblongis  acutis  falcatis  apice  deflexis; 
petalis  plus  duplo  majoribus  cuneato-obovatis  acutis  apiculatisque, 
meuto  sepalorum  brevi  obtuso  omnino  antice  aperto;  labello  convo- 
luto  (explanato)  flabelliformi  m argine  anteriore  subtrilobo  medio 
apiculato,  callo  crasso  carnoso  bisulcato  medium  usque  in  disco; 
gynostemii  parte  libera  brevissima,  dente  audroclinii  postico  brevi, 
anthera  cordata  (postice  profunde  bipartita)  plana,  fovea  stigmatica 
satis  parva.  —  Flos  3— 4  cm  diametro  albus  v.  candidus,  labellum 
margine  anteriore  pulcherrime  purpureo-guttatura. 

Neu-Guinea.  Bourawam  (camp  9).  2000  Fuss  leg.  W.  Sayer. 
1887. 

Die  Anzahl  wirklich  schöner  Orchideen  aus  dem  südlichen 
(englischen)  Theil  von  Neu-Guinea  ist  nicht  sonderlich  gross;  von 
den  Dendrobien  ist  dies  sicherlich  eines  der  besten.  Die  Pflanze  ist 
nicht  gross.  30—40  cm,  die  Blüthenstände  sind  nicht  gerade  reich- 
hliithig,  die  Blüthen  haben  jedoch  eine  Grösse  von  c.  4  cm  quer- 
über, sind  reinweiss  und  das  Labellum  hat  am  vorderen  Bande 
jederseits  4  —  5  hellpurpurrothe  Fleckchen,  deren  Bänder  mehr  oder 
minder  in  einander  übergehen.  Purpurn  gefärbt  ist  auch  die  Basis  der 
Lippe  und  die  Unterseite  der  Säule.  Der  Gesammteindruck  der  Pflanze, 
welche  mir  nur  in  einem  einzigen,  zum  Glück  recht  guten,  Exemplar 
vorliegt,  muss  ein  sehr  angenehmer  sein.  Sicherlich  würde  diese 
Art  es  verdienen,  in  unseren  Sammlungen  einen  Platz  zu  finden. 


301 

Dendrohium  JPCh'egorii  F.  v.  Müll,  et  Krzl.  (Deiidro- 
coryrie.)  Kadicibus  numerosis  crassiusculis  rhizomatibus  v.  caulibus 
primariis  iutertextis,  secundariis  e  basi  paulo  crassiore  attenuatis  ascen- 
dentibus  incrassatis  internodiis  5  v.  6  supra  subcompressis  sub  anthesi 
fbliaceis  20  cm  altis,  foliis  oblonge  lanceolatis  apice  bilobis,  racemis 
})Seudoterminalibus  paucitloris  grandifloris  rhacbi  tenui  fractiflexa, 
bracteis  minutis  triangulis  v,  late  ovatis  scariosis.  Sepalo  dorsali  ovato, 
acute,  lateralibiis  late  triangulis  basi  cum  pede  gynostemii  omnino 
coalitis  subfalcatis  apice  deflexis  mentum  breve  sulcatum  forman- 
tibus,  petalis  multo  majoribus  cuiieato-obovatis  obtusissime  acutatis, 
labelli  lobis  lateralibus  erectis  magnis  triangulis  antice  rectangulis, 
intermedio  brevi  latissimo  reniformi,  linea  crassa  bisulca  in  disco 
ex  fundo  labelli  inter  ipsos  lobos  laterales;  androclinii  dente  postico 
longo  recto  apice  hamato  gynostemio  utrinque  carinato.  carina 
utraque  pone  andioclinium  in  lobulum  producto,  a?ithera  plana, 
polliniis  generis  longitudinaliter  sulcatis.  —  Totus  flos  5  cm 
diametro  inter  pulcherrimos  generis.  Sepala  alba  pulcherrime 
purpureo  maculata  praesertim  intermedium,  petala  pallidiora  medio 
purpureo-venosa  et  guttulata,  labelli  lobi  lateiales  extus  et  intus 
atro-violacea,  lobus  intermedius  flavus  (v.  aurantiacus?)  lineis 
crassis  violaceis  decorus.  —  Viro  clariss.  M' Gregor  libero  baroni 
gratissimo  animo  dicatum. 

Louisiaden,  Südost  Island,  leg.  Sir  W.  Mac  Gregor  1889. 

Die  Zugehörigkeit  dieser  Art  zu  der  kleinen  Gruppe  des 
Dendrohium  higibhum  D.  Phalaenopsis  ist  auf  den  ersten  Blick  klar, 
und  es  sei  hier  nur  noch  auf  den  breitnierenförmigen  Endlappen 
des  Labellum  hingewiesen,  um  ein  selbst  bei  trockenen  Blüthen 
leicht  auffindbares  Merkmal  zu  erwähnen.  Die  Pflanze  gehört  zu  den 
schönsten  Arten  der  ganzen  Gattung.  Die  Grundfarbe  der  Sepalen 
und  Fetalen  ist  reinweiss.  die  Flecken,  Adern  und  Punkte  hell- 
purpurroth;  das  Lobellum  hat  tief  purpurne  Seitenlappen  und 
gelben  oder  orangerothen  (?)  Mittellappen,  welcher  tief  purpurn 
geädert  ist.  Die  Säule  hat  beiderseits  einen  eigenthümlich  ver- 
breiterten Zahn. 

Deiidrohlum  Novae  Hiherniae  Krzl.  (Pedilomini) 
Caulibus  aggregatis  leviter  fractiflexis  50  cm  altis  etiam  sub  anthesi 
supra  foliaceis,  foliis  louge  ellipticis  ligulatisve  obtusis,  racemis 
brevibus  capitatis  plurifloris,  bracteis  oblongis  acutis  cucullatis 
quam  Ovaria  longioribus  petaloideis.  Sepalo  dorsali  lineari  acuto 
recto,  lateralibus  postice  in  mentum  elongatis  linearibus  acutis  leviter 
curvatis;  petalis  obovatis  omnibus  apiculatis;  labello  simplici  vix 
semilongo  e  pede  lineari  oblongo  acuto  lineis  3  elevatis  in  disco. 
tota  parte  mediana  disci  saepe  calli  instar  elevata;  mento  dimidium 
ovarii  aequante  recto  obtuso  infra  basin  usque  aperto;  gynostemio 
apice  utrinque  rotundato  androclinio  postice  doite  longo  instructo. 
rostello  lato  crasso,  antheia  plana  leviter  sulcata  antice  retusa  ibique 


802 

minutissime  papulosa,  fovea  stigmatica  ampla,  polliniis  generis.  — 
Totus  Flos  2-5  cm  diametro  eaclemque  longitudine  ipse  et  bractea 
pallide  lutea,  labellum  5  mm  longum  aurantiacum. 

Neu-Irland.  Zwischen  Cap  Capteret  und  Prasliu  Hafen  leg. 
W.  Micholitz. 

Die  Pflanze  erinnert  an  ]).  viridi-roseitni  Reichenb.  f.  {D. 
purpureum  Roxb.)  und  D.  thyrsodes  Reichenb.  f.,  unterscheidet 
sich  aber,  abgesehen  von  der  viel  geringeren  Grösse  der  ganzen 
Pflanze,  durch  das  kurze  Labellum,  welches  ziemlich  frei  in  dem 
relativ  kurzen,  vorn  ganz  offenen  Scheinsporn  steckt.  Die  Farbe 
der  Blüthen  ist  gelblich- weiss,  die  der  Lippe  orangefarben,  welche 
ebenso  wie  die  der  Deckblätter  noch  bei  Herbarexemplaren  gut  zu 
erkennen  ist.  Auch  bei  dieser  Art  trägt  die  Anthere  an  ihrem 
vorderen  abgestutzten  Rande  eine  grosse  Menge  kleiner  hj^aliner 
Papillen,  welche  in  irgend  einer  Beziehung  zum  Befruchtungsakt 
zu  stehen  scheinen.  Die  Pflanze  ist  unzweifelhaft  sehr  hübsch  und 
würde  unbedingt  die  Einführung  verlohnen,  sie  ist  dem  D.  pur- 
pureum Roxb.  entschieden  überlegen,  sowohl  an  Grösse  wie  an  Fülle 
der  Blumen.  Die  Abbildung  der  letzteren  Art,  beziehungsweise 
ihrer  Varietät  „candidulum"  in  „Lindenia"  Tab.  98  ist  ein  reines 
Phantasiestück. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Bemerkungen  über  einige  orientalische  Pflanzenarten. 

Von  Dr.  A.  von  Degen  (Budapest). 

XVL 

Zwei  neue  Pflanzen  des  westlichen  Tlieiles  der  Balkan* 

halbinsel. 

1.  Crepts  tnoesiaca, 

(Ascherson  et  Huter  in  Oe  B.  Z,  1869,  p.  67  pro  var.  C  alpestris  [Jacqu.J 
Tsch.)  Degen  et  Baldacci  sp.  n. 

E  sectione  Soyeria  Monn.  s.  Benth.  et  Hook.  Gen.  PI.  II. 
p.  515,  perennis,  glaucescens. 

Caule  pluri-,  rarius  mono-cephalo,  spithameo  usque  50  cm 
alto,  dichotome  ramoso,  ad  dichotomias  folioso;  inferne  parce,  superne 
densius  glanduloso  piloso,  pilis  simplicibus  intermixtis. 

Foliis  imis  rosulatis,  ambitu  obovato-lanceolatis.  in  petiolum 
attenuatis.  fere  ad  rachim  runcinato-pinnati  partitis,  laciniis  decur- 
rentibus,  ambitu  lanceolatis,  iteratim  in  lobos  trianguläres  acutissimos 
pinnatitidis,  lobo  terminal!  longissime  lineari  attenuato,  integro; 
caulinis  inferioribus  simplicibus,  similibus,  diminutis,  superioribus  a  basi 
latiore  lineari-subulatis,  summissquamaeformibus,  omnibus  subtus  den- 
sius, supra  parce  pilosis  pilis  glanduliferis  intermixtis. 


303 

Capitula  mediocria,  involucii  sordide  virentis,  tomentelli, 
glanduliferi,  phyllis  planis,  lineari-lanceolatis,  externis  paucis  dimidio 
brevioribus.  floribus  flavis,  acheniis  badiis,  a  media  parte  apicem 
versus  atteiiuata,  16 — 208triatis  pappo  niveo  sublougioribus. 

A  Crepido  alpestrl  (Jacqu.)  foliorum  forma  et  acheniorum 
structura,  caule  pluri-  (usque  4-)  cephalo  diifert,  earaque  ex  cl. 
Ascherson  1.  c.  jam  beatus   Reuter  pro   specie   distincta  habuit. 

Syn.  1.  Crepls  adenantha  Pichler  ap.  Pittoni  Oe.  B.  Z.  1869, 
p.  157,  non  Vis.,  cfr.  Ascherson  1.  c. 

2.  Gatyonia  Dloscoridis  var?  glanduloaa  Grsb.  ap.  Pant.  Adnot. 
p.  48. 

3.  Gatyonia  Pantocsekii  Vis.  Flor.  Dalm.  Suppl.  alterum 
pars  II,  p.  527,  tab.  XII.! 

Habitat  in  Cernagora  ad  Dalmatiae  confines  et  in  Hercegovina 
vicina. 

In  rupibus  calcareis  prope  Cerkvica  (Huter  exs.!);  in  graminosis 
sylvaticis  circa  Dubovac  prope  Orahovac  in  Bjelagora  (Pant.  1,  c). 
In  nemorosis  non  procul  a  coenobio  Cettinjensi  (Baldacci  exsicc. 
a.  1886!)  

Eine  durch  den  Habitus  einer  Lactuca  und  Köpfchen  einer 
Crepis  ausgezeichnete  Art,  deren  systematische  Stellung  durch  Auf- 
findung der  Achänen  nunmehr  festzustellen  war. 

Herr  Prof.  Paul  Ascherson  ist  laut  gütiger  Mittheilung  mit 
der  Auffassuug  der  von  ihm  zuerst  unterschiedenen  Varietät  als 
Art  vollkommen  einverstanden. 


2.  Cainpanula  hercegovina, 

Degen  et  Fiala  n.  sp. 

E  sectionis  „Medium"  DC.  subsectione  „trilocularum,  exappen- 
diculatarum  saxicolarum"  Boiss  Fl.  or.  111.  p.  894. 

Perennis,  rhizomate  crasso,  lignoso,  penetrante,  multicipite, 
e  rupium  fissuris  erumpente  caules  numerosos  spithameos,  usque 
40  cm    longos,   parce   retroisum   hirtos,    angulosos   flexuosos    edente. 

Foliis  fasciculorum  sterilium  ovatis  acuminatis,  basi  cordatis 
reniformibusque,  utriiique  2—3  dentatis,  petiolis  triplo  longioribus 
suffultis,  caulinis  imis  et  mediis  conformibus.  acutioribus,  summis 
ellipticis  vel  elliptico-lanceolatis,  brevius  pedicellatis,  denticulatis  vel 
integris. 

Floribus  in  apice  caulis  racemosis,  lacemis  paucifloris 
(2 — 5  floris);  pedunculis  tenuissimis  floribus  subaequilongis  vel 
longioribus,  bracteis  1—3  lineari  falcatis  vel  sqiiamae  formibus  suf- 
fultis, ante  anthesim  nutantibus,  demum  erectiusculis. 

Calycis  laciniis  lineari-subulatis,  calyce  duplo  longioribus, 
corolla  3—4  brevioribus  reflexis. 


304 

Coro  IIa  glabra,  pallidissime  coeiulea.  ad  tertiam  partem  in 
lobos  trianguläres  quinquefida.  longe  siibtubuloso-iufundibuliformis, 
basi  sensim  atteniiata.  stylo  subexserto. 

Planta  fragilis,  caulibus  numerosis  e  rupium  fissuris  penden- 
tibus  elegans. 

Folia  9—15  mm  longa,  inferiora  8 — 13  mm,  superiora  4—8  mm 
lata,  corolla  14 — 17  mm  longa,  calycis  laciniae  4 — G  mm  longae. 

A  Campanula  carnica  Scbiede.  et  ejus  var.  racemosa  Kras. 
in  „Ber.  d.  naturw.  Ver.  für  Steiermark",  Bd.  1888,  LXXXI.  (cujus 
specimen  cl.  autor  benevole  communicavit)  quibus  calycibus  reflexis 
et  coroUae  forma  proxima,  differt  caulibus  rigide  flexuosis,  intricatis, 
foliorum  cauliu.  forma,  corollarum  pallide  coemlearum  minorum  tubo 
angustiore  longioreque,  calycis  laciniis  triplo  brevioribus. 

Habitu  accedit  Campamdae  crassipecU  Heuff.  a  qua  differt 
foliis  caulinis  radicalibus  subcouformibus.  summis  exceptis  omnibus 
petiolatis,  statura  minore,  et  florum  copiis  ditissimis  ejus  carente. 
praecipue  autem  calycis  minoris  laciniis  longioribus,  reflexis. 

Ab  omnibus  affinitatis  Campamdae  rotundifoliae  L.  speciebus 
calycis  laciniis  jam  a  basi  reflexis  aliena. 


Habitat  in  Hercegovina. 

In  rupium  subverticalium  regionis  superioris  montis  „Prenj- 
Planina"  fissuris,  loco  „Tissovitza"  dicto,  ubi  nondum  florentem  in 
consortio  Saxifragae  coriophyllae  Grb.  detexi  d.  20,  Juli  1886;  in 
rupium  calcar.  fissuris  montis  Glogovo-Planina  prope  Jablanicam 
florentem  legit  Julio  1893  am.  et  oculatissimus  F.  Fiala. 

Eine  prächtige  Glockenblume,  deren  blühende  Stengel  meist 
von  einem  Besen  starrer,  vertrockneter  Stengel  umgeben  ist,  an 
welchen  die  eigenthümlichen  Biegungen  noch  sichtbar  sind.  Nach 
freundlicher  Mittheilung  des  Entdeckers  ihrer  Blüthen,  Herrn  Fiala, 
bewohnt  sie  schattige  Felsenwände  im  Gebiete  der  Prenj-Planina 
ober  Jablanica  in  einer  Höhe  von  1150 — 1200  m,  wo  sie  herab- 
hängende Teppiche  von  40  cm  Länge  bildet.  Sie  wächst  dort  zu- 
sammen mit  Daphne  alpina  und  Moltkia  petraea. 

Budapest,  am  31.  März  1894. 


Litteratur-Uebersicht.  '^ 

Juni  1894. 
Borbäs   Vincze.   A   sulyom   pusztulo    felbeu.    (Termeszettudomanyi 
közlöny.  XXVI,  p,  297—322.)  8".  8  Abb. 
Behandelt  das  Aussterben  der  Trapa  natans. 

')    Die    „Litteratur-Uebersicht"    stiebt    Vollständigkeit    nur    mit 
Rücksicht    auf  jene    Abhamlliingen    an,    die    entweder  in  Oesterreich-Ungarn 


SOS 

Dominicus  L.  Beiträge  zur  Flora  von  Steiermark,  insbesondere 
der  Umgebung  von  Judenburg.  (Mitth.  d.  naturw.  Ver.  für  Steierm. 
Jahrg.  1893.)  8".  11  S. 

Fiori  A.  I  generi  Tulipa  e  Colchicuia  e  le  specie  che  li  rappresen- 
tano  nella  Flora  Italiana.  (Malpighia  VlII.  Fase.  3/4.  p.  131  — 
158.)  8". 

Enthält  u.  a.  folgende  Angaben:  T.  silvestris  ß.  australis  (Lk.)  in 
Südtirol,  C.  Neapolitanum  y.  Kochii  (Pari.)  Istrien,  C.  autumnale  L. 
Istiien. 

Magnus  P.  Die  von  J.  Peyritsch  in  Tirol  gesammelten  und  im 
Herbarium  der  Universität  zu  Innsbruck  aufbewahrten  Pilze. 
(Berichte  d.  naturw.  mediz.  Ver.  in  Innsbruck.  XXI.  Jahrg.)  8". 
49  S.  1  Taf. 

Enthält  ausser  zahlreichen  für  die  Landesflora  wichtigen  Angaben  auch 
morphologisch-systematische  Beobachtungen  und  die  Ergebnisse  von  Cultur- 
versuchen.  —  Hervorzuheben  sind:  Puccinia  Magelhaenica  Peyr.  n.  sp. 
auf  Ärrhenatheruni,  gehört  zu  Aecidium  Mogelhaenicum.  —  Infectionsver- 
suche  mit  Gymnosporangium.  —  Aecidium  Peyritschianum  P.  Magn.  n.  sp. 
auf  Oxalis  corniculata  bei  Bozen.  —  Marsonia  Sorbi  P.  Magn.  auf  Sor- 
6t*5  Aria  bei  Vill.  etc. 

Massa longo  C.  Nuova  contribuzione  alla  micologia  Veronense. 
(Malpighia  VIII.  Fase.  3/4.  p.  97—130.)  8". 

Enthält  zahlreiche  Angaben  aus  dem  italienisch-tirolischen  Grenz- 
gebiete (Baldu,  Tregnago  etc.). 

Molisch  H.  Notizen  zur  Flora  von  Steiermark.  3.  Beitrag,  (Mitth. 
d.  naturw.  Ver.  für  Steierm.  Jahrg.  1893.)  8".  4  S. 

Nestler  A.  Ueber  Kingfasciation.    (Sitzungsber.    d.  k.  Akademie  d. 
Wissensch.  Wien.   Math.-naturw.  Cl.   Bd.  CHI.)   8".  16  S.  2  Taf. 
Vergl.  diese  Zeitschr.  Nr.  5. 

Preissmann  E.  Ueber  einige  für  Steiermark  neue  oder  seltene 
Pflanzen.  (Mitth.  d.  naturw.  Ver.  für  Steierm.  Jahrg.  1893.)  8".  7  S. 

Raciborski  M.  Die  Morphologie  der  Cabombeen  und  Nymphaea- 
ceen.  („Flora"   1894.  Heft  3.)  38  S.  9  Abb. 

Schiffner  V.  Revision  der  Gattungen  Bryopterin,  Thysananthus, 
Ptychanthus  und  Phragmicoma  im  Herbarium  des  Berliner  Mu- 
seums. (Hedwigia  XXXHI.  Heft  3.  S.  170—176.)  3  Taf. 

Beginn  einer  grösseren  Arbeit,  bringt  Einleitung  und  Beginn  der 
Gattung  Bryopteris. 

Wettstein  R.v.  „Botanik"  in  E.  Richter:  Die  wissenschaftliche  Er- 


erscheinen  oder  sich  auf  die  Flora  dieses  Gebietes  direct  oder  indirect  be- 
ziehen, ferner  auf  selbstständige  Werke  des  Auslandes.  Zur  Erzielung 
thunlichster  Vollständigkeit  werden  die  Herren  Autoren  und  Verleger  um 
Einsendung  von  neu  erschienenen  Arbeiten  oder  wenigstens  um  eine  Anzeige 
über  solche  höflichst  ersucht.  Die  Red. 


306 

forschung  der  Alpen.  (Festschrift  des  deutsch,  und   österr.  Alpen- 
vereines.) 8".  8  S. 

Wiesner  I.  Pflauzenphysiologische Mittheilungen  aus  Buitenzorg  III. 
lieber  den  vorherrschend  orabrophilen  Charakter  des  Laubes  der 
Tropengewächse.  (Sitzungsber.  d,  k.  Akad.  d.  Wissensch.  in  Wien. 
Math.-naturw.  Cl.  Bd.  CHI.)  8".  23  S. 


Altenkirch  G.  Studien  über  die  Verdunstungs-Schutzeinrichtungen 
iu  der  trockenen  Geröllflora  Sachsens.  (Engler's  Botan.  Jahrb. 
XVIII.  Bd.  4.  Heft.  S.  354-393.)  8".  13  Figuren. 

Eine  Arbeit,  die  auf  streng  exacter  Basis  ruhend,  zeigt,  iu  welcher 
Weise  die  Localfloristik  durch  Beobachtungen  in  biologischer  Hinsicht  eine 
Hebung  erfahren  kann,  welch'  reiches  Feld  zu  Beobachtungen  selbst  ein 
gut  durchforschtes  Florengebiet  noch  bietet. 

Briquet  J.  Etudes  sur  les  Cytises  des  Alpes  maritimes  comprenant 
un  examen  des  affinites  et  une  revision  generale  du  genre  Cytisus. 
Geneve  (Georg  et  Co.).  8«.  202  p.  3  Taf. 

Eine  sehr  beachtenswerthe  gründliche  Arbeit,  die  geradezu  eine  mono- 
graphische Behandlung  der  ganzen  Gattung  enthält  und  eine  sehr  werth- 
volle  Basis  für  philogenetisch-systematische  Untersuchungen  abgibt. 

Frank  A.  B.  Pflanzenkunde  für  niedere  und  mittlere  Landwirth- 
schaftsschulen  und  verwandte  ünterrichtsanstalten.  Hannover 
(Hahn).  8".  176  S.  133  Illustr.  —  Mk.  2-50. 

Fünfstück  M.  Botanischer  Taschenatlas  für  Touristen  und  Pflanzen - 
freunde.  Stuttgart  (Naegele).  8".  171  S.  128  color.  und  23  schwarze 
Tafeln.  —  Mk.  5-40. 

Hanbury  F.  I.  A  tentative  list  of  British  Hieracia.  (Journ.  of 
Bot.  XXXII.  Vol.  Nr.  379.)  8^  1   Tabelle. 

Jadin  F.  Contribution  ä  l'etude  des  Terebinthacees.  Montpellier 
iSerre  et  Roumegous).  8".  89  p.  42  Fig. 

Vergleichend  anatomische  Untersuchung  des  Stengels  von  67  Gattungen 
(von  71  existirenden)  mit  207  Arten,  die  zur  Auffindung  von  die  Familie 
charakterisirenden  Merkmalen  führte,  jedoch  nicht  zur  Möglichkeit  der 
Erkennung  der  Gattungen. 

Ihne  E.  Phoenologische  Beobachtungen.  Jahrgang  1893.  (Berichte 
der  Oberh.  Gesellsch.  f.  Natur-  und  Heilkunde  zu  Giessen  XXX.) 
8".  18  S. 

Enthält  die  Beobachtungen  von  61  Stationen  (gegen  59  des  Vorjahres). 

Jones cu  Dimitrie  G.  Weitere  Untersuchungen  über  die  Blitz- 
schläge in  Bäume.  (Berichte  der  deutsch.  l)otau.  Gesellsch.  XII. 
Heft  5.)  81  8  S. 

Kaebitzsch  A.  Die  Alpenpflanzen.  Uebersetzung  aus  Kambert  E. 
„Les  alpes  Suisses".  Dresden  (A.  Huhle)  8".  85  S. 


B07 

Kleb  ahn  H.  Culturversuche  mit  heteröcischen  ürediiieen.  II.  Be- 
richt. (Zeitschr.  für  Pflanzenkranifheiten  IV.  Bd.  S.  7--13,  85—90, 
129—139.)  8".  1   Taf. 

Die  wichtigen  Versuche  betrafen:  Coleosporium  Tu.Hsilaginis,  Coleo- 
sporium  Eupitrasiae.  Peridermium  Pini,  Aecidium  datinum,  Melampsora 
Laricis,  Puccinia  Caricis.  Aecidium  Grossularine,  A.  Urticae,  Puccinia 
coronata  und  P.  coronifera  Kleb..  P.  Trailii.  P.  Digrapkidis  Sopp., 
P.  Moliniae  Tul..  P.  Festucae  Plowr. 

Kohl  F.  G.  Die  Mechanik  der  Keizkrümraungen.  Marburg  (N.  G. 
Elwert).  8".  94  S.  19  Fig.  6  Taf.  —  Mk.  4-50. 

Lickleder  M.  Die  Lebermoose  der  Umgebung  von  Metten,  ein 
Beitrag  zur  Flora  des  bayerischen  Waldes.  (Botan.  Ver.  in  Lands- 
hut XIIL  S.  115—124.)  8". 

Loew  0.  The  energy  of  the  Liviug  Protoplasm.  (Imperial  Univer- 
sity  Tokio.  College  of  Agriculture  Bullet.  Vol.  11.  Nr.  1.)  8".  41  S. 

Magnus  P.  Mycologische  Ergebnisse  eines  kurzen  Ausfluges  bei 
Meissen.  (Isis  1893.)  8".  2  S. 

Enthält  u.  a.  die  erste  Angabe  über  das  Auftreten  der  Plasmodiopkora 
Brassicae  auf  einer  wildwachsenden  Crucifere  {Nasturtium  silvestre). 

Pfitzer  E.  Uebersicht  des  natürlichen  Systems  der  Pflanzen.  Heidel- 
berg (C.  Winter).  3".  36  S. 

Dem  vorliegenden  Buche  liegt  derselbe  Plan  wie  dem  Eichler'schen 
und  Engler'schen  Syllabus  zu  Grunde.  Es  ist  in  erster  Linie  für  die 
Vorlesungen  besuchende  Studenten  bestimmt.  Es  ist  ganz  natürlich,  dass 
Verf.  daher  dasselbe  zunächst  seinen  Vorlesungen  anpasst  und  in  mancher 
Hinsicht  seine  Anschauungen  ausdrückt.  In  der  Anlage  hält  das  Buch 
gewissermassen  die  Mitte  zwischen  den  beiden  genannten,  es  verwerthet 
viele  neuere  Ergebnisse  der  Systematik,  ist  aber  weniger  ausführlich  und 
weniger  reformatisch  als  das  Engler'sche.  Von  beiden  Werken  weicht  es 
durch  die  Anordnung  der  grossen  Gruppen  ab,  es  beginnt  mit  den  Mono- 
cotyledonen,  schliesst  an  diese  die  Sympetalen,  dann  die  Choripetalen,  die 
Gymnospermen  und  schliesst  mit  den  Kryptogamen.  Der  —  Notizen  zu- 
lassende —  halbseitige  Druck  ist  gewiss  sehr  zweckmässig.  Kurze  Angaben 
über  Verwendung  oder  sonstige  Bedeutung  der  besonders  hervorgehobenen 
Arten,  etwa  nach  Art  des  Eichler'schen  Syllabus  hätten  zwar  den  Um- 
fang etwas  vergrössert,  wären  aber  gewiss  gerade  für  Studenten  wtrthvoll. 

Kaesfeldt  Freih.  v.  Der  Wald  in  Niederbayern  L  Der  bayerische 
Wald.  (Botan.  Ver.  zu  Landshut  XIIL  S.  1—114.)  8". 

Rehm  H.  Discomycetes.  liabenhorst's  Kryptogamenflora  von 
Deutschland  etc.  L  Bd.  III.  Abth.  Lief.  42.  Leipzig  (E.  Kummer). 
8".  S.  913—970.  Illustr.  —  Mk.  2-40. 

Behandelt  die  Gattungen  Pitya.  Bariaea,  Hmnaria,  Pyronema,  Aleu- 
ria,  Geopyxis. 

Schumann  K.  Lehrbuch  der  systematischen  Botanik,  Phytopalae- 
uutologie  und  Phytogeographie.Stuttgart  (Enke).  8".  705  S.  193  Fig. 
1    Karte.         Mk.   IG. 


308 

Small  J.  K.  and  Muriay  Vail.  A  Report  on  the  botanical  ex- 
ploration  of  Southwestern  Virginia  during  the  season  of  1892. 
(Mem.  of  the  Torrey  botan.  Club.  Vol.  IV.  Nr.  2.)  8".  108  p. 
8  Taf. 

Mit  Beiträgen  von  Britton  E.  G.  {31usci),  Evans  A.  W.  (Hepaticae). 
Eckfei  dt  J.  W.  (Lichenes). 

Smith  J.  Ct.  Nord  American  Species  of  Sagittaria  and  Lophoto- 
carpus  (Annual  Report  of  the  Missouri  bot.  Garden  VI.)  37  p. 
29  Taf. 

Monographische  Behandlung  der  genannten  Genera. 

Toni  De  J.  B.  Sylloge  Algarum  omnium  hucusque  cognitarum 
Vol.  II.  ßacillarieae  Sect.  III.  Crvptorhaphideae.  Berlin  (Fried- 
länder u.  S.)  8".  p.  819—1556  et  p.  CCXIV.  —  Mk.  48. 

Tschirch  A.  und  Oesterle  0.  Anatomischer  Atlas  der  Pharmako- 
gnosie und  Nahrungsmittelkunde.  Lieferung  4.  Leipzig  (0. 
Weigel).  4". 

Die  vorliegende  Lieferung  behandelt:  Vanilla,  Papaver,  Coffea,  Mentha. 
Acorus. 

Weber  C.  Ueber  die  Vegetation  des  Moores  von  Augstumal  bei 
Heydekrug  (Mitth.  über  Moorcultur  1894,  Nr.  10.)  8".  12  S. 


Flora  von  Oesterreich-Üngarn. 

Niederösterreich. ') 

Referent    H.    Braun    (Wien). 
Quellen. 

1.  Zahlbruckner  Dr.  A.  Pannaria  austriaca  nov.  spec.  in 
Annalen  des  naturhist.  Hofmuseums.  Bd.  VIII.  Heft  3  und  4. 
S.  438—439. 

2.  Beck  Dr.  G.  v.  Die  Schneeglöckchen.  Eine  monographische 
Skizze  der  Gattung  Oalanthus.  Separatabdruck  aus  der  Wiener 
illustrirten  Garten-Zeitung.  Februar  1894. 

3.  Braun  H.  Ueber  einige  kritische  Pflanzen  der  Flora  von  Nieder- 
österreich IV.  In  Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1894.  S.  20—23. 

4.  Chodat.  Monographia  Polygalacearum.  IL  (Mem.  de  la  Soc. 
de  phys.  et  d'histoire  nat.  de  Geneve.  t.  XXXI.  II.) 

5.  Fritsch  Dr.  C.  Das  Auftreten  von  Cuscuta  suaveolens  Ser.  in 
Niederösterreich  in  Verh.  der  k.  k.  zool. -botan.  Gesellsch.  XLIII 
(1893).  Sitzungsberichte  p.  48—50. 


')  Das  Referat  bezieht    sich    auf  den  Zeitraum    vom  1.  December  1893 
bis  1.  Juni   1894. 


309 

i^.  Fritscli  Dr.  C.  Beiträge  zur  Hora  der  Balkanbalbiiisel  etc. 
1.  Theil.  Verh.  der  k.  k.  /ool.-botan.  Gesellsch.  189-1.  Abliand- 
liingen  S.  03—186. 

7.  Müllner  M.  F.  Zwei  für  Niederösterreich  neue  Eichenhybrideu. 
in  Verh.  der  k.  k.  zool.-botan.  Gesellsch.  XLIV  (1894).  Sitzungs- 
berichte S.  4— 6. 

8.  Wettstein  Dr.  R.  v.  Untersuchungen  über  Pflanzen  der  österr.- 
ungar.  Monaichie.  II.  Die  Arten  der  Gattung  Enphrasia  in 
Oesterr.  botan.  Zeitschr.  1894.  S.  5-11. 

9.  Braun  H.  Origiualmittheilungen. 

10.  Haring  Joh.,  Lehrer  in  Stockerau.  Schriftliche  Mittheilungen 
aus  der  Flora  von  Stockerau.  (Belegexemplare  wurden  mir  ein- 
gesendet.) 

11.  Jahn  Josef,  Oberlehrer  in  Piberschlag  bei  Gratzen  in  Böhmen. 
Schriftliche  Mittheilungen  über  die  Flora  des  niederösterreichi- 
schen Waldviertels. 

a)   Kryptogamen. 

1.   Flechten. 

Pannaria  austriaca  A.  Zahlbr.  Auf  Felsen  der  kleinen  Klause  nächst 
Aspang  (1). 

2.  Gefässkryptogamen. 

Lycopodium  Selago  L.  Beschatteter  Felsen  beim  Steinteich  nächst 
Pyrabriick,  Bezirk  Weitra  (11).  —  Polypodiam  Dryopteris  L. 
Wandelstein  bei  Weitra  (11).  P.  Phegopteris  L.  Wandelstein 
bei  Weitra  (11).  —  P.  vulgare  L.  Ebendaselbst  (11).  —  Bo- 
trychium  vulgare  L.  Feldraine,  Waldränder  und  Weiden  bei 
Pyrabruck,  Hoinreichs.  Harbach.  WuLschau  bei  Weitra  (11). 

b)  Phanerogamen. 

Convallaria  verticillata  L.  Nebelstein  bei  Weitra  (11).  -  Leucojum 
vernum  L.  Eichberg  bei  Gmünd  (11).  —  Q-alanthus  nivalis  L. 
a.  europaeus  G.  Beck  var.  virescens  Leichtlin.  Wiener  bota- 
nischer Garten  (2).  —  G.  nivalis  L.  ß.  inajor  Tenore.  Nieder- 
österreich (2).  —  Juncus  squarrosus  L.  Auf  Moorwieseu  und 
in  Holzschlägen  bei  Heinreichs,  Bez.  Weitra  (11).  —  Luzula 
maxima  DC.  Nebelstein  bei  Weitra  (11).  —  Typha  angustifoliaJj. 
Teich  bei  Weissenbach  nächst  Gmünd  (11).  —  Rhynchospora 
alba  Vahl.  Moorwiesen  bei  Heinreichs  und  Pyrabruck  (11).  — 
Eriophorum  vaginatuin  L.  Tbiergarten  bei  Gmünd  (11).  — 
Quercits  lamiglnostis  Thuill.  X  Robiir  L.  {Q.  puhescem 
Willd.  X  peduncidata  Ehrh.),  Q.  Kanlt.niana  Borb.  Auf  steini- 
gen, buschigen  Hügeln  zwischen  Ober-St.  Veit  und  Lainz  in  Wien 
(7).    —  Q.   Rofmr  L.  X  sesfiiliflora  Salisb.,    Q.  intermedia 


310 


Boenn.  Ober-St.  Veit  bei  Wien,  am  Rande  des  Eichenwäldchens. 

—  Q.  hadensis  G.  Beck  (Q.  sessilißora  X.  lanughiosa)  bei  Ober- 
St.  Veit  in  Wien  (7).  —  Salia-  serieaas  Tausch  (-S.  Capraea  X 
viminalis).  Spillerer  Au,  am  sogenannten  Kuttelgraben  (10).  — 
6'.  sordida  A.  Kerner  {S.  purpurea  X  cinerea).  Kleine  Eemise 
bei  dem  Dorfe  Wiesen  nächst  Stockerau  (10).  —  Stellar ia  uligi- 
nosa  Murr.  Thiergarten  bei  Gmünd  (11).  —  Sagina  Linnaei 
Presl.  Wiesen  bei  Pyrabruck,  Bez.  Weitra(ll).  — Ranunculus  aco- 
nitifolius  L.  Kottes  im  Waldviertel,  Isperthal  bei  Seitenstetteu 
sehr  häufig,  Bachränder  bei  Waidhofen  a.  d.  Tbbs;  Sattelbauer 
Gschaid  bei  St.  Egyd  (6).  —  R.  p/atanifolius  L.  Einsiedel- 
graben bei  Karlstift.  Schneeberg  und  Raxalpe  und  deren  Um- 
gebungen häufig;  Semmering,  Sonnwendstein  (6).  —  Corydalis 
solida  Sm.  Ufer  der  Lainsitz  bei  Eichberg  nächst  Gmünd  (11). 

—  Sinapis  arvensis  L.  In  Getreidefeldern  bei  Pyrabruck  (Weitra) 
zerstreut  (11).  —  Berteroa  incana  DC.  An  trockenen  Strassen- 
rändern  bei  Wielands  nächst  Gmünd  (11).  —  Teesdalia  nudi- 
caulis  R.  Br.  Auf  Feldern  und  saudigen  Hügeln,  häufig  bei 
Pyrabruck,  Heinreichs,  Bez.  Weitra  (11).  —  Hypericum  hir- 
sutum  L.  Gebüsche  bei  Heinreichs  nächst  Weitra  (11).  —  Hy- 
pericum quadrangulum  L.  Wiesen  bei  Heinreichs  nächst  Weitra 
(11).  —  Tilin  palllda  Wierzb.  {T.  cordata^  X  platyphyllos) 
(nach  Originalien  im  Herbare  Reichenbach).  Zwischen  den 
Stammältern  in  Remisen  bei  Vöslau,  ein  schöner  Baum  im 
botanischen  Garfen  der  Wiener  Universität  (9).  —  T.  coryli- 
folia  Host  var.  saxetosa  H.  Braun  ').  In  Wäldern  des  Kalender- 
berges nächst  Mödling  (9).  —  Tilia  Hofmanniana  Opiz  var. 
hirtella  H.  Braun ').  Ziemlich  häufig  an  Waldrändern  bei 
Vöslau  (9).  —  T.  Pseudoobliqua  Simk.  var.  pinetoriirn 
H.  Braun ').  In  Föhrenwäldern  der  Umgebung  Mödlings,  und 
besonders  häufig  am  Anninger  und  in  den  Wäldern  aer  Hinter- 
brühl  (9).  — •  T.  Pseudocorollina  Simk.  {T.  corollina  Host  non 
Alt.)  var.  nemoralis  H.  Braun').  In  Hainen  bei  Ober-St.  Veit 


')  Die  Beschreibung  dieser  Form  folgt  bald  an  anderer  Stelle. 

'')  Tilia  Hofmanniana  Opiz  Sezn.  p.  9'  (1852);  Bayer  Monogr.  Til. 
p.  39  (1862)  var.  hirtella  H.  Braun -.  von  der  typischen  Form  durch  sitzende, 
kürzere  und  breitere  Brai  teen,  viel  kürzere  Blüthen  und  Cymenstiele,  durch 
an  der  Basis  kahle  Griffel  und  eine  viel  feinere,  weniger  tiefe  und  spitze 
Serratur  verschieden.  Die  Originalexeniplare  der  T.  Hofmanniana  Opiz,  welche 
ans  dem  Herbare  der  Prager  deutschen  Universität  mir  vorlagen,  und  deren 
Einsichtnahme  mir  durch  die  Güte  des  Herrn  Professors  v.  Wettstein  er- 
möglicht wurde,  stammen  vom  Karlsthore  in  Prag  und  zeigen  übrigens  auch 
sehr  kurz  g-'stielte  Bracteen.  ja  einige  rierselben  sitzen  direct  an  der  primären 
Axe.  Dagegen  ist  der  -Blüthenstand  durch  die  verlängerten  Blüthen-  und 
Cymenstiele  viel  spairiger  und  lockerer,  die  Serratur  viel  gröber  wie  bei  der 
var.  hirtella.  Tilia  Hofmanniana  Opiz  ist  eine  der  zierlich>ten  Linden,  durch 
die  kleinen  Blätter  und  die  langen,  die  Inflovescenz  überragenden  Bracteen 
ausserordentlich  auffällig. 


311 

nächst  Wien    (9),  T.  PuciiiloconMüM  Host    var.   ifvacilis 

H.  Braun  ').  In  lichten  Wäldern  bei  01)er-St.  Veit  in  Wien,  in 
Wäldern  bei  Hainbach,  Pottenstein,  häutig  bei  Merkenstein  nächst 
Vöslau  (9).  —  T.  fdriaca  H.  Braun  ')  (aus  der  Gruppe  der 
T.  cülchica  Steven).  Haine  bei  Ober-St.  Veit  nächst  Wien  (Idria 
in  Krain)  (9).  —  T.  Tucekii  Opiz  iu  Lotos  1854,  p.  103, 
Bayer,  Monogr.  Tiliar.  p.  41  (1862).  Am  Kahlenberg  in  Wäl- 
dern gegen  Klosterneuburg,  Weidliug,  in  Wäldern  des  Roth- 
grabens, ein  prächtiger  Baum,  cultivirt  im  botanischen  Garten 
der  Universität  Wien  (9).  —  T.  plati/phuUos  Scop.  (T.  Turekti) 
var.  Harlngkina  H.  Braun  ').  Am  Rathhausplatze  zu  Stockerau 
( 10).  -  T.  pyramidalis  Host  var.  Pseddo-tnutabilisE.  Braun  '). 
Auf  Bergen  bei  Mödling,  Haine  bei  Ober-St.  Veit  nächst  Wien 
(9).  —  Polygala  amarella  Crantz,  var.  viilgatissltua  (]hod. 
Niederösterreich  (4).  -  Epilubium  roseum  Retz.  Am  Bache  bei 
Pyrabruck  nächst  Weitra  (11).  Circaea  alpina  L.  k\\  Wald- 
gräben bei  Heinreichs,  Bez.  Weitra  (11).  -  Rosa  dunietornni 
var.  Bvachtii  H.  Braun.  Umgebung  von  Wien,  Bisamberg, 
Klosterneuburg  (3).  —  Afjrimonia  Eupatoria  L.  Pyrabruck  bei 
Weitra  (11).  —  TrlfoUam  incamatum  L.  Eisenbahndamm  bei 
Stockerau  (10).  -  T.  monlamon  L.  Sandige  Hügel  (^Vald- 
ränder)  bei  Pyrabruck  nächst  Weitra  (11).  —  Pirola  im/ßora 
L.  Waldgräben  bei  Heinreichs  nächst  Weitra  (11).  -  L>/si- 
machia  thyrsißora  L.  Teiche  beim  Thiergarten  nächst  Gmünd 
(11).  '  Soldanella    montana    WiUd.    Wälder    bei    Pyrabruck, 

Heiureichs,  Harbach,  Wulschau  im  Bezirke  Weitra  (11).  — 
Cttscutxt  suaveolrus  Ser.  (C.  corinnhosa  Choisy,  C  hassiaca 
Pfeiffer).  Auf  Luzenierklee  im  Doiiaufelder  Schulgarten  nächst 
Wien  (5).  —  MiipJirasla  Tatarica  Fischer  {E.  pubevula 
Jord.).  Rossatz,  in  der  Krieau  in  Wien  (8).  —  Pedicularis  sil- 
vatica  L.  Sumpfige  Wiesen  bei  Pyrabruck  und  Heinreichs,  Bez. 
Weitra  (11).  —  Oriiianum  vuhjare  L.  Strassenrand  bei  Wul- 
schau, Bez.  Weitra  (11).  —  Filago  arvetisis  Fr.  Rabennest  bei 
Harbach    nächst    Weitra    (11).       -     Pulicaria    vuhjaris   Gärtn. 


')  Tilia  platyphyllos  {Tucekii)  var.  Haringiana  H.  Brann.  Coitex 
bruneus,  raniuli  juuiores  pub  esc ontes.  Folia  in  ambitu  ovoidea  vel 
late  ovoidca.  ;i<l  basin  rarius  eraarginata  vel  subcordata,  pleruiiique  integra 
rt  oblique  retusata,  +  longe  petiohita,  petiolis  pilosis;  supra  leviter 
pilosula,  subtus  ad  venas  dense  pilusa,  in  lamina  pilosa.  in  raaiirine 
inaequaliter  late  tiinnguläri  serrata,  in  apioom  versus  aprute  et  lunge 
apiculata.  Bracteae  longe  pedicellatae  apicem  versus  non  attfnuata,  cymis 
longe  supei  antes.  Cymae  plernmque  3  —  4  flnrae.  non  long«  ijetiolatae  fojimn 
fi  re  aequaiiles,  vel  iis  bieviires.  pedicelli  non  .-lungati.  Styli  ba.-i  pilosi. 
Nux  obovoidea.  —  Zunächst  der  T.  Tucekii  Opiz  viiwandt,  von  dicMi  .-oi'ort 
durcli  die  viel  langer  gestielten  Bract<en,  die  sich  nach  oben  nicht  uull'allend 
verschniälern,  viel  grössere,  länger  gestielte  Nässe,  an  der  Basis  behaarte 
GriflFel,  gröbere  Serratur  der  Blätter  und  die  Grösse  letzterer  zu  unterscheiden. 
Stockerau,  Auwinkel  bei  Budapest  (Borbäs). 


312 

Wt^'ssiMibacli  hfii  Gmünd  (11).  —  Petasites  albus  Gärtn.  Nasso 
WaJdstellen  bei  Heiiireichs,  Bez.  Weitra  (11;.  —  Homogyne 
(dpina  Cass.  Nebelstein  bei  Weitra  (11).  —  Cirsium  hetero- 
phyl/um  All.  Heinreichs,  Bez.  Weitra  (II).  —  Carduus  crispus 
L.  Höheuberg  bei  Gmünd  (11).  —  WüUmetia  ap arf/ o ides  CsiHS. 
Moorige  Wiesen  bei  Pyrabiuck,  Heinreichs,  Harbach,  Lauter- 
bach, Hirschen  wiese  (Bez.  Weitra)  (11). 

Namensänderungen. 

Adonis  aesiivalis  L.    Spec.  pl.    ed.  TI   (17(:)2)  =   A.  phoetil- 

cea  L.  Spec.  pl.  ed.  T  (1753),  pro  varietate  Adonidis  armuae  (6).  - 
Thalictrvtn  angastifoUum  Jacq.  (1762)  =  T.  hwiduniL.  Spec.  pl. 
ed.  I  (1758)  (6).  —  T.  majus  Crantz  =  T.  minus  L.,  üppige  Form  (6). 
—  Ranunculus  aconitifolius  Aut.  austr.  'mi.  =  R.  aconitifoliua  L.  -|- 
R.  platanifolius  L.  (6). 

Botanische  Gesellschaften,  Vereine,  Gongresse  etc. 

Kais.  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien. 

Sitzung  der  math.-natarw.  Gl.  vom  7.  Juni  1894. 

Das  w.  M.  Herr  Hofrath  Prof.  J.  Wiesner  übergibt  unter 
dem  Titel:  „Vergleichende  physiologische  Untersuchungen 
über  die  Keimung  europäischer  und  tropischer  Arten 
von  Visen»!  und  Loranthus''  die  vierte  „p  fl  a  n  z  e  n  p  h  y s i  o  1  o  g i s  ch  e 
Mittheilung  aus  Buitenzorg". 

Die  in  Buitenzorg  imtemommenen  Untersuchungen  führten 
nicht  nur  bezüglich  der  Tropenvegetation  zu  physiologisch  verwerth- 
baren  Resultaten,  sondern  gaben  auch  Veranlassung,  die  correspou- 
direnden  Lebensverhältnisse  unseier  Gewächse  von  neuen  Gesichts- 
punkten aus  zu  studiren. 

Die  wichtigsten  Resultate  der  vorgelegten  Arbeit  lauten: 

1.  Gleich  den  Samen  von  Viscum  alhum  keimen  auch  die 
Samen  von  Loranthus  europaeus  nur  im  Lichte. 

2.  Gleich  den  Samen  von  Viscum  a/bum  machen  auch  die 
von  Loranthus  europaeus  eine  bis  in  den  Frühling  hineinreichende 
Ruheperiode  durch. 

3.  Die  Samen  von  Viscum  aibutn  waren  in  der  Ruheperiode 
(und  zwar  in  der  Zeit  von  November  bis  Jänner)  selbst  unter  den 
günstigen  Beleuchtungsverhiiltnissen  Biiitenzorgs  nicht  zum  Keimen 
zu  bringen.  Der  Mangel  an  hinreichender  Lichtinteusität  kann  des- 
halb nicht  die  Ursache  oder  nicht  die  einzige  Ursache  sein,  weshalb 
die  Samen  dieses  Schmarotzers  im  Winter  nach  der  Fruchtreife  — 
sonst  günstige  Keimungsbedingungen  vorausgesetzt  nicht  zum 
Keimen  zu  bringen  sind. 


313 

4.  Die  Samen  der  tropischen  Loranthaceen  (Viscum  articu- 
latiun  und  Orientale,  Loranthus  repandus  und  pentandrus)  keimen 
sowohl  im  Lichte  als  im  Dunkeln,  aber  im  Lichte  rascher  und  mit 
höherem  Keimpercent. 

5.  Die  Samen  der  drei  erstgenannten  tropischen  Loranthaceen 
keimen  nach  wenigen  Tagen,  es  kommt  ihnen  somit  keine  Ruhe- 
periode zu.  Lorunlhus  pentandrus  keimt  hingegen  infolge  schwieriger 
Aufschliessung  der  Reservestoffe  erst  nach  einigen  Wochen. 

6.  Die  europäischen  Loranthaceen-Früchte  (Scheinfrüchte)  sind 
weitaus  viscinreicher  als  die  tropischen,  parasitisch  lebenden.  Die 
tropischen,  nicht  parasitisch  auf  Bäumen  lebenden  Loranthaceen  (z.  B. 
Gaiadendron)  sind  viscinfrei. 

7.  Der  Visciuschleim  dient,  wenn  er  in  kleiner  Menge  vor- 
handen ist,  zur  Anheftung  der  Samen  auf  der  Rinde  der  Wirth- 
bäume.  Wenn  er  in  grosser  Menge  vorhanden  ist,  dient  er  nicht 
nur  zur  Anheftung  der  Samen;  schon  in  der  Fruchtlage  scheint  er 
durch  in  demselben  vorhandene  Hemmungsstoffe  die  Keimung  der 
daselbst  im  gequollenen  Zustande  vorhandenen  Samen  hintanzuhalten. 
Die  Samen  von  Viarmn  alhum  keimen  deshalb  am  besten,  wenn  sie 
vom  Viscinschleim  befreit  sind. 

8.  Die  Samen  von  Viscum  alhum  sind  wenig  hygroskopisch, 
nehmen  nur  wenig  liquides  Wasser  auf  und  geben  ilasselbe  rasch 
wieder  ab,  sie  sind  also  bei  der  Keimung  vor  allem  auf  jene 
Wassermenge  angewiesen,  welche  im  reifen  Samen  enthalten  ist. 
Sie  keimen  deshalb  in  trockener  Luft  und  sind  gegen  die  Ver- 
dunstung derartig  geschützt,  dass  ein  schwaches  Keimen  dieser 
Samen  selbst  im  Exsiccator  zu  erzielen  ist. 

9.  Die  Samen  der  tropischen  Loranthaceen  keimen  selbst  in 
sehr  feuchter  Luft  nicht  oder  nur  sehr  unvollständig;  zur  normalen 
Keimung  derselben  ist  liquides  Wasser  erforderlich. 

10.  Da  die  Mistelsamen  bei  uns  in  einer  trockenen  Periode 
keimen,  in  welcher  im  extremsten  Falle  auf  400  regenlose  Stunden 
nur  eine  Regenstunde  kommt,  hingegen  die  tropischen  Loranthaceeu- 
samen  während  der  Keimung  reichlich  dem  Regen  ausgesetzt  sind, 
so  erhellt.  da.ss  sowohl  die  ersteren  als  die  letzteren  den  klima- 
tischen Verhältnissen  vollkommen  angepasst  sind. 

11.  Gleich  dem  Würzelchen  (hypocotylen  Stengelglied)  von 
Viscum  album  sind  auch  die  Würzelchen  V.  articulatum  und  Orien- 
tale negativ  heliotropisch,  aber  im  schwächeren  Grade  als  die  ersteren. 

12.  In  späten  Entwicklungsstalien  sind  die  Würzelchen  der 
Viscum-kvi^w  negativ  geotropisch.  aber  in  verschiedenem  Grade,  die 
der  tropischen  stärker  als  die  von  V.  alhum.  Der  negative  Geotro- 
pismus kommt  unter  Umständen  der  Anheftung  der  Würzelchen 
ebenso  zugute,  wie  der  negative  Heliotropismus. 

13.  Mit  dem  Eintritte  des  negativen  Geotropismus  der  Würzel- 
chen von  Viscum  alhum  wachsen  dieselben  auch  im  Dunkeln. 

Oesterr.  botan.  ZeiUchrift.  8.  Heft.  18U4.  24 


814 

14.  Durch  das  Experiment  (z.  B.  bei  allseits  gleichmässiger 
Beleuchtung  der  Keimlinge)  lässt  sich  zeigen,  dass  die  Würzelchen 
von  Viscum  auch  spontane  Nutationen  durchmachen,  welche  unter 
Umständen  (z.  B.  im  schwachen  Lichte)  dazu  führen  können,  die 
Würzelchen  mit  dem  Substrate  in  Berührung  zu  bringen. 

15.  Der  bisher  unaufgeklärte,  langanwährende  Keimverzug 
(Ruheperiode)  der  Samen  von  Viscum  album  scheint  hauptsächlich 
auf  folgenden  drei  Ursachen  zu  beruhen:  a)  auf  langsamer  Auf- 
schliessung der  Reservestoffe,  b)  auf  phylogenetisch  sich  bethätigeu- 
den  Einflüssen  des  Lichtes  auf  den  Keimprocess  und  c)  auf  dem 
Auftreten  von  die  Keimung  aufhaltenden  Substanzen  (Hemmungs- 
stoff eu)  in  dem  die  Samen  umgebenden  Viscinschleim. 

16.  Die  specifischen  Einrichtungen  der  Loranthaceensamen, 
beziehungsweise  Früchte  und  die  specifischen  Eigenthümlichkeiten 
der  Keimung  der  parasitischen  Loranthaceen  geben  sich  durchwegs 
als  zweckmässige  Anpassungserscheinungen  zu  erkennen. 

In  der  Zeit  vom  4.  bis  11.  August  findet  in  Brüssel  ein 
„Congres  international  de  chimie  appliquee'  statt.  Agri- 
cultur-Chemie  und  biologische  Chemie  werden  durch  eigene  Sec- 
tionen  vertreten  sein.  

An  dem  botanischen  Abende  der  deutschen  Botaniker  in 
Prag  am  6.  Juni  hielt  Herr  Prof.  Dr.  M.  Willkomm  einen  Vor- 
trag „über  einige  bemerkenswerthe  Pflanzenformationen  der  pyre- 
näischen  Halbinsel".—  Prof.  Dr.  Wettstein  demonstrirte  blühenden 
Oytisus  Adami  und  //-«s- Hybride,  welche  in  den  Blüthen  die  Farben 
der  Stammarten  neben  einander  aufwiesen. 

Am  4.  Juli  demonstrirte  Herr  J.  Rompel  Pelorien  von  La- 
inium  maculatum,  Herr  Prof.  E.  Reinitzer  referirte  über  Düngungs- 
versuche mit  Kalisalpeter,  Herr  Prof.  v.  Wettstein  hielt  einen 
Vortrag  „über  das  Audraeceum  der  Rosifloren". 


Botanische  Sammlungen,  Museen,  Institute  etc. 

Herr  R.  Hut  er  (Sterzing,  Tirol)  versendet  eben  das  Ver- 
zeichniss  der  Herbarpflanzen,  welche  1894  von  ihm  bezogen  werden 
können.  Das  Vei-zeichniss  enthält  wieder  zahlreiche  werthvolle  und 
interessante  Arten,  so  insbesondere  Pflanzen  aus  dem  Oriente  (ge- 
sammelt von:  Bornmüller,  Sintenis,  Haussknecht),  aus 
Spanien  und  Italien  (gesammelt  von:  Porta  und  Rigo,  Evers). 
aus  verschiedenen  Ländern  Mitteleuropas,  besonders  aus  den  Alpen  etc. 


Rehm  H.  Cladoniae  exsiccatae.  Nr.  425—434.  Edidit   F.  Arnold. 

Diese  Fortsetzung  enthält  folgende    Formen    ans  Tirol:    C.  urtcialis  L. 

f.  adunea    Ach.    (425).   C-  belUdiflora  Ach.  f.  gr acüenta  Xch.  (428),   C.  für- 


315 

cata  Huds.  f.  racemosa  Hoifm.  430),     C.  de<jenerans  Flor.  f.  anomoea  Ach. 
431),   C.  decorticata  Fiör.  (432),   C.  endiviaefolia  Dicks.  (434). 

Zwackh-Holzhausen  W.  v.  Lichenes  exsiccati.  Fase.  XXII, 

Uralasst  Nr.  1146  —  1117,  darunter  aus  Tirol  (leg.  Arnold):  Dufourea 
madrepori/ormis  (Wulf.)  Ach.  (1160),  Parmeliopsis  aleurites  (Ach.)  Nj'l. 
(1162),  Physcia  stellaris  (L.)  Nyl.  (1163),  Lecanora  exsecuta  Nyl.  (1165), 
Platysma  saepincola  Hoffm.  (1173),  Lecanora  acceptanda  (1174). 

Die   Hieracien   der   Umgebung  von  Seckau  in  Ober- 
Steiermark. 

Hieracia  Sechaueiisia  exslccata 

(Stiria  superior). 
Von  Dr.  Gustav  v.  Pernhoffer  (Wien). 

Angeregt  durch  die  schönen  und  instructiven  Hieracienexsic- 
caten  Norrlyn's,  Lindeberg's  und  Dahlstedt's,  welche  die  in 
Scandinavien  und  Finnland  vorkommenden  Sippen  und  Arten  dieser 
so  reich  gegliederten  Gattung  in  ihren  vielgestaltigen  Typen  und 
Formen  vor  Augen  führen,  unternehme  ich  es,  die  von  mir  ini 
Bereiche  meines  mehijährigen  Sommeniufenthaltes  zu  Seckau  in 
Ober-Steiermark  beobachteten  Hieracien  in  ähnlicher  Weise  bekannt 
zu  machen. 

Wohl  ist  dieses  Gebiet  ein  räumlich  höchst  beschränktes,  allein 
es  liegt  diifür  in  einem,  was  Hieracien  anbelangt,  mit  Ausnahme 
der  alpinen  Eegion,  noch  sehr  wenig  erforschten  Landestheile,  der 
auch    in    pflanzengeographischer    Hinsicht    einiges    Interesse    bietet. 

Der  Zweck,  welchen  ich  bei  dieser  Publication  zunächst  im 
Auge  halto.  besteht,  nebst  der  Aufschliessung  der  reichen  Hieracien- 
ftora  Seckaus.  darin,  den  Fachbotanikern,  insbesonders  den  Hieracio- 
logen  Materiale  zu  ihren  Studien  in  pflanz  ensystema- 
tischer  und  geographischer  und  zum  Theile  wohl  auch 
in  phylogenetischer  Hinsicht  zu  liefern. 

Was  die  Nomenclatur  anbelangt,  folge  ich  bei  den  Pilosel- 
loiden  der  bozügliclien  classischen  Monographie  von  C.  v.  Nägel i 
und  A.  Peter  (München  1885)  und  beschränke  mich  hiebei  zu- 
meist nur  auf  die  darin  aageführten  Hauptarten  oder  höchstens 
deren  Greges,  da  mir,  Mangels  der  Nägeli'schen  Exsiccaten,  die 
Bestimmung  der  zahlreichen  Subspecies  in  der  li^gel  um  so  schwie- 
riger fallen  musste,  als  dieses  Werk  fast  gar  keine  Standortsangaben 
aus  Steiermark  enthält.  Bezüglich  der  anderweitigen  Gruppen  kann 
ich  mich  nebst  den  Eingangs  aufgezählten  Exsiccaten  nur  an  Fries 
Symbolae  ad  historiam  Hieraciorum  (Upsala  1848)  und  dessen 
Epicrisis  generis  Hieraciorum  (Upsala  1862)  halten.  Die  wenigen, 
von  mir  als  neu  beschriebenen  und  benannten  Hybriden  und  Varie- 
täten  lasse    ich    immerhin    nur    als    provisorisch    gelten,    bewährten 


316 

Kennern  dieser  so  schwierigen  Gattung  es  anheimstellend,  dieselben 
an  der  Hand  des  vor  Augen  liegenden  Materiales  auf  ihren  Werth 
zu  prüfen  und  Irrthümer  richtig  zu  stellen. 

Bevor  ich  zur  Aufzählung  und  Besprechung  der  ausgegebenen 
Hieracien  schreite,  dürfte  eine  kurze  Schilderung  der  topographischen 
und  physikalischen  Verhältnisse  Seckaus,  in  dessen  nächstem  Umkreise 
dieselben  sämmtlich  gesammelt  wurden,  am  Platze  sein. 

Seckau  (47'^  16'  NB,  14"  47'  Ö.  L.)  liegt  auf  der  obersten 
Terrasse  eines  nur  von  unbedeutenden  Gewässern  durchzogenen,  west- 
östlich verlaufenden  Seitenthaies  des  Murthaies,  am  Südabhange  der 
gleichnamigen,  den  letzten  Abschnitt  der  sogenannten  niederen 
Tauern  bildenden  Alpen  und  gehört  demnach  dem  Gebiete  der 
Centralalpen  an;  seine  Seehöhe  beträgt  842  m.  Von  Seckau  erhebt 
sich  der  etwa  '/a  Stunde  breite  Thalboden  mit  geringer  Steigerung 
bis  zu  ungefähr  950  m  und  fällt  dann  steil  in  das  hier  dieselbe 
Richtung  verfolgende  erweiterte  Thalbecken  der  lugeriug  ab.  Der 
Höhenrücken  an  der  rechten  Thalseite  erreicht  nicht  völlig  1200  m; 
links  erheben  sich  die  genannten  Alpen,  deren  Kammhöhe  hier  nicht 
unter  2000  m  sinkt  und  welche  mit  ca.  2400  m  culminiren. 

Aus  den  in  der  dortigen  Benediktinerabtei  seit  Juli  1890 
regelmässig  angestellten  und  in  den  Jahrbüchern  der  k.  k.  meteoro- 
logischen Centralanstalt  zur  Veröffentlichung  gelangenden  meteoro- 
logischen Beobachtungen  ergeben  sich  bisher  folgende  Mittelwerthe,') 
und  zwar: 

Temperatur  in  "  Geis.*)     Feuchtigkeit  in  "/o-     Niederschlagshöhe  mm 

77-7  109-3 

70-4  205-4 

74-2  376-8 

81;4 199-5 

Jahr:  +    6*0  75-9  891-0 

Das  geognostische  Substrat  der  Höhenzüge  besteht  aus  Glimmer- 
schiefer, Gneiss  und  stellenweise  auch  aus  grösseren  Lagern  von 
Granit.  Die  Waldbestände  werden  nur  aus  Coniferen,  vorwiegend 
Fichten  gebildet;  die  Flora  des,  übrigens  zum  grossen  Theile  cul- 
tivirten  Thalbodens  enthält  ziemlich  viele  subalpine  Arten,  doch 
finden  sich  auch  einige,  sonst  in  der  Regel  auf  niedrigere  Gegenden 
beschränkte  Arten,  wie  z.  B.  Verbascum  austriacum,  Artemisia  pon- 
tica  u.  a.  m.^) 


Winter: 

-     4-2 

Frühjahr: 

+    6-1 

Sommer: 

+  15-4 

Herbst: 

+    6-7 

')  Ich  erhielt  diese  Daten  durch  Giite  des  Hochw.  Herrn  P.  Willibald 
Wolff  stein  er  0.  S.  B.,  welcher  auch  die  bezüglichen  Beobachtungen  an- 
stellte. 

'j  Nicht  corrig.  Mittel  aus  7.2.  8'/« 

3^ 

')  Vergl.  des  Verf.  Floristische  Notizen  aus  Seckau  in  diesen  Blättern. 
Jahrg.  1893.  Nr.  7  und  8. 


317 


I. 


1—3.  Hl&t'aciutn  Pilosella  Linne.  Fl.  suec.  ed  II,  p.  272 
(1755). 

Gl- ex    XL    Vuliiare  Nag.  et  Pet.  1.    c.  p.  152.  =   H.  Pilo- 
sella  c(.  vulgare  Tausch  in  Flora  1828,  p.  52. 
1.  2.  Squamae  +  obscurae   usque   cinereae,   Involucrum,   scapusque 

+  pilosi  usque  epilosi  et  tum  plerumque  glandulis    et  floccis 

magis  obsiti. 

In  graminosis    ad   margines  viarum    et   silvarum;    850 — 

950  m  s.  m. 

Häufig  2 — 3  fast  immer  ungetheilte  Schäfte  mit  langen, 
dicklieben  und  zuweilen  Blüthenknospen  treibenden  Stolonen  ent- 
wickelnd und  miteinander  vermischt  wachsend,  besiedeln  diese  For- 
men —  öfters  in  Menge  —  die  Thalregion  und  reichen,  mit  Ver- 
kürzung des  Schaftes,  sowie  der  Stolonen  bis  auf  Höhen  von  1600  m 
und  darüber.  Uebergangsformen  verbinden  dieselben  mit: 

3.   Squamae    obscurae-cinereae,     luvolucrum     scapusque    epilosi, 

glandulis  et  floccis  +  numerosis  obsiti. 

In   graminosis   siccis   ad   marginem    viae    versus    pagum 

Neuhofen;  ca.  820  m  s.  m. 

Diese,  von  üebergängen  abgesehen,  auch  durch  schwächlicheren 
Habitus,  dichtere  flockige  Bekleidung,  namentlich  auch  der  Blatt- 
unterseite, sowie  durch  verkürzte  Stolonen  von  den  Vorigen  ver- 
schiedene Pflanze  scheint  nur  auf  entschieden  trockenem  Boden  vor- 
zukommen und  deshalb  um  Seckau  seltener  zu  sein.  Dieselbe  befand 
sich  in  Gesellschaft  mit  dem  sub  Nr.  19  ausgegebenen  H.  hrachiatum. 

Alle  diese  Formen  beginnen,  fast  gleichzeitig,  in  der  ersten 
Juuihälfte  zu  erblühen. 

4 — 5.   Hieraciuiti  JPilosella  L.  w.  0. 

Grex  XII.  subvirescens  Näg.  et  Pet.  1.  c.  p.  159.  Subsp.? 

In  locis  umbrosis  subhumidis  silvae  vulgariter  „Kuhhalt"  dictae; 
840—880  m  s.  m. 

Die,  in  allen  am  erwähnten  Standorte  vorkommenden  Vari- 
anten ausgegebene  Pflanze  dürfte  wohl  sicher  in  die  bezeichnete 
Sippe  (im  Nägeli'schen  Sinne)  gehören  und  hat  auch  mit  dem  in 
Lindeb.  H.  Scand.  exsicc.  sub  Nr.  101  ausgegebenen  Pilosella  var. 
virescens,  abgesehen  von  der  höchst  seltenen  Gabelung  des  Schaftes 
(unter  mehr  als  100  untersuchten  Stücken  beobachtete  ich  selbe  nur 
dreimal,  und  zwar  nahe  der  Basis,  viele  Aehnlichkeit,  passt  jedoch  in- 
soferne  zu  keiner  der  von  Nägel  i  angeführten  Subspecies,  als  dieselbe 
deren  bezügliche  Sondermerkmale  in  sich  vereinigt,  weshalb  ich  hier 
deren  Beschreibung  folgen  lasse: 

Schäfte  1  (höchst  selten  2),  18 — 42  cm  hoch,  schlank,  schlaft", 
meist  +  gebogen,  höchst  selten,  und  zwar  nahe  der  Basis  gabelig. 
selten    mit    1—2    kleinen    linealen    oder    schuppenförmigen    Stengel- 


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blättern,  Blätter  oboval  länglich,  lanzettlich  bis  lineal-lauzettlich.  ab- 
wärts lang  verschmälert,  stumpflich  oder  spitzlich,  bis  17  cm 
lang  und  2cm  breit.  Hülle  10 — 11mm  lang,  oval  bis  rundlich, 
öfter  etwas  niedergedrückt  bauchig,  Schuppen  schmal  oder  fast 
schmal,  schwärzlich  bis  grau,  weiss  gerandet,  Haare  der  Hülle  massig 
zahlreich  oder  fast  0,  schwärzlich  oder  hell,  am  Schafte  mehr 
minder  zahlreich,  oft  sehr  zahlreich,  sehr  selten  fast  0, 
bis  4mm  lang,  schwärzlich  oder  heller,  weich;  Drüsen  und  Flocken 
an  Hülle  und  Schaftspitze  reichlich,  nach  abwärts  öfters  nur  wenig 
vermindert  bis  an  die  Basis  reichend,  oder  überhaupt  nur  massig 
zahlreich  und  dann  gegen  die  Basis  mitunter  sehr  zerstreut.  Schaft 
grau  oder  graulichgrüu,  Blattrand  zerstreut  bis  massig  —  Blatt- 
oberseite zerstreut  behaart,  Haare  etwas  steiÜich.  Blattrücken  dichter 
behaart,  massig  bis  reichflockig  grünlichgrau  bis  giau  und  selbst  — 
an  den  Rosetten-  und  Stolonenblätteru  weisslichgrau.  Randblüthen 
gleichfarbig  hellgelb  oder  höchstens  nur  schwach  röthlich  gestreift. 
Ausläufer  verlängert,  schlank,  bis  40  cm  lang,  meist  dichtzottig 
behaart  oder  filzig,  sehr  selten  Blüthenknospen  treibend. 

Die  Pflanze  zeichnet  sich  in  allen  ihren  Varianten  durch  eine 
auft'allende  Schlaffheit  und  Weichheit  aus-,  Exemplare,  welche  diese 
Eigenschaften  in  minderem  Grade  aufweisen,  geben  sich  in  der  Regel 
schon  als  +  deutliche  Uebergänge  zu  den  in  ihrer  Nachbarschaft, 
unferne  des  Waldrandes  wachsenden  unter  Nr.  1  u.  2  ausgegebenen 
Formen  von  H.  pilosella  a  uulgare  zu  erkennen,  und  zwar  er- 
scheinen die  Blüthen  deutlicher  landstreifig,  die  Farbe  des  Blatt- 
rückens sticht  von  jeuer  der  Blattoberseite  greller  ab;  gleichzeitig 
verringert  sich  auch  die  Pubescenz  und  es  verkürzen  sich  Schaft, 
Stolonen  und  Blätter,  üebrigens  lässt  sich  auch  ein  gewisser  Paral- 
lelismus zwischen  den  Formen  dieser  beiden  Typen  in  Bezug  auf 
Grad  und  Wechsel  ihrer  Pubescenz  und  Drüsigkeit  nicht  verkennen. 

Ich  fand  diese  Pflanze,  welche  frühestens  Mitte  Juli,  gemeinig- 
lich jedoch  erst  im  August  zur  Blüthe  gelangt,  auch  noch  an  schat- 
tigen Waldrändern  dersell»en  Berglehne  hinter  dem  sogenannten 
Weinmarteiche  bei  ca.  930  m,  ferner  an  ähnlichen  Stellen  am  Fusse 
des  Kalvarienberges  und  erhielt  einige,  jedoch  weniger  typische  und 
dürftigere  Exemplare  aus  der  Umgebu